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Mirabellentage - Martina Bogdahn

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch, 2. Auflage (16. April 2026)
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462013548
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462013542
    • Genre: Roman



KiWi Kurzbeschreibung:
Als der Ortspfarrer Josef überraschend stirbt, gerät die geordnete Welt seiner Haushälterin Anna ins Wanken. Was soll nun werden? Erst mal muss sie die Beerdigung organisieren, den jungen Ersatzpriester Fridtjof in Empfang nehmen – und dann soll auch noch Josefs Asche ans Meer. Dafür nimmt Anna, Anfang fünfzig, Fahrstunden bei ihrem ehemaligen Fahrlehrer und heimlichen Schwarm Herrn Tanner. Gemeinsam erkunden sie die fränkische Gegend um Blumfeld und erinnern sich an ein fast vergessenes Leben. An den Geruch des Sommers, die Farbe reifer Mirabellen, an harte Arbeit und kleine Alltagsfluchten. Je näher der Aufbruch rückt, desto drängender werden Annas Fragen, denn die Fahrt bedeutet eine Reise ins Ungewisse. Es braucht eine Entscheidung. Wie gut, dass sie die nicht alleine treffen muss.

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur Book Special ABC Challenge

Meine Meinung:
Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut, nachdem mir "Mühlensommer" der Autorin sehr gut gefallen hat. Das war eine schöne Erzählung, nostalgisch und liebevoll erzählt.
Leider erfüllt "Mirabellentage" keines dieser Punkte. 

Anna ist knapp über 50 und mit Leib und Seele Pfarrersköchin. Als Josef, der hiesige Pfarrer überraschend stirbt, ist sie um ihre Zukunft besorgt. Wird sie auch der neue Pfarrer als seine Haushälterin einstellen? Dieser kommt hoch aus dem Norden, heißt Fridtjof und spricht plattdeutsch. Für die Dorfbewohner in Bayern hört sich das wie eine Fremdsprache an. Und so kommt auch gleich das Gerücht auf, dass der neue Pfarrer italienisch spricht und direkt aus Rom kommt. Letzteres stimmt auch, denn er kommt frisch vom Studium. Doch Anna hat noch eine Aufgabe - egal, ob sie weiterhin im Pfarrhaus bleiben darf oder nicht: Sie muss die Asche von Josef ans Meer bringen. Das war sein letzter Wunsch und niemand aus dem Dorf (außer dem Bestatter) darf dies erfahren, denn eine Feuerbestattung ist einem katholischen Pfarrer unwürdig.

Martina Bogdahn erzählt in ihrem neuen Roman über ein Dorf in Bayern und ihren Einwohnern. Im Mittelpunkt steht Anna. Sie ist das Herz der Gemeinde. Sie organisiert nicht nur das Begräbnis von Josef, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt, sondern auch sämtliche Zusammenkünfte und die Mriabellenernte.

Der Schreibstil ist bildhaft und liest sich leicht. Zu Beginn habe ich noch ganz gut in die Geschichte gefunden, aber irgendwann legte ich das Buch lieber zur Seite, als weiterzulesen. Martina Bogdahn lässt Anna in Anekdoten über die Vergangenheit erzählen. Dabei erfahren wir auch, wie Anna und Josef zu den Menschen wurden, die sie sind.
Doch mit der Zeit überwogen die Rückblicke und verschiedenen Anekdoten über einzelne Dorfbewohner. Man bekommt das Gefühl, dass vieles total überzogen ist und die Autorin humorvolle Anekdoten einstreuen möchte - was ihr nur teilweise gelingt. Diese Rückblenden reihen sich oftmals nur aneinander und die Gegenwart tritt dabei in den Hintergrund. Durch die ständigen Unterbrechungen entstand kein wirklicher Lesefluss.
Zusätzlich hatte ich permanent das Gefühl nicht im Jahre 2010, sondern eine Geschichte aus den 50igern oder 60igern zu lesen. Ich lebe selbst am Land und bin älter als Anna, trotzdem konnte ich mich so überhaupt nicht in sie hineinfühlen. Alles wirkte furchtbar altbacken und manche Ereignisse rund um die Dorfbewohner auch sehr unglaubwürdig. Vieles blieb sehr an der Oberfläche und auch die kleine eingestreute "Liebesgeschichte" hatte keinen wirklichen Tiefgang. Die Handlung zog eher gemächlich dahin, und gerade als es spannend zu werden scheint, endet das Buch ziemlich abrupt.

Der Klappentext suggerierte mir außerdem eine andere Erwartung. Die Asche des Pfarrers ist auch fünfzig Seiten vor Schluss noch nicht auf der im Klappentext groß angekündigten letzten Reise. 
Man könnte denken, dass ältere Leserinnen sich eher in dieser Geschichte wiederfinden - dem muss ich allerdings widersprechen. 

Fazit:
Das war leider so gar nicht mein Buch, was ich wirklich sehr schade finde. Nach "Mühlensommer" hatte ich mir wieder eine interessante Geschichte erwartet, die mich unterhält. Hier habe ich immer nur zögerlich zum Buch gegriffen und habe außerdem ziemlich lange dafür gebraucht. Leider keine Leseempfehlung!


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!
 

Einatmen. Ausatmen - Maxim Leo

     



    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch, 1. Auflage (12. März 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462006517
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462006513
    • Genre: Gegenwartsliteratur



KiWi Kurzbeschreibung:
Marlene Buchholz soll Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns werden. Ihre Kollegen sind sich einig, dass sie fachlich hochkompetent ist – aber menschlich eine ziemliche Katastrophe. Weshalb sie zum Coaching in ein Brandenburger Schloss geschickt wird – zu Alex Grow, dem berühmten Seelenflüsterer. Was niemand weiß: Seine Academy steht kurz vor dem Bankrott und Alex hat selbst mit Panikattacken zu kämpfen. Marlene ist seine letzte Hoffnung, denn im Erfolgsfall winkt ein Großauftrag der Aviola. Doch die Klientin bleibt skeptisch und verschlossen – bis ein verletztes Wildschwein, ein schüchterner Hausmeister und ein dreizehnjähriges Mädchen auftauchen, die sie erahnen lassen, was im Leben wirklich zählt.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Vor knapp zwei Jahren habe ich Maxims Leo "Wir werden jung sein" gelesen, welches ich wirklich gut und interessant fand. Deshalb war ich auf seinen neuen Roman sehr gespannt.

Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Ihr Privatleben existiert nicht, Mitgefühl für ihre Mitarbeiter kennt sie nicht wirklich. Für sie zählt nur der maximale Erfolg. Dass sie bei den Kollegen nicht wirklich beliebt ist und als empathielos gilt, ergibt sich von selbst. Trotzdem hat sie die Firma Aviola zum Erfolg geführt, deren neue Vorstandsvorsitzende sie werden soll. Doch bevor sie den Job endgültig bekommt, muss sie auch auf menschlicher Ebene überzeugen. Deshalb wird sie zu einem Achtsamkeitsseminar ins Brandenburgische geschickt. Der berühmte "Seelenflüsterer" Alex Grow soll sie zu mehr Mitgefühl und Einfühlungsvermögen bekehren. Doch er steckt im Moment selbst in einer existentiellen und finanziellen Krise. Falls er es jedoch schafft, Marlene zu einer empathischen Frau umzuwandeln, winkt ihm ein Großauftrag von Aviola.

Das erste Drittel hat mir sehr gut gefallen. Man lernt die zwei Hauptprotagonisten kennen, die beide an einem Punkt im Leben angelangt sind, der sie fordert. Marlene ist alles andere als begeistert vom Coaching, welches sie über sich ergehen lassen muss, um die gewünschte Beförderung zu erhalten. Alex steckt hingegen in einer Finanzkrise, nachdem er in seinem Schloss auch die vorzeigbaren Mitarbeiter wie Ayurveda-Köche, Yogalehrer und Atemtrainer eingestellt hat. Zusätzlich leidet er unter Bindungsangst, was niemand wissen darf.

Der flüssige und detailreiche Schreibstil und die Situationskomik des Autors hat mich schon in "Wir werden jung sein" überzeugt. Sein neuer Roman ist eher ruhig und lebt von den Begegnungen und Handlungen der Figuren. Abwechselnd wird aus der Sicht von Marlene und Alex erzählt. Man erfährt ihre Gedanken und lernt Marlene und Alex sehr gut kennen. Aber auch die Nebenfiguren wurden mit viel Liebe gezeichnet, wie die Naturschützerin Connie oder Hausmeister Mattissen. 
Der trockene Humor hat mir sehr gut gefallen, der allerdings im Laufe des Buches etwas nachlässt. Der Autor nimmt die Branche gekonnt aufs Korn. Dabei wirken manche Handlungen etwas überspitzt.
Marlenes "Verwandlung" kam mir etwas zu schnell und das Ende bietet nicht wirklich eine große Überraschung. Trotzdem fand ich den Roman sehr unterhaltsam und die Aussage, dass es für Veränderungen nie zu spät sei, kann ich nur unterstreichen.

Fazit:
Ein ruhiger und humorvoller Roman über Selbstfindung, der nicht nur gut unterhält, sondern auch nachdenklich macht - jedoch nicht zu tief geht.


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch und an vorablesen für das Rezensionsexemplar!

Mühlensommer - Martina Bogdahn

    Die Bildrechthe liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 4. Edition (11. April 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462004786
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462004786
    • Genre: Roman

     

KiWi Kurzbeschreibung:
Ein drückend heißer Sommertag. Mit ihren beiden Töchtern macht sich Maria auf den Weg in ein langes Wochenende fern von Stadt, Stress und Schule. Doch dann ruft Marias Mutter an: Der Vater hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Die Mutter ist bei ihm, und auf dem Bauernhof der Familie müssen Schweine, Kühe und Hühner versorgt werden – aber auch die demente Großmutter. Maria fährt sofort zum Hof. Doch dort, vor der alten Mühle, erwartet sie neben der unermüdlich Äpfel schälenden Oma auch die Erinnerung an ihre Jugend zwischen Schulbus und Schweinestall, Dreimeterbrett und Kirchenbank, an starre Traditionen und lauter kleine Freiheiten. Als am Tag darauf die Mutter aus dem Krankenhaus heimkehrt und plötzlich auch Marias Bruder Thomas auf dem Hof steht, ist die Familie versammelt. Sie eint die stille Sorge um den Vater. Bis Thomas das Schweigen bricht und endlich zur Sprache kommt, was sie alle lang verdrängt haben …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser Roman, der eine ganze Weile auf Instagram ganz schön gehypt wurde, war auch auf meinem Wunschzettel. Martina Bogdhans Debüt hörte sich interessant und sehr "bekannt" an, denn auch ich wuchs auf dem Land auf und lebe noch immer dort, auch wenn ich auf keinen Bauernhof aufgewachsen bin. Meine Großmutter hatte immer eine Ziege und zwei Schweine zur Selbstversorgung, was ihr besonders nach dem Krieg sehr geholfen hat.

Alleinerzieherin Maria möchte mit einer befreundeten Familie und ihren beiden Teenagertöchtern das Wochenende in den Bergen verbringen. Sie möchte endlich wieder raus aus der Stadt und ihrem anstrengenden Job. Kaum sind sie jedoch angekommen, erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall auf der Intensivsation liegt. Geschockt macht sich Maria auf den Weg, um ihrer Mutter beizustehen. Es müssen die Tiere auf dem elterlichen Bauernhof weiter versorgt und auf die demente Großmutter ein Auge geworfen werden. Marias Bruder Thomas und seine Frau Christiane, die gemeinsam mit den Eltern den Bauernhof bewirtschaften, sind zur Zeit auf Urlaub und sind telefonisch nicht erreichbar. Geht es zunächst nur darum, der Mutter zu helfen, wird die Rückkehr zur Birkenmühle für Maria schnell zu einer Reise in die Vergangenheit. Damals konnte sie nicht früh genug das Elternhaus und das Dorfleben verlassen....

