Posts mit dem Label ABC Challenge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ABC Challenge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Yesteryear - Caro Claire Burke

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag, Erstauflage, (29. April 2026)
    • Übersetzer: Lisa Kögeböhn, Dietlind Falk
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453275357
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453275355
    • Originaltitel: ‎ Yesteryear
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Belletristik



Heyne Kurzbeschreibung:
Natalie Heller Mills hat alles: eine malerisch renovierte Farm, fünf Kinder, die um ihre Liebe buhlen, und einen Mann, der in Cowboystiefeln immerhin eine gute Figur abgibt. Vom Sauerteig bis zur Kindererziehung, nichts scheint ihr zu misslingen. Kein Wunder also, dass Millionen von Menschen ihr folgen, ihre Videos schauen, ihre Bilder anklicken. Sie gibt ihnen das, was sie wollen: eine heile Welt. Skandale werden unter den Teppich gekehrt, da, wo sie hingehören. Doch eines Tages wacht Natalie auf und sieht sich mit einer unbequemen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn sie keine Nannys beschäftigen könnte, es keine helfenden Hände auf der Farm gäbe, kein Produktionsteam? Was wäre, wenn sie auf einmal das Leben führen müsste, das sie immer vorgetäuscht hat?

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
In den letzten Monaten kam wohl niemand um die Hype von "Yesteryear" herum. Auch ich nicht und immer wieder fragte ich mich, ob ich mir das Buch kaufen soll oder nicht. Dann habe ich es meiner Bücherei vorgeschlagen und jetzt wird es sogar zum Buchclub-Buch. Dafür eignet es sich perfekt, denn man kann herrlich darüber diskutieren! Leider kann ich den Buchclub dort nicht beitreten, weil die Treffen immer am Vormittag sind. Da muss ich arbeiten....
Aber zurück zu "Yesteryear"....
Gleich vorweg: In meiner gesamten Lesezeit ist mir noch nie eine so unsympathische Protagonistin in einem Buch begegnet. Trotzdem war ich gespannt, wie Natalie in die angekündigte Situation kommt, die am Klappentext angekündigt ist und mich deshalb zur Geschichte greifen ließ.....

Natalie lebt die traditionellen Werte einer gläubigen Frau im Patriarchat und inszeniert ihren Alltag Social Media tauglich für ihre vielen Follower. Die malerisch renovierte Farm, ihr Mann Caleb und die fünf Kinder, denen sie sich tagtäglich mit viel Liebe widmet - all das ist nur inszeniert. Abseits der Kameras passen diverse Nannys auf ihre Kinder auf, arbeiten Gastarbeiter auf den Feldern und hat eine eigene Produzentin, die Natalie und die Kinder ins rechte Licht setzt. Kritische Stimmen nimmt sie nicht ernst und verharmlost sie als Neid von frustrierten Frauen.
Und dann wacht Natalie plötzlich in der ihr so glorreich beschriebenen einfachen Welt vor 150 Jahren auf. Sie ist am selben Ort, doch die Farm ist viel kleiner, schmutziger und es fehlen natürlich alle technischen Hilfsmittel. Caleb ist gealtert und ein grober Mann, der nicht vor Handgreiflichkeiten zurückschreckt. Die vier Kinder, die bei ihr wohnen, sehen ihren Kindern ähnlich, sind es aber nicht und heißen anders. Was ist passiert?

Caro Clare Burke springt zwischen den Zeitebenen ständig hin und her. Wir erfahren in Rückblicken über Natalies traditionelles religiöses Elternhaus, ihrem Studium und vor allem über ihren Ehrgeiz, den stark sektenähnlichen Glauben und dem Wunsch einfach "mehr" zu sein....über alles zu stehen.
 
Man befindet sich oft in Natalies Gedankenwelt, denn die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Sie ist jedoch keine zuverlässige Erzählerin, denn wir erleben alle Ereignisse nur aus ihrer Sicht. Natalie urteilt schnell über andere und versteht es für sich selbst nur das Beste rauszuholen. Sie ist oft unzufrieden, widersprüchlich und voller Selbsttäuschung.
Mit Caleb hat sie einen Mann gewählt, der in erster Linie der Sohn eines reichen und politisch engagierten Wirtschaftsmoguls ist. Seinen Wunsch, eine Farm in Idaho zu bewirtschaften, erfüllt Natalie ihm und setzt dies medienwirksam um. Caleb wirkt dort jedoch völlig deplatziert - was bald zum Problem wird.
Ab diesem Zeitpunkt hätte ich gerne ein bisschen mehr vom harten Alltag auf dem Hof erfahren. Die Autorin konzentriert sich jedoch zu sehr auf die inneren Konflikte der Hauptfigur und zeigt zu wenig von der anstrengenden Arbeit und der Einsamkeit auf dem Hof. Dadurch wirkt das Leben im 19. Jahrhundert sehr künstlich und theoretisch aufgebaut - fast wie eine Kulisse aus der zuvor dargestellten Social Media Welt, die der Roman eigentlich kritisieren will.
Der Schreibstil ist gut, aber in Natalies Gedanken auch manchmal etwas derb. 

Während des Lesens habe ich natürlich viele Vermutungen angestellt, wie Natalie plötzlich in die Pionierzeit um 1855 kam. Das Ende, das Caro Claire Burke gewählt hat, habe ich allerdings nicht kommen sehen und finde es gut gelöst. 
Insgesamt ist der Roman lesenswert - trotz einiger Längen in der Mitte. Es geht um Selbstinszenierung, um traditionelle Rollenbilder und der Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es so vermutlich nie gegeben hat. 
Die Filmrechte hat sich bereits Anne Hathaway gesichert. Eine Verfilmung zu dieser Geschichte kann ich mir wirklich sehr gut vorstellen.

Cover:
von links nach rechts:
die britische und die amerikanische Ausgabe, das spanische Cover, das portugiesische, das schwedische und das slowenische Cover

Fazit:
Ein Roman, der mit einem hochaktuellem Thema und klugen Beobachtungen über Social Media punktet. Wird er der Hype gerecht? Für mich nicht wirklich - trotzdem bin ich froh, diese doch eher ungewöhnliche Geschichte gelesen zu haben. 


Keine Angst, Darling - Vera Buck

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Broschierte Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: ‎ Lübbe, 1. Auflage (3. August 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3757702689
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3757702687
    • Genre: Thriller, Psychothriller




Lübbe Kurzbeschreibung:
In der Luxussiedlung Santa Familia in Florida hat Lea endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: ein sicheres Zuhause, eine Tochter, die sie über alles liebt, und einen Mann, der sie auf Händen trägt. Für ihr schillerndes Leben wird sie online von Millionen gefeiert - nur ihre Schwester Paula misstraut der makellosen Inszenierung. Als Lea plötzlich verstummt, reist Paula besorgt von Deutschland nach Florida. Doch in der Sancta Familia ist ihre Schwester nicht. Ihr Mann behauptet, sie sei in einem Retreat. Aber warum gibt es kein Lebenszeichen? Je tiefer Paula in die scheinbar heile Welt der Siedlung eindringt, desto sichtbarer werden die Risse: Strenge Regeln erfordern bedingungslosen Gehorsam. Und Frauen, die sich widersetzen, verschwinden ...

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Vera Bucks neuer Thriller ist wieder absolut gelungen! "Keine Angst, Darling" befasst sich ebenfalls mit dem Tradwife Thema, nachdem der Roman "Yesteryear" erst vor kurzem das Thema aufgegriffen hat. 

Lea lebt als sogenanntes "Tradwife", das Ideal einer Ehefrau und Mutter nach dem Vorbild der 1950er Jahre. Als erfolgreiche Influencerin teilt sie ihr makelloses Leben mit Millionen von Followern. Für ihre ältere Schwester Paula ist dieser neue Lebensentwurf von Lea unverständlich und sie kann ihren radikalen Sinneswandel nicht nachvollziehen. Seit einem folgenschweren Vorfall in der Jugend ist das Verhältnis der beiden Schwestern nicht mehr dasselbe. Dennoch fühlt sich Paula weiterhin für Lea verantwortlich. Als ihr Kollege Paula darauf anspricht, dass Lea seit einiger Zeit nichts mehr veröffentlicht hat, wird sie misstrauisch. Alle ihre Versuche Lea zu erreichen bleiben erfolglos. Ihre Schwester scheint wie vom Erdboden verschluckt und Paulas Bauchgefühl sagt ihr, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Kurzerhand lässt sie ihren Lebensgefährten und ihre drei Jungs in Deutschland zurück und fliegt in die Staaten, um nach Lea zu sehen. Doch in der Gemeinde der Santca Familia, einer Gated Community (= bewachte, geschlossene Wohnanlage mit strengen Zugangsbedingungen) wo Lea mit ihrem Mann Matt und ihrer Tochter Emma lebt, ist sie nicht. Matt versichert ihr, dass Lea in einem Retreat wäre, um sich eine kleine Auszeit zu gönnen. Doch Lea bleibt unauffindbar und Paula macht sich auf die Suche....
Bald erkennt Paula, dass diese sogenannte Santca Familia Strenge regeln aufgestellt hat: bedingungslosen Gehorsam der Ehefrauen gegenüber ihrem Ehemann, systematische Erniedrigungen und Unterwerfung sind selbstverständlich. Frauen, die sich widersetzen sind eines Tages verschwunden...wie Lea.....

Die Story hat mich von der ersten Seite an gepackt und in einen regelrechten Lesesog gezogen, dem ich mich kaum entziehen konnte. Im Mittelteil gibt es zwar ein paar kleinere Längen, doch das fulminante Finale macht diese mehr als wett.

Die Geschichte wird einmal aus der Sicht von Lea und einmal aus der von Paula erzählt. Zusätzlich gibt es noch Ausschnitte aus einem Haushaltsbuch, welches als Tagebuch verwendet wurde, sowie Posts von Lea und Kommentare von Followern, wie auch Interviews.
Durch die wechselnde Erzählperspektive entsteht eine unterschwellige Spannung, die sich immer weiter aufbaut. Ein Gefühl der Bedrohung schwingt von Anfang an mit. Die Grundstimmung ist beklemmend, die Dynamik jederzeit greifbar.

Die Figuren sind facettenreich und lebendig dargestellt. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und fesselnd.

Das Thema Tradwife ist für mich verstörend. Ein Trend, der seit einigen Jahren wieder ins Rampenlicht rückt und hart erkämpfte Errungenschaften von Selbstbestimmung und Emanzipation mit einem Schlag infrage stellt. Ich frage mich, wofür wir Frauen über Jahrzehnte hinweg so hart gekämpft haben: für das Recht auf ein eigenes Konto, auf Bildung, einen Beruf, den Führerschein und ein selbst bestimmtes Leben. Umso unverständlicher ist es für mich, wenn heute Lebensentwürfe glorifiziert werden, in denen bedingungsloser Gehorsam und die Unterordnung unter den Mann als erstrebenswert gelten. Dieser Gedanke ist für mich absolut erschreckend.
Im Nachwort greift Vera Buck das zentrale Thema des Buches nochmals auf und liefert dazu so einige Denkanstöße.

Fazit:
Ein sehr spannender und atmosphärischer Thriller, der mir Gänsehaut bereitet hat. Ich empfehle "Keine Angst, Darling" sehr gerne weiter!


Vielen Dank an Bastei Lübbe und Lovelybooks für das Vorabexemplar

Brombeerblaue Tage - Simone Veenstra

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: ‎ Rowohlt Wunderlich, 1. Auflage  (15. Mai 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 380520129X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3805201292
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Rowohlt Kurzbeschreibung:
Elisas Leben ist eng getaktet. Als Landschaftsarchitektin hetzt sie von einem Projekt zum nächsten, immer erreichbar, immer unter Strom. Als ihr Vater zu einer Untersuchung ins Krankenhaus muss, willigt sie widerstrebend ein, für einige Tage sein Gutshaus auf Rügen zu hüten. Auf der Insel angekommen, ist Elisa entsetzt. Das Haus entpuppt sich als Sanierungsprojekt, der Garten ist von Brombeerranken überwuchert, WLAN und fließend Wasser gibt es nur unter freiem Himmel. Während sie versucht, das Chaos zu bewältigen, entdeckt Elisa ihre Liebe zu den Pflanzen wieder. Sie nimmt sich des verwilderten Grundstücks an und stößt dabei auf Geheimnisse aus der Vergangenheit der Insel, die auch auf ihr eigenes Leben ein neues Licht werfen. Elisa muss sich entscheiden. Kann sie sich auf Rügen ein neues Leben aufbauen?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Elisa ist erfolgreiche Landschaftsarchitektin in Berlin. Obwohl sie ihre Arbeit liebt, ist ihr Arbeitstag lang und sie ist fast immer 24/7 erreichbar. 
Als sie mitten in einem größeren Projekt den Anruf ihres Vaters erhält, der sich normaler Weise nur zum Geburtstag und zu Weihnachten meldet, ist Elisa überrascht. Er muss ins Krankenhaus zu einer Untersuchung und bittet sie ein paar Tage auf seinen Hund und das Haus aufzupassen. Als Elisa auf Rügen ankommt, findet sie ein restaurierungsbedürftiges Gutshaus vor, ohne Warmwasser und WLAN nur unter freien Himmel. Wie soll sie hier ihrer Arbeit nachgehen? Und was zum Henker hat sich ihr Vater dabei gedacht? Seitdem er die Familie verlassen hat, hatte Elisa nur wenig Kontakt zu Henk, den sie nur beim Vornamen nennt.
Als Großstadtpflanze kommt sie bald an ihre Grenzen. Während ihr Vater länger im Krankenhaus bleiben muss, macht Elisa eine überraschende Entdeckung, die sie erkennen lässt, wofür ihr Herz wirklich schlägt. Die Begegnungen mit den liebenswerten und manchmal etwas schrulligen Inselbewohnern sorgten immer wieder für ein Schmunzeln. Besonders schön ist es mitzuerleben, wie das alte Gutshaus, der verwilderte Garten und die zauberhaften Gewächshäuser nach und nach wieder zum Leben erwachen.

Elisa hat die Liebe zu den Pflanzen von ihrer Großmutter, die ihr schon als Kind mehr über Blumen, Kräuter und Sträucher spielerisch beigebracht hat.
Die Annäherung zwischen Vater und Tochter, aber auch die Entwicklung von Elisa, die endlich ihren eigenen Weg findet und zur Ruhe kommt, ist schön zu lesen, war mir allerdings zu oberflächlich. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin nicht nur die Pflanzen sehr ausführlich beschreibt, sondern auch die Figuren in ihrem Roman. Sowohl Elisa und ihr Vater, als auch die Nebencharaktere blieben für mich etwas distanziert - wie auch mancher ihrer Beweggründe.

Die Geschichte ist ruhig und vermittelt eine angenehme Atmosphäre. Die Naturverbundenheit ist in diesem Roman auf jeder Seite spürbar. Allerdings greift die Autorin für meinen Geschmack auch zu viele Themen auf. Auf knapp 300 Seiten fehlt dadurch manchen Handlungssträngen die Tiefe, die sie verdient hätten. Die schwierige Vater-Tochter Beziehung und die schwere Erkrankung des Vaters, die totale Überlastung und Unzufriedenheit im Job und die historischen Ereignisse betreffend den verwunschenen Garten des Gutshauses. Das sind einfach zu viele Themen, um nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Dementsprechend schnell werden auch die letzten Kapitel abgehandelt, was ich sehr schade fand.

Am Beginn jedes Kapitels befindet sich die Zeichnung einer Pflanze, sowie eine genaue Erklärung über ihre Herkunft und ihre Eigenschaften. Ein interessantes "Zuckerl", das mir gefallen hat.

Fazit:
Ein sehr ruhiger und atmosphärischer Roman, der leider zu viele Themen aufmacht und diese nur oberflächlich behandelt. Die Landschafts- und Pflanzenbeschreibungen sind hingegen sehr bildhaft und ausführlich. Eine nette Lektüre, aber nicht mehr und nicht weniger.



In Bloom - Liz Allan

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Unionsverlag, 1. Auflage ( 9. Juli 2026)
    • Übersetzer: Lisa Kögeböhn
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3293006361
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3293006362
    • Originaltitel: ‎ In Bloom
    • Genre: Coming of Age Roman


Unionverlag Kurzbeschreibung: 
1994, eine abgehängte australische Kleinstadt: Vier Freundinnen wollen dem Mindestlohn-Schicksal ihrer Mütter entkommen und mit ihrer Musik beim Battle of the Bands durchstarten. Kurt Cobain ist ihr Kompass, Grunge ihr Rhythmus, und dieser Wettbewerb soll ihr Ticket in die Freiheit werden – auch wenn sie nur drei Akkorde können. Doch als die Leadsängerin Lily ihren verehrten Musiklehrer Mr P des Missbrauchs beschuldigt, droht alles zu zerbrechen. Wie weit sind die übrigen drei Mädchen bereit zu gehen, um ihren Traum zu retten – und was sind sie bereit zu opfern?
Eine kritische Hommage an die nicht so rosigen 90er und ihre zweifelhaften Helden, ein ungeschönter Blick auf Freundschaft und das Aufwachsen in prekären sozialen Verhältnissen – smells like disillusioned teen spirit.

Meine Bewertung: * * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Als ich in der Verlagsvorschau des Unionverlages diesen Roman sah, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein Coming-of-Age Roman aus den Neunziger Jahren rund um die Musik von Nirvana und vier Mädchen, die Kurt Cobain verehren. Das ist genau das Richtige für mich - dachte ich.

Liz Allan erzählt jedoch eine Geschichte von vier Freundinnen aus prekären Familienverhältnissen, denen jegliche Perspektive fehlt.
Lily, Amy, Violet und Jade sind vierzehn Jahre alt und alle vier wachsen bei ihren alleinerziehenden Müttern auf. Ihr Leben ist geprägt von Armut und Perspektivlosigkeit. Während der nächste arbeitslose Freund ihrer Mütter sich im Wohnzimmer mit einer Flasche Bier breit macht, wissen die Frauen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.  Sie kämpfen mit finanziellen Sorgen und der Herausforderung mehrere Kinder zu versorgen, die alle unterschiedliche Väter haben.
Nur der Musiklehrer, genannt Mr. P, gibt den Mädchen etwas Selbstvertrauen. Die Mädchen verehren Kurt Cobain und die Band Nirvana. Sie nennen sich "The Bastards", weil sie alle ohne Vater aufwachsen. Der "Battle of the Bands", ein Bandwettbewerb, soll ihre triste Lage ändern, damit sie die ungeliebte Küsten-Kleinstadt in Australien verlassen können. Die Mädchen möchten dem Schicksal ihrer Mütter entkommen, doch dann wird Mr. P. von Lily wegen Belästigung angezeigt. Es kommt zum Streit zwischen Lily und den drei Freundinnen, die daraufhin die Band verlässt. Ohne Leadsängerin und in Folge auch ohne Hilfe von Mr. P., der festgenommen wird, sehen die Freundinnen ihren Traum platzen und wollen die Unschuld des Musiklehrers beweisen....

Ihre Selbsttäuschung, der Band-Wettbewerb allein werde sie aus der Kleinstadt führen und schlechte schulische Leistungen hätten keine Konsequenzen, ließ mich immer wieder enttäuscht den Kopf schütteln. Gerade diese Illusion führt die Mädchen immer weiter weg von ihrem Traum und auf einen gefährlichen Irrweg.
 
Die Kapitel sind kurz und manche Seiten nur halb befüllt. Das verleitet immer weiterzulesen, aber es hat auch die Folge, dass ich mich nicht wirklich in die ganze Situation hineinfühlen konnte und mir die Freundinnen fremd blieben. 
Die Sprache ist rotzig und frech, wie die drei Mädchen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ihren Heimatort in Australien endlich zu verlassen. Liz Allan erzählt dabei aus der ungewöhnlichen "Wir-Perspekitve", wodurch die einzelnen Hauptfiguren kaum voneinander zu unterscheiden sind – und genau das ist beabsichtigt. Die Mädchen treten als Einheit auf: als Freundinnen, als Opfer und zugleich als Täterinnen. Die Sprache wirkt authentisch und zeigt auch auf, wie unsicher die jungen Mädchen sind. Sie haben nicht wirklich einen Plan, aber wissen, dass sie nicht so enden wollen, wie viele junge Frauen aus ihrem Stadtviertel.

Die Autorin erzählt bildhaft und zeigt auf, wie das Drama seinen Lauf nimmt. Die durchgehend düstere Atmosphäre drückt auf die Stimmung und zieht einen beim Lesen etwas runter.
Liz Allan erzählt davon, wie Armut, Perspektivlosigkeit und fehlende Chancen Jugendliche formen und wie Freundschaft und Musik Hoffnung schenken kann, wenn das Zuhause keinen Halt bietet. Der Zusammenhalt der drei Freundinnen hat mich berührt.

Lisa Kögeböhn hat bei der Übersetzung die bedrückende Atmosphäre perfekt transportiert. 
Ein Pluspunkt an den Verlag, der die Übersetzerin am Cover namentlich genannt hat. Das würde ich gerne auch bei anderen sehen! 

Leider hat der Coming-of-Age Roman nicht ganz meinen Nerv getroffen, obwohl mir die Geschichte eigentlich gefallen hat. Die Handlung konnte mich jedoch nicht vollständig überzeugen und manchmal war mir auch die Sprache zu jugendlich. Das passt natürlich perfekt zur Geschichte - ich bin wohl schon zu alt dafür.

Cover:
von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Cover aus Großbritannien und den USA

Fazit:
"Smells like Teen Spirit" passt perfekt zu diesem Coming-of-Age Roman, der mich jedoch nicht gänzlich überzeugen konnte. Im bin beim Lesen oft abgeschweift und konnte mich nicht wirklich hineinfühlen. Das kann nicht nur an meinem Alter liegen, denn mein letzter gelesener Roman - ebenfalls aus den Neunziger Jahren und aus diesem Genre - war für mich ein Highlight.


Vielen Dank an den Unionsverlag für das Rezensionsexemplar!

Pfötchen, Strand und Liebesglück - Petra Schier

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ HarperCollins Taschenbuch, 1. Auflage (23. Juni 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3365013024
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3365013021
    • Genre: Liebesroman
    • Reihe: Band 9 der Licherhaven Reihe


HarperCollins Kurzbeschreibung:
Für Chloe bricht eine Welt zusammen, als ihr Verlobter ihr gesteht, dass er sie zwar heiraten möchte, aber nicht liebt. Als wäre das nicht genug, verliert sie ein Jahr später auch noch ihren Job. Um ihr Herz zu heilen und einen Neustart zu wagen, zieht sie zu ihrer Zwillingsschwester Isalie nach Lichterhaven und beginnt auf dem Erlebnishof ihrer Familie zu arbeiten. Langsam kehrt wieder Ruhe in ihr Leben ein – bis sie auf den mürrischen Nachbarn Tristan trifft. Trotz anfänglicher Abneigung entdecken beide, dass sie mehr verbindet, als sie erwartet hatten. Kann die Liebe, unterstützt von einem kleinen Dackel namens Cooper, alte Wunden heilen und neues Glück schenken?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Wie jedes Jahr im Sommer muss ich einfach zurück nach Lichterhaven und den neuen Roman von Petra Schier lesen. 
Für mich fühlt sich die Rückkehr nach Lichterhaven wie ein Wiedersehen mit alten Freunden an. Bekannte und liebgewonnene Figuren sorgen für ein schönes Wiedersehen, während neue Charaktere frischen Wind in die Geschichte bringen. Immer dabei ist ein vierbeiniges Fellknäuel, welches alleine schon mein Herz in Rekordtempo erobert. Diesmal ist es der zuckersüße Dackel Cooper...

"Pfötchen, Strand und Liebesglück" ist der achte Band der Reihe, die man auch einzeln lesen kann. Die Figuren sind immer nur lose verbunden. Im letzten Band hat es die Influencerin Isalie nach Lichterhaven verschlagen und im aktuellen Buch reist ihre Zwillingsschwester Chloe zu ihr, um ihr gebrochenes Herz zu heilen.
Kurz vor der Hochzeit hat ihr ihr Verlobter gestanden, sie zwar heiraten zu wollen, aber sie nicht zu lieben. Chloe fällt aus allen Wolken und sagt die Hochzeit ab. Kurze Zeit später verliert sie auch noch ihren Job und flieht zu ihrer Schwester. Dort findet sie Schritt für Schritt zurück zu sich selbst. Sie hilft Isalie bei der Buchhaltung des Erlebnishofes, den sie und Max führen, und lernt immer mehr Menschen kennen - wie auch ihrem mürrischen und abweisenden Nachbarn Tristan. Doch auch Tristan hat sein Päckchen zu tragen und fasst nach einer großen Enttäuschung nur schwer Vertrauen zum weiblichen Geschlecht. Nur ganz langsam nähern sich die beiden an. Dabei spielt der süße Dackel Cooper eine wesentliche Rolle.....

Sowohl Tristan, als auch Chloe sind zwei Charaktere, die sich nur schwer von ihren Enttäuschungen in Sachen Liebe erholen. Beide wurden zu tief verletzt. Wie sich Chloe und Tristan langsam annähern ist wunderbar erzählt. Der lockere Schreibstil lässt sich wie immer großartig lesen. Die Dialoge sind spritzig und humorvoll.
Wie in jedem Band dieser Reihe werden die Gedanken des Hunde-Protagonisten in kursiver Schrift dargestellt und sehr humorvoll wiedergegeben. Diesmal sind sie jedoch weniger präsent als in den vorherigen Geschichten.

Die bildhafte Darstellung des fiktiven Ortes Lichterhavens finde ich jedes mal wieder richtig ansprechend. Die vorhandene Dorfgemeinschaft, die versteckte Piratenbucht, das Watt und die Ostsee....am liebsten würde ich sofort in Lichterhaven Urlaub machen =)

„Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist für mich ein rundum gelungener Wohlfühlroman, der mit viel Charme, liebenswerten Figuren, romantischen Augenblicken und einer guten Prise Humor überzeugt. Besonders Dackel Cooper sorgt immer wieder für herzerwärmende Momente.

Fazit:
Eine herzerwärmende Wohlfühl-Geschichte, die den Alltag für ein paar Stunden vergessen lässt und daran erinnert, dass das Glück manchmal genau dort auf uns wartet, wo wir es am wenigsten vermuten.



Vielen Dank an die Autorin und an HarperCollins für das Rezensionsexemplar!


Die Lichterhaven Reihe:

  1. Körbchen mit Meerblick
  2. Vier Pfoten am Strand  *Rezi*
  3. Strandkörbchen und Wellenfunkeln  *Rezi*
  4. Die Liebe gibt Pfötchen  *Rezi*
  5. Vier Pfoten im Sommerwind  *Rezi*
  6. Nur eine Fellnase vom Glück entfernt  *Rezi*
  7. Kuschelglück und Gummistiefel  *Rezi*
  8. Pfotenglück und Sommerwellen  *Rezi*

Rückkehr nach Crow Lake - Mary Lawson

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 336 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag, Taschenbuchausgabe (13. September 2021)
    • Übersetzer: ‎ Sabine Lohmann, Andreas Gressmann
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453426010
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453426016
    • Originaltitel: Craw Lake
    • Genre: Roman


Heyne Kurzbeschreibung:
Kates Kindheit im Norden Ontarios endet jäh, als ihre Eltern tödlich verunglücken. Ihre beiden Brüder Luke und Matt beschließen, sie und die kleine Schwester Bo alleine großzuziehen. Halt findet die verschlossene und bildungshungrige Kate vor allem bei Matt, dessen Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt auf sie überspringt. Jahre später arbeitet Kate erfolgreich als Biologin an der Universität von Toronto, weit weg von ihrer Heimat. Doch die Geschehnisse von damals schweben immer noch wie ein Schatten über ihr. Als sie für ein Familienfest nach Crow Lake zurückkehrt, gerät ihre Welt erneut aus den Fugen. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Nachdem Livia und ich vor drei Jahren gemeinsam "Im letzten Licht des Herbstes" von Mary Lawson gelesen haben, war für uns klar, dass wir auch die weiteren Bücher der Autorin. die bisher auf Deutsch übersetzt wurden, lesen möchten. Das es fast drei Jahre dauern würde, bis wir zu "Rückkehr nach Crow Lake" greifen würden, hätte ich nicht gedacht ;) Dieser Roman ist das Debüt der Autorin und wurde 2002 erstmals als Hardcover auf deutsch veröffentlicht. Zur Frankfurter Buchmesse 2021, als Kanada Gastland war, erschien der Roman nochmals als Taschenbuch.

Wir befinden uns im Norden Kanadas im fiktiven Ort Crow Lake. Die Landschaft ist rauh, dünn besiedelt und das Leben nicht einfach. Zwischen Farmen und Seen lebt die sechsköpfige Familie Morrisson.  Doch eines Tages steht das Leben für die Kinder plötzlich still, als ihre Eltern tödlich verunglücken. Die fünfzehn und siebzehn Jahre alten Brüder Matt und Luke beschließen die siebenjährige Kate und die kleine Schwester Bo alleine großzuziehen. Dabei verzichten die beiden Brüder auf einiges, um den beiden Schwestern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Mit viel Liebe und Entschlossenheit versuchen sie Kate und Bo Halt und Geborgenheit zu geben. Doch die Herausforderungen des Alltags stellen sie immer wieder vor neue Herausforderungen. Zusätzlich beeinflussen die tragischen Ereignisse in der benachbarten Familie Pye ihren weiteren Lebensweg maßgeblich....

Der Roman wird sehr ruhig erzählt. Mich hat der bildhafte und atmosphärische Schreibstil sofort wieder gefangen genommen. Die Handlung wird in zwei Zeitebenen aus der Sicht von Kate erzählt. In Rückblenden erinnert sich Kate an ihre Kindheit, die Liebe zur Natur und ganz besonders zu den Seen der Umgebung, wo sie stundenlang mit Lieblingsbruder Matt am Ufer lag und die Wasseroberfläche beobachtete.
Das Verhältnis der vier Geschwister untereinander steht im Mittelpunkt der Handlung. Über Gefühle wurde und wird nie gesprochen. Diese emotionale Sprachlosigkeit begleitet sie durch ihr ganzes Leben. Bildung war jedoch innerhalb der Familie immer sehr wichtig. 
Jahre später arbeitet Kate erfolgreich als Biologin an der Universität von Toronto. Sie kehrt zur Geburtstagsfeier ihres achtzehnjährigen Neffen Simon zurück nach Crow Lake und wird mit Erinnerungen, die sie nie ganz hinter sich lassen konnte, konfrontiert.

Mary Lawson besitzt ein besonderes Talent Charaktere so lebendig zu erschaffen, dass man jeden von ihnen sofort wiedererkennen würde, stünde er oder sie vor der eigenen Tür. Luke, Matt, Kate und Bo sind sympathische und starke Charaktere, die sich den Gegebenheiten des Lebens anpassen müssen. Von Beginn an lernt man auch ihre Nachbarn kennen, die tragische Familie Pye, mit ihren chaotischen Leben und ihren finsteren Geheimnissen. Erst zum Ende hin wird klar, wie sich ihre Leben verbinden. Sowohl Haupt-, als auch Nebenfiguren sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Livia und ich waren uns nicht sicher wann die Handlung im Roman spielt. Ich tippe auf die Siebziger Jahre in der Vergangenheit und die späten Achtziger oder frühen Neunziger in der Gegenwart. Die Autorin macht jedoch nie eine Zeitangabe.

Cover:
von links nach rechts:
das kanadische Originalcover, das türkische, zwei weitere englischsprachige Cover, das lettische, italienische und litauische Cover

Fazit:
Ein leiser Roman mit sehr viel Atmosphäre, wunderbar gezeichneten Charakteren und der Frage wie stark die Kindheit unser weiteres Leben beeinflusst.



Und sie schenkten ihnen ein Zuhause - Laura Baldini

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundenes Buch: 336 Seiten
    • Verlag: ‎ Piper (2. April 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492072380
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492072380
    • Genre: Historischer Roman, zwei Zeitebenen



Piper Kurzbeschreibung:
London, 1987: Als Rose den Nachlass ihrer Mutter sichtet, entdeckt sie, dass diese ein Adoptivkind war. Bei der Recherche nach ihrer Herkunft stößt Rose auf einen Hinweis, der sie zu einem von Anna Freuds Kriegswaisenhäusern führt. Dort betreut 1945 die aus Wien geflüchtete Jüdin Helen sechs Kinder aus Theresienstadt, nicht ahnend, dass sie mit einem kleinen Mädchen schicksalhaft verbunden ist. Erst Jahrzehnte später wird Rose die dramatische Wahrheit herausfinden und erkennen, dass in ihr die Geschichte einer bedingungslosen Freundschaft weiterlebt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Als Laura Baldini erzählt Beate Maly in ihren Romanen die Geschichten historischer Persönlichkeiten, die sich der Erforschung und Förderung der kindlichen Entwicklung widmeten. Die Autorin arbeitet als mobile Frühförderin mit Kindern.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt und startet im Jahr 1938 in Wien. Helene, Charlotte und Lilli arbeiten gemeinsam in der von Anna Freud gegründeten Jackson Kindergruppe, wo sie Kinder betreuen und ihre Verhaltensweisen studieren. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wird das Leben der drei Jüdinnen immer gefährlicher. Während Lilli bereits eine Überfahrt nach Amerika in der Tasche hat, Helene über Anna Freud, die bereits in England Kinderheime aufbaut, ebenfalls Wien verlassen kann, sitzt Lotte fest und wird gemeinsam mit ihrer Familie ins KZ nach Theresienstadt gebracht. 
Helene gelingt es nach einigen Schwierigkeiten in England, doch noch bei Anna Freuds "War Nurseries" unterzukommen, wo Kinder von berufstätigen Frauen, aber auch Kriegswaisen betreut werden. Als London bombardiert wird, versuchen Anna Freud und Dorothy Burlingham weitere Unterkünfte auf dem Land für sich und die Kinder zu finden.

Im zweiten Handlungsstrang sind wir 1987 in London. Buchhändlerin Rose, deren Mutter Claire verstorben ist, findet in deren Unterlagen keine Geburtsurkunde, die sie für die Bestattung unbedingt benötigt. Als sie bei ihrer Großmutter nachfragt, gibt diese nach einiger Zeit zu, dass Claire adoptiert wurde und sie keine weiteren Papiere hat. Weiteren Fragen geht sie konsequent aus dem Weg. Rose beginnt zu recherchieren und findet nach und nach heraus, dass Claire in einem von Anna Freuds "War Nurseries" Heime untergebracht worden sein muss. Doch diese wurden 1945 geschlossen und Claire wurde angeblich erst 1946 adoptiert.....

Obwohl hier vor allem mit Anna Freud "geworben" wird, deren Engagement und Lehren immer noch viel zu wenig gewürdigt werden, stehen viel mehr Helene und Rose im Mittelpunkt der Handlung. Anna Freuds Einrichtungen in Großbritannien bilden aber den roten Faden und den Rahmen der Geschichte.
Aus vielen historischen Romanen, die vor und im Zweiten Weltkrieg spielen, weiß ich natürlich, dass viele jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich nach Großbritannien gebracht und somit gerettet wurden. Von den "War Nurseries" habe ich aber tatsächlich bisher noch nicht gehört.

Beate Maly alias Laura Baldini gelingt es, mit eindrucksvollen Bildern eine besondere Stimmung zu erzeugen, die besonders im Handlungsstrang rund um Lottes Aufenthalt im KZ Theresienstadt sehr emotional geworden ist. Aber auch Helenes Zeit mit traumatisierten Kindern und deren Schicksale lässt einem nur schwer los. 

Die Suche von Rose bringt auch die junge Frau an ihre Grenzen. Vor allem die Beziehung zu ihrer Großmutter, die nur zögerlich mehr aus der Vergangenheit preisgibt, ist schwierig. Was sie schlussendlich über ihre Mutter erfährt, zu der sie ein eher unterkühltes Verhältnis hatte, ist ergreifend.

Baldini versteht es, die historischen Fakten mit einer emotionalen fiktiven Handlung zu bereichern.
Durch die bildhaften Beschreibungen konnte ich mir viele Szenen lebhaft vorstellen und hatte das Gefühl, als würden diese direkt vor meinen Augen ablaufen. Dadurch wird die Geschichte nicht nur emotional und eindringlich, sondern auch ausgesprochen fesselnd. 
Die Darstellung, wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes sind, sowie die Auswirkungen der Psyche in den Folgejahren, wird gekonnt in die Handlung eingebaut. Bis diese Verhaltensweisen und deren Konsequenzen in der Gegenwart angekommen sind, hat es leider noch einige Zeit gedauert.

Fazit:
Ein sehr gelungener Roman über die Londoner Kriegswaisenhäuser, die "War Nurseries", und wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes tatsächlich sind. Bildhaft und emotional erzählt. 



Mirabellentage - Martina Bogdahn

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch, 2. Auflage (16. April 2026)
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462013548
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462013542
    • Genre: Roman



KiWi Kurzbeschreibung:
Als der Ortspfarrer Josef überraschend stirbt, gerät die geordnete Welt seiner Haushälterin Anna ins Wanken. Was soll nun werden? Erst mal muss sie die Beerdigung organisieren, den jungen Ersatzpriester Fridtjof in Empfang nehmen – und dann soll auch noch Josefs Asche ans Meer. Dafür nimmt Anna, Anfang fünfzig, Fahrstunden bei ihrem ehemaligen Fahrlehrer und heimlichen Schwarm Herrn Tanner. Gemeinsam erkunden sie die fränkische Gegend um Blumfeld und erinnern sich an ein fast vergessenes Leben. An den Geruch des Sommers, die Farbe reifer Mirabellen, an harte Arbeit und kleine Alltagsfluchten. Je näher der Aufbruch rückt, desto drängender werden Annas Fragen, denn die Fahrt bedeutet eine Reise ins Ungewisse. Es braucht eine Entscheidung. Wie gut, dass sie die nicht alleine treffen muss.

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge


Meine Meinung:
Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut, nachdem mir "Mühlensommer" der Autorin sehr gut gefallen hat. Das war eine schöne Erzählung, nostalgisch und liebevoll erzählt.
Leider erfüllt "Mirabellentage" keines dieser Punkte. 

Anna ist knapp über 50 und mit Leib und Seele Pfarrersköchin. Als Josef, der hiesige Pfarrer überraschend stirbt, ist sie um ihre Zukunft besorgt. Wird sie auch der neue Pfarrer als seine Haushälterin einstellen? Dieser kommt hoch aus dem Norden, heißt Fridtjof und spricht plattdeutsch. Für die Dorfbewohner in Bayern hört sich das wie eine Fremdsprache an. Und so kommt auch gleich das Gerücht auf, dass der neue Pfarrer italienisch spricht und direkt aus Rom kommt. Letzteres stimmt auch, denn er kommt frisch vom Studium. Doch Anna hat noch eine Aufgabe - egal, ob sie weiterhin im Pfarrhaus bleiben darf oder nicht: Sie muss die Asche von Josef ans Meer bringen. Das war sein letzter Wunsch und niemand aus dem Dorf (außer dem Bestatter) darf dies erfahren, denn eine Feuerbestattung ist einem katholischen Pfarrer unwürdig.

Martina Bogdahn erzählt in ihrem neuen Roman über ein Dorf in Bayern und ihren Einwohnern. Im Mittelpunkt steht Anna. Sie ist das Herz der Gemeinde. Sie organisiert nicht nur das Begräbnis von Josef, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt, sondern auch sämtliche Zusammenkünfte und die Mriabellenernte.

Der Schreibstil ist bildhaft und liest sich leicht. Zu Beginn habe ich noch ganz gut in die Geschichte gefunden, aber irgendwann legte ich das Buch lieber zur Seite, als weiterzulesen. Martina Bogdahn lässt Anna in Anekdoten über die Vergangenheit erzählen. Dabei erfahren wir auch, wie Anna und Josef zu den Menschen wurden, die sie sind.
Doch mit der Zeit überwogen die Rückblicke und verschiedenen Anekdoten über einzelne Dorfbewohner. Man bekommt das Gefühl, dass vieles total überzogen ist und die Autorin humorvolle Anekdoten einstreuen möchte - was ihr nur teilweise gelingt. Diese Rückblenden reihen sich oftmals nur aneinander und die Gegenwart tritt dabei in den Hintergrund. Durch die ständigen Unterbrechungen entstand kein wirklicher Lesefluss.
Zusätzlich hatte ich permanent das Gefühl nicht im Jahre 2010, sondern eine Geschichte aus den 50igern oder 60igern zu lesen. Ich lebe selbst am Land und bin älter als Anna, trotzdem konnte ich mich so überhaupt nicht in sie hineinfühlen. Alles wirkte furchtbar altbacken und manche Ereignisse rund um die Dorfbewohner auch sehr unglaubwürdig. Vieles blieb sehr an der Oberfläche und auch die kleine eingestreute "Liebesgeschichte" hatte keinen wirklichen Tiefgang. Die Handlung zog eher gemächlich dahin, und gerade als es spannend zu werden scheint, endet das Buch ziemlich abrupt.

Der Klappentext suggerierte mir außerdem eine andere Erwartung. Die Asche des Pfarrers ist auch fünfzig Seiten vor Schluss noch nicht auf der im Klappentext groß angekündigten letzten Reise. 
Man könnte denken, dass ältere Leserinnen sich eher in dieser Geschichte wiederfinden - dem muss ich allerdings widersprechen. 

Fazit:
Das war leider so gar nicht mein Buch, was ich wirklich sehr schade finde. Nach "Mühlensommer" hatte ich mir wieder eine interessante Geschichte erwartet, die mich unterhält. Hier habe ich immer nur zögerlich zum Buch gegriffen und habe außerdem ziemlich lange dafür gebraucht. Leider keine Leseempfehlung!


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!
 

Restsommer - Kea von Garnier

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Karl Blessing Verlag, (18. März 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3896677853
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3896677853
    • Genre: Coming-of-Age Roman 



Blessing Kurzbeschreibung:
Der Sommer 2003 in der niedersächsischen Kleinstadt beginnt wie immer: Freibad, Bandproben, die Leichen in Papas Keller. Dominik ist der Sohn des Bestatters und soll den Familienbetrieb in naher Zukunft von seinem alleinerziehenden Vater übernehmen. Bislang sprach nichts dagegen, denn Domi ist erstaunlich routiniert im Umgang mit Trauernden und weiß mehr über Tod und Verlust als die meisten Erwachsenen. Worüber er allerdings wenig weiß, ist das Leben selbst. Das ändert sich, als kurz vor den großen Ferien ein Neuer in seiner Klasse auftaucht: Biff ist unangepasst, lässig, impulsiv. Gegen seinen Willen fühlt Domi sich von dessen scheinbar endlosem Hunger auf das Leben angezogen, und so entsteht im Laufe dieses heißen, flirrenden Sommers zwischen den beiden etwas Größeres, etwas, das in seiner Intensität alles andere, Freunde, Familie, Zukunft, an den Rand drängt.

Meine Bewertung: * * * * *
♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Was hat mich dieser wundervolle Coming-of-Age Roman überrascht! Wer auf der Suche nach einem anspruchsvollen Sommerroman ist, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

Sommer 2003. Dominik, 16 Jahre, lebt mit seinem Vater in einem kleinen Ort an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Hier kennt jeder jeden. Seinem Vater gehört das örtliche Bestattungsunternehmen, welches Dominik einmal übernehmen soll. Damit hatte er bislang noch kein Problem, denn er geht mit den Toten und der Vergänglichkeit routiniert um. Neben der Schule und den Bandproben mit seinem Freunden, ist er manchmal auch bei seiner Mutter, die die Familie wegen einem anderen Mann verlassen hat.
Trotzdem hat Dominik irgendwie Angst in seinem Heimatort zu versauern und das Leben gar nicht richtig kennenzulernen, bevor er sich, wie sein Vater, den Toten widmet.

»Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte.«

Als er bei einer Bandprobe auf Benjamin, kurz Biff genannt, trifft, ändert sich sein Leben. Biff kommt aus der Großstadt Berlin und in seine Klasse. Mit seinen blonden kurzen Haaren, der Lederjacke und seinem eher rotzigen Auftreten fällt er auf. Bald werden die beiden Freunde und Dominik möchte am liebsten nur mehr mit seinem neuen Freund zusammen sein. Biffs Hunger nach Leben ist spürbar und Dominiks Wunsch, das Kaff in dem er wohnt, zu verlassen, wird immer größer. Als die zwei für ein Wochenende nach Berlin abhauen, ist danach nichts mehr, wie es war.....

Kea von Garnier schafft es, die Leichtigkeit des Sommers, die Zeit zwischen Teenie sein und erwachsen werden, wunderbar einzufangen. Die Unsicherheit, die man in diesem Alter verspürt und das Kribbeln der ersten Liebe wird sehr sensibel erzählt. Ihr gelingt es dieses Gefühl so authentisch einzufangen, dass die Seiten nur so dahinflogen.

Dominik fühlt plötzlich den Druck, dass sein weiteres Leben so aussehen wird, wie das des Vaters. Dieser geht in seinem Beruf auf. Dabei erfahren auch wir Leser jede Menge darüber, wie man mit den Trauernden umgeht,  Leichen präpariert und diese ansehnlich herrichtet. Diese Einblicke in die Arbeit sind sehr respektvoll erzählt.

Wir erleben aber auch, wie Erwachsene ihre Wünsche und Träume in die eigenen Kinder projizieren und sie nicht nach ihren eigenen Wünschen leben lassen. Sie müssen lernen, dass es nicht ihr Leben ist, sondern das der Kinder. Dominiks Zwiespalt zwischen den Erwartungen seines Vaters und dem Wunsch, seinen eigenen Weg zu gehen, hat mich schnell mit ihm mitfühlen lassen. Generell ist die Vater/Sohn Beziehung zwischen Dominik und seinem Vater empfindsam dargestellt.

Im krassen Gegensatz dazu die Familie von Biff. Der Vater Alkoholiker und Schläger. Er duldet Biffs Homosexualität nicht und terrorisiert ihn und den Rest der Familie. Nach und nach kristallisiert sich dadurch Biffs Verhalten heraus, seine Gegenwehr und seine Wut, aber auch seine Traurigleit und Einsamkeit..

Man kann gar nicht glauben, dass dies Kea von Garniers Debütroman ist. Die Geschichte wird sehr sensibel erzählt, ist nah an der Realität und wahnsinnig toll geschrieben. 
Trotz der ernsteren Themen strahlt das Buch insgesamt eine sommerlich-leichte Stimmung aus und fängt die Unbeschwertheit der Jugend auf authentische Weise ein. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe mit Dominik und Biff mitgelitten, habe die Leichtigkeit des Sommers, aber auch die Angst vor der Zukunft gespürt. Das Einfangen all der Emotionen ist der Autorin so wunderbar gelungen, dass ich richtig ins Schwärmen gerate.

Fazit:
"Restsommer" ist ein bittersüßer Coming-of-Age Roman, melancholisch, aber auch humorvoll und kein bisschen kitschig.
Wem "Hard Land" von Benedict Wells oder "Der große Sommer" von Ewald Arenz gefallen hat, dem kann ich auch diese tolle Geschichte empfehlen! Ein Highlight!


Vielen Dank an das Randomhouse Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Nur eine Lüge - Malin Stehn

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Broschierte Ausgabe: 432 Seiten
    • Verlag: ‎ FISCHER Scherz, (27. September 2023)
    • Übersetzer: Friederike Buchinger
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3651001172
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3651001176
    • Originaltitel: ‎ Lycka till
    • Genre: Spannungsroman


Fischer Kurzbeschreibung:
Emily Brandt hat ihre Schlosshochzeit mit William Nihlzén minutiös geplant. Nur drei Dinge hat sie nicht unter Kontrolle: das Wetter, ihre Mutter Annika und ihren Bruder Erik. Das Wetter spielt mit, doch während der extravaganten Feier kommt es zu Spannungen, verschüttete Wahrheiten kommen an die Oberfläche – und kurz nach Mitternacht liegt eine Leiche am Ufer des Öresunds. Acht Jahre zuvor zerriss die idyllische Mittelklasse-Existenz der Familien Brandt und Nihlzén durch ein furchtbares Ereignis. Freundschaften und Ehen zersplitterten. Und jetzt treffen alle wieder aufeinander – bei dieser Hochzeit, die sie für immer verbinden soll.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur ABC Challenge

Book Special ABC Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Von Main Stehn haben Nicole und ich bereits "Happy New Year" gelesen. Da uns beiden das Buch sehr gut gefallen hat, haben wir beschlossen "Nur eine Lüge" gemeinsam zu lesen, da es bei uns beiden noch ungelesen im Regal steht und das neue Buch der Autorin demnächst erscheint.

Auch diesmal steht wieder Roman auf dem Cover, aber Spannungsroman oder Drama passt definitiv viel besser zur spannenden Lektüre.
Malin Stehn hat auch einen ähnlichen Aufbau gewählt. Statt bei einer gemeinsamen Silvesterfeier sind wir diesmal bei der Hochzeit von Emily Brandt und William Nihlzén dabei. Die Braut hat nichts dem Zufall überlassen. Der Ablauf ist minutiös geplant und ein Schloss als Location verspricht eine Märchenhocheit. Doch es gibt auch Dinge, die Emily nicht beeinflussen kann. Ihre und Williams Familie sind nämlich seit Jahren zerstritten und es ist nicht absehbar, wie das Zusammentreffen aussehen wird.... 

Schon der Prolog weckte meine Neugierde. Im Laufe der Geschichte lässt uns die Autorin hinter die Fassade von zwei Familien blicken, deren einstige Freundschaft zerbrochen ist. Ein folgenschwerer Autounfall vor acht Jahren veränderte damals das Leben aller Beteiligten: Emilys Bruder Eric wurde schwer verletzt – und William saß am Steuer. Für Erics Mutter Annika ist dieser Schmerz bis heute unvergessen, weshalb sie nicht begreifen kann, warum Emily ausgerechnet William heiraten will. Doch zwischen den beiden Familien liegt noch weit mehr als alte Schuldgefühle: Ein düsteres Geheimnis verbindet sie alle auf eine Weise, der niemand entkommen kann. Und bald fragt  man sich: Wie weit würde jeder von ihnen gehen, um eine Lüge aufrecht zu erhalten? 

In Rückblenden lässt uns Malin Stehn daran teilhaben, was damals passiert ist. Diese Abschnitte wechseln mit den Ereignissen auf der Hochzeit ab. Nach und nach wird das schreckliche Geheimnis enthüllt. Dabei begleiten wir Emily, Annika, Mats und Erik, die aus ihrer Sicht in der Ich-Perspektive erzählen. Man erfährt mehr über ihre Gedanken und hat das Gefühl, dass an der ganzen Sache etwas nicht stimmen kann. Was ist damals wirklich passiert?

Die Charaktere sind interessant und sehr facettenreich. Annika und Erik stehen im Mittelpunkt und ihre Gefühle werden sehr intensiv transportiert. Man merkt deutlich, wie sehr Eriks Leben sich veränderte und ihn innerlich zerstört hat. Obwohl es viel um William geht, kommt er selbst kaum zu Wort und Emily bleibt ein bisschen blass. Erik und Emilys Vater Mats und Williams Eltern Krister und Gitta wirken etwas undurchsichtig und heizen die Mutmaßungen beim Lesen an. Malin Stehn hat die psychologischen und zwischenmenschlichen Aspekte hervorragend ausgearbeitet. Der differenzierte Umgang mit der Schuld wird ausgezeichnet beschrieben.

Durch die kurzen Kapitel und den Personen- und Zeitenwechsel, wird die Spannung aufrecht erhalten.  Nicole und ich haben spekuliert und unsere Vermutungen wieder verworfen. Überraschende Wendungen zeigten plötzlich wieder ein anderes Bild und die Auflösung war für uns beide eine Überraschung. Für mich war sie nicht ganz perfekt gelöst, auch wenn ich die Hintergründe teilweise verstehen konnte. Mit dem Epilog hat die Autorin für eine weitere Überraschung gesorgt.

Cover:
von links nach rechts:
die Cover aus Ungarn, den Niederlanden, Polen, Finnland, Serbien und das Originalcover aus Schweden 

Fazit:
"Nur eine Lüge" erzählt davon, wie sich das ganze Leben innerhalb eines Wimpernschlages verändern kann und einem eine folgenschwere Entscheidungen noch Jahre später einholen können. Ich fands wieder spannend und freue mich auf das nächste Buch der Autorin.



 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos