Tage am Fluss - Jochen Mariss

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    • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch, 1. Auflage  (9. Juli 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 346201367X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462013672
    • Genre: Gegenwartsliteratur



KiWi Kurzbeschreibung:
Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre, die das Dorf Erlengrund mit dem Rest der Welt verbindet. Mit sieben Hühnern, drei Schafen und der Hündin Luna lebt sie in einem abgelegenen Haus am Fluss. Eines Tages taucht auf Saras Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf, Leon. Sara verarztet den jungen Mann und nimmt ihn bei sich auf. Dafür verlangt sie, dass er ihr bei den Arbeiten rund um ihr Haus hilft. Sie teilen ihre Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als die beiden sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Ich habe den Klappentext oben gekürzt, denn er nimmt viel zu viel vorweg! Das ist sehr schade, denn ich möchte euch nicht spoilern!

Sara Harmsen ist Fährfrau und lebt mit ihrem Hund Luna, einigen Hühnern und Schafen am Rande des Dorfes Erlengrund. Sie gilt als Eigenbrötlerin und lebt am liebsten für sich alleine. Doch ihre zurückhaltende Art ist das Ergebnis schmerzlicher Erfahrungen aus der Vergangenheit, die tiefe Spuren hinterlassen haben.
Sara hat das Fährgeschäft ihres Vater übernommen, doch die Gemeinde möchte die Fähre einstellen und eine Brücke über den Fluss bauen. Damit würde sie nicht nur ihr Einkommen verlieren, sondern auch Teile ihres Grundstückes. und das Ökosystem vor Ort würde gestört. Während der Physiklehrer und der Bürgermeister alles dafür tun, die Brücke bei den Einwohnern durchzusetzen, kämpft Sara ihren eigenen Kampf. Als eines Tages ein junger, leicht verletzter Mann auf ihrer Fähre auftaucht und um Hilfe bittet, verarztet sie ihn. Leon ist Klimaaktivist und war bei der Besetzung des nahen Waldes, der für eine Autobahn weichen soll, dabei. Er beginnt anfallende Arbeiten zu übernehmen und die beiden beginnen sich anzufreunden. 
Beide engagieren sich für den Umweltschutz, lieben Tiere und bringen schwierige familiäre Verhältnisse mit. Trotz des größeren Altersunterschieds und persönlicher Geheimnisse entwickelt sich eine Freundschaft, die beiden etwas Geborgenheit vermittelt. 

Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven von Sara und Leon. Nach und nach erfährt man mehr über ihre Persönlichkeiten und Problemen.  
Leon, Ende zwanzig, hat sich bewusst von seiner wohlhabenden Familie losgesagt und sich aus Überzeugung einer Gruppe von Klimaaktivisten angeschlossen, die in der Nähe der Fähre Bäume besetzt. Er wirkt engagiert, aber ist auch feige und wirkte mir oftmals nicht richtig überzeugend. 

Sara, die Tiere und Bücher liebt, war mir wesentlich näher. Sie in ihrem Alltag zu begleiten und ihre vielen Tätigkeiten auf dem Hof und der Fähre mitzuerleben, hat der Geschichte eine greifbare und authentische Atmosphäre verliehen.
Während Sara trotz – oder gerade wegen – ihrer eigenbrötlerischen Art lebendig und oft nachvollziehbar wirkt, bleibt Leon für mich zu blass. Trotzdem war ich auch nicht mit allen Verhaltensweisen von Sara einverstanden und kam vor allem mit ihren Wutausbrüchen nicht ganz klar. 

Der Schreibstil von Jochen Mariss ist leicht und flüssig zu lesen, sowie sehr atmosphärisch. Manchmal war mir die Handlung aber auch etwas zu vorhersehbar.
Mit Wasserknappheit, wochenlangen Hitzeperioden, sinkenden Pegelständen und der Abholzung der Wälder greift Jochen Mariss hochaktuelle Themen auf. Das gelingt ihm unaufdringlich und ohne belehrenden Unterton. Neben den Umweltthemen gibt es jedoch noch weitere Themen wie Alkoholsucht, Klimaangst, Panikattacken, Korruption und Schuld, die mir einfach zu viele waren.
Dazu kam mir die Geschichte im Großen und Ganzen viel zu ruhig vor, sie plätscherte teilweise nur so dahin, und floss an der Oberfläche, ohne mehr in die Tiefe zu gehen. 

Hingegen waren die Beschreibungen der Landschaft, des Flusses und der Natur rund Saras Land "Grüner Mond" sehr atmosphärisch und gelungen. Ich konnte mir Saras Fleckchen Erde, den grünen Mond, sehr gut vorstellen und wäre am liebsten gleich selbst in den Fluss schwimmen gegangen. Mit dem Tierleid konnte ich weniger umgehen, welches der Autor ebenfalls mit einbezogen hat. 
Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut und hat mich beim bloßen Anschauen an diesen extrem heißen Tagen hier etwas "erfrischt". 

Das Ende bleibt bewusst offen, fügt sich aber stimmig in die Geschichte ein. Auch wenn ich offene Enden normalerweise nicht mag, hat es für mich hier funktioniert.

Fazit:
Ein sehr ruhiger und atmosphärischer Roman mit dem hochaktuellen Thema Klimaschutz, der sich größtenteils um zwei sehr eigene Charaktere dreht und mich nicht durchgehend fesseln konnte. Der Sommerroman plätscherte mir etwas zu sehr dahin und greift zu viele Themen nur oberflächlich auf.
Eine nette Lektüre für zwischendurch - nicht mehr und nicht weniger.


Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

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