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Die Rettung - Charlotte McConaghy

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ S. FISCHER, 1. Auflage (28. Mai 2025)
    • Übersetzer: ‎Jan Schönherr
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3103976836
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3103976830
    • Originaltitel: ‎ Wild Dark Shore
    • Genre: Roman, 


Fischer Kurzbeschreibung:
Dominic Salt lebt mit seinen drei Kindern auf einer verlassenen Insel, irgendwo zwischen Australien und Antarktis. Weil das kleine Stück Land langsam vom steigenden Wasser verschlungen wird, ist das Forschungsteam, zu dem auch Dominic gehörte, längst abgereist, und bald soll auch die Familie ans Festland zurückkehren. Doch wird in einer folgenreichen Sturmnacht plötzlich eine Frau an die Küste gespült. Sie ist schwer verletzt, fast erfroren. Wer ist die Fremde? Und wie ist sie ausgerechnet nach Shearwater geraten? Während die Kinder sich von ihrer atemberaubend schönen Insel verabschieden müssen, von den Seelöwen und Albatrossen, den sturmumtosten Klippen und versteckten Senken, beginnen die fünf Menschen, einander zu umkreisen, ihre Sehnsüchte und Geheimnisse zu teilen und sich zu fragen: Welche Entscheidungen müssen wir treffen, um die Menschen zu schützen, die wir lieben?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dies ist mein drittes Buch der Autorin Charlotte McConaghy nach "Zugvögel" und "Wo die Wölfe sind". Auch diesmal brauchte ich einige Tage um das Gelesene sacken zu lassen, denn McConaghy nimmt uns immer auf eine Reise voller düsterer Zukunftsvisionen mit, die leider nicht sehr weit hergeholt sind.

Wir sind diesmal auf der fiktiven Insel Shearwater, deren Vorbild die tasmanische Macquerie Insel ist, die sich zwischen Tasmanien und der Antarktis befindet. Dort wohnt Dominic Salt mit seinen drei Kindern Raff, Fen und Orly. Das Forscherteam, welches zuvor ebenfalls auf der Insel lebte, ist bereits abgereist. Ihre Aufgabe war es, einzelne Pflanzensamen zu schützen, aufzubewahren und zu katalogisieren. In einem Schutzbunker sollen sie den Fortbestand und die Nahrungsgrundlage für die Zukunft sichern. Doch der zuvor sichere Ort ist stark gefährdet, denn der Meeresspiegel steigt und macht das Leben auf der Insel, wo sich Seebären, Robben und Pinguine tummeln, bald unmöglich. Deshalb müssen auch die Salts Shearwater in wenigen Wochen verlassen.
Eines Tages wird jedoch während eines schlimmen Sturmes eine schwerverletzte Frau an die Küste gespült. Obwohl die Versorgungslage bereits knapp und die Stromversorgung während des heftigen Sturmes ausgefallen ist, bleibt der Familie nichts anderes übrig, als Rowan aufzunehmen. Sie spürt jedoch, dass sie unerwünscht ist und hat bald die Vermutung, dass Dominic und die Kinder ein Geheimnis haben. Aber auch Rowan verbirgt etwas und hatte einen Grund zu den Shearwater Inseln zu gelangen....

Die Autorin bleibt sich auch in ihrem neuen Roman ihrem Stil und dem Thema treu. Ihr Schreibstil ist eine Mischung aus Poesie und eindringlicher Realität. Ihre unmissverständliche Warnung bezüglich des kommenden Klimakollapses macht nachdenklich. 
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Figuren erzählt. Der Name des jeweiligen Erzählers steht über den Kapitelanfang. 
Mit Dominic wurde ich anfangs nicht wirklich warm und auch später fiel es mir bei ihm am Schwierigsten ihn zu mögen. Er liebt seine Kinder zwar aufrichtig, aber bei seiner Erziehung macht er wirklich sehr viel falsch. Besonders Fen gegenüber empfand ich Mitleid, die das Gefühl hatte, von ihrem Vater einfach übersehen zu werden. Mit Rowan hat sie endlich eine weibliche Ansprechperson, die auch zu ihr durchdringen kann. Raff hat ebenfalls große Probleme. Die Lösung für diese werden völlig falsch von seinem Vater vorgelebt, der ihm seine Wut an einem Boxsack abtrainieren lässt. Raff empfindet dabei immer mehr Wut, die er nur auf diesem Wege rauslassen kann. Wie sich die Kinder nach dem Verlassen der Insel jemals gegenüber anderen Menschen verhalten sollen, habe ich mich des Öfteren gefragt.
Einzig Orly hat noch etwas Unbekümmertes an sich. Er liebt die Pflanzenwelt, kennt alle Samen mit lateinischen Namen und weiß wirklich sehr viel. Manchmal habe ich mich allerdings gefragt, ob er nicht zu erwachsen für sein Alter wirkt. Andererseits hat er auf der einsamen Insel nicht viele Möglichkeiten sich mit etwas anderem zu befassen, außer mit der Pflanzen- und Tierwelt, die ihn auch noch richtig begeistern kann.
Als Leser fragt man sich ebenfalls, wer nun Rowan eigentlich ist. Woher kommt sie und warum war ihr Ziel die Insel Shearwater?

Während ich das Buch bei 36°C begonnen habe und es beim Lesen für ein bisschen Abkühlung gesorgt hat, wurde es bei uns kalt und regnerisch bei nur mehr 13-15°C. Dadurch hatte ich permanent das Gefühl zu frieren, denn die widrigen Lebensumstände auf der rauen Insel, die Stürme und Regenfälle und die tiefen Temperaturen unter null, ließen es noch kälter erscheinen.
Es gibt ein bis zwei Punkte, die ich nicht ganz logisch finde bzw. gibt es zwei Ungereimtheiten, die mir noch immer etwas im Kopf herumgeistern. Ich kann sie hier jetzt leider nicht aufzählen, sonst würde ich spoilern.

Die Geschichte lebt von den wunderschönen bildhaften Naturbeschreibungen und der beeindruckenden Tierwelt. Diese hat uns die Autorin wieder mit sehr viel Empathie beschrieben. Aber auch die ganz besondere Verbindung der Kinder zur Natur hat mich berührt.
Die Atmosphäre auf der Insel wirkt jedoch beklemmend und der beengte Lebensraum bietet für die wenigen Einwohner der Insel großes Konfliktpotential.
Das Ende hat mich dann ziemlich überrascht.

Den deutschen Titel finde ich sehr gut gewählt, denn er spricht nicht nur die Rettung des Saatgutes und Samen an, sondern auch die der dort lebenden Menschen und ihrer Beziehungen untereinander.

Cover:
von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Cover, das schwedische und das niederländische Cover

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer "Climate Fiction" Roman, der uns vor Augen hält, dass wir mit der Natur leben und diese schützen müssen. Eindringlich und intensiv. Gerne empfehle ich den Roman weiter!


Vielen Dank an Lovelybooks und den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!


