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To Cage a Wild Bird - Brooke Fast

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: Bramble HC, 1. Auflage (1. Dezember 2025)
    • Übersetzer: Bettina Ain
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426566133
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426566138
    • Originaltitel: ‎ To Cage a Wild Bird
    • Genre: Dystopie
    • Reihe: ja - Band 1 von ? der Divides Fates Reihe


Bramble Kurzbeschreibung:
Das Leben in Dividium beruht auf einer einzigen Regel: Disziplin oder Tod. Denn in Dividium führt nicht nur jedes Verbrechen in das brutale Gefängnis Endlock, sondern reiche Bürger der Oberschicht bekommen außerdem die Gelegenheit, die Gefängnisinsassen zu jagen und zu töten. Als der Bruder der 23-jährigen Raven verhaftet wird, schleust sie sich selbst als Gefangene in Endlock ein, um ihn zu befreien. Schon bald muss sie alles daransetzen, damit sie und ihr Bruder die brutalen Spiele im Gefängnis überleben. Die einzige Hilfe, die sie dabei erhält, kommt ausgerechnet von dem mysteriösen Wachmann Vale. Doch kann Raven wirklich dem Mann vertrauen, der für all das steht, was sie an Dividium so verabscheut?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
In Dividium werden die Menschen in drei Sektoren unterteilt: in den oberen, den mittleren und den untersten Sektor. Jeder davon hat einen eigenen Anführer und diese bilden gemeinsam den Rat des Landes. Die meisten Menschen leben auf dem kleinsten Raum im untersten Sektor. Hier herrscht Lebensmittelknappheit und jedes kleinste Vergehen wird schwer bestraft. Unweigerlich führt der Weg nach Endlock - einem Gefängnis, wo jeder mit dem Leben bezahlt. Reiche Bürger aus der Oberschicht können sich eine Jagdlizenz, sowie einen Insassen kaufen, den es zu jagen und zu töten gilt.

Die 23jährige Raven, deren Eltern in Endlock ihr Leben verloren haben, versorgt seitdem ihren jüngeren Bruder Jed. Als Kopfgeldjägerin arbeitet sie ungewollt für das System, um sich und Jed durchzubringen. Als ihr Bruder in Schwierigkeiten gerät und nach Endlock geschickt wird, schleust sie sich mit Hilfe der Freundin ihrer Mutter, die zur Rebellion gehört, ein. Sie muss Jed beschützen und aus dem Gefängnis holen - auch wenn es bisher niemanden gelungen ist Endlock lebend zu verlassen.

Was für eine coole Beschreibung, die einem automatisch sofort an Panem denken lässt. Vergleiche sind nicht ungewollt, denke ich. Gestört hat es mich nicht, denn die Jagd und die Welt sieht in Endlock anders aus und als Panem Fangirl freut man sich eine Dystopie mit Ähnlichkeiten lesen zu können.

Die erste Hälfte war extrem spannend und ich war mir sicher ein 5 Sterne Buch zu lesen. Die Story war fesselnd und Raven ein toller Charakter, der sich im Laufe der Handlung weiterentwickelt. Zu Beginn ist sie noch eine Einzelkämpferin, bemerkt jedoch, dass sie in Endlock nur mit Hilfe von anderen eine längere Überlebenschance hat. Denn auch hinter den Mauern bestehen Hierarchien unter den Häftlingen, die von den Wärtern bestimmt werden. Wer eine Jagd lebend übersteht steigt automatisch in der Hierarchie und bekommt eine bessere Unterkunft und Nahrung. 

Leider fiel in der Mitte der Spannungsbogen etwas ab und ich fühlte die Bedrohung für Raven und Jed nicht mehr ganz so stark. Grund war vor allem Vale, ein Wachmann, der ihr einige Male zur Seite steht. Dabei kam es im Laufe der Geschichte die für mich nicht wirklich benötigten spicy Szenen. Es war noch im Rahmen, aber ich frage mich langsam, ob im Moment wirklich jedes Buch - egal welches Genre - erotische Szenen benötigt? Verkaufen sich dadurch die Bücher besser? Außerdem entwickelte sich die Liebesgeschichte für mich zu schnell, obwohl bei der Buchbeschreibung "slow burn Romance" angegeben wird. Naja, dass ich kein Fan von Liebesgeschichten oder spicy Szenen - vor allem in Thriller oder Dystopien bin - ist natürlich zu berücksichtigen bei meiner Rezension.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt waren für mich die Kameras, die teilweise ausgeschalten waren. Dies gab natürlich Vale und Raven Gelegenheit sich näher zu kommen, aber realistisch fand ich das in einem Hochsicherheitsgefängnis nicht. Das Setting in Endlock selbst konnte ich mir gut vorstellen. Die Jagd der Elite von Dividium auf die Menschen aus dem untersten Sektor ist hässlich. Bei Panem fand ich es aber schlimmer. Das lag wahrscheinlich daran, dass sich Kinder gegenseitig umbringen bzw. man auch die einzelnen Charaktere kennenlernt. Hier lernt man nur eine der Jägerinnen kennen, die immer wieder vorbei kommt und auch eine ganz bestimmte Rolle spielt. Die anderen Jäger bleiben unsichtbar.

Trotz der kleinen Kritikpunkte fand ich die Dystopie fesselnd und zu Ende hin zieht die Spannungskurve nochmals kräftig an. Leider gibt es am Ende einen Cliffhanger und keine Angabe, wann Band 2 erscheinen wird. Am liebsten würde ich sofort weiterlesen.....

Cover:

von links nach rechts:
das spanische, das britische und zwei amerikanische Cover

UPDATE: Gerade heute habe ich eine Story auf Instagram von der Autorin gesehen, die Band zwei im englischsprachigen Raum für Februar 2027 ankündigt!

Fazit:
Eine fesselnde Dystopie, die mir sehr gut gefallen hat und die ich auf jeden Fall weiterlesen werde. Wer Panem mochte kann auch hier zugreifen und mit Raven in Endlock ums Überleben kämpfen.


Vielen Dank an Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Die Farben des Sees - Rike Richtstein

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
    • Verlag: ‎ Stadler Konstanz; 1. Edition (1. Dezember 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3797707851
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3797707857
    • Genre: Roman, Belletristik 

     


Stadler Kurzbeschreibung:

Nach einer schmerzhaften Trennung reist Matilda an den Bodensee in das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter Enni. Seit ihrer Kindheit ist sie nicht mehr hier gewesen und ihr wird bewusst, wie wenig sie über diese Frau weiß. In Ennis Nachttisch findet sie das Foto eines jungen Mannes, der nicht ihr Großvater war. Um sich abzulenken und auch aus Neugier, begibt sie sich auf die Suche nach dem Unbekannten und begegnet dabei einer Wahrheit, die alles verändert.

 Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Natürlich ist mir dieser Roman nicht nur wegen des wunderschönen Covers aufgefallen, sondern weil mich die begeisterte Rezension der YouTuberin Sarah Sophie sehr angesprochen hat. Deshalb sagte ich bei der Anfrage des Verlages, ob ich diesen Roman lesen möchte, gerne zu.

Matilda hat soben eine Trennung hinter sich, als sie erfährt, dass ihre Großmutter Enni gestorben ist. Als Kind war sie oft mit ihrer Schwester Juli am Bodensee bei den Großeltern, bis ihre Mutter plötzlich die Besuche einstellte und den Kontaklt abgebrochen hat.
Als Matilda erfährt, dass ihre Mutter das Erbe ausgeschlagen hat und Juli und sie das Haus der Großmutter erben, ist sie überrascht. Am Bodensee angekommen rollen die Erinnerungen über Matilda herein und sie macht sich immer mehr Gedanken darüber, warum sie den Kontakt zu ihrer Großmutter nicht mehr gesucht hat. Es macht sie traurig und nachdenklich. Als sie ein altes Foto eines jungen Mannes in der Schublade von Ennis Nachtkästchens findet, der nicht ihr Großvater ist, beginnt sie nachzuforschen...

Der Roman ist in relativ großer Schrift geschrieben und besteht nur aus knapp 224 Seiten. Jedes Kapitel beginnt mit einer wunderbaren Beschreibung des Sees und seines einzigartigen Farbenspiels. Es ist bewundernswert, wie die Autorin dieses Naturschauspiel beschreibt und sich dabei nicht wirklich wiederholt.

Der See wird auch zum Ausgangspunkt für Matilda, deren Spaziergänge immer wieder dorthin führen. An diesem Platz versucht sie ihren Schmerz und ihre Einsamkeit zu vergessen. Sie sucht nach Antworten in ihrem Leben. Dabei begibt sie sich auf eine schmerzhafte, aber auch befreiende Konfrontation mit der Vergangenheit.

Die poetische Sprache von Rike Richtstein, die nicht nur die innere Zerissenheit der Protogonistin widerspiegelt, sondern auch das wechselnde Farbspiel des Sees perfekt miteinbaut, ist das Um und Auf dieses Romans. Die Autorin versteht es perfekt, die Gefühle von Matilda wiederzugeben. Eine gewisse Melancholie trägt den Leser durch die Seiten und macht nachdenklich. Man hält als Leser inne, um all die Gedanken und Gefühle auf sich einwirken zu lassen.
Nicht verstanden habe ich allerdings den Grund für den Kontaktabbruch von Matildas Mutter zu ihrer eigenen Mutter Enni. Ich empfand diesen absolut nicht gerechtfertigt und finde es traurig, wenn sich eigene Kinder von den Eltern lossagen.

Die Farben des Sees ist ein Roman, der sich wunderbar liest, aber mir vorallem wegen der poetischen Erzählweise in Erinnerung bleiben wird. Der Roman selbst ist eher unaufgeregt und befasst sich mit Trennung, Trauer und Vergangenem.

Fazit:
Es ist eine sehr ruhige Geschichte, die direkt aus dem Leben gegriffen ist und nichts Spektakuläres an sich hat. Beeindruckend ist jedoch die poetische Sprache der Autorin und die gelungene Atmosphäre.

Vielen Dank an den Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Schwalbenwinter - Klaus Jensen

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 508 Seiten
    • Verlag: ‎ tredition (16. Mai 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3347636686
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3347636682
    • Genre: Familienroman, Historischer Roman




tredition Kurzbeschreibung:

Die älteren Generationen der Familie Johannson ist tief in Nationalismus und Faschismus verstrickt. Die Vergangenheit wird nach dem 2. Weltkrieg tabuisiert. Auch über die Herkunft der Familie wird die jüngere Genaration im Unklaren gelassen. Stück für Stück lüften die Geschwister Hermann und Josi die Geheimnisse und finden ungeahnte Abgründe, die weit über ihre Vermutungen hinausgehen. Die Familie wird beinahe durch Schuld und Tod auseinandergerissen. Drei verschiedene Erzählebenen über mehr als hundert Jahre, verweben sich im Laufe der Story immer stärker miteinander. Es entsteht ein Sittengemälde Deutschlands und der Stadt Hamburg von 1900 bis 1960.


Meine Bewertung: * * * * undeinhalb


Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Jeder, der meinen Blog bereits kennt und regelmäßig liest weiß, dass ich gerne Bücher über die beiden Weltkriege lese. Auf "Schwalbenwinter" wurde ich durch Andrea vom Blog Leseblick aufmerksam, die dieses Genre ebenfalls liebt. Da ich zufälliger Weise auch eine Anfrage vom Literaturtest zum Buch hatte, sagte ich gerne zu.

In "Schwalbenwinter" blicken wir mit einer anderern Sichtweise auf diese Zeit zurück. In der Geschichte dreht sich alles um die Familie Johannson, die wir über vier Genererationen begleiten. Erzählt wird aber nicht chronologisch der Reihenfolge nach, sondern die Zeitebenen wechseln laufend. Begonnen wird mit der jüngsten Generation: Thor Hermann und Freya Viktoria, die sich Josi nennt. Sie sind die Kinder des strammen Nationalsozialisten Matthias Johannson, der zwar nach Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell "entnazifiziert" wurde, aber weiterhin an die Ideologie des Führers glaubt.
Hermann und Josi sind jedoch aus anderem Holz geschnitzt und begehren gegen die Ansichten der Familie und des nationalsozialistischen Gedankengutes auf. 
Vorallem das Stillschweigen über Urgroßvater Matthias I., der in Dänemark sesshaft wurde, veranlasst Hermann und Josi nachzuforschen. Sie wollen endlich wissen, wer dieser erste Matthias Johannson war. Warum darf er nicht erwähnt werden ? Und warum sollte sein gleichnamiger Enkel, ihrer beider Vater, den Namen "reinwaschen"?
Vater Matthias und Großmutter Anna verlangen von Hermann und Josi bedingungslose Einhaltung der arischen Gesetze. Als sich Josi jedoch in einen Besatzer der Alliierten verliebt, die noch in Hamburg eingesetzt sind, beginnt das Familiengefüge auseinanderzubrechen und die Lage zu eskalieren....

Die vielen Zeitebenen wechseln oftmals schnell und besonders zu Beginn muss man sich sehr auf die Geschichte konzentrieren. Sehr hilfreich ist der Familienstammbaum am Beginn des Buches, den ich immer wieder verwenden musste. Die parallel laufenden Handlungsstränge nähern sich im Laufe der Zeit aber immer mehr an und man bekommt ein Gespür dafür, bei wem wir uns gerade befinden.

Die Hintergrundgeschichte des "ersten Matthias" hat mich erschüttert. Vorallem aber auch das Verhalten der nachfolgenden Generationen und ganz besonders die kaltherzige Anna, Großmutter von Hermann und Josi, die über Leichen geht ohne mit der Wimper zu zucken. Sie lebt in der gemeinsamen Wohnung, sitzt nur in ihrem Sessel, aber hat alles in Blick. Über ihr hängt das Porträt ihres verstorbenen Mannes Volker. Ein Wort von ihr und alle spuren. Eine Frau zum Fürchten....

Die Charakterdarstellungen sind sehr gelungen. Die Wut und Ohnmacht der Kinder gegenüber ihrer Eltern und der Großmutter wird sehr authentisch dargestellt. Als Hermann hinter ein schreckliches Geheimnis kommt, bricht er mit seinem Vater. Doch so einfach funktioniert das nicht....

Mehr möchte ich über dieses Familiendrama nicht schreiben - man muss es einfach gelesen haben! Dabei erlebt man ungeahnte menschliche Abgründe, die sich hier auftun. Am Ende bleiben keine Fragen offen.

Fazit:
Eine  Geschichte über eine nationalsozialistische Familie, ihre Geheimnisse und das Fast-Auseinanderbrechen.  Ein Blick von der anderen Seite mit sehr authentischen Charakteren und einer jungen Generation, die sich gegen die Rassenideologie auflehnt. Empfehlenswert!

Vielen Dank an den Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Die sieben Schalen des Zorns - Markus Thiele

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Benevento; 1. Edition (14. April 2022) 
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3710901316
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710901317
    • Genre: Spannungsroman, Justizkrimi



Beneveto Kurzbeschreibung:
Dr. Max Keller ist Arzt mit Leib und Seele. Als seine todkranke Tante Maria ihn um Sterbehilfe bittet, gerät er in ein moralisches Dilemma. Soll er ihren letzten Wunsch erfüllen und ihr ein selbstbestimmtes Sterben ermöglichen? Obwohl er als Arzt dem Leben verpflichtet ist, hilft Keller der alten Frau, das ihre zu beenden. Kurz darauf eröffnet die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn. Der Vorwurf: strafbare Tötung auf Verlangen. Keller droht eine Freiheitsstrafe und der Entzug seiner Arztzulassung – was sein Ende bedeuten würde. Doch hat er Maria wirklich getötet?

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bisher habe ich jeden Roman von Max Thiele aus dem Benevento Verlag gelesen. Seine Bücher sind von realen Justizfällen inspiriert. Man erkennt als Leser sehr schnell, dass der Autor selbst promovierter Rechtsanwalt ist.

In seinem neuen Justizroman hat sich der Autor einem hochsensiblen Thema angenommen. Es geht um Sterbehilfe und die Frage, wo das Recht auf einen selbstbestimmten Tod aufhört. In Österreich, wie auch in Deutschland, ist Sterbehilfe eine rechtliche Grauzone und die Justiz hat viele Schlupflöcher. Als Laie hat man meistens eine doch vorgefertigte Meinung dazu, doch schon ein kleiner Handgriff kann einem vom "Helfer" zum "Mörder" degradieren, denn nur wenn der Sterbewillige die tödlichen Substanzen eigenständig einnnimmt, bleibt der Vorgang straffrei.
Als die Tante von Dr. Max Keller an Alzheimer erkrankt, lässt sie zu Beginn ihrer Krankheit ihren Wunsch schriftlich festhalten, dass sie sterben möchte, bevor sie niemanden mehr erkennt und keine Tätigkeit mehr selbst ausführen kann. Max verabreicht ihr die tödliche Dosis und wird angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, dass seine Tante nicht mehr in der Lage war, die tödliche Substanz eigenständig einzunehmen. Max droht eine Freiheitsstrafe, sowie der Verlust seiner Arztlizenz. Der Grad zwischen Recht, Rechtsprechung und Mord ist klein.

Die Vorgängerromane des Autors haben mich beide begeistert. In "Die Schalen des Zorns" hat er jedoch ein Meisterwerk geschaffen. Mich hat die Geschichte rund um Max, Jonas, Agnes und ihre Mutter Maria richtig mitgenommen. Der Autor erzählt wieder auf zwei Zeitebenen. Dem Leser gibt dies Einblicke in das Innenleben sämtlicher Protagonisten und Antagonisten.
Max als Angeklagter, der auf Wunsch seiner Tante Sterbehilfe geleistet hat und Jonas, der als Staatsanwalt das Verfahren eröffnet, sind sehr vielschichtige Figuren. Durch die Rückblicke in die Vergangenheit lernt man die beiden Freunde, die Verstorbene und ihre Tochter sehr gut kennen. Ihre interessanten Vergangenheiten, zerstörten Hoffnungen und Träume werden sehr bildhaft erzählt.
Mehr will ich zum Inhalt gar nicht mehr sagen, denn Max Thiele versteht es großartig immer wieder neue Sachverhalte aufzudecken, überraschende Wendungen einzubauen und viele Facetten der Charaktere zu zeigen.

Egal, wie man zur Sterbehilfe steht, man erkennt wie schwierig dieses Thema ist und wieviele Grauzonen es hat. Der Autor gibt viele Denkanstöße, wertet nicht und hebt dabei nie den Zeigefinger. Unaufdringlich flicht er dabei auch das Thema Glauben und Religion ein. Als Leser fragt man sich willkürlich, wie man selbst gehandelt hätte.
Mit seiner Art das Gesetz auch für Laien verständlich zu machen kann der Autor immer wieder mit seinen Romanen bei mir punkten. Der Titel wird im letzten Drittel des Buches für den Leser verständlich, wenn er wie ich keine Ahnung von der Bibel hat.

Markus Thiele schreibt über Themen, die ich in früheren Büchern von Jodie Picoult geliebt habe, die aber leider kaum mehr in ihren letzten Romanen Platz finden. Umso mehr freue ich mich in Zukunft auf weitere spannende Romane des Autors.


Cover:

Ich muss euch noch zeigen, wie das Buch hinter dem Umschlag aussieht, denn es ist auch dort ein kleines Juwel. Wie schon die anderen Justizromane des Autors, die aus dem Hause Benevento kommen, ist auch das Hardcover bedruckt und der Umschlag aus einem edlen Papier.


Fazit:
Ein Roman mit einem sehr herausfordernden Thema, der mich von der ersten Seite an gefesselt und emotional mitgenommen hat. Die Geschichte hallt noch lange nach und gibt viele Denkanstöße. Für mich ist "Die sieben Schalen des Zorns" der bisher beste Roman des Autors. Natürlich gibt es eine riesige Leseempfehlung von mir!
Ein Tipp: Wer gerne Ferdinand von Schirach liest, könnte auch mit Markus Thiele Freude haben.

Vielen Dank an den Benevento Verlag und an den Literaturtest

Die Klänge der Freiheit - Tara Haigh

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 528 Seiten
    • Verlag : ‎ Tinte & Feder (9. November 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496709803
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496709803
    • Genre: Historischer Roman




Amazon Kurzbeschreibung:
Nürnberg, 1943: Die junge Inge spielt leidenschaftlich gern Geige und träumt von der weiten Welt. Gegen den Willen des Vaters lässt sie sich zur Rotkreuzschwester ausbilden und wird gleich bei ihrem ersten Einsatz an die Ostfront geschickt. Die Arbeit im Lazarett konfrontiert sie mit der grausamen Realität des Krieges, während die Rote Armee immer näher rückt. Als der deutsche Offizier Preuss ihr anbietet, ihn nach Italien zur Abtei Montecassino zu begleiten, ergreift sie die rettende Chance. Aber kann sie Preuss wirklich trauen? Er ist kultiviert, ein feinsinniger Kunstkenner, aber auch Nationalsozialist. Noch ahnt Inge nicht, dass sich in Italien ihr Schicksal offenbaren wird und sie schwere Entscheidungen treffen muss: zwischen Liebe und Verrat, Zukunft und Vergangenheit …

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von der Autorin Tessa Harding alias Tara Haigh habe ich bereits einige Romane gelesen, die eher in die Richtung Landscape Roman gehen. Mit "Die Klänge der Freiheit" hat sie nun andere Töne angeschlagen, die mir sehr gut gefallen haben. Allerdings nur bis sich wieder eine Liebesgeschichte in den Roman geschlichen hat. Warum? Das möchte ich euch erzählen....

Wir begegnen 1943 der jungen Inge, die mit ihrem Vater in Nürnberg wohnt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Annemarie hat sie soeben die Ausbildung zur DRK-Schwester abgeschlossen. Während ihr Vater bereits die drohende Niederlage der Deutschen sieht, ist Inge davon überzeugt, dass der Sieg an Deutschland geht. Als Einsatzort wünscht sie sich Afrika und ihre Freundin Frankreich, denn während des Kurses wurde ihnen versprochen, dass die Rotkreuz-Schwestern nicht an die Front geschickt werden. Doch ihr Einberufungsbefehl sieht ganz anders aus: Das Ziel ist Charkow in Russland, direkt an der Ostfront.
Im Lazarett angekommen muss Inge feststellen, dass ihr Vater mit vielen seiner skeptischen Anmerkungen zu ofiziellen Propaganda recht hatte. Vom Endsieg ist weit und breit nichts zu sehen, die Rote Armee rückt immer näher und im Lazarett herrscht Chaos und furchtbares Leid. Die Verwundeten werden bei ihrer Ankunft je nach Verletztung "sortiert", Ärzte und Schwestern arbeiten ohne Unterlass und zusätzlich fehlt es an allen Ecken und Enden an medizinischen Material. Inge kommt sehr schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nur ihre Violine gibt ihr für kurze Zeit Hoffnung. Als sie im Musikzimmer der ehemaligen Schule spielt, hören die verletzten Soldaten im Keller ihre Musik. Ab diesen Zeitpunkt soll sie zweimal täglich für die Verletzten spielen. Als Oberstleutnant Heinrich Preuss mit einem Streifschuss ins Lazarett eingeliefert wird, möchte dieser nur von Inge gepflegt werden. Kurz vor seiner Genesung bietet ihr der Oberstleutnant an, sie zu seinem nächsten Einsatzort in Italien mitzunehmen. Er erklärt ihr direkt, dass die Rote Armee kurz vor Charkow steht und sie im Lazarett nicht mehr sicher sein wird. Inge nimmt trotz großer Gewissenskonflikte sein Angebot an....

Und genau hier hat sich leider die Geschichte für mich total geändert. Der Abschnitt in Russland wurde von Tara Haigh absolut fesselnd erzählt und das Grauen des Krieges hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Einsätze an der Front und im provisorischen Lazarett hat die Autorin sehr realitätsnah und glaubhaft dargestellt. Unvorstellbare Situationen und menschliches Leid haben mich tief berührt. Als Leser erkennt man sehr schnell, dass nicht nur die Soldaten an der Ostfront von Hitler und seinen Schergen verheizt wurden, sondern auch die RDK-Schwestern, die der Wehrmacht unterstellt sind. Sie wurden eingezogen wie Soldaten und bereits im Unterricht auf die Rassenideologie eingeschworen. Im Gegensatz zu den Versprechungen bei der Ausbildung landete fast die Hälfte von ihnen in der Hölle der Ostfront. Bis hierhin hätte ich 5 Sterne vergeben.
Doch angekommen in Italien spürt man vom Krieg kaum mehr etwas und die Geschichte ändert sich vollkommen. Während die Deutschen an der engsten Stelle des Stiefels Schutzwälle errichten, lebt Inge mit Oberstleutnant Heirnich Preuss und der deutschen Dolmetscherin Maria im Ort Cassino unterhalb des Klosters Montecassino, das Mutterkloster aller Benediktinerklöster, in dem sich unermessliche Kunstschätze befinden.
Dort lernt Inge den Italiener und Widerstandskämpfer Lorezo kennen und ab diesen Zeitpunkt steht die Liebesgeschichte im Vordergrund. Obwohl aus der naiven und verträumten Inge in Russland eine starke verantwortungsbewusste und hilfsbereite Frau geworden ist, steht sie mit ihrer Liebe zu Lorenzo nun zwischen den Mächten, denn die Italiener wenden sich von Hitler ab und wechseln die Seiten. Eine Liebe zum Feind im Hause eines deutschen Nationalsozialisten erscheint unmöglich.....
Leider hat mich hier die Geschichte dann verloren.
Während das erste Drittel an der Ostfront sehr anschaulich und realitätsnah geschildert wird, hätte man auf die Liebesgeschichte gut verzichten können. Wirklich sehr schade!

Fazit:
Der Roman beginnt sehr stark mit realitätsnahen Schilderungen an der Ostfront, die mich sehr berührt haben. Doch ab dem Zeitpunkt, als die Handlung nach Italien wechselt, die fast 2/3 des Buches einnimmt, hat mich die Geschichte verloren, die zu einer Liebesgeschichte mutiert und der Krieg nur mehr zum Randschauplatz wird. Sehr schade nach diesem wirklich starken Beginn....

Vielen Dank an den Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Der Weg nach Hause - Sophie Lundberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (30. August 2021)
    • Übersetzer: ‎ Kerstin Schöps
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 344231643X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442316434
    • Originaltitel : ‎ Som en fjäder i vinden
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Goldmann Kurzbeschreibung:
Es ist Sommer auf Gotland. Viola, die seit jeher auf der Insel lebt, verbringt glückliche Tage umgeben von ihren Töchtern, Enkeln und Urenkeln. Doch ein Anruf aus Paris stellt ihr Leben auf den Kopf. Jahrzehntelang hat sie die Stimme ihrer besten Freundin nicht gehört und jetzt teilt Lilly ihr mit, dass sie sterben wird. Viola steht unter Schock. Denn mit einem Mal sind sie wieder da – die längst verdrängten Erinnerungen an die Vertraute aus Kindertagen. Kurzerhand beschließt Viola nach Paris zu reisen, um Lilly zu suchen. Denn sie weiß, dass sie keinen Frieden finden wird, ehe sie nicht erfährt, warum Lilly damals ohne ein Wort verschwand ...

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Sofia Lundberg erzählt in "Der Weg nach Hause" die Geschichte einer besonderen Freundschaft.
Gotland 2019. Viola sitzt in ihrem Haus am Strand und wartet auf die Rückkehr ihrer Kinder, Enkel und dem ersten Urenkerl. Während des Sommers ist das Haus voll, doch die restliche Zeit des Jahres ist Viola alleine. Sie denkt zurück an die Zeit als sie noch ein Kind war, als das Telefon läutet. Die Stimme am anderen Ende hat sie viele Jahre vermisst, jedoch nie vergessen. Lilly, ihre beste Freundin von Kindesbeinen an, teilt ihr eine Nachricht mit, die Viola's Welt aus den Angeln hebt. Gemeinsam mit ihren Kindern und Enkeln macht sie sich auf nach Paris, um Lilly noch einmal wiederzusehen....

Auf zwei Zeitebenen erzählt Sofia Lundberg die Geschichte dieser ganz besonderen Freundschaft. In Zeitsprüngen zwischen dem heute und der Kindheit erfahren wir von der besonderen Beziehung der beiden Mädchen Wir begleiten Viola und Lilly während ihrer Kindheit und Jugendzeit.
Viola, ein Einzelkind, kommt aus der gehobenen Mittelschicht, während Lilly, ihre beste Freundin, in ärmlichen Verhältnissen in einer Großfamilie aufwächst. Die  beiden Mädchen sind Nachbarskinder und wachsen wie Geschwister auf. Dabei entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft, die niemand trennen kann. Als am 12. August 1948 die Mutter von Lilly bei der Geburt eines weiteren Kindes stirbt, wird das Leben für sie und ihre Geschwister noch härter. Viola und ihre Eltern sind für Lilly eine große Stütze. Während Viola zur Sekretärin ausgebildet wird, muss Lilly als Küchenhilfe im ortsansäßigen Restaurant arbeiten, um für den Unterhalt der Familie zu sorgen.
Mit ihrer zauberhaften Stimme träumt Lilly von einer Karriere als Sängerin, denn Musik ist ihr Leben. Doch eines Tages passiert etwas Schreckliches und Lilly verliert den Job und hat weitere Konsequenzen zu fürchten. Schliesslich trennen sich die Wege der Freundinnen, doch im Innersten bleiben sie sich verbunden....

Die Jahre, die wir die beiden begleiten dürfen, sind geprägt von Freude, Trauer und einer innigen Freundschaft weit über die Grenzen Gotlands hinaus.
Dabei befinden wir uns hauptsächlich in den 1950iger und 1960iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der 12. August wird dabei zu einem Datum, das immer wieder erwähnt wird und auch in den folgenden Jahren eine tragende Rolle spielt.
Über die Jahre hinweg blicken wir immer wieder auf diesen 12. August, der für Lilly jedes Jahr ein besonderer Tag bleibt.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist unaufgeregt. Die melancholische Grundstimmung passt perfekt zum Inhalt und spiegelt das Gefühlsleben der Protagonisten wider.
Die Hauptcharaktere sind sehr gut gezeichnet und ich hatte von Lilly und Viola ein gutes Bild. Trotzdem konnte ich einige Verhaltensweisen nicht richtig nachvollziehen. Die Nebenfiguren blieben mir zu oberflächlich. Von der Landschaft Gotlands habe ich ebefalls nicht wirklich viel erfahren, außer den Strandbesuchen. Das finde ich schade, vorallem wo meine Tochter erst vor kurzem diese Insel besucht und mir viele Fotos geschickt hat. Für mich war der neue Roman von Sofia Lundberg leider etwas zu ruhig und unaufgeregt, um mich richtig fesseln zu können. Die Lebenswege der Freundinnen waren mir nach ihrer Kindheit zu knapp umrissen.

Cover:

Das schwedische Originalcover (links) und daneben das identische finnische Cover. Ich finde dieses viel, viel schöner als die deutschsprachige Ausgabe vom Goldmann Verlag und frage mich, warum der Verlag dieses nicht übernommen hat.

Der Titel des Buches auf schwedisch heißt "Wie eine Feder im Wind". Den Titel finde ich ebenso nichtssagend, wie "Der Weg nach Hause" ist, wobei man bei beiden an Lilly denken könnte.


Fazit:
Ein eher durchschnittlicher Roman mit leisen Tönen, der das Thema Freundschaft behandelt, aber mir zu ruhig und unaufgeregt war. Ob er in Erinnerung bleiben wird? Das kann ich noch nicht sagen, befürchte aber eher nicht. "Ein halbes Herz" hat mir wesentlich besser gefallen.

Vielen Dank an den Literaturtest und an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan - Anni. E. Lindner

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 366 Seiten
    • Verlag: ‎ Francke-Buch (1. Februar 2021)
    • ISBN-10: 3963622121
    • ISBN-13: 978-3963622120
    • Genre: Jugendroman


Francke Kurzbeschreibung:
Die 16-jährige Tally hat unerwartet ihren Vater verloren und das Letzte, was sie jetzt braucht, sind die Ratschläge ihrer selbst überforderten Mutter. Oder der merkwürdigen Therapeutin, die ihr empfiehlt, ihre Gefühle aufzuschreiben! Erst als Tally zufällig Frau Möller kennenlernt, eine alte Dame mit einem Papagei sowie einer Vorliebe für Marzipan, und ihr das Foto von deren jung verschollenen Onkel in die Hände fällt, findet sie doch noch etwas, was sie zum Schreiben inspiriert. Außerdem sind da ja auch noch ihre beste Freundin Sanna und nicht zu vergessen Mr Wow, der eigentlich Timo heißt und Tally einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Dummerweise ist er Christ und mit diesem religiösen Quatsch kann sie so gar nichts anfangen …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Warum ich so richtig auf diesen Roman aufmerksam geworden bin, kann ich eigetnlich gar nicht mehr wirklich sagen. Jugendromane snd ja eher selten bei mir am Blog zu finden und trotzdem hat mich die Geschichte direkt angesprochen.
Die 16jährige Tabitha, genannt Tally, wird mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters konfrontiert. Sie fällt daraufhin in ein tiefes Loch, denn die Beziehung zu ihrer Mutter war nie richtig eng. Tally ist gefangen in ihrem Schmerz und lässt niemand an sich heran. Sie zieht sich auf ihre eigene imaginäre Insel zurück. Ihre Mutter geht anders mit ihrer Trauer um und empfiehlt Tally eine Psychologin. Doch auch diese kann Tally nicht helfen. Sie übergibt ihr jedoch ein Tagebuch um ihre Gedanken niederzuschreiben. Einzig ihre beste Freundin Sanne, die Kraft und Stärke in ihrem Glauben findet, bekommt etwas Zugang zu ihr. Und da ist auch noch Timo, der Leiter der Jugendgruppe, zu der Sanne regelmäßig geht. Mit Religion kann Tally aber nichts anfangen - schon gar nicht nach dem Tod ihres geliebten Vaters.
Eines Tages lernt Tally ganz unverhofft eine alte Dame kennen, die sich mit ihrem Rollator und den Einkäufen abmüht. Tally hilft ihr und lernt Helga Möller und ihren Papagei Gustav näher kennen. In der Wohnung gibt es viele Erinnerungsstücke aus Frau Möllers Leben. Tally beginnt sich dafür zu interessieren.  Dabei fällt ihr auch das Foto eines gutaussehenden jungen Mannes in die Hände, der sie fasziniert. Sie beginnt in ihrem Tagebuch eine Geschichte rund um diesen Mann zu spinnen und ihm ein "Happy End" zu vergönnen. Darin beginnt sie ihre Gefühle und den Schmerz zu verarbeiten. Aber auch die Zufallsbekanntschaft mit der alten Dame scheinen Tally zu helfen und es beginnt eine ganz besondere Freundschaft...

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und ich bin schnell in die Geschichte gekommen. Die Autorin hat die jugendliche Tally sehr authentisch und ihrem Alter entsprechend beschrieben. Beim Lesen spürt man die tiefe Trauer des Mädchens, sowie ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit. Diese wirkt vorallem zu Beginn sehr erdrückend. Tally weiß nicht, wie sie ihr Leben wieder auf die Reihe bekommen soll.
Anni E. Lindner fängt den Schmerz von Tally sehr gut ein und lässt den Leser intensiv daran teilhaben. Sehr einfühlsam erzählt die Autorin über Verlust und Trauer. Gerade der Beginn der Geschichte ist diese jedoch sehr bedrückend. Gleichzeitig zeigt die Autorin aber auch auf, dass es immer Hoffnung gibt und das Leben trotz all dem Schmerz und der Trauer positiv weitergehen kann.

Die Figuren sind bis hin zu den kleinsten Nebencharaktere sehr liebevoll gezeichnet. Sanne ist für Tally immer da und eine wirklich gute Freundin. Sie nimmt selbst ihre Ausraster hin. Helga Möller habe ich sofort ins Herz geschlossen und auch ihre Liebe zu Marzipan und ihrem sprechenden Papagei Gustav. Mit Tallys Mutter wurde ich nicht wirklich warm. Timo hingegen ist ein feiner Kerl...fast zu gut um wahr zu sein.

Was ich weniger mochte, waren die Tagebucheinträge von Tally. Darin schreibt sie einen kleinen Roman rund um Eugen, dem Mann auf dem Foto, und lässt ihm ein Happy End zukommen. Eine nette Idee, aber für den Roman komplett unwichtig. Die Geschichte, die sie sich selbst zusammenspinnt, ist sprachlich der damaligen Zeit sehr angepasst. Ich denke nicht, dass sechzehnjährige Mädchen, die sich kaum für historische Romane interessieren, diese Sprache beherrschen. Ich will jetzt niemanden beleidigen, aber ich lese sehr viele historische Romane und oftmals ist die Sprache bei einigen Autorinnen nicht wirklich zeitgemäß. Dass dies ein junges Mädchen schafft, das sich vorher überhaupt nicht damit auseinandersetzt, finde ich unwahrscheinlich. Das ist allerdings mein einziger Kritikpunkt. Die Geschichte ist sehr intensiv und hat mich vorallem am Beginn emotional richtig mitgenommen.

Ich möchte eine kleine Triggerwarnung an jene Leserinnen geben, die erst vor Kurzem jemanden verloren haben.

Fazit:
"Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan" ist ein ruhiges Buch voller Emotionen und einer tiefgründigen Botschaft. Die Autorin hat das Thema Trauer sehr gekonnt in Worte gefasst und perfekt vermittelt. Eine wunderbare Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen.

Vielen Dank an Literaturtest und den Francke Verlag für das Rezensionsexemplar!

[Grandhotel Schwarzenberg] Der Weg des Schicksals - Sophie Oliver




    • Taschenbuch : 320 Seiten
    • Verlag : Lübbe; 2. Aufl. 2020 Auflage (28. Juli 2020)
    • ISBN-10 : 3404180623
    • ISBN-13 : 978-3404180622
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 um das Grandhotel Schwarzenberg



Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Bad Reichenhall, 1905. In dem exklusiven Kurort in den bayerischen Alpen verliebt sich die junge Anna Gmeiner in den Salzsieder Michael. Beide wünschen sich ein besseres Leben. Michael beschließt, sein Glück in der Ferne zu suchen und Anna nachzuholen. Doch dann geschieht ein schreckliches Verbrechen und Anna ist gezwungen, einen anderen Mann zu heiraten. Zwischen Salzbaronen, Hoteliers und reichen Kurgästen aus aller Welt muss sie sich ihren Platz im mondänen Bad Reichenhall erkämpfen.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon im Vorfeld, als die eBooks zu dieser Reihe erschienen sind, war meine Neugier geweckt. Auf Instagram konnte ich die guten Meinungen zu Band 1, 2 und auch schon 3 lesen (die bereits alle als eBook erschienen sind) und so musste der erste Band dieser neuen Reihe einfach bei mir einziehen.
Den bereits erschienen guten Rezensionen kann ich nur beipflichten. Obwohl das titelgebende Hotel in Band Eins noch gar nicht vorkommt, konnte mich dieser Reihenauftakt überzeugen.

Anna Gmeiner hat früh ihre Mutter verloren und lebt mit ihrem Vater und ihrem Bruder Christoph auf einem kleinen Hof am Rande des mondänen Kurortes Bad Reichenhall. Die drei kommen gerade so zurecht und versorgen sich mit Mühe und Not selbst. Als Christoph bei seiner Arbeit als Trifter ums Leben kommt, wird die Lage für Anna und ihren Vater noch schwieriger. Als sie am Markt Eier verkauft, lernt sie den neu hinzugezogenen Salzsieder Michael kennen. Die Beiden verlieben sich. Michael ist ehrgeizig und arbeitet sich hoch. Er landet in der Schreibstube des Salinenmeister Konrad von Feil. Michael erhofft sich in Zukunft für Anna sorgen zu können und bittet ihren Vater um ihre Hand. Doch das Glück ist Anna und Michael nicht hold und als er durch eine Intrige seine Arbeit verliert, verlässt er Bad Reichenhall und Anna. Er verspricht ihr in einem Jahr mit genug Geld für eine Hochzeit wiederzukommen, doch erneut meint es das Schicksal mit Anna nicht gut...

Anna ist ein sehr starke junge Frau, die einen Schicksalsschlag nach dem anderen überwinden muss. Ich hoffte mit ihr, dass sie endlich etwas Glück erfahren darf, doch es dauert lange bis sich ihr Leben wendet. Entgegen der damaligen Zeit kämpft Anna für ihre Rechte, als ihre komplette Existenz auf dem Spiel steht. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben und stellt sich den Schicksalsschlägen. Ich habe mit Anna mitgelitten, die zu dieser Zeit als Frau keine Rechte hat.
Auch Katharina von Feil, der Tochter des Salinenmeisters, hat trotz Wohlstand vorallem die Rolle des braven Töchterleins zu spielen, um einen wohlhabenden Ehemann zu finden. Doch der vermeintliche gutsituierte Mann den Katharina ehelichen soll, entpuppt sich bald als Widerling und Spieler.
Im Gegensatz zu Anna lebt Katharina in der Oberschicht, aber auch ihr ist das Glück nicht hold. Sie versucht sich auf ihre Weise durchs Leben zu schlagen, um sich einen Teil ihrer Wünsche und Hoffnungen zu erfüllen. Mit Geld und Einfluss gelingt das natürlich um einiges besser, als für Anna, die täglich ums Überleben kämpfen muss. Katharina wirkt neben Anna verwöhnt und egoistisch. Ob und wie sich ihre Wege kreuzen werden, verrate ich hier noch nicht....

Sophie Oliver bringt dem Leser die Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts näher und zeigt die Kluft zwischen Arm und Reich sehr deutlich auf. Im aufstrebenden Kurort trifft sich die mondäne Gesellschaft, doch viele Menschen leben am Rande ihrer Existenz. Als Kurort will man hoch hinaus und hofft in Zukunft auf noch mehr Gäste aus dem In- und Ausland. Da kommt ein Berliner Investor gerade richtig und bald steht dem Bau eines Grandhotels nur wenig entgegen.
Gelungen sind auch die Informationen über die Salzgewinnung, die in die Geschichte miteinfließen. Die Saline bringt dem Ort den Aufschwung, an dem sich so viele wie möglich beteiligen möchten. Intrigen und Wirtschaftskrisen bringen jedoch die eine oder andere Überraschung.

Der Autorin gelingt es mit viel Liebe und Geschick eine spannende Geschichte mit überraschende Wendungen zu erzählen. Man ahnt nur wenig voraus - einzig am Ende gibt es den einzigen von mir erwarteten Knall, allerdings auch in etwas anderer Form, als ich dachte. Der nicht allzu große Cliffhanger zum Schluss lässt mich schon voller Vorfreude auf den kommenden Band im Oktober hoffen...

Schreibstil:
Sophie Oliver erzählt in gefühlvoller und bildhafter Sprache. Die Charaktere sind vielschichtig und realitätsnah. Sie entwickeln sich weiter und birgen ab und zu auch eine Überraschung für den Leser.
Die bildhafte Beschreibung von Bad Reichenhall und der Umgebung ist atmosphärisch und hat mein Kopfkino angeregt.

Fazit:
Sophie Oliver hat hier nicht die 08/15 Variante gewählt, die man schon öfters in ähnlicher Form gelesen hat, sondern konnte mich mit ihrem Reihenauftakt überraschen. Auf den 320 Seiten befindet sich viel Inhalt, der durch überraschende Wendungen Spannung erzeugt. Ein gelungener Reihenauftakt!
Vielen Dank an den Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar!



Mit dir für alle Zeit - Lisa Grunwald

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Broschiert: 512 Seiten
    • Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (25. Juni 2020)
    • Übersetzer: Elfriede Peschel
    • ISBN-10: 3959674023
    • ISBN-13: 978-3959674027
    • Originaltitel: Time after Time 
    • Genre: Zeitreise, historischer Roman



Harper Collins Kurzbeschrebung:
New York, Fünfter Dezember 1937: Weichenmechaniker Joe geht nach Feierabend durch die Grand Central Station – und verliebt sich auf den ersten Blick. In Nora, eine sehr hübsche, doch seltsam altmodisch gekleidete Frau, die verloren unter der berühmten goldenen Uhr steht. Nach einem wundervollen Abend verschwindet sie jedoch spurlos. Und als Joe am nächsten Tag ihre Nummer wählt, informiert ihn ein Mann mit kühler Stimme, dass er Nora nicht sprechen könne: Sie sei vor zwölf Jahren bei einem Zugunglück gestorben. Nora geht Joe jedoch nicht mehr aus dem Kopf. Und am fünften Dezember 1938 steht sie plötzlich wieder vor ihm, unter der goldenen Uhr der Grand Central Station. Hier ist sie gestorben. Und jedes Jahr kehrt sie für einen Tag zurück. Ihre Liebe hat keine Chance – und dennoch wartet Joe fortan Jahr für Jahr auf sie. Gemeinsam suchen sie einen Weg, das Unmögliche zu schaffen: dass Nora für immer bei ihm bleiben kann.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
New York 1937. Es ist der 5. Dezember als der 33jährige Weichensteller Joe nach seiner Arbeit in der Grand Central Station eine verstörte junge Frau erblickt. Sie steht verwirrt vor der berühmten goldenen Uhr, ist altmodisch gekleidet und scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Joe spricht sie an und verliebt sich augenblicklich in die hübsche Fremde. Ihr Name ist Nora, sie ist 23, und die Beiden verbringen zusammen einen netten Abend. Als er sie nach Hause begleitet verblasst sie plötzlich und verschwindet vor seinen Augen. Denn Nora ist eigentlich tot. Sie ist 1925 beim schweren Subway-Unglück im Grand Central gestorben und kehrt in manchen Jahren an ihrem Todestag genau dort wieder auf. Dass Nora tot ist erfährt Joe nach einem Telefonat und einigen Nachforschungen. Doch die junge Frau geht ihm nicht aus dem Kopf und so wartet er ein Jahr später am selben Ort wieder auf sie.....

In kurzen Rückblenden wird Noras Leben vor dem Unglück erzählt, genauso wie auch Joes Leben abseits seiner Arbeit im Grand Central. Der rote Faden und der wirkliche Mittelpunkt der Geschichte ist die Grand Central Station, wo sich alles Leben und die Liebe zwischen den beiden abspielt. Den Joe bleibt nicht untätig und versucht herauszubekommen, warum Nora immer am 5. Dezember auftaucht und welche Einflüsse ihr Verschwinden verursachen. Gibt es eine Möglichkeit längere Zeit oder sogar für immer zusammenbleiben zu können?
Es vergehen einige Jahre, doch Joe wartet jedes Jahr am 5. Dezember auf seine Nora. Während sich die Welt weiter dreht, 1939 die Weltsausstellung in New York stattfindet und später die USA in den Zweiten Weltkrieg eintritt, versucht Joe herauszufinden, wie er es anstellen kann, dass Nora für immer bei ihm bleiben kann. Doch während er altert, bleibt Nora immer 23.

Der Roman lebt nicht nur von der Liebesgeschichte, sondern vorallem von der großartigen Atmosphäre am Grand Central, die von dere Autorin wunderbar eingefangen wurde. Obwohl ich noch nie in New York gewesen bin, hatte ich Bilder im Kopf, die mich beim Lesen begleitet haben. Selten habe ich so wunderbar bildhafte Beschreibungen der Umgebung gelesen. Zusätzlich googelte ich auch nach dem Phänomen der Manhattanhenge, bei dem das Licht der untergehenden Sonne in einer geraden Linie durch die Schluchten der Straßen Manhattans fällt. Dieser Zeitpunkt spielt im Roman eine große Rolle, ebenso wie die räumliche Grenze.

Kleine Längen in der Mitte, bei denen ich das Gefühl von Stillstand hatte, haben mich etwas im Leseflow gebremst, aber in der zweiten Hälfte legte sich das wieder.
Die Problematik des beginnenden Altersunterschiedes, die Erklärung warum er mit Nora nicht seine Familie besuchen kann und weitere Ereignisse in Joes Familie, sind schwerwiegende Probleme in der Beziehung der Beiden. Der Autorin gelingt es allerdings nicht zu 100% darauf einzugehen. Die Probleme werden nur oberflächlich angerissen, wie auch die "Lösung", die Lisa Grunwald am Ende anbietet. Ich war sehr neugierig, wie die Autorin diese Geschichte beenden würde und ich bin damit zufrieden. Romantikerinnen werden aber vielleicht mit dem Ende Probleme haben. Alles in allem ein Roman, der mich gut unterhalten und mir sicherlich im Gedächtnis bleiben wird.

Cover:
 
Diesmal habe ich nur englischsprachige Cover gefunden, wobei eines davon von Harper Collins Deutschland übernommen wurde. Mir gefällt das ganz rechte Cover am Besten, denn es zeigt die wichtigste Information des Romans an....den Lichteinfall des Manhattanhenge in der Grand Central Station und man sieht Nora in ihrem blauen Kleid

Fazit:
Etwas anders als ich erwartet hatte, aber ein sehr atmosphärischer Roman, der vorallem mit seinen bildhaften Beschreibungen glänzt. Kleine Längen in der Mitte und ein Ende, das nicht jedem Leser zusagen wird, lassen mich gelungene 4 Sterne vergeben.
Vielen Dank an Literaturtest für die Bereitstsellung des Leseexamplares

Ein halbes Herz - Sofia Lundberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
    • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (2. März 2020)
    • Übersetzer: Kerstin Schöps
    • ISBN-10: 3442314941
    • ISBN-13: 978-3442314942
    • Originaltitel: Ett frågetecken är ett halvt hjärta
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Goldmann Kurzbeschreibung:
Ihre Kamera ist ihr Schutzwall gegen die Welt – denn obwohl die schwedische Fotografin Elin Boals eine glänzende Karriere in New York absolviert, hat sie sich zurückgezogen in ihren ganz eigenen Kosmos. Niemandem gewährt sie Zugang zu ihrem Inneren, nicht einmal ihrer Familie. Als sie völlig unerwartet einen Brief aus ihrer Heimat Gotland erhält, brechen die Erinnerungen mit Macht über sie herein. Denn Elin hütet ein tragisches Geheimnis – eine tiefe Schuld, die sie damals dazu trieb, die Insel für immer zu verlassen. Und nun spürt sie, dass sie an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren muss, wenn sie jemals wirklich glücklich werden will …

Meine Bewertung: * * * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Elin ist eine erfolgreiche Starfotografin, die mit Ehemann Sam und Tochter Alice in New York lebt. Sie ist ein Workaholic und lebt für ihre Arbeit. High-Society, Wohlstand und Karriere sind ihre einzigen Lebensinhalte. Dabei distanziert sie sich von ihrer Familie und entfremdet sich schlussendlich völlig. Eines Tages erhält sie einen Brief aus Schweden. Darin befindet sich eine Sternenkarte mit der Botschaft: Heute wurde ein Stern auf den Namen Elin getauft. Diese kommt aus Visby in Gotland und von ihrem damaligen besten Freund Fredrik. Lange verdrängte Erinnerungen brechen auf und Elin kann sich immer weniger hinter ihrer Kamera verstecken. Sie vergisst Termine, ist mit den Gedanken in Gotland und macht Fehler. Erst als sie ihrer Tochter verrät, dass sie eigentlich in Schweden geboren wurde, fasst sie den Mut sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Die Handlung wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Über den Kapiteln aus der Vergangenheit steht "Damals", Ort und Datum zur besseren Zuordnung. Die Elin, die wir als Kind und Teenager kennen lernen, ist so ganz anders als die heutige Elin. Diese lebte in Armut, die Mutter ist völlig überfordert und depressiv, der Vater Alkoholiker, der schlussendlich im Gefängnis landet. Elin kümmert sich um ihre beiden kleinen Brüder und versucht es ihrer Mutter immer recht machen, die sich jdoch kaum um ihre Kinder kümmert und völlig lieblos agiert. Die einzigen Lichtblicke in Elins Leben sind die Treffen mit Fredrik, der für sie wie ein großer Bruder ist und bei dem sie sich geborgen und behütet fühlt oder die Besuche bei der alten Aina, die immer Kekse für die Kinder übrig hat und sich ihre Sorgen anhört.
Wir erfahren nach und nach, wie sich dieses verängstigte Mädchen, das sich verzweifelt nach Liebe sehnt und sich zum Ziel setzt eines Tages reich und berühmt zu werden, wandelt und zur heutigen kühlen Elin wird, die noch immer einsam, aber erfolgreich ist. Von ihrer Vergangenheit hat sie ihrem Mann und ihrer Tochter nie erzählt. Die Beiden wissen nicht einmal, dass sie Schwedin ist...ein Umstand, der mich kurz sprachlos gemacht hat.

Die Erzählungen aus Elins Kindheit in Visby fand ich sehr interessant. Sie konnten mich mitnehmen und ich fühlte die tiefe Sehnsucht und den Schmerz in ihrem Inneren. Sie sind mitreißend und gefühlvoll. Die erwachsene Elin hat mein Herz allerdings nicht wirklich berührt. Sie ist unnahbar und hat eine wahrlich dicke Mauer um sich herum aufgebaut, die keiner einzureißen vermag. Niemand dringt richtig zu ihr durch, doch am Härtesten geht sie mit sich selbst ins Gericht.
Erst die Reise mit ihrer Tochter Alice in die Vergangenheit - zurück nach Gotland - lässt Elins Herz langsam auftauen und Dinge erkennen, die sie lange in sich verschlossen hatte.

Die einzelnenen Charaktere sind gut gezeichnet und lassen dem Leser auch hinter die Fassade blicken. Oberflächlich bleiben nur die Figuren, die in New York Elins Leben begleiten - ein Leben, das genauso oberflächlich ist, wie es auch Elin lebt. So kann man auch bei den Figuren einen guten Vergleich ziehen.
Für mich war die Geschichte spannend zu lesen, auch wenn mich der Teil, der in Schweden spielt, mehr interessiert und mitgenommen hat. Die schwedischen Landschaftsbeschreibungen sind authentisch und bildhaft. Ich konnte mir die weite Ebene, die Wälder und das Meer wunderbar vorstellen.
Die melancholische Grundstimmung passt perfekt zum Inhalt und spiegelt das Gefühlsleben der Protagonistin wider.

Ein Roman, der nachdenklich stimmt und aufzeigt, wie sehr unsere Kindheit unser Leben bestimmen kann.

Cover:


von links nach rechts: das schwedische Originalcover, das Cover aus Niederlande, das Paperback aus Schweden, das Cover aus Lithauen, Serbien und Frankreich

Fazit:
Eine Geschichte über das Leben, seine Wurzeln und welche Spuren die Kindheit hinterlassen kann. Trotz der melancholischen Grundstimmung habe ich den Roman gerne gelesen und mochte vorallem die Erzählung in der Vergangenheit.


Vielen Dank an den Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

 

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