Der Buchhändler - Petra Johann

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe; 432 Seiten
    • Verlag: ‎ Rütten & Loening; 1. Edition (14. März 2022)
    • ISBN-10 ‏: ‎ 3352009694
    • ISBN-13 ‏: ‎ 978-3352009693
    • Genre: Thriller



Rütten & Loening Kurzbeschreibung:
Erik Lange, ein freundlicher Mittdreißiger, wagt einen Neuanfang; in einer Kleinstadt übernimmt er eine Buchhandlung. Sein neues Leben beginnt vielversprechend – bis eines Tages ein kleines Mädchen verschwindet. Theresa hat in aller Frühe ihr Elternhaus verlassen und ist nicht zurückgekehrt. Eine großangelegte Suchaktion wird gestartet, die erfahrene Kriminalhauptkommissarin Judith Plattner nimmt ihre Ermittlungen auf. Auch Erik hilft bei der Suche – genauso wie alle im Ort. Doch nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass jemand aus ihrem Umfeld für Theresas Verschwinden verantwortlich ist. Auch Erik gerät in Verdacht – mit fatalen Folgen. 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Entweder hat mich dieser Thriller gerade zum richtigen Zeitpunkt erwischt oder ich habe wirklich seit langer Zeit wieder ein sehr gutes Buch aus diesem Genre in den Händen gehabt, welches mich überzeugen konnte.

Petra Johann ist für mich eine noch unbekannte Autorin, obwohl ich ihren Vorgänger "Die Frau vom Strand" hier auf dem SuB liegen habe. Das wird demnächst geändert!
Im Prolog liest man voller Entsetzten, wie ein Mann brutal gefoltert wird und dem Tod bereits nahe ist.
Danach geht es eher gemächtlich weiter und wir lernen den Buchhändler Erik Lange kennen. Er lebt seit kurzem von seiner Frau und Tochter getrennt, hat seine Heimatstadt verlassen und sucht einen Neuanfang. In der bayrischen Kleinstadt Neukirchen hat er eine neue Heimat gefunden und übernimmt eine renommierte Buchhandlung. Erik findet neue Freunde und wird Mitglied des Volleyballclubs. Man weiß, er hat eine Tochter, die ihm sehr fehlt und mit ihrer Mutter in einer anderen Stadt lebt, doch der Kontakt scheint schwierig zu sein. Als jedoch eines Tages die neunjährige Theresa, genannt Tessi, in aller Früh spurlos verschwindet, ändert sich die freundschaftliche Atmosphäre sehr schnell. Eine Suchmannschaft wird zusammengetrommelt und die Polizei verständigt. Hauptkommissarin Judith Plattner, die nach einem persönlichen Schicksalsschlag nie wieder eine Ermittlung leiten wollte, übernimmt gemeinsam mit der jungen und engagierten Polizistin Pia Meyer den Fall. Die beiden suchen im Umfeld des Mädchens nach dem mutmaßlichen Täter - und plötzlich steht auch der neu Zugezogene im Visier. Und dann macht jemand eine Entdeckung – mit fatalen Folgen..

Während der Thriller mit einem blutigen Prolog beginnt, entschleunigt die Autorin danach und punktet anschließend mit eher psychologische Spannung. Die Geschichte wird sowohl aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Erik, als auch von einem neutralen Erzähler erzählt.
Die Autorin nimmt sich viel Zeit die Charaktere vorzustellen, die Szenerie aufzubauen und das Kleinstadtleben zu beschreiben. Man könnte sogar sagen, es plätschert zu Beginn etwas dahin.
Doch mit jeder Stunde, die vergeht und das Mädchen verschwunden bleibt, erhöht sich die Spannung.

