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In uns der Ozean - Theresia Graw

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    • Verlag: ‎ List Hardcover, Erstauflage (31. Juli 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3471360808
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3471360804
    • Genre: biografischer Roman, Roman



List Kurzbeschreibung:
Rachel will nur eins: für immer am Meer leben und dessen Wunder erforschen. Doch 1929 findet ihre Karriere als Biologin ein jähes Ende, und sie muss neue Wege finden, um ihre Familie über Wasser zu halten. Statt in der Wissenschaft zu brillieren, schreibt sie Geschichten über das Meer, mit denen sie bald Hunderttausende Leser erreicht. Als ihr bei einem Spaziergang mit ihrem Neffen ein toter Vogel vor die Füße fällt, ist sie beunruhigt. Hat das etwas mit dem neuen Mittel gegen Insekten zu tun, das derzeit überall versprüht wird? Rachel weiß: In der Natur hängt alles miteinander zusammen. Und sie setzt alles daran, sich und der Umwelt Gehör zu verschaffen. Virtuos erzählt Theresia Graw vom leidenschaftlichen Einsatz der Ökologin Rachel Carson, die mit ihrem bahnbrechenden Buch Der stumme Frühling die Welt zum Umdenken brachte.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur "Music meets books Challenge"

Meine Meinung:
Ich habe bereits einige Bücher der Autorin gelesen und vor allem die Gutsherrin-Saga hat mir sehr gut gefallen. Dieser Roman ist jedoch etwas ganz anderes, auch wenn er ebenfalls in der Vergangenheit spielt. 
Theresia Graw hat sich in ihrer Romanbiografie der Ökologin Rachel Carson angenommen, die bei uns in Europa wohl eher unbekannt ist. Ich muss auf jeden Fall zugeben, dass ich noch nie von ihr gehört hatte. In den Vereinigten Staaten war ihr letztes Werk "Silent Spring" jedoch der Ausgangspunkt der  US-Umweltbewegung in den 1960iger Jahren.

Der Roman spielt von 1929 bis 1963 und hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Rachel Carson wuchs in einfachen Verhältnissen in Pennsylvania auf. Neben ihrer Mutter war sie die Einzige, die sich für die Natur interessierte und auch in der Schule hervorragende Noten schrieb. Mit Stipendien erhielt sie die Chance zu studieren und schloss mit einem Master in Zoologie ab. Ihre Liebe zum Meer fand sie während eines Aufenthaltes am Ozeanologischen Forschungsinstitut auf Cape Code. 
Ihre Doktorarbeit  musste sie jedoch aus familiären Gründen abbrechen und sich Arbeit suchen, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Sie beginnt bei der amerikanischen Fischereibehörde als Redakteurin zu arbeiten, wo ihr Talent anschauliche und poetische Geschichten schreiben zu können, auffällt. Diese werden in einer Radiosendung vorgelesen und werden schnell zum Erfolg. Namentlich wird sie jedoch nie genannt. Als einzige Frau unter Männern stieß sie immer wieder - trotz immensen Wissens in ihren Fachgebieten - auf Ablehnung. Bezeichnend dafür die Begrüßung eines Arbeitskollegen am ersten Tag bei der Daily Sun: "So eine hübsche Miss. Jammerschade eigentlich, dass sie sich hier abrackern, anstatt jemanden zu Haus glücklich zu machen." (Seite 87)

Ihr Kunst lebendig zu schreiben und ihre Liebe zum Meer und der Natur ebnen ihr den Weg zu ihrer wahren Berufung: Bücher über das Meer und seine Bewohner zu schreiben, die für jedermann verständlich sind. Sie hat damit großen Erfolg und erfüllt sich ihren Traum und kauft sich ein Häuschen am Meer.
Als ihr immer öfters auffällt, dass das sogenannte Wundermittel DDT, das über große landwirtschaftliche Nutzflächen und gegen Baumschädlinge eingesetzt wird, nicht nur Ungeziefer auslöscht, beschließt sie diese Chemikalie genauer zu untersuchen. Was sie herausfindet, lässt sie nicht mehr los. Bis ein Verlag ihr neues Buch über die Gefahr des Schädlingsmittels verlegt dauert es länger als von ihr gehofft. Damit versucht sie die Menschen darüber zu informieren, dass DDT keineswegs das harmlose Mittel ist, als das es verkauft wird.

„Eine Welt ohne Vögel, ohne Schmetterlinge, ohne Bienen. Stellen Sie sich vor, wie still es in der Natur wäre, ohne den Gesang der Drosseln und Meisen im Wald, ohne Lerchen über den Feldern. Ein stummer Frühling – wäre das nicht traurig?“ (S. 283)

Rachel Carson Quelle: Wikipedia
Wüsste Rachel Carson, dass ihre Kampagne gegen DDT zwar nach vielen Jahren Erfolg hatte, jedoch die chemische Industrie in der Zwischenzeit viele andere Spritzmittel auf den Markt gebracht hat, wäre sie trotz ihres posthumen Erfolges entsetzt. Wir brauchen auch in der heutigen Zeit eine Rachel Carson, die uns vor den Gefahren, warnt.

Oftmals hat mich die Geschichte an Bonnie Garmus Roman "Eine Frage der Chemie" erinnert, was das weibliche Rollenbild angeht. Starke, engagierte und intelligente Frauen, die von den Männern belächelt werden und denen oftmals auch ihre Arbeiten gestohlen und unter einem anderen (männlichen) Namen veröffentlicht werden. 

Fazit:
Theresia Graw hat eine wunderbare Geschichte über diese faszinierende Frau geschrieben, in der man die Liebe zur Natur und zum Meer durch jede Zeile spüren kann. Ein bildgewaltiger Roman einer faszinierenden Frau, die noch viel mehr Menschen kennenlernen sollten. Eine große Leseempfehlung!


Vielen Dank an den List Verlag und an vorablesen für das Rezensionsexemplar!


Die Pädagogin der glücklichen Kinder - Laura Baldini

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Broschiert: 304 Seiten
    • Verlag: ‎ Piper Taschenbuch (24. Oktober 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492064760
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492064767
    • Genre: Historischer Roman, biografischer Roman



Piper Kurzbeschreibung:
Laura Baldinis fesselnder Roman über die junge Emmi Pikler (1902-1984), die unter den Nazis um ihr Leben fürchtete und von den Eltern ihrer Schützlinge gerettet wurde.
Wien, 1930er Jahre: Die frisch promovierte Emmi ist begeistert von den modernen Ansätzen der Kindermedizin, denn Ärzte, Analytiker und Pädagogen arbeiten zum Wohle der Kleinsten zusammen. Hier will sie ihre eigenen Ideen einer liebevollen Erziehung weiterentwickeln. Als sie ihren späteren Mann kennenlernt, scheint Emmis Glück vollkommen. Doch dann ergreifen die Nazis die Macht, und Emmi, die Jüdin ist, gerät in Lebensgefahr. Sie kann sich mit ihrer Tochter zur Familie eines »ihrer« Kinder retten. Aber niemand weiß, ob das Versteck sicher ist. Und ob Emmi ihren Mann je wiederfinden kann …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ein weiterer Roman von Beate Maly, die unter ihrem Pseudonym Laura Baldini über Themen rund um mobile Frühförderung schreibt und bereits biografische Romane über Maria Montessori oder Hans Asperger geschrieben hat. "Die Pädagogin der glücklichen Kinder" gehört zur Reihe bedeutender Frauen, die die Welt verändern, die im Piper Verlag erscheint.

Als ungarische Jüdin darf Emmi Reich 1920 in ihrem Heimatland nicht studieren, weshalb sie zu ihrer Tante Poldi nach Wien zieht und sich an der ansässigen medizinischen Fakultät einschreibt. Dort lernt sie György Pikler kennen, einen ungarischen Lehrer, der sich für den Kommunismus engagiert. Die beiden gehen eine Fernbeziehung ein, während Emmi in Wien studiert und György in Triest und Budapest unterrichtet. 
In Wien erlebt sie viele moderne Ansätze der Kindermedizin, die sie begeistern. Vor allem Clemens von Pirquet und Hans Salzer inspirieren sie zu Kind gerechteren Behandlungen und Verhaltensweisen. Nach erfolgreich absolviertem Studium kehrt das mittlerweile verheiratete Ehepaar in ihre Heimat Ungarn zurück. Die Regierung von Miklós Horthy legt Emmi und ihrem Mann jedoch weiterhin Steine in den Weg, György wird wegen seinen politischen Ansichten angefeindet und Emmi wegen ihrer jüdischen Herkunft und ihrer revolutionären Ideen und Behandlungen von Kindern. Sie betreut Familien auch zuhause und lässt die Mütter die einzelnen Entwicklungen ihrer Kinder protokollieren. Außerdem hält sie Vorträge über Pflege und Erziehung.

Laura Baldini widmet sich in ihrem neuen Roman der jungen Emmi Pikler, ihrer Jugendzeit und ihrem Wirken während des Zweiten Weltkrieges in Ungarn. Unterstützung erhält sie dabei von ihrer Wiener Freundin Eva und ihrer Nachbarin Henriette. Besonders gefallen haben mir die Auszüge aus ihrem Studium in Wien und den diversen Praktika in unterschiedlichen Krankenhäusern und Kinderkliniken. Die Mixtur aus Medizin, Pädagogik und Psychologie ist spannend erzählt und zeichnet ein Bild von einer sympathischen und engagierten Ärztin und Pädagogin, die ihrer Zeit voraus war. Sie widmet sich vor allem der Entwicklung der Kinder und möchte gleichzeitig auch deren Gesundheit fördern. Es ist spannend zu lesen, welche Ideen oder Einsichten Emmi Pikler hatte, die wir heute als selbstverständlich ansehen. Kaum jemand weiß, dass sie diejenige war, die sich darüber Gedanken machte und ihre Ideen schlussendlich übernommen wurden.

Laura Baldini versteht es ihre eigenen Kenntnisse als Pädagogin einfließen zu lassen. Auch die bildhaften Beschreibungen von Wien und der bereits sehr modernen medizinischen Fakultät, wie auch der politischen Lage in Österreich und Ungarn sind gelungen und wurden hervorragend recherchiert.

Fazit:
Beate Maly aka Laura Baldini erzählt in ihrem biografischen Roman eindrucksvoll von einer Frau, die die Kindererziehung nachhaltig geprägt hat. Fakten und Fiktion wurden von ihr wunderbar verwoben und zeigen das Bild einer beeindruckenden Frau.


Solito - Javier Zamora

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (4. Juli 2024)
    • Übersetzer: ‎ Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462002929
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462002928
    • Originaltitel: Solito
    • Genre: Biografie, autobiografischer Roman

KiWi Kurzbeschreibung:
Javier Zamora wächst in einer kleinen Stadt in El Salvador bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind vor Jahren vor dem Bürgerkrieg geflohen und leben in den USA, er kann sich kaum an sie erinnern. Eines Tages beauftragen sie einen Schlepper damit, ihren Sohn zu ihnen zu bringen, quer durch Mittelamerika. Als Javier abgeholt wird, rechnet er damit, dass die Reise zwei Wochen dauert. Er freut sich darauf, seine Eltern wiederzusehen – und kann sich nicht vorstellen, was auf ihn zukommt. Er reist allein, inmitten einer kleinen Gruppe fremder Erwachsener, die für ihn auf dem monate-langen Trip zu einer Art Familie wird. Er erlebt lebensgefährliche Fahrten mit Booten, wandert in erbarmungsloser Hitze durch lebensfeindliche Wüsten, lernt, sich als ein anderer auszugeben, wird festgenommen und eingesperrt, steht vor schussbereiten Gewehren, erlebt Einsamkeit, Täuschungen, Gefahren – und, immer wieder, an unerwarteten Stellen auch Freundlichkeit, Hilfe, Liebe. Javier Zamora hat nach seiner Ankunft in den USA kaum je über seine Erlebnisse gesprochen. Bei der Veröffentlichung wurde das Buch von der Kritik gefeiert – und sofort zum Bestseller. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gleich vorab möchte ich sagen, dass Geschichten, wie diese von Javier Zamora sehr, sehr wichtig sind. Ich bin froh, dass ich seinen mühevollen Weg von El Salvador bis in die USA in Buchform miterleben durfte. Meine eher mittelmäßige Bewertung bezieht sich auf die leider etwas mühsam lesbare Umsetzung, den trockenen Schreibstil und die Übersetzung bzw. die nicht vorhandene Übersetzung vieler spanischer Sätze und Phrasen.

Bereits der Einstieg gestaltete sich schwierig. Der autobiografische Roman wird aus der Sicht des erst neunjährigen Javier in sehr einfacher Sprache erzählt. Behütet wächst er bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind bereits vor längerer Zeit aus El Salvador in die USA geflüchtet. An seinen Vater kann sich Javier nicht erinnern und doch fiebert er den Tag entgegen, an dem er sich selbst auf den Weg nach "la USA" machen darf. Bis Guatemala begleitet ihn sein Großvater, danach ist er auf sich alleine gestellt. Marcelo aus seinem Dorf soll sich dem Jungen annehmen, doch dieser hat keinerlei Interesse daran. So werden Cheno, Patricia und ihre Tochter Carla zur Javiers Ersatzfamilie, die ihn über Wochen begleiten, während seine eigene Familie nicht weiß, wo er sich gerade aufhält und ob er es schaffen wird.

Es gibt sehr viele Wiederholungen, die vorallem alltägliche Dinge bis ins kleinste Detail nacherzählen. Diese sind mit der Zeit ermüdend. Doch am meisten haben mich die vielen spanische Phrasen, Sätze und Wörter gestört. Sie werfen einem beim Lesen völlig aus dem Lesefluss. Es gibt kaum ein Kapitel ohne spanische Ausdrücke, die oftmals auch mit schulspanisch nicht ganz verständlich sind. Am Ende gibt es ein 17-seitiges Glossar, welches aber nicht alphabetisch geordnet ist, sondern nach Kapitel. Kommt ein Wort später erneut vor, findet es man deshalb kaum mehr. Sehr mühsam!
Diese unterschiedlichen spanischen Wörter (es werden landestypische Wörter, Redewendungen und Slang verwendet) werden auch in der Geschichte angesprochen, denn Javier und die anderen Menschen aus El Salvador sollen sich als Mexikaner ausgeben, haben falsche Pässe und müssen aufpassen mexikanisches Spanisch zu sprechen, wobei sie oftmals die Wörter gar nicht kennen.

Gerne hätte ich zu Beginn auch etwas über die politische Lage in El Salvador zu dieser Zeit erfahren und warum Javiers Eltern geflüchtet sind. Ein bisschen Vorahnung hatte ich durch den Roman von Isabel Allende "Der Wind kennt meinen Namen", die in ihrem letzten Roman in einem der drei Handlungsstränge ebenfalls eine Flucht aus El Salvador beschreibt.
Gefehlt hat mir auch eine Landkarte, die den langen Fluchtweg von El Salvador über Guatemala und Mexiko in die USA aufzeigt.

Der Roman lädt trotzallem sehr zum Nachdenken ein und erzählt ein Schicksal, welches viel zu viele Menschen am eigenen Leib erfahren müssen. Es ist schwierig dieses Buch zu rezensieren, denn es ist die wahre Fluchtgeschichte eines Kindes, welches von unzuverlässigen Schleppern illegal in die USA gebracht wird. Es zeigt die Strapazen und die Gerissenheit der Schlepper, die hier Kojoten genannt werden, sehr detailliert auf. Vorallem die Flucht durch die Sonora-Wüste, der ewige Durst und die wiederholten Versuche endlich über die mexikanische Grenze zu gelangen und auch im ersehnten "Gringoland" bleiben zu dürfen, bleiben haften und nehmen den Leser mit.

Für den Autor war "Solito" eine therapeutische Aufarbeitung.
Diesen Satz gebe ich euch noch mit: "Ich habe aufgehört ein Kind zu sein, als ich ging."

Cover:


von links nach rechts:
das englischsprachige, das italienische, das englische Paperback, das spanische und eine illustrierte Ausgabe
Das Buch wurde bereits in viele weitere Sprachen übersetzt

Fazit:
Ein sehr wichtiges Thema und umso aktueller, denn je. Trotzdem konnte mich das autobiografische Werk des mittlerweile 34jährigen Javier Zamora nicht so bewegen, wie erhofft. Durch die vielen Längen alltäglicher Dinge, aber vorallem die spanischen, oft landestypischen Sätze, die einem aus dem Lesefluss reißen, bleibt man schwer im Lesefluss.
Ein ganz wundervolles Buch zum Thema Flüchtlingsproblematik ist zum Beispiel "Vor uns das Meer" von Alan Gratz. Es ist zwar ein Jugendbuch und ebenfalls aus der Sicht von Kindern oder Jugendlichen geschrieben, aber diese Geschichten über Flucht zu unterschiedlichen Jahrzehnten berühren und bleiben in Erinnerung.


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Solange wir leben - David Safier

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Kindler Verlag; 2. Edition (18. April 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 346300030X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3463000305
    • Genre: Familiensaga, biografischer Roman



Kindler Kurzbeschreibung:
David Safier erzählt in diesem dramatischen und zärtlichen Roman die Geschichte seiner Eltern: Sie führt uns vom Wien des Jahres 1937, durch die Gefängnisse der Gestapo, nach Palästina, wo sein Vater Joschi als Barmann und Spion arbeitet und schließlich zur See fährt. Seine Mutter Waltraut wächst als Tochter eines Werftarbeiters in Bremen auf, erlebt Kriegszeit, Trümmerjahre und Wirtschaftswunder. Bei ihrer ersten Begegnung ist Waltraut eine junge alleinerziehende Witwe, Joschi zwanzig Jahre älter als sie. Wenig spricht dafür, dass die beiden sich ineinander verlieben und ein gemeinsames Leben wagen - ein Leben geprägt von steilen Höhenflügen und dramatischen Schicksalsschlägen. 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dies ist nicht mein erstes nicht-humoristisches Buch aus der Feder von David Safier. Vor Jahren hat er einen Jugendroman über das Warschauer Ghetto und den Holocaust geschrieben: "28 Tage lang", den ich sehr gut fand. Kann ich deshalb jedem empfehlen, der noch mehr in diese Richtung lesen möchte.

Nun widmet sich David Safier wieder diesem Thema und hat eine Art biografischen Roman über seine eigene Familie geschrieben. Im Mittelpunkt stehen dabei seine Eltern.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog aus dem Jahre 1997 und beginnt anschließend im Jahre 1937, genau sechzig Jahre zuvor. David Safiers Vater Joschi ist Student und wächst in Wien auf. Er ist ein kleiner Hallodri, ein Draufgänger, der bei den jungen Frauen nichts anbrennen lässt. Seine Schwester Rosl liebt das Theater. Die beiden haben eine sehr enge Verbindung zueinander. Als die Verhaftungen und Deportationen beginnen, werden Joschi und sein Vater von der Gestapo verhaftet. Rosl bekommt durch die jüdische Gemeinde schon früh die Ausreisemöglichkeit nach Palästina. Sie setzt alles daran Joschi nachzuholen, was ihr auch gelingt. In Palästina fasst Joschi nicht wirklich Fuß, doch nach Wien oder Deutschland möchte er auf keinen Fall zurück. Er kann nicht vergessen, dass seine Eltern und fast alle seine Verwandten während des dritten Reiches getötet wurden. Wie und warum er dennoch in Deutschland seine Waltraud findet, müsst ihr selbst lesen.

David Safiers Mutter Waltraut wächst in Bremen als Arbeitertochter auf. Sie und ihr Bruder Klaus sind Kinder, als der Krieg ausbricht. Nach dessen Ende fristeten sie ihr Dasein in einem Eisenbahnwaggon. Bis sich Waltraud und Joschi treffen, dauert es eine Weile. Der fast zwanzig Jahre ältere Joschi, der als Zahlmeister auf See unterwegs ist, verliebt sich Hals über Kopf in die junge hübsche Frau, die bereits verwitwet und Mutter eine kleinen Tochter ist.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, die sich auch in der Schriftart unterscheiden. Wir begleiten David Safiers Eltern bis an das Lebensende und erleben viele Hochs, aber noch mehr Tiefs mit. Das Schicksl meinte es nicht wirklich gut mit ihnen.
David Safier berichtet ungeschönt über die nicht nur guten Seiten einiger Familienmitglieder. Man fühlt mit ihnen mit und einige Szenen sind sehr emotional. Die Charaktere besitzen Tiefe, sowie Ecken und Kanten. Auch der damalige Zeitgeist ist wunderbar eingefangen. Angefangen von der Judenverfolgung, der Zeit in Palästina, die Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder bis in die Achziger- und Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Am Anfang und Ende des Buches sind verschiedene Fotos der Familie Safier abgebildet. Dazu hätte hätte ich mir noch Bildunterschriften gewünscht.
Leider bin ich auch über ein paar Fehler gestolpert, die das Lektorat wohl übersehen hat. Das sind aber auch schon die einzigen Kritikpunkte, die ich benennen kann. Ein Roman, den ich jedem ans Herz lege!

Fazit:
Ein berührender Roman über Familienbande, Schicksalsschläge, die Liebe und natürlich auch über den Holocaust. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an vorablesen für das Rezensionsexemplar, das ich für meine ersten Punkte eingetauscht habe.

Ahmici - Thomas Obruca

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
    • Verlag: ‎ Bibliothek der Provinz; New Edition (1. August 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3991260786
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3991260783
    • Genre: Kriegsdrama, biografischer Roman, Sachbuch




Amazon Kurzbeschreibung:
Dies ist die Geschichte des dreizehnjährigen Adnan. In den Wirren des Krieges in Bosnien und Herzegowina wird er, selbst durch Schusswunden schwer verletzt, Zeuge der brutalen Ermordung seiner Eltern und Schwester. Mit diesem Moment beginnt für ihn der Kampf um sein eigenes Überleben. Völlig auf sich allein gestellt, kann er sich mit letzter Kraft in ein durch die gelegten Brände beschädigtes Haus retten, in der Hoffnung, den noch tobenden Kämpfen damit entrinnen, überleben und schließlich gerettet werden zu können. Doch in seinem Versteck beginnt für ihn ein Martyrium.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Meinen Blog gibt es bereits seit 2010 und trotzdem ist dies eine Premiere! Es ist das erste Mal, dass ich ein Buch eines Autoren gelesen habe und es hier rezensiere, der aus meinem Ort kommt und den ich persönlich kenne. Umso schwieriger ist es für mich, hier die richtigen Worte zu finden...

Thomas Obruca war von 2002-2007 als Sonderermittler beim Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien tätig. In seinem Roman erzählt er über den Angriff der kroatischen HVO-Truppen auf das Dorf Ahmici am 16. April 1993 in Bosnien und die Geschichte des damals 13-jährigen Adnan.
Thomas
hat das Massaker an 116 Frauen, Kindern und älteren Menschen für das Internationale Jugoslawien-Tribunal in Den Haag untersucht. Das Schicksal von Adnan, und dessen eiserner Wille zu überleben, hat ihn nie losgelassen. Nach Rücksprache mit dem nun erwachsenen Mann, erzählt er dessen Geschichte in diesem Buch.

Als das Dorf mitten in der Nacht völlig unerwartet angegriffen wird, kann sich der 13-jährige Adnan schwer verletzt retten. Er ist Zeuge der brutalen Ermordung seiner Eltern und seiner Schwester und versteckt sich im ausgebrannten Haus eines Nachbarn, während die Soldaten weiter Jagd nach Überlebenden machen. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Woche zuvor Kroaten und Muslime
gemeinsam im Ort Ostern gefeiert haben. Es ist erschreckend, dass Menschen, die trotz unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Religionen friedlich nebeneinander lebten, innerhalb kurzer Zeit zu Feinde werden und sich gegenseitig verraten und ermorden.
Auch für Adnan und seine Familie kommt dieser Anschlag völlig unvorbereitet. Acht lange Tage versteckt er sich vor den kroatischen Soldaten, bis er von UNO-Friedenstruppen gefunden und gerettet wird.

Die Erzählung wechselt zwischen distanzierter neutraler Beschreibung der Umstände und den Gedanken und Träumen von Adnan in kursiver Schrift. Dabei denkt der 13-jährige zurück an seine Familie und erinnert sich an besondere Begebenheiten. Er träumt sich aber auch in eine heile Welt und denkt an die Zukunft, die auf ihn und seine Familie gewartet hätte. Besonders sein Vater hat Adnan geprägt. Immer wieder muss er an seine Worte denken, die ihm neue Kraft geben und ihn nicht verzagen lassen. Mit unglaublichem Lebenswillen überlebt er diese acht Tage schwer verletzt, bei dem wir ihn lesetechnisch begleiten.
Obwohl dieser biografische Roman/Sachbuch über diese schlimme Zeit nur 144 Seiten hat, musste ich immer wieder Pausen einlegen, um die begangenen Gräueltaten sacken zu lassen, bevor ich weiterlesen konnte.

Thomas Obruca, der sein Buch 2019 zu schreiben begann, sagt in einem Interview, dass er sich zu diesem Zeitpunkt nie vorstellen hätte können, dass es schon bald wieder zu einem ähnlichen Krieg in Europa kommen könnte. Leider scheint der Mensch nie aus der Vergangenheit zu lernen.
Anlässlich des 30. Gedenktages des Massakers jetzt im April 2023 wird das Buch auch in bosnischer Sprache erhältlich sein.

Fazit:
Diese Erlebnisse des erst 13-jährigen Adnan Zec, erzählt von Thomas Obruca, zeigt die ungeschminkte Realität des Krieges aus der Sicht eines Kindes. Erschütternd, beklemmend und trotz allem mit einem kleinen Funken Hoffnung. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


Ich war das Mädchen aus Auschwitz - Tova Friedman

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Broschiert: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Penguin Verlag (18. Januar 2023)
    • Übersetzer: ‎ Malcolm Brabant, Ulrike Strerath-Bolz
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328602844
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328602842
    • Originaltitel: ‎ The Daughter of Auschwitz
    • Genre: Biografischer Roman, #gegendasvergessen



Penguin Kurzbeschreibung:
Tova Friedman ist gerade einmal vier Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter in ein Konzentrationslager deportiert wird, mit sechs kommt sie nach Auschwitz-Birkenau. Was sie dort erlebt, wird sie ein Leben lang prägen: Unsagbares Leid, aber auch unerschütterliche Hoffnung und eine Liebe, deren Kraft Unvorstellbares leistet. Als eine der Wenigsten weiß sie, was es heißt, eine Gaskammer von innen gesehen zu haben und heute darüber berichten zu können. Was es bedeutet, sich zwischen den Toten zu verstecken, um selbst zu überleben. So erschreckend wie berührend und inspirierend erzählt sie davon, wie sie als Kind den Krieg erlebt, ihre Eltern nach dessen Ende wiederfindet und ihr Leben seither dem Kampf gegen das Vergessen widmet. Heute gehört Tova Friedman zu den engagiertesten Stimmen der Überlebenden und klärt nachfolgende Generationen über die Schrecken des Krieges auf - so auch auf TikTok, wo sie mit ihren Videos schnell zur viralen Sensation wurde.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nach längerer Zeit habe ich mich wieder einmal an eine Biografie bzw. biografischen Roman einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust gewagt. Gelesen habe ich dazu schon sehr viel. Mit "Ich war das Mädchen aus Auschwitz" erzählt Tova Friedman von ihrer Zeit im Ghetto und im Konzentrationslager Auschwitz. Tova wurde 1938 in Ggdynia, Polen, geboren. Sie war vier Jahre alt, als man sie gemeinsam mit Mutter und Vater nach Auschwitz-Birkenau deportierte. Von den 50.000 jüdischen Kindern der polnischen Stadt Tomaszow Mazowiecki, in der sie mit ihrer Familie wohnte, ist sie nur eine von fünf überlebenden Kindern.

Die mittlerweile 85jährige Tova gehört in der heutigen Zeit zu den wohl allerletzten Zeitzeugen. Beim Lesen ihres Schicksals musste ich oftmals innehalten und ein anderes Mal ungläubig den Kopf schütteln. Wie viel Glück im Unglück Tova hatte, ist unbeschreiblich. Und es ist ihr ein großes Anliegen darüber zu berichten, damit wir nicht vergessen....
Tova hat sich dazu entschlossen nicht nur ihre Lebensgeschichte gemeinsam mit Co-Autor Malcolm Brabant zu erzählen, sondern sie ist auch mit ihrer Enkelin auf TikTok unterwegs. Sie gehört zu den engagiertesten Stimmen gegen das Vergessen. Tova erzählt nicht nur in den Sozialen Medien über ihr Schicksal, sondern auch in Schulen, nachem sie erfahren musste, dass 2/3 der jungen amerikanischen Bevölkerung mit dem Ort Auschwitz und dem Holocaust nichts anfangen können. Wie erschreckend ist das bitte?

Tova erzählt aus der Zeit im polnischen Ghetto und ihrem Aufenthalt im Konzentrationslager Auschwitz. Manche mögen sich fragen, wie sich eine damals 4-jährige so genau an viele Dinge erinnern kann. Ich denke viele Ereignisse haben sich in ihre kindliche Seele gebrannt, aber vorallem die genauen Tagebucheinträge ihres Vaters haben diese Zeit festgehalten. Nachdenklich machte mich auch der Gedanke, dass Tova die ersten Jahre ihres Lebens nichts anderes kannte, als das Leben im Ghetto, Krieg, Hass und Vernichtung. Beeindruckt hat mich vorallem die Stärke ihrer Mutter Reizel, die Tova viele wichtige Verhaltensweisen einprägte, die ihr sicherlich auch geholfen haben zu überleben.
Diese Biografie endet nicht bei der Befreiung aus dem Konzentrationslager, sondern wir erfahren auch mehr über Tovas Leben nach dem Krieg, ihr Aufwachsen in New York und Israel. Erschütternd ist, dass sie auch im späteren Leben immer wieder auf Krieg und Antisemitismus trifft.

Mehr möchte ich über den Inhalt gar nicht schreiben, denn jeder sollte dieses Buch #gegendasvergessen lesen. In der Mitte gibt es einige Fotografien von Tova, ihrer Familie und späteren Besuchen in Auschwitz-Birkenau, wie zum Beispiel beim 75. Jahrestag der Befreiung.

Eine solche Biografie zu bewerten ist eigentlich unmöglich und steht mir auch nicht zu. Für diverse Plattformen und weil es es ein Reziexemplar ist, vergebe ich hiermit meine 5 Sterne.

Fazit:
Eine schonungslose Erzählung von einer der letzten Zeitzeugen, die ich jedem ans Herz lege. Erschütternd und authentisch. Wir dürfen nicht vergessen, was damals passiert ist und müssen gegen jeglichen Rassismus vorgehen. 

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Frühstück mit Elefanten - Gesa Neitzel

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ Ullstein Taschenbuch; 6. Edition (7. September 2018)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548377343
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548377346
    • Genre: Reisebericht, biografischer Roman


     


Ullstein Kurzbeschreibung:

Gesa Neitzel wagt sich von Berlin in den Busch. Ihr Ziel: die Ausbildung zur Safari-Rangerin in Afrika. Das bedeutet fast ein Jahr in einfachen Zeltlagern. Ohne Internet, ohne Badezimmer, ohne Türen ― dafür aber mit Zebras, Erdferkeln und Skorpionen. Die Ausbildungsinhalte bestehen aus Fährtenlesen, Überlebenstraining, Schießübungen. Wie schlägt sich eine junge Frau in dieser fremden Welt? Kann sie sich auf ihre Instinkte verlassen? Funktionieren die eigentlich noch? Sie erzählt von atemberaubenden Begegnungen mit Elefanten und Löwen, vom Barfußlaufen durch die Savanne, von langen Nächten unterm Sternenhimmel ― und von einem Leben, das endlich richtig beginnt.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon lange schleiche ich um dieses Buch herum und habe es mir vor einigen Monaten über rebuy gekauft. Nun war es endlich so weit und ich hatte Lust mit Gesa Neitzel Afrika zu erkunden. Ihre Erlebnisse hat die junge Frau in diesem Roman aufgeschrieben.

Spannend und äußerst interessant erzählt Gesa zuerst über ihr Leben in Berlin und ihr Gefühl irgendwann falsch abgebogen zu sein. Sie fühlt sich wie in einem Hamsterrad und träumt immer mehr davon etwas völlig anderes zu machen. In ihr wächst der Wunsch heran, in Afrika eine Ausbildung zur Rangerin zu absolvieren. Gesa geht nicht blauäugig an dieses Abenteuer heran, sondern macht sich lange Gedanken darüber. Trotzdem spürt man eine Spur Naivität durch, als sie im Camp ankommt und ihre Ausbildung beginnt. Gleichzeitig spüren wir ihre Sorgen und ihre Unsicherheit. Das macht sie umso menschlicher, denn es gehört großer Mut dazu sein gewohntes Leben hinter sich zu lassen.
Wir alle haben doch hin und wieder den Wunsch auszubrechen und seinen Traum zu leben. Doch an der Umsetzung hapert es dann meistens...nur wer wirklich gänzlich dahinter steht, wird das Abenteuer auch beginnen.

Gesa hat sich diesen Wunsch erfüllt und sich ein Jahr Auszeit genommen. In dieser Zeit möchte sie eine Ranger-Ausbildung absolvieren und über ihr Leben und ihre Ziele nachdenken. Ich muss zugeben, dass mich der schwarze Kontinent nicht wirklich reizt. Mich zieht es eher nach Neuseeland oder Asien, aber die bildhaften Beschreibungen der afrikanischen Wildnis und Tierwelt haben mich sofort in den Bann geschlagen. Die Erfahrungen, die Gesa macht, sind spannend erzählt. Man fühlt sich direkt mit der jungen Frau verbunden und begleitet sie bei ihren Abenteuern. Gemeinsam schwitzt man vor den Prüfungen, die sie ablegen muss, sitzt aber auch mit ihr am Lagerfeuer, schaut einem Elefanten ins Auge und nimmt wieder einmal Abschied von einem liebgewonnenen Reisebegleiter. Man fühlt sich jederzeit wie mitten drin im Abenteuer.

Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen. Gesa Neitzel beschreibt die Landschaft, die Tier- und Pflanzenwelt und die Menschen, denen sie während ihrer Ausbildung begegnet, sehr bildhaft und empathisch.
Die Schönheit der Wildnis wirkte auf mich als Leser äußerst lebendig beschrieben. Das enorme Wissen, das sich Gesa in dieser Zeit über die Natur aneignete, ist bemerkenswert. Nach ihrer Zeit in Afrika lebt Gesa nach ihrem neuem Motto: Lebe den Augenblick.

In der Mitte des Buches findet man Fotos von Gesas Stationen in Botswana, Südafrika, Namibia und ihren Urlaub auf Sansibar.

Fazit:
Ein lesenswerter Erlebnisbericht einer jungen Frau, die sich auf die Suche nach sich selbst begibt und eine Rangerausbildung in Afrika absolviert. Spannend und lebendig erzählt.

Selma Lagerlöf - Charlotte von Feyerabend

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ Droemer HC; 1. Edition (2. November 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426282593
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426282595
    • Genre: Biografischer Roman


Droemer Kurzbeschreibung:
Der Roman über Selma Lagerlöf widmet sich auch den eher unbekannten Seiten der berühmten schwedischen Schriftstellerin. Charlotte von Feyerabend macht in ihrem großen Roman Selma Lagerlöf mit all ihren Zweifeln und schillernden Träumen greifbar. Die LeserInnen begleiten sie, wenn ihr Zuhause wegen Geldnöten verkauft wird, sie ihre erste Freundin und Reisegefährtin Sophie Elkan trifft, mit der sie nicht nur nach Jerusalem, sondern auch durch Schweden reisen wird, um für Nils Holgersson zu recherchieren. Ständig bricht sie mit gängigen Normen und Vorgaben und erschafft dabei Großes und ist dabei von einem unerschöpflichen Glauben an sich selbst erfüllt. Als erste Frau erhält sie den Literaturnobelpreis, einen Sitz in der Schwedischen Akademie und lebt in einer teils Kräfte zehrenden Dreiecksbeziehung. Mit dem Gewinn aus ihren Buchverkäufen kauft sie sich ihr altes Zuhause zurück und lebt den Traum, den ihr Vater nicht verwirklichen konnte: den, einer Gutsbesitzerin, und teilt mit ihrem großen Herzen das Glück, das sie sich hart erkämpft hat.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Seit meine Tochter sich für ihr Master Studium die Universität in Jönköping ausgesucht hat, versuche ich noch mehr Bücher zu inhalieren, die in Schweden spielen. Da kam mir der biografische Roman von Charlotte von Feyerabend über das Leben der Schriftstellerin Selma Lagerlöf gerade recht.
Bei uns ist die Autorin, die 1858 geboren wurde, eigentlich nur durch ihr Werk über "Nils Holgersson" bekannt. Viele haben sicherlich auch die Zeichentrickserie im Fernsehen gesehen. Doch hinter Selma Lagerlöf steckt eine sehr willensstarke und unerschrockene Frau, die schon sehr früh empanzipiert war. 

Selma wuchs auf einem Gutshof in Mårbacka in Südschweden auf, der später verkauft werden musste. Selma schwor sich ihr Leben lang, ihr Elternhaus wieder zurückzukaufen. Sie wurde Lehrerin und schrieb anfangs noch neben ihrer Anstellung. 1895 machte sie jedoch ihre Liebe zur Schriftstellerei zum Beruf. 1909 erhielt sie als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. Dies ist umso bemerkenswerter, da zu ihrer Zeit Frauen als Schriftstellerinnen noch nicht anerkannt wurden. Selbst ihre Freundin Sophie schrieb anfangs unter einem männlichen Pseudoynm.

Charlotte von Feyerabend hat in ihrer Romanbiografie sehr detailliert und in poetischer Sprache über das Leben von Selma Lagerlöf geschrieben. Sie lässt auch Originalbriefe der Schriftstellerin mit einfließen. Diese lassen den biografischen Roman noch persönlicher erscheinen, bringen aber auch einige Längen in die Geschichte. 

Fasziniert hat mich an ihr, dass sie zu dieser Zeit wirklich sehr emanzipiert aufgetreten ist. Sie unternahm viele Reisen und liebte zwei Frauen gleichzeitig: Valborg und Sophie. Sophie war ihre Reisebegleiterin und mit ihr verband sie eine tiefe und innige Freundschaft, die anscheinend aber ohne körperlichen Kontakt auskam (von Sophies Seite her erwünscht). Mit Valborg hatte Selma allerdings auch eine Liebesbeziehung. Außerdem war ihr Valborg eine große Hilfe beim Redigieren von Manuskripten und Erledigen ihrer Korrespondenz. Die Eifersucht zwischen den beiden "rivalisierenden" Frauen war zeitlebens gegeben und war erst nach dem Tod von Sophie vom Tisch.

Das bei uns bekannteste Werk um die wunderbare Reise des Nils Holgersson mit den Wildgänsen entstand im Auftrag des schwedischen Volksschullehrerverbandes, der sich ein Schul-Lesebuch für Kinder wünschte, in dem die Verschiedenheit der schwedischen Landschaft und ihren Einwohnern, sowie Sagen und Bräuche den Kindern vermittelt werden sollte.
Eine interessante Begebenheit ist auch, dass Selma angeboten wurde einen Jungen aufzunehmen, der zufällig denselben Namen wie ihre Romanfigur Nils Holgersson hatte. Nils wurde tatsächlich ihr Pflegesohn, hatte jedoch kaum Interesse an Literatur und arbeitete lieber mit seinen Händen.

Die Autorin hat sehr intensiv recherchiert und die Informationen sind sehr informativ. Sie zeigt Selma Lagerlöf von ihrer persönlichen Seite und lässt uns an ihren Wünschen und Sehnsüchten teilhaben. Es kommen aber teilweise auch sehr große Zeitsprünge vor, während andere Passagen sehr lange und ausführlich behandelt werden. Für mich waren vorallem die Reisen, die Selma in ihrer Heimat Schweden unternahm, vorallem diejenige in den Norden des Landes, sehr interessant.
Trotzdem konnte mich die Geschichte um Selma Lagerlöf nicht ganz abholen. Ich hatte Einstiegsschwierigkeiten und des öfteren auch Probleme dranzubleiben.

Auf der Innenseite der Broschur befindet sich sowohl vorne, als auch hinten, eine Karte von Schweden...einmal der Süden mit einem Teil Dänemarks und einmal den Norden, den Selma besuchte um mehr über die Samen zu erfahren.

Fazit:
Selma Lagerlöf führte ein spannendes Leben, das von Charlotte von Feyerabend mit viel Einfühlungsvermögen und Detaillliebe erzählt wird. Manchmal ließ mich der etwas zu ausschweifende Erzählstil jedoch von der Geschichte gedanklich abschweifen. Trotzdem ist dieser biografische Roman ein interessantes Werk über eine willenstarke und emanzipierte Frau, über die wir hier im deutschsprachigen Raum viel zu wenig wissen.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie an die Autorin für die interessante Begleitung bei der Leserunde.


Vor Frauen wird gewarnt - Heidi Rehn

     

     

    • Taschenbuch: 432 Seiten
    • Verlag: Knaur TB; 1. Edition (2. August 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426526263
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426526262
    • Genre: Biografischer Roman, historischer Roman


Knaur Kurzbeschreibung:
Sie war in den Zwanziger Jahren das, was man eine emanzipierte Frau nennt, und damit eine Pionierin ihrer Zeit. Ihr Roman „Menschen im Hotel“ war ein Bestseller, der Vicki Baum schlagartig zum Star der Unterhaltungsliteratur machte. Sie wurde zur Verkörperung der Karrierefrau, ein Begriff, der damals durchaus positiv besetzt war,und von ihren Leserinnen verehrt und um ihre Eigenständigkeit beneidet. Doch wie sah die Frau hinter der glänzenden Fassade aus?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Vicki Baum...wer kennt heute diese bereits in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts berühmte Schriftstellerin, die im Ullstein Verlag arbeitete und zusätzlich einen Autorenvertrag hatte? Ich kenne ihren Namen nur aus meiner Zeit als Kind in der Bücherei in der ich ausgeholfen habe. Damals standen ihre Bücher augenfällig in den Regalen. Leider findet man diese heutzutage kaum mehr. Wie wäre es mit einer Neuauflage liebe Verlage?

Heid Rehn hat sich dieser außergewöhnlichen Frau angenommen. In ihrem biografischen Roman "Vor Frauen wird gewarnt", anlehnend an Vicki Baums Bestseller "Vor Rehen wird gewarnt" widmet sie sich der Schriftstellerin und ihrem Leben. Dabei werden die fünf entscheidenden Jahre, in den Vicki Baum der große Durchbruch gelang, beschrieben.
Die Erzählung beginnt mit dem Zeitpunkt, als die in Wien als Hewdig Baum geborene Autorin, getrennt von Mann und Kindern nach Berlin zieht. Im Ullstein-Verlagshaus erhält sie die einmalige Chance Karriere zu machen. Zu dieser Zeit ist nicht nur die Verlagbranche eine von Männern dominierende, sondern generell sind nur wenige Frauen berufstätig. Doch Vicki Baum ist eine sehr selbstbewusste und vorallem freiheitsliebende Frau, die ein selbstbestimmtes, emanzipiertes Leben lebt. Ihr Mann Richard, Dirigent und erster Kapellmeister, bleibt vorerst mit den beiden gemeinsamen Söhnen in Mannheim zurück, wo er seiner Arbeit nachgeht. Beide nehmen die Treue nicht sehr genau, halten jedoch trotzdem aneinander fest.

Mir blieb leider über längere Zeit die Person Vicki Baum fremd, obwohl sie auf der anderen Seite sehr lebendig dargestellt wird. Sie ist arbeitswütig und versucht immerzu die Achtung ihres Umfeldes zu erringen. Oftmals fragte ich mich, woher diese Frau die Energie nahm? Nach einem langen Tag im Verlag, der meistens mit Überstunden endete, schrieb sie danach an ihren Romanen und ging mehrmals die Woche und am Wochenende in die beliebten Tanzlokale, zu Opernvorstellungen oder anderen Kulturevents. Immer wieder wird auch einem Mantra gleich erwähnt, dass sie nicht mehr die Jüngste sei. Umso mehr erstaunte mich ihre Energie. Für mich war sie schlussendlich einfach zu perfekt dargestellt.

Ich hatte außerdem oftmals das Gefühl auf der Stelle zu treten - besonders im ersten Abschnitt. Da fehlte es mir sehr an Spannung. Mir ist bewusst, dass es sich hier um einen biografischen Roman handelt und man als Autorin authentisch bleiben muss. Man kann nicht einfach weitere spannende Geschichten dazu erfinden. Trotzdem waren es für mich doch so einige Längen...
Auch die politische Brisanz dieser Zeit - die Anfänge der Braunhemden und des Judenhasses - wird nur kurz angerissen. Vicki Baum wird sich der Gefahr auch gar nicht bewusst (wie leider so vielen Juden), obwohl sie selbst jürdische Wurzeln hat.

Gefallen haben mir hingegen die Einblicke in den Ullstein Verlag und die Beziehungen untereinander. Die von Männern dominierende Branche war teilweise von Vicki Baum hingerissen, auf der anderen Seite gab es jedoch viele Skeptiker. Wie leider auch noch heute üblich, musste sie viel mehr Arbeit stemmen, um bei den männlichen Kollegen und Vorgesetzten anerkannt zu werden. Außerdem mochte ich ihre emanzipierte Art und ihren Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen. Sie ging sogar zum Boxtraining und machte damit einmal mehr klar, dass Frauen sich hinter Männer nicht zu verstecken brauchen. Sie war ihrer Zeit einfach ziemlich voraus....
Gelungen dargestellt ist auch die damalige Atmosphäre. Man erlebt die wilden Zwanziger in der Metropole Berlin, wo die Nacht zum Tag gemacht wurde und die Menschen feierten, als gäbe es kein morgen.

Ihre Bücher wurden in der Zeit der Nationalsozialismuses verboten und wurden Opfer der Bücherbrennungen. Der Roman endet mit einem Neuanfang in Amerika, wo Vicki weitere Erfolge feiert. Am Ende befindet sich noch eine Nachbemerkung der Autrin und ein Personenverzeichnis.

Fazit:
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass biografische Romane um berühmte Frauen nicht wirklich meins sind. Natürlich ist "Vor Frauen wird gewarnt" in erster Linie ein Roman und subjektiv, trotzdem gab es für mich einige Längen. Vicki Baum wurde mir außerdem zu sehr als Überfrau dargestellt. Neugierig auf ihre Romane hat mich Heidi Rehn aber allemal gemacht...

Vielen Dank an den Knaur Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie die geduld der Autorin wegen meinem verspäteten Einstieg

Fräulein Mozart und der Klang der Liebe - Beate Maly

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Ullstein Taschenbuch; 2. Edition (31. Mai 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 354806390X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548063904
    • Genre: Biografischer Roman, historischer Roman



Ullstein Kurzbeschreibung:
Salzburg 1766: Die junge Maria Anna, liebevoll Nannerl genannt, kann sich vor Verehrern kaum retten und hat doch nur die Musik im Sinn. Gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang Amadeus spielt sie an den vornehmsten Höfen Europas Klavier, bis sie die Bühne für ihren kleinen Bruder räumen muss. Enttäuscht versucht sie sich mit eigenen Kompositionen und zahlreichen Bällen abzulenken. Eines Abends lernt sie den charmanten Franz Armand d’Ippold kennen und fühlt sich dem klugen Mann gleich verbunden. Nur ist Franz mitnichten eine gute Partie und die Schulden der Familie lassen keine Liebesheirat zu. Doch Nannerl Mozart lässt sich nicht beirren und wird weder ihre Musik noch ihre große Liebe aufgeben.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Über die Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart weiß man leider viel zu wenig, obwohl diese junge Frau ein einnmaliges Talent hatte und sicherlich nicht hinter ihren Bruder zurückstehen hätte müssen. Leider war dies für eine Frau in der Mitte des 18. Jahrhunderts jedoch nicht möglich.

Beate Maly hat in ihrer Romanbiografie um Anna Maria Mozart, genannt Nannerl, historisch belegte Begebenheiten mit einigen fiktionalen Elementen zusammengeführt. Es ist immer wieder schwer über eine Person zu schreiben, von der es nicht so viele Fakten und Hinterlassenschaffen gibt. Bei Nannerl ist dies hingegen ein bisschen leichter, weil sie eine sehr enge Verbindung zu ihrem Bruder Wolfgang hatte und es doch viele Fakten aus seinem Leben gibt. Anhand der biografischen Daten der Familie begleiten wir die Familie Mozart ab 1766 auf einem Teil ihres Lebensweges.

Im Fokus des Buches steht natürlich Nannerl, die im Schatten ihres Bruders groß geworden ist. Besonders ihr Vater Leopold, der sie als Kinder noch eher gleichberchtigt unterrichtet hat, legt seinen Fokus immer mehr auf Wolfgang Amadeus. Nannerl darf Wolfgang nicht mehr auf den Konzertreisen begleiten und muss in Salzburg bleiben. Ihre außerordentliche Musikalität und ihre virtuose Spielleidenschaft auf der Geige und dem Klavier müssen in den Hintergrund treten. Zusätzlich kommt sie mit ihren 16 Jahren ins heiratsfähige Alter und gilt nicht mehr als Wunderkind. Doch die Liebe und die Leidenschaft zur Musik kann Nannerl nicht so einfach aufgeben.

Die Konzertreisen, die Leopold Mozart mit Wolfgang Amadeus unternimmt, verschlingen immer mehr Geld und Nannerl beginnt zuhause Klavierunterricht zu geben. Im kleineren, nicht öffentlichen Rahmen, tritt sie ebenfalls auf um die Stücke ihres Bruders bekanntzumachen. Doch das Geld wird immer knapper. Als Wolfgang mit seinem selbstkomponierten Opern mehr und mehr Erfolg hat, hofft Nannerl auf etwas Geld. Doch der Musiker kann damit nicht umgehen und verprasst mehr als er verdient. Zusätzlich geht er mit fortschreitenden Alter fortan alleine auf Konzertreise und treibt seine Familie in die Armut. Nur eine Hochzeit mit einem reichen Mann kann Haus und Hof retten, doch Nannerl hat sich in Franz d'Ippold verliebt und er sich in sie. Als Schuldirektor darf er allerdings nicht heiraten und falls er den Schuldienst quittieren würde, könnte er mit seinem niedrigen Salär den Mozarts ebenfalls nicht helfen.

Beate Maly spinnt die Liebesgeschichte zwischen Anna Marie und Franz d'Ippold etwas weiter. In der zweiten Hälfte des Romans nimmt sie einen großen Teil ein und hat mir wieder vor Augen geführt, wie ungerecht die Zeiten damals für uns Frauen war. Meistens wurden sie einfach verkauft, damit die Eltern weiterhin in den gewohnten Kreisen leben konnten. Oftmals wurden auch Schulden getilgt und sich mit der Hochzeit der Tochter freigekauft. Nannerl wehrt sich lange dagegen. Sie vermisst vorallem ihre Musik: das Geigen- und das Klavierspiel.
In mehreren Zeitsprüngen erleben wir das weitere Leben von Anna Maria. Anhand ihrer Tagebücher, der Sammlung von Wolfgang's Werken und den Briefverkehr der beiden, bilden diese Erinnerungsstücke den heutigen Grundstock der Mozart-Forschung.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist leicht und flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und lebendig dargestellt. Beate Maly hat die damalige Zeit wunderbar bildhaft und authentisch dargestellt. Der Zeitgeist und die Lebensart, der strenge gesellschaftliche Status und das Frauenbild werden hervorragend beschrieben.
Auch der Schauplatz Salzburg wird sehr lebendig dargestellt. Ich kenne natürlich die Stadt selbst und bin mit Nannerl durch die Gassen gewandelt. Das Geburtshaus Mozarts ist noch heute eines der vielbesuchtesten Orte in der Mozartstadt, auch wenn Wolfgang Amadeus viel lieber in Wien weilte und ihm seine Geburtsstadt zu klein und eingeschränkt vorkam.

Fazit:
Ein Roman mit biografischen Zügen, der einen Blick auf die Schwester neben dem Wunderkind Wolfgang Amadeus, wirft. Wäre sie ein Mann gewesen, hätte sie genauso erfolgreich werden können. Nannerl war eiine Frau mit einem großen musikalischen Talent, die sich der damaligen Zeit und der Gesellschaft beugen musste. Mir hat diese Romanbiografie sehr gut gefallen.

Die Douglas Schwestern - Charlotte Jacobi

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 464 Seiten
    • Verlag: Piper Taschenbuch; 4. Edition (30. November 2020)
    • ISBN-10 : 3492316476
    • ISBN-13 : 978-3492316477
    • Genre: Historischer Roman, biografischer Roman



PIPER Kurzbeschreibung:
Wunderschöne Flakons und betörende Düfte! Schon als kleines Mädchen ist Maria Carstens fasziniert von den Parfüms der feinen Hamburger Damen. Und so versprechen sie und ihre Schwester Anna sich, eines Tages ihre eigene Parfümerie zu eröffnen. Doch während der Vater die beiden tatkräftig unterstützt, sabotiert die ängstliche Mutter das Vorhaben ihrer Töchter. Als sich ihr Traum schließlich erfüllt und sie 1910 am Neuen Wall mit der Parfümerie »Douglas« eine Welt der Düfte erschaffen, fängt das Abenteuer erst an!

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Das Autoren-Duo Eva-Maria Bast und Jørn Precht, die unter dem Pseudonym Charlotte Jacobi schreiben, haben sich der Geschichte rund um die Parfümerei Douglas, der größten Parfümerie-Kette Europas, angenommen. Daraus ist eine mehr oder weniger spannende Geschichte entstanden, die sich interessanten Themen widmet: Der Welt der Düfte und Frauen, die nach der Jahrhundertwende nach Unabhängigkeit streben - Pionierinnen der damaligen Zeit.

Die Geschichte des Unternehmens Douglas, bis hin zur Eröffnung der Parfümerie am Neuen Wall im Herzen Hamburgs, ist hervorragend erzählt. Über die Schwestern Carsten selbst ist allerdings sehr wenig bekannt. Die wenigen historischen Fakten haben die Autoren nach längerer Recherche in Hamburg und Paris deswegen mit einer fiktiven Geschichte verwoben.
Der Roman spielt von 1909 bis 1920 in Hamburg. Marie Carstens ist schon als Kind verzaubert von der Welt der Düfte. Ihr Traum ist es später ein ein eigens Geschäft gemeinsam mit ihrer Schwester Anna zu gründen. Das damalige Frauenbild und die damit verbundenen Schwierigeiten der Carstens Schwestern diesen Traum zu erfüllen, wurde sehr authentisch beschrieben. In einer zeit, wo Frauen nur Beiwerk eines Mannes sind und noch keinerlei Rechte haben, war es für Marie und Anna alles andere als leicht sich zu behaupten. Eine große Hilfe war ihnen Beate Kolbe, die sich mit den Schwestern zusammen getan hat und auch den Namen Douglas

beisteuerte.
Sehr schnell taucht man in die Welt der Düfte ein und verfolgt wie Maries und Annas Traum wahr wird. Dabei werden den beiden Frauen allerlei Hürden in den Weg gelegt, schließlich sind nur Männer Geschäftsmänner.
Wir begleiten Marie nach Grasse in Frankreich, wo sie die  Grundlagen der Parfümherstellung kennenlernt. In der berühmten Stadt der Düfte oder bei der Weltausstellung in Brüssel trifft sie einige historische Persönlichkeiten, wie Coco Chanel oder Helena Rubinstein. Auch die Zarenfamilien oder Gertrude Stein spielen eine Rolle und geben der Geschichte einen zusätzlichen Reiz.

© PR  auf dem Foto: Anna und Marie Carstens
Die Charaktere sind facettenreich und lebendig gezeichnet. Sie entwickeln sich im Laufe des Romans weiter. Marie ist eine selbstbewusste und impulsive Frau, während ihre jümngere Schwester Anna eher zurückhaltend ist, aber oftmals die richtigen Entscheidungen trifft. 

Ein bisschen wehmütig wird mir, wenn ich daran denke, dass die beiden Schwestern im wahren Leben kein Liebesglück finden konnten. Dafür ist die Parfümerie Douglas auch noch 100 Jahre später eine der führenden Marken der Welt.

Schreibstil:
Der Schreibstil des Autorenduos ist sehr lebendig, flüssig und bildhaft. Die Charaktere sind allesamt bis hin zu den kleinsten Nebenfiguren sehr lebendig und authentisch beschrieben.
Die Hansestadt Hamburg hatte ich sehr bildhaft vor Augen. Obwohl der Roman vor hundert Jahren spielt, habe ich einige Plätze wiedererkannt, die ich vor fast 2 Jahren besucht habe.

Im Nachwort erklären die Autoren, was ihren Ideenreichtum entsprungen und was historisch belegt ist. Ein sehr interessanter Nachtrag, der mich noch weiter mit der Parfümerie Douglas beschäftigt hat.

Fazit:
Ein unterhaltsamer Roman über die Gründungsgeschichte der Parfümerei Douglas. Das Autorenduo hat dabei fiktive Geschichten mit historischen Begebenheiten vermischt und daraus eine spannende, leicht zu lesende Lektüre geschrieben, bei der man den Duft von  Parfüm in der Nase hat.


 

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