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Die Touristin - Jess Ryder

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 411 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch, 2. Auflage (15. April 2026)
    • Übersetzer: Melike Karamustafa
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746642906
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746642901
    • Originaltitel : ‎ The Island Escape
    • Genre: Thriller


Aufbau Kurzbeschreibung:
Gleißendes Sonnenlicht, weiß getünchte Gebäude vor wolkenlosem Himmel, schaukelnde Segelboote im malerischen Hafen. Als Juno zum ersten Mal die griechische Insel Inios betritt, ist sie von der Schönheit des Ortes geblendet. Dennoch hat sie ihr Ziel fest vor Augen: Juno will unbedingt ihren unbekannten Vater finden. Aber je länger sie bleibt, desto deutlicher zeigt sich die Insel als ein Ort der Schatten und Bedrohungen. Und für Juno könnte es schon bald zu spät sein, um zu entkommen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Gleich vorab: Die Touristin ist nicht wirklich ein Thriller, sondern eher Familiendrama und Spannungsroman. Wer sich darauf einlässt, wird eine spannende Geschichte mit einem sehr atmosphärischen Setting bekommen. Also Griechenlandfans: zugreifen!

Juno steckt mitten in einer Ehekrise. Zudem hat sie vor Kurzem ihre Großmutter verloren, bei der sie aufgewachsen ist und die ihr stets die wichtigste Bezugsperson war. Zu ihrer Mutter Estelle, die heute in Portugal lebt, verbindet sie kein besonders enges Verhältnis. Ihren Vater hat Juno nie kennengelernt. Als sie den Nachlass ihrer Großmutter ordnet, stößt sie auf alte Briefe und Postkarten, die ihre Mutter einst aus Griechenland an ihre Eltern geschickt hat. Estelle hat Juno ihr Leben lang erzählt, ihr Vater sei ein italienischer Kellner gewesen – das Ergebnis eines One-Night-Stands. Doch beim Lesen der Briefe kommen Juno Zweifel. Sie ist überzeugt, dass ihre Wurzeln in Griechenland liegen. Ihre Mutter hielt sich damals genau zu der Zeit auf der griechischen Insel Inios auf. Entschlossen, die Wahrheit über ihre Herkunft herauszufinden, macht sie sich auf die Suche nach ihrem biologischen Vater.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart sind wir mit Juno unterwegs und in der Vergangenheit befinden wir uns in den Jahren 1984 und 1985 und es wird aus der Sicht von Estelle erzählt. Dazwischen gibt es noch kurze Auszüge von den Postkarten, die Estelle geschrieben hat. Diese abwechselnden Einblicke sorgen für einen Sog, der einen immer mehr in die Geschichte zieht.

Neben der langsam aufgebauten Spannung punktet "Die Touristin" vor allem aber mit der wahnsinnig bildhaften Beschreibung der fiktiven Insel Inios. Die Autorin besuchte jedoch eine ähnliche Kykladeninsel in Griechenland und das merkt man. 
Man spürt die Wärme der Sonne auf der Haut, den Wind im Haar und hört das Rauschen des Meeres. Gleichzeitig werden die Schattenseiten des vermeintlichen Paradieses sichtbar. Eine unterschwellige Bedrohung ist während der gesamten Handlung präsent und erzeugt eine permanente Spannung. Dadurch entsteht beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass Juno in Gefahr schwebt – ein Eindruck, der sich letztlich als berechtigt erweist.
Jess Ryder hat viele Themen in die Handlung eingebaut, die jedoch alle stimmig zusammenlaufen: die Suche nach dem Vater und seinen eigenen Wurzeln, die gestörte Beziehung zur Mutter, Machenschaften und Geheimnisse, Familienzwiste, Umweltthemen und die griechische Kultur. Der Unterschied zwischen den traditionellen griechischen Traditionen und den touristischen Sommermonaten, sowie die Beziehungen von Einheimischen und weiblichen Touristinnen. 
 
Die Figuren sind auf beiden Zeitebenen gut ausgearbeitet und lebendig gezeichnet. Junos Verhalten konnte ich gut nachvollziehen. Mit Estelle konnte ich mich nicht immer identifizieren, obwohl ihre Geschichte in der Mitte der achtziger Jahre spielt – einer Zeit, die genau in meine Jugend fiel und in der ich etwa so alt war wie sie.

Zum Ende hin nimmt die Story an Fahrt auf und Jess Ryder überrascht zusätzlich noch mit einen kleinen Plot Twist, der noch eine Überraschung bringt.

Cover:

Gefunden habe ich nur das original englischsprachige Cover, welches auf jeden Fall mehr griechisches Flair hat, als das deutsche Cover. Schon alleine die typischen Farben blau und weiß vermitteln griechische Vibes. Dafür finde ich den Titel fast zu dominant am Cover.

Fazit:
Nicht überall, wo „Thriller“ draufsteht, ist auch wirklich ein Thriller drin. Mir hat "Die Touristin" aber gut gefallen und kann als Familiendrama oder Spannungsroman sehr gut unterhalten. Das bildhafte Setting der griechischen Insel verleiht zusätzlich Sommervibes.



Wem du traust - Petra Johann

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 428 Seiten
    • Verlag:‎ Aufbau Taschenbuch, 2. Auflage (8. Dezember 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746642507
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746642505
    • Genre: Krimi, Spannungsroman


Aufbau Kurzbeschreibung:
Eva führt mit ihrem Mann Daniel und dem gemeinsamen kleinen Sohn das perfekte Leben am Stadtrand. Oft hilft Sofia, die Tochter von Evas bester Freundin Susanne, als Babysitterin aus. Eines Nachts bringt Daniel die Fünfzehnjährige nach Hause, doch am nächsten Morgen ist sie spurlos verschwunden. Eine fieberhafte Suche beginnt. Als Sofias blutbefleckter Pullover gefunden wird, bricht Evas heile Welt zusammen. Ihr Mann beteuert seine Unschuld – doch kann sie seinen Worten Glauben schenken?

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ich liebe die Spannungsromane von Petra Johann. Ganz besonders mochte ich "Der Buchhändler", den ich immer gerne weiterempfehle. Eine tolle Milieustudie!
Genau diesen Blick hinter die Kulissen beherrscht die Autorin perfekt! Auch diesmal rätseln wir, wer hinter der gutbürgerlichen Fassade ein Geheimnis bewahrt....

