Posts mit dem Label Braumüller Verlag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Braumüller Verlag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Emma - Cornelia Pichler




    • Taschenbuch: 300 Seiten
    • Verlag: Braumüller Verlag (2. Oktober 2017)
    • ISBN-10: 3992001970
    • ISBN-13: 978-3992001972
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Braumüller Kurzbeschreibung:
Emma ist eine Einzelgängerin, die es vorzieht, Menschen und ferne Orte zu meiden. Sie arbeitet als Journalistin für ein Wiener Verlagshaus und beansprucht mit ihrer Gleichgültigkeit und ihrem fehlenden Ehrgeiz das Nervenkostüm ihres Chefs, der unglücklicherweise auch ihr Bruder ist. Dieser revanchiert sich, indem er Emma an die amerikanische Westküste versetzt, wo sie das neue Verlagsbüro in San Diego leiten soll. Was ihr zuerst wie die härteste Strafe ihres Lebens erscheint, erweist sich als Fügung des Schicksals. Der Trip ins Ungewisse wird zur Reise in die Vergangenheit und Emma muss sich nicht nur einer alten Liebe, sondern auch dem dunkelsten Kapitel ihres Lebens stellen.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Ich war noch niemals in New York Challenge

Meine Meinung:
Immer wieder entdecke ich über Lovelybooks neue Autoren und Autorinnen. So durfte ich in einer Leserunde den Roman "Emma" der österreichischen Schriftstellerin Cornelia Pichler lesen.
Der Schreibstil konnte mich bereits bei der Leseprobe überzeugen, jedoch gelang es der Autorin mich mit ihrem Roman wirklich zu überraschen. Ich ging zuerst von einer locker leichten Erzählung aus, da ich beim Hineinschnuppern eine eher verwöhnte junge Frau kennenlernte und ich mit einem typischen "Wohlfühlroman" rechnete.
Mit Emma hat Cornelia Pichler allerdings eine sehr facettenreiche junge Frau erschaffen, die sich im Laufe des Romanes ihrer Vergangenheit stellt. Doch dazu benötigt sie zuerst einen unfreiwilligen Schubs von Seiten ihrer Familie, insbesondere ihres Bruders. Dieser ist auch gleichzeitig der Chef des großen Wiener Verlagshauses, das ihren Eltern gehört. Emma hat zu Beginn der Geschichte weder Ambitionen in ihrem Job, noch Empathie gegenüber ihren Kollegen. Sie sitzt ihre Stunden im Büro ab, lebt im Großen und Ganzen sehr zurückgezogen und hat so ziemlich alle ihre Freunde vergrault. Auch zu ihren Eltern hat sie ein eher schwieriges Verhältnis. Nach einigen vergeblichen Versuchen Emma für die Firma zu gewinnen, greift ihr Bruder Christian radikal ein und schickt sie kurzerhand nach San Diego in den Vereingten Staaten. Dort soll sie das neue Verlagsbüro leiten, endlich auf eigenen Füßen stehen und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig vermittelt ihr Christian, dass dies ihre letzte Chance sei. Was für Emma zuerst wie eine Strafversetzung aussieht, entpuppt sich bald als eine glückliche Fügung...

Cornelia Pichler vermittelt in ihrem Roman, dass man immer wieder einen Neuanfang wagen kann und sollte. Zuvor wäre es allerdings besser mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Genau das ist Emmas Problem...eines, das sie vor ihrer Familie geheim gehalten hat. In ihrer neuen Heimat wird sie durch ihre liebenswürdige Nachbarin Jenny allerdings ziemlich schnell mit ihrer eigenen traumatischen Vergangenheit konfrontiert. Jenny befindet sich in einer ähnlichen Situation, wie vor Jahren Emma  - eine Situation, die sie dazu bewogen hat, sich von den Menschen zurückzuziehen. Jennys Probleme öffnen Emma langsam die Augen. Sie fasst Vetrauen zu ihrer neuen Nachbarin und unterstützt sie, wo sie nur kann. Emma beginnt ebenfalls die neue Herausforderung im Job anzunehmen und wieder mehr am Leben teilzunehmen. Man erlebt, wie sie sich im Verlauf der Geschichte verändert und ihre Vergangenheit aufzuarbeiten beginnt.