Als Maria in ihrem Elternhaus ankommt, ereilen sie immer wieder Erinnerungen aus ihrer Kindheit, als sie und ihr Bruder noch ein Herz und eine Seele waren und die Arbeit am Bauernhof und der Mühle ihr tägliches Leben neben der Schule war. Während der Sommerferien musste das Heu eingefahren werden und der Hopfen geerntet - Urlaub gab es für die Familie keinen. Maria und Thomas fürchteten jedes Jahr nach den Sommerferien die Frage der Lehrerin, wo sie denn ihren Urlaub verbracht haben.
Sie erinnert sich an das weihnachtliche Krippenspiel, bei dem immer die Tochter des Gemeindearztes die Hauptrolle als Maria bekommen hat oder den Kommunionsausflug mit Frau Nuss, der Haushälterin des Pfarrers, die egal zu welcher Jahreszeit, immer ein knielanges, hellblaues Kostüm aus Wollstoff trug.

Martina Bogdahn lässt ihre Protagonistin Maria aus ihrer Sicht erzählen und wechselt dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Die Kindheitserinnerungen nehmen jedoch den Großteil der Geschichte ein, während die Erzählung in der Gegenwart in kurzen Sequenzen dazwischen erzählt wird. Als Marias Bruder mit seiner Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, müssen sie sich endlich über die Zukunft klar werden und alte Differenzen beseitigen.

Die Erzählweise in der Vergangenheit ist kindlich und der zehnjährigen Maria angepasst. Gerne erinnert sie sich ans Angeln mit Onkel Herbert oder seinem Motorrad, welches er ganz besonders pflegte. Ihrer Großmutter, die hart arbeitete, aber auch zu einem Likörchen mit ihren Schwestern nie "Nein" sagte.
Die weiblichen Figuren im Roman sind starke und facettenreiche Charaktere, die ihr Leben der harten Arbeit am Bauernhof gewidmet haben. Maria ist intelligent und darf aufs Gymansium gehen.

"Man weiß nie, wo es hingeht im Leben, aber man weiß immer, wo man herkommt."

Der Autorin scheint es wichtig gewesen zu sein, dass sie hier keine verklärte Bauernromatik erzählt, sondern die harte Realität. Dazu gehören aber auch Szenen, die ich nicht gebraucht hätte, wie zum Beispiel genaue Beschreibungen von Tierleid. Normaler Weise breche ich Bücher rigoros ab, wenn ein Tier zu Schaden kommt!
Leider kenne ich diese Tötungen aus meiner Kindheit, die mir schon damals Grauen eingeflößt haben und mir im Kopf geblieben sind, die jedoch zum Leben auf einem Bauernhof dazugehören. Auf den letzten Seiten kommt es jedoch zu einer wirklich unnützen Beschreibung einer Tötung, die absolut nichts mit der Handlung zu tun hat.  Wäre es früher passiert, hätte ich das Buch tatsächlich abgebrochen! Da es erst ganz zum Schluss in die Handlung miteinbezogen wurde, war es einfach nur unnötig und grausam. Dadurch bekommt das Buch einen Stern Abzug.
Vieles im Roman hat mich aber auch angesprochen und auch einige meiner Kindheitserinnerungen hervorgeholt. Der Duft von Heu, die langen Sommerabende, spielen mit den Nachbarskindern und den kleinen Kätzchen oder die Fahrt in die nächste Stadt, um Kleidung einzukaufen, die man im Dorf nicht bekommen hat.

Fazit:
Ein Rückblick in eine schöne, aber auch arbeitsreiche Kindheit auf dem Bauernhof in den Achziger Jahren. Ich denke die Autorin hat in ihrem Roman auch einige oder ähnliche Ereignisse aus ihrer Kindheit miteinfließen lassen. Der Roman wirkt authentisch und hat mich - mit Ausnahme der erwähnten Szenen - gut unterhalten.


Solito - Javier Zamora

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (4. Juli 2024)
    • Übersetzer: ‎ Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462002929
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462002928
    • Originaltitel: Solito
    • Genre: Biografie, autobiografischer Roman

KiWi Kurzbeschreibung:
Javier Zamora wächst in einer kleinen Stadt in El Salvador bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind vor Jahren vor dem Bürgerkrieg geflohen und leben in den USA, er kann sich kaum an sie erinnern. Eines Tages beauftragen sie einen Schlepper damit, ihren Sohn zu ihnen zu bringen, quer durch Mittelamerika. Als Javier abgeholt wird, rechnet er damit, dass die Reise zwei Wochen dauert. Er freut sich darauf, seine Eltern wiederzusehen – und kann sich nicht vorstellen, was auf ihn zukommt. Er reist allein, inmitten einer kleinen Gruppe fremder Erwachsener, die für ihn auf dem monate-langen Trip zu einer Art Familie wird. Er erlebt lebensgefährliche Fahrten mit Booten, wandert in erbarmungsloser Hitze durch lebensfeindliche Wüsten, lernt, sich als ein anderer auszugeben, wird festgenommen und eingesperrt, steht vor schussbereiten Gewehren, erlebt Einsamkeit, Täuschungen, Gefahren – und, immer wieder, an unerwarteten Stellen auch Freundlichkeit, Hilfe, Liebe. Javier Zamora hat nach seiner Ankunft in den USA kaum je über seine Erlebnisse gesprochen. Bei der Veröffentlichung wurde das Buch von der Kritik gefeiert – und sofort zum Bestseller. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gleich vorab möchte ich sagen, dass Geschichten, wie diese von Javier Zamora sehr, sehr wichtig sind. Ich bin froh, dass ich seinen mühevollen Weg von El Salvador bis in die USA in Buchform miterleben durfte. Meine eher mittelmäßige Bewertung bezieht sich auf die leider etwas mühsam lesbare Umsetzung, den trockenen Schreibstil und die Übersetzung bzw. die nicht vorhandene Übersetzung vieler spanischer Sätze und Phrasen.

Bereits der Einstieg gestaltete sich schwierig. Der autobiografische Roman wird aus der Sicht des erst neunjährigen Javier in sehr einfacher Sprache erzählt. Behütet wächst er bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind bereits vor längerer Zeit aus El Salvador in die USA geflüchtet. An seinen Vater kann sich Javier nicht erinnern und doch fiebert er den Tag entgegen, an dem er sich selbst auf den Weg nach "la USA" machen darf. Bis Guatemala begleitet ihn sein Großvater, danach ist er auf sich alleine gestellt. Marcelo aus seinem Dorf soll sich dem Jungen annehmen, doch dieser hat keinerlei Interesse daran. So werden Cheno, Patricia und ihre Tochter Carla zur Javiers Ersatzfamilie, die ihn über Wochen begleiten, während seine eigene Familie nicht weiß, wo er sich gerade aufhält und ob er es schaffen wird.

Es gibt sehr viele Wiederholungen, die vorallem alltägliche Dinge bis ins kleinste Detail nacherzählen. Diese sind mit der Zeit ermüdend. Doch am meisten haben mich die vielen spanische Phrasen, Sätze und Wörter gestört. Sie werfen einem beim Lesen völlig aus dem Lesefluss. Es gibt kaum ein Kapitel ohne spanische Ausdrücke, die oftmals auch mit schulspanisch nicht ganz verständlich sind. Am Ende gibt es ein 17-seitiges Glossar, welches aber nicht alphabetisch geordnet ist, sondern nach Kapitel. Kommt ein Wort später erneut vor, findet es man deshalb kaum mehr. Sehr mühsam!
Diese unterschiedlichen spanischen Wörter (es werden landestypische Wörter, Redewendungen und Slang verwendet) werden auch in der Geschichte angesprochen, denn Javier und die anderen Menschen aus El Salvador sollen sich als Mexikaner ausgeben, haben falsche Pässe und müssen aufpassen mexikanisches Spanisch zu sprechen, wobei sie oftmals die Wörter gar nicht kennen.

Gerne hätte ich zu Beginn auch etwas über die politische Lage in El Salvador zu dieser Zeit erfahren und warum Javiers Eltern geflüchtet sind. Ein bisschen Vorahnung hatte ich durch den Roman von Isabel Allende "Der Wind kennt meinen Namen", die in ihrem letzten Roman in einem der drei Handlungsstränge ebenfalls eine Flucht aus El Salvador beschreibt.
Gefehlt hat mir auch eine Landkarte, die den langen Fluchtweg von El Salvador über Guatemala und Mexiko in die USA aufzeigt.

Der Roman lädt trotzallem sehr zum Nachdenken ein und erzählt ein Schicksal, welches viel zu viele Menschen am eigenen Leib erfahren müssen. Es ist schwierig dieses Buch zu rezensieren, denn es ist die wahre Fluchtgeschichte eines Kindes, welches von unzuverlässigen Schleppern illegal in die USA gebracht wird. Es zeigt die Strapazen und die Gerissenheit der Schlepper, die hier Kojoten genannt werden, sehr detailliert auf. Vorallem die Flucht durch die Sonora-Wüste, der ewige Durst und die wiederholten Versuche endlich über die mexikanische Grenze zu gelangen und auch im ersehnten "Gringoland" bleiben zu dürfen, bleiben haften und nehmen den Leser mit.

Für den Autor war "Solito" eine therapeutische Aufarbeitung.
Diesen Satz gebe ich euch noch mit: "Ich habe aufgehört ein Kind zu sein, als ich ging."

Cover:


von links nach rechts:
das englischsprachige, das italienische, das englische Paperback, das spanische und eine illustrierte Ausgabe
Das Buch wurde bereits in viele weitere Sprachen übersetzt

Fazit:
Ein sehr wichtiges Thema und umso aktueller, denn je. Trotzdem konnte mich das autobiografische Werk des mittlerweile 34jährigen Javier Zamora nicht so bewegen, wie erhofft. Durch die vielen Längen alltäglicher Dinge, aber vorallem die spanischen, oft landestypischen Sätze, die einem aus dem Lesefluss reißen, bleibt man schwer im Lesefluss.
Ein ganz wundervolles Buch zum Thema Flüchtlingsproblematik ist zum Beispiel "Vor uns das Meer" von Alan Gratz. Es ist zwar ein Jugendbuch und ebenfalls aus der Sicht von Kindern oder Jugendlichen geschrieben, aber diese Geschichten über Flucht zu unterschiedlichen Jahrzehnten berühren und bleiben in Erinnerung.


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Wir werden jung sein - Maxim Leo

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (7. März 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462003755
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462003758
    • Genre: Roman, Dystopie



KiWi Kurzbeschreibung:
Ihr Leben gerät aus den Fugen, als die Teilnehmer einer Medikamentenstudie an der Berliner Charité plötzlich jünger werden. Jakob ist gerade seiner ersten Liebe begegnet und verliert auf einmal jegliche Lust. Jenny wünscht sich seit vielen Jahren vergeblich ein Kind und wird plötzlich schwanger. Wenger, ein schwerkranker Immobilienpatriarch, verabschiedet sich mit einem rauschenden Fest von der Welt, um kurz darauf – zur Verzweiflung seiner Erben – wieder aufzublühen. Und Verena, die zweifache Olympiasiegerin über 100 Meter Freistil, hat ihre Profizeit längst hinter sich, als sie bei einem Schaukampf der Ex-Stars überraschend neue Rekorde aufstellt. Als die Öffentlichkeit von ihrer Verjüngung erfährt, überschlagen sich die Ereignisse. 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon der Klappentext des neuen dystopischen Romans von Maxim Leo hat mich sofort angesprochen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass der KiWi Verlag mir den Wunsch eines Rezensionsexemplares erfüllt hat.

Professor Martin Mosländer ist Wissenschaftler und Nerd. Er arbeitet zur Zeit an einem neuen Medikament gegen Herzinsuffizienz an der Charité in Berlin. Dafür hat er neben sich und seinem altersschwachen Hund Charles auch vier Proband:innen ausgewählt, die seine neuen Pillen erhalten.

Einer davon ist der sechzehnjährige Jakob, der aufgrund seiner angeborenen Herzmuskelschwäche seit seiner Kindheit sein Leben nur sehr eingeschränkt leben kann. Er schreibt Songs am Computer und ist zum ersten Mal verliebt - in Marie, eine Klassenkameradin. Marie ist ebenfalls eine Außenseiterin und fühlt sich ebenso zu Jakob hingezogen. Doch wenn es um körperliche Nähe geht, versagt Jakob total.
Die ehemalige olympische Schwimmerin Verena nimmt an einem Benefizschwimmen teil und bricht plötzlich ihren alten Rekord. Sie wird daraufhin des Dopings verdächtigt.
Jenny versucht seit Jahren endlich schwanger zu werden. Nachdem alle durchgeführten  Kinderwunschbehandlungen erfolglos blieben und ihre Ehe daraufhin zerbricht, wird sie plötzlich auf natürlichem Wege schwanger.
Karl Wenger ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, jedoch schwer krank. Er möchte sein Firmenimperium in die Hände seiner Kinder geben und plant seinen Tod in der Schweiz, als er sich plötzlich wieder fitter und gesünder fühlt. 

Alle vier haben Mosländers Pillen geschluckt und werden immer jünger. Diese Verjüngung verläuft jedoch unkontrolliert und scheint nicht zu stoppen zu sein. Was wird passieren, wenn die jungen Probanden unter Null angelangt sind?
Während Wenger seinem Leben nochmals einen richtigen Kick geben möchte, wird Jakob innerlich immer mehr zum Kind und verzweifelt langsam an seiner Liebe zu Marie. Verena ist plötzlich Anfeindungen ausgesetzt und Jenny bleibt immer länger schwanger....

Als bekannt wird, dass es ein neues Medikament gibt, welches die Menschen stark verjüngt und diese vielleicht ewig leben können, kommt es zu Tumulten. Machtgierige Konzerne, Politiker, Neider, Weltverbesserer und Ethiker...alle wollen mitmischen und stellen sich für oder gegen eine Weiterentwicklung des Medikamentes. Dabei wollte Martin Mosländer nur herzkranken Menschen helfen...

Der Autor hat dieses Szenario sehr realistisch dargestellt, welches nicht gar so weit hergeholt ist. Während jüngere Menschen sich noch nicht wirklich mit dem Thema auseinandersetzen, sehen ältere Menschen eine Möglichkeit länger zu leben.

Mich hat die Auswirkung des Medikamentes auf das Leben der vier Probanden gefesselt. Jeder von ihnen geht anders mit seiner innerlichen Veränderung um. Abwechselnd wird aus der Sicht von Jakob, Jenny, Verena, Karl, aber auch aus der Sicht von Martin und der wissenschaftlichen Ethikberaterin der Regierung, Miriam Holstein, erzählt. Die Namen der Erzählenden sind am Kapitelanfang vermerkt.

Maxim Leo wiegt jede Menge Vor- und Nachteile ab und setzt sich mit dem Thema auseinander. Schreibstil und vorallem die Charakterdarstellung seiner Figuren fand ich richtig toll. Man befasst sich beim Lesen mit den Auswirkungen eines ewigen Lebens auf die Weltbevölkerung. Themen wie: Wer erhält die verjüngenden Pillen? Wie sieht es mit Chancengleichheit und Missbrauch aus? Soll sich die Menschheit überhaupt weiterhin vermehren oder kommt es zur kompletten Geburtenkontrolle?
Der Autor hat sich mit den Vor- und Nachteilen diesers Szenario auseinandergesetzt und ethische Bedenken durchdacht.
Man fragt sich selbst immer wieder, wie man sich verhalten würde, wenn es die Möglichkeit für eine Verjüngung oder ein ewiges Leben geben würde.

Die Gedanken und Sichtweisen sind mega interessant. Der Spannungsbogen ist hoch und man will wissen, was weiter passieren wird. Bis zum letzten Viertel hätte ich der Geschichte 5 Sterne gegeben, doch auf den letzten hundert Seiten gab es eine Wendung, die mir weniger gefallen hat und zur Folge hat, dass das Ende etwas unausgegoren wirkt. Auch die wichtige Figur der wissenschaftlichen Beraterin scheint plötzlich nicht mehr auf und verschwindet einfach in der Bedeutungslosigkeit. Sehr schade!

Mit einem Schmunzeln habe ich die Idee des Autors, ein Foto seines jüngeren Ichs auf der Innenklappe abzubilden, reagiert. Ein cooler Gedanke!

Fazit:
Ein Roman, der einen kleinen Einblick in eine mögliche Zukunft bietet. Tolle Ideen, ein fesselnder Schreibstil, aber zum Ende hin blieb die Geschichte dann leider ein bisschen hinter meinen Erwartungen zurück. Trotzdem empfehle ich diesen leicht angehauchten dystopischen Roman sehr gerne weiter!


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!

Verborgen - Eva Björg Ægisdóttir

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

    • Broschiert: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ KiWi-Paperback; 1. Edition (8. Februar 2024)
    • Übersetzer: ‎ Freyja Melsted
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462005863
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462005868
    • Originaltitel ‏ : ‎ Næturskuggar
    • Genre: Thriller, Krimi
    • Reihe: ja - Band 3 der Forbidden Island Reihe



KiWi Kurzbeschreibung:
Die Kleinstadt Akranes ist zutiefst erschüttert, als beim Brand eines Einfamilienhauses ein junger Mann ums Leben kommt. Als sich im Zuge der Ermittlungen von Kommissarin Elma und ihrem Team herausstellt, dass es sich um Brandstiftung handelt, sehen sie sich schnell mit einem äußerst komplexen Fall mit verschiedenen Verdächtigen konfrontiert. Und die letzte Online-Recherche des mutmaßlichen Opfers legt nahe, dass man es eventuell nicht nur mit einem, sondern mit zwei Morden zu tun haben könnte.
Ein paar Monate vor dem Brand: Eine junge Holländerin tritt eine Stelle als Au-pair-Mädchen in Akranes an, um sich nach dem Tod ihres Vaters ein neues Leben aufzubauen. Doch die zunächst so perfekt wirkende Familie, in der sie unterkommt, hat offenbar ihre ganz eigenen Probleme.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit dem dritten Band der Reihe von Eva Björg Ægisdóttir habe ich mir das Ziel gesetzt abzuwägen, ob ich die Reihe fortsetzen werde oder nicht. Der zweite Band hat mich nämlich nicht so richtig abgeholt, aber den dritten fand ich nun wieder besser. Ich bin mir aber unsicher, ob es überhaupt weiter gehen wird mit Elma und ihrem Team.

Als in Akranes ein Einfamilienhaus brennt, wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Marino scheint im Schlaf vom Feuer überrascht worden zu sein und die Polizei geht von einem Unglück aus. Doch die Obduktion zeigt, dass der junge Mann bereits vor dem Feuer tot gewesen sein muss.
Elma und
Sævar beginnen zu ermitteln und stoßen bald auf weitere Ungereimtheiten. Lise, ein niederländisches Mädchen, welches als Au Pair bei der benachbarten Familie von Marino gelebt hat, scheint Island nicht verlassen zu haben. Sie ist unmittelbar nach dem Brand verschwunden. Hat sie etwas mit dem Mord an Marino zu tun? Oder hängen die beiden Fälle gar nicht zusammen?
Bald bemerkt Elma, dass es sich hier um einen viel komplexeren Fall handelt, als ursprünglich angenommen.

Der Krimi beginnt wieder eher ruhig, wird aber zum Ende hin richtig spannend. Diesmal legt die Autorin mehr wert auf die Familienkonstruktionen und wir bleiben in einem engen Personenkreis. Es sind zwar noch immer jede Menge fremdländisch klingende isländische Namen, die man sich merken muss, aber im Vergleich zu den beiden Vorgängern sind sie überschaubar. Landschaftsbeschreibungen sind in diesem Band der Reihe eher selten, was ich schade finde.
Der Krimi spielt diesmal großteils in der Gegenwart. Nur kleine Rückblenden aus der Sicht eines Opfers, geben eine sehr bedrückende Story wieder, die zu Herzen geht.

Auch das Privatleben der Ermittler spielt eine Rolle und ist wieder Teil des Krimis. Hörður leidet unter dem Tod seiner Frau. Eigentlich wollte er sich eine Auszeit gönnen, doch er stürzt sich nun doch lieber in den neuen Fall. Und es gibt auch noch eine Überraschung, die ich natürlich nicht verraten möchte....nur eines: Elma gerät in Lebensgefahr

Die Spannungskurve steigt zum Schluss hin sehr an und hat mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen lassen. Das Ende ist spannend und schlüssig.

Cover:

von links nach rechts:
das isländische Originalcover, das niederländische, das französische und das estnische Cover

Fazit:
Der dritte Teil der Reihe hat mir wieder besser gefallen als der Vorgänger und hat mich überzeugt hier weiterzulesen, falls es noch einen weiteren Band geben sollte.


Vielen Dank am Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!

Verlogen - Eva Björg Ægisdóttir

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


     

    • Broschiert: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ KiWi-Paperback; 2. Edition (7. September 2023)
    • Übersetzer: ‎ Freyja Melsted
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462002961
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462002966
    • Originaltitel: Stelpur sem ljuìga
    • Genre: Thriller, Krimi
    • Reihe: ja - Band 2 der Forbidden Island



KiWi Kurzbeschreibung:
Im Spätherbst wird in einem Lavafeld in Westisland eine Leiche entdeckt. Es handelt sich um Maríanna, eine alleinerziehende Mutter, die vor sieben Monaten spurlos verschwand und von der man annahm, dass sie Selbstmord begangen hatte. Doch Maríanna ist zweifelsfrei ermordet worden, und Kommissarin Elma und ihr Team müssen den Fall neu aufrollen. Maríannas fünfzehnjährige Tochter Hekla wohnt inzwischen bei Pflegeeltern, und scheint dort zufriedener zu sein als bei ihrer Mutter. Warum? Fünfzehn Jahre zuvor liegt eine junge Mutter auf der Entbindungsstation, verzweifelt, weil es ihr nicht gelingt eine Verbindung zu ihrer neu geborenen Tochter zu knüpfen. Der Beginn einer komplizierten und konfliktreichen Beziehung. Für das Ermittlungsteam um Elma und Sævar wird der zunächst einfach scheinende Fall immer komplexer, je mehr sie herausfinden. Zumal immer neue Details über Maríannas Vergangenheit ans Licht kommen. 

Meine Bewertung: * * * undeinhalb 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Den zweite Band rund um die isländische Kommissarin Elma und ihr Team fand ich gegenüber dem ersten Band leider etwas schwächer. Die Handlung spielt wiederum in Akranes, einer Hafenstadt in Island, nördlich von Reykjavik.

In einer Höhle in einem Lavafeld wird eine tote Frau gefunden. Es handelt sich um Marianna, eine alleinerziehende Mutter, die bereits vor sieben Monaten als spurlos verschwunden gemeldet wurde. Damals wurde von Selbstmord ausgegangen, doch bei der Obduktion zeigt sich schnell, dass Marianna getötet wurde. Elma und Sævar beginnen zu ermitteln, was sich als nicht so einfach herausstellt. Der Tod von Marianna ist doch schon einige Monate her und die Annahme, dass es sich um Selbstmord handelt, hat die Polizei nicht gerade eifrig ermitteln lassen. Nun soll Elma die Versäumnisse ihrer Kolleg:innen nachholen. Diese besteht auch darin im Umkreis der Familie von Marianna zu recherchieren. Neben ihren Eltern im Norden Islands gibt es noch die 15-jährige Tochter Hekla, die mittlerweile bei einer Pflegefamilie wohnt. Diese kennt sie bereits länger, da sie bereits als Kleinkind immer wieder Zeit bei den Pflegeeltern verbrachte, die Marianna und Hekla unterstützten.

Der Krimi beginnt nach dem Leichenfund wieder gemächtlich und es dauert bis etwas mehr Spannung aufkommt. In diesem zweiten Band lernen wir die private Seite von Elma, wie auch von Sævar etwas besser kennen. Im ersten Teil war mir Elma noch etwas zu blass, was sich nun ein bisschen ändert. Ich hatte auch das Gefühl, dass Sævar Elma gerne besser kennenlernen würde und sich auch privat eine Freundschaft oder mehr vorstellen könnte. Der Fokus liegt deshalb etwas mehr bei den beiden Ermittlern, während Hördur, der Chef der beiden, und auch Elmas Familie diesmal nur eine Nebenrolle bekommen. Deshalb kam es für mich zu einigen Längen. Auch der Kriminalfall bewegt sich eher langsam und die Ermittlungen sind zäh.

Zwischendurch lesen wir immer wieder Kapitel aus der Sicht einer Mutter, die ihre problematische Beziehung zu ihrem Kind beschreibt. Es beginnt mit der Geburt des ungewollten Mädchens bis zum 13. Lebensjahr und hat mir oft richtig Gänsehaut verschafft. Die Lieblosigkeit und der Hass, den beide in sich tragen, ist schwer zu ertragen.
Mit diesem Handlungsstrang hat mich die Autorin richtig gecatcht. Man rätselt die ganze Zeit, wer hier erzählt und hat bald seine eigene Meinung gebildet. Doch die Autorin versteht es wahnsinnig gut den Leser auf eine falsche Fährte zu schicken und enthüllt ein absolut überraschendes Ende, welches ist sehr gelungen fand. 

Mit den vielen isländischen Namen ist es auch diesmal nicht so einfach den Überblick zu behalten. Am Ende gibt es jedoch ein hilfreiches Personenregister.

Ich werde sicher auch noch den dritten Band lesen, erhoffe mir aber etwas mehr Spannung.

Cover:

von links nach rechts:
das isländische originalcover, das englischsprachige, das estnische, das französische und das niederländische Cover

Fazit:
Etwas schwächer als der erste Band der Reihe. Die Ermittlungen laufen zäh, aber der zweite Handlungsstrang um eine Mutter ist absolut gelungen. Noch gebe ich der Autorin eine weitere Chance und erhoffe mir vom dritten Band etwas mehr Spannung.

Vielen Dank am Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar und die Geduld!

Verheizte Herzen - Sarah Crossan

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (5. Mai 2022)
    • Übersetzer: Maria Hummitzsch 
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462000608
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462000603
    • Originaltitel: ‎ Here is the Beehive
    • Genre: Roman


KiWi Kurzbeschreibung:
Was passiert, wenn der heimliche Geliebte stirbt und man keinem zeigen darf, wie sehr man trauert? Wenn es keinen Ort gibt und keinen Menschen, der um die Qualen wissen darf? Ana ist Anwältin, Mutter zweier Kinder und Ehefrau von Paul. Offiziell. Insgeheim gibt es da noch Connor, Anas Klienten und heimlichen Geliebten. Doch Ana erhofft sich mehr von der Affäre als verstohlene Treffen im Hotel. Als Connor unerwartet stirbt, erfährt sie das ausgerechnet von der Person, die zwischen ihnen stand – seiner Frau Rebecca. Ana soll das Testament vollstrecken. Allein gelassen mit ihrer Trauer, sucht sie die Nähe zu Rebecca. Doch während sich der Wunsch nach einer Leidensgenossin schleichend zu einer Besessenheit steigert, vernachlässigt Ana ihre eigene Familie und wandelt dabei ständig am seelischen Abgrund.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Anwältin Ana Kelley bearbeitet Erbschaftsangelegenheiten. Sie ist verheiratet mit Paul und Mutter von zwei Kindern. Eines Tages verliebt sie sich in einen Klienten von ihr und beginnt eine Affäre. Für sie wird diese Liebelei eine immer ernster werdende Sache. Ana hofft darauf, dass Connor seine Frau Rebecca verlässt. Doch eines Tages erhält sie von ihr einen Anruf. Connor ist tot und Rebecca möchte, dass Ana den Nachlass ihres Mannes abwickelt. Ana wird durch den unerwarteten Tod ihres Geliebten völlig aus der Bahn geworfen. Sie kann ihre Trauer mit niemanden teilen, denn sie war die heimliche Geliebte. Nur ein Freund von Connor wusste von ihrer Beziehung, doch auch er geht auf Distanz. Ana muss ihre äußere Fassade aufrecht erhalten und steigert sich immer mehr in ihre Trauer hinein. Im Zuge der Verlassenschaftsabhandlung schleicht sich Ana immer mehr in die Familie von Connor ein. Ihr verzweifelter Versuch in Rebecca eine Art Leidensgenossin zu finden, wirkte für mich sehr übergriffig. Ana vernachlässigt ihre eigene Familie und driftet immer mehr ab. Bald stellt sie sich die Frage, ob Rebecca wirklich dieser schreckliche Mensch ist, wie Connor es ihr immer wieder verkauft hat....

Der Roman von Sarah Crossan ist in Versform geschrieben und in fünf Abschnitte unterteilt. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Ana erzählt. Die Gedanken von Connor bleiben unausgesprochen. Die ungewöhnliche Versform klingt gewöhnungsbedürftig und war für mich neu. Sie hat mir aber gut gefallen und lässt sich doch recht flüssig lesen.
Diese spezielle Erzählweise zeigt
die Getriebenheit und innere Zerrissenheit von Ana sehr gut. Auf der anderen Seite empfand ich aber auch eine Distanz zur Protagonistin, die mir zusätzlich alles andere als sympathisch war. Sie erschien mir emotionslos und naiv, auch wenn ich ihre beginnende Besessenheit nach dem Tod von Connor in den Zeilen nachempfinden konnte. Sie ist ihrem Geliebten komplett verfallen und kann nicht loslassen. Ana passt perfekt in das Klischee der klassischen Geliebten, die immerzu hofft, dass er seine Frau verlassen wird.
Die Ehepartner, vorallem Paul, bleiben sehr blass. Vielleicht ist diese Oberflächlichkeit aber auch von der Autorin so gewünscht, denn auch Ana bringt immer mehr Distanz zwischen sich und Paul.

Die Zeitsprünge innerhalb der Kapitel fand ich verwirrend. Man erkennt oft nicht genau, ob wir uns in der Zeit vor oder nach dem Tod von Connor befinden. Die nicht gekennzeichneten Szenenwechsel, sowie die Zeitsprünge, sind leider sehr abrupt.

Wunderschön und gelungen finde ich das Cover auf dem die Bienen erhaben dargestellt sind und glänzen. Nimmt man den Schutzumschlag ab, findet man darunter ebenfalls eine Biene.

Die Geschichte der trauernden Geliebten ist nicht unbedingt neu. Einzig die Versform gibt dem Roman etwas Besonderes. Im Endeffekt erzählt der Roman nicht wirklich mehr, als die Inhaltsangabe auf der Innenseite des Schutzumschlages. Das fand ich leider ziemlich enttäuschend. Mich konnte der Roman nicht richtig abholen und ich vergebe dafür 3 Sterne.

Cover:

 von links nach rechts:
zwei englischsprachige Cover, das italienische, polnische und ungarische Cover

Fazit:
Ein etwas anderer Roman mit einem nicht gerade neuem Thema, aber interessant durch die gewählte Versform. Leider konnte ich jedoch keine Nähe zur Protagonistin aufbauen und auch der Rest der Figuren blieb für mich zu blass. Ich habe noch einen anderen Roman der Autorin hier und hoffe, dass mir dieser besser gefallen wird.

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!

Ab heute heiße ich Margo - Cora Stephan





    • Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
    • Verlag: Kiepenheuer&Witsch (10. März 2016)
    • ISBN-10: 3462048953
    • ISBN-13: 978-3462048957
    • Genre:  Gegenwartsliteratur


gekürzte KiWi Kurzbeschreibung: 
Stendal in den Dreißigerjahren: Hier kreuzen sich die Wege von Margo und Helene. Margo ist Lehrling in der Buchhaltung, Helene Fotografin. Sie lieben denselben Mann, werden durch den Krieg und die deutsche Teilung getrennt und bleiben doch miteinander verbunden. Die Geschichte zweier Frauen mit einem gemeinsamen Geheimnis, berührend, fesselnd und voller Überraschungen!

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Kurzbeschreibung oben habe ich stark gekürzt, da man leider betreffend den Lebenswegen der beiden Hauptprotagonistinnen Margarete Hegewald und Helene Pinkus ziemlich gespoilert wird. Ich bin völlig "unvorbereitet" an die Lektüre herangegangen und würde dies auch allen anderen Lesern empfehlen!

Dieser Roman, mit mehr als 600 Seiten, beschreibt das Leben von zwei sehr starken, aber unterschiedlichen Frauen in Stendal von 1936 bis zum Jahr 2000. Neben den Lebensgeschichten beinhaltet dieses Buch auch jede Menge deutsch-deutsche Geschichte, beginnend beim Zweiten Weltkrieg über die Teilung Deutschlands und die Wiedervereinigung 1989. Eine Zeitreise, die mich unglaublich gefesselt hat....

Margarete, die sich später Margo nennt, beendet vorzeitig die Schule um endlich unabhängig von ihrem tyrannischen Vater und der verschüchterten Mutter zu sein. Beim Fotografen Otto Werner findet sie Arbeit in der Buchhaltung, die ihr Spaß macht. Doch ihr extremer Ehrgeiz macht sie nicht unbedingt beliebt. Margo weiß, was sie will und das sind nicht Heirat, Kinder und der Haushalt, sondern eine Karriere. Trotz der für die damalige Zeit untypischen Ziele, ist sie politisch eher naiv.
Helene, die bereits in ihrer Jugend im Spanischen Bürgerkrieg als Fotografin zwischen den Fronten stand, hat bereits die andere Seite des Lebens kennengelernt. Als Vierteljüdin befindet sie sich auch in Deutschland wieder in Lebensgefahr und findet bei Photo-Werner Unterschlupf und einen Job. Obwohl die jungen Frauen so unterschiedlich sind, entsteht zwischen den Beiden eine Freundschaft. Doch die Liebe zum selben Mann, ein dunkles Geheimnis und der zweite Weltkrieg reißen sie auseinander und ihre Träume und Wünsche lösen sich in Luft auf....
Während Margo nach dem Krieg in Westdeutschland Karriere macht, muss Helene als alleinerziehende Mutter über die Runden kommen und spioniert für die Stasi.
Obwohl mir beide Frauen nicht wirklich sympathisch waren, musste ich doch den Mut und den Ehrgeiz von Helene und Margo bewundern. Beide versuchten aus ihren Situationen das Beste zu machen, auch wenn ich doch einige Handlungen nicht nachvollziehen konnte.

Erstmals hatte ich auch einen Roman vor mir, der während des Zweiten Weltkrieges spielt und der keine Jüdin oder Widerstandskämpferin als Hauptprotagonistin hatte. Im Gegenteil: Margarete war die ersten Jahre dem Hitlerregime nicht abgeneigt.
Die Autorin versteht es zwei typische Frauenbilder dieser Zeit lebendig und authentisch darzustellen. Beide Hauptprotagonistinnen sind nicht unbedingt sympathisch, aber sehr vielschichtig beschrieben. Es gibt kein schwarz-weiß, sondern ein Porträt von Menschen, die sich die jeweiligen politische Lage zu Nutzen gemacht haben oder einfach versuchten zu überleben. Man kann selbst nie beurteilen, wie man wirklich gehandelt hätte, wäre man in eine dieser Situationen gekommen (wobei ich jetzt natürlich nicht das Hitlerregime meine, sondern die Zeit nach dem Krieg).
Die Autorin beschreibt hier gekonnt die verschiedenen Strömungen nach dem Kriegsende und den Zerfall Deutschlands in Ost- und Westdeutschland. Positiv hervorheben sollte man, dass Cora Stephan weder mit den moralisch erhobenen Zeigefinger geschrieben, noch eine der beiden Seiten politisch bevorzugt hat. Einzig die kleinen Spionageeinträge kurz vor dem Ende fand ich etwas too much....

Schreibstil:
Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich sofort in die Geschichte eintauchen ließ. Historisch wurde hier sehr gut recherchiert und einige ältere Leser können sich sicherlich noch an diverse Begebenheiten, wie den Mauerfall, erinnern. Die atmosphärisch sehr dichte Geschichte ist lebendig und fesselt den Leser.

Der Roman ist in drei große Abschnitte unterteilt. Teil 1 "Im dritten Reich" spielt von 1936 bis 1945, Teil 2 "Deutschland Ost, Deutschland West" von 1945 bis 1989 und Teil 3 "Nach dem Mauerfall" von 1989 bis 2000. Erzählt wird in der dritten Person, wobei die Sichtweise zwischen Margo und Helen wechselt. Einige wenige Kapitel sind aus der Sicht von Alard geschrieben, der mir etwas zu kurz in der Geschichte kam.

Fazit:
Ein Porträt zweier starker, aber sehr unterschiedlicher Frauen, eingebettet in siebzig Jahre deutsche Geschichte - wunderbar erzählt und mitten aus dem Leben gegriffen. Leseempfehlung!

 

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