Eva und Susanne sind schon sehr lange allerbeste Freundinnen. Als Susanne ihre heute 15jährige Tochter Sofia alleine aufziehen musste, war Eva immer zur Stelle. Gemeinsam waren sie für das Mädchen da und ihre kleine Patchwork- Familie. Seit Eva mit Daniel verheiratet ist, passt Sofia des Öfteren auf deren Sohn Linus auf. Das Verhältnis zwischen allen ist sehr freundschaftlich.
Als Eva und Daniel, sowie auch Susanne mit ihrem aktuellen Freund Axel eine Party besuchen, ist es wieder Sofia, die bei Linus bleibt. Während Susanne annimmt, dass ihre Tochter bei Eva und Daniel später  übernachten wird, möchte Sofia lieber nach Hause gefahren werden. Daniel bringt die Fünfzehnjährige nach Hause, doch am nächsten Tag ist das Mädchen verschwunden. Was ist passiert, nachdem Sofia aus dem Auto ausgestiegen ist?

Sofia ist eine Einzelgängerin, die kaum Freundschaften pflegt, aber sich für Vieles interessiert. Sie ist nicht unbeliebt und wird auch nicht gemobbt, aber sie bleibt am liebsten für sich. Umso schwieriger ist es für die Kriminalpolizei mehr über sie zu erfahren.
Schnell kommen Erinnerungen an den Disco-Mord hoch. Die damals neunzehnjährige Jennifer wurde vor 15 Jahren vergewaltigt und ermordet. Der Täter wurde bis heute nicht gefunden. Dieser Cold Case bleibt als roter Faden bestehen. Die Autorin eröffnet damit eine zusätzliche Perspektive, die Spannung aufbaut und mit dem Verschwinden von Sofia verwoben wird. 
Ihr gelingt es perfekt nach einem eher ruhigen Einstieg die Spannungskurve zu steigern, dass man als Leser gerne dran bleibt. 

Der Kriminalroman wird aus der Sicht von Eva, sowie aus der von Kriminalkommissarin Heidi Westphal erzählt. Dazwischen gibt es auch einige Passagen in kursiver Schrift, die Fragen aufwerfen. Diese werden aber schneller beantwortet, als ich eigentlich dachte.

Wie auch in ihren anderen Büchern legt die Autorin den Schwerpunkt des Spannungsromans auf ihre Charaktere. Man spürt, wie das Verschwinden von Sofia ihr Leben völlig auf den Kopf stellt und sie verändert. Die angespannte Atmosphäre und die Suche nach Sofia war jederzeit spürbar. Es geht um Freundschaft, Familie und Vertrauen.
Die Charaktere sind toll gezeichnet und trotzdem fragt man sich mit der Zeit immer wieder, ob einer von ihnen vielleicht doch nicht die Wahrheit sagt und wem man eigentlich trauen kann?

Der im Klappentext beschrieben blutbefleckte Pullover ist nicht nur eine Kapuzenjacke, sondern kommt auch erst im aller letzten Drittel vor. Immer öfters verzichte ich darauf Klappentexte zu lesen, bevor ich mit dem Buch starte, denn diese beschreiben oft zu viel oder einfach Dinge, die gar nicht oder anders geschehen.

Die Auflösung ist schlüssig, hat mich aber nicht ganz überzeugt. Trotzdem hat mich auch dieser neue Kriminalroman/Spannungsroman der Autorin wieder sehr gut unterhalten. 

Fazit:
Wieder eine überzeugende Geschichte von Petra Johann, auch wenn ich "Wem du traust" etwas schwächer als "Der Buchhändler" und "Die Schwester" finde. Dennoch hatte ich spannende Lesestunden und freue mich auf das nächste Buch der Autorin.


Vielen Dank an vorablesen und an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Amore in Italiano - Tabea Koenig

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Taschenbuch: 350 Seiten
    • Verlag:  Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage, (16. April 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746641322
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746641324
    • Genre: Familienroman, zwei Zeitebenen


Aufbau Kurzbeschreibung:
Lucias Welt steht kopf. Statt im Familienurlaub am Strand zu entspannen, muss sie – frisch getrennt – ihrem Vater und ihrem pflegebedürftigen Bruder hinterherreisen, die allein nach Italien aufgebrochen sind, um die Asche ihrer geliebten Frau und Mutter in die Heimat zu bringen. Unterwegs erfährt Lucia, wie stark die Bande der Familie trotz aller Schwierigkeiten sein können. Und mit einem Mal scheint so vieles möglich ... Ein abenteuerlicher Roadtrip durch Italien und eine warmherzige Familiengeschichte

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur "Music meets book" Challenge

Meine Meinung:
Lucia steckt in einer Lebenskrise. Ihr steht eine Scheidung ins Haus, ihre pubertierenden Töchter Vanessa und Sandra rauben ihr die letzten Nerven und seit dem Tod der Mutter muss sie sich noch neben ihrem Job um ihren Vater Alberto und den pflegebedürftigen Bruder Gianni kümmern. Ihr Nervenkostüm ist angespannt und ein Urlaub sollte endlich für etwas Entspannung sorgen. Doch die finanzielle Situation lässt dies nicht zu. Die Mädchen sind wütend, der Großvater, der die Asche seiner Frau in seine italienische Heimat bringen möchte, ist verletzt. Zusätzlich ist die Beziehung zwischen Vater und Tochter von jeher etwas angespannt.
In einer Nacht und Nebelaktion macht sich Alberto mit Gianni auf den Weg nach Italien. Er möchte die Reise, die er mit seiner Frau Cristina gemacht hat, bevor sie nach Deutschland auswanderten, noch einmal erleben. Er mietet sich eine Vespa und fährt mit Gianni all die Orte ab, die er mit seiner großen Liebe verbindet. Allerdings unterschätzt Alberto sein Alter und seinen geistig beeinträchtigten Sohn, was manchmal einige Probleme mit sich bringt....

Lucia bleibt nichts anderes übrig, als ihrem Vater und ihrem Bruder zu folgen. Anhand von alten Postkarten, die ihre Eltern damals an ihre Tante geschickt haben, versucht Lucia die Orte zu finden, die ihr Vater besuchen könnte. Mit zwei missmutigen Teenagern startet sie ihren Roadtrip von Norden nach Süden, während Alberto und Gianni von Neapel aus Richtung Norden fahren.... 

Wir folgen abwechselnd Lucia und ihren Töchtern, wie auch Alberto und Gianni. In Rückblenden erfahren wir von einer großen Liebe, die sich gegen alle Konventionen aufgelehnt hat und noch über den Tod hinaus spürbar ist. Alberto und Cristinas Liebe ist durch die Zeilen hindurch spürbar und die Erinnerungen schmerzhaft, aber auch unglaublich schön.

Durch die beiden unterschiedlichen Roadtrips ist man in ganz Italien unterwegs. Mit bildhaften Beschreibungen der Landschaft und speziellen Plätzen ist man als Leser direkt dabei und hat jede Menge Kopfkino. Man spürt "La dolce Vita" und genießt die wundervolle Atmosphäre, die Urlaubsfeeling versprüht - auch wenn die Themen hier tiefer gehen und man nicht immer nur ein Wohlfühlbuch in der Hand hat.
Die Figuren entwickeln sich weiter und vor allem das Zusammenwachsen der Familie habe ich genossen. Lucia konnte ich in vielen Belangen verstehen, auch wenn sie oftmals durch ihren Perfektionismus und ihrer ruppigen Art nicht ganz so sympathisch rüberkommt. Ich habe jedoch ihre immense Überforderung gespürt und habe mich gefreut, dass sie etwas zurück ins Leben findet. Die Vergangenheit ihres Vaters bringt die Beiden durch diesen Roadtrip endlich ein bisschen näher und Lucia beginnt ihn besser zu verstehen. Neben einigen berührenden Momenten kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Nur zum Ende hin wurde es mir etwas zu kitschig und zu sehr auf Happy End getrimmt. Das hätte nicht unbedingt sein müssen.

Das nostalgische Cover, auf dem man Alberto und Cristina wähnen kann, ist sehr gelungen. Die Farbgebung und auch diese Art von Vintage-Zeichnungen mag ich sehr.

Fazit:
"Amore in Italiano" ist ein atmosphärischer Roadtrip auf zwei Zeitebenen um Familie, Verlust und einem Neuanfang. Besonders für Italienliebhaber eine Empfehlung!


Vielen Dank an Tabea Koenig und den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Sommerhimmel über dem Möwenhof - Frida Jacobsen

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 352 Seiten
    • ‏Verlag:‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (12. Februar 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746641683
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746641683
    • Genre: Roman


Aufbau Kurzbeschreibung:
Für einen Neuanfang zieht Maren mit ihren Kindern zurück an die Nordseeküste, wo ihre Familie auf dem Möwenhof ein gemütliches Bed & Breakfast betreibt. Als sich Maren Hals über Kopf in den Bootsbauer Henning verliebt, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch gerade jetzt plant ihr Onkel, das idyllische Kleinod zu verkaufen. Die Frauen vom Möwenhof geben nicht auf und setzen alles daran, ihn umzustimmen. Marens Beziehung zu Henning wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Kann sie auf seine Unterstützung vertrauen und ihr Zuhause retten?

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Maren und Tom haben sich getrennt und für die Mutter von drei Kindern geht es von Bayern zurück an die Nordsee. Dort leben ihre Mutter und ihre Tante Levke im Möwenhof und betreiben ein kleines Bed & Breakfast. Auch Marens Schwester Merle wohnt im selben Ort. Jobmäßig soll Maren demnächst bei einer Werbeagentur anfangen, doch nähere Informationen lassen noch immer auf sich warten.

Was mich beim Lesen von Beginn an etwas irritiert hat, war die furchtbar kleine Schrift. Wir Leser sind schon sehr verwöhnt von großen Lettern und Abständen in Büchern - im Gegensatz zu früher. Oftmals wird der Text auch aufgeplustert, damit man die Geschichte als Paperback teurer verkaufen kann. Das ist hier nicht so, was ich toll finde. Jedoch hätte ich mir manchmal trotzdem eine größerer Schriftgröße gewünscht.

Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht. Man ist sofort mitten im Geschehen. Maren packt ihre Sachen und macht sich auf den Weg in ihre alte Heimat. Es fällt ihr schwer, ihre Kinder aus der gewohnten Umgebung zu reißen, aber an der Nordsee warten auch Oma, Großtante und Tante, die alle Zeit für Nele, Nico und Noah haben. 
Maren hat allerdings nicht damit gerechnet, ihr Herz schneller klopfen zu spüren, als sie zufällig Bootsbauer Henning kennenlernt. Für Maren bringt diese unerwartete Anziehung zu diesem Mann ihre Pläne durcheinander und außerdem sind da ja auch noch die Kinder...
Doch es kommen noch weitere dunkle Wolken auf Maren und ihre Familie zu. Ludger, der Onkel von Maren, dem der Möwenhof eigentlich gehört und dessen Schwestern ihn zwar für ihn verwalten und ihr lebenslanges Wohnrecht haben, möchte das idyllische Kleinod verkaufen. Maren und ihre Familie haben gerade erst die Zimmer renoviert und endlich ein Gefühl von Heimat erfahren...soll alles wieder so schnell vorbei sein?

Erzählt wird im Wechsel aus der Sicht von Maren und Henning. So bekommt man einen ehrlichen Blick in die Gefühlswelt der beiden. Die Figuren sind - bis hin zu den Nebenfiguren -sehr lebendig, authentisch und mit viel Liebe gezeichnet. 
Maren ist eine sehr sympathische Frau, die das Familienleben an erster Stelle stellt. Dabei möchte sie aber auch so gut wie möglich unabhängig sein, was nicht immer so einfach ist.
Henning ist, wie Maren, ein gebranntes Kind, was Beziehungen angeht. Auch Job mäßig hat er früher einiges anders gemacht, was eine ganz andere Seite von ihm zeigt.

Der Schreibstil von Frida Jacobsen, den ich bereits kenne, hat mir wieder sehr gut gefallen. Er ist bildhaft und auch humorvoll. Das Flair der Gegend rund um die Nordsee und seiner Bewohner ist wundervoll eingefangen. Lokalkolorit verspricht auch der Dialekt der Region, der immer wieder "eingestreut" wird.

Fazit:
Mir hat dieser locker-leichte und warmherzige Sommerroman gut gefallen und unterhalten. Diese kleine Auszeit am Möwenhof ist eine hervorragende Wochenendlektüre, um sich einzukuscheln und vom Sommer zu träumen.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Wir waren nur Mädchen - Buzzy Jackson

     
    Die Bildrechte liegen beim Verlag

    • Gebundene Ausgabe: 553 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau; 2. Edition (17. April 2024)
    • Übersetzer: ‎ Christine Strüh
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3351042280
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3351042288
    • Originaltitel: ‎ To Die Beautiful
    • Genre: Historischer Roman, #gegendasvergessen, historische Biografie, Romanbiografie



Aufbau Kurzbeschreibung:
Amsterdam, 1940: Hannie Schaft studiert Jura, und ihre Träume für die Zukunft sind ehrgeizig und voll Hoffnung. Doch es herrscht Krieg, und es sind die Träume, die zuerst sterben. Hannie sieht keine andere Möglichkeit mehr, als sich dem Widerstand anzuschließen. Und sie entdeckt ihre gefährlichste Waffe: ihr Frausein. Getarnt von Schönheit und Jugend kommt sie jenen Männern nahe, die so viel Unheil stiften – und tötet sie. Bald ist »das Mädchen mit den roten Haaren« die meistgesuchte Frau Hollands. Die Welt um sie herum verliert alles Menschliche, Hannie indes ist fest entschlossen, menschlich zu bleiben. Aber dann beginnt sie, Gefühle für den Widerstandskämpfer Jan zu entwickeln, mit verheerenden Konsequenzen ...
Die Widerstandskämpferin Hannie Schaft – eine Frau, die ihr Leben für die Freiheit aller riskierte

Meine Bewertung: * * * * * 

♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Diese Romanbiografie über die niederländische Widerstandskämpferin Hannie Schaft ist mir bereits in der Vorschau aufgefallen, denn die Inhaltsangabe hat sofort mein Interesse geweckt.

Obwohl ich viele Bücher über den Holocaust und den zweiten Weltkrieg gelesen habe, war mir Hannie Schaft nicht bekannt. Ich wusste auch nicht wirklich viel über den Widerstand in den Niederlanden. 

Die Geschichte beginnt eher ruhig mit dem Kennenlernen von Hannie, eigentlich Johanna, die Jura in Amsterdam studiert. Sie ist eine eher schüchterne junge Frau, die in den Mitstudentinnen Philine und Sonja endlich zwei Freundinnen gefunden hat. Alle drei haben ehrgeizige Pläne, die durch den Einnmarsch der Deutschen Truppen in den Niederlanden jäh zerstört werden. Philine und Sonja sind Jüdinnen und werden der Universität verwiesen. Hannie weigert sich die Verpflichtungserklärung des Deutschen Reiches zu unterzeichen und gibt ihr Studium, wie der Großteil der niederländischen Student:innen, auf. Besorgt um die Sicherheit ihrer Freundinnen versteckt sie Philine und Sonja bei ihren Eltern in Haarlem und schließt sich der bewaffneten Widerstandsgruppe RVV (Raad van Verzet) an. Zunächst sind es Botengänge und kleinere Diebstähle, doch schon bald bekommt Hannie auch Aufträge für Anschläge und Morde an hochrangigen Nazi-Offizieren. Die jugendlichen Schwestern Truus und Freddie Oversteegen und ihr "Lehrer" Jan Bonekamp sind dabei ihre engsten Freunde und Mitstreiter. Mit Jan verbindet sie auch bald mehr und ihre Aufträge werden immer gefährlicher....

Buzzy Jackson hat sich dem Leben der leider viel zu unbekannten Widerstandskämpferin Hannie Schaft, dem Mädchen mit den roten Haaren, angenommen. Der Roman wird in vier Teilen aus der Sicht von Hannie erzählt, ist ungeschönt und auch schwere Kost. Beim Lesen kommt man Hannie sehr nahe und je weiter die Seitenzahl steigt, umso bedrückender wird es. Man fühlt die Auswegslosigkeit und die Wut, die Hannie immer wieder dazu bringt, nicht aufzugeben. Dabei greift sie auch zu radikalen Mitteln, was mir nicht immer gefallen hat. Trotzdem empfinde ich für diese junge Frau große Empathie, die sich für die Freiheit ihres Volkes eingesetzt hat.

Im Wesentlichen erinnert mich die Geschichte an einem Farbverlauf von hell zu dunkel. Der Beginn erzählt, wie Hannie, eine erfolgreiche Jurastudentin, von ihrer Zukunft träumt, die jäh zerstört wird, als die Deutschen die Niederlande einnehmen. Ganz langsam, aber stetig übernehmen sie das Land und ihre Einwohner. Zuerst mit verdeckten Mitteln, später immer offensichtlicher, werden die Einschränkungen für die Niederländer immer mehr. Tyrannei, Verfolgung, Unterdrückung, Deportation, sinnlose Tötungen - bis in den letzten Jahren der Hunger überhand nimmt und besonders im Hungerwinter 1944/45 grausam zuschägt. Es ist eine Geschichte, die viele Menschen zu dieser Zeit erfahren mussten.

Besonders das letzte Drittel des Romans ist sehr bewegend und hat mich tief berührt. Obwohl ich schon sehr viele Bücher zu diesem Thema gelesen habe, verlangt die Lektüre dem Leser einiges ab. Die Vergeltungsmaßnahmen, die im Gegenzug zu den Widerstandsaktionen durchgeführt wurden, die Grausamkeiten der deutschen Wehrmachtssoldaten und ganz besonders die Beschreibung der Folter am Ende des Buches, sind nicht einfach zu lesen.

Trotz der erschütternden Geschichte liest sich dieser biografischer Roman, in dem die Autorin Wahrheit und Fiktion vereint hat, sehr flüssig. Die holländischen Ausdrücke und Phrasen, die verwendet werden, sind kursiv gedruckt und werden sofort übersetzt.
Buzzy Jackson hat hervorragend recherchiert
und mit der kurzen Lebensgeschichte der Hannie Schaft ein weiteres Andenken an diese außergewöhnliche Frau geschaffen, die in ihrem Heimatland unvergessen ist. Auch wenn ich in vielen Situationen nicht wie Hannie hätte handeln können, ist ihr Mut und ihr starker Wille für die Freiheit zu kämpfen bemerkenswert. 
Auf jeden Fall sollte man noch das Nachwort und die Anmerkung der Autorin lesen.
Unwillkürlich fragt man sich selbst: Wie weit würde ich gehen? Und was würde ich in dieser Situation tun?

Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Ausgaben, das spanische, das rumänische und das ungarische Cover

Fazit:
Ein sehr bewegender Roman über das Leben der niederländischen Widerstandskämpferin Hannie Schaft - hervorragend recherchiert und grandios erzählt. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mademoiselle Marthe und die Küche der Freiheit - Ulrike Renk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 592 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (14. März 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746640555
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746640556
    • Genre: historischer Roman, zwei Zeitebenen 

     

Aufbau Kurzbeschreibung:
1889: Marthe wächst auf einem Hof in den Vogesen auf, ihre Großmutter bringt ihr bei Brot zu backen, ihre Mutter, eine hervorragende Köchin, wie man aus den einfachsten Zutaten wunderbare Gerichte zaubert. Als sie mit ihrer Mutter nach Paris zieht, taucht sie in eine neue Welt ein. Nicht nur lernt sie einen Mann kennen, der ihr aller Gegensätze zum Trotz den Hof macht, sie erkennt auch, dass ihr das Schreiben genauso viel Freude macht wie das Kochen. Doch wird es ihr gelingen, sich in der männerdominierten Welt der französischen Küche zu behaupten? Bestsellerautorin Ulrike Renk erzählt das spannende Leben von Marthe Distel –Journalistin und Gründerin der renommiertesten Kochschule Le Cordon Bleu. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von Ulrike Renk habe ich bereits einige großartige Romane gelesen, darum war ich auf ihre neue Geschichte über Marthe Distel, der Journalistin und Gründerin der renommiertesten Kochschule, neugierig. Ich muss zugeben, dass ich selbst keine gute Köchin bin und ich habe auch noch nie von Le Cordon Bleu gehört. Umso neugieriger war ich nun mehr über Marthe Distel zu erfahren.

Marthe lebt, gemeinsam mit ihrer Mutter Julie, bei ihrer Großmutter Joséphine in den Vogesen. Der kleine Hof wird von den Frauen bewirtschaftet und so lernt Marthe bereits von klein auf zu kochen. Die Nahrungsmittel werden nach den Jahreszeiten verbraucht und die Frauen erzeugen selbst aus wenigen Zutaten ein leckeres Essen. Marthe lernt, wie man mit Rohstoffen und Lebensmittel umgeht, Vorräte anlegt und haltbar macht. Fleißig notiert sie alles in ihr Notizheft.
Julie möchte jedoch, dass Marthe eine ordentliche Schulausbildung erhält. Sie nimmt deshalb eine Stelle als Hauswirtschafterin bei einer großbürgerlichen Familie in Paris an. Marthe bekommt die Möglichkeit gemeinsam mit Florence, der Tochter des Hauses, das Lyzeum zu besuchen. Die beiden Mädchen werden - trotz des Standesunterschiedes - gute Freundinnen. Marthe möchte später unbedingt Journalistin werden, auch wenn sie weiß, dass es für Frauen besonders schwer ist, in diesem Beruf Fuß zu fassen.
Aber auch hervorragende Köchinnen, wie Julie, haben es im Paris des späten neunzehnten Jahrhunderts schwer, denn in der Stadt war der Beruf des Kochs nur Männern vorbehalten. Bald erkennt aber die Familie, welche Perle sie sich ins Haus geholt haben und Julie erhält im Haushalt eine Sonderstellung.

Der Roman erzählt lange über das Leben von Marthe als junge Frau und auch über ihre Fertigkeiten in der Küche, die sie von ihrer Mutter und Großmutter gelernt hat. Bildreich werden die einfachsten Handgriffe, wie Kartoffel schälen, Gemüse putzen oder Zwiebel schneiden beschrieben. Ohne Kühlschrank und elektrischen Herd war es damals nicht so einfach. Umso interessanter liest sich ist die Zubereitung einfacher, aber auch raffinierter Speisen, die sehr detailreich beschrieben werden. Hunger sollte man beim Lesen auf keinen Fall haben!

Die Schauplätze in Paris und in den Vogesen sind sehr bildhaft beschrieben und ich hatte das Gefühl immer mit dabei gewesen zu sein. Sehr spannend ist auch das Thema rund um die Pariser Weltausstellung und der Ablehnung des Eisenturmes von Gustav Eifel. Mit einem Schmunzeln habe ich gelesen, das geplant war den Eifelturm wieder zu entfernen.

Das Verhältnis der drei Frauen, Marthe, Julie und Joséphine, zueinander empfand ich als sehr eng - vorallem zur Großmutter. Die wechselnden Perspektiven geben dabei einen besonders guten Einblick. Allerdings dauert es relativ lange, bis wir an den Punkt kommen, der Marthe berühmt gemacht und sie ihr Wissen aus der Küche und den Journalismus miteinander verbunden hat.
Die Gründung der Kochschule kommt erst im letzten Drittel zu Sprache, was ich etwas schade fand. Dabei erfahren wir auch mehr über Marthes Vorbild, Auguste Escoffier, der die Küche und Ausbildung der männlichen Köche revolutioniert hat.

Ulrike Renk hat ihren Roman in fünf Abschnitte, benannt nach einem 5-Gänge-Menü aufgeteilt. Wir beginnen mit einem Amuse-Gueule, es folgt das Entrée und die warme Vorspeise, danach die Hauptspeise und dem anschließenden Dessert. Bon appétit!

Fazit:
Eine gelungene Erzählung über Marthe Distel, die für mich unbekannte Gründerin der berühmtesten Kochschule Le Cordon Bleu und ihr Leben. Ulrike Renk erzählt dieses in einer packenden Geschichte rund um die französische Kochkunst, die damals nur den Männern offen stand.


Das Licht der Fjorde - Christine Kabus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 537 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (17. April 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746640059
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746640051
    • Genre: Historischer Roman, zwei Zeitebenen



Aufbau Kurzbeschreibung:

1941: Für Solveig ist das Leben im okkupierten Stavanger ein Balanceakt. Sie arbeitet als Übersetzerin für die Besatzer, doch als sie den jungen Ingenieur Roar kennenlernt, schließt sie sich dem Widerstand an. Dass sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Liebe in große Gefahr bringt, wird Solveig erst bewusst, als sie eine erschütternde Nachricht erhält. 1970: Als ihr Vater von seiner Ölbohrfirma aus den USA nach Norwegen geschickt wird, ahnt Lizzy noch nicht, dass in seiner alten Heimat ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit schlummert, das auch ihr Leben durcheinanderwirbeln wird. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Den neuen Roman von Christine Kabus durfte ich via Lovelybooks lesen. Leider dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis ich mein Buch in den Händen halten durfte. Nachdem das erste Exemplar nie bei mir angekommen ist, wurde mir vom Aufbau Verlag (vielen Dank!) nochmals ein Buch zugeschickt, welches mich dann erreichte. Nachdem bereits alle das Buch gelesen und rezensiert hatten, war ich alleine auf weiter Flur bei der "Leserunde".

