Fünf, sechs, sieben, acht - Ewald Arenz

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    • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
    • Verlag: ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG, 1. Auflage (16. Juni 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3755800578
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755800576
    • Genre: Gegenwartsroman


Dumont Kurzbeschreibung:
Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er – noch – allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders – und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht. Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt? Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Der neue Roman von Ewald Arenz "Fünf, sechs, sieben, acht" widmet sich dem Älterwerden, dem Stepptanz und der Vater-Tochter Beziehung zwischen Anton und Emma. Ebenso spielt die Theaterwelt im Roman eine bedeutende Rolle. 

Anton ist 60 Jahre alt und auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Stepptänzer. Doch die neue Intendantin sieht das nicht ganz so und will zukünftig das Programm verjüngen. Antons Job bekommt ausgerechnet seine Tochter Emma, was ihn zutiefst kränkt. Eigentlich ist er auch stolz auf sie, doch er kann es nicht wirklich zeigen. Seine gekränkte Eitelkeit und der Gedanke, dass er nicht mehr gebraucht wird, erfüllen Anton mit Entsetzen. Keiner hatte ihn vorgewarnt – weder seine Exfrau Katja, mit der er  noch immer eine freundschaftliche Beziehung verbindet, noch seine Tochter. Dass beide ihn im Ungewissen gelassen haben, trifft Anton tief. Beleidigt verschließt er sich jeder weiteren Erklärung. 
Seine Gedanken wandern zurück zu seiner Jugend und die Frage, ob er sein Leben so gelebt hat, wie er es eigentlich wollte. 
Vor allem seine erste große Liebe Jo kommt ihm in den Sinn, die ihn von einem Tag auf den anderen ohne Erklärung verlassen hat und seitdem verschwunden ist. Katja findet dazu die richtigen Worte:

 „So eine ungelebte Liebe ist immer größer als die gelebte … Keiner kann rückwärts leben. Auch du nicht.“ (S. 61)

Anton fragt sich, ob sein Leben mit Jo anders verlaufen wäre? Obwohl er später mit Katja eine Familie gegründet hat, nagt dieses Verlassen werden - ohne zu wissen warum - noch immer an ihm. Seit der Scheidung steht außerdem die Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. In letzter Zeit haben sich die beiden zwar wieder angenähert, doch seitdem Emma Antons Job angeboten bekam, ist die Distanz wieder da. Emma versucht daraufhin für ihn Jo zu finden und gemeinsam reisen sie nach Irland. Diese Reise soll auch Emma und Anton wieder näher bringen und Verständnis für den anderen schaffen. Doch das geht gründlich schief.....

Anton ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Zu sehr kreisen seine Gedanken um sich selbst. Die Erkenntnis, dass er im letzten Lebensdrittel angekommen ist, lässt ihn nicht los. Er fühlt sich plötzlich nutzlos und ersetzbar. Ich kann ihn verstehen und trotzdem fand ich ihn sehr Ich-bezogen in seiner Art. Ich bin ebenfalls sechzig Jahre alt und kann viele seiner Gedanken nachvollziehen. Man fühlt sich selbst eigentlich nicht so alt und denkt, man schafft noch alles mit Leichtigkeit oder sogar besser mit der Erfahrung der Jahre. Und Anton ist gesund und fit. Er tanzt sein Programm durch. Er lebt für die Musik, den Takt, dem Rhythmus.....Und doch rücken die Gedanken näher, dass er nicht mehr viel Zeit haben könnte....
Einzig Katja versucht ihm zu zeigen, dass er nicht in der Vergangenheit leben soll, sondern in der Gegenwart, die ihm doch noch einiges zu bieten hat. 

Die Charaktere sind sehr vielschichtig und liebevoll gezeichnet. Sie sind lebensecht und glaubwürdig. Katja und Antons Mutter sind kluge Frauen, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Der Autor beschreibt seine Figuren trotz kleiner Macken und Fehler mit viel Empathie und leisem Humor. In Bezug auf Jo bietet Arenz eine überraschende Wendung. Warum sie damals Anton verlassen hat, fand ich hingegen nicht wirklich nachvollziehbar. Hier hatte ich mir mehr erwartet....

Ewald Arenz greift in seinem neuen Roman universelle Themen auf: das Älterwerden mit seinen Herausforderungen, die konfliktreiche Beziehung zwischen Eltern und Kindern, sowie die Frage nach verpassten Chancen und ungelebten Träumen. Es dauert bis Anton erkennt, dass er gedanklich in der Vergangenheit feststeckt und dadurch die Gegenwart verpasst. Das Ende des Buches hat mir sehr gut gefallen.

Fazit:
Ein sehr leiser Roman, der sich um das Älterwerden und die Vergangenheit dreht, um das loslassen und Neuanfänge, sowie die Erkenntnis, dass man das Leben nur vorwärts leben kann


Vielen Dank an Dumont und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

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