Posts mit dem Label Landscape Roman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Landscape Roman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Datteleis und Sternenfunkeln - Sandra Diemer

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 326 Seiten
    • Herausgeber: ‎ Flamingo Tales Verlag (27. Januar 2024)
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8872594284
    • Genre: Liebesroman, Travel-Lovestories

     


Flamingo Kurzbeschreibung:

Isabelle darf endlich beruflich durchstarten und wird nach Tel Aviv geschickt. Am Strand des Mittelmeers trifft sie den gut aussehenden Israeli Eilon, der ihr Seiten des Landes zeigt, die sie als Ausländerin sonst nie gesehen hätte. Und er zeigt ihr eine neue Seite an sich selbst … Ihr Herz klopft schneller, wenn sie bei ihm ist. Doch sie sind so unterschiedlich. Hat ihre Liebe eine Chance? 

 Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dies ist mein erstes Buch der Travel.Love.Reihe aus dem Flamingo Verlag. Mit "Datteleis und Sternenfunkeln" durfte ich buchtechnisch nach Israel reisen. Ein Land, welches zur Zeit nicht gerade positiv in den Schlagzeilen ist. Buchtechnisch war ich jedoch bisher kaum in Isreal und so habe ich mich umso mehr gefreut nach Tel Aviv reisen zu dürfen und mehr über Land und Leute zu lernen.

Isabelle ist beruflich sehr erfolgreich, eine richtige Karrierefrau, und hat den nächsten beruflichen Meilenstein erklommen. Sie darf in die israelische Niederlassung der Marketingfirma, bei der sie angestellt ist. In ihrer Familie wurde Erfolg immer groß geschrieben und dementsprechend macht sich Isabelle selbst immensen Druck. Ihr großes Ziel ist ein Job in New York, dem amerikanischen Standort der Firma, in der sie arbeitet.

Doch schon am ersten Tag macht sie die Bekanntschaft mit dem jungen Israeli Eilon, der gänzlich andere Lebensvorstellungen hat, als Isabelle. Eilon arbeitet in der Strandbar LaMer. Nach einem schweren Unfall ist für ihn der Spaß am Leben und eine ausgeglichene Work-Life-Balance am Wichtigsten. Trotz ihrer unterschiedlichen Arbeitseinstellungen verlieben sich die Beiden und verbringen so viel Zeit wie irgendwie möglich miteinander.

Eilon ist ein sympathischer Charakter, der sich nach einem schweren Unfall vornimmt, sein Leben zu genießen. Er erdet Isabelle und zeigt ihr sein Israel, geprägt vom modernen Judentum, lockerer Mentalität und gutem Essen. Für ihn ist Isabelle die Traumfrau, die er eigentlich gar nicht gesucht, aber plötzlich gefunden hat.
Mit Isabelle wurde ich hingegen nicht ganz warm. Sie liebt Luxus und eigentlich lebt sie nur für ihre Karriere - bis sie Eilon trifft. Ich fand es schön zu lesen, wie sie endlich auch ihr Leben zu genießen versucht.


Sandra Diemer versteht es den Lesern ein ganz anderes Israel zu vermitteln, als wir es zur Zeit im TV sehen. Die bildhaften Beschreibungen von Tel Aviv erweckten mein Kopfkino, die landestypischen kulinarischen Spezialitäten lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und die kleinen Einblicke in jüdische Traditionen waren ebenfalls sehr interessant. Meiner Meinung nach hätte es davon ruhig mehr geben können.

Obwohl mir Isabella etwas zu verkopft war und nicht ganz meine Sympathie bekommen hat, stieß es mir etwas sauer auf, dass eine junge Frau ihre Karriere für eine gerade zwei Monat andauernde Liebe(lei) komplett aufgibt und in das alte Strickmuster zurückfällt, aus dem wir Frauen eigentlich endlich entkommen wollen. Wir sind nicht in den Fünfziger Jahren und sollten die mühsam erkämpfte Gleichberechtigung, von der wir sowieso noch weit entfernt sind, nicht so schnell für einen Mann aufzugeben. Die ist nicht die richtige Vorbildhaltung jungen Leserinnen gegenüber. Auch wenn Eilon der "Traummann" schlechthin ist, fand ich seine vehemente Ablehnung einer Fernbeziehung nicht in Ordnung. Zu einer Beziehung gehören immer zwei, die sich ergänzen und nicht vom Partner verlangen alles aufzugeben. Man sollte gemeinsam Lösungen suchen.
Außerdem wäre es zu diesem Zeitpunkt und der kurzen Kennenlernphase für mich kein Kriterium, meine langjährigen Pläne über den Haufen zu werfen.
Ich weiß, dies ist eine Liebesgeschichte, aber man hätte auch mit einer Fernbeziehung ein anschließendes Happy End haben können. Und es gibt ja auch noch die Niederlassung der Firma in Tel Aviv, bei der man vielleicht doch hätte bleiben können. Muss man denn als Frau immer alles aufgeben? Heimat, Name, Pläne, Wünsche und Träume?

Obwohl ich die Liebesgeschichte süß fand, bin ich wohl schon zu alt und abgeklärt, um es gut zu finden, dass jungen Mädchen diese Art von Liebe  - Frau gibt alles auf, um für den Mann da zu sein - als Vorbild vorgegaukelt wird. Diesen Kritikpunkt muss ich einfach ansprechen.
Ansonsten fand ich die Reise nach Israel und die Liebesgeschichte sehr anschaulich und bildhaft erzählt, sowie den Kern der Aussage, dass wir unser Leben genießen sollen, gut.