Von Christine Kabus habe ich bereits einige Romane gelesen. Die letzten Geschichten spielten in Estland, was ich sehr interessant finde. Meistens spielen ihre Bücher allerdings in Norwegen, wie auch "Das Licht der Fjorde".

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen, nämlich 1970 und Anfang der Vierziger Jahre, erzählt.
Norwegen ist zu diesem Zeitpunkt von den Deutschen besetzt. Die junge Solveig ist Übersetzerin für die deutschen Truppen und lernt durch ihren Vater den Ingenieur Roar kennen und lieben. Als Solveig erfährt, dass ihr Freund im Widerstand arbeitet, schließt sie sich ihm an. Doch schon bald schweben beide in großer Gefahr...

Lizzys Vater arbeitet bei einer Ölbohrfirma. Der gebürtige Norweger, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, zieht berufswegen mit der gesamten Familie nach Stavanger. Der Umzug ist für Lizzy nicht leicht, zumal sich ihr Vater plötzlich seltsam verhält und etwas zu verbergen scheint. Während sich ihr kleiner Bruder Chris schnell an seine neue Heimat gewöhnt, vermisst Lizzy ihre beste Freundin Shirley und ihre Großeltern. Als sie  Erik, seine Schwester Reidun und seinen besten Freund Ole kennenlernt, beginnt sie sich mit ihrer neuen Situation etwas mehr anzufreunden.

Christine Kabus hat viele interessante historische Fakten und Hintergründe in ihrem Roman miteinfließen lassen. Über Norwegen und den Widerstand während der Besatzungszeit wusste ich bisher sehr wenig. Bislang habe ich nur ein Buch zum Thema "Lebensborn" gelesen, welches in Norwegen während des Zweiten Weltrkieges spielt.

Die Autorin schreibt teilweise sehr detailreich, aber auch wunderbar flüssig. Ganz besonders liebe ich aber ihre bildhaften Beschreibungen der Landschaft, wie auch die Einbettung politischer und historischer Begebenheiten zu dieser Zeit. Ich habe wieder einige neue Erkenntnisse über diese Zeitspanne während des Zweiten Weltkrieges gezogen - bei diesem Thema lernt man wirklich nie aus.

Leider empfand ich diesmal die Handlung etwas zu sehr in die Länge gezogen, während mir der Wechsel der beiden Handlungstsränge zu schnell von statten ging. Kaum war man in einer Zeit richtig drinnen, wurde man schon wieder herausgerissen. Das war schade!
Bis es zum spannenden Finale kam, dauerte es sehr lange. Hier hätte ich mehr Tempo und vielleicht ein bisschen weniger Ausführlichkeit vorgezogen. Ein Punkt war für mich auch schon sehr früh ersichtlich und keine wirkliche Überraschung mehr. Das Ende war mir dann jedoch wieder zu schnell abgehandelt. Im Großen und Ganzen war es jedoch eine bewegende Geschichte.

Fazit:
Eine interessante Geschichte auf zwei Zeitebenen, die mir leider zu viele Längen hatte und erst im letzten Drittel richtig an Tempo zunahm. Der Wechsel zwischen den beiden Zeiten empfand ich hingegen zu schnell. Der historische Hintergrund war allerdings sehr gut recherchiert und bewegend erzählt.

Vielen Dank an die Autorin und an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Eddas Aufbruch - Beate Rösler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 507 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (14. März 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746639298
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746639291
    • Genre: Roman, historischer Roman


Aufbau Kurzbeschreibung:
Um der Enge ihres autoritären Elternhauses zu entkommen, geht die 19-jährige Edda als Au-pair nach Paris. In einer politisch aufgeheizten Zeit verliebt sie sich in den Studenten Marcel, der neue Fragen in ihr weckt: Auf welcher Seite standen ihre Eltern in den Jahren des Nationalsozialismus? Zurück in Frankfurt am Main konfrontiert sie ihren Vater, doch dieser hüllt sich in Schweigen. Erst als Edda alte Feldpost im Schlafzimmer ihrer Mutter entdeckt, kommt sie den Ereignissen der Vergangenheit auf die Spur. Was sie herausfindet, stellt nicht nur ihre Beziehung zu Marcel auf die Probe. Edda muss sich zudem entscheiden, wie weit sie für Gerechtigkeit gehen will … 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Aufgrund des Klappentextes war ich zu Beginn des Romans etwas irritiert, dass sich die Geschichte auf den ersten 200 Seiten fast ausschließlich um die Studentenbewegung der späten Sechziger Jahre und den Beginn der RAF drehte. Ich hatte angenommen, bereits von der ersten Seite über die Schuld und Vergangenheitsbewältigung der Kriegssgeneration zu lesen. Doch dieser Roman ist sehr viel mehr...

Wir sind im Jahhre 1968, als Edda an der Demonstration gegen den Schah-Besuch in Berlin demonstriert, der bekanntlich völlig aus dem Ruder läuft. Edda ist entsetzt, wie brutal die Polizei gegen die Demonstraten vorgeht. Gemeinsam mit ihren Freundin Ariane und ihrem Freund Kai möchte sie in Zukunft weiter gegen die Willkür  des Staates ankämpfen. Eddas politische Ansichten und ihr Aufbegehren wird von ihren Eltern alles andere als gut aufgenommen. Als sie nach dem Abitur als Au Pair nach Frankreich gehen will, ist vorallem ihr Vater dagegen. Doch Edda möchte weg aus ihrem konservativen Elternhaus - dem autoritären Vater und der gefühlskalten Mutter. Nach einigen Widerständen stimmen sie Eddas Wunsch zu, die ihre Stelle in Paris antritt. Dort lernt sie den Studenten Marcel kennen und verliebt sich in ihn. Doch Marcels Mutter wurde im Kampf gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg getötet und er will keine Freundschaft oder Beziehung zu einer Deutschen eingehen. Durch Marcel beginnt Edda über die Rolle ihrer Eltern während des Krieges nachzudenken. Sie versucht mehr aus ihnen herauszubekommen, stößt jedoch auf Schweigen und Ignoranz. Doch dann findet Edda alte Feldpostbriefe und ein Foto ihres Vaters, der ihn nicht in Polen zeigt, wo er angeblich stationiert war....
Edda beginnt nachzuforschen und ihre neue Liebe wird auf eine große Probe gestellt.

Der Roman bietet eine perfekte Mischung aus historischen Ereignissen mit real existierenden Personen und Fiktion. Politik spielt ebenfalls eine große Rolle. Wir sind dabei, als Benno Ohnesorg getötet wird und Schüsse auf Rudi Dutschke fallen. Edda lernt Andreas Bader und Gudrun Ensslin noch vor ihrer endgültigen Radikalisierung kennen, während die Franzosen vorallem gegen den Vietnamkrieg demonstrieren. Die junge 68er Generation stellt sich gegen die Kriegsgeneration und verändert nachhältig das Weltbild.
Mit Eddas Eltern haben wir eine typische gutsituierte Familie vor uns, die über die vergangen Jahrzehnte schweigt. Sie verurteilen die Jungen, die sich gegen ihre Ignoranz und ihre Konservativität auflehnen.

Die Figuren sind sehr vielschichtig dargestellt. Edda ist eine sympathische junge Frau. Sie reagiert aber in ihrem jugendlichen Überschwang oft unüberlegt, was zu neuen Problemen führt. Das beginnt bei der Kinderbetreuung bei ihrer Gastfamilie und endet bei den Demonstrationen und ihrem Verhalten gegenüber ihren Eltern. Im Laufe des Romans entwickelt sich Edda aber sehr weiter.
Mit Kai hatte ich anfangs meine Probleme, doch auch er findet in seinem Leben endlich Halt und einen Sinn. Im Gegensatz dazu wird aus dem anfangs sympathischen Marcel ein junger Mann, der mich am Ende sehr enttäuscht hat. 

Der Schreibstil von Beate Rösler ist bildhaft. Die damalige Stimmung und Atmosphäre ist fantastisch eingefangen. Man erkennt die penible Recherche der Autorin auf allen Seiten.

Interessant finde ich, dass ich trotz jahrelanger Lektüre zum Thema Zweiten Weltkrieg, immer wieder etwas (schreckliches) Neues erfahre. Hier ist es das grauenhafte Massaker der SS an den Einwohnern des Ortes Oradur-sur-Glane, welches im Roman eine große Rolle spielt.

Fazit:
"Eddas Aufbruch" ist ein Stück Zeitgeschichte und eine Reflektion der 68iger Generation, die in einem spannenden Roman verpackt wurde. 

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

The Breakup Tour - Emily Wibberley, Austin Siegemund-Broka

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

    • Taschenbuch: 409 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (14. Februar 2024)
    • Übersetzer: ‎ Nina Restemeier
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746641098
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746641096
    • Originaltitel: ‎ The Breakup-Tour
    • Genre: Liebesroman


Aufbau Kurzbeschreibung:
Es ist ihr Liebeskummer, der ihr den Durchbruch bringt: Mit ihrem Album »The Breakup Record«, das sich um ihre Trennungen dreht, wird Singer-Songwriterin Riley über Nacht zum Superstar. Doch dann brüstet sich ihr Ex-Mann damit, sie zu ihrem größten Hit »Until You« inspiriert zu haben, und Riley kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um Max, ihren Ex aus Jugendtagen, wiederzutreffen. Aber Max will sich nur als ihre einstige große Liebe outen, wenn sie ihn als Keyboarder mit auf Tour nimmt. Und so beginnt der Sound ihrer Liebe von Neuem … 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ich bin ein Fan von Geschichten, bei denen es um Musik geht - egal welcher Art. Da ich in einem Musikhaus arbeite, bin ich täglich von verschiedenen Musikrichtungen umgeben.
"The Breakup Tour" wird besonders Taylor Swift Fans ans Herz gelegt. Ich mag viele ihrer Songs, bin aber kein Fan und kann somit nicht wirklich beurteilen, ob die Taylor Swift Vibes im Roman allgegenwärtig waren oder nicht.

In "The Breakup Tour" begleiten wir Riley Winn, eine erfolgreiche Songwriterin und Popsängerin. Ihr neues Album, in dem sie über ihre ehemaligen gescheiterten Beziehungen singt, sprengt alle Rekorde. Besonders ihr Song "Until You" wird zum Charterfolg. Doch dann brüstet sich Rileys narzisstischer Exmann Wesley, sie zu ihrem erfolgreichsten Song inspieriert zu habe. Als Schauspieler hofft er, dass durch Rileys Erfolg auch etwas auf ihn abfärben wird und beginnt über Social Media immer wieder seine Rolle im Song hervorzuheben. Doch "Until You" hat Riley ihrem Jugendfreund Max gewidmet und sie hat entschieden etwas dagegen, dass sich Wesley ihren Erfolg zu Nutzen machen möchte. Deshalb fährt Riley in ihre Heimatstadt, um Max zu besuchen, den sie vor Jahren ihr Herz geschenkt hat. Vor zehn Jahren waren die beiden ein Paar und haben gemeinsam Musik gemacht, bis Rileys Karriere startete und Max das Seniorenheim der Eltern übernommen hat, statt gemeinsam mit ihr auf Tour zu gehen. Seitdem haben sie sich nicht mehr gesehen und trotzdem hofft Riley, dass sie Max dazu überreden kann, Stellung zu nehmen und sich als die Person hinter "Until You" outet. Max lehnt zuerst ab, doch als das Seniorenheim kurz davor steht geschlossen zu werden, schlägt er Riley einen Deal vor: Er begleitet sie als Keyboarder auf ihrer US-Tour, denn er benötigt Geld für den Bestand des Seniorenzentrums. Zusätzlich möchte er auch gerne wissen, ob er damals die richtige Entscheidung getroffen hat, als er sich gegen die Musik entschied, die doch ein großer Teil seines Lebens ist....

Musik ist eines meiner Lieblingsthemen in Büchern. Das Autorenduo konnte mich damit richtig abholen und hat mich mit ihren poetischen Musikmetaphern völlig überrascht. Die Songtexte sind eindrucksvoll und passen vor allem wunderbar zum Musiksetting. Es gab jede Menge Einblicke in die Branche, in das Tourleben und auch in den Songwritingprozess. Das fand ich überaus spannend und habe es genossen, nicht nur eine Liebesgeschichte zu lesen, sondern die Band begleiten und auch "Tourluft" atmen zu dürfen.

Die Liebesgeschichte hat mich jedoch ein bisschen zwiegespalten zurückgelassen. Mir fehlte es oftmals an klarer Kommunikation zwischen den Beiden. Ein einziges klärendes Gespräch hätte gutgetan, aber dann wäre natürlich die Geschichte bereits knapp vor der Hälfte zu Ende gewesen. Die Konsequenz daraus ist, dass es deshalb doch sehr viel unnötiges Drama gibt. Die Beiden kommen sich wieder näher, jedoch stehen die Probleme von früher noch immer unausgesprochen zwischen ihnen im Raum. Bis zum Schluss weiß man nicht, ob Max und Riley wieder zusammenfinden werden oder nicht.

