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Die vergessenen Kinder - Emily Gunnis

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Verlag: ‎ Heyne Verlag (11. September 2024)
    • Übersetzer :  Ute Brammertz, Carola Fischer
    • Gebundene Ausgabe : ‎ 448 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453274962
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453274969
    • Originaltitel ‏ : ‎ The Girls Left Behind
    • Genre: Roman, Spannungsroman



Heyne Kurzbeschreibung:
Sussex 1985: Holly Moore führt ein trostloses Leben im düsteren Waisenhaus Morgate. Für ein wenig Zuneigung würde die einsame Teenagerin alles tun. Als sie einem jungen Mann begegnet, der sich aufrichtig um sie zu sorgen scheint, keimt Hoffnung in ihr auf. 2015: Jo Hamilton blickt auf eine lange Karriere bei der Polizei zurück. Als die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt wird, holt sie ein Cold Case wieder ein, der sie nie losgelassen hat: Handelt es sich bei dem Fund um Holly Moore, die damals spurlos verschwunden ist? Und was ist mit dem anderen Mädchen aus dem Waisenhaus, dessen Tod ebenfalls nicht aufgeklärt wurde? Im Zuge der Ermittlungen wird Jo klar, dass sie sich der furchtbaren Schuld stellen muss, die sie damals auf sich geladen hat.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von der Autorin habe ich bisher zwei Bücher gelesen und zwar "Das Geheimnis des Mädchens", welches von mir 5 Sterne und "Das Haus der Verlassenen", welches 4 Sterne bekommen hat.
Mit ihrem neuen Roman hat sie mich nun nicht ganz so überzeugt, wie mit den bereits gelesenen Büchern. Für mich hatte es im Mittelteil einige Längen und Wiederholungen. Trotzdem war der Roman wieder spannend und interessant.

"Die vergessenen Kinder" wird auf drei Zeitebenen und aus vier Perspektiven erzählt. Lasst euch davon aber nicht abschrecken, denn wir begegnen diesen vier bzw. fünf Frauen während den ganzen 448 Seiten immer wieder. Vor allem Jo Hamilton, die sich 1975 frisch aus der Polizeischule auf dem Weg zu einer häuslichen Gewalttat begibt, die für sie weitreichende Folgen haben wird, begleiten wir bis zum Ende der Geschichte.
2015 steht sie kurz vor ihrer Pensionierung, als die Überreste einer Leiche gefunden werden, die der vor Jahrzehnten verschwunden Holly gehören könnten. Holly war eines der beiden Mädchen, die damals bei Jo's Polizeieinsatz ihre Familie durch einen Brand verloren hat. Noch immer fühlt sich Jo deswegen schuldig, die die beiden Kinder danach in das nahe Waisenhaus Morgate House bringen musste. Seit damals lässt sie diese Geschichte nicht mehr los und sie versucht in ihrer letzten Woche als Superintendent den Cold Case zu klären. Doch ihr Chef und ihr Nachfolger versuchen sie bereits aus ihrem Job zu drängen und lassen nichts unversucht....

Einige Zeit bevor Holly und Daisy nach Morgate House kamen, verschwand bereits die 15jährige Gemma spurlos. Einige Jahre später. Auch Daisy, die als Altenpflegerin arbeitet, möchte wissen, ob es sich bei der Toten um ihre Schwester Holly handelt. Noch immer gruselt es auch sie vor Morgate House, welches bald abgetragen werden soll, weil es zu nahe an den Saltdean Cliffs steht und ins Meer  abzurutschen droht.

Die dritte Zeitebene spielt 1944. Jo's Mutter Olive möchte der Farm ihrer Eltern entfliehen und meldet sich als Motorradkurier nach Bletchley Park. Dort versuchten während des Zweiten Weltkrieges Hunderte von Männern und Frauen den geheimen Funkverkehr der Deutschen zu entschlüsseln. Ihre Aufgabe ist anstrengend und gefährlich.

