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Und sie schenkten ihnen ein Zuhause - Laura Baldini

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundenes Buch: 336 Seiten
    • Verlag: ‎ Piper (2. April 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492072380
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492072380
    • Genre: Historischer Roman, zwei Zeitebenen



Piper Kurzbeschreibung:
London, 1987: Als Rose den Nachlass ihrer Mutter sichtet, entdeckt sie, dass diese ein Adoptivkind war. Bei der Recherche nach ihrer Herkunft stößt Rose auf einen Hinweis, der sie zu einem von Anna Freuds Kriegswaisenhäusern führt. Dort betreut 1945 die aus Wien geflüchtete Jüdin Helen sechs Kinder aus Theresienstadt, nicht ahnend, dass sie mit einem kleinen Mädchen schicksalhaft verbunden ist. Erst Jahrzehnte später wird Rose die dramatische Wahrheit herausfinden und erkennen, dass in ihr die Geschichte einer bedingungslosen Freundschaft weiterlebt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Als Laura Baldini erzählt Beate Maly in ihren Romanen die Geschichten historischer Persönlichkeiten, die sich der Erforschung und Förderung der kindlichen Entwicklung widmeten. Die Autorin arbeitet als mobile Frühförderin mit Kindern.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt und startet im Jahr 1938 in Wien. Helene, Charlotte und Lilli arbeiten gemeinsam in der von Anna Freud gegründeten Jackson Kindergruppe, wo sie Kinder betreuen und ihre Verhaltensweisen studieren. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wird das Leben der drei Jüdinnen immer gefährlicher. Während Lilli bereits eine Überfahrt nach Amerika in der Tasche hat, Helene über Anna Freud, die bereits in England Kinderheime aufbaut, ebenfalls Wien verlassen kann, sitzt Lotte fest und wird gemeinsam mit ihrer Familie ins KZ nach Theresienstadt gebracht. 
Helene gelingt es nach einigen Schwierigkeiten in England, doch noch bei Anna Freuds "War Nurseries" unterzukommen, wo Kinder von berufstätigen Frauen, aber auch Kriegswaisen betreut werden. Als London bombardiert wird, versuchen Anna Freud und Dorothy Burlingham weitere Unterkünfte auf dem Land für sich und die Kinder zu finden.

Im zweiten Handlungsstrang sind wir 1987 in London. Buchhändlerin Rose, deren Mutter Claire verstorben ist, findet in deren Unterlagen keine Geburtsurkunde, die sie für die Bestattung unbedingt benötigt. Als sie bei ihrer Großmutter nachfragt, gibt diese nach einiger Zeit zu, dass Claire adoptiert wurde und sie keine weiteren Papiere hat. Weiteren Fragen geht sie konsequent aus dem Weg. Rose beginnt zu recherchieren und findet nach und nach heraus, dass Claire in einem von Anna Freuds "War Nurseries" Heime untergebracht worden sein muss. Doch diese wurden 1945 geschlossen und Claire wurde angeblich erst 1946 adoptiert.....

Obwohl hier vor allem mit Anna Freud "geworben" wird, deren Engagement und Lehren immer noch viel zu wenig gewürdigt werden, stehen viel mehr Helene und Rose im Mittelpunkt der Handlung. Anna Freuds Einrichtungen in Großbritannien bilden aber den roten Faden und den Rahmen der Geschichte.
Aus vielen historischen Romanen, die vor und im Zweiten Weltkrieg spielen, weiß ich natürlich, dass viele jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich nach Großbritannien gebracht und somit gerettet wurden. Von den "War Nurseries" habe ich aber tatsächlich bisher noch nicht gehört.

Beate Maly alias Laura Baldini gelingt es, mit eindrucksvollen Bildern eine besondere Stimmung zu erzeugen, die besonders im Handlungsstrang rund um Lottes Aufenthalt im KZ Theresienstadt sehr emotional geworden ist. Aber auch Helenes Zeit mit traumatisierten Kindern und deren Schicksale lässt einem nur schwer los. 

Die Suche von Rose bringt auch die junge Frau an ihre Grenzen. Vor allem die Beziehung zu ihrer Großmutter, die nur zögerlich mehr aus der Vergangenheit preisgibt, ist schwierig. Was sie schlussendlich über ihre Mutter erfährt, zu der sie ein eher unterkühltes Verhältnis hatte, ist ergreifend.

Baldini versteht es, die historischen Fakten mit einer emotionalen fiktiven Handlung zu bereichern.
Durch die bildhaften Beschreibungen konnte ich mir viele Szenen lebhaft vorstellen und hatte das Gefühl, als würden diese direkt vor meinen Augen ablaufen. Dadurch wird die Geschichte nicht nur emotional und eindringlich, sondern auch ausgesprochen fesselnd. 
Die Darstellung, wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes sind, sowie die Auswirkungen der Psyche in den Folgejahren, wird gekonnt in die Handlung eingebaut. Bis diese Verhaltensweisen und deren Konsequenzen in der Gegenwart angekommen sind, hat es leider noch einige Zeit gedauert.

Fazit:
Ein sehr gelungener Roman über die Londoner Kriegswaisenhäuser, die "War Nurseries", und wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes tatsächlich sind. Bildhaft und emotional erzählt. 



Der Fährmann - Regina Denk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundenes Buch: 384 Seiten
    • Verlag: Droemer HC,, 1. Auflage (2. März 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426566281
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426566282
    • Genre: Historischer Roman



Droemer Kurzbeschreibung:
Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.
Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

Meine Bewertung: * * * * * großartig!

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Wir befinden uns kurz vor dem ersten Weltkrieg an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Die Salzach trennt die beiden Länder, doch die beiden Orte, die direkt am Fluss liegen, sind verbunden durch Freundschaften, Familien und Handel. Hier wachsen auch Hannes, Elisabeth und Annemarie auf. Die drei verbindet von früher Kindheit an eine enge Freundschaft.
Der titelgebende Fährmann ist dabei eine zentrale und wichtige Figur für die beiden Orte. Er ist derjenige, der die Menschen aus dem jeweiligen Dorf über den Fluss bringt. Sein Beruf ist gefährlich und eine Ehe für ihn Tabu. 

1894 ist Hannes gerade sechs Jahre alt geworden, als er mit seinem Onkel Georg, dem Fährmann, die Salzach überquert und ins Wasser fällt. Sein Leben hängt danach an einem seiden Faden.  Beide Dörfer beten für sein Leben, denn er soll seinem Onkel folgen und der nächste Fährmann werden. Obwohl Hannes den Beruf nicht ergreifen will, der ein einsames Leben bedeutet, muss er den Wünschen seiner Familie nachgeben, als die Gebete erhört werden und er überlebt.
Auch seine beiden Freundinnen aus Kindheitstagen, Elisabeth und Annemarie, die auf der deutschen Seite leben, sehen sich mit einer Zukunft konfrontiert, die nicht in ihren eigenen Händen liegt. Annemarie wird früh dazu verpflichtet, im elterlichen Wirtshaus mitzuarbeiten und den Gästen stets freundlich zu begegnen – unabhängig davon, wie diese sich ihr gegenüber verhalten. Elisabeth, deren Herz Hannes gehört, wird von ihren Eltern mit Josef Steiner, einem österreichischen Großbauern verheiratet, um den familiären Wohlstand zu vergrößern.

