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Mademoiselle Marthe und die Küche der Freiheit - Ulrike Renk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 592 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (14. März 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746640555
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746640556
    • Genre: historischer Roman, zwei Zeitebenen 

     

Aufbau Kurzbeschreibung:
1889: Marthe wächst auf einem Hof in den Vogesen auf, ihre Großmutter bringt ihr bei Brot zu backen, ihre Mutter, eine hervorragende Köchin, wie man aus den einfachsten Zutaten wunderbare Gerichte zaubert. Als sie mit ihrer Mutter nach Paris zieht, taucht sie in eine neue Welt ein. Nicht nur lernt sie einen Mann kennen, der ihr aller Gegensätze zum Trotz den Hof macht, sie erkennt auch, dass ihr das Schreiben genauso viel Freude macht wie das Kochen. Doch wird es ihr gelingen, sich in der männerdominierten Welt der französischen Küche zu behaupten? Bestsellerautorin Ulrike Renk erzählt das spannende Leben von Marthe Distel –Journalistin und Gründerin der renommiertesten Kochschule Le Cordon Bleu. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von Ulrike Renk habe ich bereits einige großartige Romane gelesen, darum war ich auf ihre neue Geschichte über Marthe Distel, der Journalistin und Gründerin der renommiertesten Kochschule, neugierig. Ich muss zugeben, dass ich selbst keine gute Köchin bin und ich habe auch noch nie von Le Cordon Bleu gehört. Umso neugieriger war ich nun mehr über Marthe Distel zu erfahren.

Marthe lebt, gemeinsam mit ihrer Mutter Julie, bei ihrer Großmutter Joséphine in den Vogesen. Der kleine Hof wird von den Frauen bewirtschaftet und so lernt Marthe bereits von klein auf zu kochen. Die Nahrungsmittel werden nach den Jahreszeiten verbraucht und die Frauen erzeugen selbst aus wenigen Zutaten ein leckeres Essen. Marthe lernt, wie man mit Rohstoffen und Lebensmittel umgeht, Vorräte anlegt und haltbar macht. Fleißig notiert sie alles in ihr Notizheft.
Julie möchte jedoch, dass Marthe eine ordentliche Schulausbildung erhält. Sie nimmt deshalb eine Stelle als Hauswirtschafterin bei einer großbürgerlichen Familie in Paris an. Marthe bekommt die Möglichkeit gemeinsam mit Florence, der Tochter des Hauses, das Lyzeum zu besuchen. Die beiden Mädchen werden - trotz des Standesunterschiedes - gute Freundinnen. Marthe möchte später unbedingt Journalistin werden, auch wenn sie weiß, dass es für Frauen besonders schwer ist, in diesem Beruf Fuß zu fassen.
Aber auch hervorragende Köchinnen, wie Julie, haben es im Paris des späten neunzehnten Jahrhunderts schwer, denn in der Stadt war der Beruf des Kochs nur Männern vorbehalten. Bald erkennt aber die Familie, welche Perle sie sich ins Haus geholt haben und Julie erhält im Haushalt eine Sonderstellung.

Der Roman erzählt lange über das Leben von Marthe als junge Frau und auch über ihre Fertigkeiten in der Küche, die sie von ihrer Mutter und Großmutter gelernt hat. Bildreich werden die einfachsten Handgriffe, wie Kartoffel schälen, Gemüse putzen oder Zwiebel schneiden beschrieben. Ohne Kühlschrank und elektrischen Herd war es damals nicht so einfach. Umso interessanter liest sich ist die Zubereitung einfacher, aber auch raffinierter Speisen, die sehr detailreich beschrieben werden. Hunger sollte man beim Lesen auf keinen Fall haben!

Die Schauplätze in Paris und in den Vogesen sind sehr bildhaft beschrieben und ich hatte das Gefühl immer mit dabei gewesen zu sein. Sehr spannend ist auch das Thema rund um die Pariser Weltausstellung und der Ablehnung des Eisenturmes von Gustav Eifel. Mit einem Schmunzeln habe ich gelesen, das geplant war den Eifelturm wieder zu entfernen.

Das Verhältnis der drei Frauen, Marthe, Julie und Joséphine, zueinander empfand ich als sehr eng - vorallem zur Großmutter. Die wechselnden Perspektiven geben dabei einen besonders guten Einblick. Allerdings dauert es relativ lange, bis wir an den Punkt kommen, der Marthe berühmt gemacht und sie ihr Wissen aus der Küche und den Journalismus miteinander verbunden hat.
Die Gründung der Kochschule kommt erst im letzten Drittel zu Sprache, was ich etwas schade fand. Dabei erfahren wir auch mehr über Marthes Vorbild, Auguste Escoffier, der die Küche und Ausbildung der männlichen Köche revolutioniert hat.

Ulrike Renk hat ihren Roman in fünf Abschnitte, benannt nach einem 5-Gänge-Menü aufgeteilt. Wir beginnen mit einem Amuse-Gueule, es folgt das Entrée und die warme Vorspeise, danach die Hauptspeise und dem anschließenden Dessert. Bon appétit!