Fazit:
Ein Liebesroman, der mich in eine interessante Region geführt hat, aber mich wegen einiger Kritikpunkte nicht ganz erreichen konnte. Abgesehen davon ist "Datteleis und Sternenfunkeln" eine nette Liebegeschichte, die uns sagen möchte, dass wir das Leben genießen sollen.

Vielen Dank an den Flamingo Tales Verlag für das Rezensionsexemplar!

Der süße Duft der Reben - Tara Haigh

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 494 Seiten
    • Verlag: ‎ Tinte & Feder (12. Dezember 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496714599
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496714593
    • Genre: Historischer Roman, Landscape Roman




Amazon Kurzbeschreibung:

London 1903. Der Vater der jungen Spanierin Isabel hat mit dem Import von Rosinen aus der Heimat ein Vermögen gemacht. An ihrem einundzwanzigsten Geburtstag eröffnet er ihr, dass sie Rafael heiraten soll, den Sohn eines Rosinenbarons, den sie schon seit ihrer Kindheit verabscheut. Auf sich allein gestellt, kann Isabel sich das Studium an der Londoner Kunstakademie nicht leisten. Sie hat keine andere Wahl, als ihren Traum zu begraben und an Bord des Schiffes zu gehen, das sie zurück nach Dénia bringen wird. Doch kurz vor der Ankunft verlässt Isabel das Schiff, entschlossen, sich der Vermählung zu entziehen. Auf der Flucht in der von einer Reblausplage bedrohten Stadt begegnet Isabel ihrer Jugendliebe wieder – und Rafael. Getrieben von einem dunklen Familiengeheimnis setzt er alles daran, sie in einen goldenen Käfig zu sperren. Doch Isabel kämpft für ein selbstbestimmtes Leben und lässt nichts unversucht, um dem Schlüssel zur Freiheit auf die Spur zu kommen 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challengne

Meine Meinung:
Was mir an den Romanen von Tara Haigh gefällt, sind ihre Locations und interessanten historischen Themen. In "Das schwarze Gold des Südens" ging es um den Anbau von Süßholz und die Lakritzgewinnung. Diesmal hat sich die Autorin den Rosinen gewidmet. Beides Themen, die mir viel Neues erzählten und wirklich interessant sind.

Wir befinden uns diesmal kurz in London und danach in Dénia an der Costa Blanca in Spanien. Die junge Isabel feiert 1903 ihren 21. Geburtstag und somit ihre Volljährigkeit. Die positive Zusage der Londoner Kunstakademie, die ihr einen Studienplatz ermöglicht, ist Isabels größtes Geburtstagsgeschenk. Doch die Freude währt nur kurz. Ihr Vater eröffnet ihr noch am selben Tag, dass sie zurück in ihre ehemalige Heimat Spanien reisen und ihren verhassten Cousin Rafael heiraten soll. Isabel ist entsetzt und muss all ihre Träume für eine Zukunft opfern, die ihr widerstrebt. Auf dem Weg nach Spanien heckt sie mit einer älteren Reisebekanntschaft einen Fluchtplan aus, der jedoch nicht ganz so endet, wie von Isabel gewünscht....

Die erste Hälfte des Landscape Romans hat mir gut gefallen und ist typisch für einen historischen Roman, in dem eine junge Frau im Mittelpunkt steht, die sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge und starren Konventionen auflehnt. Ihre Flucht vor der arrangierten Ehe ist abenteuerlich. Allerdings wurde es mir mit der Zeit ein wenig zu viel des Guten. Man hat das Gefühl, dass die Autorin auf den fast 500 Seiten einfach so viel wie möglich hineinpacken wollte. Das ist zwar einerseits spannend, aber wirkt mit der Fülle unglaubwürdig. Außerdem war doch einiges etwas vorhersehbar.

Der Schreibstil ist sehr leicht und flüssig zu lesen. Die Charaktere sind diesmal aus sehr unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, aber keineswegs stereotyp gezeichnet. Vorallem Rafael war für mich kaum durchschaubar.
Das Hintergrundwissen über den Weinanbau und die Herstellung von Rosinen wurde sehr einprägsam beschrieben. Tara Haigh hat dazu hervorragend recherchiert.
Sehr gefallen hat mir auch die bildhafte Darstellung der Landschaft und vorallem die Beschreibung der ostspanischen Stadt Dénia, welche durch den Rosinenhandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen großen Aufschwung nahm und zu dieser Zeit eine sehr moderne Stadt war.

Von der Autorin gab es während der Leserunde sehr interessante Informationen zu den historischen Hintergründen, was das Lesen der Geschichte einfach einmalig macht.
Ein spannendes Thema war zum einem die (leider auch heute noch verrichtete) Monokultur oder der Beginn des Reblaus-Befalls in Europa.

Fazit:
Der Roman vereint den interessanten historischen Inhalt rund um die Herstellung von Rosinen mit einer Liebesgeschichte und hat noch einen kleinen Krimianteil. Vorallem aber gibt es viel Drama und so einige Intrigen, die Spannung erzeugen, mir aber ganz einfach zu viel wurden. Manchmal ist weniger mehr...

Vielen Dank an Lovelybooks und der Autorin für das Rezensionsexemplar

Im Schatten der Vanille - Cornelia Engel

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 333 Seiten
    • Verlag: ‎ Tinte & Feder (14. Dezember 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496709137
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496709131
    • Genre: historischer Roman, Landscape Roman



Amazon Kurzbeschreibung:
Sansibar, 1880: Voller Hoffnung, ihr altes Leben für immer hinter sich zu lassen, verlässt Elisabeth den Überseedampfer, der sie aus Lübeck hierhergebracht hat. Die Gewürzinsel, ein quirliger Marktplatz für den Handel mit Nelken, Zimt, Orangen, Elfenbein und Vanille, scheint ihr wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Aber die Realität auf der Insel ist hart. Zwar erregt die junge Frau Aufsehen bei den Männern, aber in der Handelswelt ist sie nicht willkommen. Und nicht jeder, der ihr Avancen macht, meint es ehrlich mit ihr. Wenn sie in die Augen des Pflanzers Jacob blickt, schlägt ihr Herz schneller, doch darf sie ihren Gefühlen trauen, wenn sie selbstbestimmt ihren Weg gehen will?

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Es ist schon etwas länger her, dass ich einen Landscape Roman gelesen habe. Sie wurden in den letzten Jahren ziemlich stiefmütterlich behandelt, was ich schade finde. Umso mehr freute ich mich, dass ich bei der Leserunde von Lovelybooks bei "Im Schatten der Vanille" dabei sein durfte. Der exotische Schauplatzt war für mich ein weiterer Pluspunkt. Cornelia Engel alias Isabel Morland lässt uns auf die wunderschöne Insel Sansibar reisen, die zu Tansania gehört.
Wir befinden uns im Jahre 1880. Elisabeth flieht von ihrem gewalttätigen Ehemann von Lübeck nach Sansibar, wo ihr Onkel einen Kontor besitzt. Doch schon bei der Ankunft wird sie überfallen, gerät in den Harem des Sultans und erfährt, dass ihr Onkel vor kurzem ermordet wurde. Ihre Zukunft ist ungewiss und als alleinstehende Frau alles andere als leicht. Zusätzlich soll sie für ihren Bruder, der ihr die Überfahrt bezahlt hat, einen Händler für Vanille ausfindig machen.

Wenn man diese Beschreibung liest, hat man das Gefühl von zu viel Drama "erschlagen" zu werden. Ganz so ist es nicht, denn den Anfang der Geschichte fand ich noch ganz gut gelungen. Nach Elisabeths Ankunft erfährt man als Leser viel über die exotische Gewürzinsel und über das Leben im Harem. Man wandert durch die Altstadt "Stone Town", die aus Korallenstein errichtetet wurde und mit geschnitzten Holzportalen einen ganz besonderen Charme versprüht.
Der Duft verschiedener Gewürze hängt in der Luft und die Gefahren des Dschungels werden ebenso beschrieben, genauso wie die Sklaverei. Cornelia Engel hat mit ihren bildhaften Beschreibungen sofort mein Kopfkino ins Rattern gebracht. Das Setting alleine bietet enorm viel Handlungsspielraum, der meiner Meinung nach viel zu wenig genutzt wurde. Vieles wird angerissen, aber nicht weiter ausgeführt. Sicherlich handelt es sich hier um einen ersten Band, trotzdem vermisste ich den einen oder anderen tiefergehenden Einblick un dauch einige kleine Auflösungen.

Die Charaktere waren größtenteils nicht sympathisch oder wurden viel zu oberflächlich dargestellt. In mein Herz schlich sich nur Imani, die schwaze Bedienstete der Prinzessin, die Elisabeth später "zugeteilt" wurde. Natürlich darf auch die Liebesgeschichte nicht fehlen. Diese ging mir allerdings zu schnell von statten - nämlich auf den letzten Seiten des Buches.
Die Autorin spielt mit vielen Klischees. Elisabeth ist eine Frau, die sich zu dieser Zeit bereits für das Recht der Frauen einsetzt. Auf der ostafrikanischen Insel ist dies jedoch genauso unvorstellbar, wie in Lübeck, wenn nicht sogar schlimmer.
Dazwischen plätschert die Geschichte oftmals vor sich hin. Immer wieder musste ich den Kopf darüber schütteln, dass sich Elisabeth gefühlt auf jeder zweiten Seiten auf die Lippen biss. Ich war schon versucht jede dieser Stellen mit einem "post it" zu markieren. Ich hätte mir mehr Spannung und etwas mehr Tiefgang gewünscht.
Auch die Vanille fehlte mir. Sie wird zwar angesprochen (wie so vieles anderes), weil Elisabeth einen Händler für ihren Bruder ausfindig machen soll, doch das war auch schon alles.

Was aber den Ausschlag für meine geringe Punktezahl ist, sind die offenen Handlungsstränge am Ende. Es wird nichts aufgelöst. Auch wenn es sich um den ersten Band einer Reihe handelt, sind ein oder zwei offene Stränge in Ordnung, aber so gar keine Auflösung...nein, dass verstehe ich nicht. Ich bin zwar neugierig, wie es weiter gehen wird, befürchte aber, dass ich auch nach dem zweiten Band mit genauso offenen Fragen hier sitzen werde.
Deswegen wird es für mich keine Fortsetzung geben....sehr schade! Das Setting wäre so wundervoll gewesen.
In der Leserunde waren viele begeistert von der Geschichte. Deshalb macht euch bitte selbst ein Bild, wenn ihr Interesse an einer Reise nach Sansibar habt.

Fazit:
Ein exotisches Setting und ein guter Plot ergeben leider noch keine großartige Geschichte. Viele angerissene Handlungsstränge, die am Ende alle offen bleiben, sowie Drama und Kitsch vom Feinsten, findet man in diesem Landscape Roman. Ich wollte ihn so gerne mögen. Das völlig offene Ende hat meine Bewertung allerdings noch weiter sinken lassen.

