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Wenn die Welt nach Sommer riecht - Herbert Dutzler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 250 Seiten
    • Verlag: ‎ Haymon Verlag; 1. Edition (25. Juli 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3709982146
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3709982143
    • Genre: Roman, Coming-of-Age-Roman
    • Reihe: ja - Band 3 

     

Haymon Kurzbeschreibung:
Siegfried ist 13 – ein Alter, in dem Abenteuerromane und das Spielen draußen auf den Feldern in den Hintergrund rücken, etwas anderes dafür immer interessanter wird: Mädchen. Was zuerst lästiges Geschnatter war, hört sich plötzlich an wie engelsgleicher Gesang. Außerdem locken der erste Schluck Alkohol, der erste Zug an der Zigarette – die Kindheit ist vorbei, die Ära der Pubertät ist eingeläutet! Doch eigentlich hat er fürs Verliebtsein gar keine Zeit: In der Frühstückspension seiner Tante taucht Sigi in die alltäglichen (und ihm sehr fernen) Probleme der Erwachsenen ein. Ein Ausflug nach Wien lässt das Landleben daheim nahezu beschaulich wirken. Zuhause trüben Streitereien der Eltern die Stimmung, denn der Papa kann die mühsam erarbeitete Unabhängigkeit seiner Frau nur schwer akzeptieren. Nachrichten darüber, was sich in den 70ern in der Welt tut, haben auch auf die Jugend in Österreich Wirkung: Parolen für Frieden und gegen den Vietnamkrieg zieren die Wände von Siegfrieds Schule, Beatles-Frisuren sind todschick und Flower-Power wird groß! 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Wie habe ich mich gefreut, dass es noch einen weiteren Band um Sigi gibt, nachdem mir die Vorgänger "Die Welt war eine Murmel" und "Die Welt war voller Fragen" unheimlich gut gefallen haben.

Die stark biografische Reihe um Sigi Niedermayr hat mein Herz schon ab den ersten Band erobert. In "Wenn die Welt nach Sommer riecht" ist Siegfried mittlerweile dreizehn Jahre alt und das neue Jahrzehnt, die Siebziger Jahre, haben begonnen.
Ich bin ungefähr zehn  Jahre jünger als unser Protagonist damals und freue mich bei der Lektüre jedes Mal, wenn es um Episoden geht, die ich ähnlich erlebt habe oder einfach das Lebensgefühl der damaligen Zeit spüren kann. Außerdem spielt der Roman in Österreich und ist deshalb für mich noch identischer.

Wie schon in den Vorgängerbänden, die man auch einzeln lesen kann, beginnt jedes Kapitel mit dem erwachsenen Sigi, der nach dem Tod der Mutter die Wohnung auflöst und allerhand Dinge findet, die starke Erinnerungen auslösen, wie der Fotoalbum von damals, als Sigi seine erste Kamera bekommen hat. In Rückblicken wird aus der Sicht des jungen Sigi erzähl, der nun nicht mehr Kind ist, aber auch noch nicht erwachsen.

Sigi erinnert sich an die Ferien bei seiner Tante, bevor er in die vierte Klasse Gymnasium der Unterstufe kommt. Tante Hermi führt eine Frühstückspension und erwartet erstmals Gäste aus Großbritannien. Sigi muss aushelfen, denn Tante und Onkel können kaum Englisch und auch beim Kochen sind seine Fähigkeiten gefragt.
In der Schule hat er nur in Latein Schwierigkeiten, aber auch seine interessierten Fragen in anderen Fächern sind größtenteils nicht erwünscht. Der stark autoritäre Erziehungsstil und der politische Umschwung sind Themen, die sich auf den ganzen 250 Seiten wie ein roter Faden durch die Handlung ziehen.
Pop-Musik, die ersten Hippies, Demos gegen den Vietnamkrieg usw. sind nun auch in den Dörfern am Land angekommen. Die Oberstufen Schüler beginnen sich aufzulehnen und schreiben erstmal eine Schülerzeitung. Sigi probiert seine erste Zigarette und erliegt (kurz) dem Alkoholzwang.

Ganz besonders hat mir Sigis Besuch bei seiner Tante Irmgard in Wien gefallen. Diese ist modern und aufgeschlossen und Sigi staunt erstmals über einen Farbfernseher und einen Toaster. Auch Tante Irmgards aufregendes Leben ähnelt kaum dem seiner Mutter, die zuhause den Launen und dem Desinteresse ihres Mannes ausgesetzt ist.
Ein Ausflug in den Prater in Wien war auch in meiner Kinderzeit noch etwas ganz besonderes und wurde meistens als Firmungsgeschenk geschenkt.
Erinnerungen hat auch ein Wandertag ins Salzbergwerk Hallstatt und ein Schikurs geweckt, den Sigis Klasse erlebt. Erstmals beginnt sich Sigi für ein Mädchen aus der Paralellklasse zu interessieren. Solche Klassenfahrten bleiben einfach immer im Gedächtnis und man denkt oft noch gerne daran zurück.

Neben der humorvollen Erzählung aus Sigis Kindermund, schwingen im Hintergrund immer die gesellschaftlichen und politischen Werte dieser Zeit mit. Die Nazivergangenheit wird auch 25 Jahre nach Kriegsende totgeschwiegen oder ignoriert. Bei manchen Ereignissen ist man entsetzt und froh, dass sich seit damals viel geändert hat. Allerdings gibt es auch noch immer Themen, die sich auch heute kaum oder zu wenig geändert haben. Ein weiterer nostalgisch-kritischer Rückblick des Autors.

Fazit:
Ich habe mich in Sigis Universum wieder wunderbar wohlgefühlt. Wie schon die beiden Vorgänger hat mir auch "Wenn die Welt nach Sommer riecht" unterhaltsame Lesestunden bereitet und mich an meine eigene Kinder- und Jugendzeit erinnert. Ich spreche auch diesmal wieder eine Leseempfehlung aus!

Vielen Dank an den Haymon Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Kreideherz - Regine Brühl/Stephan Falk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Eifeler Literaturverlag; 1. Edition (29. September 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3961230498
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961230495
    • Genre: Coming-of Age Roman




Eifeler Kurzbeschreibung:
Juliana und Markus erleben die wohl unbeschwerteste Zeit ihres Lebens. Im August 1986 dauern die großen Ferien in der Eifel noch an und gähnend lange Tage gehören für sie ebenso zum Sommer auf dem Land wie unbändiger Leichtsinn und das kribbelnde Gefühl von Schmetterlingen im Bauch. Immer mit dabei sind die legendären Songs dieser Zeit, aus der Musikbox, vom Kassettenrekorder, mit selbst aufgenommenen Kassetten oder dem Walkman. Zusammen mit ihren Cliquen machen sie so einiges mit: Die große Freiheit bei Fahrten mit Mofas und Mopeds, aufregende Ausflüge nach Köln, stundenlanges Eckenknutschen, die Dr. Sommer-Aufklärungsseiten in der BRAVO, Karnevalsfeiern und Alkoholvergiftungen, vermeintliche Schwangerschaften und Petersilie, geheime Fahrübungen in der Lavagrube, baumelnde Duftbäumchen am Rückspiegel, der achtzehnte Geburtstag oder die Tanz-in-den-Mai-Party, nebenher Abitur- und Führerscheinprüfungen, der erste Auftritt der eigenen Band und ein gemaltes Kreideherz auf der Straße … Aufregender könnte das Leben kaum sein! Wer sich daran erinnert, hat seine Jugend definitiv in den 1980ern erlebt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem ich bereits einige, aber leider noch viel zu wenige Bücher gelesen habe, die in meiner Jugendzeit spielen und genau dieses Feeling der 80iger Jahre vermitteln, habe ich mich gefreut wieder einen neuen Roman dieser Art zu entdecken.
Mit "Kreideherz" von Regine Brühl und Stephan Falk begibt man sich bereits auf den ersten Seiten auf eine Zeitreise....eine, die mich zurückbeamt in meine Teenagerzeit. 

Das Autorenduo schreibt abwechselnd aus der Sicht von Juliana und Markus. Man erhält dadurch tiefe Einblicke in ihr Gefühlsleben. Mit Markus, Juliane und ihren Freunden begab ich mich auf eine Zeitreise zurück in meine Jugendzeit. Die Wochenenden, denen man entgegenfiebert, um endlich wieder eine Party zu besuchen oder Freunde zu treffen. Die Missverständnisse und Schwärmereien für ein Mädchen oder Jungen, dieses Herzklopfen und keine Ahnung, wann man seinem Schwarm wiedersehen würde, denn damals gab es keine Handys um sich zu verabreden. Einen Anruf auf das Festnetztelefon der Eltern wollten die wenigstesn riskieren ;)

Ich war dabei, als ein Auto begraben wurde und ein Stall in Flammen aufging, aber auch bei Bandproben und diversen Ausflügen. Bis und ob Juliana und Markus am Ende zusmamenfinden, müsste ihr aber selbst lesen!

Ich habe mich an vieles erinnert, was heutzutage oftmals keinerlei Stellenwert mehr hat, technisch überholt ist oder einfach vom Markt genommen wurde. Dabei erinnert man sich an Dinge, die man oft selbst bereits vergessen hatte. In diesen vierzig Jahren hat sich auf vielen unterschiedlichen Bereichen wirklich sehr viel getan.

Der Schreibstil ist locker leicht, sehr bildhaft und humorvoll. Das Autoren-Duo vermittelt den damaligen Zeitgeist perfekt. Das Buch ist in kurze Kapitel geteilt. Diese haben als Überschrift einen Songtitel aus den 80iger Jahren, der inhaltlich zu der Geschichte passt und der mich meistens schon beim Lesen zum mitsummen verleitet hat. Auch im weiteren Text befinden sich mehrere Hits und am Ende des Buches gibt es eine komplette Playlist. 

Fazit:
Ein unterhaltsamer Coming-of-Age Roman, der den Zeitgeist der Achziger Jahre perfekt einfängt und mich auf eine Zeitreise zurück in meine Jugendzeit geschickt hat. 

Vielen Dank an den Eifeler Literaturverlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

So federleicht wie meine Träume - Mariko Turk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ cbj; Deutsche Erstausgabe Edition (24. August 2022)
    • Übersetzer: ‎ Dagmar Schmitz
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3570166147
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3570166147
    • Originaltitel: ‎ The other side of perfect
    • Genre: Jugendroman


cbj Kurzbeschreibung:
Alina ist verzweifelt: Vor einem Jahr hat sie sich noch auf einen Workshop der American Ballet School vorbereitet, dann hat ein Unfall ihrer Ballett-Karriere ein Ende gesetzt. Um ihrer Freundin Margot einen Gefallen zu tun, bewirbt sie sich auf die Teilnahme beim Schulmusical – und bekommt zu ihrer Überraschung eine wichtige Rolle. Ihr Gegenspieler auf der Bühne ist Jude, der sie langsam aus ihrem Zorn und ihrer Einsamkeit befreit. Doch Alinas Liebe zum Ballett lässt sie nicht los, auch wenn ihr langsam klar wird, dass sie wegen ihrer japanischen Wurzeln oft benachteiligt wurde. Kann sie sich auf ein neues Leben – und auf Jude – einlassen?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge


Meine Meinung:
Nachdem mir "Goldmädchen" von Jennifer Iocopelli sehr gut gefallen hat, war ich neugierig auf eine neuen Jugendroman, der sich mit dem Genre "Sport" (hier Ballett) befasst.
Der Klappentext hat mich neugierig gemacht und die Leseprobe hat mir gut gefallen. Im Großen und Ganzen ist diese Geschichte jedoch mehr Highschool Roman mit einer etwas eigenwilligen Protagonistin.

Alinas Leben ist das Ballett. Seit ihrer Kindheit will sie nichts anderes als eine berühmte Ballett-Tänzerin werden. Tatsächlich gehört sie zu den Besten und bekommt eine Einladung zur Sommerakademie der weltweit berühmten Ballettkompanie ABT. Als sie sich jedoch einen komplexen Bruch ihres Beines zuzieht ist es das Ende ihrer zukunftsträchtigen Karriere. Verständlicher Weise bricht für die Siebenzehnjährige die Welt zusammen. Acht Monate später findet sie sich an der Highschool wieder, die sie wegen ihrer Begabung immer nur stundenweise besucht hat. Körperlich ist ihr Bein wieder genesen, auch wenn sie nie wieder professionelles Ballett tanzen kann. Die seelischen Qualen sind jedoch noch nicht verheilt. Sie ist davon überzeugt, nie mehr wieder glücklich sein zu können. Der Anschluss fällt Alina schwer, bis sie sich mit Margot und ihren Freunden Jude und Ethan anfreundet. Margot überredet sie am Schulmusical teilzunehmen, was ihr mit der Zeit immer mehr Spaß macht. Und auch Jude kommt ihrem Herzen immer näher...

Die Geschichte wird aus Alinas Sicht erzählt. Die Autorin gibt viele Einblicke in die Gefühle und Gedanken Alinas und dennoch ist sie ist keine richtige Synpathieträgerin. Ihre Gedanken kreisen ausschließlich um sich selbst und was sie alles verloren hat. Dass sie mit ihrem Leben hadert, weil sich ihre Zukunft in Nichts aufgelöst hat, konnte ich verstehen. Es muss sehr schwer sein, alle seine Träume begraben zu müssen. Dennoch verhält sich Alina nicht wirklich fair ihren Freunden und vorallem ihrer jüngeren Schwester Josie gegenüber. Sie ertrinkt in Selbstmitleid und beantwortet seit ihrem Unfall die Nachrichten ihrer besten Freundin Colleen nicht mehr. Alina macht es ihren Mitschülern nicht einfach sie zu mögen. Bis sie erkennt, dass es auch kleinere Ziele gibt, die einem Freude bereiten können.

Der Autorin gelingt es gut das Thema Erwachsen werden, mit Konflikten umzugehen oder auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen, einzugehen.
Der Wandel ging mir dann allerdings etwas zu abrupt und erscheint mir deshalb etwas unglaubwürdig. Die kleine Lovestory nimmt viel Raum ein, entwickelt sich aber langsam - eine typische Highschool-Romanze. Jude ist jedoch ein sehr symapthischer Junger, der Alina gut tut. Die Gespräche, die die beiden führen sind einfühlsam und zeigen viel über Alinas Charakter und Judes Probleme. Auch er hat sein Päckchen zu tragen.
Die stimmige Chemie zwischen den Beiden konnte ich etwas fühlen, doch mehr war es nicht.

Der Schreibstil ist lebendig und modern. Man bemerkt nicht, dass es sich hier um einen Debütroamn handelt. Die Figuren verhalten sich altersgerecht. Alina entwickelt sich im Laufe des Romans, was mir sehr gut gefallen hat. Neben dem Thema des Verkraften von Schickslasschlägen, greift die Autorin auch das Thema Rassismus im Ballett auf. Dieses Thema hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Das Happy End auf allen Ebenen war mir dann aber fast zu viel.

Cover:
Das Originalcover finde ich so viel schöner, als die deutschsprachige Ausgabe. Ihr auch? Alleine die Farbgebung und den Bezug zum Ballett.
Schade, dass es nicht übernommen wurde.

Fazit:
Ein Jugendroman, der mich nicht ganz überzeugen konnte, aber als Debütroman einige wichtige Themen anspricht. Sonst war es mir zu viel Highschool-Feeling und eine Hauptprotagonistin, die nicht alle Sympathiepunkte von mir bekommt. Für jüngere Leser aber sicher eine geeignete Lektüre, die Spaß macht und auch Tiefe hat.

Vielen Dank an den cbj Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Hard Land - Benedict Wells

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Diogenes; 4. Edition (24. Februar 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3257071485
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3257071481
    • Genre: Coming-of-Age Roman



Diogenes Kurzbeschreibung:
Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Seit mehr als einem Jahr liegt dieser Roman auf meinem Stapel ungelesener Bücher, dabei habe ich ihn mir gleich zum Erscheinungstermin gekauft und wollte ihn sofort lesen.
Nun war es endlich so weit und wie ich schon vermutet hatte, hat "Hard Land" genau meinen Geschmack getroffen.
Ich liebe Bücher, die in den Achziger Jahren spielen und mich an meine eigene Jugend erinnern. Benedict Wells hat dieses Gefühl, mich in dieser Zeit wiederzufinden, sehr gut umgesetzt, obwohl die Geschichte in den USA spielt und er selbst erst 1984 geboren wurde.
Letztes Jahr habe ich von Ewald Arenz "Ein großer Sommer" gelesen, das ebenfalls ein Comining-of-Age Roman ist und in den Achzigern spielt. Für mich ebenfalls ein 5 Sterne Buch.

Sam ist ein schüchterner 15jähriger Junge, dessen bester Freund vor kurzem mit seiner Familie aus der  aussterbenden Kleinstadt Grady weggezogen ist. Seit der größte Arbeitgeber die Produktionsstätte verlegt hat, verlassen die Einwohner nach und nach den Ort in Missouri. Durch die Schließung der Firma ist auch Sam's Vater arbeitslos geworden. Seine schwerkranke Mutter arbeitet weiterhin in ihrer Buchhandlung. Die Ferien soll Sam bei seinen Kousins verbringen, was dieser ablehnt. In der Not sucht er sich einen Ferialjob im einzigen Kino, wo er auf Kristie, die Tochter des Kinobesitzers, Cameron und "Hightower" trifft. Alle drei sind älter als Sam und haben die Schule beendet. Im Herbst wechseln sie aufs College und werden Grady verlassen.
Sam ahnt noch nicht, dass dieser Sommer für ihn immer in Erinnerung bleiben wird und das nicht nur, weil seine Mutter sterben wird. Das ist kein Spoiler, denn diese Tatsache wird bereits im ersten Satz des Buches erzählt.

Wir begleiten Sam durch den Sommer. Es sind elf Wochen, die er mit seinen neuen Freunden verbringt, seinen ersten Ferialjob hat und sich zum ersten Mal verliebt.
Sam ist ein Außenseiter und seit sein einziger Freund Grady verlassen hat, ziemlich einsam. Zu seinem arbeitslosen Vater hat er keinen wirklichen Zugang, seine ältere Schwester hat die Kleinstadt schon als junges Mädchen verlassen und seine Mutter ist schwerkrank. Sam war mir von Beginn an sympathisch. Er steht genau an der Schwelle zum Erwachsen werden und erlebt einen unvergesslichen Sommer, der nicht nur positives für ihn bringt, ihn aber reifen lässt. Durch den Zuspruch seiner neu gewonnen Freunde findet er etwas Abwechslung und kommt mehr aus sich heraus. Seine Gedanken kreisen nicht immer nur um seine kranke Mutter, sondern auch um Freundschaft, erste Liebe und Abenteuer. Die
Entwicklung von Sam ist wunderbar beschrieben und spannend zu lesen. Trotz einiger schwerer Themen schimmert in Wells Roman immer wieder Lebensfreude, Hoffnung und Optimismus durch.

Für mich sind Kirstie, Cameron und "Hightower" doch etwas klischeehaft geworden. Kirstie ist ein etwas ausgeflipptes junges Mädchen, das immer wieder ihre Grenzen austestet. Film-Nerd Cameron hat Angst vor seinem Coming-out und "Hightower" ist zwar der lokale Sport-Star, aber schwarz. Somit hat Wells auch das momentan vielbesprochene Thema LGBTQ in seinen Roman mit eingebaut.
Hier kommt neben dieser etwas kleinen negativ angehauchten Einschätzung auch mein einziger Kritikpunkt. Das Ende. Ich fand es etwas zu unglaubwürdig und kitschig und wäre mit einem anderen Schlusspunkt besser zurechtgekommen. Aber das ist natürlich Ansichtssache und verändert auch meine Bewertung nicht.

Interessant fand ich, wie Wells das Spiel mit dem Roman im Roman verwendet hat. In der Kleinstadt gibt es einen berühmten Autor, dessen Buch „Hard Land“ regelmäßig alle Schüler lesen müssen und trotzdem nicht verstehen. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden und der Begriff Coming-of-Age wird direkt im Buch erklärt.

Besonders gefreut habe ich mich natürlich auf das Achziger Jahre Feeling und das Kino. Ich bin selbst ein Kino-Fan und habe meine Jugend in diesem Jahrzehnt verbracht. Die Musik von Billy Idol, INXS und ELO begleiteten auch mich durch diese Zeit, genauso wie Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft".

Fazit:
Ein wundervoller Roman über das Erwachsenwerden, authentisch und ruhig erzählt. Benedict Wells lässt die Achziger Jahre wieder auferstehen und den Leser elf Wochen lang Sam während eines wichtigen Lebensabschnittes begleiten.  Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


Johanna - Renate Welsh

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: ‎ Czernin; 1. Edition (21. April 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3707607224
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3707607222
    • Genre: Historischer Roman, Coming-of-Age Roman



Czernin Kurzbeschreibung:
Die 13-jährige Johanna kommt voller Hoffnung auf eine Ausbildung in ein kleines niederösterreichisches Dorf. Doch dort angekommen, muss sie auf einem Bauernhof arbeiten, unentgeltlich und unter katastrophalen Bedingungen. Johanna teilt das Schicksal vieler unehelicher Mädchen im Österreich der 1930er-Jahre, das geprägt ist durch Armut, politischen Unruhen und den aufkommenden Nationalsozialismus. Renate Welsh erzählt einfühlsam und ergreifend über Johannas Leben und verknüpft es mit dem Schicksal einer ganzen Generation.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
1979 wurde dieser Roman von Renate Welsh erstmals veröffentlicht. Letztes Jahr hat die Autorin  ihrer Hauptprotagnistin Johanna eine Fortsetzung mit dem Titel "Die alte Johanna" geschrieben. Der Czernin Verlag hat daraufhin den ersten Teil neu aufgelegt und ein gemeinsames Erscheinungsbild für beide Romane geschaffen.

Die Autorin schreibt größtenteils Jugendbücher, wo auch dieser Roman eingeordnet ist. Ich würde es jedoch als Erwachsenenroman empfehlen, auch wenn die Protagonistin zu Beginn ein 13 Jahre altes Mädchen ist.
Renate Welsh erzählt die Geschichte von Johanna, die in den 1930iger Jahren in einem österreichischen Dorf im Burgenland als uneheliches Kind zur Welt kommt. Als 13jährige schickt sie ihre Ziehmutter nach Niederösterreich, wo sie eine Schneiderlehre beginnen soll. Doch Johanna landet zuerst für eine Nacht im Armenhaus und wird danach als Dienstmagd einem Bauern zugeteilt, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten muss - ohne Lohn, karger Kost und ohne jegliche Freizeit. Johanna gibt jedoch in all den Jahren, in denen sie gegen ihren Willen und unter menschenunwürdigen Bedingungen hart arbeiten muss, nicht auf. Sie beginnt für ihre Rechte und ihre Freiheit zu kämpfen.

Johanna ist ein Entwicklungsroman oder Coming-of-Age Roman, der kein Einzelschicksal der unterpriveligierten Schicht zu dieser Zeit darstellt. Es ist keine Geschichte einer glücklichen, unbeschwerten Kindheit. Vielmehr zeigt Renate Welsh die sozialen Missstände jener Zeit auf, wie Arbeitskräfte und auch Kinder ausgebeutet wurden. Zusätzlich erhält man ein sehr authentisches Bild der 30iger Jahre, wo "Dirn und Knecht" keinerlei Rechte hatten. Als "Bankert" (uneheliches Kind) geboren, war man in der Gesellschaft nochmals eine Stufe unter allen anderen.
Die politische Situation des damaligen Österreichs ist in den Dreißiger Jahren im Umbruch. Die Menschen sind geprägt von Armut und der Nationalsozialismus ist im Kommen.

Die landschaftlichen Beschreibungen sind bildhaft und waren für mich als Niederösterreicherin sehr gut einzuordnen. Ich erkannte viele Orte und fühlte mich heimisch. Das Landleben wird äußerst authentisch beschrieben. Heutige Jugendliche können sich dieses Leben gar nicht mehr vorstellen, was auch gut ist. Trotzdem sollte diese Lektüre ihnen auch vor Augen führen, wie Kinder und Jugendliche damals aufwuchsen.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und dem jugendlichen Leser angepasst. Renate Welsh schreibt einfühlsam und bildhaft. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und verknüpft Zeitgeschichte mit einer berührenden Lebensgeschichte eines jungen Mädchens.

Fazit:
Ein Roman, der unter die Haut geht und der nach so langer Zeit nach der Erstveröffentlichung noch genauso fesselt und berührt. Zeitgeschichte der etwas anderen Art, die mich sehr bewegt hat. Von mir gibt es eine Empfehlung!


Die Molche - Volker Widmann

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    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (12. April 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3832181725
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3832181727
    • Genre: Coming-of-Age Roman




Dumont Kurzbeschreibung:
Ein bayerisches Dorf im Nachkriegsdeutschland: Als Zugezogener hat der 11-jährige Max es schwer, Freunde zu finden. Daher sind er und sein verträumter Bruder die idealen Opfer für eine Bande derber Dorfjungen. Und so schauen alle zu, wie Max’ Bruder eines Tages in die Enge getrieben wird, der Erste einen Stein wirft, dann ein Stein nach dem anderen fliegt. Der Junge stirbt. Auch Max hat zugesehen und aus Angst nicht geholfen. Von den Erwachsenen wird die Tat schnell als Unfall abgetan Wieder ist Max, der mit niemandem über seine Einsamkeit und die Quälereien sprechen kann, mit seinen Gefühlen allein. Wie die anderen Kinder versteht auch Max die Erwachsenen nicht: die tüchtigen Mütter, die unnahbaren Väter, ihre unberechenbare Härte gegenüber den Kindern, ihr Schweigen, wenn es um die Vergangenheit geht, ihr Wegschauen bei Konflikten. Geplagt von seiner Schuld und dem Schmerz über den Verlust seines Bruders, flüchtet er sich in seine Streifzüge in die Umgebung des Dorfes, in seine Beobachtungen der Natur, deren Schönheit ihm Trost spendet. So wie die Molche. Seine Entdeckungen lenken Max ab, bis er schließlich doch zwei Freunde findet – und Marga. Gemeinsam beschließen sie, gegen die Bande vorzugehen.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der Debütroman von Volker Widmann wirbt mit einer Empfehlung von Ewald Arenz. Sein Roman "Der große Sommer" hat mir damals sehr gut gefallen und war einer meine Lese-Highlights 2021. Bei "Die Molche" habe ich einen ähnlichen Coming-of-Age Roman erwartet, jedoch hab ich etwas ganz anderes bekommen.

Ein Sommer in Bayern in der Nachkriegszeit. Max und seine Familie sind Zuzügler und noch nicht in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Vater arbeitet in der Stadt und kommt nur am Wochenende nach Hause. Seine vier Kinder sind ihm eher Last als Freude.
Der im Klappentext angekündige Angriff auf den kleinen Bruder von Max passiert bereits auf den ersten Seiten. Man wird damit direkt in die Geschichte geworfen ohne vorher die Figuren kennenzulernen. Nach dem Tod seines kleien Bruder wird Max noch mehr zum Außenseiter und ist der gewalttätigen Schülergruppe rund um "Tschernik" ausgeliefert, die die Dorfkinder terrorisieren und auch verantwortlich für den Tod von Max Bruder sind. Während die Erwachsenen denken, dieser wäre an seinem schwachen Herzen gestorben, wissen die Kinder die Wahrheit. Max kämpft deswegen mit seiner Schuld seinem Bruder nicht geholfen zu haben. Als ein weiterer Mitschüler von der Bande drangsaliert wird, stellt sich Heinz der Tschernik Bande gegenüber und Max stellt sich dazu. Daraus entsteht eine Freundschaft zu der auch Rudi dazustößt. Die drei Jungen nehmen sich zum Ziel die Tyrannei von Tschernik und seiner Clique zu beenden. Unterstützung bekommen sie von Charlotte und Marga....

Gewalt und Sprachlosigkeit sind zwei Komponenten, die der Krieg hinterlassen hat. Die Kinder dieser Zeit sind größtenteils sich selbst überlassen. Falls der Vater aus dem Krieg heimgekehrt ist, ist er meistens gewalttätig. Diese Gewalt spielt im Roman eine große Rolle. Die Nachkriegszeit wird vom Autor sehr plastisch dargestellt.
Als Gegensatz erleben wir die Spaziergänge von Max in die Natur. Der Junge liebt seine Streifzüge durch den Wald und entdeckt eines Tages Molche, die er liebevoll studiert. Ein verlassenes Bahnhofshäuschen wird zum Treffpunkt der Freunde und mit Ellie versucht er sich an den ersten verstohlenen Fummeleien und erfährt seine erste Erfahrungen.

Der Schreibstil ist etwas eigen. Volker Widmann schreibt teilweise sehr lange Schachtelsätze, die sich über sechs bis zehn Zeilen ziehen. Oftmals verliert man dadurch den Überblick. Trotzdem sind die Naturbeschreibungen absolut gelungen und lassen die Pflanzenwelt vor meinen inneren Auge entstehen. Für einen elfjährigen Jungen, der aus seiner Sicht erzählt, sind sie jedoch viel zu erwachsen und nicht passend. Die Atmosphäre im Roman ist meistens bedrückend und melancholisch, bringt aber die damalige Zeit sehr authentisch rüber. Auch das Schweigen der Erwachsenen und den Umstand, dass die Kinder nicht damit umgehen können, ist gut wiedergeggeben.

Nicht gefallen haben mir die plötzlichen Perspektivwechsel, die nicht angekündigt sind. Auch fand ich nach den poetischen Naturbeschreibungen die plötzlichen sexuellen Handlungen von Max wie eine kalte Dusche und auch nicht angemessen für sein Alter.
Gestört hat mich auch eine Szene in der Sinti und Roma recht stereotyp dargestellt werden. Das muss nicht sein!
Gefehlt hat mir auch eine eventuelle Zeitangabe. Man hat keinerlei Informationen, ob sich der Roman über einige Wochen, Monate oder Jahre zieht. Ich tendiere eher zu Wochen oder einen Sommer lang, aber leider fehlen jegliche Informationen.
So richtig überzeugt hat mich der Roman leider nicht.

Fazit:
Ein noch etwas unausgegorener Coming-of-Age Roman über eine Kindheit in der Nachkriegszeit, die mich nicht richtig überzeugen konnte. Da es ein Erstlingswerk ist vergebe ich noch 3 Sterne. Gefallen haben mir die Naturbeschreibungen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit hat der Autor ebenfalls sehr gut dargestellt.

Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Vorab-Exemplar!

Weil wir träumten - Antonia Michaelis

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: ‎ Thienemann Verlag; 1. Edition (27. Januar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3522202775
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3522202770
    • Genre: Jugendroman



Thienemann Kurzbeschreibung:
Madagaskar mit seinen Traumstränden, exotischen Tieren und Blütenmeeren – das reinste Paradies für Emma! Hier kann sie endlich all die Einschränkungen vergessen, die ihre Herzkrankheit mit sich bringt. Doch als Emma die Madegassin Fy kennenlernt, erfährt sie von Armut, Gewalt und einem schrecklichen Geheimnis, den Schattenseiten des Paradieses.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Madagaskar - wer denkt bei der Insel im Indischen Ozean nicht unwillkürlich an Palmen, Strand, Meer, sowie an Lemuren und Affenbrotbäume. Doch die Menschen auf der Insel leiden durch den Klimawandel immer mehr und mehr an Hunger und der Gegensatz zwischen Arm und Reich ist eklatant.

Die schwer herzkranke Emma wünscht sich nichts sehnlicher, als eine Reise zur Mitte des Lebens. Für sie ist das der Urwald Madagskars. Der Wunsch geht für die 16jährige in Erfüllung, als ihre Urgroßmutter Elise sie für drei Wochen auf die Insel begleitet. Das wunderbare Setting hat mich sofort gefangen genommen. Doch die Autorin zeigt vorallem auch die andere Seite Madagaskars - ein Leben voller Armut, Hunger und Gewalt.
Als Emma die etwa gleichaltrige Fy kennenlernt, fühlen sich die beiden voneinander angezogen und eine tiefe Freundschaft entsteht.

Erzählt wird hauptsächlich aus zwei wechselnden Perspektiven, jeweils aus der Ich-Perspektive. Dabei schreibt Emma ihre Erlebnisse in eine Art Reisetagebuch, während Fy ihre Geschichte ihrem Baby Onja erzählt. Während Emma zu Beginn noch die Annehmlichkeiten der europäischen Touristen genießt, lernt sie durch Fy die andere Seite kennen. Fy lebt in Armut und kämpft täglich um ihr Leben und das ihrer Familie. Durch sie erfährt Emma von den Schattenseiten der Insel, wie Gewalt, Missbrauch und Kinderarbeit.
Mit Fy habe ich mitgelitten, besonders als sie einen Schicksalsschlag nach dem anderen erlebt und das obwohl sie kaum etwas hat, um für sich und ihr Kind zu sorgen. 

Zitat von Antonia Michaelis:
„Es geht in meinem Buch darum, dass wir immer nur das sehen, was wir sehen sollen. Die malerische Armut, das romantische Drittweltland, die hübschen Afrikaner in der Wüste, die schönen fremden Kulturen. Und das, was eigentlich im Argen ist, sehen wir nicht, wollen wir nicht sehen, lassen wir einfach links liegen. Das ist ja so schön einfach.“

Emmas Handlungen konnte ich nicht immer verstehen und oftmals hätte ich sie am liebsten geschüttelt. Hier kommt sicher auch mein Alter durch, denn ihre oftmals kindischen Aktionen konnte ich nicht nachvollziehen, denn es hätten sich auch einige andere Lösungen gefunden. Auf der anderen Seite fühlt sich die immer überbehütete Emma erstmals wie ein "normaler" Mensch, ohne dass jemand von ihren gesundheitlichen Einschränkungen weiß. Ihre Kindheit hat sie großteils im Krankenhaus verbracht und konnte nie wie ein normales Kind leben. Dass sie dieses Gefühl auskosten will, kann ich wiederum sehr gut verstehen.
Emmas Gedankenwelt und Gefühle werden besonders im letzten Drittel sehr eindringlich beschrieben.
Sie ist auf der Suche nach dem echten Leben, nach Intensität und Liebe - alles Dinge, die ihr bisher verwehrt blieben. Und trotzdem fand ich Emmas selbstlose und unsagbar dummen Aktionen, um Fy und ihrer Familie zu helfen, für meinen Geschmack zu übertrieben. Die Entwicklung, die sie während ihrer Zeit in Madagaskar durchmacht, ist jedoch deutlich zu erkennen.
Die Autorin überrascht uns auch mit einigen unvorhergesehenen Wendungen, die der Geschichte noch mehr Spannung gibt.

Die Welt der Geister und der Träume hat bei den Madagassen eine sehr große Bedeutung und erhalten auch in der Geschichte viel Raum. Durch den poetischen und oftmals märchenhaften Schreibstil der Autorin fühlt man sich oftmals ebenfalls in einer Art Traumwelt, aus der man unsanft in die harte Wirklichkeit geschubst wird. Denn  Antonia Michaelis greift viele Themen, wie das Recht auf Bildung, Zwangsprostitution, Gewalt, Armut, Hunger, Krankheit, Tod, Mord, Gefängnis, Missbrauch und Kinderarbeit auf. Diese schweren Themen gehen unter die Haut.
Die Autorin hat selbst zwei Jahre lang mit ihrer Familie auf Madagaskar gelebt. Wir bekommen durch sie hervorragende Eindrücke von der Insel und der dortigen Lebenssituation. Sie hat ihre Geschichte rund um Emma und Fy durch Erzählungen und ihrer eigenen Erfahrungen auf der Insel entstehen lassen. Diese ist so authentisch wiedergeben, dass man meinen könnte, es sei eine wahre Geschichte. 
Das Ende rührt zu Tränen und ich brauchte noch einige Zeit um alles sacken zu lassen und meine Rezension schreiben zu können.

Fazit:
"Weil wir träumten" ist ein hochemtionales Jugendbuch über eine ganz besondere Freundschaft, Mut und vielen schwierigen Themen, die man sonst nicht so oft in diesem Genre findet. Ein einfühlsamer Coming-of-Age Roman, der unter die Haut geht.

Vielen Dank an den Thienemann Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Mixtape 86 - Katrin Friedrich



     Taschenbuch: 404 Seiten

    • Verlag: ‎ BoD – Books on Demand; 2. Edition (31. August 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3754318411
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3754318416
    • Genre: Coming of Age Roman



Amazon Kurzbeschreibung:
Hannover, im Frühling 1986: Franka wird bald 16 und die geliebte Freundin Cat will auf einmal nichts mehr von ihr wissen - scheinbar ohne Grund. Sie hinterlässt ihr aber ein Mixtape. Als Frankas Mutter dann auch den nervigen Möchte-gern-Künstler Peter Punker in ihrem Zimmer einquartiert, hat sie die Nase voll. Sie versucht einen eigenen Weg zu gehen, raus aus der verrückten Hippie-Welt ihrer Eltern. Das ist aber schwer, denn sie hat keine Freunde und fühlt sich als Frau unvollständig. Was an Peter Punker allerdings gut ist: Er hat einen Walkman. So kann sie Cats Mixtape hören. Das ist ihr Sound für den Aufbruch. Die Kassette begleitet Franka auf einen Schüleraustausch in die USA. Dort entdeckt sie eine neue Welt und erlebt die erste große Liebe zu einem Jungen. Als sie nach Hause zurückkommt wird klar, was mit Cat tatsächlich los ist. Erwachsenwerden ist eine riskante Grenzerfahrung - in den 80er Jahren genauso wie heute. Doch es gibt Hoffnung: Sie liegt in der Kraft von Freundschaft, Liebe und Musik. 

Meine Meinung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bücher, die in den Achziger Jahren spielen, mag ich besonders gerne. Das versetzt mich immer wieder zurück in meine eigene Jugendzeit, die zwar nicht immer einfach, aber richtig aufregend war. Zusätzlich liebe ich auch die Musik der 1980iger und deshalb habe ich mich für den Debütroman von Katrin Friedrich "Mixtape 86" sofort beworben.

Hannover im Frühjahr 1986. Die fünfzehnjährige Franka fühlt sich ziemlich einsam, vorallem nachdem sich ihre beiden Freundinnen Cat und Jenny nach den Osterferien ohne Grund von ihr zurückziehen. Für Jenny steht nun ihr Freund Markus im Mittelpunkt, während Cat sich generell immer mehr absondert. Von ihrer Familie bekommt Franka keinen Halt. Ihre Mutter ist eine Frau, der Demonstrationen gegen Atommüll oder eine offene Beziehung wichtiger sind, als ihre Tochter. Franka spielt in ihrem Leben keinerlei Rolle. Franka's Vater ist Universitätsprofessor und viel im Ausland unterwegs.
Von Beginn an habe ich mit Franka mitgelitten, die in in dieser schwierigen Zeit voller Selbstzweifel und ohne Selbstbewusstsein vollkommen auf sich gestellt ist. Ziemlich verstört hat mich, dass Frankas Mutter den Möchtegernkünstler Peter Punker in ihr Zimmer einquartiert.
Welche Mutter käme auf die Idee ihrer Teenagertochter einen erwachsenen Mann ins Zimmer zu legen?? Ehrlich gesagt war ich schockiert! In einem kleinen Nebensatz erfährt man auch noch, dass dieser Peter Franka als Zwöljährige betatscht hat! Die Autorin hat es vollkommen unterlassen hier näher darauf einzugehen und hat die Situation als völlig normal hingestellt. So etwas geht überhaupt nicht!!!! In einem Coming-of-Age Roman mit einer Zielgruppe, die selbst in Frankas Alter ist, hat so etwas nichts verloren! Das ist auch mit ein Grund, warum ich einen ganzen Stern abgezogen habe.
Generell hat mich Frankas Familiensituation ziemlich aufgeregt und auch sehr betroffen gemacht. In diesem Alter braucht man mehr als sonst Unterstützung von seinen Eltern, auch wenn es der Zeitpunkt  ist, wo sich die Kinder abzunabeln beginnen.
Diese teilweise drückende Stimmung hat mich zu Beginn mit dem Roman nicht wirklich Freund werden lassen. Doch mit der Reise in die USA beginnt Hoffnung aufzukommen und die Atmosphäre in der Geschichte verändert sich.

Den ersten kleinen Hoffnungsschimmer erfährt Frankas Leben, als sie an Stelle von Cat, die erkrankt, an einem Schüleraustausch in den USA teilnehmen darf. Obwohl ihre Mutter strikt dagegen ist und auch kein Geld für die Reise hat, fliegt Franka an Stelle ihrer Freundin nach Amerika. In der Austauschfamilie erfährt sie das erste Mal, wie sich eine Mutter normaler Weise ihrem Kind gegenüber verhält und sie lernt Adam kennen. Beide verlieben sich ineinander und ab diesem Zeitpunkt hat der Roman endlich die gewünschte Lockerheit erreicht, die ich mir gewünscht hatte. Es geht dabei nicht nur um die Liebe, sondern um Geborgenheit, sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren.

Das Thema Erwachsen werden wird von der Autorin sehr gut umgesetzt. Ich konnte mich jederzeit in Franka hineinversetzen und habe mit ihr mitgelitten. Sie wird sehr authentisch dargestellt und hat mich in manchen Situationen öfters auch an mich in diesem Alter erinnert.
Allerdings fand ich manche Charaktere, sowohl in Deutschland, als auch in den USA, ziemlich überzeichnet. Der Schreibstil ist einfach und die Sätze sind relativ kurz gehalten.
Das Ende kam mir etwas zu plötzlich bzw. hätte ich mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht.

Das titelgebende Mixtape bekommt Franka von Cat als eine Art Abschiedgeschenk zum Ende ihrer Freundschaft. Es bleibt Frankas ständiger Begleiter und David Bowie ihr Held. 

Fazit:
Ein teilweise wunderbar erzählter Coming-of-Roman, der allerdings einige Ansätze hat, die mir nicht gefallen haben. Dies setzt auch meine Bewertung etwas herab. Die Figur Franka ist jedoch sehr authentisch dargestellt worden mit all ihren Zweifeln und der Unsicherheit in dieser Lebensphase. 

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

Der große Sommer - Ewald Arenz

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (26. März 2021)
    • ISBN-10 : 3832181539
    • ISBN-13 : 978-3832181536
    • Genre: Coming-of-Age Roman



DUMONT Kurzbeschreibung:
Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. In diesen Wochen erlebt Frieder alles: Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen, Liebe und Tod. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird. Hellsichtig, klug und stets beglückend erzählt Ewald Arenz von den Momenten, die uns für immer verändern.

Meine Bewertung: * * * * *

♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Wow, was für ein Buch! Nachdem mir "Alte Sorten" schon sehr gut gefallen hat (ja, meine Rezi ist dazu noch ausständig) wollte ich unbedingt den neuen Roman von Ewald Arenz lesen. Er spielt in den 1980iger Jahren und Friedrich ist so alt, wie ich damals war. Ich lese immer wieder gerne Bücher, die mich in meine Kinder- und Jugendzeit zurückversetzen.

Für Frieder sind die Sommerferien gelaufen, nachdem er sowohl in Mathe, als auch in Latein eine Nachprüfung hat und lernen muss, um in die nächste Klasse aufzusteigen. Doch es kommt noch dicker: Während seine Eltern und Geschwister nach Italien fahren, soll er zu seinen Großeltern - mit einem strikten Lernpensum pro Tag. Einzig seine Schwester Alma, die ein Praktikum in einem Pflegeheim absolviert, ist ebenfalls zuhause geblieben. Mit Johann, seinem besten Freund, und Alma verbringt er gerne seine Tage im Schwimmbad. Dort lernt er Beate kennen, die seine erste große Liebe wird.
Eigentlich passiert zu Beginn nicht wirklich viel. Die Tage bei den Großeltern sind für Frieder auch Tage, wo er nach seinen Wurzeln sucht. Wer war seine Oma, die im Krieg zur Flucht getrieben wurde? Und warum weiß er so wenig über die Kindheit seiner Mutter? Wie war das, als die beiden noch jung waren?
Seine Großmutter ist eine warmherzige Frau, doch der Großvater, Professor Dr. Walther Schäfer, ist ein strenger und unnahbarer Mensch, der Frieder manchmal sogar Angst einjagt. Aus der anfänglichen Distanz wird jedoch langsam Achtung und als Frieder in Schwierigkeiten gerät, ist es der Großvater, der für ihn da ist.

Wir begleiten Frieder durch diesen Sommer, der ihm für immer in Erinnerung bleiben wird. Die Geschichte wird rückblickend aus seiner Sicht in der Ich-Form erzählt. Dabei sind einige wenige Passagen in der Gegenwart gehalten, die einen kurzen Einblick auf den erwachsenen Friedrich zeigen. Weder der konkrete Ort, noch die genaue Zeit wird genannt, doch es ist offensichtlich, dass wir uns Anfang der Achziger Jahre irgendwo in Süddeutschland befinden. Die Charaktere wuren vom Autor facettenreich und liebevoll ausgearbeitet.

Ewald Arenz braucht nicht viele Worte, um die richtige Stimmung einzufangen. In einer wunderbaren Sprache erzählt der Autor über Familie, Freundschaft, der ersten großen Liebe, Respekt, Vertrauen, Trauer und Tod. In diesem einen Sommer wird Frieder erwachsen und dabei schließt man ihn immer mehr ins Herz. Oftmals hat man das Gefühl, dass der Autor autobiografische Aspekte miteinfließen hat lassen, die die Geschichte sehr authentisch machen. Im letzten Drittel nimmt die Handlung richtig an Fahrt auf und hat mich aus dem Wohlfühlmodus gerissen. Das Ende des Sommers bricht heran und bringt Veränderungen in Frieders Leben. Die wärmenden Sonnenstrahlen, die auf der Haut kitzeln, sind Geschichte und wechseln zu kühleren Temperaturen, die die Wärme vertreiben....

Hervorheben möchte ich noch die Covergestaltung und die Haptik des Buches. Die edle Leinenfassung mit Lesebändchen und das minimalistische Bild, das Friedrich bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen zeigt, ist absolut gelungen. Zusätzlich ist das Bild noch erhaben und wirkt dadurch noch interessanter

Fazit:
Ein Roman über das Erwachsenwerden, der unter die Haut geht. Authentisch und ruhig erzählt, aber mit viel Gefühl und Empathie. Man versinkt in die Geschichte und will gar nicht mehr wieder auftauchen. Ewald Arenz neuer Roman hat mich verzaubert und bekommt den ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ und meine volle Leseempfehlung!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim DUMONT Verlag für das Vorab-Leseexemplar!

Schatten der Welt - Andreas Izquierdo

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 544 Seiten
    • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (21. Juli 2020)
    • ISBN-10: 3832164987
    • ISBN-13: 978-3832164980
    • Genre: Historischer Roman, Coming-of-Age Roman


DuMont Kurzbeschreibung:
Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi pfeifen auf den Ernst des Lebens. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht. Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten. 1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war, und doch scheint ein Neuanfang möglich …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit seinem neuen Roman ist Andreas Izquierdo einen etwas anderen Weg gegangen, als in seinen letzten Büchern. "Schatten der Welt" ist ein Mix aus historischem und Coming-of-Age Roman, der mich mit seinen über 500 Seiten wahrlich beeindruckte.

Wir befinden uns in Thorn in Westpreußen und schreiben das Jahr 1910. Carl und Artur sind beste Freunde. Während der schüchterne Carl, Sohn eines jüdischen Schneidermeisters, seinem Freund in der Schule hilft, bietet Artur, der bereits großgewachsen und stark ist, Carl Schutz vor einigen rüpelhaften Mitschülern. Die grundverschiedenen Jungs werden beste Freunde, als unverhofft die rotzfreche Isi zur Gruppe stößt. Carl und Artur sind von dem Mädchen hingerissen und die Drei werden bald ein unschlagbares Trio.

Während Carls Vater sich wünscht, dass sein Sohn nach der Schule in seine Schneiderei einsteigt, träumt Carl vom Fotografieren seit er den Laden des zugegezogenen Fotografen entdeckt hat. Er ist fasziniert von der neuen Technik Bilder von Menschen auf Papier zu bringen. Wie gerne hätte er ein Foto seiner verstorbenen Mutter gehabt, die er nie kennenlernen durfte. Artur hat ebenfalls keine Lust bei seinem Vater in der Wagnerei zu arbeiten. Gemeinsam mit Isi heckt er immer wieder verrückte Ideen aus, wie den Verkauf von Pillen gegen den Weltuntergang, angekündigt durch den Halleyschen Kometen. Artur hat Geschäftssinn und Isi immer wieder neue Ideen.

In der Zwischenzeit spitzt sich die weltpolitische Lage immer mehr zu. Auch in Thorn haben die Einwohner langsam genug von der Ausbeutung des einzigen Großgrundbesitzers Boysen, der die Geschehnisse im Ort lenkt. Isi und Artur lehnen sich beide auf ihre Art gegen die Boysens auf, manchmal mit schwerwiegenden Folgen.

Doch dann beginnt der Erste Weltkrieg und die mehr oder weniger unbeschwerte Kindheit ist vorbei. Carl und Artur werden eingezogen und Isi erlebt ihr ganz persönliches Grauen.

Izquierdo schildert mit viel Liebe und Detail aus dem ersten Jahrzehnt des letztes Jahrhunderts - einer Zeit, die von großen Umwälzungen geprägt war. Nicht nur neue technische Errungenschaften und Erfindungen, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen standen an. Aber auch Westpreußen, das im heutigen Polen liegt, mit seinem damaligen "Glanz" und den Menschen, die dort lebten, wurde sehr bildhaft dargestellt. Die Hierarchien in der Gesellschaft und die Fassade, die oftmals nach außen hin aufrecht erhalten bleiben musste...

Im Großen und Ganzen fand ich diesen Roman wundervoll. Er lässt sich schwer in ein einziges Genre einordnen, wobei er aber auf jeden Fall dem historischen Genre zuzuordnen ist. Die Geschichte versprüht sehr viel Charme und bleibt im Gedächnis. Nur zu Beginn dauerte es mir etwas zu lange bis Fahrt aufgenommen wurde und am Ende war es mir fast zu übereilt. Doch dazwischen war ich in der Geschichte versunken und konnte mich total fallenlassen.

Schreibstil:
Andreas Iquierdo erzählt detailliert, mitreißend, einfühlsam und bildhaft.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Carl und durch einen allwissenden Erzähler, der die Beschreibung von Artur und Isi übernimmt. Die Charaktere der drei Hauptprotagonisten hat der Autor wunderbar herausgearbeitet. Sie sind facettenreich und entwickeln sich weiter....sie werden erwachsen.
Ich hatte von Carl, Artur und Isi ein detailliertes Bild vor Augen und hoffte und bangte mit ihnen.
Auch die Kriegsszenen sind sehr eindringlich dargestellt - vorallem die beiden Seiten der Kriegsberichterstattung durch die Medien/Fotografien.

Fazit:
Ein berührender und mitreißender Coming-of-Age Roman mit historischem Setting, der vorallem durch seine lebendigen Figuren und deren Entwicklung glänzt. Toll erzählt, aber auch mit kleinen Schwächen am Anfang. Ein Roman, der im Gedächtnis bleibt und den ich gerne weiterempfehle!

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Vorableseexemplar!

Sweet Sorrow - David Nicholls

    Die Bildrechthe liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
    • Verlag: Ullstein Hardcover; Auflage: 1. (27. Dezember 2019)
    • Übersetzer: Simone Jakob
    • ISBN-10: 3550200579
    • ISBN-13: 978-3550200571
    • Originaltitel: Sweet Sorrow
    • Genre: Coming of Age Roman, Liebesroman

Ullstein Kurzbeschreibung:
Manches im Leben strahlt so hell, dass es nur aus der Entfernung wirklich gesehen werden kann. Die erste große Liebe ist so eine Sache, die immer noch leuchtet, auch wenn sie längst verglüht ist. Genauso ist es Charlie Lewis ergangen. Nichts an ihm ist besonders. Dann begegnet er Fran Fisher, und seine Welt steht Kopf. In den langen, hellen Nächten eines unvergesslichen Sommers macht Charlie die schönsten, peinlichsten und aufregendsten Erfahrungen seines Lebens. Und steht zwanzig Jahre später vor der Frage, ob er sich traut, seine erste große Liebe wiederzutreffen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
David Nicholls hat mich vor Jahren mit "Zwei an einem Tag" verzaubert. Der Roman gehört zu meinen absoluten ALL-TIME-FAVOURITES. Gleich vorweg: "Sweet Sorrow" kann mit meinem Lieblingsroman nicht mithalten.
Meine Meinung nach suggeriert der Untertitel eine reine Liebesgeschichte, doch das ist der Roman nicht. Mich stört das nicht, aber einige Leserinnen in der Lovelybooks-Leserunde waren deswegen enttäuscht. Viel mehr ist "Sweet Sorrow" ein Coming-of-Age Roman, der das Erwachsenwerden eines 16jährigen in allen Facetten aufzeigt. Die Geschichte spielt einen Sommer lang und erinnerte mich teilweise an meine eigene Orientierungslosigkeit und an all die Selbstzweifel in diesem Alter.

Der bereits ältere Charlie Lewis blickt zurück auf einen unvergesslichen Sommer, der sein Leben maßgeblich verändert hat. Er hat sein letztes Schuljahr abgeschlossen und einige Prüfungen vermasselt. Seine Mutter hat mit seiner Schwester die Familie verlassen und Charlie bei seinem depressiven Vater gelassen. Der Junge ist damit gänzlich überfordert und flüchtet so oft er kann aus seinem trostlos gewordenen Zuhause. Neben einen kleinen Teilzeitjob an einer Tankstelle radelt er ohne Ziel in der Gegend herum oder trifft sich mit seinen Freunden. Eines Tages liegt er lesend in einer Wiese, als ihn ein Mädchen dort überrascht. Sie verbringt den Sommer über bei einer Theatergruppe, die Shakespears "Romeo und Julia" aufführen. Charlie möchte Frances Fisher wiedersehen und kommt danach täglich zu den Proben, obwohl er sich eigentlich gar nicht fürs Theater interessiert. Dadurch entwickelt sich nach anfänglicher Skepsis und Distanz eine immer intensivere Freundschaft zu einigen Teilnehmern und zu Fran, aus der schließlich Liebe wird. Aber Charlie weiß auch, dass der Sommer irgendwann zu Ende sein wird...

Die Beziehung der Beiden entwickelt sich sehr langsam. Der Autor lässt sich und seinen Figuren Zeit. Für die erste große Liebe wirkt es sogar manchmal etwas nüchtern, jedoch sehr realistisch und natürlich. Genau das mochte ich daran! Es könnte ebenso die Geschichte von dir, mir oder einem Nachbarn sein - fernab von den verkitschten Szenen in vielen Young Adult oder Jugendromanen, die mich oftmals nur den Kopf schütteln lassen.
Mit viel Humor und mitten aus dem Leben gegriffen erzählt Nicholls auch über das erste Mal, wobei er Frans und Charlies Sicht der Dinge sehr authentisch und gefühlvoll beschreibt.
Bis es jedoch überhaupt zur Beziehung zwischen Fran und Charlie kommt, hat der Roman doch ein paar Längen. Nicholls versteift sich nicht nur auf die Liebesgeschichte, sondern widmet sich generell Charlies Leben und dem Sprung ins Erwachsenenalter. Die Orientierungslosigkeit und die Überforderung durch die Bürde, die ihm seine Mutter auferlegt hat, ist für einen Jungen in seinem Alter einfach zu viel. Dazu die Sorgen um die berufliche Zukunft nach den vergeigten Prüfungen und der Umgang mit seinem depressiven und alkoholkranken Vater....es überwiegen nicht nur die schönen und süßen Dinge in diesem Sommer, sondern auch Kummer und Sorgen.
Auch das Thema Freundschaft spielt eine große Rolle. Der Wechsel von seinen alten Kumpels, mit denen er zwar viel Spaß hat, sich aber oftmals fragt warum diese Jungs eigentlich Freunde sind und sich treffen, zu neuen Bekanntschaften. In der Theatergruppe erfährt Charlie durch Helen und Alex, was wirkliche Freundschaft bedeutet. Die Beiden weisen ihn auch die Richtung in seinem weiteren Leben....

Obwohl ich "Romeo und Julia" liebe, waren mir einige Passagen, bei dem es um die Prologe des Stückes geht, doch zu lang. Ebenso haben mich einige willkürliche Zeitsprünge genervt und die Gegenwart erhält nur sehr wenig Raum. Irgendwie hätten einige Passagen kürzer und andere wieder länger sein können....aber das ist nur mein Gefühl und spiegelt nicht unbedingt die der Mehrheit bei der Leserunde wider.

"Sweet Sorrow" ist zwar eine Liebesgeschichte, wie es der Untertitel suggeriert, aber eine, bei der es um unterschiedliche Lieben geht. Es geht um Liebe in der Familie, unter Freunden, zu den Eltern, zum Theater und natürlich auch die erste explosive Liebe, aber nicht nur. 
Wäre dies mehr betont worden, hätte es weniger enttäuschte Leser bei der Leserunde gegeben. Ich mochte den Roman und er wird mir auch sehr in Erinnerung bleiben, aber an "Zwei an einem Tag" kommt er bei weitem nicht heran.

 Schreibstil:
David Nicholls schreibt sehr detailliert und ausschweifend, aber auch sehr lebendig, poetisch und humorvoll. Die Charakter sind authentisch und wir erleben sehr schöne Momente, die der Autor gekonnt dargestellt hat. Der Schreibstil ist diesmal aber auch jugendlich und dem Alter des damals 16jährigen Protagnisten angepasst.

Cover:


 von links nach rechts: 

Die beiden englischsprachigen Cover, die Cover aus Finnland, Schweden, Spanien und Italien. Ich finde vorallem das spanische Cover zeigt deutlich, dass es sich eher um einen Coming-of-Age Roman handelt.



Fazit:
Eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über Freundschaften, Shakespeare und die erste Liebe. Der Roman hat einige Schwächen und Längen, konnte mich aber trotzdem verzaubern, wenn man ein klein wenig das Auge zudrückt und weiß, dass es sich hier eher um einen Coming-of-Age Roman handelt. Nachdem ich das Buch bereits vor mehr als einer Woche beendet habe, hallt es noch immer nach und spukt noch immer im Kopf herum. Es hat doch mehr Platz eingenommen, als ich dachte. Deswegen vergebe ich sehr gerne gute 4 Sterne.


Vielen Dank an Lovelybooks und den Ullsteinverlag für das Rezensionsexemplar!
 

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