Fazit:
Eine gelungene Erzählung über Marthe Distel, die für mich unbekannte Gründerin der berühmtesten Kochschule Le Cordon Bleu und ihr Leben. Ulrike Renk erzählt dieses in einer packenden Geschichte rund um die französische Kochkunst, die damals nur den Männern offen stand.


Eine Familie in Berlin - Ulrike Renk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 501 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (16. August 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746635551
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746635552
    • Genre: Historischer Roman, Familiensaga
    • Reihe: ja - Band 1 der Berlin Familiensaga



Aufbau Kurzbeschreibung:
Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts. Sie nennen ihn "Merlin", weil er alle verzaubert – der Mann, den ihr Bruder ihr als seinen Freund vorstellt. Paula Oppenheimer, die in einem offen jüdischen Haushalt groß geworden ist, verliebt sich in den jungen Dichter Richard Dehmel. Er verkehrt mit vielen Literaten und will als Künstler leben. Paula wird zu seiner Muse und zur strengen Kritikerin seiner Texte. Als sich ihre Eltern gegen ihre Verbindung stellen, kämpft Paula für ihre Liebe. Doch dann muss sie sich fragen, ob Richards wilde, unkonventionelle Art sie auf Dauer glücklich machen kann … Das Porträt einer Künstlerin in unruhigen Zeiten: Am Anfang war sie die Ehefrau des Dichters Richard Dehmel – dann wurde sie selbst zur Schriftstellerin.

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Von Ulrike Renk habe ich bereits die Seidenstadt Reihe und ihre Australien-Saga mit Begeisterung gelesen. Nun startet die Autorin eine neue Reihe, deren erster Band mich leider nicht richtig fesseln konnte.

Ulrike Renk erzählt die Geschichte um Paula Oppenheimer, die wir von Kindesbeinen an begleiten. Als älteste Tochter wächst sie gemeinsam mit ihren drei Geschwistern wohlbehütet am Rande Berlins auf. Uhr Bruder Franz ist ihr "Seelenbruder", zu dem sie eine ganz besonders enge Beziehung hat. Der Vater ist Prediger und Lehrer einer jüdischen Reformgemeinde. Trotzdem fehlt es der Familie an Geld. Daher bieten die Oppenheimers wenige Räume ihres Hauses zur Untermiete an. Als Paula von einem Untermieter belästigt wird, zieht die Familie die Konsequenzen. Kurze Zeit später bietet die kinderlose Schwester von Paulas Mutter, Tante Auguste, der Familie an Paula zu sich als Gesellschafterin zu holen. Sie möchte die junge Frau fördern und unterstützen.

Bis dahin hat mir der Roman noch ganz gut gefallen, der in erster Linie Paulas Lebensweg aufzeigt. Die zarte Liebesgeschichte, bei der Paula zuerst vordergründig Muse ist, kommt erst im letzten Drittel zum tragen. Ich mochte auch Tante Auguste, die der talentierten Pianistin eine so große Chance bietet. Sie fördert Paula ungemein und fordert sie immer wieder auf ihren eigenen Kopf zu benutzen. Jedes Jahr nimmt sie die oft kränkelnde Paula mit an die Ostsee, wo Auguste ein Häuschen in Ahrenshoop mietet und wo sich Paula erholen soll. Die Meerluft tut ihr gut. Paula schreibt viele Briefe und spielt Klavier.
Ab diesen Abschnitt wird es leider langweilig und nachdem Paula Richard Demel kennenlernt, wird es teilweise ermüdend, aber auch sehr aufwühlend. Wie diese gegensätzlichen Emotionen passen? Tja, Richard ist ein Narzisst und weiß sich in Szene zu setzen. Dabei nutzt er die Menschen aus, wo er nur kann. Wie er Paula behandelt, hat mich ganz besonders im letzten Drittel so derartig zornig gemacht, dass ich das Buch am liebsten an die Wand geschmissen hätte!
Man muss hier der Autorin applaudieren, dass sie mir trotz der sich ziehenden Handlung, solche starken Emotionen herauslocken konnte.

Die detailreichen Schilderungen zeigen ein authentisches Bild der damaligen Zeit. Ulrikes Renk's Schreibstil ist wie immer sehr lebendig und eindringlich. Ihr letzter Roman hat von mir 5 Sterne bekommen...
In "Eine Familie in Berlin" kommt dieser Schreibstil auch zum Tragen, dennoch finde ich, dass man mindestens 1/3 der Geschichte hätte kürzen können. Vieles wiederholt sich oder bringt die Geschichte nicht weiter. Die zahlreichen Briefe, die zwar historisch belegt sind und Authentizität verleihen sollen, wirken ermüdend und verstärken die Längen im Roman. Mich hat leider dieses poetische Gesülze darin, überhaupt nicht angesprochen. Ich weiß, dass zu dieser Zeit anders korrespondiert wurde und es oftmals die einzige Gelegenheit war den zukünftigen Mann besser kennenzulernen, aber hier verleiht es der Geschichte einfach nur zähe Längen. Ich hätte mir mehr Spannung und Tempo gewünscht.
 

Erst zum Ende hin fand ich die Handlung etwas spannender, was allerdings den Roman auch nicht mehr retten konnte. Dementsprechen lange habe ich auch für diese Rezension benötigt. Mir tut es unendlich leid, dass ich den Roman nicht besser bewerten kann, denn ich habe bisher alle Bücher der Autorin sehr gerne gelesern.

Fazit:
Das war diesmal leider gar nicht mein Buch, obwohl ich sonst die Romane von Ulrike Renk wirklich liebe. Zu viele Längen und Wiederholungen machten es mir schwer in die Geshcichte zu finden und anzukommen. Auch mit den Hauptprotagonisten wurde ich nicht wirklich warm. Trotz der hervorragenden Recherche der Autorin kann ich keine wirkliche Leseempfehlung abgeben. Es tut mir wirklich leid!

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für ihre Geduld mit mir.

[Seidenstadt Reihe] Träume aus Samt - Ulrike Renk

    Die Bildrechte lieben beim Verlag



    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; 1. Auflage (18. August 2020)
    • Taschenbuch: 576 Seiten
    • ISBN-10: 3746636981
    • ISBN-13: 978-3746636986
    • Genre: Famliensaga, Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 4 


Aufbau Kurzbeschreibung:
August, 1940. Amerika soll für Ruth Meyer und ihre Familie das Land der Freiheit werden. Endlich haben sie es geschafft, aus Europa zu fliehen. Doch wird man sie als deutsche Juden in der Fremde willkommen heißen? Die Zeichen stehen zunächst nicht zum Besten. Kaum am Hafen angekommen fällt Ruths Vater auf Betrüger herein. In Chicago, der vorerst letzten Station ihrer Odyssee, versucht Ruth sich einzurichten und Arbeit zu finden. Immer sind ihre Gedanken bei ihren Verwandten, die in Deutschland zurückbleiben mussten. Bald aber hat sie noch andere Sorgen. Ein junger Mann wirbt um sie – leider ist er Soldat und muss in die Hölle des Krieges, der sie gerade entkommen ist.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Diese Famliensaga sollte ausschließlich der Reihe nach gelesen werden!

Meine Meinung:
Mit Band vier ist nun die Seidenstadt Reihe um die Familie Meyer abgeschlossen. Wehmütig habe ich nach den letzten Seiten das Buch zugeklappt. Ulrike Renk hat mit ihrer Tetralogie nach dem Tagebuch von Ruth Meyer eine wirklich wundervolle und sehr emotioanle Reihe geschrieben, die uns direkt in die schreckliche Zeit der Judenverfolgung zurückversetzt.
Hat mich der erste Band noch etwas zwiespältig zurückgelassen, wurde die Geschichte mit der Zeit und mit jedem Band interessanter, spannender und emotionaler. Das liegt daran, dass Ruth im ersten Band noch ein Kind ist und man sie noch durch das "normale" Leben begleitet. Erst mit dem Ende des ersten Bandes kommen die ersten Repressalien gegen die Juden und auch gegen die Meyers auf. Ulrike Renk hatte zuerst vor eine Trilogie zu schreiben, doch daraus wurde schlussendlich eine Tetralogie und das ist perfekt so!

Im letzten Band stehen die Meyers kurz vor der Ausreise in die Vereinigten Staaten. Noch nicht einmal in den USA angekommen, fällt Karl gleich zweimal auf einen Betrüger herein und verliert dadurch einiges von seinem gesparten Geld. Endlich in Chicago angekommen, bekommen sie Hilfe von befreundeten Familien, die Deutschland bereits vor Jahren verlassen haben. Totzdem ist es für die Meyers schwer sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Für die jungen Leute ist es einfacher sich an die neue Lebensart zu gewöhnen. Karl tut sich hingegen sehr schwer, vorallem bei der Arbeitssuche. Er kann kaum Englisch sprechen und sieht extrem schlecht. Karl leidet sehr darunter, dass er seiner Familie nicht mehr den gewohnten Standard bieten kann. Zusätzlich hält er verbissen an den strengen Regeln aus Deutschland fest. Ruth, obwohl fast volljährig, darf kaum aus dem Haus, sich nicht schminken, was für die amerikanischen Mädels Alltag ist und trotzdem ist sie es, die als Erste eine Stelle findet und die Lebenserhaltungskosten für die gesamte Familie einbringt. Wieder einmal muss sie zurückstecken und darf ihre Träume nicht leben. Was habe ich mit Ruth mitgelitten, besonders nach der Aufnahmeprüfung für das College....

Sehr interessant fand ich wieder die Erklärungen von Ruth an ihre amerikanischen Freundinnen was das Judentum angeht. Viele wissen nicht einmal was Juden sind und dass sie Opfer der deutschen Nazis sind. Als die USA ebenfalls in den Krieg eintritt, kann es schon mal dazu kommen, dass Ruth und ihre Familie als Feinde angesehen werden - wie sie es schon in England erlebt haben.