Erik steht zwar im Fokus des Thrillers, ist aber nicht die einzige Hauptfigur des Romans. Ich fand es sehr interessant die Figuren mit all ihren Facetten und unterschiedlichen Charakteren kennenzulernen. Sind viele zu Beginn noch hilfsbereit und halten zusammen, ändert sich die Dynamik bald. Die Atmosphäre in der Kleinstadt beginnt sich zu ändern. Misstrauen kommt auf, welches durch Gerüchte und Lügen verbreitet wird und die zuvor friedliche Stimmung schlägt bald in eine gewaltbereite um, bis jeder jeden verdächtigt. Puzzlestein um Puzzlestein wird zusammengesetzt. Doch das sich ergebene Bild wird plötzlich durch eine unvorhergesehene Wendung wieder völlig neu gruppiert und so steuern wir immer mehr und mehr auf eine Katastrophe zu....denn nichts ist, wie es scheint!

Trotz des eher leisen Thrills entwickelte die Story für mich einen gewaltigen Sog und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Ich hatte einen leisen Verdacht, der auch in die richtige Richtung ging, mich aber trotzdem völlig überraschte.
Die eingebauten Themen, wie Selbstjustiz und Pädophilie sind heftig und gesellschaftskritisch.
Das Ende ging mir dann fast zu schnell und es bleibt eine kleine Frage offen. Nachdem mich aber der leise Thriller sonst wirklich überzeugt hat, gibt es von mir trotzdem fünf Sterne. 

Fazit:
Ein leiser Thriller, der sich langsam aufbaut und das beginnende Misstrauen in einer Kleinstadt perfekt vermittelt. Spannend, mit sensiblen Themen und einem Sog, den ich mich nicht entziehen konnte. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


Der Papierpalast - Miranda Cowley Heller

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    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: ‎ Ullstein Hardcover; 6. Edition (31. März 2022)
    • Übersetzer: ‎ Susanne Höbel
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550201370
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550201370
    • Originaltitel: ‎ The Paper Palace

     

Ullstein Kurzbeschreibung:
Elle Bishop, 50, glücklich verheiratet, steht vor einer großen Entscheidung: Bleibt sie bei ihrem Ehemann oder verlässt sie ihn und ihre Familie für ihren Jugendfreund, mit dem sie eine unvergessliche Nacht verbracht hat. Sie hat nur einen Tag Zeit, um herauszufinden, wer sie im Leben sein will und mit wem sie es verbringen möchte. Im Papierpalast, dem Sommerhaus der Familie, steht sie vor der Frage, welche Art des Glücks sie wählen wird. Ein großer Roman über die Sommer unseres Lebens ― und darüber, was es heute bedeutet, eine Frau zu sein. 

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Auf den Roman, der mir noch unbekannten Autorin Miranda Cowley Heller, wurde ich durch mehr und mehr Bilder und Rezensionen auf Instagram aufmerksam. Nachdem ich mir den Klappentext durchgelesen hatte, klettere "Der Papierpalast" gleich auf meine Wunschliste. Umso mehr freute ich mich, als ich das Buch ganz neu in meiner Bücherei entdeckte. Natürlich kam es gleich mit nach Hause.

Eleonor, genannt Elle, verbringt ihre Sommer am liebsten mit ihrer ganzen Familie im Ferienhaus in den Black Woods, in der Nähe des Atlantiks bei Cape Cod. Dort hat sie schon ihre Kindheit, gemeinsam mit ihrer Schwester Anna und dem zwei Jahre jüngeren Nachbarsjungen Jonas, verbracht. Die verfallenen Holzhütten, in denen die Familie noch heute den Sommer über wohnt, hat sie liebevoll "den Papierpalast" genannt. Ein kleiner idyllischer Teich ist der Mittelpunkt. Doch der Papierpalast ist auch Zeuge einer komplizierten und verlustreichen Familiengeschichte. Hier hat sich Elle das erste Mal verliebt - in Jonas, den Nachbarjungen. Als sie diesen Sommer wieder mit ihrem Ehemann Peter und ihren drei Kindern anreist, ist jedoch plötzlich alles anders. Elle hatte eine leidenschaftliche Nacht mit Jonas, den sie ihr ganzes Leben lang nicht vergessen konnte. Nun steht sie vor der Frage, mit welchen der beiden Männer sie ihre weitere Zukunft verbringen möchte....

Als Rahmenhandlung für ihren Roman nimmt Miranda Cowley Heller nur einen einzigen Tag. Dabei erfahren wir in Rückblenden von Elle’s Kindheit, die geschickt mit der Gegenwart verwoben wird. Der Autorin gelingt ein komplexes, bedrückendes, aber auch sehr eindringliches Porträt einer komplizierten Familie. Die Entwicklung der Frauen - Elle, Wallace und Anna - und ihre Beziehung zueinander zählt für mich zu den Stärken des Romans. Die Geschichte wechselt immer zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Trotzdem handelt es sich hier nicht um die im Klappentext suggerierte sommerliche Strandlektüre, denn der Roman schreckt nicht vor harten Themen, wie sexuellem Missbrauch und Gewalt zurück. Romantische Gefühle wurden, vorallem durch die sehr oft verwendete rüde und ordinäre Sprache bei erotischen Szenen, im Keim erstickt. Zusätzlich bin ich kein Freund von Dreiecksbeziehungen.
Besonders im Vergangenheitsstrang, der die Kindheit von Elle und Anna erzählt, erfahren wir von einigen traumatischen Erlebnissen, die eine Triggerwarnung benötigt hätten.

Ein Highlight sind die wunderschönen, detailreichen und bildstarken Beschreibungen der Landschaft. Die Tier- und Pflanzenwelt wird sehr lebendig und stimmungsvoll beschrieben. Der Scheibstil ist sowohl poetisch, als auch bei einigen Szenen etwas explizit.
Die Hype um die Geschichte kann ich nicht ganz nachvollziehen. Mir hat der Roman gut gefallen, aber er rangiert bei mir eher im Mittelfeld bzw. sticht nicht wirklich unter anderen ähnlichen Romanen hervor.

Für mich blieb das Ende leider offen, welches Raum für Interpretation und Spekulation lässt. Einige Buchblogger empfanden dies nicht so, doch mich verwirrte vorallem der letzte Absatz so sehr, dass ich nach dem letzten Satz nicht wusste, wie Elle sich entschied. Darüber bin ich doch etwas enttäuscht, denn ich mag offene Enden nicht.

P:S.: Wenn jemand von euch das Buch gelesen hat, schreibt mir bitte eine PN. Ich würde gerne über das Ende diskutieren.

 Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Ausgaben, das italienische und das estnische Cover.
Die Farben auf dem deutschsprachigen Cover finde ich absolut unharmonisch und gefallen mir gar nicht.

Fazit:
Der Roman ist definitiv keine leichte Kost und auch keine leichte Sommerlektüre. Eine Triggerwarnung fände ich angebracht. Trotzallem hat mich die tiefgründige Geschichte voller Geheimnisse und Lügen teilweise fasziniert. Bei meiner Bewertung bin ich mir diesmal ziemlich unsicher und vergebe 3 1/2 Sterne, die ich auf anderen Portalen aufrunden werde.


Die Liebenden von Nizza - Johanna Laurin

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    • Taschenbuch: 480 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (9. Mai 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442206340
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206346
    • Genre: zwei Zeitebenen,  Roman



Goldmann Kurzbeschreibung:
Romy ist Kunstexpertin, und ihre ganze Leidenschaft gilt der Suche nach verschwundenen Bildern. Eines Tages bittet der Anwalt Adam Gold sie um Hilfe: Ein berühmtes Gemälde, das ein Liebespaar zeigt, ist in den Wirren des Zweiten Weltkriegs in Südfrankreich verschollen. Nun hat sich sein rechtmäßiger Besitzer bei Adam gemeldet und ihn beauftragt, das Bild ausfindig zu machen. Romys Neugier ist geweckt, und gemeinsam mit Adam begibt sie sich auf Spurensuche an die malerische Côte d'Azur. Dabei stoßen die beiden auf die bewegende Geschichte von Charlotte und Henri, deren große Liebe auf schicksalshafte Weise mit dem verlorenen Bild verwoben ist ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der Debütroman der Autorin "Die Bucht der Lupinen" hat mich letztes Jahr mega überrascht! Es wurde auf Anhieb ein fünf Sterne Buch!
"Die Liebenden von Nizza" können dies leider nicht wiederholen, obwohl mich die Geschichte im Vergangenheitstrang sehr beeindruckt hat. Die Gegenwart konnte mich hingegen diesmal nicht so mitnehmen, was vorallem an Romy lag, die für mich irgendwie zu blass blieb.

Johanna Laurin hat auch diesmal wieder einen packenden Roman geschrieben. Im Vergangenheitsstrang lernen wir Charlotte, Francine und Aimée kennen, die im Ersten Weltkrieg als Krankenschwestern in einem Lazarett verwundete Soldaten versorgen. Charlotte lernt dort Henri kennen und lieben. Sie sind das Paar, welches Jahre später auf dem Triptychon "Die Liebenden von Nizza" festgehalten wird, das vom damaligen noch unbekannten Maler Jean Paul Girard gemalt wurde. Seit dem Zweiten Weltkrieg gilt eines der drei Bilder verschollen. Edouard, der Sohn von Charlotte und Henri, versucht dieses Bild wieder in seinen Besitz zu bekommen und engagiert den Anwalt Adam Gold. Dieser wendet sich an die Kunstexpertin Dr. Romy Hauser, die sich nach einem schweren Schicksalsschlag eine Auszeit genommen hat. Doch der Fall beginnt sie zu interessieren und als Adam Gold auch noch vor ihrer Tür steht, sagt sie zu. In Südfrankreich machen sich beide auf die Suche nach dem verschwundenen dritten Bild aus dem Triptychon.

Die Liebesgeschichte um Charlotte und Henri Fauberge, die Eltern des Auftraggebers, und die damit verbundene Entstehung des Gemäldes, wird wunderbar erzählt. Ich konnte den Zauber, der dieses Gemälde verbreitet, richtig spüren.
Als Leser begleiten wir nicht nur
Charlotte und Henri von 1915 bis 1944, sondern auch Charlottes Freundinnen Francine und Aimée auf ihren weiteren Lebenswegen, die miteinander verwoben bleiben.
Der Schwerpunkt des Romans liegt bei der französischen Résistance und jeder Form von Kunstraub während des Nazi-Regimes. Dabei lernen wir viele Facetten der Figuren kennen, die in vielen Situationen über sich hinauswachsen. Überleben und Freiheit stehen dabei an erster Stelle.
Im Gegenwartsstrang behandelt die Autorin die mühsame Aufgabe der Rückforderung dieser Kunstwerke, um die Hinterbliebenen zu entschädigen.

Der Vergangenheitsstrang konnte mich richtig fesseln.
Charlotte ist ein wahnsinnig starker Charaktert voller Mut, Engagement und Leidenschaft. Ich habe mit ihr mitgefühlt und mitgelitten. Aber auch die anderen Charaktere sind starke Figuren, die in Erinnerung bleiben.
In der Gegenwart konnten mich hingegen Romy und Adam nicht richtig überzeugen. Ich fand kaum Zugang zu ihnen und hätte den Roman auch ohne den Gegenwartsstrang genossen...vielleicht sogar noch mehr.

Schreibstil:
Schon in "Die Buch der Lupinen" hat mich die Autorin mit ihrem einfühlsamen und bildhaften Schreibstil überzeugt. Die Erzählweise der Autorin ist fesselnd und zeigt von exakter Recherche rund um das Thema Raubkunst. Auch die malerischen Landschaftsbeschreibungen der Côte d'Azur sind neben dem schweren Thema rund um die beiden Weltkriege gelungen.

Fazit:
Ein Roman auf zwei Zeitebenen, der mich in der Vergangenheit absolut überzeugen und fesseln konnte. Der Gegenwartsstrang war mir hingegen etwas zu unaufgeregt und blass. Trotzdem eine wunderbare Geschichte mit vielen Facetten und einem interessanten Thema rund um Raubkunst.

Vielen Dank an den Goldmann Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Schatten über Saint-Tropez - Sabine Vöhringer

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


     

    • Taschenbuch: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (16. Mai 2022)
    • ISBN-10 ‏: ‎ 3442492610
    • ISBN-13 : ‎ 978-3442492619
    • Genre: Krimi


Goldmann Kurzbeschreibung:
Die Reisejournalistin Conny von Klarg will ihre Freundin Simonette Bandelieu in Saint-Tropez besuchen. Die Grande Dame der französischen Hotellerie war für Conny nach dem Tod ihrer Eltern wie eine Mutter. Heute steht Simonettes Hotel, in dem einst Brigitte Bardot abstieg, kurz vor dem Ruin. Doch als Conny an der Côte d’Azur eintrifft, wird sie nicht etwa mit einem Pastis begrüßt, sondern muss die alte Dame in der Gendarmerie aufsuchen. Simonette soll den Milliardär Henri Moreau erstochen haben. Überzeugt von Simonettes Unschuld stellt Conny Recherchen an und stößt in dem Küstenstädtchen auf alte Geheimnisse, die bedrohliche Schatten werfen …

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Schatten über Saint-Tropez" ist der Auftaktband einer neuen Reihe rund um die Reisejournalistin Conny von Klarg aus der Feder von Sabine Vöhringer. Damit wechselt sie die Location von München nach Südfrankreich. Im Gegensatz zu Kommissar Tom Perlinger, der in Bayern ermittelt, haben wir es in Saint-Tropez mit keiner Polizistin oder Kommissarin zu tun, sondern mit einer Reisejournalistin, die sich in die Aufklärung eines Mordes stürzt.

Conny von Klarg schreibt seit Neuestem für die "La Voyagette". Sie hat vom Nachrichtenjournalismus in das Ressort Reisen gewechselt und fliegt voller Vorfreude an die Côte d’Azur. Ihre mütterliche Freundin Simonette, die ein mondänes Hotel in Saint-Tropez führt, hat ihr ein Interview versprochem. Conny hat viele Sommer bei Simonette verbracht, die ihr nach dem Tod der Eltern Mutterersatz war. Als sie jedoch im Hotel ankommt, erfährt sie, dass Simonette verhaftet und des Mordes am Milliadär Henri Moreau beschuldigt wurde. Conny kann es nicht fassen! Sie glaubt felsenfest an ihre Unschuld und versucht vor Ort Ermittlungen anzustellen. Als Conny erfährt, dass Simonettes Hotel „La Maison des Pêcheurs“ kurz vor dem Ruin steht, ist sie entsetzt. Und warum schweigt Simonette in der Untersuchungshaft? Ihrem Lebensgefährten Jacques ist es ebenso unerklärlich, warum seine Freundin verdächtigt wird. Als auch noch wertvolle Bilder in seinem Haus gestohlen werden, die Simonette extra bei ihm gelagert hat, um sie vor Diebstahl zu schützen, beginnt auch Jacques zu handeln. Gemeinsam mit Conny versucht er Simonettes Unschuld zu beweisen. Dabei stoßen die beiden auf einige Geheimnisse aus der Vergangenheit. Als noch Connys Exfreund Félix auf den Fall angesetzt wird, der als Kriminalpsychologe mit Simonette sprechen soll, scheint es für ihre mütterliche Freundin sehr ernst zu werden...

Trotz der Verhaftung von Simonette beginnt der Krimi eher langsam und plätschert etwas dahin. Man schaltet fast in den Urlaubsmodus um, denn die landschaftlichen Beschreibungen sind unheimlich inspirierend und wecken das Fernweh. Man spürt den Mistral, riecht den Lavendel, trinkt Pastis und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen...einfach herrlich. Doch dabei rückt der Fall zu Beginn etwas zu viel in den Hintergrund. Es dauert bis richtige Spannung aufkommt und als Leser rätselt man lange Zeit über das Motiv des Mordes und über das Schweigen von Simonette.

Zusätzlich kommen zu Beginn einfach zu viele Personen vor, die es dem Leser schwer machen diese zuzuordnen. Manche davon bleiben nur kleine Randfiguren und sind für die Geschichte nicht wirklich wichtig.
Auch das Verhalten von Conny fand ich manchmal etwas zu riskant und unüberlegt. Zusätzlich verwirren die vielen Rückblenden und Beziehungskonstellationen der Figuren.
Als sehr interessantes Thema empfand ich die Kunstszene, die im Fall eine größere Rolle spielt. Generell ist der Plot komplex und richtig interessant aufgebaut, verliert jedoch durch zu viel drumherum an Spannung. Erst im letzten Drittel zieht der Krimi richtig an und man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Schreibstil:
Sabine Vöhringer schreibt sehr bildhaft und detailverliebt. Das Flair und der Charme der Gegend wird unwahrscheinlich lebendig dargestellt und man hat das Gefühl direkt vor Ort zu sein. Dabei lässt die Autorin auch immer wieder kleine französische Sätze oder einzelne Worte einfließen, die man auch ohne Sprachkenntnisse versteht und in der Handlung Sinn ergeben. Da ich selbst Französisch gelernt habe, war es allerdings für mich sowieso kein Problem. 

Fazit:
Ein komplexer und vielschichtiger Krimi mit viel französischem Flair, der zu Beginn durch die vielen Figuren und Rückblicke etwas verwirrt und dem Kriminalfall die Spannung nimmt. Doch von Seite zu Seite nimmt die Geschichte immer mehr Fahrt auf. Das Ende und die Auflösung konnten mich ebenfalls überzeugen.

Vielen Dank an den Goldmann Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Bin wieder da!

 

Hallo ihr Lieben!

Nur eine kurze Post heute. Ich bin nach einem kleinen Marathon gestern (3 1/2 Stunden Verspätung) wieder zurück aus Schweden. Meine nächste Rezension kommt morgen oder übermorgen.
Bis bald!
 

 

Kleine Blogpause

 

Liebe Bücherwürmer!

Wie bereits angekündigt gibt es eine kleine Blogpause, denn ich bin bis 15. Juni in Schweden unterwegs.

Ich wünsche euch eine schöne Lesezeit!

Wir lesen uns bald wieder



Über Carl reden wir morgen - Judith W. Taschler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    •  
    • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Paul Zsolnay Verlag; 1. Edition (11. April 2022)
    • ISBN-10 : ‎ 3552072926
    • ISBN-13 : ‎ 978-3552072923
    • Genre: Familienroman

     

     

Zsolnay Kurzbeschreibung:
Fast hat man sich in der Hofmühle damit abgefunden, dass Carl im Krieg gefallen ist, als er im Winter 1918 plötzlich vor der Tür steht. Selbst sein Zwillingsbruder Eugen hätte ihn fast nicht erkannt. Eugen ist nur zu Besuch, er hat in Amerika sein Glück gesucht und vielleicht sogar gefunden. Wird er es mit Carl teilen? Lässt sich Glück überhaupt teilen? Judith W. Taschler hat einen großen Familienroman geschrieben. Über drei Generationen verfolgen wir gebannt das Schicksal der Familie Brugger, deren Leben in der Mühle vor allem die Frauen prägen. Das einfühlsame Porträt eines Dorfes, ein Buch über Abschiede und die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, über den Krieg und die unstillbare Sehnsucht nach vergangenem Glück.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Judith W. Taschler gehört mittlerweile zu den Autor:innen, bei denen ich weder Inhalt noch Klappentext lesen muss, um sie in mein Bücherregal einziehen zu lassen. Ich kaufe ihre Bücher auf jeden Fall.
Nachdem ich sie vor wenigen Jahren bei einer Lesung auch persönlich kennengelernt habe, ist sie in die Riege meiner Lieblingsautorinnen aufgestiegen und wird wohl dort bleiben.

Nach ihrem letzten Roman "Das Geburtstagsfest" hat sie den Verlag gewechselt und es hat auch einige Zeit gedauert bis ihr neues Buch "Über Carl reden wir morgen" erschienen ist. Und diese Zeit war auch nötig. Denn wenn man dieses Buch gelesen hat, staunt man nur über diese komplexe Geschichte, die über drei Genererationen geht. Eine große Hilfe ist zu Beginn das Lesezeichen mit dem Familienstammbaum, welcher jedoch nicht vollständig ist.  Auf den titelgebenden Carl müssen wir außerdem eine Weile warten.