Elisabeth erwarten sehr harte Jahre voller Gewalt, Hass und Missbrauch. Auf dem Hof hat sie nichts zu sagen. Es regiert der hartherzige Altbauer, der alle gleich schlecht behandelt, auch Josef, dem Hoferben. Dieser entwickelt sich zu einem genauso unbarmherzigen Mann, unter dem Mensch und Tier leiden.
Aber auch Annemarie hat kein Glück. Sie muss schon als Kind hart zupacken und sich im Gasthaus von betrunkenen oder aufgegeilten Männern alles gefallen lassen. Auch Josef kommt immer wieder zu ihr - auch als er bereits verheiratet ist. 
Es ist zeitweise kaum auszuhalten, was die beiden Frauen über sich ergehen lassen müssen. Und wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, legt Regina Denk noch ein Schäufelchen nach.

Einzig Hannes ist immer wieder der Anker, der seinen Kindheitsfreundinnen hilft - soweit er kann. Aber auch ihm sind die Hände gebunden. 

Trotz des Titels „Der Fährmann“ stehen vor allem Elisabeth und Annemarie im Mittelpunkt des Romans. Gleichzeitig beleuchtet die Autorin die damalige gesellschaftliche Rolle der Frau. Diese wird entweder als Magd oder als Ehefrau dargestellt und ist in beiden Rollen vom Mann abhängig bzw. wird als dessen Besitz angesehen.
Alle Frauen in diesem Roman haben keine Chance sich gegen die Männer zu behaupten. Es hat mir beim Lesen Schmerzen bereitet, diese Brutalität und dieses Ausgeliefert sein spüren. Die Unterordnung der Frauen wurde damals nicht in Frage gestellt. Wenn sich eine von ihnen gewehrt hat, wurde sie ausgegrenzt oder der Hexerei bezichtigt. Das Patriarchat hatte das Sagen.
Erst als der Krieg ausbricht und die Männer nach und nach im Dorf diesseits und jenseits der Salzach eingezogen werden, kommen die Frauen mehr aus sich heraus. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, denn die Arbeit der Männer macht sich nicht alleine. Es wird arbeitstechnisch noch schwerer, aber sie finden dadurch auch mehr Stärke und Selbstvertrauen. Manche von ihnen blühen auch richtig auf. 

Der Schreibstil ist eindringlich, intensiv und die Sprache der damaligen Zeit angepasst. Regina Denk beschreibt das Leben, die gesellschaftliche und die politische Situation, wie sie damals gelebt worden ist.  Dabei wird nichts beschönigt und der harte Arbeitsalltag am Land bildhaft beschrieben.
Über jedem Kapitel steht der Name der handelnden Figur. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild der einzelnen Charaktere. Man fühlt mit ihnen mit oder spürt die Angst, den Hass oder die Verzweiflung durch jede Zeile.
Dazwischen gibt es Einschübe vom "Anderswo" - der Sprache des Flusses. Dieser prägt die Atmosphäre des Romans und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Die Charaktere empfand ich ein bisschen schwarz-weiß gezeichnet. Vor allem Josef ist durch und durch böse und Hannes das krasse Gegenteil - was für mich schon fast zu gut ist. Das ist jedoch der einzige Kritikpunkt, denn mit Annemarie hat Regina Denk eine tolle Figur entworfen, die sich auflehnt und weiterentwickelt. Sie war für mich schlussendlich der faszinierendste Charakter.
Das Ende wurde bei der Leserunde widersprüchlich empfunden. Für mich hat es aber zu 100% gepasst.

Der Ausspruch von Erich Maria Remarque, Autor von "Im Westen nichts Neues", der am Beginn des Buches steht, trifft es für mich perfekt:

„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Krieg zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“ Erich Maria Remarque.

Fazit:
Ein Roman, der einem packt, mitnimmt und aus dem man erst wieder auftaucht, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Absolute Leseempfehlung!


Vielen Dank an Droemer Knaur und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!


[Die Trümmerschule] Jahre der Kinder - Beate Maly

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: ‎ 384 Seiten
    • Verlag: Ullstein Taschenbuch, Erscheinungsdatum: 29. Januar 2026
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548069029
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548069029
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: Band 2 von 2



Ullstein Kurzbeschreibung:
Wien, 1947: Seitdem Doktor Pfeifer in Rente gegangen ist, kämpft die jüdische Lehrerin Stella gegen die Anfeindungen des neuen Direktors des Lindengymnasium, die dieser immer offener zur Schau trägt. Nur privat ist ihr mit Leopold ein wenig Glück beschert, aber das Leid der Kinder ist für Stella nur schwer zu ertragen. Um nachhaltig etwas für sie zu verändern, setzt sie alles daran, um Direktorin zu werden ...

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Der zweite Band der Trümmerschule hat mich leider nicht wirklich abgeholt bzw. fehlte es mir irgendwie an Höhen und Tiefen.

Nachdem Direktor Pfeifer in den Ruhestand entlassen wurde, brechen schwere Zeiten für Stella im Lindengymnasium an. Deimel, der neue Direktor hat ihr schon im Vorfeld Steine in den Weg gelegt und übt nun seine Macht gegenüber Stella noch mehr aus. Mit seiner NS Gesinnung und den dementsprechenden Erziehungsmethoden macht er es nicht nur Stella schwer, sondern auch einigen Schülern. Vor allem Norbert, der aus der Hauptschule ins Gymnasium wechseln durfte, möchte er mit ungerechtfertigten Noten wieder hinausschmeißen. Stella und eine ihrer Kolleginnen kämpfen für Norbert, wobei beide mit viel Vorsicht vorgehen müssen, um nicht ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
Leopold bekommt Bruno, einen neuen Lehrling an seine Seite gestellt. Dieser kommt aus dem berüchtigten Hyrtl'schen Waisenhaus, verheimlicht aber seine Vergangenheit. Gemeinsam mit Günther, einem der neuen Schüler in Stellas Klasse, war er auf der Flucht. Bruno flüchtetet aus dem Waisenhaus und Günther vor der Einberufung, um nicht im Volkssturm an die Front gerufen zu werden.

Beate Maly widmet sich neben Stellas Problemen an der Schule den Traumata der verlorenen Generation. Das Schicksal von Bruno und Günther hat mich sehr bewegt. Beider erleiden schlimme Dinge, die sprachlos machen. Als Bruno plötzlich ohne ein Wort verschwindet und Leopold sich über seinen bisher pflichtbewussten Lehrling wundert, kommen nach und nach einige Dinge ans Licht, die einiges verändern könnten.

Angelehnt an die Lebensgeschichte der Pädagogin Stella Klein-Löw hat die Autorin Historie und Fiktion gekonnt verbunden. Wie immer ist der damalige Zeitgeist perfekt eingefangen und den LeserInnen wird vieles über die Kinder der Kriegsgeneration vermittelt. Der leicht lesbare Schreibstil lässt einem - trotz mancher schweren Themen - durch die Geschichte eilen. 
Trotzdem konnte mich "Jahre der Kinder" nicht wirklich mitreißen.

Fazit:
Der zweite Band plätscherte für meinen Geschmack leider etwas zu sehr vor sich hin und blieb hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Geschichte der Flucht von Bruno und Günther war für mich der spannendste und emotional bewegendste Teil. Im Vergleich dazu fehlte es den übrigen Abschnitten an Dynamik, Höhen und Tiefen, sowie an echter Spannung.


Die Trümmerschule:
  1. Zeit der Hoffnung  *Rezi*
  2. Jahre der Kinder

[Die von Bahlow Saga] Die Zukunft am Horizont - Alexandra Fischer

    Die Bildrechte liegen bei der Autorin

     


    • Taschenbuch: 542 Seiten
    • Verlag: ‎ BoD – Books on Demand 1. Auflage (13. November 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3695105240
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3695105243
    • Genre: Familiensaga, historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 5 der von Bahlow Saga



Amazon Kurzbeschreibung:
Apia, 1956: Während Westsamoa sich langsam dem Traum der Unabhängigkeit nähert, müssen auch die von Bahlows entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollen. Ein neues Gesicht mit einem vertrauten Namen taucht in Apia auf und mit ihm die Geister der Vergangenheit. Vor allem Martha wird gezwungen, sich ihnen zu stellen, während Gertrud und Emilie in Kalifornien versuchen, ein neues Leben aufzubauen. Sefina hingegen muss sich gegen einen alten Feind behaupten und Paul trifft eine Entscheidung, deren Konsequenzen die gesamte Familie erschüttern. Inmitten politischer Umbrüche, persönlicher Prüfungen und einer sich wandelnden Gesellschaft muss jedes Familienmitglied entscheiden, ob es in Westsamoa eine Zukunft hat. Wird Tamalele am Ende wieder zur Heimat der von Bahlows oder endgültig zum Symbol eines verlorenen Traums?

Meine Bewertung: * * * *

                   Die Bücher der Saga  sollten der Reihe nach gelesen werden

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur Book Special ABC Challenge

Meine Meinung:
Mit dem fünften Band der Von-Bahlow-Saga halten wir den krönenden Abschluss einer großen Familiensaga in den Händen, deren Schauplatz Westsamoa ist. Gemeinsam mit Nicole von Zeit für neue Genres habe ich das 542 Seiten starke Buch gelesen und mich von der Familie Von-Bahlow mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet.
Da die Veröffentlichung, und somit die Abstände der Bücher aus der Reihe sehr groß sind, braucht man etwas, um wieder in die Geschichte hineinzufinden und die vielen Figuren wieder richtig einzuordnen. Ein Stammbaum ganz hinten im Buch ist dabei sehr hilfreich.

Wir sind diesmal nicht nur auf Westsamoa, sondern auch in den USA und in Deutschland unterwegs. Es sind die Fünfziger Jahre, die auf allen drei Schauplätzen komplett unterschiedlich erlebt werden. Während in Samoa die Zeit fast stehen geblieben ist, tobt in Los Angeles und San Francisco das Leben. Mimi möchte Sina-Jean unbedingt ins Filmgeschäft bringen, welches in Hollywood unzählige Weltstars hervorbringt. In Deutschland hingegen ist Nachkriegszeit und das Land in Ost- und Westdeutschland aufgeteilt. Ein Familienzweig der Von-Bahlows lebt in Potsdam. Das ehemalige Gut wurde von der LPG enteignet und wird nun als Kolchose bewirtschaftet. Hier lernen wir Frederike, genannt Rike kennen, die nach dem Tod ihres Mannes aus Westberlin zu ihrer Familie zurückkehrt. Bruder Konrad und seine Frau Clara bewirtschaften das Gut, auf dem auch noch Mutter Erna lebt. Das Nachkriegsleben in der DDR deprimiert die freiheitsliebende Frau jedoch sehr. Als ihr Briefe von Karl von Bahlow auf dem Dachboden in die Hände fallen, wird ihr Wunsch, die Verwandtschaft auf Samoa kennenzulernen übermächtig, denn in Ostdeutschland hält sie nichts mehr. Mit dem Erbe ihres Mannes macht sie sich auf nach Westsamoa.....
Neben Rike begleiten wir Serafina, die mit Blair Astor verheiratet ist. Nach den Flitterwochen stürzen sie jedoch von ihrer "Cloud Number 9", denn die Astors setzen alles daran, diese Ehe zu zerstören.
Auf Samoa ist Martha noch immer diejenige, die für die Unabhängigkeit kämpft. Eine starke Frau, die nicht aufgibt, aber genauso dickköpfig und oftmals uneinsichtig ist. 

Die Familiensage ist sehr komplex und die Protagonisten sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. Sie sind für mich fast wie Familienmitglieder und wirken authentisch. Die Figuren haben sich über all die Jahre weiterentwickelt und manche überraschen einem selbst nach vier Bänden noch mit einer unerwarteten Handlung. Die politischen Ereignisse auf Samoa spielen wieder eine Rolle, jedoch nehmen sie nicht so viel Platz ein, wie im Vorgängerband.
Die wechselnden Perspektiven, die aus der Sicht von Rike, Sefina, Martha und Paul erzählt werden, lassen die Geschehnisse noch viel intensiver wirken.
Alexandra Fischer greift auch viele Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden auf, verwebt sie geschickt miteinander und führt vieles zu einem Abschluss, was lange Zeit offen geblieben war.
Am Ende schließt sich der Kreis - und dennoch empfand ich das Ende fast zu schön, um wahr zu sein, auch wenn es ein paar traurige Vorkommnisse gab. 

Wie bereits die Vorgängerbände, ist auch der fünfte Band wunderschön gestaltet. Die Kapitelanfänge sind durch ganzseitige Bilder hervorgehoben. Auf der gegenüberliegenden Seite sind Ort, Land und das Jahr, sowie der Name des Protagonisten/der Protagonostin als Überschrift angegeben.

Alexandra Fischer hat auf Instagram bereits weitere Spin-offs angekündigt, die in den 1970iger Jahren spielen werden. Ich hoffe diese wird es auch als Print und nicht nur als eBook geben.

Fazit:
Ein würdiger Abschlussband dieser großartigen Familiensaga, die mich nach Westsamoa entführt hat und über Jahre unterhalten hat. Ich empfehle diese außergewöhnliche Saga, die uns ans Ende der Welt führt, sehr gerne weiter.


Die von Bahlow-Saga:
  1. Der Traum vom Horizont  *Rezi*
  2. Die Rückkehr zum Horizont  *Rezi*
  3. Die Kinder des Horizonts  *Rezi*
  4. Das Erbe des Horizonts  *Rezi*
  5. Die ZUkunft am Horizont 

Das Haus in Charlottenburg - Beate Sauer

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag, Originalausgabe (14. Januar 2026)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453442245
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453442245
    • Genre: Historischer Roman



Heyne Kurzbeschreibung:
Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht – ihre und Johanns kleine Tochter.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Meine Meinung:
Nach längerer Zeit habe ich wieder zu einem historischen Roman gegriffen. Von Beate Sauer habe ich bereits "Die Fernsehschwestern - Wunder gibt es immer wieder" gelesen.
Diesmal sind wir aber etwas früher in der Zeit und zwar im Deutschen Kaiserreich um 1890. Die sozialen Gegensätze in Berlin sind eklatant und mit den neuen Mietskasernen, die mehr und mehr gebaut werden, erhalten die Menschen noch unmenschlichere Lebensbedingungen. Spekulanten und Immobilienhaie verdienen sich eine goldene Nase, während die Armen kaum über die Runden kommen.

Elise ist Schneiderin und lebt mit ihrer Mutter, Bruder Willi und der kleinen Schwester Marie in ärmlichen Verhältnissen. Sie ist sehr talentiert und träumt von einem eigenen Modeatelier, doch ihre herrische Chefin hält sie bewusst klein. Als sie den Architekten Johann und dessen Freund Louis kennenlernt, der als Arzt in der Charité arbeitet, scheint sich ihr Leben positiv zu ändern. Johann hat nämlich weitreichende Pläne: Er möchte Genossenschaftswohnungen bauen, um auch den Ärmeren einen Platz zu bieten, der sie nicht krank macht und auch bezahlbar ist. Natürlich treffen seine Pläne auf Gegenwind und man versucht Johann immer wieder Steine in den Weg zu legen. Ganz besonders schlimm ist Leonora von Rienäcker, die Mutter von Louis, die anonym ihre Handlanger benutzt, um so billig wie möglich zu bauen. Sie hat einige Mietskasernen in Bau, die ihr noch mehr Geld einbringen werden, aber in denen die Menschen in unwürdigen Verhältnissen leben müssen.

Obwohl ich viel historische Romane gelesen habe, erfährt man auch hier wieder neue Dinge, die sich hier vor allem um den Wohnungsmangel und die Ausbeutung der Menschen drehen.
Beate Sauer hat sich dem Thema sehr genau angenommen und hat reale Ereignisse mit fiktiven Personen verknüpft. Alle Figuren, bis hin zu den letzten Nebencharakteren, sind sehr lebendig und facettenreich gezeichnet.
Wie schon im ersten Band der Autorin um die Fernsehschwestern, liebt auch Elise die Arbeit mit Nadel und Faden und zaubert kunstvolle Stickereien auf den Kleidern, die sie näht. Sie weiß genau, was sie möchte und versucht ihren Traum zu erfüllen. Johann ist ebenso erfüllt von seiner Liebe zur Architektur, doch beide bekommen immer wieder Gegenwind zu spüren. Vor allem Leonora hat dabei wiederholt ihre Finger im Spiel.
Beate Sauer erzählt eindringlich und bildhaft. Der Schreibstil passt sich der damaligen Zeit an und erschafft Bilder im Kopf. Mit einigen erwarteten und vielen unerwarteten Wendungen wurde die Spannung aufrecht erhalten.  
Im Nachwort geht die Autorin noch mehr auf die damalige Wohnungsnot und auf reale Figuren dieser Zeit ein. 

Fazit:
Ein spannender historischer Roman, der die Wohnungsnot Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin schildert. Eindringlich und bildhaft erzählt. Leseempfehlung!


Vielen Dank an Lovelybooks und an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

[Der Eispalast] Entscheidung aus Liebe - Rena Rosenthal

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    • Taschenbuch: 496 Seiten
    • Verlag ‎ Penguin Verlag, 1. Auflage (26. November 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 332811131X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328111313
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 3 der Eispalast Trilogie



Penguin Kurzbeschreibung:
Wien, Anfang 20. Jahrhundert: Julianna kehrt nach schmerzlich langer Abwesenheit zurück in ihre Heimatstadt, in der das Eiskunstlaufen ihr Leben für immer verändert hat. Doch als sie Leo, die Liebe ihres Lebens, endlich wieder in die Arme schließt, ist das Wiedersehen getrübt, denn der Eispalast, den er ihr zuliebe baut, bringt nicht den geplanten Erfolg. Schon bald geraten Julianna und Leo an ihre Grenzen, denn die Eislaufbahn aus Kunsteis war nicht nur ein lang gehegter Traum, sondern sollte auch die einzige Einnahmequelle sein. Als zusätzlich eine Intrige ihre Welt erschüttert, wird ihre Liebe auf die größte Zerreißprobe ihres Lebens gestellt …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem mir die ersten beiden Teile dieser Trilogie sehr gefallen haben, war natürlich auch der Abschlussband ein MUST READ für mich.

Julianna kehrt nach ihrer Zeit in London zurück nach Wien. Sie ist voller Vorfreude auf ihre Zukunft mit Leopold und der geplanten Eiskunsthalle. Doch bei ihrer Ankunft wird sie weder erwartet, noch ist der Eispalast so weit fertig gestellt, wie sie erwartet hat. Leopold hat in der Zwischenzeit die Tuchfabrik verkauft und sich immens verschuldet. Um ihren großen gemeinsamen Traum verwirklichen zu können, beginnt Julianna in der nahen Ziegelfabrik zu arbeiten. Dort wird sie mit schlimmen Arbeitsbedingungen konfrontiert und schließt sich der Arbeiterbewegung an. Leo ist damit nicht wirklich einverstanden, obwohl die geplante Eröffnung immer näher rückt. Eine zusätzliche Intrige stellt ihr Glück noch mehr auf die Probe....
Auch Nikolett kämpft um ihre zukünftige Hochzeit mit Janos, die ihrer Mutter ein Dorn im Auge ist. Nikolett soll mit ihrer Mutter und dem Dienstmädchen bei einer Jagdgesellschaft teilnehmen, die jedoch mit einem Eklat endet und den Bruch mit Nikoletts Eltern herbeiführt.   

Die Handlung wird aus der Sicht von Julianna, Nikolett, Katalina und Leopold erzählt. Dadurch erhalten wir viele verschiedene Eindrücke und Gedanken. Über jedem Kapitel steht der Name des jeweiligen Erzählers.
Die Leidenschaft für das Eislaufen ist wieder der rote Faden der Geschichte und hat mich aus jeder Sicht hervorragend unterhalten. Der Versuch erstmals eine Eishalle zu bauen und Kunsteis zu produzieren, fand ich sehr interessant.
Neben dem Eiskunstlauf spielen die Arbeitsbedingungen im  Ziegelwerk ebenfalls eine wichtige Rolle. Die ersten Streiks gegen die Ziegelbarone, die ihre Arbeiter ausbeuten, finden hier ebenfalls Platz und beruhen stellenweise auf wahre Begebenheiten. Der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und der Wunsch von Frauen nach mehr Selbstbestimmung, das Misstrauen gegenüber neuer technischer Errungenschaften bestimmen den Alltag.

Die gesellschaftlichen Konventionen und der Unterschied zwischen Adel, Neureichen und der normalen Arbeiterschicht wird ebenfalls zum Thema, wie bereits in den Vorgängerbänden. Julianna und Nikolett sind dabei zwei Figuren, die sich über die gesellschaftlichen Normen hinwegsetzen. Nikolett liebt einen Mann aus der unteren Schicht und Julianna ist als ehemaliges Dienstmädchen für Leo eigentlich tabu.

Aber auch Katalina hat mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu kämpfen. Sie verliebt sich in ihren Klavierlehrer und trifft eine für sie folgenschwere Entscheidung.

Der Schreibstil der Autorin ist wieder wunderbar bildhaft und lebendig. Manche Ereignisse sind etwas vorhersehbar, doch kurz danach gelingt es Rena Rosenthal uns mit einer völlig überraschenden Wendung zu verblüffen. Manche Ereignisse fand ich für die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien zur Kaiserzeit etwas unrealistisch. Hier musste ich ein Auge zudrücken...

Man kann diesen Abschlussband auch ohne Vorkenntnisse lesen, aber ich empfehle die Vorgängerbände zu lesen, um die Figuren besser kennenzulernen. 

Am Ende gibt es ein Nachwort der Autorin mit Erklärungen, was auf historischen Begebenheiten beruht und welche Personen sie für ihren Roman inspiriert haben. Dazu gibt es Bilder der damaligen Mode, den ersten Eisbahnen und der damaligen Plakatkunst, die in die Zeit des Wiener Jugendstils fiel (von dem ich ein großer Fan bin).

Fazit:
Ein emotionaler Abschluss der Trilogie, die mich sehr gut unterhalten hat. Insgesamt sind die Romane aus der Reihe "Der Eispalast" eine wunderbare Zusammenfassung über die Geschichte des Eiskunstlaufs und dessen Entwicklung. Ich empfehle sie gerne weiter!


Vielen Dank an die Autorin und dem Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Eispalast Trilogie:
  1. Der Eispalast  *Rezi*
  2. Der Eispalast: Die Kür ihres Lebens  *Rezi*
  3. Der Eispalast: Entscheidung aus Liebe


Du musst meine Hand fester halten Nr. 104 - Susanne Abel

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
    • Verlag: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 4. Auflage (14. August 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423283920
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423283922
    • Genre: historischer Roman, zwei Zeitebenen


dtv Kurzbeschreibung:
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht. Wer ist man, wenn man niemand ist? Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn Hardy nennt und schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen. Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend. Die kleine Emily leidet unter dem hartnäckigen Schweigen ihrer Urgroßeltern Margret und Hardy, bei denen sie wegen des unsteten Lebenswandels ihrer Mutter aufwächst. Als Jugendliche beginnt sie schließlich, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wird es ihr gelingen, das Erbe der unverarbeiteten Traumata ihrer Familie endlich aufzubrechen?

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur "Music meets book Challenge"

Meine Meinung:
Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges wird ein kleiner Junge während eines Kindertransportes von seiner Schwester getrennt. Zuvor ist die Mutter vor ihren Augen verstorben. Der erst dreijährige Junge wird in ein Kinderheim gebracht. Da er seinen Namen nicht kennt und nicht spricht, wird er einfach Hartmut genannt und gilt als schwachsinnig.
Im Kinderheim herrscht Zucht und Ordnung. Die Kinder werden "entmenschlicht" und erhalten Nummern. Hartmut wird zur Nummer 104 und erlebt viel Grausames. Nur die fünf Jahre ältere Margret kümmert sich um den kleinen Jungen, den sie Hardy nennt. Sie erkennt, dass er nicht schwachsinnig, sondern völlig verstört ist. Doch die beiden werden später getrennt und erleben noch weitere Grausamkeiten, bis ihr Weg sie wieder zusammenführt.

In der Gegenwart sind Margret und Hardy seit langem verheiratet. (Das ist kein Spoiler, denn es ist direkt auf den ersten Seiten zu lesen). Niemand aus der Familie kennt ihre gemeinsame Vergangenheit. Hardy leidet besonders darunter, dass er nicht weiß, wer er wirklich ist. Seine Selbstzweifel und Ängste lassen ihn auch Jahrzehnte danach nicht los. 
Tochter Sabine und Enkelin Julia sind beide alleinerziehend und keine guten Mütter. Julia ist mit der Erziehung ihrer Tochter überfordert und fliegt lieber als Stewardess in der Weltgeschichte herum. Emily lebt deshalb bei den Urgroßeltern. Trotzdem bleibt das Familienleben und das schwierige Aufwachsen von Emily zwischen der unzuverlässigen Mutter, der selbstsüchtigen Großmutter und der extrem besorgten und kontrollierenden Urgroßmutter schwierig.
Als Emily in ein Heim eingewiesen werden soll, weil Julia sich nicht richtig um sie kümmern kann und die Urgroßeltern zu alt sind, weckt das traumatischer Erinnerungen in Margret und Hardy. Vor allem Hardy setzt sich sehr dafür ein, dass Emily bei ihnen bleiben kann. Ihre Beziehung zueinander ist sehr liebevoll. Und nur Emily erkennt, dass es etwas gibt, was ihre Urgroßeltern verheimlichen und geht der Sache auf den Grund...

Susanne Abel hat mit ihren neuen Roman eine bewegende Geschichte geschrieben, die sich dem Thema der Heimkinder und den damaligen Missständen widmen. Es ist nicht mein erster Roman zu diesem Thema und trotzdem bleibt mir immer wieder die Luft weg, wenn ich über derartige Grausamkeiten an Kinder lesen muss. Es kommt sogar zu Medikamententests, die Ärzte an den Heimkindern immer wieder durchführen - denn es gibt ja niemand, der sie dafür anklagen könnte. 
Man spürt die Hilflosigkeit der Kinder, die den Erwachsenen ausgeliefert sind und kann einfach nicht verstehen, wie Menschen sich an ihnen abreagieren oder sie als "Versuchskaninchen" benutzen. 

Die Handlung ist fesselnd und bewegend und doch beschreibt die Autorin diese eindringlichen Szenen mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Sie erzählt detailliert und doch schnörkellos. Die Handlungen wechseln zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Dabei wird aus mehreren Sichtweisen erzählt.

Die Traumata, die Hardy und Margret erleben, werden unbewusst an die nachfolgenden Generationen weitergegeben und beeinflussen die Familiengeschichte negativ. Verhaltensmuster prägen und bestimmen nachhaltig das Leben aller Familienangehörigen.
Deshalb möchte auch ich mich, als Tochter von Eltern, die den Zweiten Weltkrieg als junge Menschen miterlebt haben, endlich mit diesem Thema weiter beschäftigen und erkennen, wie es mich und meine Tochter in unserem Leben beeinflusst hat.

Fazit:
"Du musst meine Hand fester halten Nr. 104" ist kein Buch, welches man schnell weglesen kann. Es ist emotional, bewegend und man muss ab und zu kleine Pausen einlegen. Aber es ist eine Geschichte, die nachhallt und die man nicht so schnell vergisst! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


Das Korsett - Laura Purcell

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
    • Verlag: ‎Festa Verlag, (15. November 2021)
    • Übersetzer: Eva Brunner
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865529402
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865529404
    • Originaltitel: The Corset
    • Genre: historischer Roman, viktorianischer Thriller



Festa Kurzbeschreibung:
Als ihre gemeinnützige Arbeit Dorothea Truelove zum Oakgate-Gefängnis führt, freut sie sich über die Gelegenheit, die Theorie der Phrenologie zu erforschen. Kann die Form des Schädels eines Menschen ein Licht auf seine dunkelsten Wesenszüge werfen? Doch als Dorothea die junge Schneiderin Ruth Butterham trifft, stellt sie sich ganz andere Fragen: Ist es möglich, mit Nadel und Faden zu töten? Denn Ruth schreibt ihre Verbrechen einer übernatürlichen Kraft zu, die ihren Stichen innewohnt. Die Geschichte, die sie über ihre tödlichen Kreationen zu erzählen hat – von Bitterkeit und Verrat, von Tod und Kleidern – wird Dorotheas Glauben an die Wissenschaft erschüttern. Ist Ruth verrückt? Nur ein Opfer? Oder eine eiskalte Mörderin?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

ABC Challenge

Meine Meinung:
Nachdem ich "Die stillen Gefährten" gemeinsam mit einigen lieben Bloggerfreundinnen hier gelesen habe, wollten wir im Herbst wieder gemeinsam "Das Korsett" lesen.
Sabine von Buchmomente, Gisela von Giselas Lesehimmel  und ich sind wieder in die Welt von Laura Purcell eingetaucht.

Der Einstieg gelang uns allen leicht und wir waren sehr schnell in der Geschichte. Dorothea Truelove kommt aus gutem Hause und verbringt ihre Freizeit mit Wohltätigkeitsarbeit. Schon ihre geliebte Mutter lehrte sie Barmherzigkeit.
Dorothea ist bereits 25 Jahre alt und noch unverheiratet, was ihrem Vater ein Dorn im Auge ist. Doch sie hängt an ihrem Heim und an dem von der verstorbenen Mutter geerbten Geld. Soll sie das alles für einen Mann aufgeben? Außerdem interessiert sich Dorothea für Phrenologie. Anhand von Kopfformen erforscht sie die Eigenschaft und Bereitschaft zu Gewalt. Lässt sich anhand des Schädels vorhersagen, ob jemand zum  Mörder taugt?
Regelmäßig geht sie deshalb ins Oakgate Frauengefängnis und versucht nicht nur den Frauen Trost zu spenden, sondern auch ihrer Leidenschaft nachzugehen. Als sie von einer sehr gewalttätigen Mörderin erfährt, die erst kürzlich ins Gefängnis eingewiesen wurde, muss sie diese kennenlernen.
Die erst 16jährige Ruth Butterham wurde angeklagt mit Nadel und Faden ihre Herrin getötet zu haben. Sie glaubt, dass in ihren Stichen eine übernatürliche Kraft steckt. Dorothea hält dies für reinen Aberglauben...
Ruth stammt aus ärmlichen Verhältnissen, die sich nach dem Tod des Vaters noch weiter verschlimmern. Ihre kurze Lebensgeschichte ist eine einzige Tragödie, die sie Dorothea während ihrer Besuche erzählt.

Abwechselnd wird aus der Sicht von Dorothea und Ruth erzählt, wobei die Spannung aufrecht bleibt. Ruths Erzählungen haben mich sehr berührt. Die Grausamkeiten, die sie erleiden muss, sind wirklich heftig. Ihr Leidensweg ist geprägt von Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Oftmals kommt sie einfach unverschuldet in eine noch schlimmere Situation, die mich ungläubig den Kopf schütteln hat lassen.

Laura Purcell entführt uns in eine düstere und atmosphärische Welt. Ihr gelingt es perfekt die Kluft zwischen Arm und Reich zu dieser Zeit zu zeigen und zeigt uns, wie Frauen aus der Armut heraus oftmals ausgebeutet und versklavt wurden. Aber auch in der Oberschicht müssen sich Frauen den gesellschaftlichen Normen der damaligen Zeit anpassen.
Die Sprache ist poetisch und der Zeit angepasst. Ich mag ganz einfach ihre Art zu schreiben, auch wenn ich mit den Enden hadere...
Die überraschenden Wendungen zum Ende hin haben uns wieder spekulieren lassen, denn auch diesmal lädt es zur Diskussion ein.

Obwohl ich offenen Enden nichts abgewinnen kann, habe ich mich diesmal weniger damit gehadert.

Cover:
von links nach rechts:
das kroatische, das chinesische, das italienische Cover und das englische Originalcover

Fazit:
"Das Korsett" von Laura Purcell hat mir noch besser als "Die stillen Gefährten" gefallen und wird sicher nicht mein letztes Buch der Autorin sein, auch wenn ich offenen Enden nichts abgewinnen kann.



[Zwei Leben] Das Versprechen - Astrid Korten

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 307 Seiten
    • Verlag: ‎ Independently published, Erscheinungstermin 5. September 2025
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8264031694
    • Genre: Historischer Roman, Familienroman, zwei Zeitebenen



Amazon Kurzbeschreibung:
2014. Winter in Brügge. Auf dem Kopfsteinpflaster, den Kanälen und den alten Fassaden haucht der Frost seinen Atem. Die Stadt schweigt. Juna auch. Sie ist erschöpft. Ein Burn-out, sagen die Ärzte. Um sich nicht zu verlieren, beginnt sie, als ehrenamtlicher Buddy zu arbeiten. So trifft sie Vincent Molen, einen alten Mann, wortkarg und verschlossen. Ihre Begegnungen sind flüchtig: ein Spaziergang, eine Tasse Tee, ein paar brüchige Worte. Doch die Stille zwischen ihnen ist dicht. Allmählich entsteht eine leise Verbindung: ein Blick, ein vergilbtes Foto, ein Satz, der bleibt. Während Juna zuhört, entfaltet sich Stück für Stück Vincents Leben: geprägt von Mut, gezeichnet von Verlust, getragen von einer großen Liebe. Etwas in seiner Geschichte ruft auch in ihr etwas wach. Sie spürt, dass da noch mehr ist. Etwas Ungesagtes ein Schatten in seinem Blick. Eine Wahrheit, die ans Licht will....

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bereits im Juni habe ich Astrid Kortens erstes Buch "Zwei Leben: Hinter dem Schweigen" gelesen und war begeistert. Und nun ist ihr zweiter historischer Roman mit dem Titel "Zwei Leben: Das Versprechen" erschienen, welches mich fast noch mehr berührt und begeistert hat. Obwohl die Geschichten denselben Haupttitel tragen, sind sie keine Fortsetzung oder Reihe. Sie können völlig unabhängig voneinander gelesen werden. Es ist jedoch die Geschichte von Astrid Kortens Großmutter Esther und historischen Begebenheiten aus der Zeit des zweiten Weltkrieges.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt und spielt in Brügge 2014 und in Antwerpen in den Jahren 1942 und 1943.
In der Gegenwart lernen wir die 32jährige Juna kennen, die wegen eines Burn-Outs krankgeschrieben ist. Sie fühlt sich nutzlos und beginnt sich in ihrer kleinen Wohnung immer mehr von der Außenwelt zurückzuziehen.
Um sie aus ihrem tiefen Loch zu befreien, schlägt ihr Bruder vor, sich ehrenamtlich zu betätigen. Sie soll als "Buddy" jemanden begleiten, der Hilfe oder Gesellschaft braucht. Sie bekommt den 93jährigen Vincent Molen zugeteilt, der keine Familie hat und als etwas schwierig gilt. Er zeigt sich auch zu Beginn verschlossen, doch Juna gelingt es, zu ihm durchzudringen. Und Vincent beginnt zu erzählen...von der Zeit während des Zweiten Weltkrieges und seiner großen Liebe Esther. 
Vincents und Esthers Geschichte ist erschütternd und lässt den Leser in die damals sehr dunkle Zeit der Judenverfolgung eintauchen.

In der Vergangenheit lernen wir Esther näher kennen, die unter den Repressalien der Besatzer leidet. Sie muss sich neben ihrer Arbeit als Buchhalterin in der Diamantenschleiferei noch um ihre kranke Mutter kümmern. Zum Glück kommt jeden Tag auch noch ihre Großmutter vorbei, die für die beiden kocht. Doch eines Tages kommt ihre geliebte Oma nicht mehr und Esther erhält ein Deportationsschreiben....
Vincent engagiert sich im Untergrund und hilft Juden zu verstecken. Er verliebt sich in Esther und versucht sie am Bauernhof seiner Tante zu verstecken....

Astrid Korten erzählt mitreißend und voller Empathie, wie das Leben die Menschen auseinanderreißen und wie oft schicksalshafte Begegnungen die Zukunft beeinflussen können. Ich hatten nicht nur einmal eine dicken Kloß im Hals und habe mit den Charakteren mitgefiebert.
Die Autorin versteht es hervorragend die Charaktertiefe der Figuren darzustellen und vermittelt Emotionen, die beim Lesen schmerzen. Dabei vermittelt sie neben all dem Leid und der Not auch Hoffnung und Mut. Ein Zeitdokument, welches tief berührt.

Fazit:
Eine sehr berührende Geschichte, die noch lange nachhallt und im Herzen bleibt. Ich empfehle sie allen weiter, die Romane #gegendasvergessen lesen und nach weiterer Literatur suchen. Leseempfehlung!


Vielen Dank an die Autorin und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

[Die Trümmerschule] Zeit der Hoffnung - Beate Maly

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag:‎ Ullstein Taschenbuch, Erscheinungstermin: ‎ 2. Mai 2025
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548069010
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548069012
  • Genre: Historischer Roman
  • Reihe: Band 1 von 2

Ullstein Kurzbeschreibung:
Nach dem Zweiten Weltkriegs kehrt die jüdische Lehrerin Stella in ihre zerstörte Heimat Wien zurück. In ihrer Straße häufen sich die Trümmer, und auch viele Schulen sind zerstört. Stella findet dennoch eine Anstellung am Lindengymnasium. Mit ihrer fortschrittlichen Art zu unterrichten eckt sie an. Im Gegensatz zu ihren Kollegen ermutigt sie die Kinder, über den Krieg und die erlebten Traumata zu sprechen. Dabei wird Stella immer mehr von ihren eigenen Erinnerungen eingeholt. Als sie einem Mann begegnet, der neue Hoffnung in ihr weckt, muss sie sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen, sondern auch den Mut für eine neue Liebe finden.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Zeit der Hoffnung" ist der erste von zwei Teilen. Angelehnt ist die Geschichte an die Lebensgeschichte von Stella Klein-Löw.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrt die junge Stella Herzig aus London in ihre Heimat Wien zurück, aus der 1938 geflohen ist. Als Einzige ihrer Familie hat sie den Holocaust überlebt. Die ehemalige Wohnung ihrer Familie wurde arisiert. Obwohl sie einen Antrag auf Restitution gestellt hat, um wieder in ihre elterliche Wohnung einziehen zu können, wurde dies abgelehnt. Ihre beste Freundin Feli nimmt sie bei sich auf. Im Lindengymnasium findet Stella eine Anstellung als Englischlehrerin. Nicht nur ihre jüdischen Wurzeln bereiten ihr Probleme, sondern auch ihre fortschrittlichen Lernmethoden finden beim Großteil des Lehrerkollegiums keinen Anklang. Stellas Reformpädagogik, die strikt gegen Gewalt und Prügel als Erziehungsmaßnahme ist, ist für die Kollegen und manche Kolleginnen unverständlich. In ihren Köpfen schwirren einfach noch zu viele Nazi-Ideologien herum. Aber auch bei den Eltern der Kinder trifft Stella auf Unverständnis. Einzig ihr Vorgesetzter ist von ihrer Arbeitsweise angetan und unterstützt sie. Doch seine Pensionierung steht schon fest und Stellas ärgster Feind an der Schule, ist der mögliche Nachfolger. Wird Stella ihre Arbeit behalten können? Zusätzlich verschwindet in der Schulküche immer wieder rationiertes Essen für die Kinder, welches die Alliierten zur Verfügung stellen. 
Auch Feli kämpft gegen ihr Pflichtgefühl und ein Versprechen, welches sie vor dem Krieg gegeben hat. Beide Frauen versuchen auf ihre Weise gegen alte verzopfte Vorstellungen anzukämpfen.

"Zeit der Hoffnung" ist der erste Teil der Trümmerschule Dilogie. Wie immer hat Beate Maly die historischen Hintergründe großartig recherchiert und den Zeitgeist perfekt eingefangen.
Ein sehr wichtiges Thema ist für die Autorin immer wieder die Pädagogik nach Maria Montessori, über deren Lebensgeschichte sie unter Laura Baldini geschrieben hat. Selbst ausgebildete Pädagogin für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung, weiß sie wovon sie schreibt.
In diesem Roman steht neben der Pädagogik vor allem der Antisemitismus und die Nachkriegszeit im Vordergrund. Stella hat große Hoffnung, dass nach dem Krieg alles anders ist. Sie muss jedoch enttäuscht feststellen, dass noch viel zu viel Gedankengut des Nationalsozialismus in den Menschen steckt. 

Der Schreibstil von Beate Maly ist leicht und lässt sich schnell und kurzweilig lesen. Den damaligen Zeitgeist hat die Autorin wieder wunderbar eingefangen. Trotzdem fehlte es mir hier ein bisschen an Tiefe. 
Nun warte ich gespannt auf die Fortsetzung, die im Januar 2026 erscheinen wird.

Fazit:
Der erste Teil der Dilogie hat mir gut gefallen, konnte mich aber nicht so überzeugen, wie manche anderen Romane der Autorin über Frauen, die sich der Pädagogik widmen. Trotzdem freue ich mich schon auf die Fortsetzung. 


[Lindt & Sprüngli] Zwei Rivalen, ein Traum - Lisa Graf

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Taschenbuch: 480 Seiten
    • Verlag: ‎ Penguin Verlag, 1. Auflage (15. Oktober 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328604170
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328604174
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 


Penguin Kurzbeschreibung:
Bern 1863: Kurz bevor die Räder einer vorbeifahrenden Kutsche den kleinen Tagträumer Rudolphe Lindt auf dem Marktplatz erfassen, wird er von einem bildhübschen Blumenmädchen gerettet. Von diesem Augenblick an ist klar: Der junge Lindt hat überlebt, um Großes zu vollbringen! Doch nicht etwa so, wie es sich seine Familie wünscht. Der Sohn eines Apothekers wird zum Schulabbrecher und stürzt sich in das Abenteuer. In Bern eröffnet er schließlich eine Schokoladenfabrik und schafft etwas Einzigartiges, das ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert: Der Junge, der einst eine herbe Enttäuschung für seine Familie war, revolutioniert die Schokoladenherstellung. Während Rudolphe Lindt das Conchieren erfindet, richten sich die Blicke der Welt auf ihn. Vor allem Chocolatier Sprüngli kann nicht glauben, was er vollbracht hat …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem der erste Band dieser Trilogie von der Familie Sprüngli erzählte, erfahren wir nun im zweiten auch etwas über die Familie Lindt. Abwechselnd schreibt die Autorin über die beiden Rudolfs: Rudolf Sprüngli und Rudolf Lindt, der sich später Rodolphe nennt. Dies verwirrt etwas, aber wird immer gut gekennzeichnet. Da es sich um historische Personen handelt, konnte die Autorin auch nicht ihre Namen verändern.

Der Roman spannt sich diesmal von 1863 bis 1880 und erzählt von der Familie Sprüngli in Zürich und der Familie Lindt in Bern. Diesmal steht die Familie Lindt bzw. Rodolphe Lindt etwas mehr im Vordergrund, denn schließlich wird die Herstellung seiner berühmten Schokolade hier zum Mittelpunkt.

1863 ist Rudolf Lindt erst acht Jahre alt und kein guter Schüler. Er ist verträumt und liebt die Natur, steckt am liebsten mit seiner Lieblingsschwester Fanny zusammen und hat zum Ärger seines Vaters keinerlei Ambitionen später einmal die Apotheke zu übernehmen. Jahre später trifft ihn ein schwerer Schicksalsschlag und wird daraufhin von seinen Eltern zu seinem Großonkel in die französische Schweiz geschickt. Die Kohlers führen eine Schokoladefabrik und besonders Charles Kohler lässt den Jungen schwer arbeiten. Zurück in Bern möchte Rodolphe, wie er sich ab jetzt nennt, selbst Schokolade herstellen. Er kauft eine alte Mühle und beginnt zu experimentieren. 

Rudolf Sprüngli ist 1863 bereits 21 Jahre alt und hat seine Wanderjahre in Paris verbracht, wo er viel über die Schokoladeherstellung erfahren hat. Zurück in Zürich heiratet der geborene Unternehmersohn Marie, die in der Konditorei Sprüngli arbeitet. 

Erst sehr spät im Laufe des Romans treffen die beiden Schokoladenhersteller zusammen, jedoch eher oberflächlich....bis Rudolf Sprüngli die neuartige Schokolade von Rodolphe Lindt durch Zufall in die Hände bekommt.....

Lisa Graf schafft es wieder hervorragend, mit den relativ wenig bekannten historischen Fakten zu Rodolphe Lindts Leben eine packende Geschichte zu schreiben, die man schwer aus der Hand legen kann. Die historischen Hintergründe dieser Zeit und das Leben der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten sind neben der Schokoladeherstellung der rote Faden der Geschichte. Mit Rodolphes bester Freundin Binia, die aus einer unteren Gesellschaftsschicht stammt, wird immer wieder Augenmerk darauf gelegt, genauso wie auf die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Fabriken. Aber auch die Frage betreffend eines Schutzrechtes für eine Erfindung, einem Patent, wird angesprochen. Nicht umsonst ist Lindt besorgt, dass jemand sein "Conchierverfahren "stehlen" könnte, denn einen Schutz seiner Idee und seines Verfahrens gibt es noch nicht.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und ich konnte mir sowohl die verschiedenen Landschaftsstriche, als auch die Arbeit rund um die Schokolade bildhaft vorstellen.
Kleiner Kritikpunkt sind für mich die in der ersten Hälfte des Buches, die zu raschen Wechsel zwischen den zwei Rudolfs. Dazu kamen dann auch noch Kapitel aus der Sicht von Marie Sprüngli, Binia Haab und David Robert Sprüngli. Als das Augenmerk dann auf Rodolphe Lindt gelegt wird, wird es wieder übersichtlicher und man verfolgt gespannt seine Experimente, um eine besondere Schokolade herzustellen. Man spürt seine Anspannung und völlige Hingabe zu seiner Arbeit. Besonders bewundert habe ich seinen Durchhaltevermögen und seinen Ehrgeiz, der schlussendlich von Erfolg gekrönt wurde.

Wie Sprüngli und Lindt zu Geschäftspartnern werden, erfahren wir allerdings erst im dritten und letzten Band, der im Herbst 2026 erscheinen wird.

Fazit:
Mir hat der zweite Band noch ein bisschen besser als der erste Band gefallen und habe den Anfang des späteren Erfolgsunternehmen Lindt mit Spannung verfolgt. Die Autorin hat wieder Fiktion und historische Fakten perfekt miteinander verbunden und einen mitreißenden Roman geschrieben.


 Vielen Dank an den Penguin Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

 

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