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Schneezauber in Norwegen - Anna Liebig

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 320 Seiten
    • Verlag: ‎ Blanvalet Taschenbuch Verlag, (24. September 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3734113210
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734113215
    • Genre: Weihnachtsroman, Liebesroman


Blanvalet Kurzbeschreibung:
Nina ist glücklich. Sie mag ihr Leben, ihren Beruf und vor allem liebt sie ihren Opa! Und der ist gerade ganz aus dem Häuschen, denn er hat eine Doku über die größte Lebkuchenstadt der Welt, die jedes Jahr in der Stadt Bergen aufgebaut wird, gesehen. Und da will er jetzt mit Nina unbedingt hin, denn die Mutter des Architekten ist seine alte Liebe Ingrid. So sitzt Nina alsbald im Flugzeug nach Norwegen, wo ihr Opa nicht nur ein großes Geheimnis über Ingrid erfährt, sondern Nina sich zwischen Lebkuchengewürz und Knetmaschine auch auf einen Flirt mit einem netten Norweger einlässt …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Langsam wird es Zeit für ein paar Weihnachtsromane! Und wohin würde ich zur Weihnachtszeit am liebsten entfliehen? In die Berge oder in den Norden....auf jeden Fall brauche ich Schnee, der bei uns ja leider immer weniger wird..

Anna Liebig aka Nicole Steyer oder Linda Winterberg hat dieses Jahr nach "Winterträume in New York" (habe ich nicht gelesen) ihren nächsten Weihnachtsroman in Norwegen spielen lassen. Da bin ich doch gleich dabei!

Als Uwe, der Großvater von Nina, eine Dokumentation über die größte Lebkuchenstadt in Bergen sieht, entdeckt er seine erste große Liebe Ingrid im TV. Sie ist die Leiterin dieser einmaligen kleinen Stadt aus Lebkuchen. Spontan beschließt er nach Norwegen zu reisen und Ingrid in Bergen zu besuchen. Doch alleine traut er sich nicht so richtig und er bittet seine Enkelin mitzufahren. Nina hat gerade ihren Job gekündigt und möchte die Bitte ihres noch einzig lebenden Familienmitgliedes nicht abschlagen. Auch ihr etwas exzentrischer Mitbewohner Alex ist sofort Feuer und Flamme und nimmt sich spontan Zeit für eine vorweihnachtliche Reise in den Norden.
Als die drei in Norwegen ankommen, werden sie nicht nur von Schneeflocken und dem winterlichen Ambiente empfangen, sondern auch von einem sympathischen Besitzer der Pension, in der sie sich eingemietet haben. Doch auch die Einwohner von Bergen, die jedes Jahr mithelfen diese einzigartige Stadt aufzubauen, sind schnell mit Uwe auf "Du und Du". Nur Ingrid gegenüber traut er sich nicht seine wahre Identität preiszugeben. 

Anna Liebig hat einen zu Herzen gehenden Weihnachtsroman geschrieben, der in Bergen spielt und mir die noch völlig unbekannte größte Lebkuchenstadt der Welt näher gebracht hat. Natürlich musste ich zuallererst danach googeln und habe die tollen Kreationen und vor allem auch diese wunderschöne Idee bestaunt. 

Der Schreibstil von Anna Liebig ist sehr bildhaft und lässt sich flüssig lesen. Mit den sympathischen Protagonisten Uwe, Nina und Alex bin ich durch die kleine und charmante Stadt gewandert und habe das weihnachtliche Ambiente gefühlt. Das winterliche Setting hat mich schnell verzaubert. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Die Verbindung zur Vergangenheit von Uwe und dem Kennenlernen seiner Ingrid hat mir sehr gut gefallen.

Die Figuren sind liebenswert und glaubwürdig dargestellt. Jeder hat seine Ecken und Kanten. Die Beziehung zwischen Nina und ihrem Großvater ist eine ganz besondere, denn sie hat ihre Eltern früh verloren und nur mehr ihren Opa Uwe. Auch das spürt man intensiv durch die Seiten. Alex versprüht hingegen Spontanität und Humor und gibt dem Roman Dynamik.
Ein bisschen Drama darf natürlich bei einer Geschichte wie dieser, nicht fehlen. Mir war es am Ende fast ein bisschen "too much", denn es passierte unglaublich viel. Trotzdem mochte ich diese vorweihnachtliche Geschichte sehr, die genau das richtige Wohlfühlgefühl vermittelt.

Fazit:
Eine warmherzige und leichte Geschichte im winterlichen Norwegen über zweite Chancen. Ein richtiger Wohlfühlroman, der perfekt in die Vorweihnachtszeit passt. 


Vielen Dank an Blanvalet und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Träume aus Eis - Franziska Winkler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ HarperCollins Taschenbuch; 1. Edition (25. April 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3365002774
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3365002773
    • Genre: Familiensaga



Heyne Kurzbeschreibung:
Erna und Josef Pankofer sind überglücklich, als sie die kleine Eisdiele in der Kaufinger Straße in München eröffnen. Endlich hat das Tingeln mit dem Eiswagen durch die Straßen ein Ende und sie haben ein besseres Zuhause für sich und ihre beiden Töchter. Doch dann bricht die Weltwirtschaftskrise über sie herein, und die älteste Tochter Frieda verliebt sich ausgerechnet in den Sohn eines Konkurrenten. Das Glück der Familie hängt bald am seidenen Faden - kann die Idee, als erster Laden in ganz Bayern Eis am Stiel zu verkaufen, sie retten, oder sind die Träume aus Eis am Ende nur Luftschlösser ...?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Franziska Winkler alias Nicole Steyer, Anke Petersen oder Linda Winterberg hat sich den Anfängen des "Eis am Stil" angenommen. In ihrem fiktiven Roman "Träume aus Eis" erzählt sie die Geschichte um das erste "Steckerleis" und seinem Erfinder Josef Pankofer.

Gemeinsam mit seiner Frau Erna eröffnet er 1929 in München einen kleinen Eissalon. Um aus der Masse der größeren Kaffeehäuser, die ebenfalls Eis verkaufen, hervorstechen, möchte er etwas Neues und Einzigartiges anbieten. In einer Zeitschrift liest er über das erste Eis am Stil in den USA und bei einer Reise nach Berlin lernt er tatsächlich einer Kollegen kennen, der bereits daran arbeitet. Sein Traum ist es, sein eigenes "Eis am Stil" in München zu verkaufen.

Doch nicht nur der große Konkurrent, das Café Großglockner mit original italienischenem Eis, sondern auch die Weltwirtschaftskrise, dämpfen Josefs Träume. Dann verliebt sich seine Tochter Frieda auch noch in den Sohn des größten Konkurrenten und deren jüngere Schwester Lotte hat mit dem Eissalon so gar nichts am Hut....

Inspiriert ist die Geschichte von Josef Pankofer, der das Eis am Stiel in Deutschland bekannt machte. Die historischen Fakten um sein "Jopa-Eis" sind allerdings dünn gesät. Die Autorin konzentriert sich eher auf die fiktive Familiengeschichte. Dadurch reiht sich dieser Roman in das "Allerlei" anderer leichten, sogenannten "historischen" Familiensagen ein, die sich gerade gut verkaufen. Ich lese diese sehr gerne, aber es gibt hier wirklich sehr große Unterschiede was Authentizität und Historie betrifft.

Gefallen hat mir das Münchner Lokalkolorit. Beim Lesen fühlt man sich direkt vor Ort. Auch der manchmal eingefügte bayrische Dialekt trägt zur Authentizität bei. Interessant waren die Hintergrundinformationen rund um die Eisherstellung, die zu dieser Zeit wirklich ein sehr umständlicher Prozess war!

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich gut lesen. Die Geschichte ist sehr kurzweilig geschrieben. Die Figuren sind authentisch. Von manchen hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht, andere sind wiederum sehr ursprünglich und sympathisch, wie Fanny, die Küchenhilfe. Sie ist mir besonders ans Herz gewachsen. Manche Teile der Geschichte leben erst richtig durch ihre Person.
Mit Josef Pankofer hatte ich manchmal Schwierigkeiten. Er ist ein Tüftler und Träumer. Oftmals versinkt er in seiner eigenen Welt und vergisst dabei alles um ihn herum. Seine Sturheit in Bezug auf Frieda und Erich hat mir allerdings nicht gefallen und wirkte mit der Zeit unglaubwürdig.

Was mir weniger gefallen hat, war die Masse an Dramen. Kaum schien es bei den Pankofers bergauf zu gehen, schlägt das Schicksal erneut zu. Vieles wurde mir auch viel zu schnell gelöst.
Ebenso haben sich einige Fehler eingeschlichen. Figuren haben plötzlich andere Namen oder verschiedene Hintergründe. Das darf - meiner Meinung nach - im Lektorat nicht übersehen werden!
Das Cover hat mich hingegen richtig angesprochen und neugierig auf den Roman gemacht.

Fazit:
Ein leicht zu lesender Roman, der sich eher in die Riege "leichte Familiensaga" einreihen lässt und nicht wirklich in die Tiefe geht. Mir waren es vorallem in der zweiten Hälfte zu viele Dramen und Schicksalschläge. Interessant ist die damals noch sehr umständliche Eisherstellung, die den Rahmen der Geschichte bildet.


Vielen Dank an das Bloggerportal von HarperCollins für das Rezensionsexemplar!

Der Winzerhof - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 381 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (17. Januar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746638119
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746638119
    • Genre: Familiensaga, historischer Roman 
    • Reihe: ja - Band 1 der Winzerhof-Saga



Aufbau Kurzbeschreibung:
Wiesbaden, 1945: Henni steht vor den Trümmern ihres Lebens. Der Krieg hat die Sektkellerei der Familie schwer beschädigt, und Hennis Mann wird in Russland vermisst. Zudem wartet sie verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihrer jüngsten Schwester Bille, die als Krankenschwester an die Front gegangen ist. Hennis Schwester Lisbeth reist aus Berlin an, das Verhältnis der beiden ist allerdings zerrüttet. Als Bille unverhofft zurückkehrt, tief verstört und hochschwanger, fasst Henni neuen Mut: Sie wird die Sektkellerei retten. Doch als dort ein Feuer ausbricht, steht die Zukunft des Familienunternehmens endgültig auf dem Spiel. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Linda Winterberg alias Nicole Steyer, Anke Petersen oder Anna Liebig werdet ihr jedes Jahr mindestens einmal bei mir auf den Blog finden. Nun gibt es eine neue Familiensaga, die in Wiesbaden kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, spielt. Natürlich musste ich den ersten Band "Das Prickeln einer neuen Zeit", der im Januar erschienen ist, gleich in meiner Bücherei vorbestellen.

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende, doch für Henni Herzberg liegt nicht nur die Sektkellerei ihrer Familie in Scherben, sondern auch ihr Glück. Ihr Mann Conrad ist noch immer vermisst, ebenso wie die jüngere Schwester Bille, die als Krankenschwester an die Front gegangen ist. Als auch noch ihr Vater stirbt, erscheint ihre Schwester Lisbeth, die in Berlin mit einem SS-Mann verheiratet war auf der Bildfläche. Doch Lisbeth kommt nicht um Henni zu helfen, sondern um weitere Fordeurngen zu stellen. Verzweifelt versucht Henni die Sektkellerei wieder aufzubauen, doch die bereits verschuldete Firma erhält keinen weiteren Kredit. Die Menschen leiden auch nach Kriegsende noch Hunger und Sekt ist keine Notwendigkeit. Als Bille unverhofft zurückkehrt, erhält Henni etwas Unterstützung gegen Lisbeth, doch auch Bille hat im Krieg sehr viel Leid erfahren und ist traumatisiert. 

Henni ist eine starke junge Frau, die die Familientradition weiterführen möchte. Als Frau stößt sie bei den anderen Unternehmern schnell an ihre Grenzen, obwohl während des Krieges die Frauen "ihren Mann stehen" mussten. Zusätzlich werden ihr von einigen Seiten Steine in den Weg gelegt und das Schicksal meint es mit der Familie ebenfalls alles andere als gut. Ich fand die Schicksalsschläge auf diesen 381 Seiten teilweise richtig geballt....fast zu viel für einen ersten Band einer Familiensaga. Was da wohl noch alles kommen wird?
Die drei sehr unterschiedlichen Schwestern und die damit verbundenen Perspektivwechsel geben dem Roman Würze. Unerwartete Wendungen und Dramatik  halten den Spannungsbogen hoch.

Die Schausplätze sind sehr bildhaft und detailliert beschrieben und ließ die Gegend im Rheintal vor meinen Augen lebendig werden. Dazu hilft wahrscheinlich auch, dass ich selbst in der Nähe eines Weinanbaugebietes entlang der Donau wohne.

Fazit:
Ein dramatischer Start der neuen Familiensaga um die Sektkellerei Herzberg. Die drei sehr unterschiedlichen Schwestern kämpfen jede auf ihre eigene Weise mit- und gegeneinander. Ich bin schon neugierig, wie es im zweiten Band weitergehen wird und hoffe, dass sich die Schicksalsschläge rund um die Herzbergs etwas reduzieren....


Das Winterkarussell - Anna Liebig

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch : 336 Seiten
    • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag; Originalausgabe Edition (21. September 2020) 
    • ISBN-10 : 373410887X
    • ISBN-13 : 978-3734108877
    • Genre: Roman, Weihnachtsroman



Blanvalet Kurzbeschreibung:
Nachdem die fünfzehnjährige Antonia ihre Mutter bei einem Unfall verloren hat, findet sie sich bei ihrem bislang unbekannten Großvater Otto auf dessen Bauernhof im Taunus wieder. Die Annäherung zwischen dem mürrischen Greis und dem Teenager gestaltet sich schwierig – bis Antonia ein altes Karussell in der Scheune entdeckt. Sie ist ganz verzaubert von dem nostalgischen Fahrgeschäft, und eines Abends beginnt ihr Großvater schließlich zu erzählen: von damals, als er noch ein junger Schausteller war und sich auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt zum ersten Mal im Leben unsterblich verliebte …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Was für ein wunderschöner Weihnachtsroman! Anna Liebig, alias Linda Winterberg oder Nicole Steyer ist dieses Jahr eine ganz besonders herzerwärmende Geschichte gelungen, die mich am zweiten Adventsonntag verzaubert hat. Wenn es dieses Jahr schon nicht möglich ist Adventmärkte zu besuchen, so möchte ich das wenigstens buchtechnisch machen. Deshalb habe ich mich auf den Weihnachtsmarkt in Frankfurt begeben und konnte durch jede Zeile diese besondere Atmosphäre spüren, habe Apfelwein getrunken und Zuckerwatte genascht.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen und zwar in den Jahren 1990 und 1938. In der Gegenwart der neunziger Jahre lernen wir die 15jährige Antonia kennen, die vor Jahren ihren Vater an Krebs verloren hat. Zu Beginn des Romans verunglückt auch ihre Mutter tödlich. Antonia ist plötzlich Vollwaise und muss ins Jugendheim. Sie verliert nach und nach den Kontakt zu ihrer besten Freundin Judith und fühlt sich so verlassen, wie noch nie in ihrem Leben. Als einziger Verwandter wird ihr Großvater Otto gefunden, den sie nie kennengelert hat. Der mürrische alte Mann lebt in einem verschlafenen Ort im Taunus und wusste weder von der Existenz seiner Tochter, noch seiner Enkelin. Der alte Griesgram hat in seiner Scheune ein altes Karussell stehen, das er liebevoll "sein altes Mädchen" nennt. Es ist sein Ein und Alles und hält ihn noch am Leben. Als junger Mann war er Schausteller und tingelte mit seinem Vater und Bruder Gustav von Ort zu Ort. In der Adventzeit standen sie jedes Jahr auf dem Römerberg in Frankfurt, wo er die große Liebe seines Lebens kennenlernte...seine schönste Zeit, mit der er großteils nur gute Erinnerungen verbindet, aber auch Schmerz. Während er als Schausteller von Stadt zu Stadt zog und im Wohnwagen wohnte,  kam seine Angebetete aus den noblen Villenviertels Frankfurts. Keine gute Voraussetzung...
Antonia hofft durch ihren Großvater endlich wieder eine Familie zu bekommen, doch die Annäherung erweist sich als schwierig. Ihren Schmerz und ihre Einsamkeit spürt man durch die Zeilen. Als Antonia auf das Karussell stößt, dringt sie langsam zu ihrem Großvater durch. Langsam öffnen sich beide und geben einander Halt und Zuversicht.
Antonia ist eine starke Protagonistin, die manchmal etwas älter erscheint als ihre 15 Jahre. Sie wächst einem sofort ans Herz. Aber auch Otto versteht man immer besser, nachdem man seine Geschichte besser kennen lernt. Mit Gerda haben wir einen weiteren tollen Charakter, der frischen Wind in die Geschichte bringt.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Otto war nicht immer ein griesgrämiger alter Mann und seine Geschichte hat mich gepackt, durchwegs gefesselt und ein warmes Gefühl in meinem Herzen hinterlassen. Die warmherzige und nostalgische Atmosphäre im Buch hat mir wahnsinng gut gefallen. Aber auch die Story in der Gegenwart, sprich der Neunziger Jahre, mochte ich sehr. Es war wohltuend wieder einmal ein Buch zu lesen, das ohne Handy usw. auskommt. Es wirkt "stiller" und passt einfach perfekt zur Geschichte. Einzig das Ende hätte noch zwanzigSeiten mehr vertragen...es ging fast ein wenig zu schnell...

Wer "Für immer Weihnachten" von der Autorin unter dem Pseudonym Linda Winterberg gelesen hat, trifft auch einen alten Bekannten wieder. Der Leierkastenmann mit seinem Eselchen hat in der Geschichte zwei Kurzauftritte.

Weihnachtsromane dieser Art findet man selten und "Das Winterkarussel" wid immer einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal und in meinem Herzen haben.

Fazit:
Einer der schönsten Weihnachtsromane, den ich bisher gelesen habe. Berührend, nostaligisch und mit einer eher ungewöhnlichen Handlung...perfekt für schöne Stunden im Lesesessel oder auf der Couch mit Plätzchen und einer heißen Schokolade...große Leseempfehlung!

Die Kinder des Nordlichts - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 224 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (13. September 2019)
    • ISBN-10: 3746635055
    • ISBN-13: 978-3746635057
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Weihnachtsroman 
    • Reihe: ja - Band 2 zu "Das Haus der verlorenen Kinder"



Aufbau Kurzbeschreibung:
Marie musste ohne Familie aufwachsen, und erst nach langer Suche findet sie die Gründe dafür tief in der deutschen Geschichte. Nun will sie ihrer norwegischen Freundin Elin helfen, mehr über ihre Wurzeln zu erfahren, was sich aber schwieriger als gedacht gestaltet. Dennoch wagen die beiden jungen Frauen mit einem kleinen Café im winterlichen Wiesbaden einen Neuanfang. Und beim Backen von Zimtschnecken und Lussekattern aus dem Rezeptbuch von Elins Großmutter zeichnet sich auf einmal ab, dass sie vielleicht doch eine Familie gefunden haben.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Linda Winterberg alias Nicole Steyer alias Anke Petersen hat nach ihrem großartigen Roman "Das Haus der verlorenen Kinder" eine kleine weihnachtliche Fortsetzung geschrieben. Dieses, nur knapp 200 Seiten fassende Sequel, sollte man auch nur als dieses ansehen, denn auf diesen wenigen Seiten reicht es bei weitem nicht an die Vorgängergeschichte heran.

In "Kinder des Nordlichts" treffen wir wieder auf Marie, der Enkelin von Lisbeth/Betty aus "Das Haus der verlorenen Kinder". Von ihr muss sich Marie für immer verabschieden, nachdem Betty in ihrem norwegischen Heimatdorf verstorben ist. Ihre Freundin Elin hat ebenfalls erst ihre Großmutter verloren, mit der sie gemeinsam ein Café geführt hat. Nach ihrem Tod wird der Mietvertrag nicht mehr verlängert und Elin steht vor einer ungewissen Zukunft. Als Marie nach Deutschland zurückkehrt, schlägt sie Elin vor mitzukommen und nach ihrem Großvater zu suchen. Sowohl Marie's, als auch Elin's Großmütter waren norwegische Frauen, die sich mit den damaligen deutschen Besatzern eingelassen haben. Beide Frauen haben ihre damalige große Liebe aber nie vergessen. In Deutschland wollen die beiden Frauen einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Ich hatte eigentlich angenommen, dass wir nun Elin begleiten werden, die den Spuren der Vergangenheit nachgeht und ihrem Großvater sucht. Sie trifft auch kurz auf ihn, aber danach geht es nur mehr über die Errichtung eines kleines Cafes, das eine Erinnerung an Norwegen sein und ebensolches Flair verbreiten soll. Der Gedanke ein neues Leben in Wiesbaden aufzubauen und sich ein kleines Stück Norwegen mitzunehmen findet bei beiden jungen Frauen schnell Gefallen. Bei Gertrud, Maries ehemaliger Arbeitskollegin und Freundin, finden die beiden Frauen erstmal Unterschlupf. Durch eine glückliche Fügung wird ihnen ein ehemaliger Geschäftsraum angeboten, der mit Hilfe von Freunden und Bekannten umgebaut wird. Bald rückt ihr gemeinsamer Traum immer näher und der Eröffnung des Cafès steht nichts mehr im Wege....oder doch? ...

Leider gibt es meiner Meinung nach bei der Umsetzung der Geschichte etwas zu viele Zufälle. Das Café wird etwas zu schnell und reibungslos eröffnet, auch wenn die eine oder andere böse Überraschung doch noch hinter einer Ecke lauert.
Die Suche nach Elins Wurzeln kam viel zu kurz und wurde erst am Ende zu schnell und zu beiläufig abgehandelt. Manches passiert wie im Zeitraffer, was auch den wenigen Seiten (197 Seiten ohne Rezepte und Leseprobe eines anderen Romans) geschuldet ist.
Der Zusammenhalt von Maries und Elins alten und neuen Bekannten, die ihnen ihre Hilfe bei der Umsetzung des Café anbieten, hat mir hingegen sehr gefallen. Auch die vorwinterliche Atmosphäre wurde wunderschön eingefangen. Das gemeinsame Backen und die norwegischen Rezepte lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Zusätzlich gibt es immer wieder Rückblenden, Gedanken und Erinnerungen an Marie`s Zeit mit Betty. Man spürt wie sehr sie ihre Großmutter vermisst, die sie eigentlich nur wenige Jahre kannte. Marie ist von Selbstzweifeln geplagt und lässt niemand richtig an sie ran. Elin hingegen besitzt mehr Mut und Stärke und findet sich auch schnell in Deutschland zurecht.

Die Geschichte lässt sich locker und schnell lesen, auch wenn sie manchmal doch sehr vorhersehbar ist. Ein paar Seiten mehr hätten dem Roman gut getan, allerdings ist das Buch nur als weihnachtliches Sequel gedacht. Auf den letzten Seiten gibt es noch Rezepte aus der norwegischen Küche.
Man muss den Vorgänger dabei nicht unbedingt gelesen haben, aber wer ihn nicht kennt, dem kann ich "Das Haus der verlorenen Kinder" wirklich ans Herz legen.

Fazit:
Ein winterlicher Kurzroman, der leider nicht an die anderen Romane der Autorin heranreicht. Linda Winterberg kann es wirklich viel besser und hat ein weihnachtliches Sequel erschaffen, das nicht wirklich viel mit dem Vorgängerband zu tun hat. Nett zu lesen und mit wundervollen Rezepten gespickt, aber leider nicht mehr.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Aufbruch in ein neues Leben - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (12. Juli 2019)
    • ISBN-10: 3746635462
    • ISBN-13: 978-3746635460
    • Genre: Historischer Roman 
    • Reihe: ja - Band 1 der großen Hebammen Saga



Aufbau Kurzbeschreibung:
Berlin 1917: Edith, Margot und Luise könnten unterschiedlicher nicht sein, als sie sich bei der Hebammenausbildung kennenlernen. Was sie jedoch verbindet, ist ihr Wunsch nach Freiheit und Selbständigkeit – als Flucht vor dem dominanten Vater, vor der Armut der Großfamilie oder den Schatten der Vergangenheit. In einer Zeit, in der die Welt im Kriegs-Chaos versinkt, ist die Sehnsucht nach Frieden genauso groß wie das Elend, mit dem die drei Frauen täglich konfrontiert sind. Aber sie geben nicht auf, denn sie wissen, dass sie jeden Tag aufs Neue die Chance haben, Leben zu schenken …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit "Aufbruch in ein neues Leben" startet Linda Winterberg ihre neue Trilogie rund um drei junge Frauen, die sich in Berlin, Neukölln, des Jahres 1917 als Hebammen ausbilden lassen möchten. Luisa, Edith und Margot kommen aus sehr unterschiedlichen Schichten, haben aber denselben Berufswunsch.

Luisa hat früh ihre Eltern verloren und ist bei ihrer Großmutter in Ostpreußen aufgewachsen. Schon als Kind begleitete sie die Landhebamme zu den Hausgeburten und ging ihr dabei zur Hand. Damit sie selbst einmal praktizieren darf, benötigt sie allerdings eine fundierte Ausbildung mit Zeugnis.
Margot kommt aus ärmlichen Verhältnissen und bekommt durch die Fürsorge die Möglichkeit eine bezahlte Ausbildung zu erhalten. Sie hofft damit ihrer Mutter und den Geschwistern finanziell unter die Arme zu greifen. Ebenfalls möchte sie ihrem Leben eine neue Richtung geben.
Edith hingegen kommt aus einer reichen jüdischen Unternehmerfamilie. Für eine Frau aus der Oberschicht ist ein Beruf nicht erwünscht, doch Edith möchte die Ausbildung ohne dem Einverständis ihrer Eltern durchziehen.

Linda Winterberg hat mit dem Auftakt ihrer Trilogie rund um die drei Hebammenschülerinnen ein sehr interessantes Thema aufgegriffen. Mit Begeisterung habe ich bereits die Reihe rund um die Nightingale Schwestern von Donna Douglas gelesen. Noch habe ich mir ein paar Bände davon aufgehoben und deshalb habe ich mich sehr gefreut eine ähnliche Thematik in Linda Winterbergs neuem Roman zu finden. Während man bei Donna Douglas in London kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Schwesternschülerinnen begleitet, ist man hier in Berlin während des Ersten Weltkrieges. Die Ausbildung zur Hebamme steht ebenfalls im Kontrast zu derjeningen als allgemeine Krankenschwester. In diesem Roman steht vorallem die Geburtshilfe und die medizinische Versorung der Mütter und der Neugeborenen im Mittelpunkt, denn die Säuglingssterblichkeit liegt zu dieser Zeit bei 18%.

Die drei sehr unterschiedlichen Frauen freunden sich im Laufe der Ausbildung immer mehr an. Während man zu Beginn jede von ihnen besser kennenlernt, verfolgt man gespannt ihren gemeinsamen Weg. In den Wirren des Krieges werden sie mit allerlei Leid konfrontiert, aber auch eigene Schicksalschläge muss die eine oder andere am eigenen Leib erfahren. Hunger, Not und Kälte sind im letzten Kriegsjahr allgegenwärtig. Die Spanische Grippe findet ebenso Erwähnung, wie den Versuch durch die politische Umwälzungen den Krieg zu beenden.
Die Charaktere sind sehr individuell und lebendig beschrieben. Man bangt, leidet und freut sich mit den Frauen mit. Hier entsteht sofort Kino im Kopf.

Während mich der Beginn und das Ende fesseln konnten, hatte der Mittelteil für mich manchmal einige Längen. Ich hatte des öfteren das Gefühl, dass vieles zu glatt geht und die Aneinanderreihung der Geburten hatten den Charakter einer Aufzählung. Hier hätte ich mir etwas weniger Geburten, dafür auch ein bisschen mehr drumherum gewünscht, wie mehr Alltag aus der Hebammenausbildung.
Doch schon bald war ich wieder gefangen in der Geschichte. Vorallem im letzten Drittel wird der Roman genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte...voller Intensität und Dramatik, die fesselt und berührt.

Die Handlung wird sehr realitätsnah erzählt, wobei man leider auch den einen oder anderen liebgewonnen Charakter loslassen muss. Ich sage nur: Taschentücher bereithalten! Und auch das Ende hat einen bittersüßen Beigeschmack, wenn man weiß wie es geschichtlich weitergehen und was den drei Frauen noch bevorstehen wird. Ich freue mich schon auf Band 2, der im Januar erscheinen wird.

Schreibstil:
Der Schreibstil, der unter Pseudonym schreibenden Autorin, ist sehr lebendig, bildgewaltig und emotional. Ihre Figuren sind authentisch und individuell. Innerhalb kurzer Zeit habe ich mich mit den drei Freundinnen mitgelitten und mitgefreut. Das Kopfkino kommt sehr schnell in Fahrt.
Linda Winterberg alias Nicole Steyer hat wie gewohnt wieder vortrefflich recherchiert. Im Nachwort erfahren wir noch einige Fakten zur Gründung der ersten Hebammenlehranstalt in Neukölln und einen kleinen Einblick in die Zeit des Ersten Weltkrieges.

Fazit:
Ein gelungener Auftakt der Hebammenreihe, der mich unterhalten und in das letzte Kriegsjahr des ersten Weltkrieges mitgenommen hat. Obwohl mir die Reihe rund um die Nightingale Schwestern von Donna Douglas noch immer besser gefällt, liest sich Band 1 rund um Margot, Edith und Luise wirklich sehr gut. Neben der Ausbildung und der Freundschaft der drei Frauen wird ebenso auf die politischen Hintergründe eingegangen. Ich freue mich schon auf den Nachfolgeband.


Die verlorene Schwester - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 448 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 2. (9. November 2018)
    • ISBN-10: 3746634520
    • ISBN-13: 978-3746634524
    • Genre: Familiensaga, Gegenwartsliteratur



Aufbau Kurzbeschreibung:
Bern, 1968: Nach dem Tod des Vaters werden die Schwestern Marie und Lena der kranken Mutter von der Fürsorge entrissen. Die Mädchen werden getrennt und an Pflegefamilien „verdingt“, bei denen sie schwer arbeiten müssen. Als eine der beiden schwanger wird, soll ihr das Baby weggenommen zu werden. Doch sie will die Hoffnung nicht aufgeben, mit ihrem Kind in Freiheit zu leben – und auch ihre Schwester wiederzufinden. Jahre später zeigt sich eine Spur, die nach Deutschland führt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Das Thema Verdingkinder war mir bis zur Lektüre des neuen Romans von Linda Winterberg nicht bekannt. Was sind Verdingkinder? Um 1800 wurden in der Schweiz Waisen oder Scheidungskinder an Pflegefamilien abgegeben. Je weniger Kostgeld die Pflegeeltern wollten, umso eher erhielten sie Kinder zugeteilt. Diese mussten hart arbeiten - oft auf Bauernhöfen als Knecht oder Magd - und wurden geschlagen und sogar missbraucht. Die Verdingkinder wurden geächtet und auch in der Schule gemobbt. Zarte Kinderseelen, die ihre Eltern verloren hatten und darunter litten, wurden gequält und als Abschaum behandelt. Alleine, wenn ich diese Zeilen hier tippe, werde ich so wütend und frage mich immer wieder, wie man hilflosen Kindern so etwas bis in die 1980iger (!) antun konnte. Dass die Zeit dieser unmenschlichen Vorgehensweise noch gar nicht so lange zurückliegt, macht mich sprachlos. Ich bin selbst in den späten 1960iger Jahren geboren und mich erschreckt es zutief, dass mir dieses Schicksal ebenso drohen hätte können, wenn ich in der Schweiz geboren und einen Elternteil verloren hätte.

So ergeht es Lena und Marie, die 1968 zu Halbwaisen werden. Nachdem ihr Vater, ein Schuster verstirbt, fällt die Mutter der Mädchen in eine tiefe Depression. Hilfe gibt es weder für die Witwe, noch für die Kinder - im Gegenteil. Marie und Lena sind auf sich alleine gestellt bis eine Nachbarin ihre Mutter bei der Behörde denunziert. Daraufhin werden ihr die Mädchen weggenommen und zuerst ins Kinderheim und darauffolgend in ein Erziehungsheim, das von Nonnen geführt wird, gesteckt. Ein wahrer Alptraum für die Mädchen, der jedoch noch nicht zu Ende ist. Die Nonnen trennen die Schwestern und geben sie zu unterschiedlichen Pflegefamilien. Lena wird einer Bauersfamilie zugeteilt und muss hart arbeiten. Der Sohn der Familie stellt ihr nach und zu Essen gibt es kaum etwas. Marie scheint es besser getroffen zu haben. Sie kommt zu einer gottesfürchtigen Familie, die einen Blumenladen führt und darf eine Ausbildung als Floristin beginnen. Doch auch ihr Leben ändert sich bald dramatisch. Beide Schwestern erleben schlimme Schicksale....

Im Gegenwartsstrang lernen wir die Investmentbankerin Anna kennen. Sie findet zufällig in den Unterlagen ihrer Eltern, dass sie adoptiert wurde. Die Unzufriedenheit in ihrem Job und die plötzliche Identitätskrise steckt Anna nur schwer weg. Sie begibt sich auf die Suche nach ihrer wahren Mutter, doch die Spurensuche ist alles andere als einfach...

