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- Gebundenes Buch: 336 Seiten
- Verlag: Piper (2. April 2026)
- ISBN-10 : 3492072380
- ISBN-13 : 978-3492072380
- Genre: Historischer Roman, zwei Zeitebenen
Piper Kurzbeschreibung:London, 1987: Als Rose den Nachlass ihrer Mutter sichtet, entdeckt sie, dass diese ein Adoptivkind war. Bei der Recherche nach ihrer Herkunft stößt Rose auf einen Hinweis, der sie zu einem von Anna Freuds Kriegswaisenhäusern führt. Dort betreut 1945 die aus Wien geflüchtete Jüdin Helen sechs Kinder aus Theresienstadt, nicht ahnend, dass sie mit einem kleinen Mädchen schicksalhaft verbunden ist. Erst Jahrzehnte später wird Rose die dramatische Wahrheit herausfinden und erkennen, dass in ihr die Geschichte einer bedingungslosen Freundschaft weiterlebt.
Meine Bewertung: * * * * undeinhalb
Buch zur ABC Challenge
Buch zur Weltenbummler Challenge
Buch zur Reiselust Challenge
Meine Meinung:
Als Laura Baldini erzählt Beate Maly in ihren Romanen die Geschichten historischer Persönlichkeiten, die sich der Erforschung und Förderung der kindlichen Entwicklung widmeten. Die Autorin arbeitet als mobile Frühförderin mit Kindern.
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt und startet im Jahr 1938 in Wien. Helene, Charlotte und Lilli arbeiten gemeinsam in der von Anna Freud gegründeten Jackson Kindergruppe, wo sie Kinder betreuen und ihre Verhaltensweisen studieren. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wird das Leben der drei Jüdinnen immer gefährlicher. Während Lilli bereits eine Überfahrt nach Amerika in der Tasche hat, Helene über Anna Freud, die bereits in England Kinderheime aufbaut, ebenfalls Wien verlassen kann, sitzt Lotte fest und wird gemeinsam mit ihrer Familie ins KZ nach Theresienstadt gebracht.
Helene gelingt es nach einigen Schwierigkeiten in England, doch noch bei Anna Freuds "War Nurseries" unterzukommen, wo Kinder von berufstätigen Frauen, aber auch Kriegswaisen betreut werden. Als London bombardiert wird, versuchen Anna Freud und Dorothy Burlingham weitere Unterkünfte auf dem Land für sich und die Kinder zu finden.
Im zweiten Handlungsstrang sind wir 1987 in London. Buchhändlerin Rose, deren Mutter Claire verstorben ist, findet in deren Unterlagen keine Geburtsurkunde, die sie für die Bestattung unbedingt benötigt. Als sie bei ihrer Großmutter nachfragt, gibt diese nach einiger Zeit zu, dass Claire adoptiert wurde und sie keine weiteren Papiere hat. Weiteren Fragen geht sie konsequent aus dem Weg. Rose beginnt zu recherchieren und findet nach und nach heraus, dass Claire in einem von Anna Freuds "War Nurseries" Heime untergebracht worden sein muss. Doch diese wurden 1945 geschlossen und Claire wurde angeblich erst 1946 adoptiert.....
Obwohl hier vor allem mit Anna Freud "geworben" wird, deren Engagement und Lehren immer noch viel zu wenig gewürdigt werden, stehen viel mehr Helene und Rose im Mittelpunkt der Handlung. Anna Freuds Einrichtungen in Großbritannien bilden aber den roten Faden und den Rahmen der Geschichte.
Aus vielen historischen Romanen, die vor und im Zweiten Weltkrieg spielen, weiß ich natürlich, dass viele jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich nach Großbritannien gebracht und somit gerettet wurden. Von den "War Nurseries" habe ich aber tatsächlich bisher noch nicht gehört.
Beate Maly alias Laura Baldini gelingt es, mit eindrucksvollen Bildern eine besondere Stimmung zu erzeugen, die besonders im Handlungsstrang rund um Lottes Aufenthalt im KZ Theresienstadt sehr emotional geworden ist. Aber auch Helenes Zeit mit traumatisierten Kindern und deren Schicksale lässt einem nur schwer los.
Die Suche von Rose bringt auch die junge Frau an ihre Grenzen. Vor allem die Beziehung zu ihrer Großmutter, die nur zögerlich mehr aus der Vergangenheit preisgibt, ist schwierig. Was sie schlussendlich über ihre Mutter erfährt, zu der sie ein eher unterkühltes Verhältnis hatte, ist ergreifend.
Baldini versteht es, die historischen Fakten mit einer emotionalen fiktiven Handlung zu bereichern.
Durch die bildhaften Beschreibungen konnte ich mir viele Szenen lebhaft vorstellen und hatte das Gefühl, als würden diese direkt vor meinen Augen ablaufen. Dadurch wird die Geschichte nicht nur emotional und eindringlich, sondern auch ausgesprochen fesselnd.
Die Darstellung, wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes sind, sowie die Auswirkungen der Psyche in den Folgejahren, wird gekonnt in die Handlung eingebaut. Bis diese Verhaltensweisen und deren Konsequenzen in der Gegenwart angekommen sind, hat es leider noch einige Zeit gedauert.
Fazit:
Ein sehr gelungener Roman über die Londoner Kriegswaisenhäuser, die "War Nurseries", und wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes tatsächlich sind. Bildhaft und emotional erzählt.