Vielen Dank an Tinte und Feder und an die Autorin für das Rezensionsexemplar

Der Zwilling von Siam - Tara Haigh




    • Taschenbuch: 463 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (15. Oktober 2019)
    • ISBN-10: 2496701225
    • ISBN-13: 978-249670122
    • Genre: Historischer Roman



Tinte und Feder Kurzbeschreibung:
Bangkok, 1892: Die junge Hamburger Lehrerin Emilie Kolbe reist mit ihrem Vater nach Siam, um an der königlichen Schule zu unterrichten. Sie freut sich auch auf ein Wiedersehen mit ihrer Zwillingsschwester Marie. Bei Ankunft ereilt Emilie jedoch die Nachricht, dass Marie tödlich verunglückt sei. Für sie bricht eine Welt zusammen, doch schon bald beginnt sie mithilfe des ihr zugeneigten Botanikers Johannes die mysteriösen Umstände des Todes ihrer Schwester zu hinterfragen. Dabei gerät sie in ein gefährliches Netz aus Missgunst und Intrigen. War Marie eine Spionin, die es den Deutschen ermöglichte, die Engländer beim Eisenbahnbau auszubooten? Je tiefer Emilie gräbt, desto mehr Fragen drängen sich auf, vor allem eine: Wer war ihre Schwester wirklich?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bereits in der Vergangenheit reiste ich mit Tara Haigh in exotische Gefilde. Diesmal geht es mit ihrem neuen Roman nach Siam, den heutigen Thailand.
Wir schreiben das Jahr 1892. Die Hamburgerin Emilie Kolbe reist gemeinsam mit ihrem Vater nach Bangkok, wo sich ihr Vater vor einigen Jahren niedergelassen hat. Emilie soll an der königlichen Schule unterrichten und freut sich ihre Zwillingsschwester Marie endlich wiederzusehen. Marie ist mit einem Deutschen, der beim Eisenbahnbau tätig ist, verheiratet. Doch bei Emilies Ankunft warten schlechte Neuigkeiten auf sie und ihren Vater. Ihre Zwillingsschwester ist bei einem Kutschenunglück ums Leben gekommen. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Emilie kann nicht glauben, dass Marie tot ist. Sie versucht mehr über das Leben ihrer Schwester in letzter Zeit zu erfahren, denn in ihren Briefen blieb sie zuletzt sehr vage. Je mehr Emilie sich umhört, umso geheimnisvoller scheint Maries Leben in Bangkok gewesen zu sein. Emilie erkennt das Verhalten ihrer Zwillingssschwester kaum wieder. Gemeinsam mit Johannes, dem Bruder von Maries Mann Franz, versucht sie herauszufinden, was passiert sein könnte....

In ihrem neuen Roman hat Tara Haigh einen Landscape Roman mit Spannungselementen geschrieben. Die Autorin führt den Leser in die Pionierzeit des Eisenbahnbaus. Der siamische König ist ein sehr aufgeschlossener Mann und setzt sich für Bildung seines Volkes ein. In der königlichen Schule an der Emilie unterrichten soll, setzt er den Schwerpunkt auf Fremdsprachen. Auch der Fortschritt in seinem Land ist ihm ein Anliegen. Deswegen bittet er sowohl die Engländer, als auch die Deutschen zu Hilfe und versucht eine Übernahme als Kolonie zu vermeiden. Der Einsatz der beiden Großmächte bietet viel Zündstoff, ebenso wie die Arbeitsbedingungen der Einheimischen beim Eisenbahnbau.
Sehr interessant fand ich König Chulalongkorn, der sehr fortschrittlich ist und sich für das Wohlergehen seiner Untertanen und seines Landes einsetzt. Hier habe ich dann gleich ein bisschen gegoogelt, um mehr über ihn zu erfahren.
Die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe zu dieser Zeit wurden von der Autorin akribisch recherchiert und zeitgemäß umgesetzt. Einige historische Begebenheiten fließen ebenso in die fiktive Handlung ein.

Die Charaktere sind facettenreich und Emilie ist eine starke junge Frau, die sich auch über Konventionen hinwegsetzt. Durch ihre Neugierde und ihrem Sinn nach Gerechtigkeit setzt sich sich so einiger Gefahr aus. Die Figur der Marie bleibt dabei im Roman der rote Faden, um den sich schlussendlich alles dreht.
Geschickte Wendungen überraschten mich und gaben der Geschichte eine neue Richtung.  Der Spannungsbogen beginnt kontinuierlich anzusteigen. Das Ende ist stimmig und es bleiben keine Fragen offen. Für mich der bisher beste Roman der Autorin.

Schreibstil:
Tara Haigh schreibt sehr flüssig und bildhaft. Man hat die Bilder des exotischen Landes immer vor Augen und auch die vielschichtigen Figuren sind alles andere als schwarz-weiß gemalt.
Die Sprache ist der Zeit angepasst und lässt sich gut lesen.

Fazit:
Ein fesselnder historischer Roman, der den Leser ins Siam des späten 19. Jahrhunderts führt. Eine wendungsreiche und spannende Geschichte, die wunderbar in ein exotisches Setting verpackt und mit einem Hauch Gefühl und Drama garniert wurde - wirklich perfekt umgesetzt!

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar und die interessante und aufschlussreiche Begleitung bei der Lovelybooks Leserunde

Die Saphirtochter - Dinah Jefferies

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover); Auflage: 2. Aufl. 2019 (28. Juni 2019)
    • Übersetzer: Angela Koonen
    • ISBN-10: 3785726457
    • ISBN-13: 978-3785726457
    • Originaltitel: The Sapphire Widow 
    • Genre: Historischer Roman, Love & Landscape



Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Ceylon, 1935. Louisa Reeve, Tochter eines erfolgreichen Edelsteinhändlers, ist glücklich verheiratet mit dem Geschäftsmann Elliot. Als dieser tödlich verunglückt, erfährt sie nach und nach, dass er ein Doppelleben führte. Eines Tages besucht Louisa die koloniale Zimtplantage Cinnamon Hills, an der ihr Mann Anteile besaß, und lernt den raubeinigen Naturburschen Leo kennen, der mehr über Elliot zu wissen scheint, als er vorgibt. Und während die herrliche Plantage mit Blick auf den Indischen Ozean ihren magischen Zauber entfaltet, gerät Louisas Herz nicht nur wegen Elliots schockierendem Verrat zunehmend in Aufruhr ...

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Bastei Lübbe Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von der Autorin habe ich bereits "Die Tochter des Seidenhändlers" gelesen, welches in Vietnam spielt. Dieser Roman hat sehr stark begonnen und ebenso stark nachgelassen. Nun wollte ich der Autorin nochmals eine Chance mit ihrem neuesten Werk "Die Saphirtochter" geben, vorallem weil der Roman in Sri Lanka spielt....eine Insel, die ich seit meinem 13. Lebensjahr liebe, obwohl ich noch nie dort gewesen bin. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich bei der Leserunde bei der Lesejury ausgewählt wurde. Leider ist es Dinah Jefferies jedoch nicht geglückt mich zu überzeugen, was mir wirklich leid tut.

Wir sind im Jahhre 1935 und Ceylon, das heutige Sri Lanka, steht noch unter britischer Herrschaft. In diesem Umfeld bewegen wir uns auch. Der Einstieg in die Geschichte ist eher ruhig und lange Zeit plätschert die "Einführung der Charaktere" dahin. Doch dann erhält Louisa, unsere Hauptprotagonistin und Tochter eines erfolgreichen Edelsteinhändlers, die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Mannes Elliot, der bei einem mysteriösen Autoumfall ums Leben gekommen ist. Keine Angst, das ist kein Spoiler, denn es passiert ziemlich früh in der Geschichte und wird auch im Klappentext erwähnt. Louisas Ehemann war ein Lebemensch und lebte ziemlich offensichtlich auf den Kosten seiner Frau bzw. seines Schwiegervaters. Nach seinem Tod steht Louisa unverhofft vor einem Schuldenberg und fragt sich zusätzlich, wie viel sie eigentlich von ihrem Mann wusste, der anscheinend ein Doppelleben führte. Als dann auch noch die Gläubiger vor der Tür stehen und die Drohungen immer massiver werden, macht sich Louisa zur Zimtplantage auf, an der ihr Mann Anteile besaß. Sie hofft dem Besitzer überreden zu können, diese Anteile abzugeben, doch auf Cinnemann Hills erwartet sie eine Überraschung....

Die Grundidee der Geschichte fand ich wirklich gut, bei der Umsetzung hat mich die Autorin ein weiteres Mal enttäuscht. Trotz einiger Erzählstränge und in meinen Augen zu viel aufgegriffenen Themen, ist vieles vorhersehbar. Die Figuren blieben blass (mit Ausnahme der "bösen" Schwiegermutter Irene) und sehr an der Oberfläche. Louisa ist einserseits eine starke Frau, die nach vielen Fehlgeburten und dem Tod ihres Mannes die Hoffnung nicht aufgibt, auf der anderen Seite aber wiederum sehr naiv, passiv und emotionslos. Viele ihrer Handlungen konnte ich absolut nicht nachvollziehen, waren unglaubwürdig oder weltfremd.
Was mich allerdings am Meisten störte war, dass viele Handlungen begonnen und entweder nicht zu Ende geführt oder mit einer kurzen banalen Erklärung abgeschlossen wurden. Es kam nie eine richtige Spannung auf und genau die Themen, die man dafür ausbauen hätte können, wurden mit ein oder zwei Sätzen aus der Welt geschafft. Es blieben viel zu viele Fragen offen und auch die anbahnende Liebe zwischen Louisa und Leo hinterließ bei mir keinerlei Emotionen. Außerdem nahm mir die Liebesgeschichte im letzten Drittel einfach zu viel Raum ein. Am Ende löst sich zusätzlich fast alles in Wohlgefallen auf, was unglaublich unrealistisch wirkt.

Oftmals hatte ich das Gefühl auch nicht in der Zeit, in der dieser Roman spielt, angekommen zu sein. Zu Beginn kam mir die Gesellschaft noch viel zu steif für die 1930iger Jahre vor und erinnerten eher an die Jahrhundertwende. Später fand ich einige Erklärungen und Handlungen zu modern. Man konnte die Zeit in der der Roman spielt nicht wirklich zuordnen, weil keinerlei Hintergrundinformationen vorhanden waren....weder politisch noch zu den eigentlichen Einwohnern der Insel. Dabei waren diese Jahre Vorboten eines baldigen Umbruches...die Unabhängigkeit von England und der kommende Zweite Weltkrieg standen an.
Der Titel erschließt sich mir ebenso wenig, denn um Edelsteine ging es nur ganz am Rande.