Die Geschichte beginnt nicht, wie man anhand des Klappentextes vermutet 1918, sondern bereits 1828 mit Anton Brugger und seiner Schwester Rosa. Im oberösterreichischen Mühlviertel übernimmt Anton die Getreidemühle seines Vaters, während Rosa lieber vom Land in die Stadt ziehen möchte. Als sie eines Tages eine Frau anspricht, die Dienstmädchen für reiche Herrschaften in Wien sucht, nimmt sie das Angebot an. Anton vermisst Rosa und heiratet spät. Erst nach einem schweren Schicksalsschlag bittet er seine Schwester zurück auf den Hof zu kommen, um für ihre Nichten und Neffen zu sorgen.
Sohn Albert erweitertet den Familienbetrieb und baut zusätzlich ein Warenhaus, welches den Mühlviertlern mehr Möglichkeiten bringen soll und bald floriert. Er ist ein sehr aufgeschlossener Mann und findet in Wien seine zukünftige Frau, die von den Dorfbewohnern skeptisch beäugt wird und nur schwer Anschluss findet. Albrecht und Anna bekommen vier Kinder: Die Zwillingsbrüder Carl und Eugen, Gustav und die Nachzüglerin Elisabeth. Während Eugen später nach Amerika auswandert, müssen Carl und Gustav in den Krieg ziehen....

Zu Beginn empfand ich den Schreibstil etwas distanziert, aber eindringlich. Im Vergleich zu den beiden anderen Romanen, die ich bereits von der Autorin gelesen habe, war ich etwas überrascht und diese Erzählweise nicht wirklich gewohnt. Doch mit der Zeit verflog dieses Gefühl und ich war mitten in der Geschichte um die Familie Brugger. Die Handlung wird sehr detailliert beschrieben. Judith W. Taschler springt zwischen den Zeitebenen hin- und her. Einige Begebenheiten werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass einige Vorkommnisse dadurch aus einem anderen Blickwinkel gesehen werden können. Als Leser erhält man daher einen sehr guten Einblick in einige Geschehnisse und in die Charaktere der Figuren. Diese sind wunderbar gezeichnet und haben Tiefe. Man lebt mit ihnen mit und schließt einige davon ganz besonders ins Herz.

Durch die lange Zeitspanne und die vielen unterschiedlichen Personen ist der Roman sehr abwechslungsreich. Die Autorin vermittelt einen sehr guten Einblick in das damalige harte Leben auf dem Land, die Rolle der Frau, sowie die langsamen Veränderungen in der Gesellschaft. Neben dem kargen Arbeitsleben am Land gibt es auch Einblicke ins Stadtleben der damaligen Zeit, wo Dienstboten teilweise wie Sklaven behandelt und von der gehobenen Schicht drangsaliert und missbraucht wurden.
Weitere Themen sind Auswanderung und natürlich der bereits im Klappentext angekündigte Erste Weltkrieg. Die Kriegsschilderungen an der österreichisch/italienischen Grenze sind erschütternd und bleiben im Gedächtnis haften.

Im Gegensatz dazu hat man die wunderbaren Beschreibungen der Landschaft des Mühlviertels vor Augen und erlebt das Dorflebens hautnah mit. In dieser Geschichte gibt es Freud und Leid, Liebe und Missgunst, aber alles auf einem sehr anspruchsvollen und glaubhaftem Niveau.

Dieser Roman sollte weder nebenher noch parallel gelesen werden, denn er erfordert Konzentration. Das Ende blieb leider ziemlich offen. Ich hoffe es wird eine Fortsetzung geben, auf die man nicht allzu lange warten muss, denn ich möchte sehr gerne noch mehr über die Familie Brugger erfahren.

Noch ein Wort zum Cover. Ich finde es hebt sich vom Einerlei historischer Romane/Familienromae richtig ab und ist absolut gelungen. Für mich passt es perfekt zu dieser nicht alltäglichen Geschichte, die sich nicht in ein Schema pressen lässt. 

Fazit:
Ein etwas anderer historischer Familienroman über 100 Jahre und drei Generationen, der Konzentration erfordert. Ein mitreißendes und komplexes Familienepos...einzig das offene Ende war nicht ganz meins.

 Vielen Dank an den Zsolnay Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

 

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