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Der blonde Hund - Kerstin Ehmer

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Pendragon; 1. Edition (16. Februar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 386532763X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865327635
    • Genre: Histoirscher Krimi
    • Reihe: ja - Band 3 um Kommissar Spiro 



Pendragon Kurzbeschreibung:
Der dritte Fall für Spiro November 1925: Eine Leiche wird aus einem Berliner ­Kanal gezogen. Das Mordopfer ist ein Journalist, der für den »Völkischen ­Beobachter« geschrieben hat. Während Spiro zweifelhafte Kontakte nutzt, um eine Spur zu finden, bewegt sich Nike in den spirituellen Kreisen von Berlin und nimmt an Séancen teil. Plötzlich taucht der Ausweis eines Jungen auf, der in Verbindung zum Toten stand. Aber der »blonde Hund«, wie er genannt wird, ist in München untergetaucht. In den ­Schwabinger ­Salons ­beginnen für Spiro nervenaufreibende Ermittlungen, die ihn durch ganz Deutschland führen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Der blonde Hund", ist ein etwas merkwürdiger Titel für den dritten Fall von Ariel Spiro, der jedoch in der Geschichte Erklärung findet und auch zu den beiden Vorgängertitel passt.
Kerstin Ehmer hat mich mit ihrem ersten historischen Krimi dieser Reihe "Der weiße Affe" 2018 überzeugt. Seitdem warte ich immer schon gespannt auf Nachfolgebände,

Wir befinden uns in Berlin im Jahre 1925. Es ist November und ungemütlich. Früh am Morgen wird Kommissar Ariel Spiro an den Berliner Kanal gerufen, wo eine männliche Leiche aus dem Wasser gezogen wird. Der Mann ist gut gekleidet und wurde ausgeraubt. Doch ein Hämatom am Kopf erzählt, dass es sich anscheinend um Raubmord handelt. Unweit des Toten im Kanal wird ein schwer verletzter junger Mann gefunden, der zu Nike ins Insitut gebracht wird. Diese ist entsetzt, als sie die Misshandlungen am Jungenkörper sieht, der brutalst missbraucht wurde.
In der Zwischenzeit kann Spiro die Identität der Wasserleiche herausfinden. Der Tote ist ein Redakteur des „Völkischen Beobachter“ aus München. Ariel und sein älterer Kollege Bohlke werden mit dem Fall betraut und erkennen schnell, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Raubmord handelt. Die Spuren führen zu Parteimitglieder der NSDAP, für die der Redakteur geschrieben hat. Spiro stößt allerdings auf eine Mauer des Schweigens. Die Ermittlungen führen Spiro zuerst nach München und danach in die pommersche Sumpflandschaft zu einer Gruppe, die sich "Artamanen" nennt.

Nike findet währendessen in Berlin Interesse an Séancen und Astrologie. Durch ihren Bruder und dessen Freund gerät sie unfreiwillig in die Welt der Sado-Maso-Szene und gerät in große Gefahr. Dabei findet sie einen weiteren jungen Mann mit ähnlichen brutalen Misshandlungen, wie ihr Patient im Insitut.

Kerstin Ehmer hat mit einer großen Portion Berliner Lokalkolorit und guter Recherche zu den politischen Verhältnissen der damaligen Zeit einen spannenden historischen Krimi geschrieben. Schon in den Vorgängerbänden war ich mit Ariel Spiro und seiner Freundin Nike Fromm mitten drin im historischen Berlin der "wilden Zwanziger".
1925 ist die große Weltwirtschaftskrise überwunden und die Menschen verlieren sich im Spiritualismus und in körperlicher Freizügigkeit. Berlin ist voller bunter Vögel und Nike mitten drin. Das macht die Geschichte so schillernd und authentisch.

Der Spannunsgbogen leidet diesmal ein bisschen durch die vielen Schauplatzwechsel, dem vollen Leben in Berlin und dem historischen und zeitgeschichltlichen Kontext. Trotzdem bin ich gerne mit Ariel an diese Schauplätze gereist und habe mit schweren Herzen die dunklen Wolken, die bereits am Horizont lauern gesehen. Kerstin Ehmer zeichnet ein sehr realistisches Gesellschaftsbild dieser Jahre und hat wieder eine grandiose Milieustudie dieser Zeit vorgelegt.
Noch hält Spiro - trotz seiner Ermittlungen im Milieu der Nationalsozialisten - diese für völlig ungeährlich. Mit Bangen denke ich an die Zukunft, die wir als Leser im 21. Jahrhundert bereits kennen...

Fazit:
Bereits zum dritten Mal bin ich mit Ariel Spiro ins Berlin der Zwanziger Jahre gereist und war wieder fasziniert vom Schmelztiegel in dieser Stadt. Diesmal geraten sowohl er, als auch Nike, in große Lebensgefahr.
Der Spannungsbogen steigt diesmal erst zum Ende hin an. Trotzdem fand ich auch diesen Fall wieder äußerst gelungen.

Vielen Dank an den Pendragon Verlag für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks für die Leserunde

Die Reihe um Ariel Spiro:
  1. Der weiße Affe  *Rezi*
  2. Die schwarze Fee  *Rezi*
  3. Der blonde Hund

Noch alle Zeit - Alexander Häusser




    • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
    • Verlag: Pendragon (14. August 2019)
    • ISBN-10: 3865326552
    • ISBN-13: 978-3865326553
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Pendragon Kurzbeschreibung:
Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt Edvard ein Sparbuch auf seinen Namen. Ein kleines Vermögen hat sich angesammelt. Warum hat seine Mutter ihm das Sparbuch verschwiegen? Steckt vielleicht sein vor 50 Jahren verschwundener Vater dahinter? Jetzt will Edvard die Wahrheit wissen und eine erste Spur führt ihn zu einer Bank in Oslo. Auf der Überfahrt lernt er die junge Berliner Journalistin Alva kennen. Auch sie ist auf der Suche nach sich selbst. Eine Reise durch Fjorde, Gebirge, einsame Hochebenen und magische Orte beginnt, die beide für immer verändert.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem der Vater von Edvard die Familie ohne ein Wort verlassen hat, hat er sich sein ganzes Leben lang um seine Mutter gekümmert, die an der "Automatenkrankheit" litt. Dabei ist sein eigenes Leben ins Hintertreffen geraten. Nun ist die Mutter tot und Edvard auch nicht mehr der Jüngste. Seine große Liebe Elsie hat er gehen lassen, da er das Gefühl hatte seine Mutter nicht verlassen zu können. Nun ist Elsie, nach einer gescheiterten Ehe, wieder in das kleine Dorf am Deich zurückgekehrt. Da findet Edvard im Schrank seiner Mutter ein Sparbuch auf seinem Namen, auf demjahrelang regelmäßig eingezahlt wurde. Es scheint, als hätte sein Vater aus Norwegen Geld überwiesen. Edvard, der sonst eher ein stilles Leben geführt hat, das mehr an ihm vorbeigegangen ist, als dass er es lebte, packt seine Sachen und macht sich auf den Weg nach Norwegen. Er will endlich die Wahrheit wissen und seinen Vater aufspüren. Auf der Fähre lernt er Alva kennen. Die knapp 30jährige ist auf der Suche nach sich selbst. Die Journalistin hat ihre Tochter bei der Mutter gelassen und möchte einen Artikel über das magische Norwegen schreiben. Sie möchte den Kollegen zeigen, dass sie etwas kann und nicht nur das Liebchen des Chefs ist. Bis die Beiden sich gemeinsam auf die Suche nach Evards Vater machen, gibt es zuerst einige Meinungsverschiedenheiten auszuräumen....

Man braucht etwas Zeit um in diesen Roman zu finden. Die spezielle und poetische Sprache des Autors ist anfangs etwas ungewöhnlich. Durch den Klappentext hatte ich mir neben der Story viele Landschafts- und Naturbeschreibungen von Norwegen erhofft. Doch erst in der zweiten Hälfte gibt es einige Darstellungen, die jedoch durch die sprachgewaltige Prosa anders ausfallen, als man es sich vorstellt. Da wird eine Sage erzählt, die die Magie des Landes widerspiegelt - einem Land voller Trolle, Elfen und anderen magischen Wesen - oder die Beschreibung, wie Alva zufällig einen Wal aufs Foto bannt. Diese Szenen berühren auf eigene Weise und verbreiten dabei eine melancholische Stimmung.

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auf der Sinnsuche. Die außergwöhnliche Charakterstudie macht den Roman zu etwas Besonderem. Man lernt die Figuren sehr gut und intensiv kennen. Dazu kommt noch der poetische Schreibstil des Autors.

Alva und Edvard sind zwei einsame und verlorene Seelen, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gegenseitig Halt geben. Sie sind ähnlich gestrickt. Beide sind Einzelgänger und kommen mit ihrem Leben nicht zurecht. Sowohl Edvard, als auch Alva, lassen sich vom Leben treiben, doch die gemeinsame Reise lässt sie beide an sich selbst wachsen. Während Alva Schuldgefühle wegen ihrer Tochter hat und keine rechte Liebe aufbauen kann, verliert sich Edvard in seinem unspektakulären Leben. In Gedanken schweift er oft in die Vergangenheit ab. Dadurch erhält der Leser einen Einblick in sein früheres, eher tristes Leben und in seine Lebenslüge.
Diese Reise und die daraus resultierende Wahrnehmung des Lebens lässt sowohl Alva, als auch Edvard bei der Rückkehr nach Deutschland den Mut finden neue Wege zu gehen. Das Ende ist etwas offen gelassen, aber nicht so, dass es mich stören würde (ich hasse in der Regel offene Enden!), sondern für diese Geschichte ist sie perfekt gewählt.

Fazit:
Ein melancholischer Roman über die Sinnsuche zweier Menschen. Die poetische Sprache und die Charakterstudie sind das Herausragende an dieser Geschichte. Sie hallt nach und lässt einem nachdenklich zurück. Trotzdem brauchte ich einige Zeit um in die Erzählung zu finden und vergebe 4 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Pendragon Verlag für das Rezensionsexemplar



Die schwarze Fee - Kerstin Ehmer




    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Pendragon (7. August 2019)
    • ISBN-10: 3865326560
    • ISBN-13: 978-3865326560
    • Genre: Historischer Krimi 
    • Reihe: ja - Band 2 um Kommissar Ariel Spiro


Pendragon Kurzbeschreibung:
Berlin tanzt auf dem Vulkan. Glitzernde Tanzpaläste, wilde Partys, Drogen, sexuelle Freizügigkeit die deutsche Hauptstadt gilt zur Zeit der Weimarer Republik als eine der aufregendsten Städte Europas. Russische Emi­granten, darunter Schriftsteller, Gelehrte, Politiker und Anarchisten, haben nach der Revolution in Berlin Zuflucht gefunden vor dem Zugriff der sowjetischen Geheimpolizei. Mittendrin Kommissar Ariel Spiro, den zwei Giftmorde ins russische Milieu führen. Und dann ist da noch Nike, seine große Liebe, die ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem neuen Freund Anton bittet. Unversehens geraten beide in einen Strudel aus Politik und Gewalt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ich liebe historische Krimis, die in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg angesiedelt sind. Alex Beer mit ihren Wien-Krimis ist dabei meine absolute Favoritin. Sicherlich fühle ich mich als Österreicherin auch in Wien mehr zuhause, als in Berlin. Kerstin Ehmer ist ihr Berliner Pendant, auch wenn sich ihre Schreibstile nicht wirklich ähneln, vermitteln beide Autorinnen diese wunderbare düstere Atmosphäre der Nachkriegsjahre. Man hat einfach das Gefühl mittendrin zu sein...

Allerdings hat es auch beim zweiten Band um Kommissar Ariel Spiro wieder einige Zeit gedauert, bis ich in die Handlung gekommen bin und mich an den wundervollen poetischen Schreibstil der Autorin gewöhnt hatte. Doch sobald man sich in der Geschichte verliert, kann man schwer wieder aufhören zu lesen. Zusätzlich hat Kerstin Ehmer viele verschiedene Figuren zu Wort kommen lassen, die abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen. Dabei ist Ariel nicht unbedingt der Mittelpunkt. Trotz der erfolgreichen Aufklärung seines letzten Falles zeigen ihm seine Kollegen nach wie vor die kalte Schultern. Neid und Eifersucht schlagen ihm entgegen.
Als zwei tote Männer gefunden werden, ist es an Ariel ihre Identität festzustellen. Doch das gestaltet sich nicht so einfach, denn keiner kennt sie und niemand scheint sie zu vermissen. Bis Ariel auf eine Spur stößt, die ihm endlich etwas weiterhilft, ist es fast zu spät....

Auch Nike spielt im zweiten Teil wieder eine Rolle. Sie studiert Medizin an der berühmten Berliner Charité und widmet sich gemeinsam mit Anton, einen jungen Sozialdemokraten, den Kranken in den Armenvierteln. Doch eines Tages ist Anton verschwunden und Nike meldet Anton bei Ariel als vermisst. Das Wiedersehen der Beiden ist ziemlich verkampft. Die beiden können nicht mehr wirklich miteinander, aber anscheinend auch nicht ohne...

Kerstin Ehmer hat die Stimmung und Atmosphäre des Berlins in den Zwanziger Jahren wieder grandios eingefangen. Die Stadt ist ein Schmelztiegel unterschiedlicher Nationalitäten. Während sich die einen im Tanzklub amüsieren, dem Absynth zusprechen und der Champagner fließt, lebt der Großteil in beengten Hinterhäusern, hungern und sterben wie die Fliegen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer mehr auseinander. Kerstin Ehmer gelingt es wieder ein äußerst authentisches Bild dieser Zeit zu vermitteln.
Dazu kommt noch die gespaltene Gemeinde der Exilrussen. Während die einen darauf hoffen in ihre alte Heimat zurückzukehren und alles wieder beim Alten sein wird, zerfleischen sich die Gegner des ehemaligen Adels in verschiedenen Widerstandsgruppen.

Die Charaktere sind vielschichtig gezeichnet. Die Frauenfiguren sind starke Persönlichkeiten, wobei ich besonders Helene, Antons Mutter, die aus einem der Hinterhäuser im Wedding kommt, besonders hervorheben möchte. Sie tut wirklich alles für ihre Familie.
Nike hat sich im zweiten Teil vom reichen Töchterchen, dem die Herzen der Männer nur so zufliegen, zum Positiven verändert. Sie ist zwar noch immer DER Männerschwarm, jedoch findet sie im Medizinstudium endlich Erfüllung und setzt sich auch für die Armen ein. Ariels Kollegen fallen hingegen ziemlich negativ auf, vorallem der verantwortungslose Hartmuth Bludau. Und Ariel selbst hat sich nicht wirklich verändert...nur die Fettnäpfchen in die er tritt, werden langsam weniger...

Schreibstil:
Kerstin Ehmers Schreibstil ist wirklich etwas ganz Besonderes. Auch wenn ich wieder anfangs ein bisschen Probleme hatte reinzufinden, liest er sich mit der Zeit wunderbar poetisch und lyrisch-sarkastisch. Die Atmosphäre von Berlin in den Zwanziger Jahren wird grandios eingefangen.Und auch ein bisschen HUmor darf in der Düsternis nicht fehlen.

Fazit:
Nachdem ich doch ein bisschen Zeit benötigt habe, um wieder in den poetischen und atmosphärischen Schreibstil einzutauchen, ist man sehr bald wieder mitten im Geschehen und fasziniert von dem damaligen Schmelztiegel Berlin. Neben der Kriminalgeschichte hat Kerstin Ehmer eine grandiose Milieustudie dieser Zeit vorgelegt und einen atmosphärischen historischen Kriminalroman geschrieben, den ich gerne weiterempfehle!

Vielen Dank an den Pendragon Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Reihe um Ariel Spiro:
  1. Der weiße Affe  *Rezi*
  2. Die schwarze Fee

Das hungrige Krokodil - Sandra Brökel




    • Taschenbuch: 320 Seiten
    • Verlag: Pendragon; Auflage: 2 (2. Februar 2018)
    • ISBN-10: 3865326080
    • ISBN-13: 978-3865326089
    • Genre: biografischer Roman, Familienroman


Pendragon Kurzbeschreibung:
Prag 1968: Wie viele andere Tschechen schöpft Pavel Vodák Hoffnung. Hoffnung auf Reformen, auf Freiheit, auf Demokratie. Dann rollen die Panzer und machen all seine Träume zunichte. Pavel will nicht, dass seine Tochter Pavla unter diesen Umständen aufwachsen muss. Sie soll frei denken und entscheiden können. Also plant er, mit seiner Familie aus der tschechischen Heimat nach Deutschland zu fliehen. Nachdem er an deutsche Pässe gelangt ist, folgt die größte Herausforderung: Denn seine schwer kranke Schwieger­mutter und seine Tochter ahnen nichts von der Flucht. Sie glauben, die Familie fährt in einen Jugoslawienurlaub. Eine abenteuer­liche Reise beginnt …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Autorin erzählt in diesem Roman die wahre Geschichte des Arztes Pavel Vodák, dessen Tagebuchaufzeichnungen jahrelang in seiner Arzttasche geschlummert haben. Diese Zeitdokumente hat sie gemeinsam mit Vodáks Tochter Pavli gesichtet und daraus eine interessante Familiengeschichte geschrieben, die den politischen Umbrauch der damaligen Tschechoslowakei beschreiben.

Nach dem Lesen der Leseprobe, die einen kleinen Einblick in die Vorbereitungen Pavels gibt, sein Land zu verlassen und in den Westen zu flüchten, wollte ich unbedingt bei der Lovelybooks Leserunde mitlesen. Genau dieser Abschnitt nahm mich auch sofort gefangen. Man konnte die Angst und Unsicherheit von Pavel spüren und im Laufe des Romans auch seine Erkenntnis, dass er nicht nur seine Zukunft mit der Flucht verändert hat, sondern auch die seiner ganzen Familie, begreifen.

Nach dem Abschnitt aus dem Jahre 1970, in dem Pavel seine Flucht aus Prag vorbereitet, blendet die Autorin zurück ins Jahr 1939. Pavel ist 18 Jahre alt und lebt in Budweis. Seine Mutter ist Deutsche und sein Vater tschechischer Militärangehöriger. Pavel hat eben sein Medizinstudium angefangen, als der Krieg seine Pläne durchkreuzt.
Der Titel "Das hungrige Krokodil" erklärt sich daraufhin bald. Pavel erkennt zuerst in der deutschen Besatzung und danach durch das russische Regime "die Gefräßigkeit des Krokodils", die Gefahr die von der jeweils politischen Lage ausgeht. Als Regimegegner und einem Bruder, der sich für den Kommunismus einsetzt, steckt er in einer Zwangslage. Erst Jahre später kann er sein Studium fortsetzen, heiratet und bekommt seine Tochter Pauline, genannt Pavli. Seiner Frau wird das Studium jedoch im neuem Regime verwehrt....
Wir erleben mit Pavel den Prager Frühling und seine Bemühungen unauffällig zu bleiben. Doch er erkennt, dass er nicht in Prag bleiben und ihm nur die Flucht in den Westen helfen kann, einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Er sieht in der Tschechoslowakei keine Zukunft mehr.
Doch auch nach der Flucht ist er getrieben und fühlt sich heimatlos und entwurzelt. Seine Gefühle und Gedanken werden sehr authentisch erzählt und man zieht direkte Vergleiche zur heutigen politischen Situation und den Flüchtlingen in unserem Land. Einzig Pavli, die noch als Kind nach Deutschland kam, findet hier eine neue Heimat.

Ich fand den Part am Beginn und am Ende, der sich mit der Flucht auseinandersetzt und bei dem wir Familie Vodák begleiten, sehr emotional und eindringlich. Hingegen kamen mir die Erzählungen der 30 Jahre dazwischen etwas nüchtern und distanziert vor. Hier hatte ich eher das Gefühl einer Aneinanderreihung von Ereignissen, mit Ausnahme der Beschreibung des Prager Frühlings. Diese Gewalt machte mich schier sprachlos.... Zum Ende hin erleben wir noch den Fall der Mauer und die Möglichkeit die alte Heimat wieder zu besuchen. Diesen Moment fand ich sehr emotional.

Der Autorin gelingt es Pavel sehr authentisch darzustellen. Das liegt aber auch daran, dass es eigentlich seine Notizen sind und seine Tochter ein lebendiges Bild ihres Vaters abgeben konnte. Pavel hatte Humor, setzte sich für die Schwachen ein, war kritisch und hatte einen guten Blick für die politische Lage. Manche seiner Handlungen konnte ich, vorallem da er Kinderpsychologe war, nicht verstehen. Außerdem empfand ich wichtige Personen rund um Pavel etwas zu blass und nicht wirklich greifbar dargestellt. Trotzdem nahm mich Pavels Lebensgeschichte gefangen.

Fazit:
Sandra Brökel hat die Stimmung der damaligen Zeit sehr gut eingefangen. Wir erleben hier 50 Jahre tschechoslowakische Zeitgeschichte, die bewegt und einen Einblick in die politische Lage und die Veränderungen im Leben der Tschechen gibt. Ein ergreifender biografischer Familienroman.

Vielen Dank an den Pendragon Verlag für das Rezensionsexemplar und an die Autorin, die unsere Leserunde begeleitet und bereichert hat.

Der weiße Affe - Kerstin Ehmer



    • Taschenbuch: 280 Seiten
    • Verlag: Pendragon (1. September 2017)
    • ISBN-10: 386532584X
    • ISBN-13: 978-3865325846
    • Genre: Krimi, historischer Krimi


Pendragon Kurzbeschreibung:
Ein jüdischer Bankier wird erschlagen im Hausflur seiner Geliebten aufgefunden. Kommissar Ariel Spiro ist gerade aus der Provinz nach Berlin gezogen und übernimmt direkt seinen ersten Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten gibt Spiro Rätsel auf. Schon bald gerät der junge Kommissar in den Sog der Metropole, getrieben vom schnellen Rhythmus und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nacht­leben. Als er sich von der faszinierenden Tochter des Toten magisch angezogen fühlt, muss Spiro aufpassen, dass ihm der Fall nicht entgleitet.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge:

Meine Meinung:
Der historische Krimi "Der weiße Affe" hat mein Interesse geweckt, als ich auf einigen Blogs sehr positive Bewertungen gesehen habe. Als es vor kurzem eine Leserunde bei Lovelybooks dazu gab, habe ich mich beworben und hatte Glück.

Berlin in den Goldenen Zwanzigern. Als der junge Kommissar Ariel Spiro von Wittenberg in die Metropole Berlin kommt, wird er sofort zu seinem ersten Mordfall gerufen. Der jüdische Bankier Eduard Fromm wird erstochen im Hausflur eines Wohnhaues entdeckt. In einer der Wohnungen lebt seine Geliebte, eine deutsche Walküre, namens Hildegard Müller. Fromm hat sich bei ihr ein typisches deutsches Biedermayerleben eingerichtet. Hat das Doppelleben, das er führte, ihm den Tod gebracht?

Gemeinsam mit seinem Kollegen Ewald Bohlke versucht Spiro seinen guten Ruf gerecht zu werden und den Fall so schnell wiemöglich zu lösen. War der Mord politisch angesiedelt? Oder geschah er aus Eifersucht? Schließlich hat das Fräulein Hilde auch noch einen Verlobten....
Aber auch die wohlhabende Familie des Toten gibt einige Rätsel auf. Fürchtete der Sohn Ambros, der nicht das beste Verhältnis zum Vater hatte, um sein Erbe? Oder hat die schöne Tochter Nike, die auch Spiro den Kopf verdreht, ein Geheimnis? Aber auch zwichen Fromm und seinen Stellvetreter in der Bank, Moses Silberstein, kam es erst vor kurzem zu Unstimmigkeiten...

An Verdächtigen mangelt es also nicht wirklich. Kommissar Ariel Spiro, der vom Land in die Metropole Berlin kommt, stürzt sich bei seinen Ermittlungen eher unbewusst in das wilde Berliner Nachtleben. Von seinen neuen Kollegen wird er deshalb skeptisch beäugt. Hat Spiro etwas zu verbergen? Ist er Jude oder keiner? Ist er homosexuell, weil er in der "Zauberflöte", einem  Bund für Männer, gesehen wurde? Spiro ist ein sympathischer junger Mann, der sich bei seinen Ermittlungen durch nichts aufhalten lässt. Er ist intelligent, aber auch chaotisch. Das Stadtleben ist ihm noch fremd und so tritt er auch des Öfteren von einem Fettnäpfchen ins nächste.  Als ein weiterer Mord passiert, ahnen Spiro und Bohle nicht, dass die beiden Mordfälle zusammenhängen...

Neben dem Kriminalfall steht das lebenslustige Berlin der 20iger Jahre im Mittelpunkt. Die aufgekratzte Stimmung nach dem Ende des ersten Weltkrieges wird von Kerstin Ehmer wunderbar eingefangen. Auf der einen Seite haben die Menschen das Gefühl ihr Leben nach dem großen Krieg einfach genießen zu wollen. Das Vergnügen und das Ausleben der Sexualität steht bei den gehoben Schichten an erster Stelle. Hier scheint es kaum Grenzen zu geben. Auf der anderen Seite steht die Armut der Kriegsverlierer und Invaliden, der Waisen und Witwen. Kerstin Ehmer gelingt es ein äußerst authentisches Bild dieser Zeit zu vermitteln.
Auch der Berliner Dialekt, den die Autorin immer wieder einstreut, bringt noch mehr Lokalkolorit in die Geschichte und macht sie identisch.

Dazwischen gibt es immer wieder verwirrende Passagen, die in kursiver Schrift geschrieben sind. Diese Abschnitte erzählen von einem Jungen und einer grauen Königin, wilden Geistern und Affen, jungen Kriegern auf einer Südseeinsel... Immer wieder fragt man sich als Leser, was diese Passagen mit dem Rest des Krimis zu haben soll. Erst nach und nach erkennt man wohin diese Abschnitte führen und wie sie sich langsam, Puzzlestück um Puzzlestück, zueinanderfügen.

Im Allgemeinen dauerte es ebenfalls eine Weile bis ich in die Geschichte fand. Danach empfand ich aber das Konstrukt, das die Autorin hier aufgebaut hat, wirklich beeindruckend.
 
Schreibstil:
Der Schreibstil von Kerstin Ehmers ist poetisch und der Zeit angepasst. Trotzdem hatte ich anfangs ein bisschen Probleme damit. Das typische Berlinerische war für mich als Österreicherin manchmal schwer zu verstehen. Das lag aber weniger an die im Dialekt geschrieben Dialoge, sondern eher an den Gesamtbild, dem Lokalkolorit.

Fazit:
Ein etwas anderer historischer Krimi, der durch seine Sprache und das hervorragend dargestellte Sittengemälde der damaligen Zeit in Berlin, glänzt. Nicht immer leicht zu lesen, aber empfehlenswert.
 
Vielen Dank an den Pendragon Verlag für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks für die Leserunde
 

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