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Polnischer Abgang - Mariusz Hoffmann

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: ‎ Berlin Verlag; 1. Edition (30. März 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3827014816
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3827014818
    • Genre: Coming-of-Age, Flucht




Berlin Kurzbeschreibung:
Salesche, ein Dorf in Polen 1990: Jarek und seine Eltern packen ihre Sachen. Sie wollen nach Deutschland aussiedeln, so wie Oma Agnieszka, die acht Jahre zuvor die Flucht angetreten hatte. Doch wovor war sie wirklich geflohen? Niemand will es dem 14-Jährigen sagen. Als Jarek ins Schlepperauto steigt, das sie von Schlesien über die Grenze bringen soll, weiß er nur eins genau: Er wird nicht zurückkehren. Im sich wiedervereinigenden Deutschland, sagt man ihm, warte ein besseres Leben. Doch statt zu Agnieszka nach Hannover zu fahren, geht es für die Sobotas schnurstracks in die Aussiedlerlandestelle Hamm, um dort ihre Anträge zu stellen. Und auch nachdem sie die Aufnahmebestätigung in Deutschland erhalten, rückt das Wiedersehen mit der Großmutter in immer weitere Ferne. Jarek beginnt, dem Schweigen seiner Eltern zu misstrauen, bis sich am ersten Weihnachtsabend im »gelobten Land« die Teile des Familienpuzzles plötzlich folgenreich ineinanderfügen.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Jarek Sobota und seine Eltern leben im oberschlesischen Dorf Salesche. Nach dem Mauerfall will die Familie auf ins "gelobte Land" Deutschland. Vor acht Jahren ist Jareks Großmutter Agnieszka still und leise in die damalige Bundesrepublik geflohen. Ohne es ihrem Mann oder ihren Söhnen mitzuteilen, war sie eines Tages verschwunden. Getarnt mit einem Touristenvisa und der Einladung der Großmutter fahren die Sobotas mit dem Schlepper Hübner Richtung Grenze. Zuhause wurde alles verschenkt und verkauft.
Im Zwischenlager Unna-Massen leben sie auf engstem Raum mit anderen Flüchtlingen. Dort lernt Jarek Monika kennen, mir der er sich anfreundet.
Vom Aussiedlerlager geht es weiter in Notquartiere und Jarek fragt sich, wann er endlich seine Großmutter Agnieszka treffen wird. Doch das Geheimnis um ihre Flucht halten die Eltern selbst am Weihnachtstag aufrecht...

Die Geschichte spielt 1990 nach dem Fallen des eisernen Vorhangs. In vierzig kurzen Kapiteln erzählt der Autor von der Flucht und der ersten Zeit in Deutschland. Dazu gibt es immer wieder Rückblicke in die nahe Vergangenheit, in die damals sehr unruhige Zeit in Polen. Mariusz Hoffmann wechselt dabei zwischen verschiedenen zeitlichen Ebenen, die nicht wirklich gekenntzeichnet sind. Das hat mich manchmal in meinem Lesefluss gebremst.

Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist humorvoll. Besonders geschmunzelt habe ich über die Episode mit dem Gartenzwerg. Es gibt jedoch auch einige kritische Töne.
Die Zeit in Polen und die Flucht wurde sehr bildhaft und emotional dargestellt. Ich habe mit Jarek und seinen Eltern an der Grenze mitgezittert und die Anspannung gespürt, war entsetzt von den Auffanglagern, in die sie untergebracht wurden und neugierig auf die verschiedenen Menschen, die sie getroffen haben. Die pfiffige Monika nimmt dabei einen größeren Teil ein. Jarek und seine Familie erkennen bald, dass die Bürokratie in Deutschland eine größere Hürde ist, als sie dachten. Die Behördenwege sind lange und aufreibend, die Aufnahme durch die Bewohner nicht immer herzlich. Ihnen schlagen viele Vorurteile und typische Klischees entgegen. Wir begleiten Jarek und seine Familie in eine ungewisse Zukunft, die nicht ganz so rosig aussieht, wie sie dachten.

Die zweite Hälfte konnte mich hingegen nicht mehr so mitreißen. Die Figuren werden nicht greifbarer und bleiben eher blass. Von den Gefühlen und Ängsten der Eltern hat man kaum etwas erfahren. Einzig Jarek konnte ich durch die Ich-Perspektive besser kennen lernen. Der Aufenthalt in Deutschland war zeitweise auch etwas langatmig. Das Ende bleibt leider auch etwas offen. 

Fazit:
Das Buch hat mir in der ersten Hälfte sehr gut gefallen, jedoch fand ich die zweite Hälfte leider nicht mehr so stark. Mir fehlte etwas die Tiefe der Figuren und die emotionale Erzählweise, die bis zur Ausreise vorhanden war. Dennoch finde ich die Thematik - besonders für Jugendliche - sehr interessant und aufschlussreich und empfehle den Roman für diese Altersgruppe gerne weiter.


Vielen Dank an den Berlin Verlag und Lovelybooks für das Leseexemplar!