Obwohl ich Emma im ersten Moment nicht wirklich sympathisch fand, änderte sich das im Laufe der Geschichte schnell. Durch Einschübe aus Emmas Vergangenheit, die noch einen unbeschwerten und lebenshungrigen Teenager zeigen, lernt der Leser eine ganz andere Person kennen. Die zwei Zeitebenen ergeben nach und nach ein Gesamtbild unserer Protagonistin. Durch Jennys Probleme erkennt Emma endlich, wie es dazu kommen konnte, dass sie sich in ihr eigenes Schneckenhaus zurückgezogen hat. Nach und nach beginnt sie ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und ist auch für Jenny eine große Hilfe. Emma beginnt wieder anderen Menschen zu vertrauen und findet allmählich ihr Selbstbewusstein wieder.
Der Roman hat viel mehr Tiefgang, als ich anfangs dachte. Er hat mich berührt und aufgewühlt. Ich habe mit Emma gelitten und gehofft, gehadert und geträumt.

Schreibstil:
Cornelia Pichler schreibt wunderbar lebendig und gibt ihren Figuren Tiefe. Sie sind facettenreich und sehr lebendig gezeichnet. Emma und Jenny entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter und lernen aus ihren Fehlern. Die Location lädt zum Träumen ein und wird sehr bildhaft beschrieben. Ich roch die Sonnencreme, das Meer und die Wellen.....nun gehe ich noch schnell meinen Urlaub buchen! ;)

Fazit:
Ein wundervoller Roman, der viel mehr Tiefgang besitzt, als ich angenommen hatte. Großartig erzählt mit einer Protagonistin, die sich erst langsam ins Herz schleicht, dann aber einen festen Platz einnimmt. Ein Buch über Vergangenheitsbewältigung, einen Neuanfang, Vertrauen und Freundschaften. Empfehle ich gerne weiter!


Vielen Dank an den Braumüller Verlag und an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

1888 - Thomas Beckstedt



    • Gebundene Ausgabe: 420 Seiten
    • Verlag: Braumüller Verlag (9. März 2015)
    • ISBN-10: 3992001296
    • ISBN-13: 978-3992001293
    • Genre: Krimi, historischer Krimi


Braumüller Kurzbeschreibung: 
Wien, im Jahre 1888. Die Zeitungen berichten über die Toiletten der adeligen Damen und den Gesundheitszustand des Kaisers. Eine Prostituierte wird brutal ermordet, dann ein bekannter Arzt. Dessen Kollege Dr. Richard Rollet beteuert seine Unschuld. Und wird doch zum Tod durch den Strang verurteilt. Nur Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht an die Schuld des angesehenen Mediziners und ermittelt gegen den Willen seiner Vorgesetzten in jenen Kreisen der Wiener Gesellschaft, die der Bezeichnung "die Besten" nicht immer gerecht werden. Gut drei Jahrzehnte später finden wir uns in London wieder. Ein rätselhaftes Paket mit indischem Poststempel birgt die Tagebuchaufzeichnungen des mutmaßlichen Doppelmörders. Der Adressat, Georg, der in ziellosem Müßiggang die Schrecken des Großen Krieges zu vergessen sucht, taucht in das verworrene und bruchstückhafte Manuskript ein, um es zu einem Buch zu formen, um dem Leben und den Erlebnissen des Autors nachzuspüren und den grauenhaften Geschehnissen auf den Grund zu gehen....

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung: 
In einer Leserunde bei Lovelybooks durften wir gemeinsam mit dem Autor Thomas Beckstedt seinen Roman lesen und mitdiskutieren. Es war eine sehr lebhafte Leserunde und es gab viel zu besprechen...denn für diese Lektüre sollte man sich wirklich Zeit nehmen....

Dieses Werk ist außerdem sehr schwer in ein Genre einzuordnen. Ich erwartete mir einen historischen Thriller, wie am Buchcover angezeigt, doch ich finde die Geschichte entspricht eher einer düsteren Erzählung oder eines historischen Krimis, da richtige Thrillerspannung erst kurz zum Schluss aufkommt.

Das Buch ist in zwei Zeitebenen gegliedert, wobei eine im titelgebenden Jahr 1888 spielt. In diesem Teil wird ein gewissser Dr. Richard Rollet des Mordes an seinem Arztkollegen Dr. Lafitte und einer Prostitutierten angeklagt. Er wird verurteilt, doch Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht wirklich an seine Schuld und ermittelt auf eigene Faust.

Der zweite Teil spielt ungefähr 35 Jahre später in den Jahren 1922/23. Unser Protagonist Georg erhält mysteriöse Post aus Indien von eben diesen, damals angeklagten Freund Richard Rollet, der ihn bittet, seine Aufzeichungen, die er im Gefängnis geschrieben hat, zu sortieren und zusammenzufassen. Georg hat den ersten Weltkrieg hinter sich und trägt seitdem einge körperliche und seelische Makel mit sich herum. Das Geschäft seiner Eltern hat er nicht übernommen und nach deren Tod alles verkauft. So lässt es sich mit all dem Geld aus dem Verkauf ganz gut leben....aber nicht zuhause in Deutschland, sondern in London. Dort ist es allerdings nach dem Krieg deutlich besser sich als Schweizer und nicht als Deutscher auszugeben. Als er das Manuskript seine Freundes Rollet erhält, vertieft er sich mit großem Interesse in die Tagebuchaufzeichnungen. Doch dem Skriptum fehlen einige Seiten, was wiederum Georg keine Ruhe lässt. Deshalb verlässt er London und reist nach Wien, dem damaligen Tatort. Die Zeit hat viele, jedoch nicht alle, Spuren ausgelöscht. Und so sucht auch georg nach Antworten auf seine Fragen. Je länger sich Georg mit den Aufzeichnungen beschäftigt, umso mehr verliert er seinen Bezug zur Realität.....

Die Abschnitte aus dem Jahre 1888 in Wien und die Ermittlungsarbeit von Johann de Vries fand ich spannend und gelungen. Man erfährt sehr viel über das Wien der damaligen Zeit, aber auch in der zweiten Zeitebene Anfang der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Beckstedt versteht es sehr gut mit seinem außergwöhnlichen Schreibstil die Seele Wiens in der Zeit zwischen den zwei Kriegen einzufangen.

Mit den Abschnitten rund um Georg konnte ich mit der Zeit leider immer weniger anfangen. Georg war mir nicht wirklich sympathisch. Ein Lebemann, der sich nur mit Prostituierten abgibt; ein Mensch, der sich mit Tabak, Alkohol und anderen Rauschsubstanzen immer mehr in eine Art Zwischenwelt katapultiert. Die Grenze zwischen seinem eigenen Leben und die des angeblichen Doppelmörders verblassen immer mehr und irgendwie scheinen diese immer mehr ineinander zu verschmelzen...Realität oder Wahnsinn ist hier immer mehr die Frage? Leider kam ich damit immer weniger klar. Gestört hat mich leider auch, dass nicht alles aufgeklärt wird und man sich am Ende doch noch einige Fragen stellt. Der Autor hat zwar durch eine Handlung Georgs gleich zu Beginn des Romans eine passende Erklärung dafür, die auch hervorragend passt, aber besonders bei Krimis und Thriller mag ich es nicht wirklich, wenn zu viele Fragen offen bleiben. Ein sehr anspruchsvoller Kriminalroman, der mich allerdings, wie unseren Protagonisten Georg,  des Öfteren an meine Grenzen brachte.

Schreibstil:
Der Kriminalroman lebt und besticht durch den besonderen Schreibstil des Autors. Thomas Beckstedt schreibt einfach genial...das muss ich ihm lassen! Besonders durch die eingeschobenen Gedanken des Erzählers, die der Autor in kursiver Schrift und in Klammer gesetzt hat, entspricht dieser Roman keinem gängigen Werk. Hier liegt einiges an Humor verborgen und hat mich den Personen näher gebracht. Man nimmt deshalb auch die Gefühle und Gedankengänge des Erzählers besser wahr.
Auch der Perspektivenwechsel zwischen der dritten Person und der erzählenden ersten Person ist gelungen, wenn auch fast ineinader fließend.... Man merkt auch die sehr gute Recherchearbeit des Autors.

Cover:
Das Cover ist düster, wie die gesamte Werk und gefällt mir sehr gut.

Fazit:
Ein etwas anderer Kriminalroman, düster und grenzenlos. Die Geschichte besticht durch den besonderen und großartigen Schreibstil des Autors. Leider wurde ich aber mit dem Protagionisten in der zweiten Zeitebene nicht warm und konnte sein Handeln überhaupt nicht nachvollziehen. Die Ermittlungsarbeit in der ersten Zeitebene gefiel mir allerdings sehr gut.

Vielen Dank an den Braumüller Verlag für das Rezensionsexemplar und an den Autor Thomas Beckstedt für die sehr innovative und interessante Leserunde!


 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos