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Der Sommer am Ende der Welt - Eva Völler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch; 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Droemer TB, 2. Auflage, (21. Juli 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426564661
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426564660
    • Genre: Roman


Droemer Kurzbeschreibung:
Es soll der persönlichste Artikel ihres Lebens werden – beharrlich verfolgt die Journalistin Hanna ihren Plan, über die traumatischen Erfahrungen früherer Verschickungskinder auf Borkum zu berichten, denn auch ihre Mutter hat dort bei einer solchen Kinderkur einst Schlimmes erlebt. Doch vor Ort erhebt sich Widerstand, als Hanna die damaligen Missstände aufdecken will. Nur der Inselarzt Ole steht ihr bei ihren Nachforschungen zur Seite, beide verlieben sich Hals über Kopf. Dann wird Hanna das alte Tagebuch einer ehemaligen Kinderbetreuerin zugespielt, aus dem sich Hinweise auf ein vertuschtes Verbrechen ergeben. Dabei gerät Hanna in ein verstörendes Dilemma, denn nach und nach zeichnet sich ab, dass in Oles Familie ein schreckliches Geheimnis gehütet wird ...

Meine Bewertung: * * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur "Music meets Book Challenge"

Meine Meinung:
Von Eva Völler habe ich bereits einige Romane, wie die "Ruhrpott-Saga", die Dilogie um die Dorfschullehrerin und die historischen Krimis um Kriminalinspektor Carl Bruns gelesen. Mit "Der Sommer am Ende der Welt" hat sie nun einen Roman geschrieben, der in der Gegenwart spielt. Das Thema beinhaltet jedoch wieder etwas Vergangenes, nämlich geht es hier um die Kinderverschickungen zwischen den 1960iger und 1980iger Jahren. Kinder, die gesundheitlich Probleme hatten, wurden auf Anraten der Ärzte auf Kuren geschickt, um sie aufzupäppeln oder durch die frische Luft in den Bergen oder an der Nordsee gesunden zu lassen. Was jedoch oftmals zutraf, war das genaue Gegenteil und ein Aufenthalt, der traumatisierte Kinder zurückließ. Ein Thema, welches viel mehr Beachtung finden sollte!

Genau aus diesem Grund macht sich Journalistin Hanna auf den Weg zur Insel Borkum, wo in den Sechziger Jahren ihre Mutter eines dieser Kinder war. In der Villa Aurelia wurden die Mädchen und Jungen gequält und geschlagen. Hanna möchte mit einem Artikel aufdecken, wie es damals tatsächlich in vielen dieser Heime zuging. Dabei hilft ihr Sabine, die zu dieser Zeit sechs Wochen verbracht hat und mit der sie täglich kommuniziert. Besonders die unbarmherzige Tante Angela ist Sabine und auch Hannas Mutter in Erinnerung geblieben. 
Aus der ehemaligen Villa Aurelia ist nun ein Luxushotel geworden, in dem Hanna sich mit ihrer 15jährigen Tochter Katie einquartiert. Als die Betreiber des Hotel erfahren, worüber Hanna tatsächlich schreiben möchte, ändert sich ihre Freundlichkeit zu Hass. Kurze Zeit später wird ihr ein altes Tagebuch vor die Tür gelegt, welches einiges enthüllt...

Der Schreibstil von Eva Völler liest sich flüssig und wie schon in all ihren anderen Geschichten mochte ich die bildhafte Erzählweise. Jedoch hätte ich die Geschichte um die Verschickungskinder lieber auf zwei verschiedenen Zeitebenen gelesen und nicht nur als kurze Telefonate oder Tagebucheintragungen, die sich in kursiver Schrift vom Hauptstrang abheben. Außerdem hätte ich es besser gefunden, wenn man nicht nur aus der Sicht von Sabine, sondern auch von weiteren Kindern, die zur selben Zeit in der Villa Aurelia zur Kur waren, gelesen hätte.
Viel zu schnell verliert sich das Hauptthema des Buches in weiteren Nebenhandlungen, die ich nicht gebraucht hätte. Schon auf den ersten Seiten lernt Hanna den hiesigen Inselarzt Ole kennen und ihre Tochter Katie den Sohn der Hotelinhaberin, Bengt. Und hier haben wir schon von Beginn an zwei Liebesgeschichten, die mir viel zu schnell abgelaufen sind. Ich konnte absolut keine der beiden Lovestories spüren und fand beide unpassend. Ein weiteres unnötiges Thema waren die Déjà-vus von Hanna und ihre gesundheitlichen Probleme. Im letzten Drittel kommt noch ein Mordfall ins Spiel, sowie Verbrechen während der Nazizeit. Letzteres kann ich noch verstehen, denn die Erziehungsmethoden in den Heimen waren von den Idealen der Nazis geprägt. 
Durch die Menge an Themen verliert jedoch jedes einzelne an Wichtigkeit und vor allem bleibt das Thema Verschickungskinder viel zu sehr an der Oberfläche. Sehr schade!

Fazit:
Ein Thema, welches noch viel mehr aufgegriffen werden sollte. Eva Völler hat sich jedoch in ihrem Roman "Der Sommer am Ende der Welt" meiner Meinung etwas verzettelt. Das Hauptthema verliert an Wichtigkeit und weicht nichtssagenden Liebesgeschichten und Krankheitssymptomen. Leider bleibt der Roman zu oberflächlich und schrammt am Thema etwas vorbei. Schade!


Vielen Dank an den Droemer Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

[Die Dorfschullehrerin] Was das Schicksal will - Eva Völler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2022 Edition (27. Mai 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3785727828
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3785727829
    • Genre: Familienroman, historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Dorfschullehrerin



Lübbe Kurzbeschreibung:
1964: Als Helene das Angebot erhält, an die Schule in Kirchdorf zurückzukehren, geht sie nur zögernd darauf ein, denn sie befürchtet, dass ihre Gefühle für den Landarzt Tobias ihr Leben erneut durcheinanderwirbeln könnten. Doch nicht nur diesem Problem muss sie sich stellen. An der Schule warten ungeahnte Herausforderungen auf Helene, die ihren ganzen Einsatz erfordern. Ihre zwölfjährige Tochter Marie zeigt sich zunehmend dickköpfig, und ihre Freundin Isabella hat eine Beziehung zu einem schwarzen GI, den die Dorfbewohner mit Argwohn betrachten. Die nahe Zonengrenze sorgt für zusätzlichen Zündstoff in dem kleinen Ort. Und dann wird Helene völlig unerwartet von den Schrecken aus ihrer Vergangenheit eingeholt. Plötzlich scheint alles auf dem Spiel zu stehen, was sie liebt ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im Vergleich zu einigen anderen Leserinnen hat mir der zweite Band besser gefallen, als der Auftakt. Ich denke, dass es daran liegt, dass die Liebesgeschichte diesmal in den Hintergrund gerückt ist und viele andere Themen im Vordergrund stehen. 

"Was das Schicksal will" schließt direkt an den ersten Band der Trilogie an. Mittlerweile leben Helene und Marie in der Villa ihrer Tante Auguste in Frankfurt und fühlen sich dort wohl. Als Helene das Angebot bekommt als Rektorin in die Schule nach Kirchdorf zurückzukehren,  gibt es einiges zu bedenken. Die Rückkehr in das Dorf würde auch ein Wiedersehen mit Tobias bereithalten, von dem sich Helene getrennt hat. Als Marie jedoch in der Schule mehr und mehr Probleme bekommt, beschließt sie das Angebot anzunehmen. Den Herausforderungen, denen sie sich stellen muss, hat sie jedoch nicht erwartet. Das Schulwesen soll nun auch in Kirchdorf reformiert und umgestaltet werden. Der Ort soll das Schulzentrum für die umliegenden Gemeinden werden und Helene hat es daraufhin sehr schwer sich als Rektorin durchzusetzen. Vorallem der Pfarrer und der Frauenverein unternehmen alles, um die neue Gesamtschule zu verhindern. Auch Marie fühlt sich in Kirchdorf noch nicht richtig wohl. Die Pubertät schlägt voll durch und sie beginnt zu rebellieren. Außerdem möchte sie auf keinen Fall, dass Helene und Tobias wieder ein Paar werden.
Die Vergangenheit in Ostdeutschland und die Flucht in den Westen lassen bei Helene und Marie noch immer Ängste hervorbrechen. Als ein Fremder im Dorf auftaucht, sind beide panisch....

Die Autorin hat den Zeitgeist der Sechziger Jahre fantastisch eingefangen. Das Dorfleben wird sehr lebendig dargestellt. Die Gerüchteküche brodelt immerzu und die Dorfbewohner wissen immer alles.....das kenne ich nur zu gut! Auch die Moralvorstellungen dieser Zeit sind wieder ein wichtiges Thema.
Man bekommt auch weiterhin einen sehr guten Einblick in das Leben am Zonenrandgebiet. Die zusätzlichen Dialoge im hessischen Dialekt bringen Lokalkolorit in die Geschichte. Vom Schulbetrieb erfahren wir diesmal leider sehr wenig. Alles dreht sich um die neue Gesamtschule und die daraus resultierenden Konfliktsituationen.

Eva Völler hat diesmal fast zu viele Themen aufgegriffen, denn es müssen sich nicht nur Helene und Isabella mit großen Problemen herumschlagen, sondern auch einige Nebencharaktere.
Christa hat es nach ihrer Flucht aus Ostdeutschland nicht geschafft, in Kirchdorf heimisch zu werden. Sie verschließt sich immer mehr und wird depressiv. Isabella ist noch immer die Rebellin vor Ort, doch diesmal steht sie vor einem schier unlösbaren Problem, dass sie verzweifeln lässt.

Agnes bekommt in diesem Band mehr Raum, was mir sehr gut gefallen hat. Sie ist eine intelligente junge Frau, die ihren Beruf liebt, sich jedoch noch gerne weiterbilden würde. Am meisten wünscht sie sich jedoch Freiraum. Sie sehnt sich danach den elterlichen Hof endlich verlassen zu können und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das Ende war mir dann fast zu viel Happy End, denn alle Probleme lösen sich in Wohlgefallen auf. Das fand ich nicht wirklich realistisch. Trotzdem fand ich diesen zweiten Band spannend erzählt und den Zeitgeist sehr gut eingefangen. 

Fazit:
Eine schöne Familiengeschichte, bei der ich mir etwas mehr Schulkontent gewünscht hätte. Dafür stand die Liebesgeschichte diesmal im Hintergrund, was für mich perfekt war und das Dorfleben und menschliche Probleme dem Roman etwas Würze gegeben hat. Eine nette Reihe, die ich gerne gelesen habe.

Die Reihe um die Dorfschullehrerin:

  1. Was die Hoffnung verspricht  *Rezi*
  2. Was das Schicksal will

Die Dorfschullehrerin - Eva Völler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 448 Seiten
    • Verlag: ‎ Lübbe; 2. Aufl. 2021 Edition (26. November 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3785727658
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3785727652
    • Genre: Historischer Roman, Teilung Deutschlands



Lübbe Kurzbeschreibung:
1961: Als die Berliner Lehrerin Helene ihre neue Stelle in Hessen an der deutsch-deutschen Grenze antritt, begegnet man ihr im ländlichen, erzkatholischen Ort zunächst mit Ablehnung. Der althergebrachte drakonische Erziehungsstil, die Gleichgültigkeit der Kollegen - für die engagierte Helene ist es ein Kampf gegen Windmühlen. In Tobias, dem Landarzt, findet sie schließlich einen Verbündeten. Schon bald bedeutet er ihr mehr, als ihr lieb ist. Denn Helene hat ein Geheimnis - sie ließ sich nicht ohne Grund genau an diesen Ort versetzen ... 

Meine Bewertung: * * * *

 Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von der Autorin habe ich bereits die Reihe um die Ruhrpott Saga gelesen und geliebt. Nun hat sie in ihrem neuen Roman ein weiteres Thema aufgegriffen: die deutsch-deutsche Grenze. Im angegebenen Klappentext wird dieses Thema leider nur kurz angeschnitten, denn eigentlich spielt das Zonenrandgebiet eine große Rolle, ebenso wie das kleine Geheimnis unserer Protagonistin, das ich hier nicht verraten möchte.