Riley bleibt irgendwie unergründlich. Sie wirkt flatterhaft und handelt oftmals widersprüchlich. Tief in ihr drinnen ist sie jedoch verunsichert und die Ehe mit Wesley hat ihr ebenfalls nicht gut getan. Wenn sie jedoch ihre Lieder schreibt, ist sie total im Reinen mit sich selbst. Trotzdem empfand ich sie als Protagonistin etwas anstrengend.
Max ist bodenständig und seine Gefühlswelt wird dem Leser ungefiltert weitergegeben. Er weiß oftmals nicht woran er mit Riley ist und hat Angst davor, für sie wieder nur Inspiration für ein neues Lied zu sein....was ich sehr gut nachvollziehen konnte.
Alle Charaktere im Buch sind bis hin zu den Nebenfiguren authentisch beschrieben. Sie wirken lebendig und vor allem die kleine Nebengeschichte rund um Rileys Mutter mochte ich sehr. 

Cover:

von links nach rechts:
Zwei englischsprachige Cover. Leider habe ich sonst keine Übersetzungen gefunden. Ich mag das deutschsprachige Cover, welches von einem der beiden Originalcovern inspiriert wurde sehr. Es hebt sich von anderen Geschichten aus diesem Genre ab und passt zum Inhalt.

Fazit:
Eine musikalische Second Chance Geschichte, die mir vorallem durch den poetischen Schreibstil und dem Thema Musik gefallen hat. Man atmet Tourluft und begleitet die Protagoinisten auf der Bühne und im Studio. Die Liebesgeschichte war mir hingegen etwas zu viel Drama und kompliziert.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Die Fabrik der süßen Dinge: Helenes Träume - Claudia Romes

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 334 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (15. Januar 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746639441
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746639444
    • Genre: historischer Roman,  Familiensaga
    • Reihe: ja - Band 2 der Fabrik der süßen Dinge Dilogie (?)



Aufbau Kurzbeschreibung:
Köln, 1933: Helene hat sich für die Süßwarenmanufaktur ihrer Familie entschieden und setzt alles daran, das Unternehmen erfolgreich durch die Weltwirtschaftskrise zu manövrieren. Doch ihre Ehe mit Georg bekommt bereits nach der Geburt ihrer Tochter erste Risse – und dann gerät auch noch der Ruf der Firma in Gefahr. Dass ausgerechnet Frederik, ihr einstiger Verlobter und Konkurrent aus Hamburg, sie und ihre Kreationen retten könnte, wirft Helene aus der Bahn, und längst erloschen geglaubte Gefühle kommen wieder auf ... 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem mich der erste Teil der Reihe noch nicht so ganz abholen konnte, habe ich den zweiten Band sehr gerne gelesen, der direkt an den Vorgänger anknüpft.

Helene von Ratschek hat sich dafür entschieden das Familienunternehmen gemeinsam mit Bruder Alfred durch die Wirtschaftskrise zu führen und die Ehe mit Georg einzugehen. Diese bekommt nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Anita bereits leichte Risse und Helene muss nicht nur um das Fortbestehen der Süßwarenmanufaktur, sondern auch um ihre Ehe zu kämpfen.

Wir befinden uns in der Zeit von 1933-1939. In der Geschichte wird der Aufstieg der NSDAP und ihr Einfluss auf die damaligen Menschen sehr deutlich beschrieben. Helene setzt sich für ihre Mitarbeiter:innen und deren Familien ein, egal welcher Religion und Schicht sie angehören. Sie kämpft an einigen Fronten und macht sich dadurch Feinde. Ihre Stellung in der Süßwarenmanufaktur wird nicht nur durch ihren Bruder Alfred boykottiert, sondern auch die NSDAP sieht Frauen in keiner Führungsposition, sondern zuhause bei Kind und Herd.

Die im Klappentext angesprochene Gefahr für die Firma rückt erst im letzten Drittel richtig in den Vordergrund, denn Helene muss sich vor Gericht behaupten. Ein ihr vorgeworfener Rezeptdiebstahl könnte die Firma ruinieren. Die Anklage lautet, dass die Erdbeer-Taler, die sie damals in der Hamburger Süßwarenfabrik Spiegel entworfen hat, von einer Bremer Firma zuerst hergestellt worden sei. Helene weiß, dass dies nicht stimmen kann, aber sie kann das Gegenteil nicht beweisen...

 Die fröhlichen Momente sind in diesem Teil eher wenige. Auch die Herstellung der Süßigkeiten gerät leider etwas in den Hintergrund und wird von anderen Themen überlagert. Das fand ich schade.Trotzdem konnte mich der Plot begeistern und vorallem im letzten Drittel wurde es richtig spannend.

Die Figuren sind sehr lebendig beschrieben. Helene ist eine einfühlsame und starke junge Frau, deren Einsamkeit ich durch die Zeilen spüren konnte. Manchmal ist sie trotzdem zu naiv und gutgläubig und kommt dadurch hart auf den Boden der Tatsachen an. Die enge Freundschaft mit ihrer Schwägerin Eva bringt ihr hingegen viel Freude.
Georg und Helene entfremden sich hingegen immer mehr und mein Verdacht gegenüber Georg hat sich in diesem Teil nun auch bestätigt.

Das Ende kam dann etwas plötzlich und hat noch einige Fragen offen gelassen, die den Wunsch nach einen Nachfolgeband wecken. Noch weiß ich nichts von einem dritten Band...aber wer weiß. Ich würde mich freuen, denn ich würde gerne noch mehr über Helene und diese Zeit lesen, auch wenn ich befürchte, dass diese noch dunkler werden wird...

Fazit:
Die Fortsetzung rund um die Süßwarenmanufaktur hat mir besser gefallen, als der erste Teil, auch wenn es diesmal weniger um die Herstellung der leckeren Süßigkeiten ging, sondern der Fokus eher auf historische/politische Probleme rund um die Fabrik, den Rezeptdiebstahl und persönliche Differenzen ging. Eigentlich ist die Reihe als Diologie angelegt, aber ich hoffe auf eine Fortsetzung, da für mich das Ende nicht wirklich abgeschlossen war.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!
 
Die Reihe rund um die Süßwarenfabrik von Radke: 
  1. Helenes Hoffnung  *Rezi*
  2. Helenes Träume
 

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