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Wir waren nur Mädchen - Buzzy Jackson

     
    Die Bildrechte liegen beim Verlag

    • Gebundene Ausgabe: 553 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau; 2. Edition (17. April 2024)
    • Übersetzer: ‎ Christine Strüh
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3351042280
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3351042288
    • Originaltitel: ‎ To Die Beautiful
    • Genre: Historischer Roman, #gegendasvergessen, historische Biografie, Romanbiografie



Aufbau Kurzbeschreibung:
Amsterdam, 1940: Hannie Schaft studiert Jura, und ihre Träume für die Zukunft sind ehrgeizig und voll Hoffnung. Doch es herrscht Krieg, und es sind die Träume, die zuerst sterben. Hannie sieht keine andere Möglichkeit mehr, als sich dem Widerstand anzuschließen. Und sie entdeckt ihre gefährlichste Waffe: ihr Frausein. Getarnt von Schönheit und Jugend kommt sie jenen Männern nahe, die so viel Unheil stiften – und tötet sie. Bald ist »das Mädchen mit den roten Haaren« die meistgesuchte Frau Hollands. Die Welt um sie herum verliert alles Menschliche, Hannie indes ist fest entschlossen, menschlich zu bleiben. Aber dann beginnt sie, Gefühle für den Widerstandskämpfer Jan zu entwickeln, mit verheerenden Konsequenzen ...
Die Widerstandskämpferin Hannie Schaft – eine Frau, die ihr Leben für die Freiheit aller riskierte

Meine Bewertung: * * * * * 

♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Diese Romanbiografie über die niederländische Widerstandskämpferin Hannie Schaft ist mir bereits in der Vorschau aufgefallen, denn die Inhaltsangabe hat sofort mein Interesse geweckt.

Obwohl ich viele Bücher über den Holocaust und den zweiten Weltkrieg gelesen habe, war mir Hannie Schaft nicht bekannt. Ich wusste auch nicht wirklich viel über den Widerstand in den Niederlanden. 

Die Geschichte beginnt eher ruhig mit dem Kennenlernen von Hannie, eigentlich Johanna, die Jura in Amsterdam studiert. Sie ist eine eher schüchterne junge Frau, die in den Mitstudentinnen Philine und Sonja endlich zwei Freundinnen gefunden hat. Alle drei haben ehrgeizige Pläne, die durch den Einnmarsch der Deutschen Truppen in den Niederlanden jäh zerstört werden. Philine und Sonja sind Jüdinnen und werden der Universität verwiesen. Hannie weigert sich die Verpflichtungserklärung des Deutschen Reiches zu unterzeichen und gibt ihr Studium, wie der Großteil der niederländischen Student:innen, auf. Besorgt um die Sicherheit ihrer Freundinnen versteckt sie Philine und Sonja bei ihren Eltern in Haarlem und schließt sich der bewaffneten Widerstandsgruppe RVV (Raad van Verzet) an. Zunächst sind es Botengänge und kleinere Diebstähle, doch schon bald bekommt Hannie auch Aufträge für Anschläge und Morde an hochrangigen Nazi-Offizieren. Die jugendlichen Schwestern Truus und Freddie Oversteegen und ihr "Lehrer" Jan Bonekamp sind dabei ihre engsten Freunde und Mitstreiter. Mit Jan verbindet sie auch bald mehr und ihre Aufträge werden immer gefährlicher....

Buzzy Jackson hat sich dem Leben der leider viel zu unbekannten Widerstandskämpferin Hannie Schaft, dem Mädchen mit den roten Haaren, angenommen. Der Roman wird in vier Teilen aus der Sicht von Hannie erzählt, ist ungeschönt und auch schwere Kost. Beim Lesen kommt man Hannie sehr nahe und je weiter die Seitenzahl steigt, umso bedrückender wird es. Man fühlt die Auswegslosigkeit und die Wut, die Hannie immer wieder dazu bringt, nicht aufzugeben. Dabei greift sie auch zu radikalen Mitteln, was mir nicht immer gefallen hat. Trotzdem empfinde ich für diese junge Frau große Empathie, die sich für die Freiheit ihres Volkes eingesetzt hat.

Im Wesentlichen erinnert mich die Geschichte an einem Farbverlauf von hell zu dunkel. Der Beginn erzählt, wie Hannie, eine erfolgreiche Jurastudentin, von ihrer Zukunft träumt, die jäh zerstört wird, als die Deutschen die Niederlande einnehmen. Ganz langsam, aber stetig übernehmen sie das Land und ihre Einwohner. Zuerst mit verdeckten Mitteln, später immer offensichtlicher, werden die Einschränkungen für die Niederländer immer mehr. Tyrannei, Verfolgung, Unterdrückung, Deportation, sinnlose Tötungen - bis in den letzten Jahren der Hunger überhand nimmt und besonders im Hungerwinter 1944/45 grausam zuschägt. Es ist eine Geschichte, die viele Menschen zu dieser Zeit erfahren mussten.

Besonders das letzte Drittel des Romans ist sehr bewegend und hat mich tief berührt. Obwohl ich schon sehr viele Bücher zu diesem Thema gelesen habe, verlangt die Lektüre dem Leser einiges ab. Die Vergeltungsmaßnahmen, die im Gegenzug zu den Widerstandsaktionen durchgeführt wurden, die Grausamkeiten der deutschen Wehrmachtssoldaten und ganz besonders die Beschreibung der Folter am Ende des Buches, sind nicht einfach zu lesen.

Trotz der erschütternden Geschichte liest sich dieser biografischer Roman, in dem die Autorin Wahrheit und Fiktion vereint hat, sehr flüssig. Die holländischen Ausdrücke und Phrasen, die verwendet werden, sind kursiv gedruckt und werden sofort übersetzt.
Buzzy Jackson hat hervorragend recherchiert
und mit der kurzen Lebensgeschichte der Hannie Schaft ein weiteres Andenken an diese außergewöhnliche Frau geschaffen, die in ihrem Heimatland unvergessen ist. Auch wenn ich in vielen Situationen nicht wie Hannie hätte handeln können, ist ihr Mut und ihr starker Wille für die Freiheit zu kämpfen bemerkenswert. 
Auf jeden Fall sollte man noch das Nachwort und die Anmerkung der Autorin lesen.
Unwillkürlich fragt man sich selbst: Wie weit würde ich gehen? Und was würde ich in dieser Situation tun?

Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Ausgaben, das spanische, das rumänische und das ungarische Cover

Fazit:
Ein sehr bewegender Roman über das Leben der niederländischen Widerstandskämpferin Hannie Schaft - hervorragend recherchiert und grandios erzählt. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Versteckt vor aller Augen - Pieter van Os

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     Gebundene Ausgabe: 440 Seiten
    Verlag: ‎
    Europa Verlag; 1. Edition (3. Februar 2022)

    Übersetzer: ‎ Abbette Wunschel

    ISBN-10 ‏ : ‎
    3958904289

    ISBN-13 ‏ : ‎
    978-3958904286

    Originaltietel: Liever

    Genre: Sachbuch, Biografie 

      


Europa Verlag Kurzbeschreibung:

Polnische Katholiken hielten sie für eine von ihnen. Eine ergebene Nazifamilie nahm sie auf, als wäre sie ihre eigene Tochter. Sie verliebte sich in einen deutschen Ingenieur, der Flugzeuge für die Luftwaffe baute. Was jedoch niemand wusste, war, dass Mala Rivka Kizel 1926 in Warschau in eine große polnisch-orthodoxe jüdische Familie hineingeboren worden war. Ihrem Wagemut, ihrem Charme, ihrer Intelligenz, ihrem blonden Haar und ihren blauen Augen verdankt sie, dass sie als einziges Mitglied ihrer Familie den Zweiten Weltkrieg überlebte. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bei diesem Buch von Pieter van Os handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um ein Sachbuch bzw. eine Biografie, die der Autor mit vielen weiteren Informationen und Quellen verbunden hat. Der Einstieg fiel mir etwas schwer, da ich doch eher eine Romanbiografie erwartet hatte. Die Lektüre benötigt höchste Konzentration und Aufmerksamkeit.

Die im Klappentext beschriebene Lebensgeschichte von Mala Rivka Kizel, deren Erinnerungen Pieter van Os akribisch recherchiert hat, bildet die Kerngeschichte.
Mala wurde in einer streng jüdisch-orthodoxen Familie in Warschau geboren. Sie erinnert sich zurück an ihre Familie, das Warschauer Ghetto, ihre Flucht und weitere Lebenstationen. Diese versuchte der Autor aufzufinden, was nicht immer einfach war. Die Erinneurngen von Mala decken sich nicht immer mit den von ihr angegeben Orten und Beschreibungen. Einige schwer zu findende Dörfer befinden sich an der polnisch- ukrainischen Grenze, wie auch in der Ukraine. Ihr weiterer Lebensweg führte Mala nach Magdeburg und zur erwähnten Familie, die Hitler und seiner Ideologie nahe stand. Wie es Mala gelang dort zu landen, müsst ihr selbst lesen.
Was man aber auf jeden Fall sagen kann ist, dass Mala wirklich großes Glück hatte. Dabei half ihr sicher auch ihr äußeres Erscheinungsbild (blond und blauäugig), wie auch ihr Charme und ihre Sprachkenntnisse.

Das Buch ist vollgepackt mit Fakten und politischen Zusammenhängen rund um die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Entsetzt hat mich die Haltung der Polen gegenüber den Juden. Diese spielt eine ganz besonders große Rolle. Gleich zu Beginn wird auch Mala vermittelt, dass es Polen und Juden gibt, aber keine polnische Juden. Der Hass und die Verleumdungen der polnischen Bevölkerung gegenüber den Juden hat mich entsetzt, vorallem weil normaler Weise nur Deutsche und Österreicher als Judenhasser bekannt sind und dies noch immer in der dritten und vierten Generation zu spüren bekommen. Die Polen werden dabei nicht erwähnt.
Diesen Hass findet man aber in Polen auch noch in der Nachkriegszeit. Überlebende aus den KZs wurden von der polnischen Bevölkerung wieder vertrieben.

Der Schreibstil ist sachlich und detailliert. Der Autor schweift immer wieder ab, um genannte Figuren oder Orte zu analysieren und näher zu beschreiben. Oftmals schließt sich wieder der Kreis zu Mala oder ihrer Familie. Der Autor vermittelt neben der Geschichte um Mala viel Fachwissen rund um den jüdischen Glauben, den Widerstandskämpfern oder verschiedene Lebensweisen, wie auch ein Blick auf Israel und die Entstehung des Staates. Dies fand ich besonders interessant, weil es mir, den bis heute andauernden Kampf zwischen Israel und Plästina, näher gebracht hat.
Am Anfang des Buches befindet sich eine Karte und ein Stammbaum

Erschreckend fand ich so einige Parallelen zum momentanen Ukraine-Krieg. Hitlers Strategien und seine  ungerechtfertigte Kriegserklärung an Polen ähnelt auf schrecklicher Weise der von Putin. Auch die Ziele und Aussagen haben ein vergleichbares Muster und bereiten mir Angst.

Cover:


links das niederländische Original und rechts die polnische Fassung. Das Cover wurde bei allen Übersetzungen übernommen, was positiv zu vermerken ist.
Es zeigt Mala nach dem Krieg beim Blick auf das vollkommen zerstörte Ghetto in Warschau, wo auch einst ihre Familie lebte. und unweit davon ihr Elternhaus stand.

Fazit:
Dieses biografische Sachbuch ist ein Stück Zeitgeschichte, das hervorragend recherchiert wurde und mir viele neue Einblicke geboten hat, obwohl ich schon sehr viel Lektüre zum Zweuien Weltkrieg und #gegendasvergessen gelesen habe. Ich hätte mir allerdings "etwas mehr Mala" gewünscht. Trotzdem empfehle ich dieses Buch auf jeden Fall an alle Interessierten zum Thema weiter.

Vielen Dank an den Europa Verlag für dieses ganz besondere Buch!

Falke & Adler - Johanna Marie Jakob

     

    • Taschenbuch: 532 Seiten
    • Verlag: ISBN-Agentur Deutschland; 1. Edition (6. Oktober 2020)
    • ISBN-10 : 3000667962
    • ISBN-13 : 978-3000667961
    • Genre: Historischer Roman, historische Biografie



Kurzbeschreibung:
Palermo, Anfang des 13. Jahrhunderts: Luna, Ärztin und Vertraute des sizilianischen Kindkönigs Federico, sieht ihren Schützling erwachsen werden und mit großer Willensstärke seinen eigenen Weg gehen. Unter den königlichen Beratern scheint sie allein noch Einfluss auf ihn zu haben. Ihr Gemahl, der Schwertmeister des Königs, beobachtet voller Argwohn Federicos unverminderte Zuneigung zu Luna. Als der junge König von deutschen Fürsten zum Kaiser gewählt wird, treten sie eine abenteuerliche Reise von Palermo nach Mainz an, um die Krone in Empfang zu nehmen. Doch Luna sehnt sich nach einem eigenen Leben. Kann sie dem Klammergriff des Königs zu entkommen? Ein farbenprächtiges Porträt des jungen Friedrich II., der als Waisenkind in Palermo aufwuchs und zu dem Stauferkaiser wurde, der als „Verwandler der Welt“ die Nachwelt wohl am stärksten prägte.

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem ich vor kurzem über das Leben von Richard Löwenherz gelesen habe (Der englische Löwe von Mac P. Lorne), schließe ich mit "Falke & Adler" zeitlich direkt nach Richards Tod an, der 1199 gestorben ist.

Federico, unser Hauptprotagonist und spätere Kaiser Friedrich II., wird 1194 in Sizilien geboren. Schon früh verlor er seine Eltern und musste sich gegen seine Gegner behaupten, die ihm Rang und Namen streitig machen wollten. Schwertmeister Florent, sowie die Heilerin Luna nehmen sich seiner an und versuchen Einfluss auf ihn auszuüben. Florent wird sein Freund und Berater. Er versucht ihm mehr Ehrfurcht für das Leben zu vermitteln, denn Federico experimentiert sehr gerne mit Lebewesen, was mir ziemlich nahe ging und wo ich knapp vor einem Abbruch des Buches war. Gott sei Dank hat sich die Autorin danach doch mehr anderen Themen zugewandt, auch wenn das Thema bis zum Ende hin immer wieder aufgegriffen wird. Seine Liebe zur Falknerei wurde hingegen von Johanna Marie Jakob sehr lebendig aufgegriffen und immer wieder in sehr bildhaften Szenen beschrieben.
Mit vierzehn Jahren wird Federico mit Konstanze verheiratet, die um einiges älter und bereits Witwe ist. Doch die Ehe läuft gut, wenn man die damals üblichen Mätressen außer Acht lässt....denn treu sein kann er nicht. 

Federicos Widersacher ist Otto IV, der Welfenkönig, der im Reich nördlich der Alpen herrschte und sich auf in den Süden machte, um Italien und Sizilien zu erobern. Er missachtete jedoch die Lehenshoheit des Papstes und wurde exkommuniziert. Daraufhin schlossen sich die Fürsten zusammen und wählten Federico, einen Staufer, als neuen König. So kam es zwischenzeitlich zu einem Doppel-Königtum und einer großen Fehde zwischen den beiden Regenten. Friedrich wollte die Nachfolge seiner Vorfahren im Reich nördlich der Alpen antreten. Mit kleinem Gefolge und päpstlicher Unterstützung, aber ohne eigenes Heer, machte er sich auf, wobei wir ihn als Leser begleiten dürfen. Dabei erleben wir Federicos Unbeherrschtheit, aber auch seine hervorragenden Taktiken, mit denen er Otto besiegte, hautnah mit. Soweit zum geschichtlichen Teil.

Johanna Marie Jakob erzählt die Geschichte des Jungen Federico bis hin zu seiner Krönung. Die fiktiven Figuren Luna und Florent sind dabei nur Nebenfiguren. Leider kam ich nur schwer in die Geschichte, die Federicos Leben erzählt und von der Autorin mit fiktiven Figuren interessanter gestaltet hätte werden sollen. Ich hatte jedoch immer wieder das Bedürfnis das Buch zur Seite und eine Pause einzulegen. Tatsächlich habe ich, bis ich den Roman beendet hatte, drei andere Romane dazwischen gelesen. Wenn ich allerdings dabei blieb, kam ich ganz gut voran. Entweder war es nicht der richtige Zeitpunkt oder nicht das richtige Buch für mich.

Nach Richard Plantagenet habe ich nun auch mehr über Friedrich II. gelernt. Beide historischen Biografien waren mir etwas zu sachlich und einseitig. Vorallem fand ich bei Falke & Adler den Erzählstil sehr nüchtern und emotionslos. Zusätzlich stolperte ich immer wieder über Fehler, die das Lektorrat übersehen hat. Für mich leider kein Buch, das ich gerne gelesen habe.

Fazit:
Mein Buch war es leider nicht, aber die sehr positiven Bewertungen und begeisterten Rezensionen der anderen Mitleser erzählen eine andere Geschichte. Deswegen macht euch bitte selbst ein Bild!

Ich bedanke mich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar und der Leserunde bei Lovelybooks


Der englische Löwe - Mac P. Lorne

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 608 Seiten
    • Verlag: Knaur TB; 2. Edition (1. Dezember 2020)
    • ISBN-10 : 3426522764
    • ISBN-13 : 978-3426522769
    • Genre: Historischer Roman, historische Biografie 




Knaur Kurzbeschreibung:

In seinem historischen Roman lässt Mac P. Lorne mit Richard I. von England einen der berühmtesten Herrscher des Mittelalters lebendig werden. Nur wenig Zeit ist Richard Löwenherz in seiner Heimat England vergönnt: Nachdem er die Rebellion seines Bruders Johann Ohneland niedergeschlagen hat, bricht Richard mit einem kleinen Heer nach Frankreich auf. In der Normandie und Aquitanien hält der französische König Philipp II. Gebiete besetzt, die rechtens ihm gehören und die er von seinem Vater geerbt hat. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit schlägt das Heer des englischen Löwen seine Gegner ein ums andere Mal, doch Richards Kriegskassen sind fast erschöpft. Schließlich stimmt er einem Waffenstillstand mit Philipp zu. Noch während sie ihr Siegel unter den Vertrag setzen, wissen beide Männer, dass es zwischen ihnen keinen Frieden geben kann …

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Knaur Challenge

Meine Meinung:
Mein erstes Buch von Mac P. Lorne, den mir die liebe Susanne von Klusi liest immer wieder ans Herz legt. Nachdem ich momentan keine neue Reihe starten wollte, habe ich mich für den neuen Roman des Autors über Richard I., auch Löwenherz genannt, entschieden und mich bei Lovelyboks beworben. ich hatte Glück und durfte mitlesen. Zusätzlich wohne ich in der Nähe der Burg (heute eine Ruine) Dürnstein, wo Richard einst gefangen gehalten wurde. Dazu gibt es auch eine Sage über den Minnesänger Blondel, der ihn angeblich gefunden haben soll...

Mac P. Lorne schreibt in seinem Roman allerdings nicht über den Kreuzzug oder die Gefangenschaft, sondern über die Zeit danach. Nur wenig liest man bisher über das Leben von Richard Plantagenet, genannt Löwenherz, aus dieser Zeit. Als der König endlich aus seiner Gefangenschaft entlassen wird und in seiner Heimat Aquitanien ankommt, muss er feststellen, dass die Gebiete, die er von seinem Vater Henry II. geerbt hat, alle vom französischen König Philipp II. besetzt sind. Sein Bruder John hat nicht nur die Staatskasse geleert, sondern er hat auch dafür gesorgt, dass der Großteil der Ländereien an Philipp übergingen. Richard plant einen Rückeroberungsfeldzug. Dieser Kampf verlangt ihm alles ab, doch ihm gelingt es tatsächlich seine Ländereien zurückzuerobern....

Ich muss zugeben, dass mich der erste Abschnitt noch nicht wirklich fesseln konnte. Die Rückeroberung der Gebiete im heutigen Frankreich nehmen den Großteil des Buches ein. Eine Schlacht jagt die nächste. Doch mit der Zeit lernt man dahinter zu blicken und lernt Löwenherz immer besser kennen. Er wird zum Menschen für den Leser, der seine Mutter verehrt und sich immer wieder von ihr Ratschläge geben lässt. Das Verhalten seiner Frau Berengaria von Navarra lässt ihn verzweifeln und vorallem die große Frage seiner Nachfolge bereitet ihm schlaflose Nächte und lässt ihn bis zu seinem Tod nicht los. Die Feindschaft zwischen Richard und seinem Bruder John Ohneland ist wohl jedem bekannt, der die Robin Hood Filme gesehen hat. John nimmt im Roman nur einen kleinen Teil ein.

Die Darstellung von Richard I. fand ich sehr gelungen. Natürlich weiß heutzutage niemand mehr, wie er tatsächlich war, doch sein Ruf, der bis heute nachhallt, hinterlässt einige Einblicke in den Charakter: ein waghalsiger Kämpfer, ungeduldig, jähzornig, egozentrisch und verschwenderisch, aber auch sehr auf die Ritterehre bedacht und ein großartiger Feldherr und Stratege. Seine blutigen Kämpfe und Morde gegenüber dem Volk lassen dieses ausbluten und mit Wales und Schottland hatte er überhaupt nichts am Hut. Wozu gab es Verwalter für diese Ländereien?
Wie jeder Mensch hatte er seine guten und schlechten Seiten. In "Der englische Löwe" lernen wir ihn durch den Autor noch etwas besser kennen und verstehen viele seiner Reaktionen und Eigenheiten - wenn auch nicht alle.
Mac P. Lorne zeigt viele Facetten des Königs - sein Verhältnis zur Kirche, zum deutschen Kaiser, zu seiner Ehefrau und zu England, das ihm relativ egal war. Sein Herz schlug für Aquitanien.

Interessant fand ich auch die Figur von Philipp II. Er scheint mir das Gegenteil von Richard gewesen zu sein. Er war ein Feigling, der nie direkt in die Kämpfe eingriff, aber ein gewitzter Stratege, der sich einiges von Richard abschauen konnte. Die Unfähigkeit von John spielte ihm zusätzlich in die Hände.

Schreibstil:
Mac P. Lorne erzählt hier sehr nüchtern und teilweise auch trocken über die letzten fünf Jahre von Richard I., König von England. Damit tat ich mich anfangs auch etwas schwer, denn es gab kaum Spannungsbögen, was sich in der zweiten Hälfte etwas ändert. Es wird gänzlich aus der Perspektive von Richard erzählt und wirkt dadurch etwas eindimensional. Abhilfe schafft der Autor mit vielen Dialogen, die die Geschichte etwas auflockern.  

Fazit:
Mac P. Lorne entwirft ein Bild über die letzten fünf Jahre von Richard Plantagenet, dem englischen König, welches ihn so beschreibt, wie er wirklich gewesen hätte sein können. Ein charismatischer Mann, der jedoch im Laufe der Jahre überzeichnet wurde. 

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar, sowie an Lovelybook und den Autor für die interessante Leserunde


 

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