Gnadenopfer - Viveca Sten

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    • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
    • Verlag: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Auflage (8. Oktober 2026)
    • Übersetzer: Dagmar Lendt
    • Hörbuchsprecher: Vera Teltz
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423285672
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423285674
    • Genre: Krimi, Schwedenkrimi
    • Reihe: ja - Band 5 der Åre-Morde


dtv Kurzbeschreibung:
Eine Reihe rätselhafter Todesfälle sucht das Bergdorf Åre im Norden Schwedens heim. Die Opfer haben eines gemeinsam: Sie alle waren sehr alt und tagtäglich auf Hilfe angewiesen. Obwohl keine der Leichen Spuren äußerer Gewalt aufweist, ahnt Hanna Ahlander, dass etwas nicht stimmt. Mit ihrem Verdacht steht sie allein da, denn seit einem heftigen Streit kann sie auf die Unterstützung ihres engsten Kollegen Daniel Lindskog nicht mehr zählen. Als unberechenbares Tauwetter Hannas Ermittlungen im winterlichen Åre erschwert und sich der Konflikt mit Daniel weiter verschärft, wird ein weiterer Toter gefunden. Hanna weiß, dass die Zeit läuft – doch um zu verhindern, dass weitere Menschen ermordet werden, müssen sie und Daniel wieder zueinanderfinden.

Meine Bewertung: * * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Ich habe bereits alle Bände der Åre-Morde von Viveca Sten gelesen und mag sie sehr. Leider bin ich euch noch die Rezensionen zu Band zwei bis vier schuldig. Letzterer war wirklich sehr, sehr gut. Umso mehr habe ich mich auf den mittlerweile fünften Band rund um Hanne Ahlander und ihr Team in Åre gefreut. Ich habe den Krimi sowohl gelesen, als auch gehört.

Leider ist "Gnadenopfer" in meinen Augen der schwächste Band der Reihe. Es dauert lange bis der Krimi Fahrt aufnimmt und die etwas vergiftete Stimmung zwischen Hanne und Daniel trägt ebenfalls dazu bei.
Es beginnt mit einigen Todesfällen von betagten Menschen, die alle vom selben Pflegedienst betreut werden. Alle sind mehr oder weniger pflegebedürftig, aber nichts deutet darauf hin, dass sie sterbenskrank sind, als sie tot in ihren Betten aufgefunden werden. Die Tochter eines Verstorbenen hakt beim Pflegedienst nach und schaltet schließlich Hanne Ahlander ein. Sie glaubt nicht, dass ihr Vater eines natürlichen Todes gestorben ist. Der private Pflegedienst wird erst seit kurzem von Hannas bester Freundin Karro geleitet, was die Sache für sie erschwert. Trotzdem geht Hanna dem Verdacht nach und stößt tatsächlich auf eine Ungereimtheit und zwei ähnliche Todesfälle. Doch als sie den Verdacht vorbringt, wird er von den Kollegen und insbesonders von Daniel, abgeschmettert. Erst sehr viel später werden die Todesfälle ernst genommen und die Ermittlungen beginnen. Doch es ist bereits ein Wettlauf gegen die Zeit...

Die erste Hälfte plätscherte mir leider etwas zu viel dahin. Bis feststand, dass es sich um Mord handelt und das Team endlich geschlossen die Ermittlungen aufnahm, dauerte es. Ab diesen Zeitpunkt wurde es jedoch wirklich spannend und man spielte alle möglichen Gegebenheiten durch. Wer war der Mörder oder die Mörderin? Natürlich hat es uns die Autorin nicht so einfach gemacht und ich lag schlussendlich ganz schön daneben. 
Der Inhalt regt aber auch zum Nachdenken an. Besonders beschäftigt hat mich, wie verletzlich Menschen sind, wenn sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind und ihnen vertrauen müssen, ohne damit zu rechnen, dass dieses Vertrauen missbraucht werden könnte. Die Stimmung empfand ich deswegen teilweise als bedrückend. Das Zerwürfnis zwischen Daniel und Hanna hat dann noch ein Scherflein draufgelegt. 

Wer mit dem fünften Band einsteigt, könnte eventuell etwas Schwierigkeiten mit den vielen Personen der Geschichte haben. Einige, die diesmal eher im Hintergrund mitspielen, aber zum Ermittlerteam oder dessen Familien gehören, sind nur Nebencharaktere. Doch die Damen und Herren des Pflegedienstes und noch weitere Nebenfiguren runden die Personenzahl ordentlich auf. Als Leser der Reihe hat man es daher etwas leichter den Überblick zu behalten.

Es wird aus der Sicht von Hanna und Daniel erzählt, aber auch aus der Perspektive der Senioren. So bekommt man hautnah mit, wie sehr sie auf Hilfe angewiesen sind oder wie einsam sie sich fühlen.
Der Schreibstil ist bildhaft und atmosphärisch, die Kapitel sind eher kurz gehalten. Der noch ungemütliche Spätwinter in Nordschweden, die Kälte und der Schnee wird wieder sehr stimmungsvoll dargestellt.
Die Charaktere sind facettenreich und bilden das Herzstück der ganzen Reihe. Die Ermittler stehen besonders im Mittelpunkt. Als Leser dürfen wir sie nicht nur bei ihrer Arbeit, sondern auch an ihrem Privatleben teilhaben und erfahren dabei mehr über ihre Hoffnungen, Träume und Enttäuschungen. Diesmal war mir aber der private Anteil zu viel und hat die Spannung zusätzlich etwas gebremst.  

Viveca Sten hat sich dem Thema rund um die Situation von alten und pflegenden Menschen und der Überlastung der Pflegedienste angenommen, der in Zukunft ein noch größeres Problem werden wird. Durch die Kapitel des "Gnadenengels" bekommen wir Einblicke in die Sicht des Täters. Dabei musste ich an einige Fälle von Morden in Pflegeheimen denken, die bei uns in Österreich Schlagzeilen machten. Der Größte war wohl der Fall der "Lainzer Todesengel" aus dem Jahre 1989. Die vier Stationsgehilfinnen, denen mindestens 42 Morde nachgewiesen werden konnten, dürften nicht dieselben Gedanken wie unser "Gnadenengel" in Viveca Stens Geschichte gehabt haben. Sie mordeten alles andere als zimperlich.
Während wir die Motivation des "Gnadenengels" durch seine Sicht der Dinge erfahren durften, hat mir die Autorin das Motiv des Täters zu wenig aufgegriffen. Warum hatte er das Gefühl "helfen" zu müssen, um die Kranken zu "erlösen"? Musste er als Kind das Leiden eines geliebten Menschen mitansehen? Welche Vorfälle aus der Vergangenheit haben ihn zu dem gemacht?
Diese Fragen wurde leider nicht gelöst. Deshalb gibt es diesmal "nur" drei Sterne. Natürlich werde ich aber den nächsten Band der Reihe lesen, denn Viveca Sten hat sich noch etwas einfallen lassen, was so einiges im privaten Bereich von Hanna auf den Kopf gestellt hat. Hier bin ich extrem auf die Lösung gespannt.

Cover:

von links nach rechts:
das Original Cover aus Schweden, das estnische, isländische, französische und das britische Cover 

Fazit:
"Gnadenopfer" war für mich leider der bisher schwächste Teil der Reihe. Es dauert lange bis der Krimi Fahrt aufnimmt und die privaten Probleme haben mir zu viel Raum eingenommen. In der zweiten Hälfte wird es dann aber doch noch sehr spannend und fesselnd - für eine bessere Bewertung war es mir aber leider zu spät.  

Vielen Dank an den dtv Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Die Åre-Morde:
  1. Kalt und Still  *Rezi*
  2. Tief im Schatten
  3. Blutbuße
  4. Lügennebel
  5. Gnadenopfer

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