Die zentrale Rolle spielt jedoch Jo und das düstere Waisenhaus Morgate House, während sich die einzelnen Erzählstränge im Laufe der Geschichte gekonnt darum herum verknüpfen. 
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse, die für dramatische und bewegende Momente sorgen.

Cover:

von links nach rechts:
das englischsprachige Originalcover, das litauische, dänische und schwedische Cover

Fazit:
"Die vergessenen Kinder" von Emily Gunnis ist eine Mischung aus einem packenden Familiendrama und einem spannenden Kriminalfall. Trotzdem empfand ich diesen Spannungsroman schwächer, als die beiden anderen, die ich bisher von der Autorin gelesen habe. 



Das Geheimnis des Mädchens - Emily Gunnis

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag (2. November 2022)
    • Übersetzer: Carola Fischer
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453273982
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453273986
    • Originaltitel: The Midwife's Secret
    • Genre: Roman, Spannungsroman



Heyne Kurzbeschreibung:
England 1945: Als die junge Herrin von Yew Tree Manor bei der Geburt ihres Kindes stirbt, wird der Hebamme Tessa James der Prozess gemacht, obwohl sie als einzige alles unternommen hat, um die Frau zu retten. Dies treibt einen Keil zwischen die Familien Hilton und James, der sich mit den Jahren immer tiefer bohrt.
1969: Während einer Silvesterfeier verschwindet Alice Hilton, die sechsjährige Tochter des Hauses, aus Yew Tree Manor – und taucht nie wieder auf.​
Heute: Als erneut ein Mädchen auf dem Anwesen von Yew Tree Manor verschwindet, weiß Willow James, dass sie das Geheimnis der Hebamme, ihrer Ururgroßmutter, lüften muss, damit sich die Geschichte nicht auf grausamste Art wiederholt.​ 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Emily Gunnis schafft es mit ihrem neuen Roman von Anfang an eine großartige Spannung aufzubauen. Auf drei Zeitebenen erzählt sie die Geschichte zweier Familien, den Hiltons und den James.

1945 wird Tessa James des Mordes angeklagt. Die Hebamme soll Schuld am Tod der jungen Herrin von Yew Tree Manor, Evelyn Hilton, sein. Die versierte Geburtshelferin hat sich den hiesigen Arzt und den Herrn von Yew Tree Manor, Wilfried Hilton, vor einiger Zeit zum Feind gemacht. Die Familie James ist ganz besonders Wilfried Hilton, dessen Sohn Eli mit Tessas Tochter Bella ein uneheliches Kind hat, ein Dorn im Auge. Der Tod von Evelyn Hilton und die Mordanklage gegen Tessa James legen den Grundstein für die Feindschaft zwischen den benachbarten Familien.

Als 1969 die sechsjährige Alice Hilton während einer Silvesterparty spurlos verschwindet, fällt der Verdacht sofort auf Bobby James, der das Mädchen als Letzter lebend gesehen hat. Die Fehlde zwischen den beiden Familien ist noch immer vorhanden und wieder wird ein Mitglied der Familie angeklagt....

2017. Willow James arbeitet als Architektin. Ihr erstes großes Bauprojekt führt sie ausgerechnet in den Ort ihrer Vorfahren. Sowohl Yew Tree Manor, als auch das alte Pfarrhaus, in dem die Familie James lebte, soll einer neuen Wohnanlage weichen. Doch Willow kommt hinter die illegalen Machenschaften ihres Chefs Mike und ihres Auftraggebers Leo Hilton, bei denen sie als Sündenbock herhalten soll und Willow beginnt zu recherchieren.... Dann verschwindet Sienna, die Tochter von Helen und Leo Hilton spurlos. Wiederholt sich die Geschichte von damals?

Emily Gunnis erzählt auf drei Zeitebenen, die sich abwechseln und einiges an Konzentration erfordern. Die unterschiedlichen Perspektiven werden aus der Sicht der jeweiligen Figuren erzählt. Die Geschichte ist komplex und ich würde nicht empfehlen eines oder mehrere Bücher dabei parallell zu lesen. Der Stammbaum zu Beginn des Buches hat mir anfangs sehr geholfen, nicht den Überblick zu verlieren. Besonders bei Nell und Bella hatte ich manchmal Schwierigkeiten sie zu unterscheiden.

Nach und nach werden die Zusammenhänge aufgeklärt, jedoch hat Emily Gunnis immer wieder überraschende neue Wendungen parat. Damit hält sie den Spannungsbogen sehr hoch und ich klebte an den Seiten. Schon ab dem Prolog hatte mich die Autorin, denn die Verunglimpfung der Hebammen, die teilweise als Mörderinnen und Hexen verschrieen waren, empfand ich ganz furchtbar. Man bedenke, dass diese Vorgehensweise nicht im Mittelalter, sondern 1945 passierte und dies alleine nur durch die Missgunst der Ärzte, die den Hebammen ihre Kunst wegen Neid und Geldgier absprachen.

Schrittweise erfährt man mehr Details und erkennt, dass es im Laufe der Jahrzehnte immer wieder zu Auseinandersetzungen und Dramen zwischen den zwei Familien kam.
Die Spannung steigert sich immer weiter, bis es zu einem regelrechten Showdown kommt, der letztendlich alle Tragödien aufklärt.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, bildhaft und detailliert. Die Charaktere sind alle wunderbar gezeichnet. Sie sind facettenreich und oftmals nur schwer durchschaubar. Man rätselt als Leser mit, wen man trauen kann und wer ein falsches Spiel spielt.
Das Setting rund um das englische Herrenhaus und dem kleinen Ort ist düster und geheimnisvoll, was die Spannung zusätzlich erhöht.

Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Ausgaben, das spanische, schwedische und litauische Cover

Fazit:
"Das Geheimnis des Mädchens" hat mir sehr gut gefallen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Eine sehr komplexe Geschichte mit überraschenden Wendungen und dramatischen Begebenheiten. Von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung!


Das Haus der Verlassenen - Emily Gunnis

     
    Die Bildrechte liegen beim Verlag

    • Gebundene Ausgabe : 416 Seiten 
    • Verlag: Heyne Verlag (18. März 2019)
    • Übersetzer: Carola Fischer
    • ISBN-10 : 3453423194
    • ISBN-13 : 978-3453423190
    • Originaltitel : The Girl in the Letter
    • Genre: Roman



Heyne Kurzbeschreibung:
Sussex, 1956. Als die junge Ivy Jenkins schwanger wird, muss sie ins St. Margaret's Heim für ledige Mütter. Sie wird den düsteren Klosterbau nie mehr verlassen ... Sechzig Jahre später findet die Journalistin Sam einen flehentlichen Brief Ivys. Sie beginnt die schreckliche Geschichte von St. Margaret's zu recherchieren. Dabei stößt sie auf finstere Geheimnisse, die eine blutige Spur bis in die Gegenwart ziehen. Und die tief verstrickt sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mein erstes Buch von Emily Gunnis und ein Thema, das mich in letzter Zeit nun schon öfters begleitet hat: Heime und körperliche Züchtigung. Es ist unfassbar, was ledige Frauen oder Kinder oftmals bis in die späten 1960iger Jahren mitmachen mussten, oftmals unter dem Decknamen der Kirche. Menschenverachtender geht es oftmals nicht.....

Schon der Prolog, der im Jahre 1959 spielt, hat es in sich. Ivy verhilft einer jungen Frau zur Flucht aus dem St. Margret's und übergibt ihr einen Brief. Kurz darauf begeht sie Selbstmord...

Die junge Ivy kommt 1956 in eines der gefürchteten Magdalenenheime, als sie ungewollt schwanger wird. Der gestrenge Stiefvater lässt das junge Mädchen ins St. Margareth's Heim bringen, denn der Ruf der Familie ist ihm wichtiger, als seine Stieftochter. Bereits in Rebecca Michéles Buch "Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit" habe ich über diese Einrichtungen gelesen und war schockiert! Die Frauen werden misshandelt und kaum verköstigt. Die Kinder, die die gefallenen Mädchen zur Welt bringen, werden zur Adoption freigegeben und den Müttern erzählt, sie wären verstorben. Ivy schreibt verzweifelte Briefe an ihre große Liebe, den Vater des Kindes, doch der nimmt ihre Erzählungen nicht ernst. Zusätzlich war sie für ihn nur ein kleiner Flirt...

Rund sechzig Jahre später findet die Journalistin Sam die verzweifelten Briefe von Ivy in den Unterlagen ihres verstorbenen Großvaters. Sie wittert eine interessante Geschichte, die ihr Karriere pushen soll und beginnt zu recherchieren. Doch sie muss sich beeilen, denn das Gebäude soll bald abgerissen werden. Bald schon entdeckt sie grausame Wahrheiten und möchte nur mehr die damaligen Zustände aufdecken. Außerdem stolpert sie über das Verschwinden des ehemaligen Priesters des Heimes im Jahr 2000 und dem Fund seiner Leiche 2016 ...

Im selben Zeitstrang lernen wir Kitty, die berühmte Moderatorin einer Talkshow kennen, die sich nach zwanzig Jahren im Rampenlicht zurückzieht. Samantha entdeckt, dass sie irgendwie eine Verbindung zum St. Margret's haben muss...

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Abwechselnd erfahren wir wie Sam bei ihren Nachforschungen vorgeht und Geheimnisse aufdeckt und wie Ivy ins Heim kommt und was sie dort erlebt. Stück für Stück kommt Sam der Wahrheit näher und ist schockiert über die Vorkommnisse in St. Margarets. Die beiden weiblichen Protagonisten sind sehr lebendig gezeichnet, trotzdem fieberte ich im Vergangenheitstsrang mit Ivy mehr mit, als mit Sam. Ihre Geschichte machte mich fassunglos und den Grausamkeiten, denen die jungen Frauen in St. Margrets - nur eines der vielen Magdalenenheime in Irland und Großbritannien - ausgesetzt waren, sind oftmals unbegreiflich.
Samantha Geschichte in der Gegenwart war mir etwas zu konstruiert und manchmal auch unlogisch. Zusätzlich konnte ich ich einige ihrer Handlungen nicht nachvollziehen. Dazu kommen noch einige Mysteryelemente, die nicht vollständig erklärt werden.

Da ich bereits einiges über die katholischen Heime für ledige Mütter in "Auf den zerbrochenen Flügeln der Freigheit" gelesen habe, überraschte mich kaum, was die jungen Frauen damals erleiden mussten. Trotzdem war ich auch diesmal wieder nur schockiert und entsetzt.
Vorallem kann man kaum glauben, dass diese Methoden noch vor 60 Jahren angewendet wurden.

Schreibstil:
Emily Gunnis schreibt sehr lebendig, fesselnd und hat in ihrer fiktiven Geschichte um Ivy und Sam einige überraschende Wendungen eingebaut. Leider verlaufen aber auch einige Stränge im Sand.
Im Nachwort erklärt die Autorin ausführlich über ihre Recherchen zu den Magdalenenheimen.

Cover:

von links nach rechts:
die Cover aus England, Rumänien, der Niederlande, Schweden, Italien und Spanien

Fazit:
Ein bedrückendes Thema, das die Autorin in ihrem Roman auf zwei Zeitebenen aufgreift. Es ist immer wieder unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Spannend geschrieben, aber noch nicht ganz ausgereift.


  • Über Kinderheime, in denen es ähnlich zuging, schreibt Mechthild Borrman in "Grenzgänger" und Ellen Sandberg in ihrem neuen Roman "Die Schweigende". Hier folgt meine Rezension noch.....Das Buch ist aber ebenfalls sehr zu empfehlen!
 

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