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Schneezauber in Norwegen - Anna Liebig

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 320 Seiten
    • Verlag: ‎ Blanvalet Taschenbuch Verlag, (24. September 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3734113210
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734113215
    • Genre: Weihnachtsroman, Liebesroman


Blanvalet Kurzbeschreibung:
Nina ist glücklich. Sie mag ihr Leben, ihren Beruf und vor allem liebt sie ihren Opa! Und der ist gerade ganz aus dem Häuschen, denn er hat eine Doku über die größte Lebkuchenstadt der Welt, die jedes Jahr in der Stadt Bergen aufgebaut wird, gesehen. Und da will er jetzt mit Nina unbedingt hin, denn die Mutter des Architekten ist seine alte Liebe Ingrid. So sitzt Nina alsbald im Flugzeug nach Norwegen, wo ihr Opa nicht nur ein großes Geheimnis über Ingrid erfährt, sondern Nina sich zwischen Lebkuchengewürz und Knetmaschine auch auf einen Flirt mit einem netten Norweger einlässt …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Langsam wird es Zeit für ein paar Weihnachtsromane! Und wohin würde ich zur Weihnachtszeit am liebsten entfliehen? In die Berge oder in den Norden....auf jeden Fall brauche ich Schnee, der bei uns ja leider immer weniger wird..

Anna Liebig aka Nicole Steyer oder Linda Winterberg hat dieses Jahr nach "Winterträume in New York" (habe ich nicht gelesen) ihren nächsten Weihnachtsroman in Norwegen spielen lassen. Da bin ich doch gleich dabei!

Als Uwe, der Großvater von Nina, eine Dokumentation über die größte Lebkuchenstadt in Bergen sieht, entdeckt er seine erste große Liebe Ingrid im TV. Sie ist die Leiterin dieser einmaligen kleinen Stadt aus Lebkuchen. Spontan beschließt er nach Norwegen zu reisen und Ingrid in Bergen zu besuchen. Doch alleine traut er sich nicht so richtig und er bittet seine Enkelin mitzufahren. Nina hat gerade ihren Job gekündigt und möchte die Bitte ihres noch einzig lebenden Familienmitgliedes nicht abschlagen. Auch ihr etwas exzentrischer Mitbewohner Alex ist sofort Feuer und Flamme und nimmt sich spontan Zeit für eine vorweihnachtliche Reise in den Norden.
Als die drei in Norwegen ankommen, werden sie nicht nur von Schneeflocken und dem winterlichen Ambiente empfangen, sondern auch von einem sympathischen Besitzer der Pension, in der sie sich eingemietet haben. Doch auch die Einwohner von Bergen, die jedes Jahr mithelfen diese einzigartige Stadt aufzubauen, sind schnell mit Uwe auf "Du und Du". Nur Ingrid gegenüber traut er sich nicht seine wahre Identität preiszugeben. 

Anna Liebig hat einen zu Herzen gehenden Weihnachtsroman geschrieben, der in Bergen spielt und mir die noch völlig unbekannte größte Lebkuchenstadt der Welt näher gebracht hat. Natürlich musste ich zuallererst danach googeln und habe die tollen Kreationen und vor allem auch diese wunderschöne Idee bestaunt. 

Der Schreibstil von Anna Liebig ist sehr bildhaft und lässt sich flüssig lesen. Mit den sympathischen Protagonisten Uwe, Nina und Alex bin ich durch die kleine und charmante Stadt gewandert und habe das weihnachtliche Ambiente gefühlt. Das winterliche Setting hat mich schnell verzaubert. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Die Verbindung zur Vergangenheit von Uwe und dem Kennenlernen seiner Ingrid hat mir sehr gut gefallen.

Die Figuren sind liebenswert und glaubwürdig dargestellt. Jeder hat seine Ecken und Kanten. Die Beziehung zwischen Nina und ihrem Großvater ist eine ganz besondere, denn sie hat ihre Eltern früh verloren und nur mehr ihren Opa Uwe. Auch das spürt man intensiv durch die Seiten. Alex versprüht hingegen Spontanität und Humor und gibt dem Roman Dynamik.
Ein bisschen Drama darf natürlich bei einer Geschichte wie dieser, nicht fehlen. Mir war es am Ende fast ein bisschen "too much", denn es passierte unglaublich viel. Trotzdem mochte ich diese vorweihnachtliche Geschichte sehr, die genau das richtige Wohlfühlgefühl vermittelt.

Fazit:
Eine warmherzige und leichte Geschichte im winterlichen Norwegen über zweite Chancen. Ein richtiger Wohlfühlroman, der perfekt in die Vorweihnachtszeit passt. 


Vielen Dank an Blanvalet und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Träume aus Eis - Franziska Winkler

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ HarperCollins Taschenbuch; 1. Edition (25. April 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3365002774
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3365002773
    • Genre: Familiensaga



Heyne Kurzbeschreibung:
Erna und Josef Pankofer sind überglücklich, als sie die kleine Eisdiele in der Kaufinger Straße in München eröffnen. Endlich hat das Tingeln mit dem Eiswagen durch die Straßen ein Ende und sie haben ein besseres Zuhause für sich und ihre beiden Töchter. Doch dann bricht die Weltwirtschaftskrise über sie herein, und die älteste Tochter Frieda verliebt sich ausgerechnet in den Sohn eines Konkurrenten. Das Glück der Familie hängt bald am seidenen Faden - kann die Idee, als erster Laden in ganz Bayern Eis am Stiel zu verkaufen, sie retten, oder sind die Träume aus Eis am Ende nur Luftschlösser ...?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Franziska Winkler alias Nicole Steyer, Anke Petersen oder Linda Winterberg hat sich den Anfängen des "Eis am Stil" angenommen. In ihrem fiktiven Roman "Träume aus Eis" erzählt sie die Geschichte um das erste "Steckerleis" und seinem Erfinder Josef Pankofer.

Gemeinsam mit seiner Frau Erna eröffnet er 1929 in München einen kleinen Eissalon. Um aus der Masse der größeren Kaffeehäuser, die ebenfalls Eis verkaufen, hervorstechen, möchte er etwas Neues und Einzigartiges anbieten. In einer Zeitschrift liest er über das erste Eis am Stil in den USA und bei einer Reise nach Berlin lernt er tatsächlich einer Kollegen kennen, der bereits daran arbeitet. Sein Traum ist es, sein eigenes "Eis am Stil" in München zu verkaufen.

Doch nicht nur der große Konkurrent, das Café Großglockner mit original italienischenem Eis, sondern auch die Weltwirtschaftskrise, dämpfen Josefs Träume. Dann verliebt sich seine Tochter Frieda auch noch in den Sohn des größten Konkurrenten und deren jüngere Schwester Lotte hat mit dem Eissalon so gar nichts am Hut....

Inspiriert ist die Geschichte von Josef Pankofer, der das Eis am Stiel in Deutschland bekannt machte. Die historischen Fakten um sein "Jopa-Eis" sind allerdings dünn gesät. Die Autorin konzentriert sich eher auf die fiktive Familiengeschichte. Dadurch reiht sich dieser Roman in das "Allerlei" anderer leichten, sogenannten "historischen" Familiensagen ein, die sich gerade gut verkaufen. Ich lese diese sehr gerne, aber es gibt hier wirklich sehr große Unterschiede was Authentizität und Historie betrifft.

Gefallen hat mir das Münchner Lokalkolorit. Beim Lesen fühlt man sich direkt vor Ort. Auch der manchmal eingefügte bayrische Dialekt trägt zur Authentizität bei. Interessant waren die Hintergrundinformationen rund um die Eisherstellung, die zu dieser Zeit wirklich ein sehr umständlicher Prozess war!

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich gut lesen. Die Geschichte ist sehr kurzweilig geschrieben. Die Figuren sind authentisch. Von manchen hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht, andere sind wiederum sehr ursprünglich und sympathisch, wie Fanny, die Küchenhilfe. Sie ist mir besonders ans Herz gewachsen. Manche Teile der Geschichte leben erst richtig durch ihre Person.
Mit Josef Pankofer hatte ich manchmal Schwierigkeiten. Er ist ein Tüftler und Träumer. Oftmals versinkt er in seiner eigenen Welt und vergisst dabei alles um ihn herum. Seine Sturheit in Bezug auf Frieda und Erich hat mir allerdings nicht gefallen und wirkte mit der Zeit unglaubwürdig.

Was mir weniger gefallen hat, war die Masse an Dramen. Kaum schien es bei den Pankofers bergauf zu gehen, schlägt das Schicksal erneut zu. Vieles wurde mir auch viel zu schnell gelöst.
Ebenso haben sich einige Fehler eingeschlichen. Figuren haben plötzlich andere Namen oder verschiedene Hintergründe. Das darf - meiner Meinung nach - im Lektorat nicht übersehen werden!
Das Cover hat mich hingegen richtig angesprochen und neugierig auf den Roman gemacht.

Fazit:
Ein leicht zu lesender Roman, der sich eher in die Riege "leichte Familiensaga" einreihen lässt und nicht wirklich in die Tiefe geht. Mir waren es vorallem in der zweiten Hälfte zu viele Dramen und Schicksalschläge. Interessant ist die damals noch sehr umständliche Eisherstellung, die den Rahmen der Geschichte bildet.


Vielen Dank an das Bloggerportal von HarperCollins für das Rezensionsexemplar!

[Der Winzerhof] Die goldenen Jahre - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 382 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (16. Januar 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746638135
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746638133
    • Genre: Familiensaga
    • Reihe: ja - Band 3 der Winzerhof Trilogie



Aufbau Kurzbeschreibung:
Wiesbaden, 1956: Die Sektkellerei Herzberg hat schwierige Jahre hinter sich, doch endlich können Henni und ihr Mann Georg expandieren. Bille hat sich von einem Schicksalsschlag erholt und in einen Regisseur verliebt. Sie erwartet Zwillinge, ahnt jedoch nicht, welch schwierige Zeit ihr bevorsteht. Lisbeth, deren Ehe auf tragische Weise enden musste, lernt einen neuen Mann kennen – und sieht nicht, dass er etwas im Schilde führt. Und plötzlich geschieht etwas, das das Leben der Schwestern auf den Kopf stellt und nach dem nichts mehr so sein wird wie zuvor. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im dritten und letzten Teil rund um die Winzerfamilie Herzberg befinden wir uns im Jahre 1956. Die Sektkellerei hat in der letzten Zeit Gewinne erzielt und Henni und Georg überlegen zu exportieren.
Bille hat sich frisch verliebt und erwartet Zwillinge, Lisbeth hingegen sieht dem Ende ihrer Ehe entgegen und hat einfach auch weiterhin kein gutes Händchen mit den Männern und Henni findet wiederum kaum Zeit für ein Privatleben...
Doch auch diesmal schlägt das Schicksal zu. Nicht nur beruflich, sondern vorallem in der Familie geschehen tragische Ereignisse, die das Leben der Schwestern auf den Kopf stellt.

Es war schön wieder bei den Herzbergs vorbeizuschauen und die vertrauten Familienmitglieder anzutreffen. Der locker leichte Schreibstil von Linda Winterberg ließ mich wieder durch die Seiten fliegen. Obwohl es sich um eher leichte Literatur handelt, fesselt die Geschichte. Die Autorin bringt immer wieder unerwartete Wendungen und Dramatik in die Handlung, was den Spannungsbogen erhalten lässt. Die Figuren sind authentisch dargestellt. Nicht alle sind Sympathieträger. 

Die Schauplätze rund um den Rheingau sind wieder sehr bildhaft und detailliert beschrieben, genauso wie die Arbeit in der Sektkellerei, die diesmal aber ein bisschen mehr in den Hintergrund tritt.
Wie auch schon in den vorangehenen beiden Teilen ist auch dieser dritte Teil emotional und dramatisch. Zu viel möchte ich nicht verraten, aber Linda Winterberg schreckt wirklich vor nichts zurück...

Fazit:
Schade, dass die Geschichte um die Herzberg Schwestern nun zu Ende ist. Der Finalband rundet diese Trilogie hervorragend ab und lässt mich auf eine sehr schöne Trilogie zurückblicken, die mir gut gefallen hat.

Die Reihe der Winzerhof-Saga:

  1. Das Prickeln einer neuer Zeit  *Rezi*
  2. Tage des perlenden Glücks  *Rezi*
  3. Die goldenen Jahre  

[Der Winzerhof] Tage des perlenden Glücks - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 375 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (19. Juli 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746638127
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746638126
    • Genre: Familiensaga
    • Reihe: ja - Band 2 der Winzerhof - Saga



Aufbau Kurzbeschreibung:
Wiesbaden, 1951: Zusammen mit ihren Schwestern Bille und Lisbeth konnte Henni die Sektkellerei der Familie durch die schweren Jahre nach dem Krieg bringen, die Marke Herzberg ist in aller Munde. Henni ist glücklich mit Georg verheiratet, der die Sektkellerei leitet, und erwartet ihr erstes Kind. Ihre Erfindung des Piccolo bringt dem Unternehmen weiteren Aufschwung. Lisbeth hat sich neu verliebt, und Bille sucht nach einem schweren Schicksalsschlag ihren Platz im Leben. Eines Tages kehrt Hennis verschollen geglaubter Ehemann zurück. Erneut steht die Zukunft der Schwestern und der Sektkellerei auf dem Spiel. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Wir sind zurück bei den Herzbergs. Der zweite Band rund um die Sektkellerei der Familie spielt einige Jahre nach dem Ende des ersten Bandes.
Der Krieg ist vorüber und es geht langsam wieder bergauf. Henni ist glücklich mit Georg verheiratet und erwartet ihr erstes Kind. Obwohl die Zeiten besser geworden sind, können sich noch immer der Großteil der Menschen keine Luxusgüter wie Sekt leisten. Ein weiterer Schlag für alle Winzer ist die neue Schaumweinsteuer, die die Krise noch verschlimmert.
Mit der Erfindung des Piccolo beweist Henni den richtigen Riecher und bringt wieder Schwung in die Sektkellerei. Nach der Geburt ihres Kindes möchte Georg jedoch, dass Henni etwas zurücktritt, was ihr so gar nicht gefällt. Und dann steht plötzlich der bereits für tot erklärte erste Ehemann vor der Tür...

Lisbeth kehrt aus den USA zurück und will sich mit ihren Schwestern versöhnen. Eine neue große Liebe ändert ihr Leben, doch ihre Vergangenheit erscheint plötzlich als großes Hindernis. Bille hofft weiterhin auf die Rückkehr ihrer großen Liebe. Das geplante Studium der Medizin erscheint ihr plötzlich doch nicht richtig. Als sie einen interessanten jungen Mann kennenlernt, ahnt sie nicht, in welche größeren Schwierigkeiten dieser sie noch bringen wird.

Alle drei Herzberg Schwestern haben es auch im zweiten Band nicht leicht, auch wenn sie in "Tage des perlenden Glücks" wieder etwas mehr zusammenwachsen. Unerwartete Wendungen und Dramatik  halten den Spannungsbogen hoch. Langweilig wird es auf keinen Fall, denn auch im zweiten Teil hält Linda Winterberg wieder jede Menge Schicksalsschläge für ihre Figuren bereit. Irgendwie scheinen die drei Herzberg Frauen ihr Glück nicht zu finden, obwohl dieser Band am Ende etwas versöhnlicher mit zwei der drei Protagoinistinnen umgeht.

Der Schreibstil ist leicht und locker - trotz der Dramatik und der Schicksalsschläge. Die Schauplätze rund um den Rheingau sind wieder sehr bildhaft und detailliert beschrieben, genauso wie die Arbeit in der Sektkellerei.

Fazit:
Leichte Lektüre, die gut unterhält und das Schicksal dreier Schwestern in der Nachkriegszeit schildert. Band zwei hat mir ein bisschen besser als der Vorgänger gefallen und ich bin schon gespannt, was die Autorin für unsere Schwestern im dritten Band bereit hält.

Die Reihe der Winzerhof-Saga:

  1. Das Prickeln einer neuer Zeit  *Rezi*
  2. Tage des perlenden Glücks
  3. Die goldenen Jahre  **erscheint im Januar 2023**

Der Winzerhof - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 381 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (17. Januar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746638119
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746638119
    • Genre: Familiensaga, historischer Roman 
    • Reihe: ja - Band 1 der Winzerhof-Saga



Aufbau Kurzbeschreibung:
Wiesbaden, 1945: Henni steht vor den Trümmern ihres Lebens. Der Krieg hat die Sektkellerei der Familie schwer beschädigt, und Hennis Mann wird in Russland vermisst. Zudem wartet sie verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihrer jüngsten Schwester Bille, die als Krankenschwester an die Front gegangen ist. Hennis Schwester Lisbeth reist aus Berlin an, das Verhältnis der beiden ist allerdings zerrüttet. Als Bille unverhofft zurückkehrt, tief verstört und hochschwanger, fasst Henni neuen Mut: Sie wird die Sektkellerei retten. Doch als dort ein Feuer ausbricht, steht die Zukunft des Familienunternehmens endgültig auf dem Spiel. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Linda Winterberg alias Nicole Steyer, Anke Petersen oder Anna Liebig werdet ihr jedes Jahr mindestens einmal bei mir auf den Blog finden. Nun gibt es eine neue Familiensaga, die in Wiesbaden kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, spielt. Natürlich musste ich den ersten Band "Das Prickeln einer neuen Zeit", der im Januar erschienen ist, gleich in meiner Bücherei vorbestellen.

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende, doch für Henni Herzberg liegt nicht nur die Sektkellerei ihrer Familie in Scherben, sondern auch ihr Glück. Ihr Mann Conrad ist noch immer vermisst, ebenso wie die jüngere Schwester Bille, die als Krankenschwester an die Front gegangen ist. Als auch noch ihr Vater stirbt, erscheint ihre Schwester Lisbeth, die in Berlin mit einem SS-Mann verheiratet war auf der Bildfläche. Doch Lisbeth kommt nicht um Henni zu helfen, sondern um weitere Fordeurngen zu stellen. Verzweifelt versucht Henni die Sektkellerei wieder aufzubauen, doch die bereits verschuldete Firma erhält keinen weiteren Kredit. Die Menschen leiden auch nach Kriegsende noch Hunger und Sekt ist keine Notwendigkeit. Als Bille unverhofft zurückkehrt, erhält Henni etwas Unterstützung gegen Lisbeth, doch auch Bille hat im Krieg sehr viel Leid erfahren und ist traumatisiert. 

Henni ist eine starke junge Frau, die die Familientradition weiterführen möchte. Als Frau stößt sie bei den anderen Unternehmern schnell an ihre Grenzen, obwohl während des Krieges die Frauen "ihren Mann stehen" mussten. Zusätzlich werden ihr von einigen Seiten Steine in den Weg gelegt und das Schicksal meint es mit der Familie ebenfalls alles andere als gut. Ich fand die Schicksalsschläge auf diesen 381 Seiten teilweise richtig geballt....fast zu viel für einen ersten Band einer Familiensaga. Was da wohl noch alles kommen wird?
Die drei sehr unterschiedlichen Schwestern und die damit verbundenen Perspektivwechsel geben dem Roman Würze. Unerwartete Wendungen und Dramatik  halten den Spannungsbogen hoch.

Die Schausplätze sind sehr bildhaft und detailliert beschrieben und ließ die Gegend im Rheintal vor meinen Augen lebendig werden. Dazu hilft wahrscheinlich auch, dass ich selbst in der Nähe eines Weinanbaugebietes entlang der Donau wohne.

Fazit:
Ein dramatischer Start der neuen Familiensaga um die Sektkellerei Herzberg. Die drei sehr unterschiedlichen Schwestern kämpfen jede auf ihre eigene Weise mit- und gegeneinander. Ich bin schon neugierig, wie es im zweiten Band weitergehen wird und hoffe, dass sich die Schicksalsschläge rund um die Herzbergs etwas reduzieren....


Schicksalshafte Zeiten - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    •  Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (18. August 2020)
    • ISBN-10 : 3746635969
    • ISBN-13 : 978-3746635965
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 3 der Hebammen-Saga




Aufbau Kurzbeschreibung:

Berlin, 1942: Der Krieg hinterlässt Spuren in der Stadt. Während Edith ihr Glück fernab der Heimat sucht, arbeitet Luise als Hebamme in der Frauenklinik Neukölln. Als sie erfährt, was mit den Neugeborenen der Zwangsarbeiterinnen geschieht, nimmt sie all ihren Mut zusammen und versucht, sie zu retten. Margot hat eine Stelle im Frauengefängnis angenommen. Als eine junge Schwangere vor ihr steht, die im Widerstand kämpfte und zum Tode verurteilt wurde, weiß Margot, dass sie alles versuchen muss, um sie zu retten. Auch wenn sie sich dabei in Lebensgefahr begibt.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Zehn Jahre sind seit dem letzten Band vergangen. Diesmal stehen Luise und Margot im Mittelpunkt, denn Edith ist in die neutrale Schweiz geflüchtet. Luise arbeitet weiterhin in der Frauenklinik Neukölln, ist jedoch keine Oberhebamme mehr, weil sie sich weigerte der NSDAP beitzutreten. Margot und Luise können ihrer Arbeit in der Klinik nur schweren herzens nachgehen. Die offensichlichen Zwangssterilisationen zur Verhinderung "unwertes Leben" können beide nicht ertragen. Deswegen nimmt sich Luise neben ihrer Arbeit in der Klinik den Neugeborenen von Zwangsarbeiterinnen an. Dabei begibt sie sich auf gefährliches Terrain. Auch Margot versucht der Kontrolle im Krankenhaus zu entgehen und verlässt die VFrauenklinik Neukölln. Sie sucht sich einen nicht minder schwierigen Job und beginnt im Frauengefängnis zu arbeiten und den schwangeren Insassinnen zu helfen. Diesen Frauen bleiben nur wenige Monate für ihre Neugeborenen, bis sie zum Tode verurteilt werden. Schon beim Lesen ist dieses Thema ziemlich heftig und auch Margot geht in ihrem neuen Job fast zugrunde, vorallem nachdem sie sich mit einer jungen Widerstandskämpferin angefreundet hat, die sie unbedingt vor dem Tode retten möchte.

Ich würde raten die Bände der Reihe nach zu lesen, denn die Handlung setzt sich immer weiter fort. Die drei Frauen habe ich seit dem ersten Band, als sie noch junge Mädchen waren, ins Herz geschlosssen. Seitdem verfolge ich gespannt ihren weiteren Lebensweg. Edith, die wegen ihrer jüdischen Herkunft in die Schweiz geflohen ist, tritt diesmal nur durch Briefe an ihre Freundinnen in Erscheinung, während sich der Rest durch Luftangriffe und Überwachung ihrer Tätigkeiten durch diese schlimme und dunkle Zeit schlägt.

Trotzdem war für mich der dritte Band bisher der Schwächste. Es gab jede Menge Wiederholungen und ich hatte oftmals das Gefühl, dass hier einfach nur die Seiten aufgefüllt werden. Trotz der dunklen Zeit und den Gefahren, denen sich die Hebammen aussetzen, empfand ich die Handlung oftmals etwas oberflächlich - besonders im Vergleich zum ersten Teil. Erst mit Luises gefahrenvoller Rettung der Neugeborenen von Zwangsarbeiterinnen und die Auszüge aus dem Frauengefängnis, kommt etwas mehr Spannung und Tiefe in die Handlung. Sonst empfinde ich den dritten Teil eher wie einen klassischen Mittelteil einer Reihe, die oftmals schwächer sind. Die stetig wiederholenden Geburtsbeschreibungen gehören zwar zur Geschichte, erscheinen aber oftmals zu ähnlich....was natürlich auch an der Natur der Sache liegt.
Positiv finde ich die wunderbare Freundschaft der drei Frauen, die auch in Kriegszeiten durch dick und dünn gehen und immer für den Anderen da sind.

Der Schreibstil ist unkompliziert und lässt sich leicht lesen. ich habe mit Luise und Margot mitgefiebert, gehofft und gebangt. Die Autorin ist auch nicht zimperlich mit einigen ihrer Figuren. Schon seit dem ersten Band haben wir so einige Charaktere verloren, die man lieb gewonnen hatte. Nach diesem dritten Teil können wir uns noch auf einen weiteren vierten Band freuen.

Fazit:
Für mich war dieser dritte Teil der bisher schwächste, trotzdem habe ich auch diesmal wieder gerne am Schicksal der drei Freundinnen gerne teilgenommen und freue mich bereits auf den vierten Teil, der hier schon bereit liegt.

 Die Hebammen-Saga:

  1. Aufbruch in ein neues Leben  *Rezi
  2. Jahre der Veränderung  *Rezi*
  3. Schicksalhafte Zeiten  
  4. Ein neuer Anfang

Das Winterkarussell - Anna Liebig

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch : 336 Seiten
    • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag; Originalausgabe Edition (21. September 2020) 
    • ISBN-10 : 373410887X
    • ISBN-13 : 978-3734108877
    • Genre: Roman, Weihnachtsroman



Blanvalet Kurzbeschreibung:
Nachdem die fünfzehnjährige Antonia ihre Mutter bei einem Unfall verloren hat, findet sie sich bei ihrem bislang unbekannten Großvater Otto auf dessen Bauernhof im Taunus wieder. Die Annäherung zwischen dem mürrischen Greis und dem Teenager gestaltet sich schwierig – bis Antonia ein altes Karussell in der Scheune entdeckt. Sie ist ganz verzaubert von dem nostalgischen Fahrgeschäft, und eines Abends beginnt ihr Großvater schließlich zu erzählen: von damals, als er noch ein junger Schausteller war und sich auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt zum ersten Mal im Leben unsterblich verliebte …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Was für ein wunderschöner Weihnachtsroman! Anna Liebig, alias Linda Winterberg oder Nicole Steyer ist dieses Jahr eine ganz besonders herzerwärmende Geschichte gelungen, die mich am zweiten Adventsonntag verzaubert hat. Wenn es dieses Jahr schon nicht möglich ist Adventmärkte zu besuchen, so möchte ich das wenigstens buchtechnisch machen. Deshalb habe ich mich auf den Weihnachtsmarkt in Frankfurt begeben und konnte durch jede Zeile diese besondere Atmosphäre spüren, habe Apfelwein getrunken und Zuckerwatte genascht.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen und zwar in den Jahren 1990 und 1938. In der Gegenwart der neunziger Jahre lernen wir die 15jährige Antonia kennen, die vor Jahren ihren Vater an Krebs verloren hat. Zu Beginn des Romans verunglückt auch ihre Mutter tödlich. Antonia ist plötzlich Vollwaise und muss ins Jugendheim. Sie verliert nach und nach den Kontakt zu ihrer besten Freundin Judith und fühlt sich so verlassen, wie noch nie in ihrem Leben. Als einziger Verwandter wird ihr Großvater Otto gefunden, den sie nie kennengelert hat. Der mürrische alte Mann lebt in einem verschlafenen Ort im Taunus und wusste weder von der Existenz seiner Tochter, noch seiner Enkelin. Der alte Griesgram hat in seiner Scheune ein altes Karussell stehen, das er liebevoll "sein altes Mädchen" nennt. Es ist sein Ein und Alles und hält ihn noch am Leben. Als junger Mann war er Schausteller und tingelte mit seinem Vater und Bruder Gustav von Ort zu Ort. In der Adventzeit standen sie jedes Jahr auf dem Römerberg in Frankfurt, wo er die große Liebe seines Lebens kennenlernte...seine schönste Zeit, mit der er großteils nur gute Erinnerungen verbindet, aber auch Schmerz. Während er als Schausteller von Stadt zu Stadt zog und im Wohnwagen wohnte,  kam seine Angebetete aus den noblen Villenviertels Frankfurts. Keine gute Voraussetzung...
Antonia hofft durch ihren Großvater endlich wieder eine Familie zu bekommen, doch die Annäherung erweist sich als schwierig. Ihren Schmerz und ihre Einsamkeit spürt man durch die Zeilen. Als Antonia auf das Karussell stößt, dringt sie langsam zu ihrem Großvater durch. Langsam öffnen sich beide und geben einander Halt und Zuversicht.
Antonia ist eine starke Protagonistin, die manchmal etwas älter erscheint als ihre 15 Jahre. Sie wächst einem sofort ans Herz. Aber auch Otto versteht man immer besser, nachdem man seine Geschichte besser kennen lernt. Mit Gerda haben wir einen weiteren tollen Charakter, der frischen Wind in die Geschichte bringt.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Otto war nicht immer ein griesgrämiger alter Mann und seine Geschichte hat mich gepackt, durchwegs gefesselt und ein warmes Gefühl in meinem Herzen hinterlassen. Die warmherzige und nostalgische Atmosphäre im Buch hat mir wahnsinng gut gefallen. Aber auch die Story in der Gegenwart, sprich der Neunziger Jahre, mochte ich sehr. Es war wohltuend wieder einmal ein Buch zu lesen, das ohne Handy usw. auskommt. Es wirkt "stiller" und passt einfach perfekt zur Geschichte. Einzig das Ende hätte noch zwanzigSeiten mehr vertragen...es ging fast ein wenig zu schnell...

Wer "Für immer Weihnachten" von der Autorin unter dem Pseudonym Linda Winterberg gelesen hat, trifft auch einen alten Bekannten wieder. Der Leierkastenmann mit seinem Eselchen hat in der Geschichte zwei Kurzauftritte.

Weihnachtsromane dieser Art findet man selten und "Das Winterkarussel" wid immer einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal und in meinem Herzen haben.

Fazit:
Einer der schönsten Weihnachtsromane, den ich bisher gelesen habe. Berührend, nostaligisch und mit einer eher ungewöhnlichen Handlung...perfekt für schöne Stunden im Lesesessel oder auf der Couch mit Plätzchen und einer heißen Schokolade...große Leseempfehlung!

Jahre der Veränderung - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1. (21. Januar 2020)
    • ISBN-10: 3746635683
    • ISBN-13: 978-3746635682
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Hebammen-Saga


Aufbau Kurzbeschreibung:
Berlin 1929: Die drei Freundinnen haben ihren Weg gefunden: Edith arbeitet als Hebamme in der Klinik und in einer Beratungsstelle für Frauen. Margots Leben steht kopf, nachdem sie sich in einen verheirateten Mann verliebt hat, und Luise unterrichtet inzwischen Hebammen-Schülerinnen und stürzt sich ins Nachtleben der schillernden Metropole. Gleichzeitig zeigen sich die Spuren der Weltwirtschaftskrise nur zu deutlich in Berlin. Armut und Leid sind allgegenwärtig. Als Edith ein verlockendes Angebot bekommt, das ihr Leben verändern wird, ist die Freundschaft der drei Frauen auf eine harte Probe gestellt.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der zweite Teil der Hebammensaga startet 1929 und endet im März 1933. Es sind einige Jahre seit dem Ende des ersten Bandes vergangen. Edith, Margot und Luise haben ihre Ausbildung abgeschlossen, arbeiten in derselben Klinik in Neukölln und wohnen auch zusammen. Während Edith als Hebamme in der Klinik arbeitet und nebenher noch eine Beratungsstelle führt, unterrichtet Luise die Hebammen-Schülerinnen. Sie trauert noch immer um ihren Verlobten und stürzt sich in das schillernde Nachtleben Berlins. Margot ist hingegen in Georg, einen verheirateten Arzt verliebt und Edith berät junge Mütter. Dabei beginnt sie die ersten Anfeindungen gegen Juden zu spüren. 
Es ist die Zeit der beginnenden Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit, Kinderarmut und den beginnenden Nationalsozialismus. Der Beginn der Wirtschaftskrise ist allgegenwärtig. Not und Elend nimmt wieder zu. Syphillis und Abtreibungen halten Luise in der Beratungsstelle auf Trab. Ebenso ist die Sterbensrate der Neugeboren sehr hoch. In Kursen zur Säuglingspflege betreten die drei Frauen zu dieser Zeit ebenso Neuland, wie in der Frauenberatungsstelle, die nicht alle gutheißen.


Während wir die drei jungen Frauen als Hebammen begleiten, erleben wir einige dramatische Entwicklungen in ihren Leben, aber auch während ihres Jobs, der allerlei Überaschungen bereit hält. In der Beratungsstelle hat Luise alle Hände voll zu tun, denn viele junge Mädchen werden ungewollt schwanger oder leiden bereits an Syphillis, weil sie anschaffen gehen müssen, um ihre Familie zu versorgen. Einige Szenen in der Frauenklinik waren für mich allerdings eher Wiederholungen aus dem ersten Teil. Die Geburten kamen mir diesmal zwar nicht so "aneinandergereiht" vor, wie im ersten Band und es ging auch diesmal nicht so viel glatt, aber mit der Zeit schlichen sich bei den Beschreibungen einige Längen ein.

Gekonnt bildhaft erzählt hat Linda Winterberg allerdings das schillernde Nachtleben - die vielgepriesenen "goldenen Zwanziger" in Berlin. Der Leser erlebt aber auch die Schattenseiten, die Luise ebenfalls an der Seite eines neuen Freundes spürt.
Die historischen Hintergründe, Frauenfragen, der Flair dieser Zeit, aber auch die Ängste und Sorgen, hat die Autorin wunderbar eingefangen. Ihr Schreibstil ist wie gewohnt lebendig, emotional und bildgewaltig.

Die drei Frauen sind sehr verschiedene Charaktere, die sich oftmals gut ergänzen. Sie entwickeln sich im zweiten Band weiter und sind reifer geworden. Das Trio steht vor einigen schwierigen Entscheidungen, die ihr weiteres Leben beeinflussen wird. Vorallem Edith, die den beginnenden Judenhass immer öfters begegnet, muss sich entscheiden...

Fazit:
Sehr gerne habe ich den Lebensweg der drei Freundinnen weiter verfolgt. Ich bin schon neugierig, wie sie ihr Leben im nächsten Band gestalten werden, wenn der Zweite Weltkrieg näher rückt.
Auch wenn mir noch immer die Bücher rund um die Nightingale Schwestern von Donna Douglas besser gefallen, mag ich diese Reihe sehr und werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen.
 Die Hebammen-Saga:
  1. Aufbruch in ein neues Leben  *Rezi
  2. Jahre der Veränderung
  3. Schicksalhafte Zeiten   *erscheint am 18. August*



Für immer Weihnachten - Linda Winterberg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
    • Verlag: Rütten & Loening; Auflage: 1. (15. September 2017)
    • ISBN-10: 3352009058
    • ISBN-13: 978-3352009051
    • Genre: Weihnachtsgeschichte


Rütten & Loening Kurzbeschreibung:
Frankfurt, 1951: Eva hat ihren Mann im Krieg verloren, ihre kleine Tochter Lotte wurde schwer verletzt. Nun hofft Eva auf einen Neuanfang mit Paul, aber auch ihn lassen die Erlebnisse des Krieges nicht los, und er verschweigt ihr den Grund für seine Weigerung, Weihnachten zu feiern. Dann begegnet Lotte einem Zwergesel, der ihr Leben vollends auf den Kopf stellt. Einen Tag vor Heiligabend steht Eva mit ihrem Kind auf der Straße, und es ist ausgerechnet der kleine Esel, der den beiden zu einem echten Weihnachtswunder verhilft. Doch wird es ihnen auch gelingen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen – und mit Paul eine Familie zu werden?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Frankfurt, 1950. Eva sitzt am Bahnhof und wartet, wie jeden Tag, auf die Rückkehr ihres Mannes Johann, der seit Kriegsende als vermisst gilt. Diesmal entsteigt ein Kriegsgefangener dem Zug, der ihr die Nachricht bringt, dass Johann verstorben ist. Trauer und Schmerz begleiten Evas weiteren Lebensweg und trotzdem hofft sie ein Jahr später auf einen Neuanfang mit Paul. Als Kriegswitwe und Alleinerzieherin ihrer Tochter Lotte kann sie sich kaum ihre kleine Wohnung leisten und so zieht sie zu Paul. Doch je näher die Weihnachtszeit rückt, umso mürrischer und unleidlicher wird er. Auch ihm suchen Kriegserinnerungen heim, die ihn gerade zur Weihnachtszeit besonders schmerzen. Als Lotte überraschend einen kleinen Esel mit nach Hause bringt eskaliert die Situation. Paul setzt Eva und Lotte vor die Tür. August, ein alleinstehender älterer Nachbar nimmt Eva, Lotte und Zwergeselchen Hermann auf und gemeinsam entdecken sie den Zauber der Weihnacht. Doch kann er auch Pauls Herz erweichen?
 
Nicht ganz 200 Seiten ist diese herzerwärmende Weihnachtsgeschichte lang und hat mir eine wunderbare Lesezeit voller bewegender Momente hinterlassen. Man blickt tief in die Seele von Menschen, die durch den Krieg geliebte Angehörige verloren haben oder noch immer an Kriegstraumata leiden und die durch etwas Nächstenliebe und einem kleinen Mädchen und einem Esel wieder Hoffnung erhalten.
Ein Roman, der sich etwas von anderen Weihnachtsgeschichten abhebt, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Viele von ihnen haben versucht das wohlige Gefühl dieser Zeit und generell den Sinn von Weihnachten näher zu bringen und haben es aber nur teilweise geschafft. In "Für immer Weihnachten" verzaubert Lotte und ihr kleiner Esel Hermann dem Leser auf ganz besondere Art. Beide bringen etwas Fröhlichkeit in die manchmal traurige Geschichte. Es geht um Hoffnung und Vergebung und vorallem um Zusammenhalt. Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte, die das Leserherz berührt.

Fazit:
Eine wundervolle und herzerwärmende Weihnachtsgeschichte - perfekt für die (Vor-)weihnachtszeit! Und wer sie noch nicht kennt, der sollte sie spätestens im Advent 2020 lesen!


Die Kinder des Nordlichts - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 224 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (13. September 2019)
    • ISBN-10: 3746635055
    • ISBN-13: 978-3746635057
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Weihnachtsroman 
    • Reihe: ja - Band 2 zu "Das Haus der verlorenen Kinder"



Aufbau Kurzbeschreibung:
Marie musste ohne Familie aufwachsen, und erst nach langer Suche findet sie die Gründe dafür tief in der deutschen Geschichte. Nun will sie ihrer norwegischen Freundin Elin helfen, mehr über ihre Wurzeln zu erfahren, was sich aber schwieriger als gedacht gestaltet. Dennoch wagen die beiden jungen Frauen mit einem kleinen Café im winterlichen Wiesbaden einen Neuanfang. Und beim Backen von Zimtschnecken und Lussekattern aus dem Rezeptbuch von Elins Großmutter zeichnet sich auf einmal ab, dass sie vielleicht doch eine Familie gefunden haben.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Linda Winterberg alias Nicole Steyer alias Anke Petersen hat nach ihrem großartigen Roman "Das Haus der verlorenen Kinder" eine kleine weihnachtliche Fortsetzung geschrieben. Dieses, nur knapp 200 Seiten fassende Sequel, sollte man auch nur als dieses ansehen, denn auf diesen wenigen Seiten reicht es bei weitem nicht an die Vorgängergeschichte heran.

In "Kinder des Nordlichts" treffen wir wieder auf Marie, der Enkelin von Lisbeth/Betty aus "Das Haus der verlorenen Kinder". Von ihr muss sich Marie für immer verabschieden, nachdem Betty in ihrem norwegischen Heimatdorf verstorben ist. Ihre Freundin Elin hat ebenfalls erst ihre Großmutter verloren, mit der sie gemeinsam ein Café geführt hat. Nach ihrem Tod wird der Mietvertrag nicht mehr verlängert und Elin steht vor einer ungewissen Zukunft. Als Marie nach Deutschland zurückkehrt, schlägt sie Elin vor mitzukommen und nach ihrem Großvater zu suchen. Sowohl Marie's, als auch Elin's Großmütter waren norwegische Frauen, die sich mit den damaligen deutschen Besatzern eingelassen haben. Beide Frauen haben ihre damalige große Liebe aber nie vergessen. In Deutschland wollen die beiden Frauen einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Ich hatte eigentlich angenommen, dass wir nun Elin begleiten werden, die den Spuren der Vergangenheit nachgeht und ihrem Großvater sucht. Sie trifft auch kurz auf ihn, aber danach geht es nur mehr über die Errichtung eines kleines Cafes, das eine Erinnerung an Norwegen sein und ebensolches Flair verbreiten soll. Der Gedanke ein neues Leben in Wiesbaden aufzubauen und sich ein kleines Stück Norwegen mitzunehmen findet bei beiden jungen Frauen schnell Gefallen. Bei Gertrud, Maries ehemaliger Arbeitskollegin und Freundin, finden die beiden Frauen erstmal Unterschlupf. Durch eine glückliche Fügung wird ihnen ein ehemaliger Geschäftsraum angeboten, der mit Hilfe von Freunden und Bekannten umgebaut wird. Bald rückt ihr gemeinsamer Traum immer näher und der Eröffnung des Cafès steht nichts mehr im Wege....oder doch? ...

Leider gibt es meiner Meinung nach bei der Umsetzung der Geschichte etwas zu viele Zufälle. Das Café wird etwas zu schnell und reibungslos eröffnet, auch wenn die eine oder andere böse Überraschung doch noch hinter einer Ecke lauert.
Die Suche nach Elins Wurzeln kam viel zu kurz und wurde erst am Ende zu schnell und zu beiläufig abgehandelt. Manches passiert wie im Zeitraffer, was auch den wenigen Seiten (197 Seiten ohne Rezepte und Leseprobe eines anderen Romans) geschuldet ist.
Der Zusammenhalt von Maries und Elins alten und neuen Bekannten, die ihnen ihre Hilfe bei der Umsetzung des Café anbieten, hat mir hingegen sehr gefallen. Auch die vorwinterliche Atmosphäre wurde wunderschön eingefangen. Das gemeinsame Backen und die norwegischen Rezepte lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Zusätzlich gibt es immer wieder Rückblenden, Gedanken und Erinnerungen an Marie`s Zeit mit Betty. Man spürt wie sehr sie ihre Großmutter vermisst, die sie eigentlich nur wenige Jahre kannte. Marie ist von Selbstzweifeln geplagt und lässt niemand richtig an sie ran. Elin hingegen besitzt mehr Mut und Stärke und findet sich auch schnell in Deutschland zurecht.

Die Geschichte lässt sich locker und schnell lesen, auch wenn sie manchmal doch sehr vorhersehbar ist. Ein paar Seiten mehr hätten dem Roman gut getan, allerdings ist das Buch nur als weihnachtliches Sequel gedacht. Auf den letzten Seiten gibt es noch Rezepte aus der norwegischen Küche.
Man muss den Vorgänger dabei nicht unbedingt gelesen haben, aber wer ihn nicht kennt, dem kann ich "Das Haus der verlorenen Kinder" wirklich ans Herz legen.

Fazit:
Ein winterlicher Kurzroman, der leider nicht an die anderen Romane der Autorin heranreicht. Linda Winterberg kann es wirklich viel besser und hat ein weihnachtliches Sequel erschaffen, das nicht wirklich viel mit dem Vorgängerband zu tun hat. Nett zu lesen und mit wundervollen Rezepten gespickt, aber leider nicht mehr.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Aufbruch in ein neues Leben - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (12. Juli 2019)
    • ISBN-10: 3746635462
    • ISBN-13: 978-3746635460
    • Genre: Historischer Roman 
    • Reihe: ja - Band 1 der großen Hebammen Saga



Aufbau Kurzbeschreibung:
Berlin 1917: Edith, Margot und Luise könnten unterschiedlicher nicht sein, als sie sich bei der Hebammenausbildung kennenlernen. Was sie jedoch verbindet, ist ihr Wunsch nach Freiheit und Selbständigkeit – als Flucht vor dem dominanten Vater, vor der Armut der Großfamilie oder den Schatten der Vergangenheit. In einer Zeit, in der die Welt im Kriegs-Chaos versinkt, ist die Sehnsucht nach Frieden genauso groß wie das Elend, mit dem die drei Frauen täglich konfrontiert sind. Aber sie geben nicht auf, denn sie wissen, dass sie jeden Tag aufs Neue die Chance haben, Leben zu schenken …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit "Aufbruch in ein neues Leben" startet Linda Winterberg ihre neue Trilogie rund um drei junge Frauen, die sich in Berlin, Neukölln, des Jahres 1917 als Hebammen ausbilden lassen möchten. Luisa, Edith und Margot kommen aus sehr unterschiedlichen Schichten, haben aber denselben Berufswunsch.

Luisa hat früh ihre Eltern verloren und ist bei ihrer Großmutter in Ostpreußen aufgewachsen. Schon als Kind begleitete sie die Landhebamme zu den Hausgeburten und ging ihr dabei zur Hand. Damit sie selbst einmal praktizieren darf, benötigt sie allerdings eine fundierte Ausbildung mit Zeugnis.
Margot kommt aus ärmlichen Verhältnissen und bekommt durch die Fürsorge die Möglichkeit eine bezahlte Ausbildung zu erhalten. Sie hofft damit ihrer Mutter und den Geschwistern finanziell unter die Arme zu greifen. Ebenfalls möchte sie ihrem Leben eine neue Richtung geben.
Edith hingegen kommt aus einer reichen jüdischen Unternehmerfamilie. Für eine Frau aus der Oberschicht ist ein Beruf nicht erwünscht, doch Edith möchte die Ausbildung ohne dem Einverständis ihrer Eltern durchziehen.

Linda Winterberg hat mit dem Auftakt ihrer Trilogie rund um die drei Hebammenschülerinnen ein sehr interessantes Thema aufgegriffen. Mit Begeisterung habe ich bereits die Reihe rund um die Nightingale Schwestern von Donna Douglas gelesen. Noch habe ich mir ein paar Bände davon aufgehoben und deshalb habe ich mich sehr gefreut eine ähnliche Thematik in Linda Winterbergs neuem Roman zu finden. Während man bei Donna Douglas in London kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Schwesternschülerinnen begleitet, ist man hier in Berlin während des Ersten Weltkrieges. Die Ausbildung zur Hebamme steht ebenfalls im Kontrast zu derjeningen als allgemeine Krankenschwester. In diesem Roman steht vorallem die Geburtshilfe und die medizinische Versorung der Mütter und der Neugeborenen im Mittelpunkt, denn die Säuglingssterblichkeit liegt zu dieser Zeit bei 18%.

Die drei sehr unterschiedlichen Frauen freunden sich im Laufe der Ausbildung immer mehr an. Während man zu Beginn jede von ihnen besser kennenlernt, verfolgt man gespannt ihren gemeinsamen Weg. In den Wirren des Krieges werden sie mit allerlei Leid konfrontiert, aber auch eigene Schicksalschläge muss die eine oder andere am eigenen Leib erfahren. Hunger, Not und Kälte sind im letzten Kriegsjahr allgegenwärtig. Die Spanische Grippe findet ebenso Erwähnung, wie den Versuch durch die politische Umwälzungen den Krieg zu beenden.
Die Charaktere sind sehr individuell und lebendig beschrieben. Man bangt, leidet und freut sich mit den Frauen mit. Hier entsteht sofort Kino im Kopf.

Während mich der Beginn und das Ende fesseln konnten, hatte der Mittelteil für mich manchmal einige Längen. Ich hatte des öfteren das Gefühl, dass vieles zu glatt geht und die Aneinanderreihung der Geburten hatten den Charakter einer Aufzählung. Hier hätte ich mir etwas weniger Geburten, dafür auch ein bisschen mehr drumherum gewünscht, wie mehr Alltag aus der Hebammenausbildung.
Doch schon bald war ich wieder gefangen in der Geschichte. Vorallem im letzten Drittel wird der Roman genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte...voller Intensität und Dramatik, die fesselt und berührt.

Die Handlung wird sehr realitätsnah erzählt, wobei man leider auch den einen oder anderen liebgewonnen Charakter loslassen muss. Ich sage nur: Taschentücher bereithalten! Und auch das Ende hat einen bittersüßen Beigeschmack, wenn man weiß wie es geschichtlich weitergehen und was den drei Frauen noch bevorstehen wird. Ich freue mich schon auf Band 2, der im Januar erscheinen wird.

Schreibstil:
Der Schreibstil, der unter Pseudonym schreibenden Autorin, ist sehr lebendig, bildgewaltig und emotional. Ihre Figuren sind authentisch und individuell. Innerhalb kurzer Zeit habe ich mich mit den drei Freundinnen mitgelitten und mitgefreut. Das Kopfkino kommt sehr schnell in Fahrt.
Linda Winterberg alias Nicole Steyer hat wie gewohnt wieder vortrefflich recherchiert. Im Nachwort erfahren wir noch einige Fakten zur Gründung der ersten Hebammenlehranstalt in Neukölln und einen kleinen Einblick in die Zeit des Ersten Weltkrieges.

Fazit:
Ein gelungener Auftakt der Hebammenreihe, der mich unterhalten und in das letzte Kriegsjahr des ersten Weltkrieges mitgenommen hat. Obwohl mir die Reihe rund um die Nightingale Schwestern von Donna Douglas noch immer besser gefällt, liest sich Band 1 rund um Margot, Edith und Luise wirklich sehr gut. Neben der Ausbildung und der Freundschaft der drei Frauen wird ebenso auf die politischen Hintergründe eingegangen. Ich freue mich schon auf den Nachfolgeband.


Die verlorene Schwester - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 448 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 2. (9. November 2018)
    • ISBN-10: 3746634520
    • ISBN-13: 978-3746634524
    • Genre: Familiensaga, Gegenwartsliteratur



Aufbau Kurzbeschreibung:
Bern, 1968: Nach dem Tod des Vaters werden die Schwestern Marie und Lena der kranken Mutter von der Fürsorge entrissen. Die Mädchen werden getrennt und an Pflegefamilien „verdingt“, bei denen sie schwer arbeiten müssen. Als eine der beiden schwanger wird, soll ihr das Baby weggenommen zu werden. Doch sie will die Hoffnung nicht aufgeben, mit ihrem Kind in Freiheit zu leben – und auch ihre Schwester wiederzufinden. Jahre später zeigt sich eine Spur, die nach Deutschland führt.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Das Thema Verdingkinder war mir bis zur Lektüre des neuen Romans von Linda Winterberg nicht bekannt. Was sind Verdingkinder? Um 1800 wurden in der Schweiz Waisen oder Scheidungskinder an Pflegefamilien abgegeben. Je weniger Kostgeld die Pflegeeltern wollten, umso eher erhielten sie Kinder zugeteilt. Diese mussten hart arbeiten - oft auf Bauernhöfen als Knecht oder Magd - und wurden geschlagen und sogar missbraucht. Die Verdingkinder wurden geächtet und auch in der Schule gemobbt. Zarte Kinderseelen, die ihre Eltern verloren hatten und darunter litten, wurden gequält und als Abschaum behandelt. Alleine, wenn ich diese Zeilen hier tippe, werde ich so wütend und frage mich immer wieder, wie man hilflosen Kindern so etwas bis in die 1980iger (!) antun konnte. Dass die Zeit dieser unmenschlichen Vorgehensweise noch gar nicht so lange zurückliegt, macht mich sprachlos. Ich bin selbst in den späten 1960iger Jahren geboren und mich erschreckt es zutief, dass mir dieses Schicksal ebenso drohen hätte können, wenn ich in der Schweiz geboren und einen Elternteil verloren hätte.

So ergeht es Lena und Marie, die 1968 zu Halbwaisen werden. Nachdem ihr Vater, ein Schuster verstirbt, fällt die Mutter der Mädchen in eine tiefe Depression. Hilfe gibt es weder für die Witwe, noch für die Kinder - im Gegenteil. Marie und Lena sind auf sich alleine gestellt bis eine Nachbarin ihre Mutter bei der Behörde denunziert. Daraufhin werden ihr die Mädchen weggenommen und zuerst ins Kinderheim und darauffolgend in ein Erziehungsheim, das von Nonnen geführt wird, gesteckt. Ein wahrer Alptraum für die Mädchen, der jedoch noch nicht zu Ende ist. Die Nonnen trennen die Schwestern und geben sie zu unterschiedlichen Pflegefamilien. Lena wird einer Bauersfamilie zugeteilt und muss hart arbeiten. Der Sohn der Familie stellt ihr nach und zu Essen gibt es kaum etwas. Marie scheint es besser getroffen zu haben. Sie kommt zu einer gottesfürchtigen Familie, die einen Blumenladen führt und darf eine Ausbildung als Floristin beginnen. Doch auch ihr Leben ändert sich bald dramatisch. Beide Schwestern erleben schlimme Schicksale....

Im Gegenwartsstrang lernen wir die Investmentbankerin Anna kennen. Sie findet zufällig in den Unterlagen ihrer Eltern, dass sie adoptiert wurde. Die Unzufriedenheit in ihrem Job und die plötzliche Identitätskrise steckt Anna nur schwer weg. Sie begibt sich auf die Suche nach ihrer wahren Mutter, doch die Spurensuche ist alles andere als einfach...

Die beiden Erzählstränge hat die Autorin gekonnt ineinander verflochten. Erst nach und nach lüftet sich ein Geheimnis ums andere. Als Leser kann man manchmal einfach nicht glauben, was diesen armen Kinderseelen alles angetan wird. Die Erzählung rund um Lena und Marie ist aufwühlend und emotional. Sie sind dem Schicksal hilflos ausgeliefert. Die Geschwister leiden unter der Trennung und wissen nicht, was mit der jeweils anderen passiert ist. Beide Mädchen verlieren über all die Jahre aber nie die Hoffnung ihre Schwester wiederzufinden. Die Stärke, die beide an den Tag legen, ist bewundernswert! Schon beim Lesen war ich oft den Tränen nahe und konnte nicht glauben, was Lena und Marie alles durchmachen müssen.
Die Geschichte von Lena und Marie ist stellvertretend für das Schicksal vieler Verdingkinder und sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Der Gegenwartsstrang hingegen hat mich eher wenig berüht. Mit Anna konnte ich mich nicht wirklich identifizieren und auch bei der Suche nach ihrer leiblichen Mutter bin ich ihr nicht wirklich näher gekommen. Ich hatte auch das Gefühl, dass hier einige Nebensächlichkeiten zu detailliert erzählt, während wichtige Details pauschaliert wurden. Die schlechte Beziehung der Adoptivmutter zu Anna fand ich etwas klischeehaft.

Schreibstil:
Die unter Pseudonym schreibende Autorin historischer Romane hat einen sehr emotionalen Schreibstil, der mich immer wieder an ihre Bücher fesselt. Ihre besonderen Themen, denen sie sich unter den Namen Linda Winterberg widmet, sind wahnsinnig gut recherchiert und aufwühlend. 
Die Charaktere in der Vergangenheit sind sehr authentisch und ich litt und fühlte mit ihnen mit.

Fazit:
Der Roman beinhaltet ein dunkles Thema der Schweiz, das lange tot geschwiegen wurde. Dank Geschichten wie dieser, wird das Schicksal der Verdingskinder wieder aufgegriffen. Der Vergangenheitsstrang ist berührend und hat mich sprachlos zurückgelassen. Der Gegenwartsstrang konnte mich hingegen nicht ganz überzeugen. Deshalb gibt es 4 1/2 Sterne, statt 5. Auf jeden Fall ist es ein Roman, der einem noch lange nachdenklich zurücklässt. Ich empfehle ihn gerne weiter!


Unsere Tage am Ende des Sees - Linda Winterberg



    • Taschenbuch: 432 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (6. November 2017)
    • ISBN-10: 3746633540
    • ISBN-13: 978-3746633541
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Aufbau Kurzbeschreibung:
Nach fünfundzwanzig Jahren der Trennung steht Hanna plötzlich zum ersten Mal wieder ihrer Mutter gegenüber. Damals sah Hanna keinen anderen Ausweg, als von ihrem Zuhause fortzugehen – und ließ damit auch Alexander zurück, ihre erste große Liebe. Einen Sommer lang trafen sie sich Tag für Tag auf dem Steg am Ende des Sees. Ihre Flucht ermöglichte Hanna ein neues Leben, doch Alex hat sie nie vergessen. Und nun findet sie heraus, dass auch er nicht aufgehört hat, an sie zu denken ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Hanna fällt in ein tiefes Loch nachdem ihr Mann Maurice vor ein paar Monaten tödlich verunglückt ist und nun Tochter Christina für ein Auslandsjahr in die USA geht. Das gemeinsame Haus in Hamburg steht zum Verkauf, da es für Hanna zu viele Erinnerungen birgt. Sie bringt auch die Kraft nicht auf, zurück in ihren Job zu gehen und überlegt, wie ihr zukünftiges Leben aussehen soll. Da erhält sie nach 25 Jahren eine Nachricht von ihrer Mutter auf ihrer Mailbox. Soll sie zurückrufen und sich bei ihr melden? Damals hat Hanna jeglichen Kontakt zu ihr abgebrochen. Ungern erinnert sie sich an ihre Jugendzeit zurück. Wie es zu diesem großen Bruch kommen konnte wird im zweiten Erzählstrang, der im Jahre 1990 spielt, erzählt.

"Unsere Tage am See" ist das erste Buch von Nicole Steyer, die hier unter ihrem Pseudonym Linda Winterberg schreibt, das in der Gegenwart spielt bzw. im Vergangenheitsstrang nur 25 Jahre zurück, in die Neunziger Jahre, geht. Die damals 16jährige Hanna erlebt zu dieser Zeit ihre erste große Liebe, die ihr Halt gibt. Ihre Mutter Gabi ist seit der Trennung von ihrem Vater in eine tiefe Depression verfallen und greift immer mehr zur Flasche. In der Folge verliert sie ihre Arbeit und gerät in eine teuflische Spirale, aus der sie sich nicht mehr befreien kann. Hanna ist vollkommen auf sich gestellt und trägt eine sehr schwere Last auf ihren Schultern. Als Tochter einer Alkoholikerin ist sie im kleinen Dorf schnell ausgegrenzt. Statt dem Teenager und der Mutter zu helfen, erleben die Beiden nur Gehässigkeiten. Bis auf ihre Nachbarin Erna, ihrem Onkel Max und ihrer großen Liebe Alex hat Hanna keinerlei Unterstützung....

Bei mir dauerte ein bisschen, bis ich richtig in die Geschichte hineinfinden konnte, doch dann ist man wirklich mitten drin. Anfangs erlebt man Hanna in der Gegenwart. Durch die Rückkehr ins kleine Dorf bei München Verfolgt der Leser die ersten zaghaften Annäherungsversuche. Beide versuchen ihre schwierige Mutter-Tochter Beziehung aufzuarbeiten. Immer wieder denkt Hanna auch an ihre verlorene Liebe von damals. In ihrer Einsamkeit beherrscht Alex noch immer ihre Gedanken, besonders seit sie wieder zurück in München in ihrem ehemaligen Elternhaus ist. Als sie im Briefkasten beim Bauwagen am See Briefe von Alex findet, die er ihre jahrelang geschrieben hat, hofft sie auf ein Wiedersehen...

Die Autorin hat eine sehr bewegende Geschichte geschrieben, die sich näher mit der Krankheit des Alkoholimus auseinandersetzt. Dabei erzählt Winterberg sehr offen und ohne Beschönigung über die Suchtkrankheit. Man spürt die Verzweiflung der jungen Hanna, die ihrer Mutter beisteht, zwischen den Zeilen. Immer wieder keimt Hoffnung auf, doch die Enttäuschung folgt schon kurz hinterher. Die ganze Verwantwortung liegt auf ihren jungen Schultern. Nur ihre junge Liebe zu Alex, den sie regelmäßig am nahegelegenen See trifft, ist ihr einziger Lichtblick und gibt ihr Kraft.

Die Charaktere sind sehr lebendig. Die Gefühlswelt von Hanna wird in beiden Handlungssträngen sehr realistisch dargestellt. Sowohl Gabi, als auch Hanna, stellen sich nicht ihren Problemen, sondern flüchten vor ihnen. Die Versuche, sich damit auseinanderzusetzen, scheitern. Das Lügengebäude wird immer höher und droht zusammenzubrechen.....
Auch die wenigen Nebencharaktere waren überzeugend dargestellt. Mit der liebenswürdigen, aber auch sehr neugierigen Nachbarin Erna, hat die Autorin einen zusätzlichen tollen Charakter erschaffen.

Den Schluss fand ich etwas abrupt und hier hätte ich mir gerne noch ein paar mehr Erklärungen gewünscht. Auf der anderen Seite kann man sich als Leser auch sehr in die Geschichte und die Emotionen hineinversetzen und kann seine eigenen Spekulationen über das Ende anstellen. Es ist kein vollständiges offenes Ende, sondern die Autorin lässt nur einen kleinen Teil unbeantwortet. Damit kann ich leben!

Schreibstil:
Linda Winterberg schreibt sehr flüssig und einnehmend. Die Autorin konnte mich mit ihrer emotionalen Erzählweise an die Seiten fesseln. Die Charaktere sind authentisch und wurden sehr realistisch dargestellt. Die beiden Erzählsträngefinden in der Folge perfekt zueinander.

Fazit:
Eine bittersüße und bewegende Geschichte um Problembewältigung, Sucht und eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Die angesprochene Liebesgeschichte bildet den roten Fanden im Buch, bleibt aber sehr im Hintergrund. Kein Heile-Welt-Roman, sondern mehr Drama mit einem Schuss Gefühl.

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar, an Lovelybooks für die Leserunde und an die Autorin für die interessanten Inputs.

 

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