Helene hat sich als Dorfschullehrerin in einem kleinem Dorf an der innerdeutschen Grenze in Hessen beworben. Die Gemeinde am Zonenrandgebiet erfährt mehr oder weniger eine Dorfflucht. Lehrpersonal ist schwer zu finden, denn die meisten Lehrer sind nach kurzer Zeit wieder weg. Umso erfreuter ist der Direktor der Dorfschule über die junge und engagierte neue Lehrkraft. Doch die ziemlich verstaubten Kollegen begegnen Helene zuerst mit Misstrauen. Dies ändert sich schnell, als der Dorfarzt sie unterstützt und die Kinder wieder begeistert am Unterricht teilnehmen. Aber Helene ist nicht zufällig in diesem Ort. Sie schleppt ein großes Geheimnis mit sich herum, das immer mehr zur Belastung wird.....

Als Leser wagen wir auch einen Blick hinüber über die Zonengrenze. In abwechselnden Kapiteln sind wir bei Helene im Westen und dann wieder im Osten, wo langsam aber sicher immer härter durchgegriffen wird. Der Einblick in das Leben an der Zonengrenze, sowohl auf der westlichen, als auch der östlichen Seite war spannend und interessant dargestellt.

Für mich ist "Die Dorfschullehrerin" mein zweiter Roman, der sich rund um das Zonenrandgebiet zwischen der DDR und BRD dreht und doch sind diese beiden Geschichten sehr verschieden. Als Österreicherin und selbst noch Kind bzw. Jugendliche zwischen den Sechziger und Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts habe ich davon nicht viel mitbekommen. Einzig geschwärzte Stellen in Briefen meiner Brieffreundin aus der DDR warfen Fragen auf, die mir meine Mutter beantwortete. Umso schlimmer muss es für die Bewohner dieser Grenzgebiete gewesen sein, wenn Familien oder Freunde durch Stacheldraht getrennt wurden. Die politische Seite hat die Autorin gut gelöst und ohne erhobenen Zeigefinger oder eigener Meinung dargestellt.

Die Charaktere hat Eva Völler sehr lebendig dargestellt. An Helenes Seite erlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle, denn die junge Frau hat schon einiges durchmachen müssen und hat noch immer mit dem Trauma des Erlebten zu kämpfen.  Trotzdem empfand ich unsere Hauptprotagonistin zu perfekt. Sie hatte kaum Ecken und Kanten. Helene ist Lehrerin mit Leib und Seele und verfügt über Lehrmethoden, die ich für die früheren 60iger Jahre nicht ganz glaubwürdig fand. Andererseits gab es immer schon Lehrer, die sich von den anderen abhoben und sich wirklich den Kindern widmen und diesen auf Augenhöhe begegnen. Aber nicht nur als Lehrerin war Helene perfekt, denn die junger Frau ist nicht nur blitzgescheit, sondern auch bildhübsch und allseits beliebt. Das war mir etwas zu viel.
Auch Landarzt Tobias, ihr Love Interest, schlug in dieselbe Kerbe. Die anbahnende Liebesgeschichte war teilweise schon etwas kitschig. Umso erfrischender fand ich die Großmutter auf der anderen Seite des Zauns, die ihren Unmut laut und deutlich kund gab oder Isabell, die lebenslustige Hebamme des Ortes und Freundin von Helene.

Zum Ende hin wird es sehr spannend und obwohl es einen kleinen offenen Handlungsstrang gibt, wurden im ersten Teil der Diologie (?) alle anderen Stränge aufgelöst, was ich sehr begrüße! Auf die Fortsetzung freue ich mich schon...

Fazit:
Trotz einiger kleinen Kritikpunkte hat mir die Geschichte sehr gut gefallen, die einige überraschende Entwicklungen parat hatte, mit denen ich nicht rechnete.

Vielen Dank an die Bloggerjury für das Rezensionsexemplar

Ein Gefühl von Hoffnung - Eva Völler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 448 Seiten
    • Verlag: Lübbe; Auflage: 1. Aufl. 2020 (28. August 2020)
    • ISBN-10: 3785726945
    • ISBN-13: 978-3785726945
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: Band 2 der Ruhrpott Saga


Lübbe Kurzbeschreibung: 
Das Ruhrgebiet Ende der 1950er Jahre: Das drohende Zechensterben treibt die Bergleute auf die Barrikaden. Johannes, der sich nach seinem schweren Unfall als Gewerkschafter engagiert, kämpft für die Interessen der Belegschaften. In diesen Zeiten des Umbruchs suchen die junge Buchhändlerin Inge und ihre rebellische Schwester Bärbel ihren Platz im Leben, jede auf ihre Art. Doch immer mehr Konflikte belasten den Familienfrieden, als eine unmögliche Liebe entsteht ...

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Hier sollte Band 1 zuerst gelesen werden

Meine Meinung:
Im März dieses Jahres durfte ich den ersten Band der Ruhrpott-Saga, eine Dilogie, von Eva Völler lesen. Band 1 mochte ich sehr, jedoch war es für mich ein 4 Sterne Buch (tolles Buch mit kleinen Schwächen). Nun durfte ich Band 2 in einer Leserunde bei der Lesejury lesen und war diesmal wirklich begeistert.

Da die Abstände zwischen den Erscheinungsterminen nicht allzu lang waren, fühlte ich mich sofort wieder in der Geschichte angekommen. In der Zwischenzeit sind sieben Jahre vergangen. Neben dem drohenden Zechensterben kämpft Johannes als Gewerkschafter für seine Kumpels um faire Arbeitsbedingungen. Privat ist er mit Katharinas bester Freundin Hanna verlobt. Inge hat die Schule verlassen, um sich mit Oma Mine um den kleinen Jakob zu kümmern. Deshalb arbeitet sie nur halbtags in der Buchhandlung. Inge steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Jugendfreund Peter. Aus dem rebellischen Kind Bärbel ist ein genauso rebellischer Teenager geworden. Zusätzlich macht ihr ein Lehrer das Leben schwer, der sich von seiner braunen Vergangenheit nicht lösen will. Ihr droht sogar ein Schulverweis, weil sie sich gegen seine Aussagen auflehnt. Auch Jakob gefällt es nicht in der Schule. Seine Lehrerin akzeptiert nicht, dass er eigentlich Linkshänder ist. Außerdem ist er extrem intelligent und langweilt sich im Unterricht. Dies wird ihm allerdings als Dummheit zugeschrieben. Jakob soll deswegen in die Sonderschule....

Eva Völler gelingt es ausgezeichnet die damalige Stimmung einzufangen. Man merkt bereits den Aufschwung, allerdings nicht in der Zeche. Bei den Familien der Bergarbeiter wird das Leben immer schwieriger, wie man auch bei Mine's Nachbarn miterlebt.
Der Familie stehen sehr turbulente Zeiten ins Haus. Jeder muss um sein Glück kämpfen und oftmals sieht die Sache wirklich aussichtlos aus. Dabei driftet die Autorin nicht ins Klischee oder zur Unglaubwürdigkeit herab, sondern bleibt authentisch.
Besonders mitgelitten habe ich mit Bärbel und Jakob, die es wirklich schwer in der Schule haben und beide gegen Ungerechtigkeiten ankämpfen müssen. Aber auch die Familie von Klaus muss einiges an Schicksalschlägen erleben. Doch trotz all dem Leid sprühen auch die Funken zwischen Klaus und Bärbel. Die Sandkastenfreunde werden langsam erwachsen und stehen sich noch immer sehr nahe. Oma Mine, die ich im ersten Teil noch teilweise etwas schroff fand, ist mir im zweiten Teil so richtig ans Herz gewachsen. Sie hält die Familie zusammen.

Die Geschichte wird wieder aus verschiedenen Blickwinkleln erzählt. So erhält man ein sehr umfangsreiches Bild über die einzelnen Familienmitlgieder und vorallem, was diese bewegt. Eva Völler zeichnet die Charaktere voller Leben und man lacht und leidet mit ihnen. Sie wirken authentisch und entwickeln sich weiter. Vermisste ich im ersten Teil etwas mehr Historie, geht die Autorin hier einen etwas anderen Weg. Inmitten der Familie erlebt man hautnah das Ende der Fünfziger Jahre im Ruhrpott mit. Man tanzt zur Musik aus dem Kofferradio, düst mit dem Roller zum Badeteich, die Jungs lieben ihre Elvis-Tolle und ihre Leserjacken. Generell sieht man der Zukunft langsam hoffnungsvoller entgegen. Nicht umsonst heißt dieser zweite Band "Ein Gefül von Hoffnung" und diese durchzieht die Geschichte, auch wenn Eva Völler den Protagonisten wieder einige schlimme Schicksalsschläge auferlegt hat. Die alltäglichen Sorgen und Nöte erlebt man als Leser hautnah mit. Zusätzlich gibt es überraschende Wendungen, welche die Spannung aufrecht erhalten. Gerne hätte ich Mines Familie noch ein Stück weiter begleitet...
Eine absolut gelungene Fortsetzung!

Fazit:
Mit dem zweiten Band ihrer Ruhrpott-Sage hat Eva Völler ihre Dilogie abgeschlossen und lässt mich mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Eine wundervolle Geschichte voller Nostalgie, Drama und Lokalkolorit. Mir hat Band 2 noch besser gefallen als der erste Band. Gerne empfehle diese Reihe weiter!

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag und die Lesejury für mein Manuskript und die wundervolle Leserunde

Ein Traum vom Glück - Eva Völler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 464 Seiten
    • Verlag: Lübbe; Auflage: 1. Aufl. 2020 (27. März 2020)
    • ISBN-10: 3785726708
    • ISBN-13: 978-3785726709
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 der Ruhrpott-Saga




Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Essen 1951: Nach der Flucht aus der Kriegshölle Berlin hat die junge Katharina Unterschlupf bei der Familie ihres verschollenen Mannes gefunden. Aber das Zusammenleben mit der barschen, zupackenden Schwiegermutter auf engem Raum fällt der lebenshungrigen Frau schwer. Sie will ein besseres Leben für sich und ihre beiden Töchter. Mit trotziger Entschlossenheit versucht sie, ihrem ärmlichen Umfeld zu entfliehen. Doch dann begegnet sie dem traumatisierten Kriegsheimkehrer Johannes ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dank der Lesejury durfte ich den ersten Band der Ruhrpott-Saga von Eva Völler lesen. Ein Roman, der nicht vom Zweiten Weltkrieg handelt, sondern die Zeit danach beschreibt und sich den Spätheimkehrern widmet.

Wie aus dem Untertitel erkennbar ist, spielt die Geschichte im Ruhrpott, nahe Essen. Katharina und ihre beiden Töchter Inge und Bärbel sind während des Krieges aus Berlin geflohen und leben seitdem bei ihrer Schwiegermutter Mine. Ehemann Karl gilt seit Kriegsende als vermisst. Während Mine noch an die Rückkehr ihres Sohnes glaubt, hat Katharina damit abgeschlossen. Das Zusammenleben der beiden Frauen gestaltet sich oftmals schwierig. Die lebenshungrige Katharina träumt von einer Zukunft in der Stadt mit einem eigenen Atelier. Neben der harten Arbeit ändert und näht sie Kleider für die Frauen aus der Nachbarschaft und hofft auf weitere Empfehlungen, um den tristen Leben zu entfliehen. Eines Tages steht ein junger Mann vor der Tür. Es ist Johannes, der Sohn von Mines verstorbener Tochter. Er ist ein Spätheimkehrer und war in Kriegsgefangenschaft in Russland. Schon bald stellt Johannes das geordnete Leben in Mines Haus auf den Kopf....

Die Autorin gibt uns einen guten Einblick in das schwere Leben der Bergleute und auch in die Zeit des Wiederaufbaus. Ein weiteres Thema sind die Spätheimkehrer und die Thematik rund um die Bespitzelung dieser armen Männer, die oftmals als Spione verdächtigt werden. Hier habe ich einiges Neues erfahren, das mir bisher noch nicht wirklich bewusst war. Allerdings hat dies auch mit der Geschichte Deutschlands (West- und Ostdeutschland) einiges zu tun und war in meiner Heimat Österreich doch anders. Gleichzeitig wird auch hier aufgezeigt, dass über die Jahre in Kriegsgefangenschaft oder über den Krieg selbst nicht gesprochen wird. Ein Thema, das uns nun, wo es kaum mehr Zeitzeugen gibt, zu denken gibt.

Mit dem eingefügten Ruhrpott-Slang gelingt es Eva Völler viel Authentizität und Lokalkolorit in die Geschichte zu bringen. Das tägliche Leben zu dieser Zeit mit all den Schwierigkeiten und den hart arbeitenden Frauen und Männern wird sehr detailliert und lebendig erzählt. Ich hatte das Gefühl mittendrin in dieser Zeit zu sein. Manche Dinge erinnerten mich auch an meine Kindheit, obwohl ich zu dieser Zeit noch nicht geboren war. Andere wiederum, wie der Abbau der Kohle und die Bergleute waren für mich total fremd. Zusätzlich beginnt man die langsam beginnende Hoffnung zu spüren, dass die Zeiten endlich etwas besser werden. Alltägliche Dinge nehmen in der Geschichte sehr viel Raum ein, während sich zum Ende hin die Ereignisse überschlagen.

Die einzelnen Charaktere sind authentisch und spiegeln die damalige Zeit ungeschönt wider. Mit Katharina hatte ich manchmal meine Probleme, aber im Großen und Ganzen fand ich sie sympathisch, wenn auch teilweise berechnend. Sie setzt alles daran ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Mine hingegen wirkt oft sehr herrisch und bestimmend, aber hinter ihrer rauen Schale steckt ein weicher Kern. Besonders ans Herz gewachsen ist mir allerdings Johannes, der nach langer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt und sich bald wieder einlebt. Er hat für alle ein offenes Ohr und hilft, wo er nur kann. An seinem Beispiel wurde das Bergarbeiterleben sehr schlüssig dargestellt. Er ist ein sehr facettenreicher Charakter, der sehr sympathisch wirkt.
Katharinas Töchter Inge und Bärbel sind grundverschieden. Inge steckt mitten in der Pubertät und wird erwachsen, während Bärbel ein rechter Wildfang ist und am liebsten mit dem Nachbarjungen Streiche ausheckt.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und Blickwinkeln erzählt. So erhält man einen besseren Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Figuren. Der Spannungsbogen bleibt die ganze Zeit über aufrecht. Die wunderbar flüssige und bildhafte Erzählweise von Eva Völler lässt einem mitleben und mitfiebern. Trotzdem empfand ich Liebesgeschichte an manchen Stellen zu viel und vermisste etwas mehr Historie.
Im letzten Drittel hat die Autorin jedoch einige völlig unerwartete Wendungen eingebaut, die mich tief Luft holen ließen und teilweise auch erschüttert zurückgelassen haben. Nun bin ich besonders gespannt auf die Fortsetzung und wie die Geschichte weitergehen wird.

Fazit:
Im ersten Teil der Ruhrpott-Saga von Eva Völler steht mehr das alltägliche Leben der Nachkriegszeit im Vordergrund, als der historische Hintergrund. Für mich hätte es gerne etwas mehr Historie sein können, aber ich muss zugeben, dass man mit der gewählten Erzählform das Gefühl beim Lesen hat, mitten drin in der Geschichte zu sein und dazuzugehören. Viel Lokalkolorit und die spürbare Hoffnung einer neuen Zeit entgegenzugehen heben diesen Roman von anderen ab. Das überraschende Ende macht neugierig auf die Fortsetzung.
Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag und der Lesejury für das Rezensionsexemplar, sowie an Eva Völler für die Begleitung der Leserunde
 

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