All die Farben, die ich dir versprach - Zoulfa Katouh

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
    • Verlag: Dressler; 1. Edition (15. Oktober 2022)
    • Übersetzer: ‎ Rasha Khayat
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3751300473
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3751300476
    • Originaltitel: ‎ As Long as the Lemon Trees grow
    • Genre: Jugendroman


Dressler Kurzbeschreibung:
Die junge Salama lebt inmitten der syrischen Revolution in Homs. Sie hilft im Krankenhaus aus, muss dort aber oft hilflos zusehen, wie Menschen sterben. Während ihr Land zerbricht, sucht sie fieberhaft nach Möglichkeiten, Syrien zu verlassen. Auch um ihre schwangere Schwägerin Layla, die einzige Überlebende ihrer Familie, in Sicherheit zu bringen. Im Krankenhaus lernt Salama den jungen furchtlosen Kenan kennen. Die beiden verlieben sich, doch Kenan will bleiben und mit Internetvideos auf das Leid in seinem Land aufmerksam machen. Salama muss sich entscheiden: zwischen Sicherheit und ihrer großen Liebe.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit "Alle Farben, die ich dir versprach" habe ich wieder einmal einen Jugendroman zur Hand genommen, der sich dem Thema Krieg widmet. Für gewöhnlich bin ich ja in den beiden Weltkriegen unterwegs, doch leider müssen wir nicht so weit zurückgehen, denn nicht nur der Ukrainekrieg beschäftigt uns seit bald einem Jahr, sondern auch der Krieg in Syrien. Und genau dort spielt die Handlung dieser bewegenden Geschichte um die 18-jährige Salama.

Salama lebt in Homs und hat ein Pharmaziestudium begonnen, als der Krieg in Syrien ausbricht. Schon bald wird sie im örtlichen Krankenhaus eingesetzt und arbeitet neben Dr. Ziad zuerst als Krankenschwester. Doch die Zustände werden immer schlimmer und Salama muss mit der Zeit genauso Operationen vornehmen, um den Menschen vor Ort zu helfen. Tägliche Angriffe auf die Zivilisten verstärken den Druck immer mehr Menschen retten zu wollen, bis Salama selbst vor Erschöpfung fast zusammenbricht. Nachdem sie ihre gesamte Familie, außer ihrer besten Freundin und Schwägerin Layla, verloren hat, versucht sie das Versprechen an ihrem Bruder einzulösen und für Layla und ihrem ungeborenen Kind dazusein. Doch ein Leben in Homs ist bald nicht mehr möglich und Salama und Layla denken an Flucht. Doch dann lernt sie Kenan kennen. Er will bleiben und der Welt mit seinen Videos das Leid der Syrer näher bringen und versuchen die Menschen wachzurütteln...

Die Geschichte wird aus der Sicht von Salama erzählt. Man spürt bereits von der ersten Seite ihre innere Zerissenheit. Sie hadert
zwischen der Verpflichtung dem Krankenhaus und ihrer Schwägerin gegenüber. Ihre Traumata lassen sie kaum zur Ruhe kommen und treten in der Form des imaginären Khwaf auf, der ihr immer wieder erscheint. Was es mit ihm auf sich hat, erfahren wir im Laufe der Geschichte.
Erst bei Kenan findet sie etwas Frieden in dieser schlimmen Zeit und doch macht er Salama die Entscheidung noch schwerer, die heißt: gehen oder bleiben?

Der Schreibstil ist bildhaft und der Autorin gelingt es meisterhaft, die für uns fremdartige Kultur näher zu bringen. Man baut Nähe zu den drei Jugendlichen auf, die sich nichts anderes als Frieden und Freiheit wünschen. Ein Grundbedürfnis, dass wir alle ins uns tragen und leider durch machthungrige Politiker immer wieder zerstört wird.
Die äußerst realitätsnahe Erzählung beschönigt nichts.
Trotzdem spürt man die Liebe von Salama und Kenan zu ihrer Heimat durch alle Seiten. Ob Salama die Flucht gelingen wird?

Die Autorin erreicht mit "All die Farben, die ich dir versprach" genau das, was sie sich vorgenommen hat und man im Epilog nachlesen kann. Sie personalisiert die Bewohner Syriens, zeigt ihre Liebe zur Heimat und ihren Kampfgeist.
Leider ist dieser Krieg heute noch immer nicht vorbei....

Cover:

 von links anch rechts:
Das englischsprachige Cover, das spanische und das niederländische. Bisher wurde das Originalcover von allen Ländern, die den Roman übersetzt haben, übernommen - nur die deutschsprachige Version hat dies LEIDER nicht gemacht. Ich finde dieses Cover hier wunderschön und ich denke es hätten mehr Jugendliche zu diesem Buch gegriffen.
Auch der Originaltitel, der sehr wichtig für die Story ist, wurde nicht übernommen. Sehr schade!

Fazit:
Ein aufrüttelnder Roman, der einem die Kultur in Syrien näherbringt. Die Autorin versteht es sehr gut, dem Kriegsgeschehen in ihrem Heimatland das Anonyme zu nehmen und mit Salama, Layla und Kenan dieses zu personalisieren. Eine Leseempfehlung speziell für Jugendliche ab 16 Jahren. 

Vielen Dank an den Dressler Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!
 

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