Wo die Wölfe sind - Charlotte McConaghy

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


     

    • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten 
    • Verlag: ‎ FISCHER Verlag 1. Edition (26. April 2023)
    • Übersetzer: ‎ Tanja Handels
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596706424
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596706426
    • Originaltitel: ‎ Once There Were Wolves
    • Genre: Roman, Gegewartsliteratur


Fischer Kurzbeschreibung:
Inti Flynn kommt nach Schottland, um Wölfe in den Highlands wiederanzusiedeln. Als Wissenschaftlerin weiß sie, dass die wilden Tiere die einzige Rettung für die zerstörte Landschaft sind. Als Frau hofft sie auf einen Neuanfang. Sie ist nicht mehr die, die sie einst war, hat sich von den Menschen zurückgezogen. Denn die Wolfsbiologin besitzt die seltene Fähigkeit, Gefühle von anderen Lebewesen körperlich nachzuempfinden. Als ein Farmer tot aufgefunden wird und eine Hetzjagd auf ihre Tiere beginnt, muss sie sich ihren Ängsten stellen: Ist der Wolf oder der Mensch die Bestie in den Wäldern? Und wird sie je wieder menschliche Nähe zulassen können – oder von der Wildnis verschlungen werden, die sie retten will? 

Meine Bewertung: * * * * uneinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem die liebe Livia und ich gemeinsam "Zugvögel" von Charlotte McConaghy gelesen haben, war uns schnell klar, dass wir auch den zweiten Roman der Autorin miteinander lesen möchten.

Ich muss auch zugeben, dass mir das Thema Wölfe mehr liegt, als die Seevögel und das Meer des ersten Romans der Autorin. Außerdem ist das Thema zur Zeit auch sehr präsent. Erst vor ein paar Tagen habe ich wieder von einer Wolfssichtung im angrenzenden Bundesland gelesen und die Meinungen dazu sind noch immer zwiegespalten und ähneln dem im Roman sehr. Denn auch in "Wo die Wölfe sind" geht es um die Wiederansiedlung dieser wunderschönen Wesen, die jedoch auch gefahren für Weidetiere bringen.

In den schottischen Highlands, den Cairngorms, sollen Wölfe wieder angesiedelt werden, um den Rothwildbestand zu regulieren und die Renaturierung der Natur und das Ökosystem wiederzustellen. Die Wolfsbiologin Inti Flynn und ihr Team statten die Wölfe mit Halsbändern und einer Nummer aus, damit sie deren Bewegungen in den umliegenden Wäldern überwachen können. Die einzelnen Rudel sollen sich entwickeln und die neue Heimat annehmen. Doch dann wird ein Farmer tot aufgefunden und die Einwohner fühlen sich noch mehr von den Wölfen bedroht. Es beginnt eine Jagd, die nicht nur die Wölfe, sondern auch das Team der Wissenschaftler und ganz besonders Inti umfasst.

Wie schon in ihrem ersten Roman ist auch diesmal die Protagonistin eine Einzelgängerin und hat ein schweres Schicksal hinter sich. Schon als Kind war Inti von Wölfen fasziniert. Von ihrem Vater hat sie gelernt die Natur zu schätzen und mit ihr zu leben. Doch Inti ist auch eigenwillig, aufbrausend und sie verhält sich nicht wirklich diplomatisch gegenüber den Schafbauern der Gegend, die gegen die Wiederansidlung der Wölfe sind.
Inti misstraut den Menschen und fühlt sich zu Tieren mehr hingezogen - was ich selbst gut nachvollziehen kann. Zu Inti fand ich eher Zugang, als zu Franny aus "Zugvögel".
Durch jede Zeile konnte ich die Liebe und ihr Verständnis für die Lebensart der Wölfe fühlen. Die Natur- und Landschaftsbeschreibungen sind sehr gelungen und man begleitet Inti durch die Schottischen Highlands und auf den Wegen ihrer Schützlinge.
Trotzallem versteht es die Autorin den Leser immer wieder darauf hinzuweisen, dass es sich um Raubtiere und keine Kuscheltiere handelt.
Inti hat zusätzlich die "Mirror-Touch-Synästhesie, eine seltene "Krankheit" oder Gabe, bei der man die Schmerzen anderer Menschen am eigenen Leib spürt. 

Charlotte McConaghy hat neben dem Thema der Wolfsansiedlung und deren Probleme und Tücken, weitere Handlungsstränge miteingeführt. Dabei kommt es auch zu Rückblicken in die Kindheit von Inti und ihrer Zwillingsschwester Aggy und Intis Synästhesie spielt ebenfalls eine größere Rolle. Es gibt einige überraschende und auch dramatische Wendungen und als Leserin von Krimis und Thrillern war ich zusätzlich gespannt, welche Bestie hinter dem Tod des Farmers steckt - Mensch oder Tier?

Man bemerkt, dass sich die Autorin mit dem Thema wirklich stark auseinandergesetzt hat und uns unwissenden Leser:innen sehr viel vermitteln kann. Sie versteht es großartig, ihre Figuren lebendig werden zu lassen und ein Thema, welches ihr am Herzen liegt, zu transportieren. Zusätzlich lassen die Landschafts- und Naturbeschreibungen lebendige Bilder vor meinem inneren Auge entstehen. Der Schreibstil der Autorin ist einfach unverwechselbar und hat mir schon in ihrem Debüt sehr gut gefallen.

Zum Ende hin wird es richtig spannend, jedoch war ich mit der Auflösung nicht ganz zufrieden. Sie war mir nicht plausibel genug.

Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Cover, das französische, das niederländische, das finnische, schwedische und das slowakische Cover

Fazit:
Ein weiterer Roman von Charlotte McConaghy über "Climate Fiction", wobei vieles davon schon zur Realität wird. Eine Ode an die Wölfe und an die Renaturierung der Natur. Ich empfehle den Roman sehr gerne weiter!


Zugvögel - Charlotte McConaghy

     
    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebunden Ausgabe: 416 Seiten
    • Verlag: ‎ S. FISCHER, 3. Auflauge (September 2020)
    • Übersetzer: ‎ Tanja Handels
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596705207
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596705207
    • Originaltitel: Migrations
    • Genre: Roman 

     

Fischer Kurzbeschreibung:
Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Auf einem der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, ihrer Vergangenheit kann Franny nicht entfliehen. Schon bald wird die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer. Eine Ode an die bedrohten Geschöpfe dieser Erde. Eine Geschichte über die Wege, die wir gehen für die Menschen, die wir lieben. Und sei es bis zum äußersten Rand der Welt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gemeinsam mit der lieben Livia von "Samtpfoten mit Krallen" habe ich ein Buch gelesen, welches wir beide schon lange auf unserer Wunsch- bzw. Leseliste hatten: "Zugvögel" von Charlotte McConaghy.

In diesem Roman befinden wir uns in einer Zukunft, die leider gar nicht mehr weit entfernt scheint, wenn wir die Klimakrise nicht unter Kontrolle bekommen. Das Artensterben ist bereits in vollem Gange. Die Küstenseeschwalben sind eine der letzten Vogelarten, die noch nicht ausgestorben sind. Sie haben die längste Flugstrecke, denn sie sind der einzige Zugvogel, der in der Nordpolarregion brütet und in der Südpolarregion überwintert.

Ornithologin Franny Stones größter Wunsch ist es, diese Vögel zu begleiten. Sie schafft es Peilsender bei drei Küstenseeschwalben anzubringen. Obwohl ihr der Artenschutz sehr am Herzen liegt, kann sie nur mit einem Hochseefischerboot diese Reise starten.

"Ich erforsche die Flugrouten der Küstenseeschwalbe, unter besonderer Berücksichtigung der Frage, wie der Klimawandel ihre Fluggewohnheiten verändert." (S. 41/42)

In Ennie Malone, Kapitän eines dieser Boote, scheint sie endlich jemand gefunden zu haben, der genauso verrückt zu sein scheint, wie sie selbst. Bis sie ihn jedoch dazu überreden kann, seine Route zu ändern, dauert es. Die Fischerei liegt darnieder und es gibt nur noch wenige aktive Fischerboote. Franny weist sie deshalb darauf hin, dass die Küstenseeschwalben wissen, wo sich noch Fischschwärme aufhalten, denn sie sind auch ihre Futterquelle. Dies ist der ausschlaggebende Punkt für Kapitän Ennie Malone und seiner Crew, die Franny äußerst misstrauisch gegenüber sind. Eine gefährliche Reise Richtung Antarktis wartet auf sie.... 

Der Einstieg ist mir nicht sehr leicht gefallen. Nur schwer konnte ich mich mit Franny, geboren in Australien mit irischen Wurzeln, vaterlos und vom anderen Ende der Welt zurück auf die grüne Insel gebracht, identifizieren. Wie ihre Mutter ist Franny rastlos und "leidet an Wanderfüssen". Sie kann nicht allzu lange an einem Ort verweilen und ergreift eher früher als später die Flucht. Franny verspürt außerdem eine tiefe Liebe zum Meer, die ich als eher wasserscheue Person nicht wirklich nachempfinden kann. Trotzdem habe ich ihre Sehnsucht, Verzweiflung und ihren Mut immer durch die Zeilen erkennen können.

Der Weg vom Nord- zum Südpol ist die Rahmenhandlung des Romans. Während wir in der Gegenwart auf engem Raum an Bord der "Saghani" sind, erfahren wir in Rückblenden nach und nach Einzelheiten aus Frannys Leben. Sie ist jedoch eine unzuverlässige Erzählerin und führt den Leser manchmal in die Irre.
In diesen Abschnitten erfahren wir mehr über Frannys Kindheit, den Beginn einer außergewöhnlichen Liebe und einem Geheimnis, welches sie mit sich trägt.
Neben Franny sind auch die weiteren Figuren, wie Niall, Ennis und der Rest der Crew, so lebendig dargestellt, dass man das Gefühl hat, dabeizusein. Ganz besonders mochte ich den kurzen Aufenthalt am Leuchtturm in Neufundland, wo die Familie von Crew Mitglied Samuel, wohnt.

Charlotte McConaghy hat mit ihrem Debüt einen Roman erschaffen, der unter die Haut geht und nachdenklich macht. Man spürt immer wieder Frannys Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt und auch ihren eigenen, der sie schier zerreißen möchte. Man erlebt ihrem Schmerz und ihre selbstzerstörerischen Kräfte "hautnah" mit. Die Naturbeschreibungen, das Leben auf dem Schiff und die Kälte in den Eismeeren sind sehr bildhaft dargestellt. Das Artensterben ist allgegenwärtig und macht beim Lesen sehr nachdenklich. Es bleibt ein tragisches und schmerzhaftes Gefühl beim Lesen, welches mit einem kleinen Hoffnungsschimmer am Ende dann doch noch versöhnlich ist.

Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Cover, das bulgarische, polnische, schwedische, slowakische und estnische Cover. Der Roman wurde bereits in unzählige Sprachen übersetzt 

Fazit:
Eine bewegende und intensive Geschichte, die beim Lesen sehr starke Gefühle hervorruft. Für Natur- und Meerliebhaber ein solutes MUSS! 
 
 

[Grenzfall] Ihr Schrei in der Nacht - Anna Schneider

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 432 Seiten
    • Verlag: ‎ FISCHER Taschenbuch; 2. Edition (26. Januar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596705460
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596705467
    • Genre: Krimi
    • Reihe: ja - Band 2 - Jahn und Krammer ermitteln



Fischer Kurzbeschreibung.
Nichts geht mehr in der Grenzregion Karwendel, heftige Schneefälle bringen über Nacht alles zum Erliegen. Mitten im Chaos verschwindet in der Jachenau eine junge Frau auf dem Weg zu ihrem Elternhaus. In Innsbruck kommt es zu einem Zwischenfall in einem Studentenwohnheim, zwei Studentinnen werden seither vermisst. Alexa Jahn und Bernhard Krammer haben alle Mühe, unter den erschwerten Bedingungen grenzübergreifend zusammenarbeiten, als zwei weitere Vermisstenmeldungen eingehen. Ein Zufall ist nun ausgeschlossen, die Fälle müssen zusammenhängen. Bald beschleicht Bernhard Krammer eine ungute Ahnung, er fühlt sich an einen alten Fall erinnert. Doch noch bevor er Alexa Jahn einweihen kann, macht sie einen folgenschweren Fehler.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Band zwei der Grenzfall-Reihe "Ihr Schrei in der Nacht" von Anna Schneider knüpft nahtlos an den ersten Band an. Diesmal liegt der Fokus jedoch bei Alex Jahn und ihrem Team in Deutschland.

Kalendarisch ist es eigentlich schon Frühling, doch ein Schlechtwettereinbruch bringt wahre Schneemassen ins Karwendelgebirge. Die Medizinstudentin Juliane bricht von München zu ihrem Elternhaus in der Jachaneu auf. Es ist ihr Geburtstag und die Eltern warten auf sie, doch Juliane kommt nie zuhause an. Am selben Abend verschwindet ein Pärchen aus der Umgebung und in Innsbruck zwei Studentinnen aus dem Studentenheim. Alexa will diesmal mehr mit ihrem Kollegen Huber zusammenarbeiten und alles richtig machen. Sie verbeißt sich in den Fall um die verschwundenen jungen Menschen. Krammer hingegen hinterfragt seine Diensttauglichkeit, denn er vermutet einen Widersacher aus einem alten Fall.

Abwechselnd lesen wir aus der Sicht von Alexa oder Krammer. So sind wir immer auf den Laufenden, was die Vermisstenfälle betrifft. Beide Ermittler-Teams arbeiten mit Hochdruck an ihren Fällen und der Verdacht erhärtet sich immer mehr, dass diese zusammenhängen. Doch erst auf den letzten 50 Seiten arbeiten Alexa und Krammer gemeinsam vor Ort. Das fand ich etwas schade. Mir hätte es besser gefallen, wenn die beiden schon früher zusammengearbeitet hätten.

Neben den aktuellen Fällen wird auch die persönliche Geschichte der beiden Ermittler weitererzählt. Alexa rätselt, ob sie in Weilheim bleiben oder sich in München eine Wohnung suchen soll. Bernhard Krammer hingegen zweifelt an seinen Fähigkeiten, ist unsicher und kämpft mit seinen privaten Problemen.

Anna Schneider erzählt wieder sehr spannend und atmosphärisch. Ich bin durch die Schneemassen gegangen, habe das Dröhnen der Musik in der alten Disco vernommen und habe Bernhard Krammers Angst gespürt, die ihm einer seiner alten ungelösten Fälle bereitet. Gelungen sind auch die Einblicke in die Leiden der vermissten Menschen, die in der Dunkelheit ihr persönliches Grauen erleben.
Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und lebendig. Die kurzen Kapitel verführen zum immer wieder Weiterlesen, auch wenn die Augen schon langsam zufallen. Überraschende Wendungen haben die Spannung zusätzlich erhöht und mich rätseln lassen, wer der Täter sein könnte. Diesmal habe ich den Entführer jedoch bald enttarnt, was der Spannung aber keinen Abbruch tat.
Ein sehr gelungener Krimi mit zwei tollen Ermittlern!

Fazit:
Mir hat der zweite Teil der Grenzfall Reihe noch besser gefallen, als der erste Band, obwohl hier Alexa mehr im Vordergrund steht und die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Deutschland viel mehr in den Hintergrund rückt. Doch die Fälle sind sehr spannend und gelungen! Ich freue mich jetzt auf Band 3, der bereits hier liegt.

Die Jahn und Krammer Reihe:

  1. Der Tod in ihren Augen *Rezi*
  2. Ihr Schrei in der Nacht 

Mörderfinder - Die Macht des Täters - Arno Strobel

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ FISCHER Taschenbuch; 1. Edition (9. März 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596706688
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596706686
    • Genre: Thriller
    • Reihe: ja - Band 2 der Max Bischoff Reihe



Fischer Kurzbeschreibung:
Der Anruf kam unerwartet. Eine Ex-Kollegin bittet Fallanalytiker Max Bischoff um Hilfe. Ihr Neffe wurde des Mordes beschuldigt und hat sich daraufhin das Leben genommen. Mit 22. Ein Schuldeingeständnis? Oder die Tat eines Verzweifelten? Max sichtet die Fakten, die Beweislast ist erdrückend, aber nichts passt zusammen. Kein Motiv, vollkommene Willkür. Und dann die vage Verbindung zu einem anderen Fall. Irgendetwas ist da, das kann Max beinahe körperlich spüren. Aber der Kopf des Mörders bleibt ihm verschlossen. Hat er sich verrannt? Oder versagt die Fallanalyse und damit Max zum ersten Mal in seiner gesamten Laufbahn? 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im zweiten Band um Max Bischof und der Mörderfinder Reihe von Arno Strobel gerät der ehemalige Polizist in eine brutale Mordserie, als ihn eine Ex-Kollegin um Hilfe bittet. Ihr Neffe wird des Mordes angeklagt. Max soll seine Unschuld beweisen, doch alle Indizien deuten auf den 22jährigen Studenten. Kurze Zeit später verübt er Selbstmord. Es dauert jedoch nicht lange bis der nächste Mord passiert, der dieselbe Handschrift trägt. Ist es ein Trittbrettfahrer oder wurde der falsche Mann verdächtigt?
Als Fallanalytiker steht Bischof vor einem Rätsel. Ein Motiv scheint zu fehlen. Die Fälle passen nicht zusammen und trotzdem ist er sich sicher, dass es sich um einen Serienmörder handelt.

Arno Strobel hat wieder einen rasanten Thriller geschrieben, der von Beginn an fesselt. Der Spanungsbogen bleibt die gesamten 368 Seiten aufrecht und ich bin durch den Thriller nur so geflogen. Bischoff arbeitet wieder mit seinem Exkollegen Horst Böhmer zusammen. Die beiden vertrauen einander, jedoch hat Horst auch auf seine Dienstvorschriften zu achten. Die neue Chefin des Kommissariats, Eslem Keskin, ist anfangs gegen die Zusammenarbeit mit einem Privatermittler, was es Bischoff schwer macht. Zusätzlich kann er sich nicht in den Kopf des Täters denken, was für ihn als Fallanalytiker ein großes Problem darstellt.

Als Figur ist Max sympathisch, denn er bleibt seinen Prinzipien treu und sorgt sich um seine Schwester Kirsten. Auch die Freundschaft zu Böhmer macht ihn geselliger, als manche anderen Ermittler, die oftmals Einzelgänger sind.
Im zweiten Teil treffen wir auf einige bekannte Charaktere, wie auch auf einige neue, wie die bereits erwähnte Kriminalrätin und Chefin von Böhmer. Der interessanteste Neuzugang ist wohl Dr. Marvin Wagner, ein Graphologe.

Der Fall ist äußerst komplex. Strobel lässt den Leser mit überraschenden Wendungen immer wieder in eine Sackgasse laufen. Miträtseln ist schwierig. Und dann gerät Max mit seinem Verhalten ungewollt selbst in den Fokus der Ermittlungen.

Einzelne Kapitel sind wieder in kursiver Schrift geschrieben und lassen uns in den Kopf des Täters blicken. Diese nehmen aber nichts vorweg, sondern lassen die Spannung noch ein Stück weiter steigen. Das Tempo ist hoch und die Handlung - obwohl sie manchmal ein bisschen auf der Stelle tritt - kurzweilig.

Zum Ende gibt es einen Showdown und eine Auflösung, die einerseits gelungen und ungewöhnlich ist, aber andererseits auch ein bisschen konstruiert ausfällt. Ein paar
mehr Details zur Auflösung und kein so abruptes Ende hätte mir besser gefallen. Das ist aber wiederum schon meckern auf hohem Niveau.

Fazit:
Ein spannender und temporeicher Thriller, der die Abgründe der menschlichen Psyche aufzeigt und mich sehr gut unterhalten hat. Band 2 "Die Macht des Täters" fand ich sogar eine Ticken besser als den ersten Mörderfinder Band, deshalb vergeben ich gerne 4 1/2 Sterne und freue mich schon auf Band 3.

Das Mädchen mit dem Drachen - Laetitia Colombani

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ S. FISCHER; 1. Edition (23. Februar 2022)
    • Übersetzer: ‎ Claudia Marquart
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3103974906
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3103974904
    • Originaltitel : ‎ Le cerf-volant
    • Genre: Roman



Fischer Kurzbeschreibung:
Am Golf von Bengalen will Léna ihr Leben in Frankreich vergessen. Jeden Morgen beobachtet sie das indische Mädchen Lalita, das seinen Drachen fliegen lässt. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita Hilfe bei Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen. Léna überlebt und zusammen mit Preeti schmiedet sie einen Plan, der nicht nur Lalitas Leben grundlegend verändern wird. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Laetitias Colombanis Roman "Der Zopf" hat mich vor Jahren wirklich sehr beeindruckt und noch heute wirkt er bei mir nach. Nun hat die Autorin ihren neuen, und sicher nicht nur von mir heiß ersehnten Roman "Das Mädchen mit dem Drachen" veröffentlicht und kehrt damit nach Indien zurück. 
Léna hat einen schweren Verlust erlitten und steht an einer Wegkreuzung in ihrem Leben. Sie möchte abschalten und über ihre weitere Zukunft nachdenken. Sie reist spontan nach Indien, wo sie die Bekanntschaft mit einem kleinen Mädchen macht, welches jeden Tag ihren Drachen am Strand steigen lässt. Als Léna eines Tages in Not gerät, holt das kleine Mädchen Hilfe bei Preeti, der Anführerin der örtlichen Roten Brigade, die Frauen Selbstverteidigung beibringt. Sie schließt Freundschaft mit den beiden, die der Kaste der Dalit, der Unberührbaren, angehören.
Léna erfährt, dass den Dalit und vorallem generell Mädchen keine Bildung ermöglicht wird. Sie ist seit zwanzig Jahren Lehrerin und beschließt daraufhin ihrer Retterin Lalita die Bildung schenken, die dem lernfreudigen Mädchen aktuell verwehrt bleibt. Ihr Plan, eine Schule in Bengalen zu errichten, stellt sich jedoch als schwieriger heraus, als gedacht.

Als Leser begleiten wir Léna zwei Jahre lang und man bemerkt sehr schnell: Hier treffen zwei Welten aufeinander: Das Leben einer idealistischen westeuropäischen Frau und das von jungen indischen Mädchen und Frauen, die der niedrigsten Kaste angehören und keinerlei Zukunft vor sich haben. Sie gelten als unrein und dürfen nur die niedrigsten Arbeiten verrichten.
Léna denkt natürlich wie wir Europäer und ist entsetzt über die Armut, die Kinderarbeit, Zwangsehen oder sexuelle Übergriffe. Sie sieht für sich eine neue Aufgabe und beginnt alles für die Gründung einer Schule vorzubereiten. Trotz ihres Engagements stößt sie bei den meisten der Dörfler auf Widerstand. Alte Traditionen und der Glaube, dass Mädchen keinen Wert haben, lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen auslöschen. Léna gibt aber nicht so schnell auf und findet bei Preeti Unterstützung. Diese setzt sich schon seit einigen Jahren für junge Mädchen und Frauen ein und übt mit ihnen Kampfsporttechniken, um sich vor Übergriffen und Vergewaltigungen zu schützen.

Als Leser begleiten wir Léna zwei Jahre lang bei ihrem Projekt. Der Schreibstil von Laetitia Colombani ist dabei eher einfach, aber auch poetisch. Dies ergibt genau den Widerspruch, die auch die beiden Kulturen mit sich bringen. Die Autorin schafft mit wenigen Worten intensive Schilderungen. Es gibt kaum Dialoge, aber viel indirekte Rede.
Die Charaktere sind  trotz des schmalen Büchleins sehr gut dargestellt und ich hatte die Figuren sehr eindringlich vor meinen Augen.

Besonders der letzte Abschnitt des Buches hat mich tief ergriffen. Der Roman lebt vorallem durch die starken Kontraste im Leben der Dalit und der Kastenstruktur, die eigentlich schon seit Jahrzehnten verboten ist, aber noch immer ausgeführt wird. Ich hätte es für gut befunden, wenn die Geschichte noch ein bisschen länger oder  ausführlicher gewesen wäre.

Cover:

Die beiden Cover aus Frankreich und Spanien sind fast ident und haben ebenfalls eine grelle Hintergrundfarbe, wie das deutsche Cover.


Fazit:
Ein eindrucksvoller und realitätsnaher Roman, der die noch immer fest verankerten Strukturen und Traditionen des Kastensystems in Indien aufzeigt. Für alle, die bereits "Der Zopf" gelesen haben, kann ich diese kleine weiterführende Geschichte um Lalita empfehlen. Aber auch allen anderen Lesern, die sich für die Lebensumstände der Frauen in Indien interessieren. Auch wenn die Geschichte für mich nicht ganz an den Zopf heranreicht, gebe ich eine Empfehlung ab.

Vielen Dank an den S.Fischerverlag und an Lovelybooks für die Möglichkeit diesen Roman voran lesen zu dürfen.

Mein Fall - Josef Haslinger

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


     

    • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
    • Verlag: S. FISCHER; 3. Edition (29. Januar 2020)
    • ISBN-10 : 3100300580
    • ISBN-13 : 978-3100300584
    • Genre: Biografischer Roman



S.Fischer Kurzbeschreibung:
Als Zehnjähriger wurde Josef Haslinger Schüler des Sängerknabenkonvikts Stift Zwettl. Er war religiös, sogar davon überzeugt, Priester werden zu wollen, er liebte die Kirche. Seine Liebe wurde von den Patres erwidert. Erst von einem, dann von anderen. Ende Februar 2019 tritt Haslinger vor die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Dreimal muss er seine Geschichte vor unterschiedlich besetzten Gremien erzählen. Bis der Protokollant ihn schließlich auffordert, die Geschichte doch bitte selbst aufzuschreiben.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Eine weitere Biografie, die ich schon vor Monaten gelesen habe und die sich ebenfalls mit dem Thema Kindesmissbrauch beschäftigt. Diesmal sind wir wieder bei der katholischen Kirche gelandet, die für viele Fälle dieser Art bekannt geworden ist.

Josef Haslinger ist im niederösterreichischen Waldviertel aufgewachsen. Der Bauernsohn kommt aus einem christlichen Haushalt und war als Junge Minstrant, wie viele Kinder bei uns am Land. Zu dieser Zeit war es nur Jungen erlaubt zu minstrieren. Erst in den 2000 Jahren durften auch (in den Kirchengemeinden, die keinen erzkonservativen Prietser hatten) Mädchen als Minstranten aushelfen. Josef war sehr gläubig und sein Berufswunsch war demnach der eines Priesters. Mit seiner glockenhellen Stimme und seiner musikalischen Begabung fiel er jedoch auf und wurde Mitglied bei den berühmten Wiener Sängerknaben. Sein Glaube war  ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, der jedoch durch genau die Menschen, zu denen er aufgeblickt hatte, zerstört wurde. Erst sehr spät - und zwar nachdem seine Peiniger gestorben sind - legt er Zeugnis ab, was ihm damals im Konvikt des Stiftes Zwettl passiert ist. Haslinger wollte niemanden, der noch lebt, an den Pranger stellen.

»Meine Eltern hatten mich der Gemeinschaft der Patres anvertraut, weil mich dort das Beste, das selbst sie mir nicht geben konnten, erwarten würde. Ich habe sie heimlich oft verflucht, weil sie mich nicht darauf vorbereitet hatten, was dieses Beste sei …«

Manche Leser werden sich denken, dass der Autor viel zu spät mit seinen Bericht an die Öffentlichkeit ging und wie er sich nach so langer Zeit noch detailliert an einige Handlungen erinnern kann. Er hat sie jedoch bereits früher aufgeschrieben und solche einschneidenen Erlebnisse vergisst man sein Leben lang nicht. Ich möchte auf keinen Fall urteilen und ziehe den Hut, dass er sich dazu geäußert hat, was ihm damals widerfahren ist. Dabei wurden ihm auch genug Steine in den Weg gelegt, denn Haslinger versuchte schon früher auf die Missstände in der Kirche hinzuweisen. Er musste jedoch bald feststellen, dass sich das Interesse an Aufklärung und Entschädigung in überschaubaren Grenzen hielt.

Haslinger hat sich mit seiner Biografie endlich seiner Vergangenheit gestellt. Erschütternd liest man, wie der junge Sängerknabe vom zuerst väterlichen Freund und Priester manipuliert und später missbraucht wurde. Für Außenstehende sind die Beschreibungen manchmal vielleicht etwas nüchtern und sachlich, doch ich denke anders hätte der Autor nicht über seine Vergangenheit und die Seelenqualen, die er erleiden musste, schreiben können.
Man schließt das dünne Büchlein mit einem Gefühl von Wut im Bauch und kann verstehen, dass der Autor noch jahrzehntelang unter diesen Vorgängen zu leiden hatte.

Fazit:
Ein bewegender Rückblick in die Kindheit des  Autors Josef Haslinger, der noch jahrezehntelang unter den psychischen und physischen Missbrauch zu leiden hatten. Leider nur ein Fall von zu vielen....


Das Haus der Frauen - Laetitia Colombani

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: S. FISCHER; Auflage: 4. (26. Februar 2020)
    • Übersetzer: Claudia Marquardt
    • ISBN-10: 3103900031
    • ISBN-13: 978-3103900033
    • Originaltitel: Les Victorieuses 
    • Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur



S.Fischer Kurzbeschreibung:
In Paris steht ein Haus, das allen Frauen dieser Welt Zuflucht bietet. Auch der erfolgreichen Anwältin Solène, die nach einem Zusammenbruch ihr Leben in Frage stellt. Im »Haus der Frauen« schreibt sie nun im Auftrag der Bewohnerinnen Briefe - an die Ausländerbehörde, den zurückgelassenen Sohn in Guinea, den Geliebten - und erfährt das Glück des Zusammenhalts und die Magie dieses Hauses. Weil Solène anderen hilft, hat ihr Leben wieder einen Sinn. Doch wer war die Frau, die vor hundert Jahren allen Widerständen zum Trotz diesen Schutzort schuf? Solène beschließt, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron aufzuschreiben.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Laetitia Colombanis Debütroman "Der Zopf" war 2018 ein absolut gehyptes Buch, das ich letztes Jahr gelesen habe und das mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Besonders der Strang aus Indien hat mich mitgenommen und ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Nun ist das zweite Buch der Autorin erschienen und natürlich stellt jedermann Vergleiche zum Zopf an, was nicht wirklich optimal ist. Diese Geschichte ist eine andere und ich muss zugeben, dass auch sie mich nicht wirklich abholen konnte.

Der Roman beginnt vielversprechend und ich konnte mich sehr schnell in die Geschichte einfühlen, was sich aber leider nicht fortsetzte.
Wir haben diesmal zwei Zeitstränge. In der Gegenwart lernen wir die Anwältin Solène kennen. Sie gerät in eine Lebenskrise, als sich einer ihrer Mandaten aus dem Fenster stürzt. Ihre Beziehung ist ebenfalls vor kurzem zerbrochen, woran sie noch immer zu knabbern hat. Sie steigt aus dem Berufsleben aus und versucht ihr Leben irgendwie wieder auf die Reihe zu bekommen. Ihr Therapeut legt ihr ans Herz sich sozial zu engagieren, um ihre eigenen Probleme hintenanzustellen. Sie bewirbt sich als öffentliche Schreiberin und geht daraufhin einmal in der Woche in ein Wohnheim für Frauen, wo sie amtliche Briefe aufsetzt und den Bewohnerinnen beim Umgang mit Behörden hilft. Dort lernt sie Frauen aus unterschiedlichen Ländern und Schichten kennen, deren persönliche Schicksale sie nach und nach kennen lernt und die sie sehr berühren. Und auch zur Geschichte des Hauses erfährt sie Näheres....

Im Vergangenheitsstrang erfahren wir mehr über das Leben von Blanche Peyron, der Gründerin des Hauses für Frauen in Not. Ihr Lebenslauf ist ungewöhnlich. Sie hat sich schon in jungen Jahren der Heilsarmee verschrieben und kämpft gegen die soziale Ungerechtigkeit. Blanche und ihr Mann gelingt dabei Unglaubliches. Obwohl die Heilsarmee in Frankreich beschimpft und belächelt wurde, bringt sie ein Umdenken zustande und gründet eines der größten europäisches Frauenhäuser.

Laetitia Colombani fand das Lebenswerk von Blanche Peyron, die sich Mitte der 1920iger Jahre für obdachlose Frauen einsetzte, bemerkenswert und hat ihren Roman dieser unglaublichen Frau gewidmet.  Jedoch fand ich ihre, bis fast zur Selbstzerstörung betriebene Mission, nicht so heldenhaft, wie es sich die Autorin wohl gewünscht hat. Ich konnte leider zu Blanche kaum eine Bindung herstellen. Colombani erzählt ihre Geschichte eher sachlich, wie einen Lebenslauf . Die löste bei mir kaum Emotionen aus. Unverständlich war mir auch, dass sie sechs Kinder zur Welt gebracht hat, aber ihr Engagement nur der Heilsarmee galt. Im Buch wurden ihre Kinder nicht einmal namentlich erwähnt bzw. zwei oder drei am Ende bei der großen Eröffnungsfeier des Palastes für die Frauen.

Den Gegenwartsstrang fand ich emotionaler. Aber auch hier kamen mir die einzelnen Schicksale der Frauen, die im Frauenhaus näher beleuchtet wurden, zu kurz. Einige davon werden angerissen, aber der eigentliche Charakter vieler Frauen blieb auf der Strecke. Ich litt zwar mit ihnen mit, lernte sie aber nicht wirklich kennen. Solène ist eine typische Frau aus der Oberschicht, die sich keine Gedanken über ihr Einkommen machen muss und hier auf Schicksale trifft, die sie berühren und die ihrem Leben wieder ein bisschen Sinn geben.

Ich bin sehr schnell durch die Geschichte gekommen, aber ob sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird? Ich bin mir da nicht so wirklich sicher...obwohl auch "Der Zopf" bei mir erst später so richtig nachhallte, als direkt nach dem Lesen. Trotzdem war ich damals beim Lesen von der Geschichte von Smita vollkommen eingetaucht und fühlte mit ihr mit...das fehlte mir hier eindeutig. Für mich kommt "Das Haus der Frauen" nicht an Laetitia Colombanis Debütroman heran. Schade!

Schreibstil:
Laetitia Colombanis Schreibstil fand ich in diesem Roman etwas nüchterner und war mir diesmal fast zu sachlich. Mir fehlte es an Emotionen und Tiefe. Die oftmals sachliche Beschreibung, vorallem im Vergangenheitsstrang, konnte mich nur mäßig packen. Das ist schade, denn das Plädoyer für Solidarität und mutige Frauen, dem sich die Autorin hier angenommen hat, ist ein wichtiges Thema.

Cover:


von links nach rechts: 
das französische Originalcover und die Cover aus Spanien und der Niederlande


Fazit:
"Das Haus der Frauen" kommt leider nicht an "Der Zopf", den Debütroman der Autorin heran, hat aber einen interessanten Plot. Trotzdem konnte mich die Geschichte von Blanche und Solène nicht richtig abholen. Deswegen vergebe ich diesmal nur 3 Sterne....

Offline - Arno Strobel




    • Broschiert: 368 Seiten
    • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 8. (25. September 2019)
    • ISBN-10: 3596703948
    • ISBN-13: 978-3596703944
    • Genre: Thriller, Psychothriller


Fischer Kurzbeschreibung:
Fünf Tage ohne Internet. Raus aus dem digitalen Stress, einfach nicht erreichbar sein. Digital Detox. So das Vorhaben einer Gruppe junger Leute, die dazu in ein ehemaliges Bergsteigerhotel auf den Watzmann in 2000 Metern Höhe reist. Aber am zweiten Tag verschwindet einer von ihnen und wird kurz darauf schwer misshandelt gefunden. Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Denn sie sind offline, und niemand wird kommen, um ihnen zu helfen ...


Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue Thriller von Arno Strobel ist mir bereits im Vorfeld aufgefallen. Schon alleine das Cover ist ein Hingucker und das Thema Detox momentan in aller Munde. Ich sitze zwar auch täglich im Büro und danach auch zuhause Stunden vor dem PC, aber ein Handyfreak bin ich überhaupt nicht. Im Gegensatz zu den jungen Leuten von heute bin ich ohne Handy aufgewachsen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich nicht so sonderlich gut auskenne, auch wenn ich auf Instragram bin. Ein paar Tage ohne dem Teil wäre für mich eher kein Problem.
Für die Gruppe, die sich bei der Agentur Triple-O Journey angemeldet haben, um sich auf eine digitale Auszeit zu begeben, scheint es jedoch nicht so einfach zu sein. Die Veranstalter Johannes, Ellen und Nico haben sich als Location für dieses Abenteuer ein noch nicht fertig gestelltes Hotel am Königssee ausgesucht. Obwohl heftiger Schneefall gemeldet wird, soll die Wanderung auf den Watzmann stattfinden. Hier musste ich das erste Mal mit der Stirn runzeln, denn kein erfahrener Bergführer würde mit einer Gruppe unerfahrener Wanderer bei dem gemeldeten Wetterbedingungen aufsteigen. Aber gut...es ist ein Thriller und dieses Detail ist wichtig für den Plot...also ein Auge zugedrückt.
Zur Reisegruppe gehören auch Jenny, die Chefin einer Kommunikationsgesellschaft, die mit ihrem Team rund um Thomas, Anna und Florian ein Wochenende offline verbringen möchte. Sie ist die Ich-Erzählerin der Geschichte und Hauptprotagonistin. Dabei sind auch Sandra, eine Angestellte, das Ehepaar Annika und Matthias, sowie der Vermögensberater David. Es kommt, wie es kommen muss....der angekündigte Schneefall setzt noch stärker ein, als prognostiziert und die Gruppe ist im Hotel mit den anwesenden zwei Hausmeister eingeschlossen.
Bereits in der ersten Nacht ist ein Teilnehmer der Gruppe verschwunden und wird später zwar lebend gefunden, ist jedoch all seiner Sinne beraubt. Er kann weder hören, noch sehen oder sprechen und ist in seinem eigenen Körper gefangen....eine sehr grausame Vorstellung!

Vom Autor kenne ich bereits "Fremd", das er gemeinsam mit Ursula Poznanski geschrieben hat. "Offline ist nun mein erstes Buch von Arno Strobel, das aus seiner Feder stammt. In seinem neuen Thriller nimmt er sich einer nicht mehr ganz neuen Idee an, die aber noch immer zieht: Eine Gruppe Menschen eingesperrt in einem Gebäude, abgeschnitten von der Außenwelt, das wachsende Misstrauen der Figuren untereinander und ein Toter nach dem anderen, wobei man die Gewissheit hat, dass sich der Täter nur unter den Teilnehmern der eingeschlossenen Gruppe befinden kann. Richtig perfekt für Gänsehautfeeling!
Das erhält man allerdings nur teilweise. Die Tötungsart ist grausam, die Spannung hoch, jedoch fand ich die Figuren etwas stereotyp, die etwas mehr Tiefe vertragen hätten. Auch die immer selben Dialoge und Streitigkeiten beginnen mit der Zeit zu nerven und die Handlungen der Figuren sind nicht immer nachvollziehbar, erhöhen aber die Spannung. Und spannennd ist das neue Werk von Arno Strobel allemal. Man rast förmlich durch das Buch und hält den Atem an. Das Ende hätte gerne noch etwas länger und ausführlicher sein können und der Titel "Offline" birgt eigentlich nur für die angegebene handylose Zeit, die durch die Störung des Netzes wegen dem Schneesturms sowieso eingetroffen wäre....

Wie schon vorher erwähnt ist der Plot nicht unbedingt neu, aber seit Agathe Christie`s "Zehn kleine Negerlein" noch immer sehr beliebt. Ich muss aber sagen, dass ich bei dieser Art von "Whodunit Krimis" den wirklich sehr guten Krimi "Blutlauenen" von Christof Gasser bevorzuge, den ich sehr gerne weiterempfehle. Ich fand ihn weitaus besser und er hat auch noch einen Strang aus der Vergangenheit, der dem Morden a la 10 kleine Negerlein wirklich auch Sinn ergibt...

Schreibstil:
Der Schreibstil ist eher einfach, lässt sich aber wunderbar flüssig lesen. So eilt man von Seite zu Seite, um der Auflösung näher zu kommen. Die unheimliche Stimmung im teilweise restaurierten Hotel wird großartig vermittelt. Um die Spannung noch zu erhöhen lesen wir neben der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin Jenny auch noch aus anderen Sichweisen.

Fazit:
Ein sehr spannender Thriller, der allerdings nicht unbedingt etwas Neues erzählt. Das Motiv für die Tötungen ist interessant, die Lösung gut gewählt. Für spannende Lesestunden kann ich den neuen Thriller von Arno Strobel allemal empfehlen!


Der Zopf - Laetitia Colombani




    • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
    • Verlag: S. FISCHER; Auflage: 2 (21. März 2018)
    • Übersetzer: Claudia Marquardt
    • ISBN-10: 3103973519
    • ISBN-13: 978-3103973518
    • Originaltitel: La tresse
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Fischer Kurzbeschreibung:
Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung. Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb


Warnung: Der Klappentext verrät zu viel vom Inhalt! Wenn möglich nicht vorher lesen!

Meine Meinung:
Ein richtiger Zopf besteht aus drei einzelnen Strähnen, die sich am Ende zusammenfügen. Genauso ist dieser Roman von Laetitia Colombani. Er erzählt von drei sehr unterschiedlichen Frauen, die auf den ersten Blick nicht wirklich viel gemeinsam haben. Und doch verbindet sie einiges...

Die Geschichten der drei Frauen wechseln sich immer wieder ab. Wir lesen zuerst über Smita aus Indien, dann über Giulia aus Sizilien und Sarah aus Kanada und jeder Part endet mit einem kleinen Cliffhanger, sodass man das Gefühl bekommt einfach weiterlesen zu wollen. So begleiten wir abwechselnd Smita, Giulia und Sarah in ihren sehr verschiedenen Leben.

Die Autorin hat mich besonders mit dem Strang rund um Smita beeindruckt. Diese ist eine Dalit, eine Unberührbare, die am untersten Ende der Gesellschaft steht. Sie hat keinerlei Rechte und null Chancen mehr aus ihrem Leben machen zu können. Die Beschreibung ihrer Aufgabe, der Einsammlung von Exkrementen höher gestellter Inder wird sehr eindringlich beschrieben. Den Gestank konnte ich durch die lebendige Beschreibung fast riechen. Ebenso erfährt man detailiert von der Arbeit ihres Ehemann Nagajaran, einem Rattenfänger. Sein Fang ist das tägliche Essen seiner Familie. Lohn erhält Smita keinen, bestenfalls ein paar Essenreste. Smita's größter Wunsch ist es ihre Tochter Lalita in die Schule zu schicken und ihr ein ähnliches Schicksal als Müllsammlerin zu ersparen. Mit Nagajaran hat sie einen guten Ehemann gefunden und die Beiden geben ihr  gesamtes Erspartes einem Lehrer, damit Lalita die Schule besuchen kann. Dieser nimmt das Geld, verwehrt Lalita aber den Unterricht. Smita kann diese Schmach nicht hinnehmen und flieht mit ihrer Tochter... 
Man erfährt in Smitas Abschnitt sehr viel über das Kastensystem, dem Glauben, die Armut und die Diskriminierung von Frauen. Nachdem man die Verbrennung der Witwen großteils abgeschafft hat, haben diese Frauen denselben Status wie Dalits und werden geächtet. Es ist schockierend zu lesen, wie Frauen in Indien behandelt und die Gesetzte missachtet werden.

Der Abschnitt um Giulia in Sizilien konnte mich anfangs nicht sofort begeistern. Giulia ist die jüngste Tochter der letzten sizillianischen Perückenmanufaktur in Palermo. Hier werden noch Echthaarperücken aus ausschließlich sizilianischen Haaren geflochten. Im Gegensatz zu ihren Schwestern interessiert sie sich für das kleine Firmenunternehmen und arbeitet selbst fleißig mit. Giulia möchte später in die Fußstapfen des Vaters treten. Das passiert allerdings schneller als ihr lieb ist, denn als ihr Vater nach einem Verkehrsunfall im Koma liegt, entdeckt sie, dass die Firma hoch verschuldet ist und auch der Privatbesitz samt Haus gepfändet werden kann.  Ihre Mutter und ihre Schwestern tendieren zur Aufgabe der Fabrik. Kunsthaar oder Haare aus anderen Ländern kommen nicht in Frage. Sie bestehen auf Tradition oder Verkauf, doch Giullia glaubt an Weiterentwicklung und will nicht so schnell aufgeben. Als sie sich in einem Mann mit Flüchtlingsstatus verliebt, beginnt sie zu kämpfen - für die Fabrik, die Arbeiter und die Liebe.

Die Dritte im Bunde ist Sarah, die in Montreal, Kanada lebt. Sie erscheint neben Smita und Giulua wie ein Mensch von einem anderen Stern. Sie ist eine Karrierefrau, alleinerziehend und steht kurz davor Partner in der Anwaltskanklei zu werden, in der sie arbeitet. Als Frau muss sie noch härter arbeiten, Schwäche ist unerwünscht, denn "In einem Haifischbecken sollte man lieber nicht bluten". Sarah lebt den Perfektionismus und hat alles im Griff....bis ihr das Schicksal ein Schnippchen schlägt und sie schwer erkrankt. Sie verschweigt ihre Krankheit, wie sie auch ihre Kinder verschwiegen hat und bemerkt sehr schnell, dass Schwäche und Krankheit ein Hindernis ist, um mitspielen zu dürfen...

Sehr gefallen hat mir der Aufbau des Romans - die drei Handlungsstränge, die einander beeinflussen und sich am Ende verbinden...wie ein Zopf.

Smitas Erzählstrang ist eindeutig am intensivsten und hat mich sehr berührt. Alle drei Protagonistinnen kämpfen gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Missachtung der Menschen- und Frauenrechte und für ein besseres Leben, manchmal auch ums Überleben. Der rote Faden der sich durch den Roman zieht, ist das Haar. Für alle drei Frauen haben Haare eine besondere Bedeutung, die ich hier nicht verraten möchte.

Inhaltlich steckt in diesem nur 288 Seiten starken Buch sehr viel. Einzig die Nebenfiguren blieben etwas blass. Die Autorin hat sich größtenteils auf ihre drei Protagonistinnen fixiert.
Das Ende fand ich etwas abrupt und hier hätte ich mir gerne noch mehr Seiten gewünscht. Es werden zwar die wichtigsten Fragen beantwortet, es bleiben jedoch ein paar davon offen. Man kann sich aber selbst das weitere Schicksal von Smita, Giulia und Sarah vorstellen und blickt auf einen hoffnugsvollen Ausgang der Geschichte.

Schreibstil:
Der aussagekräftige und klare Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Laetitia Colombani schreibt sehr einfühlsam und bildhaft. Dialoge gibt es kaum, dafür viel indirekte Rede. Die Gedanken und Gefühle von Giulia und Sarah hätten noch mehr in die Tiefe gehen können.

Cover:

von links nach rechts:
Die Cover aus Italien, Schweden, Rumänien, Portugal, Tschechien und dem Original aus Frankreich

Fazit:
Ein bemerkenswerter Debutroman über drei beeindruckende Frauen, der mir noch lange im Gedächtnis beleiben wird. Gerne hätte ich noch mehr über Smita, Giulia und Sarah gelesen...ein paar mehr Seiten hätten der Geschichte gut getan. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


 

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