Volle Punktezahl gebe ich der Autorin für ihre wunderbaren und detaillierten Schildeurngen der Landschaft und die Beschreibung von Gerüchen und Duftkomponenten. Man riecht förmlich das Zimtaroma oder das Aroma von exotischen Blüten.

Der Schreibstil ist blumig und sehr bildgewaltig. Die Landschaftsbeschreibungen sind einfach atemberaubend. Man liest sich trotzallem gut durch die Geschichte, auch wenn sie oftmals ihre Längen hat. Dies ist einzig und allein dem flüssigen Schreibstil der Autorin zu verdanken.

Leider muss ich bei diesem Roman genau dieselben Dinge kritisieren, die ich schon bei "Die Tochter des Seidenhändlers" bemängelt habe: die Geschichte verliert sich in Nebensächlichkeiten und die wichtigen Themen werden nicht fertig ausgeführt bzw. zu Ende erzählt. Hier hatte ich zusätzlich noch mit oberflächlichen Figuren und fehlender Spannung zu kämpfen. Ein weiteres Buch der Autorin werde ich somit nicht mehr lesen....sehr schade!


Cover:
 

Die Cover sind größtenteils wunderschön, aber doch auch sehr unterschiedlich.
Von links nach rechts sehen wir die Cover aus Frankreich, Schweden, Ungarn, danach drei englischhsprachige Exemplare und zum Abschluss ein hebräisches Titelbild. Ich finde das schwedische am Schönsten, da es nicht nur von den Farbtönen gelungen ist, sondern auch die annähernd realistische Landschaft von Sri Lanka darstellt (auch wenn hier das meer fehlt, denn Galle liegt a Meer)

Fazit:
Was für ein wunderschönes Setting und eine interessanter Grundidee, jedoch wurden von der Autorin nur die atemberaubenden Landschaftsbeschreibungen umgesetzt. Alles andere plätschert einfach vor sich hin, Handlungsfäden werden angefangen und nie beendet, Fragen nicht beantwortet, Probleme lösen sich in Luft auf. Das war leider nichts und war auch die letzte Chance, die ich der Autorin gegeben habe. Ich werde keinen Roman mehr von ihr lesen. Schade!
Vielen Dank an die Lesejury und den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar!

Das weiße Blut der Erde - Tara Haigh



    • Taschenbuch: 432 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (10. Oktober 2017)
    • ISBN-10: 1542048494
    • ISBN-13: 978-1542048491
    • Genre: Landscape Roman, historischer Roman


 
Amazon Kurzbeschreibung:
Hamburg, 1898: Als ihr sterbender Adoptivvater mit letzter Kraft einen Namen aufschreibt, vermutet Ella Kaltenbach einen ersten Hinweis über ihre wahre Abstammung. Heißt so ihr leiblicher Vater, und was hat es mit den jahrelangen Zahlungen aus der britischen Kolonie Malaya auf sich? Die junge Krankenschwester beschließt, auf der Suche nach Antworten in das ferne Land zu reisen. Die Spuren führen zur Kautschukplantage der Fosters. Dort gerät Ella zwischen die Fronten der britischen Kolonialmacht und des malaiischen Widerstandes, begegnet aber auch einer großen Liebe. Doch es gibt jemanden, der vor nichts zurückschreckt, um die Wahrheit über Ellas Wurzeln für immer im Dunkel des Regenwaldes zu belassen …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Wer gerne Landscape Romane mit historischen Hintergrund liest, ist bei "Das weiße Gold der Erde" richtig.
Der Roman liest sich leicht und beschreibt das heutige Malaysia in der Zeit unter der britischen Krone, denn wir begeben uns im Jahre 1898 nach Südostasien.
Doch zuvor bleiben wir noch in Hamburg. Hier lernen wir Ella Kaltenbach kennen, die in Großbritannien ihre Ausbildung als Krankenschwester abgeschlossen hat. Sie ist somit eine der wenigen Frauen im Kaiserreich mit einer anerkannten Berufsausbildung. Nur ihr Hang zur Homöopathie wird in Hamburg noch nicht so gerne gesehen, trotzdem bietet man ihr eine Beförderung an. Das Glück scheint ihr hold, denn Rudolf von Stetten, ein Mann aus einer befreundeten angesehenen Hamburger Familie macht ihr den Hof. Doch plötzlich stirbt Ellas Adoptivvater und hinterlässt ihr Hinweise zu ihrem leiblichen Vater, der aus Malaysia stammen soll. Auch die anonymen monatlichen Zahlungen aus Singapur weisen nach Südostasien. Ella unternimmt etwas für diese Zeit sehr Unübliches und begibt sich auf die Reise ins damals britische Malaya, um Nachforschungen über ihren leiblichen Vater anzustellen. Gemeinsam mit Rudolf von Stetten nimmt sie die Schiffsreise auf sich, um die Hintergründe ihrer Geburt zu erfahren. Der plötzliche mysteriöse Tod ihres Begleiters bringt Ella jedoch bald in Schwierigkeiten. Als sie die Kautschukplantage erreicht, die angeblich ihr Vater leiten soll, gibt sie sich als Holländerin aus und versucht sich mit der kunstliebenden Tochter des Hauses anzufreunden. So findet sie bald Anschluss bei den Fosters, gerät aber bald zwischen die Fronten der britischen Plantagenbesitzer und den Einheimischen.
Die Schiffsbekanntschaft mit dem Geschäftsmann Otto Ludwig wird Ella hingegen noch sehr hilfreich sein....

