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Die einsame Buchhändlerin von Tokio - Nanako Hanada

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 208 Seiten
    • Verlag: ‎ Knaur TB; 1. Edition (1. Juli 2024)
    • Übersetzer: ‎ Sabrina Wägerle
    • Broschiert ‏ : ‎ 208 Seiten 
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426293684
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426293683
    • Originaltitel ‏ ‎ Deaikei site de 70 nin to jissai ni atte sonohito ni aisouna hon wo susumemakutta 1 nenkan no koto
    • Genre: autobiografischer Roman

     

Knaur Kurzbeschreibung:
Nach der Trennung von ihrem Mann ist Buchhändlerin Nanako Hanada erst einmal verloren. Ohne Freund*innen und ohne eigene Wohnung muss sie in Kapselhotels und öffentlichen Badeanstalten übernachten. Auch ihr Job in einer bekannten japanischen Buchhandelskette ist nicht mehr das, was er mal war. Doch eines Tages erfährt Nanako von einer neuen Dating-App und beschließt, endlich aus sich herauszugehen und neue Menschen zu treffen. Ihr Plan: Sie überwindet ihre Schüchternheit, indem sie ihre neuen Bekanntschaften in die Welt der Bücher entführt. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im Moment gibt es jede Menge Neuerscheinungen, die aus dem japanischen übersetzt wurden. "Die einsame Buchhändlerin von Tokio" ist eines davon, welches mein Interesse geweckt hat. Eine Buchhändlerin, die Bücher empfiehlt ist für uns Buchmenschen immer ein ganz besonderes Thema und deshalb kam dieser autobiografische Roman aus der Bücherei mit.

Nachdem sich Nanako und ihr Mann getrennt haben, verliert sie nicht nur ihre Wohnung, sondern bleibt einsam ohne Freunde zurück. Mit der Dating-App "Thirty Minutes" versucht sie Menschen kennenzulernen. Das Konzept der App besteht daraus mit Fremden dreißig Minuten lang zu plaudern, um sich ein Bild über sein gegenüber machen zu können. Nanako möchte Menschen finden, die genauso Bücher lieben wie sie. Dabei verspricht sie, jedem Einzelnen ein Buch zu empfehlen, welches zu ihm/ihr passt. Mit diesem Versprechen wird sie schnell innerhalb der Mitglieder der Dating-App bekannt. Doch die ersten Bekanntschaften sind nicht wirklich das, was Nanako sucht. Manche von ihnen sind schon etwas seltsame Zeitgenossen. Trotzdem findet sie durch die App zu mehr Selbstvertrauen und überwindet ihre Schüchternheit.

Der Schreibstil ist sachlich. Der gegenwärtige Roman wurde ursprünglich als Essay in einem Webmagazin veröffentlicht. Das merkt man dem autobiografischen Sachbuch/Roman in Erzählform an, welches trotzallem leicht zu lesen ist.

Mein Problem an der Lektüre war unter anderem, dass Nanakos Buchempfehlungen bei uns kaum jemand kennt. Es sind zu 99% japanische Autor:innen, die nicht übersetzt wurden. Somit hilft mir das nicht wirklich weiter und keines der Bücher sagt mir etwas, was sich sehr schade finde.
Interessant fand ich hingegen die verschiedenen Buchläden und warum sie unbedingt in einem davon arbeiten wollte. Wie in vielen Jobs wird oftmals, durch Veränderungen in der oberen Etage und neuen Konzepten, der Wiedererkennungswert dem Buchladen genommen. Auch Nanako hat dieses Problem und beginnt sich in ihrem Job nicht mehr wohlzufühlen....

Im Grunde geht es um Selbstfindung und einem Neustart im Leben. So richtig warm werde ich mit der japanischen Kultur nicht und ich denke ich werde doch wohl eher Abstand von japanischen Büchern nehmen.

Cover:


von links nach rechts:
das japanische Original, das engischsprachige, das polnische und das chinesische Cover

Fazit:
Meine Geschichte war es leider nicht wirklich, auch wenn es einige interessante Informationen gab. Für Japan-Liebhaber, die Bezug zur Kultur und der Literatur haben, ist es aber sicherlich eine empfehlenswerte Lektüre.

Solito - Javier Zamora

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (4. Juli 2024)
    • Übersetzer: ‎ Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462002929
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462002928
    • Originaltitel: Solito
    • Genre: Biografie, autobiografischer Roman

KiWi Kurzbeschreibung:
Javier Zamora wächst in einer kleinen Stadt in El Salvador bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind vor Jahren vor dem Bürgerkrieg geflohen und leben in den USA, er kann sich kaum an sie erinnern. Eines Tages beauftragen sie einen Schlepper damit, ihren Sohn zu ihnen zu bringen, quer durch Mittelamerika. Als Javier abgeholt wird, rechnet er damit, dass die Reise zwei Wochen dauert. Er freut sich darauf, seine Eltern wiederzusehen – und kann sich nicht vorstellen, was auf ihn zukommt. Er reist allein, inmitten einer kleinen Gruppe fremder Erwachsener, die für ihn auf dem monate-langen Trip zu einer Art Familie wird. Er erlebt lebensgefährliche Fahrten mit Booten, wandert in erbarmungsloser Hitze durch lebensfeindliche Wüsten, lernt, sich als ein anderer auszugeben, wird festgenommen und eingesperrt, steht vor schussbereiten Gewehren, erlebt Einsamkeit, Täuschungen, Gefahren – und, immer wieder, an unerwarteten Stellen auch Freundlichkeit, Hilfe, Liebe. Javier Zamora hat nach seiner Ankunft in den USA kaum je über seine Erlebnisse gesprochen. Bei der Veröffentlichung wurde das Buch von der Kritik gefeiert – und sofort zum Bestseller. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gleich vorab möchte ich sagen, dass Geschichten, wie diese von Javier Zamora sehr, sehr wichtig sind. Ich bin froh, dass ich seinen mühevollen Weg von El Salvador bis in die USA in Buchform miterleben durfte. Meine eher mittelmäßige Bewertung bezieht sich auf die leider etwas mühsam lesbare Umsetzung, den trockenen Schreibstil und die Übersetzung bzw. die nicht vorhandene Übersetzung vieler spanischer Sätze und Phrasen.

Bereits der Einstieg gestaltete sich schwierig. Der autobiografische Roman wird aus der Sicht des erst neunjährigen Javier in sehr einfacher Sprache erzählt. Behütet wächst er bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind bereits vor längerer Zeit aus El Salvador in die USA geflüchtet. An seinen Vater kann sich Javier nicht erinnern und doch fiebert er den Tag entgegen, an dem er sich selbst auf den Weg nach "la USA" machen darf. Bis Guatemala begleitet ihn sein Großvater, danach ist er auf sich alleine gestellt. Marcelo aus seinem Dorf soll sich dem Jungen annehmen, doch dieser hat keinerlei Interesse daran. So werden Cheno, Patricia und ihre Tochter Carla zur Javiers Ersatzfamilie, die ihn über Wochen begleiten, während seine eigene Familie nicht weiß, wo er sich gerade aufhält und ob er es schaffen wird.

Es gibt sehr viele Wiederholungen, die vorallem alltägliche Dinge bis ins kleinste Detail nacherzählen. Diese sind mit der Zeit ermüdend. Doch am meisten haben mich die vielen spanische Phrasen, Sätze und Wörter gestört. Sie werfen einem beim Lesen völlig aus dem Lesefluss. Es gibt kaum ein Kapitel ohne spanische Ausdrücke, die oftmals auch mit schulspanisch nicht ganz verständlich sind. Am Ende gibt es ein 17-seitiges Glossar, welches aber nicht alphabetisch geordnet ist, sondern nach Kapitel. Kommt ein Wort später erneut vor, findet es man deshalb kaum mehr. Sehr mühsam!
Diese unterschiedlichen spanischen Wörter (es werden landestypische Wörter, Redewendungen und Slang verwendet) werden auch in der Geschichte angesprochen, denn Javier und die anderen Menschen aus El Salvador sollen sich als Mexikaner ausgeben, haben falsche Pässe und müssen aufpassen mexikanisches Spanisch zu sprechen, wobei sie oftmals die Wörter gar nicht kennen.

Gerne hätte ich zu Beginn auch etwas über die politische Lage in El Salvador zu dieser Zeit erfahren und warum Javiers Eltern geflüchtet sind. Ein bisschen Vorahnung hatte ich durch den Roman von Isabel Allende "Der Wind kennt meinen Namen", die in ihrem letzten Roman in einem der drei Handlungsstränge ebenfalls eine Flucht aus El Salvador beschreibt.
Gefehlt hat mir auch eine Landkarte, die den langen Fluchtweg von El Salvador über Guatemala und Mexiko in die USA aufzeigt.

Der Roman lädt trotzallem sehr zum Nachdenken ein und erzählt ein Schicksal, welches viel zu viele Menschen am eigenen Leib erfahren müssen. Es ist schwierig dieses Buch zu rezensieren, denn es ist die wahre Fluchtgeschichte eines Kindes, welches von unzuverlässigen Schleppern illegal in die USA gebracht wird. Es zeigt die Strapazen und die Gerissenheit der Schlepper, die hier Kojoten genannt werden, sehr detailliert auf. Vorallem die Flucht durch die Sonora-Wüste, der ewige Durst und die wiederholten Versuche endlich über die mexikanische Grenze zu gelangen und auch im ersehnten "Gringoland" bleiben zu dürfen, bleiben haften und nehmen den Leser mit.

Für den Autor war "Solito" eine therapeutische Aufarbeitung.
Diesen Satz gebe ich euch noch mit: "Ich habe aufgehört ein Kind zu sein, als ich ging."

Cover:


von links nach rechts:
das englischsprachige, das italienische, das englische Paperback, das spanische und eine illustrierte Ausgabe
Das Buch wurde bereits in viele weitere Sprachen übersetzt

Fazit:
Ein sehr wichtiges Thema und umso aktueller, denn je. Trotzdem konnte mich das autobiografische Werk des mittlerweile 34jährigen Javier Zamora nicht so bewegen, wie erhofft. Durch die vielen Längen alltäglicher Dinge, aber vorallem die spanischen, oft landestypischen Sätze, die einem aus dem Lesefluss reißen, bleibt man schwer im Lesefluss.
Ein ganz wundervolles Buch zum Thema Flüchtlingsproblematik ist zum Beispiel "Vor uns das Meer" von Alan Gratz. Es ist zwar ein Jugendbuch und ebenfalls aus der Sicht von Kindern oder Jugendlichen geschrieben, aber diese Geschichten über Flucht zu unterschiedlichen Jahrzehnten berühren und bleiben in Erinnerung.


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!
 

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