Die beiden Erzählstränge hat die Autorin gekonnt ineinander verflochten. Erst nach und nach lüftet sich ein Geheimnis ums andere. Als Leser kann man manchmal einfach nicht glauben, was diesen armen Kinderseelen alles angetan wird. Die Erzählung rund um Lena und Marie ist aufwühlend und emotional. Sie sind dem Schicksal hilflos ausgeliefert. Die Geschwister leiden unter der Trennung und wissen nicht, was mit der jeweils anderen passiert ist. Beide Mädchen verlieren über all die Jahre aber nie die Hoffnung ihre Schwester wiederzufinden. Die Stärke, die beide an den Tag legen, ist bewundernswert! Schon beim Lesen war ich oft den Tränen nahe und konnte nicht glauben, was Lena und Marie alles durchmachen müssen.
Die Geschichte von Lena und Marie ist stellvertretend für das Schicksal vieler Verdingkinder und sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Der Gegenwartsstrang hingegen hat mich eher wenig berüht. Mit Anna konnte ich mich nicht wirklich identifizieren und auch bei der Suche nach ihrer leiblichen Mutter bin ich ihr nicht wirklich näher gekommen. Ich hatte auch das Gefühl, dass hier einige Nebensächlichkeiten zu detailliert erzählt, während wichtige Details pauschaliert wurden. Die schlechte Beziehung der Adoptivmutter zu Anna fand ich etwas klischeehaft.

Schreibstil:
Die unter Pseudonym schreibende Autorin historischer Romane hat einen sehr emotionalen Schreibstil, der mich immer wieder an ihre Bücher fesselt. Ihre besonderen Themen, denen sie sich unter den Namen Linda Winterberg widmet, sind wahnsinnig gut recherchiert und aufwühlend. 
Die Charaktere in der Vergangenheit sind sehr authentisch und ich litt und fühlte mit ihnen mit.

Fazit:
Der Roman beinhaltet ein dunkles Thema der Schweiz, das lange tot geschwiegen wurde. Dank Geschichten wie dieser, wird das Schicksal der Verdingskinder wieder aufgegriffen. Der Vergangenheitsstrang ist berührend und hat mich sprachlos zurückgelassen. Der Gegenwartsstrang konnte mich hingegen nicht ganz überzeugen. Deshalb gibt es 4 1/2 Sterne, statt 5. Auf jeden Fall ist es ein Roman, der einem noch lange nachdenklich zurücklässt. Ich empfehle ihn gerne weiter!


Unsere Tage am Ende des Sees - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 432 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (6. November 2017)
    • ISBN-10: 3746633540
    • ISBN-13: 978-3746633541
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Aufbau Kurzbeschreibung:
Nach fünfundzwanzig Jahren der Trennung steht Hanna plötzlich zum ersten Mal wieder ihrer Mutter gegenüber. Damals sah Hanna keinen anderen Ausweg, als von ihrem Zuhause fortzugehen – und ließ damit auch Alexander zurück, ihre erste große Liebe. Einen Sommer lang trafen sie sich Tag für Tag auf dem Steg am Ende des Sees. Ihre Flucht ermöglichte Hanna ein neues Leben, doch Alex hat sie nie vergessen. Und nun findet sie heraus, dass auch er nicht aufgehört hat, an sie zu denken ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Hanna fällt in ein tiefes Loch nachdem ihr Mann Maurice vor ein paar Monaten tödlich verunglückt ist und nun Tochter Christina für ein Auslandsjahr in die USA geht. Das gemeinsame Haus in Hamburg steht zum Verkauf, da es für Hanna zu viele Erinnerungen birgt. Sie bringt auch die Kraft nicht auf, zurück in ihren Job zu gehen und überlegt, wie ihr zukünftiges Leben aussehen soll. Da erhält sie nach 25 Jahren eine Nachricht von ihrer Mutter auf ihrer Mailbox. Soll sie zurückrufen und sich bei ihr melden? Damals hat Hanna jeglichen Kontakt zu ihr abgebrochen. Ungern erinnert sie sich an ihre Jugendzeit zurück. Wie es zu diesem großen Bruch kommen konnte wird im zweiten Erzählstrang, der im Jahre 1990 spielt, erzählt.

"Unsere Tage am See" ist das erste Buch von Nicole Steyer, die hier unter ihrem Pseudonym Linda Winterberg schreibt, das in der Gegenwart spielt bzw. im Vergangenheitsstrang nur 25 Jahre zurück, in die Neunziger Jahre, geht. Die damals 16jährige Hanna erlebt zu dieser Zeit ihre erste große Liebe, die ihr Halt gibt. Ihre Mutter Gabi ist seit der Trennung von ihrem Vater in eine tiefe Depression verfallen und greift immer mehr zur Flasche. In der Folge verliert sie ihre Arbeit und gerät in eine teuflische Spirale, aus der sie sich nicht mehr befreien kann. Hanna ist vollkommen auf sich gestellt und trägt eine sehr schwere Last auf ihren Schultern. Als Tochter einer Alkoholikerin ist sie im kleinen Dorf schnell ausgegrenzt. Statt dem Teenager und der Mutter zu helfen, erleben die Beiden nur Gehässigkeiten. Bis auf ihre Nachbarin Erna, ihrem Onkel Max und ihrer großen Liebe Alex hat Hanna keinerlei Unterstützung....

Bei mir dauerte ein bisschen, bis ich richtig in die Geschichte hineinfinden konnte, doch dann ist man wirklich mitten drin. Anfangs erlebt man Hanna in der Gegenwart. Durch die Rückkehr ins kleine Dorf bei München Verfolgt der Leser die ersten zaghaften Annäherungsversuche. Beide versuchen ihre schwierige Mutter-Tochter Beziehung aufzuarbeiten. Immer wieder denkt Hanna auch an ihre verlorene Liebe von damals. In ihrer Einsamkeit beherrscht Alex noch immer ihre Gedanken, besonders seit sie wieder zurück in München in ihrem ehemaligen Elternhaus ist. Als sie im Briefkasten beim Bauwagen am See Briefe von Alex findet, die er ihre jahrelang geschrieben hat, hofft sie auf ein Wiedersehen...

Die Autorin hat eine sehr bewegende Geschichte geschrieben, die sich näher mit der Krankheit des Alkoholimus auseinandersetzt. Dabei erzählt Winterberg sehr offen und ohne Beschönigung über die Suchtkrankheit. Man spürt die Verzweiflung der jungen Hanna, die ihrer Mutter beisteht, zwischen den Zeilen. Immer wieder keimt Hoffnung auf, doch die Enttäuschung folgt schon kurz hinterher. Die ganze Verwantwortung liegt auf ihren jungen Schultern. Nur ihre junge Liebe zu Alex, den sie regelmäßig am nahegelegenen See trifft, ist ihr einziger Lichtblick und gibt ihr Kraft.

Die Charaktere sind sehr lebendig. Die Gefühlswelt von Hanna wird in beiden Handlungssträngen sehr realistisch dargestellt. Sowohl Gabi, als auch Hanna, stellen sich nicht ihren Problemen, sondern flüchten vor ihnen. Die Versuche, sich damit auseinanderzusetzen, scheitern. Das Lügengebäude wird immer höher und droht zusammenzubrechen.....
Auch die wenigen Nebencharaktere waren überzeugend dargestellt. Mit der liebenswürdigen, aber auch sehr neugierigen Nachbarin Erna, hat die Autorin einen zusätzlichen tollen Charakter erschaffen.

Den Schluss fand ich etwas abrupt und hier hätte ich mir gerne noch ein paar mehr Erklärungen gewünscht. Auf der anderen Seite kann man sich als Leser auch sehr in die Geschichte und die Emotionen hineinversetzen und kann seine eigenen Spekulationen über das Ende anstellen. Es ist kein vollständiges offenes Ende, sondern die Autorin lässt nur einen kleinen Teil unbeantwortet. Damit kann ich leben!

Schreibstil:
Linda Winterberg schreibt sehr flüssig und einnehmend. Die Autorin konnte mich mit ihrer emotionalen Erzählweise an die Seiten fesseln. Die Charaktere sind authentisch und wurden sehr realistisch dargestellt. Die beiden Erzählsträngefinden in der Folge perfekt zueinander.

Fazit:
Eine bittersüße und bewegende Geschichte um Problembewältigung, Sucht und eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Die angesprochene Liebesgeschichte bildet den roten Fanden im Buch, bleibt aber sehr im Hintergrund. Kein Heile-Welt-Roman, sondern mehr Drama mit einem Schuss Gefühl.

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar, an Lovelybooks für die Leserunde und an die Autorin für die interessanten Inputs.

Der Gaukler und die Tänzerin - Nicole Steyer




    • Taschenbuch: 544 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2017)
    • ISBN-10: 3426520001
    • ISBN-13: 978-3426520000
    • Genre: historischer Roman


Knaur Kurzbeschreibung:
Einst trug die Zigeunerin Suni einen anderen Namen. Einst wohnte sie in einem Schloss und nicht in Zelten. Aber das war in einem anderen Leben, vor jener Nacht, in der der dunkelhäutige Mathis, den man den "Schokoladen-Jungen" nennt, dem kleinen Mädchen das Leben rettete und die Freunde getrennt wurden. Als Suni Jahre später nach Darmstadt zurückkehrt, weckt die vertraute Umgebung verdrängte Erinnerungen. Damit wird Suni erneut zur Gefahr für die Frau, die ihr schon einmal nach dem Leben trachtete … Wird ihr Lebensretter von einst ihr noch einmal helfen können?

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Knaur Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue historische Roman von Nicole Steyer entführt den Leser diesmal in die Welt der Roma. Doch bevor unsere Hauptprotagonistin Magdalene ihr Leben in einem Zeltlager verbringt, lebt sie gemeinsam mit ihrer Mutter wohlbehütet und geliebt als uneheliche Tochter des hessischen Landgrafen in seiner Villa. Als sie mit sechs Jahren Zeuge am Mord ihrer Mutter wird, flieht sie bei Sturm und Schnee kopflos hinaus in die Kälte. Dort wird sie von einer Zigeunerin aufgelesen und mit ins Zeltlager genommen, wo sie eine neue Familie findet.
1737. Als Suni lebt Magdalene nun schon zehn Jahre bei den Roma, wo sie als Tänzerin auftritt. Ihre Roma Mutter Rosina und ihre kleinen Schwester Cikni, die kurz vor der Hochzeit steht, sind ihr sehr ans Herz gewachsen. An ihre frühere Kindheit erinnert sich Suni kaum noch. Als sie eines Tages mit Sorlo einen Ausflug in ein Jagdschlösschen im Wald macht, sieht sie ein Bild von ihrem Vater und ihr als kleines Mädchen an der Wand hängen und es kommen einige Erinnerungen wieder. Kurz darauf trifft sie auch noch auf die Frau, die ihre Mutter ermordet hat, und erkennt die Gefahr in der sie, und alle die bei ihr leben, schwebt. Als ihr Clan überfallen und alle ermordet werden, rettet sie Mathis, der Schokoladenmohr aus Kindheitstagen. Beide wissen, dass nur eine Frau bzw. ihr Handlanger hinter den Überfall stecken kann.
Ab nun heißt es Flucht.....

Das Leben bei den Roma und die Ausgrenzung, die diese Menschen erleben, hat die Autorin wunderbar beschrieben. Auch das "Kuriosenkabinett" von Lorenz, bei dem Mathis Zuflucht gefunden hat, kann man sich bildhaft vorstellen. Er behandelt die armen Menschen, die teilweise sogar von ihren eigenen Familien ausgestoßen wurden, weil sie kleinwüchsig oder als siamesische Zwillinge geboren wurden, schlimmer als Tiere und zeigt wie grausam Menschen gegenüber andersartig aussehenden Menschen waren. Das hat sich sicher nicht bis heute geändert, doch war diese Zurschaustellung und Erniedrigung damals noch viel schlimmer. Auch der Aberglaube hatte einen fixen Platz in dieser Zeit und so wird der Mohr Mathis immer wieder mit dem Teufel und der Hölle in Verbindung gebracht.
Gut beschrieben wird auch das Leben der Antoniter - der Unterschied zwischen den geldgierigen Kirchenmännern, die selbst noch Kranken das letzte Hemd ausziehen, und dem freundlichen Laienbruder Adam, der seinen Glauben so lebt, wie es sein sollte - durch Nächstenliebe. Er ist es auch, der Suni und Mathis immer wieder hilft und unter die Arme greift.

Leider war der Handlungsablauf diesmal an vielen Stellen sehr ähnlich. Magdalene ist auf der Flucht, es gibt einen Unfall oder einen Überfall und sie entkommt gerade noch. Dies wiederholt sich des öfteren und wirkt beim x-ten Male etwas unglaubwürdig. Die Zufälle häufen sich, was aber nicht zu Lasten der Spannung geht. Die tiefe Freundschaft zwischen Suni und Mathis wirkte für mich allerdings manchmal etwas unglaubwürdig. Zu dieser Zeit wäre eine Liebe zwischen Schwarz und Weiß nie möglich gewesen.
Die Zerissenheit von Magdalene, die die ersten sechs Jahre als Adelige aufgezogen wurde, aber danach die Freiheit der Roma erlebt, wird von der Autorin hingegen sehr eingehend und überzeugend beschrieben. Ist sie Suni oder Magdalene? Diese Frage wird sich die junge Frau bis zum Ende stellen...

Die historischen Romane der Autorin sind immer ein absolutes Muss für mich, denn Nicole Steyer bringt in ihren Büchern immer wieder andere Themen zur Sprache, die absolut fasznierend sind. Hier sind es die Roma oder die Andersartigkeit der Menschen. In "Der Fluch der Sommervögel" widmete sie sich der Zeichenkunst und dem Studium der Schmetterlinge. Auch Aberglaube spielt in ihren Romanen immer eine große Rolle.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Nicole Steyer ist sehr einnehmend, lässt sich sehr gut lesen und lässt Bilder im Kopf entstehen.  Die Autorin hat großartig recherchiert und ein bleibendes Bild der Roma mit ihren Eigenheiten gemalt. Im Nachwort gibt es noch einen kleinen Einblick zur Recherche über die Roma, ebenso gibt es noch eine Aufzählung historischer Persönlichkeiten und Hintergründe zum Buch.

Fazit:
Ein bildgewaltiger historischer Roman über das Thema Andersartigkeit und Diskriminierung von Menschen, verpackt in einer Geschichte voller Intrigen, Mord, Aberglaube, Zerrissenheit, aber auch Hoffnung und Freundschaft. Toll recherchiert, aber mit kleinen Schwächen.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag, der Autorin für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks für die interessante Leserunde.

Die Kunst des Teufels - Nicole Steyer




    • Taschenbuch: 528 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (2. Mai 2016)
    • ISBN-10: 342651785X
    • ISBN-13: 978-3426517857
    • Genre: Historischer Roman



Knaur Kurzbeschreibung:
"Teufel hilf mir, Leib und Seel‘ geb‘ ich dir."
Ein Spruch auf Zetteln, die im Jahre 1620 unter Landsknechten in der Nähe von Passau kursieren, verspricht Unverwundbarkeit für einen Tag. Stirbt man doch, so gehört die Seele dem Teufel. Auch Rupert, der Bruder der jungen Holzschnitzerin Teresa lässt sich auf den Handel ein und verliert Leben und Seele. Teresa bleibt in tiefer Trauer allein zurück. Ihr Weg führt sie nach Passau, wo sie sich in den Studenten Christian verliebt. Sie ahnt nichts von seiner dunklen Seite …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Knaur Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Darum geht's:
Teresa und ihr Bruder Rupert kommen aus einer Holzschnitzerfamilie. Während der eigentliche Erbe und Nachfolger Rupert so gar keine Ambitionen hat das Schnitzhandwerk zu erlernen, liebt Teresa das Arbeiten mit dem Holz. Ihre kleinen Holzspielzeuge verkaufen sich auch hervorragend. Doch als Frau ist es ihr untersagt diesen Beruf auszuüben. Als der Vater stirbt, brechen die Geschwister zu ihrem Oheim nach Nürnberg auf. Auf dem Weg kauft der abergläubische Rupert einen Zettel mit einem Spruch, der ihm für einen Tag Unverwundbarkeit prophezeit. Stirbt er trotzdem, gehört seine Seele dem Teufel. Rupert glaubt fest daran, als er noch am selben Tag Teresa gegen einem anderen Mann verteidigt. Doch er stirbt noch an Ort und Stelle und Teresa gibt sich die Schuld an seinem Tod und flüchetet nach Passau. Dort erhält sie einen Platz beim Messerschmied Thomas Stantler, der für seine berühmten Messer, die Passauer Wolfsklingen, einen Griffeschnitzer sucht. Und bald hat Teresa den Messerschmied von ihrer Kunst überzeugt, doch offiziell darf sie auch bei ihm nicht als Schnitzerin arbeiten.....

Meine Meinung:
 Das ist mein zweiter historischer Roman von Nicole Steyer und langsam werde ich ein richtiger Fan der Autorin. Vor kurzem habe ich ein weiteres Buch der Schriftstellerin unter ihrem Pseudonym Linda Winterberg gelesen, das mich ebenfalls begeistert hat.

In diesem historischen Roman wird auf den mehr als 500 Seiten mehr gemordet, als in einem blutigen Thriller, die ich ebenfalls sehr gerne lese. Das habe ich schon bei meinem ersten Buch der Autorin "Der Fluch der Sommervögel" feststellen müssen und auch hier ist es nicht anders. So schnappt man doch das eine oder andere Mal nach Luft, wenn jemand stirbt, den man gerade liebgewonnen hat. Auf der anderen Seite erhöht es die Spannung, da man bei der Autorin nie sicher sein kann, wer nun als Nächster das Zeitliche segnet ;)

Teresa, unsere Hauptprotagonistin, ist eine sehr liebenswerte junge Frau, mit der es das Schicksal wirklich alles andere als gut meint. Sehr früh verliert sie ihre Eltern und dann noch ihren geliebten Bruder Rupert. Das Schnitzen, ihre große Leidenschaft, darf sie nur heimlich ausüben, da es Frauen von der Zunft verboten ist, diesem Handwerk nachzugehen. Sie dürfen höchstens als Mägde oder Hebammen arbeiten, nicht zu vergessen als Hübschlerinnen in den diversen Häusern. Deshalb hat Teresa auch bald einige Neider auf dem Hals, wie den jungen Leopold, der sich als Thomas Stantlers Nachfolger sieht, aber keinerlei Talent zum Schnitzen hat. Aber auch die Mägde im Haus wollen sie nicht in der Schnitzstube sehen, sondern in der Küche. Mit der jungen, aber etwas ungestühmen Magda, freundet sich Teresa bald an und lernt durch sie den Studenten Christian kennen, der ihre große Liebe wird. Doch der hilfsbereite und lebenslustige junge Mann hat ein Geheimnis....

In "Die Kunst des Teufels" befasst sich die Autorin vorallem mit dem Aberglauben dieser Zeit, der Gottesfurcht und dem Handel. Sie beschreibt den goldenen Steig, den historischen Salzhandelsweg von Passau nach Prachatitz, man erfährt etwas über die Herstellung der bekannten Passauer Wolfsklingen, die Thomas Stattler in seinem Betrieb schmiedet, den wertvollen Ilzer Perlen und im letzten Drittel erleben wir den Bau der Wahlfahrtskirche " Maria Hilf "mit. Nicole Steyer hat großartig recherchiert und diese historischen Ereignisse wunderbar in die Geschichte integriert. Auch von den Lebensbedingungen der Einwohner erfahren wir hier einiges. So ist es Bediensteten verboten zu heiraten und wird schwer geahndet. Der Glaube und das Seelenheil spielen eine große Rolle. Andersgläubige wurden als Ketzer bezeichnet und verfolgt. Auch der Aberglaube hat Hochsaison. So wird auch aus jedem Hochwasser, das die Stadt gefährdet, eine Bedrohung des Teufels. Dadurch wirkt die Stimmung im Roman manchmal etwas düster....genauso wie die damalige Zeit eben war.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr bildhaft und lässt sich wunderbar lesen. Man ist schon nach den ersten Seiten mitten im Geschehen und die Spannung, wie es mit Teresa weitergehen wird, bleibt bis zum Schluss erhalten. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Die Gefühlswelt von Teresa wird sehr emotional und einnehmend beschrieben. Der historische Hintergrund wurde hervorragend recherchiert.
Am Beginn des Buches gibt es eine Karte der damaligen Zeit von der Region Passau bis weit nach Böhmen und am Ende einige Fakten zum geschichtlichen Hintergrund.

Charaktere:
Die Charaktere sind sehr liebevoll gezeichnet. Jeder von ihnen ist nicht nur Gutmensch, sondern hat auch einige schlechte Seiten, so wie es auch im richtigen Leben ist. So wirken die Perseonen sehr authentisch und lebensecht. Teresa ist eine eher zurückhaltende junge Frau, die Ruhe und Geborgenheit im Schnitzen findet. Aber auch Mut und Hoffnung findet sie in diesem Handwerk wieder, dessen Liebe sie vom Vater mitbekommen hat. Und so erinnert es sie auch immer an ihren verstorbenen Vater, genauso wie der Duft von Holz. Aber auch mit den vielen anderen Charakteren, die dem Leser in diesem Roman begleiten, wie Teresas Freundin Magda oder Josef, der ihr zum zweiten Vater wird, sowie Burgi, die Köchin, deren rauhen Schale ein doch weiches Herz verbirgt, freundet man sich schnell an.  

Fazit:
Ein hervorragend recherchierter historischer Roman, der in der dunklen Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Aberglaube und das menschliche Seelenheil spielen eine große Rolle. Von Beginn an fesselt der spannende Schreibstil den Leser ans Buch. Eine Empfehlung für jeden Historienfan!



Vielen Dank für das Rezensionsexemplar des Droemer Knaur Verlages, an Lovelybooks für die Leserunde und an die Autorin für die tolle Begleitung.

Das Haus der verlorenen Kinder - Linda Winterberg




    • Taschenbuch: 528 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (18. April 2016)
    • ISBN-10: 374663220X
    • ISBN-13: 978-3746632209
    • Genre: Historischer Roman


Aufbau Kurzbeschreibung: 

Norwegen, 1941: In dem kriegsgebeutelten Land verlieben sich Lisbet und ihre Freundin Oda in die falschen Männer – in deutsche Soldaten. Ihre verbotene Liebe fordert einen hohen Preis, und die beiden jungen Frauen verlieren alles, was ihnen lieb ist. Ausgerechnet bei den deutschen Besatzern scheinen sie Hilfe zu finden, doch dann wird Lisbet von ihrer kleinen Tochter getrennt. Erst lange Zeit später findet sich ihre Spur – in Deutschland.
Eine dramatische Geschichte um zwei junge Frauen in Norwegen im Zweiten Weltkrieg, deren Schicksal bis in die Gegenwart reicht

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Marie, Vollwaise, und nach Aufenthalten bei verschiedensten Pflegefamilien orientierungslos, versucht im Berufsleben Fuß zu fassen. Nach einigen missglückten Versuchen verpflichtet sie sich für ein soziales Jahr  in einem Pflegeheim in Wiesbaden. Nachdem Marie mit 18 Jahren vom Jugendamt in Berlin Einsicht in ihre Akten bekommen hat, fand sie in den eher dürftigen Unterlagen ein Foto einer jungen Frau mit einem Baby und einer Notiz auf der Rückseite. Mit diesem Hinweis entscheidet sie sich bewusst für ein ganz bestimmtes Haus, das während des zweiten Weltkrieges ein Kinderheim der Lebensborn-Einrichtung war. In diesen Heimen wurden damals "arisch reine" Kinder zur Adoption  - bevorzugt an Familien von SS-Angehörigen - freigegeben. Diese waren oft die "verbotenen Früchte" einer Liebe zwischen einem deutschen Soldaten und einem jungen Mädchen in den deutsch besetzten Gebieten. In diesen, nun als Seniorenheim benutzten Haus, versucht Marie die Spur zur Vergangenheit ihrer Familie zu finden...

Danch wechselt die Geschichte in den zweiten Erzählstrang ins Norwegen 1941. Wir lernen die beiden Freundinnen Lisbet und Oda kennen, die im kleinen Dörfchen Loshavn im Süden Norwegens leben. Als deutsche Soldaten das Gebiet besetzen und die jungen Männer bei Familien untergebracht werden, verliebt sich Lisbet in den besonnenen Erich und Oda in den gutaussehenden Günter. Sie werden damit zu geächteten "Deutschenmädchen" und in der Folge von der eigenen Familie verstoßen. Als Erich und Günter zuerst nach Kristiansand und später an die Ostfront geschickt werden, haben die beiden Freundinnen nur noch einander. Doch dann ist Oda plözlich verschwunden und Lisbet schwanger. Letztere erhält Hilfe im Haus Lebensborn in Hurda Yerk, der Zuchtanstalt der Deutschen, wo sie auch Oda wieder trifft....

Die Autorin, die hier unter Pseudonym schreibt und hinter der sich die Schriftstellerin Nicole Steyer verbirgt (allen Leserinnen von historischen Romanen sicherlich keine Unbekannte), war vor Ort in Hurda Yerk, einen der Lebensborneinrichtungen in Norwegen. Unzählige ähnliche Schicksale norwegischer Mädchen hat sie zum Anlass für diese Geschichte  genommen, in deren ihre fiktiven Charaktere Lisbet und Oda für eine große Anzahl von Frauen stehen. Hier wurde genauestens recherchiert.
Mich hat wieder besonders der Erzählstrang in der Vergangenheit gefesselt, der zuerst die Unbekümmertheit der beiden Mädchen, die erste große Liebe und dann die tiefe Verzweiflung wunderbar widergespiegelt hat. Die Emotionen und Gefühle waren durch die Zeilen hindurch spürbar und das Schicksal von Lisbet und ihre tiefe Freundschaft zueinander äußerst lebendig beschrieben.

Aber auch der Erzählstrang aus dem Jahr 2005 rund um Marie und ihrer verzweifelten Suche nach ihrer Identität hat mir gut gefallen, auch wenn er im Vergleich zum Teil aus der Vergangenheit etwas blasser bleibt. Hier konnte ich manche Verhaltensweisen nicht ganz nachvollziehen.
Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten und viele Geheimnisse werden erst zum Ende hin gelüftet. Einige davon kann man erraten, andere ließen mich wiederum erschrocken nach Luft schnappen. Die beiden Zeitstränge führen am Ende perfekt zusammen und runden die Geschichte harmonisch ab.
 Im Nachwort geht die Autorin noch genauer auf die Lebensborn-Einrichtungen ein und auf die Schatten, die bis in die Gegenwart reichen.

Ein paar Fragen blieben für mich allerdings unbeantwortet, weshalb ich hier keine volle 5 Sterne vergebe, obwohl mich der Roman sonst wirklich überzeugt und noch lange nachgehallt hat. 

Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr flüssig und konnte mich mit ihrer emotionalen Erzählweise an die Seiten fesseln. Neben den Charaktereigenschaften wurde auch die wunderbare Schärenlandschaft von Norwegen und das karge Leben während des Krieges bildhaft beschrieben.
Die Gefühlswelt und das Schicksal der Frauen von damals, wurde ebenso lebendig und emotional geschildert, wie Maries verzweifelte Suche nach ihrer Identität und einer eigenen Familie.

Fazit:
Eine sehr emotionale Geschichte, die noch lange nachhallt. Obwohl ein paar Fragen für mich unbeantwortet blieben, fasziniert dieser dramatische Roman rund um zwei Freundinnen, die eine dunkle Vergangenheit der deutschen Geschichte miterleben müssen, sehr.

Mein Dank geht an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Der Fluch der Sommervögel - Nicole Steyer


    • Taschenbuch: 544 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2015) 
    • ISBN-10: 3426515849
    • ISBN-13: 978-3426515846
    • Genre: historischer Roman



Knaur Kurzbeschreibung: 
Frankfurt im 17. Jahrhundert. Maria Merian ist Malerin, und vor allem Schmetterlinge, die sie liebevoll „Sommervögel“ nennt, sind ihre Leidenschaft. Sie beobachtet sie genau, erforscht ihre Verwandlung, zeichnet jedes Detail, auch wenn ihre Familie und ihre Umgebung ihr mit Unverständnis begegnen, denn Schmetterlinge gelten zu ihrer Zeit als Unheilsbringer und Vorboten des Todes. Eines Tages lernt sie auf dem Friedhof den eigenwilligen Totengräber Christian kennen. Die beiden schließen Freundschaft, aus der Liebe wird. Doch Christian hat eine dunkle Vergangenheit, die auch Maria in Lebensgefahr bringt …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Darum geht's:
Maria Merian ist eine junge Frau mit einem außergewöhnlichem Zeichentalent, das sie von ihrem Vater geerbt hat. Im Gegensatz zu ihren Brüdern Caspar und Matthäus, die ebenfalls sehr talentiert sind, ist es der jungen Frau verboten diese Kunst als Beruf auszuüben. Besonders angetan haben es dem Mädchen die Butterfliegen - unsere Schmetterlinge, die zur damaligen Zeit als Unheilsbringer und Teufelsbrut bezeichnet wurden. Für Maria sind es Sommervögel, deren Verwandlung von der unscheinbaren Raupe bis hin zum Schmetterling sie einfach nur verzaubern. Entgegen der damaligen Zeit, wo Wissenschaft noch nicht anerkannt wurde, studiert sie für sich das Leben dieser Insekten und zeichnet sie in allen Stadien. Schon bald ist Maria nur mehr das "Raupenmädchen", der man Misstrauen entgegenbringt. Doch die größte Gefahr kommt von der Kirchenseite, denn Pastor Bernhard Waldschmidt und seinem fanatischen Sohn Conrad ist Marie ein Dorn im Auge. Verstanden fühlt sie sich nur von dem alten Buchhändler Valentin, ihrem Stiefvater Jakob Morell und ihrem Stiefbruder Caspar. Doch eines Tages trifft sie auf den Totengräber Christian, der dieselbe Leidenschaft zu besitzen scheint und Sommervögel in Grabsteine meißelt....

Meine Meinung:
Maria Sybilla Merian ist keine fiktive Romanfigur, sondern hat tatsächlich im 17. Jahrhundert gelebt und sich dem Studium der Schmetterlinge gewidmet. Das Zeichentalent hatte sie von ihrem Vater Matthäus Merian, der starb, als sie knapp drei Jahre alt war. Ihr Stiefvater Jakob Morell, ein Blumenmaler, hat ihre Begabung erkannt und weiter gefördert. Doch Maria ist eine von vielen Frauen, die im falschen Jahrhundert geboren wurden. Sie war eine tolle Künstlerin und studierte genauso präzise, wie sie ihre Zeichnungen anfertigte, das Leben der Schmetterlinge.

Im Roman hat die Autorin rund um die Lebensgeschichte der Maria Sybilla  Merian eine fiktive Geschichte geschaffen, die mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Mit liebevollen und sehr lebendigen Charakteren aus allen Gesellschaftsschichten und Religionen hat Nicole Steyer viele gute und böse Menschen in die Geschichte rund um Marie eingebaut. Neben der Hauptprotagonistin steht Christian, der Totengräber, im Mittelpunkt. Beide werden angefeindet und natürlich ist auch im Hause Merian ein mittelloser junger Mann kein geeigneter Brautanwärter für eine Tochter aus gutem Haus. Doch nicht nur diese Liebe steht unter keinem guten Stern, viel schlimmer sind die Anfeindungen und der Hass, der den Beiden entgegenschlägt.....

Wer denkt, man hat es hier nur mit einer Liebesgeschichte oder mit einem historischen Roman rund ums Zeichnen zu tun, hat sich getäuscht, denn Maria wird plötzlich Zeugin eines Mordes. Der Aberglaube der Menschen in Frankfurt gegenüber ihrer Zeichenstudien und das Wissen um den Mord bringen sie in große Lebensgefahr. Der Spannungsbogen in diesem Roman ist konstant hoch und die Anzahl der Toten lassen so manchen Thrillerautor erblassen....
Doch genauso gibt es einzigartige Hintergundinformationen zum Leben der Juden im 17. Jahrhundert bzw. großartige Beschreibungen betreffend der Schmetterlinge und deren Leben. Auch Bücher, Blumen und Gemälde kommen nicht zu kurz.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr einnehmend, bildhaft und einfach wunderbar zu lesen. Die Charaktere sind sehr liebevoll gezeichnet. Auch wenn man manche Handlungen nicht ganz versteht, nimmt man den agierenden Personen ihre Vorgehensweise ab.

Cover:
Wunderschön! In Natura noch schöner zu betrachten, als auf dem Bildschirm ;) Einfach gelungen!

Fazit:
Die fiktive Geschichte rund um das wahre Leben der Maria Sybilla Merian wurde hier zu einem faszinierenden Roman zusammengefügt. Spannend, einzigartig und für Fans historischer Romane einfach ein MUSS!


Vielen Dank an die Autorin Nicole Steyer, dem Droemer Knaur Verlag und Lovelybooks für dieses tolle Buch!


 

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