Dies ist nicht mein erster Roman der Autorin. Deswegen war ich schon sehr gespannt, wie Tara Haigh das Familiengeheimnis rund um die Adoption von Ella lüften wird.
Auch bei "Das weiße Blut der Erde" konnte sie mich mit ihren Einblicken in das damalige Malaysia, das den Briten unterstellt ist, überzeugen. Der malaiische Widerstand gerät mit Amal, einen Plantagenarbeiter und baldigen Love Interest von Ella, in den Fokus. Hier wird aufgezeigt, wie manche britische Kolonialherren ihre Macht willkürlich gegenüber dem Volk ausüben.

Die Liebesgeschichte steht diesmal nicht so sehr im Vordergrund, wie im letzten Roman, was ich äußerst positiv finde. Auch die Charaktere sind sehr lebendig und vielschichtig dargestellt. Ich konnte mir  alle Figuren sehr lebhaft vorstellen, egal ob sympathisch oder nicht. Dabei betreibt die Autorin keine schwarz-weiß Malerei, sondern gibt allen Charakteren individuelle Eigenheiten.
Ella ist eine sehr mutige und kluge Frau, die ihre Pläne konsequent verfolgt. Dabei steht sie zu ihren eigenen Prinzipien und kommt dabei auch öfters einigen Briten in die Quere. Sie ist hilfsbereit, aber auch manchmal etwas naiv. Besonders in Hinsicht auf Rudolf von Stetten, als auch auf der Plantage der Fosters...
Ob eine junge unverheiratete Frau in männlicher Begleitung zu dieser Zeit ohne Skandal eine Schiffsreise in ein fernes Land unternehmen konnte, sei dahingestellt.....

Die Landschaft wurde von der Autorin sehr farbenfroh und exotisch beschrieben. Die atmosphärischen Erzählungen, wie zum Beispiel die Flucht durch den Dschungel oder einfach die Beschreibung des Stadtlebens, lassen Bilder im Kopf entstehen. Die Gewinnung des Kautschuks, das dem Roman den Titel gibt, wird genauso erklärt, wie das Schattentheater, das Ella besucht. Diese sehr interessanten Aspekte werten den Roman auf.

Die Spekulationen rund um das Familiengeheimnis bleiben bis zum Ende hin spannend. Einiges ist vorhersehbar, andere Entwicklungen hingegen überraschen und lassen den Spannungsbogen erhalten.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Tara Heigh, die auch als Tessa Henning heitere Frauenromane schreibt, ist sehr leicht. Dabei aber auch sehr bildhaft, emotional und einnehmend. Die bildhaften Beschreibungen der exotischen Insel sind gelungen und auch die Charaktere sind sehr vielschicht ausgearbeitet. Die Autorin hat auch historisch gut recherchiert.
Die Kapitel sind eher kurz gehalten und so hat man das Gefühl schnell voranzukommen.

Fazit:
Ein atmosphärischer Love and Landscape Roman mit historischen Hintergrund, der einen Einblick in die exotische Welt des unter britischer Kolonialherrschaft stehenden Malaysias wiedergibt. Wer sich einmal an einem historischen Roman mit exotischen Hintergrund versuchen will, der ist hier richtig!. Für Einsteiger in dieses Genre kann ich "Das weiße Gück der Erde" wirklich empfehlen.
Vielen Dank an Lovelybooks und an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

Die Tochter des Seidenhändlers - Dinah Jefferies




    • Broschiert: 416 Seiten
    • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover) (28. Juni 2017)
    • Übersetzer: Angela Koonen
    • ISBN-10: 3785725914
    • ISBN-13: 978-3785725917
    • Originaltitel: The Silk Merchant's Daughter
    • Genre: historischer Roman


Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Vietnam, 1950. Die junge Nicole stand von jeher im Schatten ihrer schönen Schwester Sylvie. Als Tochter eines französischen Seidenhändlers und einer Vietnamesin soll sie nun in Hanoi ein Stoffgeschäft übernehmen. Bald kommt Nicole mit Einheimischen in Berührung, die sich gegen die französische Fremdherrschaft auflehnen. Dabei entdeckt sie voller Schrecken, dass ihr Vater in dunkle Machenschaften verwickelt ist. Als sie sich in den charismatischen Mark verliebt, gerät ihre Welt abermals ins Wanken. Denn Mark scheint auch für ihre Schwester Gefühle zu hegen. Auf der Suche nach ihrem Platz in einer Welt, in der nichts ist, wie es scheint, fasst Nicole einen kühnen Plan ...

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bei der Lesejury durfte ich die letzten Wochen in einer Leserunde diesen exotischen Landscape Roman  lesen. Er erzählt von Vietnam in den 1950-iger Jahren, als das Land noch Indochine hieß und unter französischer Herrschaft stand. Eine Zeit, aus der wir eigentlich viel zu wenig wissen und die mich vorallem an diesem Roman gereizt hat.

Der erste Leseabschnitt erfüllte auch zu 100% meine Erwartungen und ich tauchte in die exotische Welt von Hanoi ein. Mit Nicole und Sylvie lernte ich zwei Schwestern kennen, die nicht nur vom Aussehen, sondern auch von ihrem Charaktere her sehr unterschiedlich sind. Sylvie, die Ältere der Schwestern, hat ihr französisches Aussehen von ihrem Vater geerbt, der als Seidenhändler sein Imperium an sie überträgt, um sich mehr der Politik widmen zu können. Nicole, die schon immer im Schatten ihrer Schwester stand und das vietnamesiche Aussehen ihrer, bei der Geburt verstorbenen, Mutter geerbt hat, erhält nur einen kleinen Stoffladen. Dieser liegt im Viertel der Einheimischen. Nicole versucht das Beste daraus zu machen und fühlt sich immer mehr zwiegespalten, was ihre Herkunft anbelangt. Als "Métisse", die Bezeichnung für Kinder gemischter Abstammung, wird sie beschimpft und fühlt sich keinem Kulturkreis richtig zugehörig. So widmet sie sich mehr und mehr ihren Seidenladen, denn die bunten Stoffe verzaubern sie schon seit ihrer Kindheit. In O-Lan, die im Nebenhaus wohnt, findet sie eine wunderbare Freundin. Ihr Kousin Tran versucht Nicole ihre vietnamesischen Wurzeln näher zu bringen, doch der junge Widerstandskämpfer der Vietminh verfolgt damit auch seine eigenen Ziele. Als sich die politische Lage immer mehr zuspitzt und sie erfährt, dass ihr Vater in dunkle Machenschaften verwickelt ist, muss sich Nicole entscheiden....

Ein großartiger Plot, der mich sofort mitgerissen hat. Die Autorin hat die Beschreibung der bunten Seidenstoffe, des Viertels mit seinen Menschen und Düften und den Bräuchen des Landes zu Beginn noch großartig eingefangen. Ich konnte auch den Kampf von Nicole verstehen, die sich weder als Französin, noch als Vietnamesin fühlt. Von ihrem Vater wird sie eher kühl behandelt. Auch von ihrer Schwester, die Nicole gegenüber immer bevorzugt wird, kann sie kaum auf Verständnis hoffen. Vorallem Sylvie verhält sich ihr gegenüber oftmals komisch, begegnet ihr manchmal liebevoll und dann wieder herablassend. Nicole's einzige Vertraute ist die Köchin Lisa, die für sie die Ersatzmutter ist. Als sich Nicole in Mark, einem amerikanischen Seidenhändler verliebt, der zu oft mit ihrer Schwester Sylvie gesehen wird, spitzt sich die Situation zu.....

Leider verliert der Roman ab der Hälfte all diese positiven Eigenschaften, die mich zuvor noch verzaubert haben. Die wunderbaren exotischen Beschreibungen weichen immer mehr der Liebesgeschichte, die Figuren und ihre Taten erschlossen sich mir immer weniger. Auch einzelne Handlungsstränge verlaufen im Nichts.
Der Titel des Romans spielt ebenfalls nicht mehr wirklich eine Rolle, denn die Handlung führt den Leser in eine ganz andere Richtung, die mir nicht gefallen hat. Daher bleibt von der Faszination kaum mehr etwas übrig, was ich sehr schade fand.

Auch die Charaktere konnten mich mit Ausnahme von O-Lan nicht überzeugen. Sylvie ist eine unsympathische, egoistische junge Frau, die nur auf ihre Vorteile bedacht ist. Nicoles Vater lässt gegenüber Nicole nur Gefühlskälte walten und Mark spielt eine sehr undurchsichtige Rolle in der Geschichte. Mit ihm konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Genauso mit Tran, der zwar voll hinter seiner politischen Gesinnung steht, aber sein wahres gesicht gut zu verhüllen weiß.
Aber auch Nicole brachte mich manchmal zum Verzweifeln und ich konnte ihr Handlungen nicht nachvollziehen. Ich hatte öfters Schwierigkeiten mich in die Figuren hineinzuversetzen und mit ihnen  mitzufühlen. Die Umsetzung ihrer Gefühle ist der Autorin nur teilweise gelungen.

Positiv und sehr lebendig fand ich die Beschreibung des Landes, der Kultur und den politischen Unabhängigkeitskampf. Am Ende gibt es noch einen historischen Abriss des Landes von 1787 an bis in die Gegenwart.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin konnte mich zu Beginn fesseln. Sie schreibt flüssig und sehr bildhaft, doch fühlte sich zum Ende hin der Schreibstil etwas holpriger an. Die politischen und kulturellen Informationen sind interessant und sehr lebendig erzählt. Zum Ende hin hatte ich aber immer mehr Schwierigkeiten die Längen zu überbrücken und die Charaktere sympathisch zu finden. Nicoles Handeln konnte ich nicht immer verstehen und fand es teilweise unglaubwürdig.

Cover:

Das linke italienische und das englische Cover, das zweite von rechts, sind sehr ähnlich gestaltet und unterscheiden sich nur geringfügig. Das polnische Cover dazwischen und das litauische Cover ganz rechts gefallen mir weniger gut, auch wenn das litauische doch sehr natürlich erscheint und vielleicht, wenn man es in der Hand hält, ziemlich gut aussieht.

Fazit:
Ein exotischer Roman, der uns in die Nachkriegszeit nach Vietnam entführt und die politischen Unruhen in den 1950-iger Jahren sehr deutlich aufzeigt. Der Beginn ist faszinierend und fesselnd, doch aber der Mitte lässt die Geschichte stark nach und verliert sich in Nebensächlichkeiten. Es gibt offene Handlungsstränge, die nicht zu Ende geführt werden und ich begann die anfängliche bildhafte Beschreibung zu vermissen, die mich an den Roman fesselte. Das Buch lässt mich sehr zwiegespalten zurück, denn das großartige erste Drittel verlor sich immer mehr in einer Handlung, die mich mit dem Ansteigen der Seitenanzahl immer weniger begeisterte.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und die Lesejury für das Manuskript zur Leserunde
 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos