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Zum Schweigen verdammt - Melanie Metzenthin

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 352 Seiten
    • Verlag : ‎ Tinte & Feder (25. Juli 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496711042
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496711042
    • Genre: historischer Roman, Roadtrip

       

Amazon Kurzbeschreibung:
1953: Der junge Journalist Eddy McLaine und sein Fotograf Bruno Matthiesen machen sich mit einem ausgebauten VW-Bus auf die weite Reise von Deutschland in den Iran. Begeistert von der fremden Welt des Orients und der iranischen Gastfreundschaft, gelingt es den aufgeschlossenen jungen Männern schnell, Kontakte zu knüpfen. Doch der Iran steht am Scheideweg zwischen Tradition und Moderne – Teheran ist ein Pulverfass und Eddy und Bruno sind mittendrin. Wenn jetzt noch herauskommt, dass Bruno und er viel mehr sind als nur Kollegen, könnte es für sie beide lebensgefährlich werden … 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Bücher der Autorin Melanie Metzenthin lese ich sehr gerne. Melanie war sogar schon bei mir am Blog zu Gast, als wir die "Hafenschwester" Trilogie in einer Blogger-Leserunde hier bei mir gelesen haben.

Mit "Zum Schweigen verdammt" hat sie einen etwas anderen Roman geschrieben. Das Buch gehört zur "Leise Helden" Reihe, jedoch sind Eddy und Bruno zwei Nebenfiguren der Trilogie, die nun ihre eigene Geschichte bekommen. Man kann daher diesen Roman auch ohne Vorkenntnisse zur Reihe lesen.
Ich habe Band 3 "Die verstummte Liebe" gelesen, welche eine Art Vorgeschichte zu den ersten beiden Bänden ist, und der mich sehr bewegt zurückgelassen hat.

Wir begleiten Bruno und Eddy auf ihrer Reise in den Iran, der 1953 noch sehr westlich orientiert und fortschrittlich war. Wenn man sich die heutigen Nachrichten oder die Entwicklung des Landes in den letzten fünfzig Jahren ansieht, ist dies kaum zu glauben. Unsere Generation und die nach mir kennen deswegen den Iran nur als grausame Diktatur.
Wir befinden uns in der Zeit des Kalten Krieges. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Stimmung zwischen der USA und der Sowjetunion wieder zunehmend verschlechtert. Die Trennung Deutschlands in Ost- und West zeigt die Differenzen und die politischen Gegensätze.
In dieser Zeit machen sich Bruno Matthiesen aus Westdeutschland und der Brite Eddy McLaine auf den Weg in den Iran. Die beiden sind ein Paar und dürfen ihre Liebe nicht ausleben. Umso mehr freuen sie sich auf den gemeinsamen Road-Trip. Eddy ist Journalist und möchte eine Reisereportage schreiben. Er hat dazu das okay seines Chefs bekommen und ahnt noch nicht, in welche politisch wichtige Epoche sie geraten werden. Bruno hat den gemeinsamen VW-Bus umgebaut und möchte damit Werbung für seine Tischlerei machen. Außerdem soll er als Fotograf auftreten.
Auf den Weg in den Iran erfahren sie große Gastfreundschaft und treffen letztendlich wohlbehalten in Teheran ein, wo sie der Familie Khademi begegnen, die ihnen ein offenes Haus anbieten. Der britische Journalist Trevor, an den sich Eddy wenden soll, um ihm Einblicke in die iranischen Gegebenheiten zu ermöglichen, verhält sich hingegen äußert unfreundlich. 

Ich tat mir zu Beginn etwas schwer mit dem Einstieg. Der Schreibstil erinnerte mich nicht wirklich an die Autorin, von der ich bereits einige Bücher gelesen hatte. Er war sehr nüchtern und erinnerte eher an ein Sachbuch. Doch bald änderte sich mein Gefühl und ich nahm regen Anteil an Bruno's und Eddy's Abenteuer. Man bekommt Einblicke in die Hintergründe und den Machtspielchen der Briten, Amerikaner und Russen, die den Iran auf ihre Seiten ziehen wollen. Unter Reza Schah blühte das Land auf und war ein moderner Staat. Doch nach seinem Tod wird sein Sohn Mohammed Reza Pahlavi zum Spielball der Großmächte. Die kommunistische Tudeh-Partei unterstützt außerdem Premier Mohammad Mossadegh und die Briten sind seit dem Streit um das Öl zu Feinden mutiert. Bruno und Eddy sind mittendrin und erleben den Beginn des Umsturzes life mit.

Melanie Metzenthin hat die damaligen politischen Ereignisse wunderbar mit ihrer fiktiven Geschichte um Bruno und Eddy verwoben. Beide Männer sind sehr symapthische Figuren. Durch viele Dialoge erhalten wir persönliche Einsichten und erfahren mehr über die charakterlichem Eigenschaften der beiden.

Das Bild dieses Landes, wie wir es heute kennen und wie es Bruno und Eddy vor siebzig Jahren erleben durften, lässt sich kaum vergleichen. Von dem gastfreundlichen und damals noch weltoffenen Iran mit seinen freundlichen und herzlichen Menschen ist nicht viel geblieben. Melanie Metzenthin erzählt über die Wandlung eines neutralen und eher europäisch orientierten Landes hin zum Gottesstaat, wie wir ihn heute kennen. Mich hat es sehr erschreckt, wie schnell ein neutrales und weltoffenes Land in eine völlige Diktatur schlittern kann. Das macht sehr nachdenklich! Auch die Rollen der USA und Russland, die mit ihren Geheimdiensten und ihrer Doppelmoral wesentlich zum Niedergang des Irans beitrugen, werden aufgezeigt.

Im Nachwort gibt es noch einige zusätzliche Details zu Akteneinsichten, die erst 2013 veröffentlicht wurden.

Fazit:
Ein sehr interessanter Roman, der das Leben im Iran vor siebzig Jahren zeigt und wie es zum Umsturz zum Gottesstaat kam, den wir heute kennen. Die beiden Protagonisten Bruno und Eddy sind dabei wundervolle Charaktere, die ich gerne begleitet habe.


[Die Hafenschwester] Als wir an die Zukunft glaubten - Melanie Metzenthin

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 704 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (30. August 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292464
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292468
    • Genre: Familiensaga 
    • Reihe: ja - Band 3 der Hafenschwester



Diana Kurzbeschreibung:
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Infl ation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

 Die Bände sollte man der Reihe nach lesen!

Meine Meinung:
In einer kleinen, aber feinen Leserunde mit der lieben Sabine von Buchmomente und mit der Autorin Melanie Metzenthin, die uns netter Weise wieder begleitet hat, haben wir diesen dritten und leider letzten Teil der Reihe gelesen. Vielen lieben Dank Melanie für die wiederholte tolle und sehr informative Begleitung!

Im letzten Band der Reihe begleiten wir die ehemalige Hafenschwester Martha ab dem Jahr 1923 während der Weimarer Republik bis hin zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit der Zeit verlagert sich der Fokus auf die Kinder von Paul und Martha, die sehr unterschiedlich sind. Damit wird die Handlung noch runder und interessanter.
Ich war wieder sofort mitten im Geschehen, obwohl ich den zweiten Band vor einiger Zeit gelesen habe. 1923 ist das Jahr der Weltwirtschaftskrise und der Hyperinflation. Die Menschen schleppen die Geldscheine in Koffern zum Einkaufen. Das Geld, das Martha und Paul für ihren ältesten Sohn Rudi gespart haben, ist genauso verloren, wie weitere Ersparnisse. Das macht ihnen gewaltiges Kopfzerbrechen, obwohl es ihnen im Vergleich zu anderen Menschen noch ganz gut geht, denn Marthas Arbeit ist nach wie vor gefragt. Paul hingegen muss um seinen Job bangen, da die Werft immer weniger abwirft.
Rudi gibt seinen Eltern ebenfalls so einige Sorgen auf. Das Jus-Studium, das er nach dem Abitur beginnt, ist nicht so wirklich seines, obwohl er unbedingt Anwalt werden wollte. Zusätzlich fühlt er sich ungeliebt und sucht Zuflucht in Frauengeschichten. Davon wird ihm eine zum Verhängnis...
Ein ganz besonderer Charakter ist Alfred. Ihm ist schon früh klar, dass er zur Polizei gehen will und er findet in Henny schon bald die Frau fürs Leben.
Ella, die Jüngste der Studt-Kinder, möchte in die Fußstapfen der Mutter treten und Medizin studieren.
Doch alle drei Kinder müssen sich mit der Erfüllung ihrer Träume gedulden, als die NSDAP immer mehr an Macht gewinnt. ...

Die Spannung beginnt sich langsam aufzubauen und schraubt sich immer mehr in die Höhe. Vorallem zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, der Bombardierung Hamburgs und Fredi's gefährliche Mission halten den Leser in Atem. Melanie Metzenthin schafft es wieder großartig uns Martha und ihre Familie näher zu bringen und mit diesem letzten Band den Abschied noch schwerer zu machen. Ich war zu jedem Zeitpunkt mitten drinnen und  habe mit Martha gebangt, mit Ella mitgefühlt und geweint, Fredi bewundert und über Rudi immer wieder den Kopf geschüttelt. Vorallem Ella habe ich bedauert, die immer wieder zurückstecken muss. 

Heinrich und Li Meng spielen ebenfalls wieder eine große Rolle, ebenso wie ihre Kinder Arthur und Lilli. Dabei wird vorallem Lilli im Laufe der Zeit eine sehr wichtige Figur.

Henny, Fredi's Frau, macht meiner Meinung nach den größten Wandel durch. Von der naiven 16jährigen, die perfekt in das zukünftige Frauenbild der Nazis passt, wandelt sie sich zu einer richtig toughen Frau, die Stärke zeigt und ihre Familie beschützt - komme, was wolle.

Fredi ist eindeutig der Charakter, der das Herz des Lesers erobert. Ihm gilt meine volle Bewunderung! In der Mordkommission gewinnt die SA immer mehr an Macht. Fredi muss der Partei beitreten, bleibt sich aber selbst treu und versucht sich nicht verdächtig zu machen. Als Leser erhält man einen sehr detaillierten Einblick, wie der Polizeiapparat von der SA und der SS durchsetzt wird und die unliebsamen Gegner erntfernt werden. Ein sehr gefährliches Spiel!

Die Charaktere entwickeln sich alle im Laufe der Geschichte weiter und bleiben facettenreich und authentisch. Sie sind liebevoll gestaltet und man hat das Gefühl alle persönlich zu kennen. Die Entwicklung von Rudi, Fredi und Ella, aber auch von Martha und Paul, wird durch die gesellschaftlichen Umstände und politischen Zwänge beeinflusst. Als Leser erlebt man diese hautnah mit.

Es ist schade, dass die doch etwas lange Zeitspanne von mehr als zwanzig Jahren in einem Band komprimiert werden musste. Einige Hintergründe sind dadurch nur kurz angeschnitten oder erwähnt. 

Fazit:
Ein wunderbarer Abschluss dieser Trilogie, bei dem diesmal die Kinder der Hafenschwester Martha im Mittelpunkt stehen. Melanie Metzenthin überzeugt wieder mit einem exzellent recherchiertem historischen Hintergrund und verwebt ihre Familiengeschichte zu einem spannenden Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Von mir gibt es für die gesamte Reihe eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Corinna Schindler vom freelance Team, die mir das Buch zukommen ließ, wie auch an Melanie Metzenthin, die uns bei allen drei Teilen auf meinem Blog begleitet hat

[LESERUNDE] Die Hafenschwester: Als wir an die Zukunft glaubten - Melanie Metzenthin

Am 3. September startet hier die gemeinsame

LESERUNDE
zu
Die Hafenschwester:

Als wir an die Zukunft glaubten
den dritten Band der Reihe von Melanie Metzenthin

Die Autorin wird auch diesmal wieder hier vorbeischauen und mit uns diskutieren
.
*************************
KLAPPENTEXT:
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Inflation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …
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EINTEILUNG DES BUCHES:
Abschnitt 1: Kapitel 1 - 10
Abschnitt 2: Kapitel 11 - 23
Abschnitt 3: Kapitel 24 - 36
Abschnitt 4: Kapitel 37 - 51
Abschnitt 5: Kapitel 52 - 62
Abschnitt 6: Kapitel 63 - 74
Abschnitt 7: Kapitel 75 bis Ende

Teilnehmer:
Sabine von Buchmomente
Andrea vom Leseblick
und ich

Auch Melanie Metzenthin wird wieder vorbeischauen
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Wer möchte mitlesen? Jeder von euch ist herzlich eingeladen!

Die verstummte Liebe - Melanie Metzenthin

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

    • Taschenbuch: 461 Seiten
    • Verlag : Tinte & Feder (12. Januar 2021)
    • ISBN-10 : 2496703929
    • ISBN-13 : 978-2496703924
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: Band 3 bzw. die Vorgeschichte zu "Im Lautlosen" und "Die Stimmlosen"



Tinte & Feder Kurzbeschreibung:
England 1896: Von der eigenwilligen Helen Mandeville erwartet ihre Familie vor allem eine standesgemäße Heirat. An ihrer Verlobung mit James Mitchell, einem schneidigen Anwalt mit besten Verbindungen, geht kein Weg vorbei. Aber dann verliebt Helen sich auf einer Bildungsreise in den deutschen Arzt Ludwig Ellerweg. Für ihn riskiert sie es, für immer mit ihrer Familie zu brechen. Sie löst ihr Verlöbnis und reist heimlich nach Hamburg, um Ludwig zu heiraten. Es ist für beide die große Liebe und die Geburt ihres Sohnes Fritz macht ihr Glück komplett. Doch dann erfährt Helen, dass ihre Mutter im Sterben liegt und sie reist zurück nach England – nicht ahnend, dass der erste Weltkrieg ausbrechen und ihr Leben vollkommen verändern wird.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit "Die verstummte Liebe" hat Melanie Metzenthin eine Art Vorgeschichte zu ihrer Reihe "Leise Helden" geschrieben. Ich habe beide Bücher ("Im Lautlosen" und "Die Stimmlosen") in meinem SuB Regal und werde sie jetzt nacheinander befreien.

Leider spoilert der Klappentext wieder ziemlich und ich bin froh, dass ich ihn nicht gelesen habe, sondern das Buch alleine wegen der Autorin, deren Bücher ich liebe, angenommen habe. 

Wir befinden uns im Jahre 1896 in Großbritannien. Helen Mandeville wächst in einem gutbürglichen Haus auf. Nachdem ihr Bruder Henry an Kinderlähmung erkrankt, fällt es Helen zu, einen geeigneten Ehemann zu finden, der die Bankgeschäfte und das Gut der Mandevilles später führen kann. Der Anwalt James Mitchell ist für ihren Vater der geeignete Kandidat. Weder Henry, noch Helen, sind darüber erfreut. Helen versucht die Verlobung so lange wie möglich hinauszuzögern. Es gelingt ihr den Vater zu überreden, vorher noch eine Europareise anzutreten. Dabei lernt sie den charmanten Arzt Ludwig Ellerweg kennen und lieben. Die Eltern sind gegen diese Verbindung, doch Helen will nicht auf ihre große Liebe verzichten und bricht mir der Familie. Sie heiratet Ludwig und lebt in Hamburg. Als Arztgattin hilft sie in der Ordination mit und geht dabei auf. Die Ehe ist glücklich und wird mit der geburt von Sohn Fritz gekrönt. Als ihre Mutter im Sterben liegt und Helen nach England reist, um sich von ihr zu verabschieden, ahnt sie nicht, dass ihr der Erste Weltkrieg dazwischen kommt. Es gibt keine Möglichkeit mehr zu Ludwig und ihren gemeinsamen Sohn Fritz zu gelangen. Zusätzlich ist sie plötzlich Feindin im eigenen Land.... 

Melanie Metzenthin zeigt in dieser fesselnden und berührenden Geschichte wieder ihre wunderbare Art zu schreiben. Mit emotionaler Tiefe erzählt sie über das Leben von Helen Mandeville. Die sympathische und wagemutige junge Frau, die weiß was sie will, wird im Laufe der Zeit und durch unglückliche Umstände zu einer verbitterten und kaltherzigen Frau. Durch eine einzige falsche Entscheidung hat sie eine furchtbare Kettenreaktion ausgelöst, die nicht nur ihr Leben, sondern auch das Leben anderer zerstört hat. Die Veränderung von Helen, die innerlich zerissen ist, tat mir anfangs weh, doch  im Laufe der Geschichte konnte ich oftmals nur den Kopf über sie schütteln.

Der Autorin gelingt es fantastisch, die damalige gesellschaftliche und politische Epoche darzustellen. Wie von ihr gewohnt hat sie hervorragend recherchiert und setzt ihr Wissen gekonnt in ihrem Roman um. Sie fesselt den Leser an die Seiten und man hat das Gefühl direkt mit den Hauptprotagonisten zu leben, lieben und leiden. Natürlich darf bei der Autorin auch der medizinisiche Aspekt nicht fehlen.

Die Charaktere sind lebendig und facettenreich beschrieben. Sie sind nicht schwarz-weiß gemalt, sondern mit Fehlern ausgestattet, die sie realistisch und glaubwürdig darstellen.Sie entwickeln sich weiter und entwickeln Persönlichkeit.

Das Ende bleibt etwas offen, soll aber, wenn man die anderen Bände gelesen hat, stimmig sein.

Fazit:
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung zu dieser aufwühlenden Geschichte, die als Vorgeschichte zur Reihe "Leise Helden" erschienen ist. Melanie Metzenthin versteht es zu fesseln und einen Roman zu erzählen, der unter die Haut geht.

Vielen Dank an BUCH CONTACT für das Rezensionsexemplar!

Die Hafenschwester: Als wir wieder Hoffnung hatten - Melanie Metzenthin



    • Verlag: Diana Verlag; Originalausgabe Auflage (14. September 2020)
    • Broschiert : 496 Seiten
    • ISBN-10 : 3453292448
    • ISBN-13 : 978-3453292444
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Hafenschwester


Diana Kurzbeschreibung:
Hamburg, 1913: Mit ihrer großen Liebe Paul hat Krankenschwester Martha drei gesunde Kinder, eine schöne Wohnung und sogar eine Einladung nach Amerika, um ihre Freundin Milli zu besuchen. Doch die Stadt steht kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges und Marthas Träume von der Zukunft zerplatzen. Trotz seiner 41 Jahre wird Paul eingezogen und Martha muss sich in dieser schweren Zeit allein um das Überleben ihrer Familie kümmern. Als Paul nach einem Granatenangriff schwer entstellt zurückkehrt, wird ihre Ehe auf eine harte Probe gestellt. Martha tut alles für ihren Mann, Paul unterzieht sich aber nur unwillig den nötigen Operationen und scheint aufgegeben zu haben …
 
Meine Bewertung: * * * *
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Die Bände sollte man der Reihe nach lesen!
 
Meine Meinung:
Auch beim zweiten Band der Hafenschwester hat uns die Autorin Melanie Metzenthin bei der Leserunde auf meinem Blog begleitet! Vielen Dank liebe Melanie! Es war wieder toll und wir haben jede Menge Zusatzinformationen bekommen.

Band zwei setzt wenige Jahre nach dem Ende von Band eins an. Martha ist inzwischen mit Paul verheiratet und hat drei Kinder. Nachdem sie im ersten Band vom armen Mädchen aus dem Gängeviertel zu einer angesehenen Krankenschwester geworden ist, hat sie in ihrem nun gut behütenden Leben Fuß gefasst. Sie darf als verheiratete Frau zwar nicht mehr im Krankenhaus als Schwester arbeiten, setzt sich aber noch immer für die Armen ein. Als ehrenamtliche Hafenschwester behandelt sie diese unentgeltlich. Da erhält sie eine Einladung von Millie. Sie soll mit ihrer Familie nach Amerika reisen und ihre beste Freundin aus Kindertagen endlich besuchen. Millies Tochter Anna, deren Patin Martha ist, feiert demnächst Hochzeit. Die Überfahrt ist bezahlt und so steigen Martha, Paul und die Kinder Rudi, Fredi und Ella auf das größte Passagierschiff dieser Zeit, dem Imperator. Noch ahnen Martha und Paul nicht, dass diese Reise für lange Zeit die letzten glücklichen Tage sein werden....

Mit dem Besuch in Amerika dürfen wir auch wieder kurz an Millies Leben teilhaben, die mir im ersten Band besonders gut gefallen hat. Die Überfahrt auf dem Luxusdampfer und der Unterschied zwischen dem quirligen New York und dem noch etwas rückständigen Europa sind sehr bildhaft dargestellt. Einige Leserinnen fanden diesen ersten Leseabschnitt eher unspektakulär. Ich empfand dies nicht so. Er ist sicherlich ruhiger, aber nicht weniger interessant. Melanie Metzenthin hat einige sehr aufschlussreiche Details dieser Zeit eingebaut, die ich gerne gelesen habe. Millies Arrangement und wie sie ihr Leben in Amerika gestaltet, hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Sie war schon immer der Zeit voraus.
Doch kaum zurück aus den Vereingten Staaten spitzt sich die Lage in Europa nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdninand und seiner Frau Sophie zu. Als es zum Krieg kommt stürzen sich die Männer mit Euphorie in die Schlachten, um viel zu schnell wieder aufzuwachen. Mit dem ersehnten Kriegsende zu Weihnachten wird es nichts und es folgen Leid und Schmerz, Hunger und Elend für die Menschen in Deutschland. Hier hat die Autorin den Mittelpunkt auf das Leben in Hamburg gesetzt. Mehr möchte ich nicht verraten...im Klappentext steht sowieso schon viel zu viel!

Ein interessanter neuer Charakter ist Li-Ming. Die Chinesin, die Marthas Bruder Heinrich ehelicht und mit nach Deutschland bringt, ist zu Beginn schwer durchschaubar. Durch sie erfährt der Leser von chinesischen Bräuchen und Traditionen. Melanie Metzenthin hat dabei auch ein sehr schmerzliches Thema aufgegriffen, auf das ich hier nicht näher eingehen möchte. Ich habe dazu allerdings schon einen Roman gelesen, der mich damals zutiefst ergriffen hat.

Nach Pauls schwere Verletzung, die sowieso schon im Klappentext verraten wird, konnte mich die medizinische Seite rund um die plastische Chirurgie zu dieser Zeit richtih fesseln. Durch die vielen verstümmelten Soldaten musste die Medizin in kurzer Zeit viel dazulernen und steht vor neuen Herausforderungen...ähnlich wie heute durch den Coronavirus.
Die Autorin hat uns besonders in diesem Abschnitt viel an ihren Recherchen teilhaben lassen, was ich absolut spannend fand. Dabei kam mir die Spanische Grippe zwar etwas zu kurz, aber ich muss auch sagen, dass Melanie Methenthin ohnehin schon sehr viele Themen aufgegriffen hat. Noch ein Schwerpunkt wäre vielleicht zu viel gewesen...

Auch die Politik nimmt im letzten Abschnitt wieder einen größeren Teil ein, ist aber im zweiten Teil eher Nebenhandlung. Martha und Paul sind weiterhin bekennende Sozialdemokraten und kämpfen noch immer für die Rechte der Arbeiter. Am Ende des Romans stehen wir auch am Ende des Deutschen Kaiserreichs.

Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr bildhaft und man merkt in jedem Abschnitt, wie viel sie recherchiert hat. Die spannenden Themen, wie die Jungfernfahrt der Imperator, die Kriegshandlungen und politischen Hintergründe, sowie die medizinischen Eingriffe, die damals Neuland waren und bei denen es auch für die Medizinerin noch genug zu recherchieren gab, wurden sehr lebendig und gut verständlich dargestellt.
Die Charaktere haben sich alle weiterentwickelt und ich hatte sie lebhaft vor Augen. Man fühlt sich ihnen nahe und leidet und freut sich mit ihnen mit.
Im Nachwort findet man wieder Erklärungen zu Fiktion und wahren Begebenheiten. Herausheben möchte ich auch noch das historische Bildnis von Hamburg im Inneren der Klappbroschur.

Fazit:
Ein ereignisreicher zweiter Band rund um die Hafenschwester Martha und ihre Familie. Wieder hervorragend recherchiert, lebendig erzählt und mit interessanten Einsichten in das Leben von damals. Ich freue mich schon auf Band 3.
 
Die Rezensionen meiner Leserunde Kolleginnen werden hier noch verlinkt:
Sabine von Buchmomente *klick*
Andrea vom Leseblick


[LESERUNDE] (Die Hafenschwester) Als wir wieder Hoffnung hatten - Melanie Metzenthin

 

Am Montag, den 21. September startet die gemeinsame
 
LESERUNDE
zu
"Die Hafenschwester"
ALS WIR WIEDER HOFFNUNG HATTEN

der zweite Band rund um die Krankenschwester Martha von Melanie Metzenthin
 
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KLAPPENTEXT:
Hamburg, 1913: Mit ihrer großen Liebe Paul hat Krankenschwester Martha drei gesunde Kinder, eine schöne Wohnung und sogar eine Einladung nach Amerika, um ihre Freundin Milli zu besuchen. Doch die Stadt steht kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges und Marthas Träume von der Zukunft zerplatzen. Trotz seiner 41 Jahre wird Paul eingezogen und Martha muss sich in dieser schweren Zeit allein um das Überleben ihrer Familie kümmern. Als Paul nach einem Granatenangriff schwer entstellt zurückkehrt, wird ihre Ehe auf eine harte Probe gestellt. Martha tut alles für ihren Mann, Paul unterzieht sich aber nur unwillig den nötigen Operationen und scheint aufgegeben zu haben …
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EINTEILUNG DES BUCHES:
 
Abschnitt 1 (Kapitel 1- 9, Seite 7 - 103)
Abschnitt 2 (Kapitel 10 - 21, Seite 104 - 218)
Abschnitt 3 (Kapitel 22 - 34, Seite 219 - 321)
Abschnitt 4 (Kapitel 35 - 43, Seite 322 - 411)
Abschnitt 5 (Kapitel 44 - Ende, Seite 412 - Ende)

Teilnehmer:
Andrea vom Leseblick
Sabine von Buchmomente
und ich
___________________

Jeder, der mit uns mitlesen möchte ist herzlich willkommen

Die Hafenschwester - Melanie Metzenthin

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Broschiert: 464 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag; Auflage: Originalausgabe (9. September 2019)
    • ISBN-10: 3453292332
    • ISBN-13: 978-3453292338
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 (Hafenschwester Reihe)


Diana Kurzbeschreibung:
Hamburg, 1892: Die Cholera erschüttert die Stadt an der Elbe und fordert tausende Opfer. Als Marthas Mutter stirbt, muss sie das Überleben ihrer Familie sichern. Die junge Frau aus dem armen Gängeviertel ergattert eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus und arbeitet sich bis zur OP-Schwester hoch. Während die Ärzte sich im Wettlauf gegen die Zeit befinden, ist Hamburg auch im politischen Umbruch: Die Hafenarbeiter streiken, die Frauen kämpfen ums Wahlrecht und für die Rechte von Prostituierten. Martha schließt sich der Frauenbewegung an und führt gleichzeitig ihren ganz persönlichen Kampf. Denn sie hat nicht nur die Liebe zur Medizin entdeckt, sondern – gegen die strengen Regeln am Krankenhaus – auch zu einem jungen Mann …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
In der gemeinsamen Leserunde auf meinem Blog zum neuen Roman "Die Hafenschwester - Als wir zu träumen wagten" (Teil 1) von Melanie Metzenthin hat uns die Autorin überraschender Weise begleitet, was ich richtig toll fand!! Nochmals vielen herzlichen Dank liebe Melanie!

In der Geschichte befinden wir uns im Hamburger Gängeviertel Ende des 19. Jahrhunderts. Martha ist gerade erst 14 Jahre alt geworden, als ihre kleine Schwester Anna an der Cholera erkrankt. Sie ist eine der ersten Erkrankten der verheerenden Epidemie, über die zuerst Stillschweigen verbreitet wird. Doch die Zahl der Infiszierten und Toten steigt innerhalb kurzer Zeit in besorgniserreichende Höhe. Als auch Marthas Mutter erkrankt, pflegt sie Martha liebevoll, kann sie aber nicht retten. Ihr Vater beginnt zu trinken und ihr kleiner Bruder Heinrich muss seine Zukunftspläne einer weiteren Schulausbildung begraben.
Martha muss vortan für die Familie sorgen und nimmt den Rat des Arztes an, sich als Krankenwärterin am St. Georg Hospital zu bewerben. Wegen ihrer Pflegekenntnisse wird Martha aufgenommen. Ihr Interesse, ihr logisches Denken und ihr Wille fallen bald einem jungen Arzt auf, der sich für sie einsetzt. Martha erhält einen Platz im Eppendorfer Krankenhaus bei den Erika-Schwestern, der eigentlich nur Töchtern aus gutem Hause "zusteht". Und so sehen es nicht alle wohlwollend, dass eine Frau aus dem Gängeviertel dieselben Chancen erhält....

Die Charaktere sind individuell und entwickeln sich weiter. Martha ist ein starkes Mädchen, das sich aus ihrer Not heraus entwickelt und zu einer engagierten jungen Frau heranwächst. Ihr Vater, gefangen in seiner Trauer, versucht im Alkohol zu vergessen und vergisst dabei seine eigenen Kinder. Vater und Tochter entwickeln sich in gegensätzliche Richtungen, Marthas Bruder versucht sobald wie möglich auf eigenen Füßen zu stehen und aus dem Viertel zu fliehen.
Besonders gut gefallen hat mir die Figur von Millie. Sie ist von Kindesbeinen an Marthas beste Freundin, erwartet jedoch ein schlimmes Schicksal. Ihre Stärke ist bewundernswert und die bedingungslose Freundschaft der Beiden wird oftmals auf die Probe gestellt. Melanie Metzenthin baut neben ihren fiktiven Charakteren auch reale Figuren dieser Zeit geschickt in den Roman ein, wie die Frauenrechtlerin Lida Gustava Heymann oder die Werftsbesitzer Gustav Wolkau und Hermann Blohm.

Melanie Metzenthin, die selbst Medizin studierte, hat sich bei ihrem Roman vom Leben ihrer Urgroßmutter inspirieren lassen. Diese lebte zur selben Zeit wie Martha, überlebte ebenfalls die Cholera-Epidemie, arbeitete aber als Näherin.
Eigentlich dachte ich, dass der Schwerpunkt des Romans im medizinischen Bereich liegt, doch die Autorin hat uns auch in der Leserunde hingewiesen, dass ihr Hauptaugenmerk bei der Cholera-Epidemie und dem größten Hafenarbeiterstreik Deutschlands lag. Es ist das Ende des vorletzten Jahrhunderts und es ist eine Zeit des Umbruchs und des Umdenkens. Die Gesellschaft ist im Aufbruch, denn die Schere zwischen Arm und reich wird immer größer. In der Mitte des Romans nahm mir die politische Sicht, sowie die Reden der Sozialdemokraten, etwas zu viel Raum ein.
Durch die Cholera haben viele Familien ihre Ernährer verloren. Die Armen werden immer ärmer und kaum eine Familie hat mehr genug zu Essen. Die Mieten werden erhöht, ein 72 Stunden-Arbeitstag wird zur "Normalität". Unfälle häufen sich und kaum jemand wird mehr satt. Dies führt zum Streik, der sich immer mehr ausweitet und in die Geschichte als größter deutscher Hafenarbeiterstreik eingeht. Auch Martha unterstützt die Streikenden, engagiert sich für Rechte der Frauen und wird Mitglied bei den Sozialdemokraten. Dort lernt sie bei einer politischen Veranstaltung einen jungen Mann kennen, der dieselben Interessen und Ziele wie Martha vertritt. Als Erika-Schwester ist ihr allerdings der nähere Umgang mit Männern und eine Hochzeit untersagt....

Der erste Teil dieser Reihe konnte mich begeistern und ich freue mich schon auf die beiden Nachfolgebände.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, atmosphärisch und lässt sich wunderbar lesen. Es ist mein zweites Buch der Autorin und ich bin genauso begeistert, wie schon bei "Mehr als die Erinnerung". Die bildhafte Beschreibung der Stadt Hamburg zu dieser Zeit ließ mich selbst durch das Gängeviertel und den Hafen wandern.
Die Figuren sind lebendig und facettenreich und entwickeln sich weiter. Sie wirken glaubhaft und man fühlt sich ihnen nahe.
Die politischen und historischen Begebenheiten wurden akribisch recherchiert. Die eigenen medizinischen Kenntnisse der Autorin sind wunderbar integriert.
Im Nachwort findet man weitere Erklärungen zur damaligen Zeit bzw. zur Cholera-Epidemie und dem Streik der Hafenarbeiter.

Fazit:
Ein wundervoller Auftakt der neuen Reihe von Melanie Metzenthin, der mich in das Hamburg des vorletzten Jahrhundert katapultiert hat und deren Protagoinisten ich gerne begleitet habe. Die interessanten Themen rund um die Cholera-Epidemie und den Kampf der Armen um mehr Rechte und Lohn haben der Geschichte rund um Martha's Leben nochmehr Tiefe gegeben. Ich freue mich schon auf den Folgeband!

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Corinna Schindler vom freelance Team, die mir das Buch zukommen ließ.

Die Rezensionen meiner lieben Kolleginen aus der Leserunde:

[LESERUNDE] Die Hafenschwester - Melanie Metzenthin

Morgen am 10. September startet die gemeinsame
LESERUNDE
zu
"Die Hafenschwester"
den ersten Band einer neuen Reihe von von Melanie Metzenthin
 

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KLAPPENTEXT:
Hamburg, 1892: Die Cholera erschüttert die Stadt an der Elbe und fordert tausende Opfer. Als Marthas Mutter stirbt, muss sie das Überleben ihrer Familie sichern. Die junge Frau aus dem armen Gängeviertel ergattert eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus und arbeitet sich bis zur OP-Schwester hoch. Während die Ärzte sich im Wettlauf gegen die Zeit befinden, ist Hamburg auch im politischen Umbruch: Die Hafenarbeiter streiken, die Frauen kämpfen ums Wahlrecht und für die Rechte von Prostituierten. Martha schließt sich der Frauenbewegung an und führt gleichzeitig ihren ganz persönlichen Kampf. Denn sie hat nicht nur die Liebe zur Medizin entdeckt, sondern – gegen die strengen Regeln am Krankenhaus – auch zu einem jungen Mann …
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EINTEILUNG DES BUCHES 

Abschnitt 1 (Kapitel 1 - 9, Seite 7-93)
Abschnitt 2 (Kapitel 10 - 23, Seite 94-194)
Abschnitt 3 (Kapitel 24 - 39, Seite 195-298)
Abschnitt 4 (Kapitel 40 - Ende, Seite 299-ende)

Teilnehmer: 
Andrea vom Leseblick
Daniela von Stempelbavaria 
Sabine von Buchmomente
 und ich
___________________________

Jeder, der noch mitlesen möchte ist herzlich willkommen!

Mehr als die Erinnerung - Melanie Metzenthin



    • Taschenbuch: 379 Seiten
    • Verlag: Tinte & Feder (14. Mai 2019)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 2919804316
    • ISBN-13: 978-2919804313
    • Genre: Historischer Roman, Familienroman


Amazon Kurzbeschreibung:
Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe. Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mein erster Roman der Autorin, obwohl ich noch ihre Romane "Die Stimmlosen" und "Im Lautlosen" auf meinem SuB habe. Lange werden sie dort nicht mehr verweilen, denn "Mehr als die Erinnerung" konnte mich von der ersten Seite an begeistern.

1920. Der Große Krieg ist vorüber und hat viel Leid über die Menschen gebracht. Auf Gut Molenberg leitet Doktor Meinhardt eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Seine Tochter Friederike von Aaalen unterstützt ihn, wo sie nur kann. Seit ihr Mann Bernhard im Krieg eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, ist er selbst Patient und steht laut Dr. Weiß, einem Kollegen aus der Pflegeanstalt, auf dem Level eines etwa fünfjährigen Kindes. Seinetwegen hat Friederike ihr Medizinstudium kurz vor Abschluss abgebrochen, denn Bernhard ist trotz seines Handycaps noch immer ihre große Liebe. Für sie und ihren Vater stehen Menschlichkeit, Achtung und Respekt in ihrer Einrichtung an erster Stelle. Die Patienten versuchen sich nach Möglichkeit selbst zu versorgen und werden als vollständige Menschen anerkannt. Eines Tages steht ein junger Kriegsversehrter mit schlimmen Verbrennungen im Gesicht vor der Tür und bittet um Arbeit auf Gut Molenberg. Seine Papiere sind zweifelhaft, doch Bernhard freundet sich sofort mit dem Mann an. Da geschehen im Umkreis des Gutes zwei Morde und der Verdacht fällt automatisch zuerst auf die Patienten des "Irrenhauses", wie die Bewohner des naheliegendes Ortes die Insassen von Gut Molenberg nennen. Friederike ist fassunglos. Wer könnte von den beiden Morden profitieren? Und wer ist eigentlich Walter Pietsch, den sie erst vor kurzem auf Gut Molenhof eingestellt hat? Welche Rolle spielt Dr. Weiß, der seine eigene Theorie über Menschen mit Beeinträchtigung hat? Friederike ist entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen...

Die Aufklärung der Morde werden - wie auch noch heute - durch Vorurteile erschwert. Friederike ist eine toughe junge Frau, die sich für ihre Patienten einsetzt und das Herz auf den rechten Fleck hat. Sie möchte sich von Bernhard nicht scheiden lassen und für ihn da sein, denn die gegenseitige Liebe ist noch immer vorhanden und spürbar. Trotz seiner Beeinträchtigung möchte Bernhard Friedrike seit den Morden beschützen. Doch was versucht er ihr schon die ganze Zeit über zu sagen?
 
Melanie Mentzenthin schreibt in diesem aufwühlenden Roman über Menschen mit Beeinträchtigung und den Therapieansätzen der damaligen Zeit. Sie ist selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Einblick in die damals üblichen Therapiemethoden lassen einem teilweise sprachlos zurück. Einige Methoden kannte ich schon aus anderen Romanen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Der Mensch schreckt jedoch vor Nichts zurück und somit gibt es an Grausamkeiten immer wieder Neues zu entdecken....leider! Einer dieser Menschen ist Doktor Weiß. Er möchte in einer Studie aufzeigen, dass jeder Mensch aufgrund von Schlüsselreizen zum Mörder werden kann. Für ihn sind alle Behinderten Subjekte ohne Seelen und Gefühle. Er ist sicherlich einer jener "Menschen", der noch vor der Erstarkung des Nationalsozialismus perfekt in die SS Maschinerie passt.
Ebenso werden zu dieser Zeit auch gerne Frauen der "Hysterie" bezichtigt, die von ihren Familien aus irgendeinem Grund abgeschoben werden sollen, wie auch Juliane Brunner, die der Familie "Schande bereitet hat".

Wer entscheidet was "normal" ist und was nicht? Dieses sensible Thema hat die Autorin in beeindruckender Weise beschrieben. Sehr interessan fand ich auch die Gegenüberstellung der verschiedenen Denkansätze der damaligen Medizin und ihrer Vertreter, als auch ihre Anwendungen.

Die leichte Kriminote liefert dem historischen Roman noch zusätzliche Spannung. In kleinen Rückblenden erfahren wir, wie es zu der schweren Kopfverletzung von Bernhard gekommen ist, die am Ende des Rätsels Lösung zu sein scheint. Packend und berührend.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar lesen und ich war von Beginn an von der Geschichte gefesselt. Die Figuren sind autenthisch und facettenreich. Das Thema Behinderung wird feinfühlig erzählt. Man erkennt, dass melanie Metzenthin vom Fach ist.
Im Nachwort findet man weitere Erklärungen der Autorin über die damaligen Kliniken und Behandlungsmethoden.

Fazit:
Ein fesselnder Roman, der die unterschiedlichen Behandlungsmethoden von Menschen mit Beeinträchtigung nach dem Großen Krieg beschreibt und für einen menschlichen Umgang plädiert. Das fundierte Wissen der Autorin zu diesem Thema, die grandiose Umsetzung und die leichte Kriminote machen diesen Roman für mich zu einem richtigen Highlight und zu einer Leseempfehlung!

Vielen Dank an ehrlich & anders und der lieben Irmi Keis für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

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