Für mich war das Wiedersehen mit Ruth und ihrer Familie wieder ein tolles Leseerlebnis. Ulrike Renk hat auch in diesem Band neben der Anpassung der Lebensumstände, auch einiges an historischen Begebenheiten miteingewoben. Der Angriff auf Pearl Habour, der Eintritt der USA in den Weltkrieg, aber auch Modeneuheiten, die überkitschte Weihnachtszeit in den Staaten oder die langsame Einbürgerung des Staubsaugers in die gehobenen Haushalte. Es gibt auch wieder einen Blick nach Deutschland zu Ruths Großeltern und zur Familie Aretz. So erfährt der Leser auch mehr über ihr Schicksal.

Am Ende gibt es einen Epilog aus dem Jahre 2019, bei dem die Nachfahren von Ruth und Ilse zu einer Geburtstagfeier zusammenkommen. Die Autorin gibt den Lesern noch einen kleinen Rückblick, was mit den Familienangehörigen passiert ist.
Im Nachwort erklärt Ulrike Renk was Tatsachen aus dem Leben der Familie Meyer sind und was Fiktion.

Fazit:
"Träume aus Samt" ist ein großartiger Abschluss dieser Reihe, die sich von Band zu Band gesteigert hat und bei mir einen würdigen Platz im Bücherregal bekommen wird. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
 
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie an Ulrike Renk für die wundervolle Begleitung.

 Die Seidenstadtreihe: 
  1. Jahre aus Seide  *Rezi*
  2. Zeit aus Glas  *Rezi*
  3. Tage des Lichts *Rezi*
  4. Träume aus Samt

[Seidenstadt Reihe] Tage des Lichts - Ulrike Renk

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Taschenbuch: 576 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (21. Januar 2020)
    • ISBN-10: 3746635667
    • ISBN-13: 978-3746635668
    • Genre: Familiensaga, historischer Roman 
    • Reihe: ja - Band 3 der Seidenstadt Saga



Aufbau Kurzbeschreibung:
England, 1939. Ruth hat es geschafft – sie hat die nötigen Papiere für ihre Familie besorgt, die endlich nach England ausreisen darf. Zusammen wollten sie alles in Bewegung setzen, um ihre Verwandten noch nachzuholen. Aber dann erklärt England Deutschland den Krieg. Ruth wähnte sich bislang in Sicherheit, aber was geschieht, wenn die Deutschen das Land nun angreifen? Sie setzt alles daran, dass sie zusammen nach Amerika fliehen können. Doch der Krieg droht ihre Pläne zunichtezumachen ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Die Bände sollten der Reihe nach gelesen werden!

Meine Meinung:
Ulrike Renk meinte ihr dritter Teil der Seidenstadt-Saga um die jüdische Familie Meyer sei ihr ruhigster. Dem kann ich nicht ganz zustimmen, denn ich hatte den 576 Seiten dicken Schmöker wirklich schnell durch. Die Geschichte ist fesselnd erzählt. Es mag zwar stimmen, dass es nicht viele große Spannungsmomente gibt, aber man durchlebt mit Ruth und ihrer Familie all die Ängste und Gefühle in dieser schrecklichen Zeit. Zusätzlich erfährt man mehr über die politische Lage und die Entwicklung aus der Sicht von Großbritannien bis es zum Kriegseintritt kommt.

Ruth hat im Vorgängerband alles daran gesetzt, dass sie ihre Familienangehörigen nach England nachholen kann. Nun wartet sie noch immer am Bauernhof der Sanderson auf eine positive Nachricht. Die Lage in Deutschland spitzt sich immer mehr zu und es kommt zum Krieg. Ruth erlebt diese Zeit unter größter Anspannung. Zusätzlich zu ihrer Furcht, die Eltern und ihre Schwester nicht schützen zu können, arbeitet sie jeden Tag bis zur totalen Erschöpfung am Hof mit. Olivia Sanderson behandelt sie wie ein Sklavin, doch Ruth benötigt das Arbeitsvisum, damit sie in England bleiben kann. Als ihre Elterne und kleine Schwester noch rechtzeitig, bevor England Deutschland den Krieg erklärt, in London ankommen, ist sie erstmals erleichtert und erleidet die Schikanen von Olivia mit noch größerer Geduld als zuvor. Sie weiß, nach einem Jahr kann sie gehen und Amerika ist noch immer das Ziel der Meyers.
Doch nicht nur Olivia Sanderson macht ihr das Leben schwer. Als Großbritannien in den Krieg einsteigt, erlebt sie von einigen Engländern Anfeindungen, die sie nur als Deutsche sehen und nichts von den Verhaftungen und Schikanen an den Juden wissen. Für sie ist nun auch Ruth der Feind, obwohl sie eigentlich denselben haben...
Eine große Hilfe ist Edith Nebel, die den Juden in Großbritannien und auch noch in Deutschland zu helfen versucht. Ihr Mann hat als deutscher Botschafter einige wenige Möglichkeiten, die Edith für die Geflüchteten einsetzt.

Ulrike Renk blendet in ihrer Geschichte einige Mal nach Deutschland zurück, wo sich die Lage immer mehr zuspitzt. Ihre Großeltern, Tante Hedwig und vorallem Kusin Hans, sowie auch die Familie Aretz erleben mehr oder weniger die Übergriffe der NSDAP-Anhänger und der Gestapo, die sie überwachen und schikanieren. Die beiden Familien schreiben sich zwar regelmäßig, doch die Briefe kommen nie bei den Empfängern an. Die quälende Unsicherheit, was mit den Meyers in England und auf der anderen Seite dem Rest der Familie in Krefeld passiert, macht allen schwer zu schaffen.

 „...Warum tut niemand etwas dagegen? Die Welt müsste doch aufstehen, müsste sich erheben gegen Hitler und seine Schergen...“

Sehr interessant ist auch die Sichtweise Großbritanniens, die zuerst die Hinhaltetaktik benutzen, bis dies nicht mehr möglich ist und es auch zu einem Wechsel an der Spitze des Premierministerpostens kommt. Die Ängste, die Ruth zu dieser Zeit durchmacht, werden äußerst gefühlvoll und plastisch beschrieben. Zuerst die Furcht um ihre Eltern, danach die Angst von der deutschen Wehrmacht und dazu die körperliche sehr anstrengende Arbeit im Haus und auf dem Feld. Aus dem etwas verwöhnten Mädchen aus der Oberschicht, ist eine zupackende und zu schnell erwachsen gewordene junge Frau geworden, die nicht so schnell aufgibt.

Wie bereits oben erwähnt, lebt dieser dritte Band vorallem von der Atmosphäre und der Gefühlswelt der Protagonisten, sowie vom geschichtlichen Hintergrund dieser grausamen und schlimmen Zeit.
Ulrike Renk erzählt sehr eindringlich, wie es der Familie Meyer weiter ergangen ist.
Im Nachwort erfährt der Leser weitere Fakten über ihre Nachforschungen, über Wahrheit und Fiktion.
Ich freue mich schon auf den abschließenden vierten Band, der voraussichtlich auf See und in den USA spielen wird.

Fazit:
Obwohl dieser Teil der Familiensaga um die jüdische Familie Meyer ruhiger als die beiden Vorgänger ist, finde ich die Reihe von Band zu Band interessanter und spannender. Ich freue mich schon auf den Abschlussband im August.

Die Seidenstadtreihe: 
  1. Jahre aus Seide  *Rezi*
  2. Zeit aus Glas  *Rezi*
  3. Tage des Lichts 
  4. Träume aus Samt (erscheint im August 2020)

[Seidenstadt Reihe] Zeit aus Glas - Ulrike Renk




    • Taschenbuch: 488 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1. (14. Juni 2019)
    • ISBN-10: 3746634997
    • ISBN-13: 978-3746634999
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Seidenstadt Reihe


Aufbau Kurzbeschreibung:
1938: Nach der Pogromnacht ist im Leben von Ruth und ihrer Familie nichts mehr, wie es war. Die Übergriffe lasten schwer auf ihnen und ihren Freunden. Wer kann, verlässt die Heimat, um den immer massiveren Anfeindungen zu entgehen. Auch die Meyers bemühen sich um Visa, doch die Chancen, das Land schnell verlassen zu können, stehen schlecht. Vor allem wollen sie eines: als Familie zusammenbleiben. Dann passiert, wovor sich alle gefürchtet haben: Ruths Vater wird verhaftet. Ruth sieht keine andere Möglichkeit, als auf eigene Faust zu versuchen, ins Ausland zu kommen: Nur so, glaubt sie, ihren Vater und ihre Familie retten zu können …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der zweite Teil der Seidenstadt Reihe, in der Ulrike Renk die Familiengeschichte der jüdischen Familie Meyer erzählt, beginnt wo Teil 1 endete: bei der Reichskristallnacht.
Diese bringt für Ruth, ihre Eltern und ihre kleine Schhwester Irene große Veränderungen mit sich. Ihr Haus und sämtliches Mobilar ist mutwillig zerstört worden, sodass es unbewohnbar geworden ist und sie auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen sind. Nach diesen schweren Angriffen auf die jüdische Bevölkerung haben die Wände Ohren und niemand kann sich mehr sicher fühlen. Viele Juden glauben noch daran, dass sich trotzallem Hitler und seine Schergen nicht durchsetzen können, während andere versuchen das Land zu verlassen. Ruth und ihre Eltern haben bereits eine Ausreiseerlaubnis in die USA, doch die Nummer auf der Warteliste ist so hoch, dass dies frühestens in 2-3 Jahren möglich wäre. Der allwissende Leser weiß bereits, dass dies zu diesem Zeitpunkt nicht mehr machbar sein wird und auch die Meyers fühlen, dass sie sobald wie möglich das Land verlassen sollten. Martha, Ruths Mutter, ist dieser Situation nicht gewachsen und verfällt in Depressionen. Vater Karl kommt ins Gefängnis. Die Verantwortung liegt nun großteils auf Ruth's Schultern. Sie erhält Hilfe von der befreundeten arischen Familie Achatz, sowie von Ruths Tante Hermine. Letztere hat jedoch ähnliche Sorgen nachdem ihr Mann nach Palästina ausgewandert ist und nur für Sohn Hermann ein weiteres Visa erhalten hat. Hermann bleibt jedoch bei seiner Mutter in Deutschland.....

Der Einstieg in Band 2 ist mir leicht gefallen und sehr schnell hatte ich wieder den Inhalt aus "Jahre aus Seide" im Kopf. Der Titel den aktuellen zweiten Bandes "Zeit aus Glas" ist perfekt gewählt, denn auf den fast 500 Seiten ist man sich als Leser der Ungewissheit und der Angst dieser Zeitepoche immer bewusst. Ulrike Renk hat diese sehr ausführlich dargestellt und das beklemmende Gefühl hervorragend transportiert. War Ruth im ersten Band noch Kind und wurde auch ihre Sichtweise von der Autorin noch kindlich dargestellt, ist sie nun knapp 18 Jahre alt und trägt fast die ganze Verwantwortung der Familie auf ihren Schultern. Oft hatte ich das Gefühl, dass einzig Ruth das Unheil kommen sieht, während der Rest der Familie in Depression verfällt oder aus Unglauben die Augen verschließt.
Die Wandlung von Martha, Ruth's Mutter, die im ersten Band eine starke und moderne Frau war, fand ich erschreckend. Statt für ihre Kinder da zu sein, bürdet sie der Ältesten, noch zusätzlich zu den vielen Einschränkungen durch die Nazis, die volle Verantwortung über die Familie auf. Für Ruth endet damit ihre Kindheit und sie muss sehr schnell erwachsen werden. Auch Vater Karl kam mir in diesem Teil ziemlich hilflos vor, bevor er ins Gefängnis wandert. Ruth hingegen gewinnt an Stärke, lässt aber immer wieder in liebevollen Dialogen mit ihrer Schwester Irene durchblicken, dass sie am Ende ihrer Kräfte ist, aber stark bleiben muss. Ruth beginnt einen Plan zu schmieden, indem sie ihrer Familie helfen möchte Deutschland früher zu verlassen....

Mit viel Einfühlungsvermögen erzählt Ulrike Renk über die Repressalien, denen die Juden ausgesetzt wurden. Dabei ist dies erst der Beginn der gewollten Auslöschung der jüdischen Bevölkerung durch die Nazis. Mir hat dieser zweite Teil der Reihe um einiges besser gefallen als Band Eins und ich freue mich schon auf die weiteren Bände.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft und atmosphärisch. In diesem Band ist er der nun fast erwachsenen Ruth angepasst, während er im ersten Teil noch kindlich war. Die Charaktere sind sehr authentisch und detailliert beschrieben. Jeder von ihnen macht eine Entwicklung durch - ob zum Besseren oder Schlechteren.
Zu Beginn gibt es wieder ein Personenregister. Im Nachwort erzählt Ulrike Renk mehr über die Tagebücher von Ruth Meyer, die für sie die Quelle zu dieser Reihe sind. Die Autorin zeigt auf, was Wahrheit ist und was ihrer Fantasie entsprang - aber auch wie schwer es ihr oft fiel die Tagebuchaufzeichnungen von Ruth zu lesen.

Fazit:
Eine ergreifende und wunderbare Fortsetzung der Familiengeschichte um die jüdische Familie Meyer. Ulrike Renk hat die die Atmosphäre nach der Reichskristallnacht besonders authentisch eingefangen. Für Band 2 hat mir wesentlich besser gefallen als der erste Teil der Reihe und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für die wunderbare Begleitung bei der Leserunde.

Die Seidenstadtreihe: 
  1. Jahre aus Seide  *Rezi*
  2. Zeit aus Glas
  3. Tage des Lichts (erscheint am 20, Januar 2020)

Jahre aus Seide - Ulrike Renk



    • Taschenbuch: 576 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1. (7. Dezember 2018)
    • ISBN-10: 3746634415
    • ISBN-13: 978-3746634418
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 der Seidenstadt-Saga)

 
Aufbau Kurzbeschreibung:
1932: Ruth hat eine unbeschwerte Jugend. Die meiste Zeit verbringt sie in der Villa des benachbarten Seidenhändlers Merländer. Sie ist fasziniert von den kunstvoll bedruckten Stoffen, lernt Schnittmuster zu entwerfen und Taschen und Zierrat zu fertigen. Und sie begegnet Kurt, ihrer ersten großen Liebe. Als die Nazis an die Macht kommen, scheint es für sie keine Zukunft zu geben, denn sie sind beide Juden. Kurts Familie trägt sich mit dem Gedanken auszuwandern, auch Ruth soll gegen ihren Willen ihr Elternhaus verlassen. Und dann kommt der Tag, an dem das Schicksal ihrer Familie in Ruths Händen liegt.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die neue Familiensaga von Ulrike Renk hat biografische Züge. Zugrunde liegt das Tagebuch von Ruth Meyer, welches die Autorin zum Anlass nahm und die bewegende Geschichte der jungen Frau niederschrieb.

Gleich vorweg: Man sollte bedenken, dass dieser erste Band in den Jahren 1926 bis 1938 spielt und Ruth in weiten Teilen des Romans noch ein Kind ist. Es ist ein Trilogieauftakt, der anders ist, als die Bücher in denen es um jüdische Familien geht. In diesen Romanen steigt der Leser meistens um das Jahr 1936 ein, wo die Repressalien gegen die Juden bereits beginnen oder begonnen haben. Hier sind wir viel früher dabei und begleiten Ruth als Kind. Deswegen ist der Einstieg eher ruhig und dies bleibt auch ungefähr die Hälfte des Buches so. Man verfolgt größtenteils den Alltag der Familie Meyer. Als Einstieg in die Trilogie fand ich diese Darstellung der behüteten Kindheit, die erst spät endet, gut gewählt, jedoch war auch mir der Part um Ruths Kindheit etwas zu lang und ereignislos.

Vater Karl ist ein erfolgreicher Schuhverkäufer, der oft die ganze Woche unterwegs ist. Mutter Martha ist Hausfrau und erhält Unterstützung vom Kindermädchen Leni und der Köchin Regina Jansen. Sie möchte ihren Töchtern eine bessere Mutter als ihre eigene sein. Chauffeuer Hans Aretz wird sehr schnell unersetzlich und gehört bald zur Familie. Ruth und ihre kleine Schwester Ilse wachsen sehr behütet auf. Man erfährt wie Ruth nähen lernt, sich mit der Tochter aus dem Nachbarhaus anfreundet und sie durch Rosie auch christliche Bräuche kennenlernt. Es gibt viele Gesellschaften bei Familie Meyer und man sollte beim Lesen nicht hungrig sein, denn gegessen wird viel und gut. Die jüdische Familie ist allseits beliebt und weltoffen. Sie praktiziert den jüdischen Glauben nur am Sabbath und zu Channukah und sie haben Freunde aus unterschiedlichen Schichten und Religionen. Gefallen hat mir der Einblick in die jüdischen Traditonen und wie die Autorin gekonnt den Unterschied (besonders an Weihnachten) zwischen Christen- und Judentum aufzeigt. Hier habe ich viel Neues und Interessantes erfahren.

Der Zwiespalt der jüdischen Bevölkerung, die sich dem steigenden Judenhass gegenüber sieht und wie unterschiedlich die Menschen darauf reagieren, wird hier sehr deutlich dargestellt. Einige sehen die Gefahr sehr schnell, die von der NSDAP ausgeht und bemühen sich rechthzeitig Deutschland zu verlassen. Viele sind aber gutgläubig und wollen lange nicht wahrhaben, was in ihrer Heimat geschieht. Sie können sich die brutale Vorgehensweise, die Vertreibung und die Endlösung nicht vorstellen - was ich absolut nachvollziehen kann. Wir als allwissender Leser kennen die Geschichte, doch ich weiß nicht wie gefährlich ich die Situaion damals eingeschätzt hätte.
Ulrike Renk zeigt sehr genau auf, wie schwierig es für die Judenn war eine Ausreisegenehmigung zu bekommen und wie manche Menschen jahrelang darauf warten mussten.

Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und wachsen einem schnell ans Herz. Ruth ist aufgeweckt und neugierig. Sie ist in der nicht-jüdischen Schule beliebt und geht offen auf jeden zu. Ihre Ausdrucksweise fand ich allerdings nicht immer ihrem Alter angemessen. Ihre kleine Schwester Ilse ist eher ängstlich und schüchtern. Sie bleibt lieber alleine und hat auch nur wenige Freunde.

Auch die Großeltern väterlicherseits, Wilhelmine und Valentin, sowie die sehr kühle Großmutter Emilia, die als strenge und herrische Geschäftsfrau das ganze Gegenteil ihrer warmherzigen Tochter Martha ist, werden sehr lebendig dargestellt. Bis zum kleinsten Nebencharakter hatte ich alle Figuren vor Augen und konnte sie mir gut vorstellen.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist eher einfach und dem Alter von Ruth angepasst. Er ist flüssig und obwohl der Roman einige Längen hat, lässt er sich gut lesen. Die eher große Schrift trägt ebenfalls dazu bei.
Ulrike Renk hat sich für ihren Roman viel Zeit genommen und hervorragend recherchiert. Der Umschwung der politischen Lage wird ausgezeichnet wiedergegeben. Die Atmosphäre ist hervorragend eingefangen.
Zu Beginn des Buches gibt es ein Personenregister. Am Ende findet man ein interessantes Nachwort der Autorin, in dem sie erzählt, wie sie auf die Lebensgeschichte von Ruth Meyer gestoßen ist.

Fazit:
Ein noch unspektakulärer Beginn der Reihe, der einigen Längen beinhaltet, jedoch im letzten Drittel sein Potential entfaltet. Für die folgenden Teile erhoffe ich mir mehr Handlung, interessante Wendungen und Spannung. Ich werde sicherlich auch Band 2 lesen, denn ich bin neugierig wie es mit den Meyers weitergeht....

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovely Books, sowie an die Autorin für die nette Begleitung und die Informationen zur Geschichte

Das Versprechen der australischen Schwestern - Ulrike Renk



    • Taschenbuch: 608 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (17. Juni 2016)
    • ISBN-10: 3746632110
    • ISBN-13: 978-3746632117
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 3




Aufbau Kurzbeschreibung:
Drei Schwestern, zwei Kontinente: Jede der drei ist ihren Weg gegangen. Elsa arbeitet in Sydney, Mina hat nach Jahren endlich ihren heimlichen Verlobten William geheiratet, und Carola lebt glücklich mit Werner in Hamburg. Doch dann ist ihr aller Glück in Gefahr: Nicht nur ein Todesfall erschüttert die Familie in ihren Grundfesten, sondern es bricht auch der Erste Weltkrieg aus. Plötzlich leben Carola, Elsa und Mina in verfeindeten Ländern. Wird das Band, das die drei Schwestern zusammenhält, stärker sein als die Schatten des Krieges?

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Band 3 "Das Versprechen der australischen Schwestern" kann auch ohne Vorkenntnisse des ersten Teils gelesen werden. Wie immer empfehle ich aber die Reihenfolge einzuhalten.

Meine Meinung:
Letztes Jahr habe ich Band 2 rund um die deutschstämmige Familie Lessing in Australien gelesen, die mir sehr gut gefiel, aber für mich doch einige Fragen zu viel offen ließ. Mit Band 3 schließt die Geschichte nun sehr rund ab und hat viele meiner Fragen beantwortet. Ein toller Abschluss der Trilogie, den ich nur empfehlen kann!

Die Autorin erzählt über einen Zeitraum von 20 Jahren die weiterführende Geschichte der Lessings und te Kloots. Diesmal stehen Carola, Elsa und Mina im Vordergrund der Familiensaga. Obwohl sich Carola in Deutschland gut eingelebt und regen Briefkontakt zu ihren Schwestern Elsa und Mina, sowie zu Großmutter Emilia hat, bedrückt sie großes Heimweh. Ihr Platz in der gehobenen Schicht lässt ihr zwar ein viel sorgenfreieres Leben als ihren australischen Verwandten, aber die Sehnsucht nach Down Under bringt sie nah an eine Depression. Mina, die nach langen Jahren des Wartens endlich ihren William Black heiraten darf, zieht zu ihm in die Pfarrgemeinde und Elsa kämpft um ihre Liebe zu Otto. Auch Billy, Elsas kleiner Bruder und der beste Freund Ottos, hat diesmal eine sehr wichtige Rolle.
Während in Deutschland die ersten politischen Unruhen beginnen und der erste Weltkrieg vor der Tür steht, erleben Mina und Elsa ihre eigenen Hochs und Tiefs in Australien. Als jedoch der Krieg ausbricht stehen sich Deutschland und Australien als Feinde gegenüber. Auch die deutschstämmigen Familien müssen sich entscheiden, ob sie kaisertreu sind oder dem Commonwealth angehören wollen. Obwohl Australien nicht unmittelbar am Krieg beteiligt ist, fordert dieser auch Opfer in der Familie Lessing.
Auch die Aborigines und dessen Geschichte sind wieder ein großes Thema. Besonders durch Mina's Handlungen, die sich mit William den Menschen im Reservat annimmt, erzählt uns die Autorin über die geplante Ausrottung der Ureinwohner Australiens. Ein trauriges Kapitel des Kontinents!
Gerne hätte ich etwas mehr über den ersten Weltkrieg gelesen, der für die Familie eigentlich eine große Rolle spielt, vorallem durch Carola, die in Deutschland direkt im Zentrum des Geschehens sitzt. Dieser wird jedoch eher am Rande gestreift, obwohl der Konflikt zwischen den verfeindeten Ländern da gewesen wäre.

Obwohl ich die Protagonisten bereits aus Band 2 kannte, musste ich doch hin und wieder nach vorne zum Familienstammbaum blättern. Die vielen ähnlichen Namen verwirren immer noch. Da es sich aber um reale Charaktere handelt, konnte die Autorin die Namen nicht ändern.
Andererseits war es wieder toll mit den Lessings und te Kloots mitzufiebern und den großartigen Familienzusammenhalt durch die Zeilen zu spüren. Während ich im zweiten Buch das Band zwischen den Geschwistern nicht richtig spüren konnte, sondern mehr das Gefühl hatte lauter Einzelgeschichten zu lesen, war es im Abschlussband ganz anders. Man spürt die tiefe Verbundenheit zwischen den Geschwistern, Tanten und zur Großmutter sehr gut.
Die Autorin hat diesmal auch das Thema Homosexualität aufgegriffen, die Vertreibung bzw. Ausrottung der Aborigines und das damalige Tabuthema Sex vor der Ehe.

Nachdem ich selbst mit Band 2 in diese Familiensaga eingestiegen bin, werde ich mir nun den ersten Band "Die Australierin" zulegen und nachlesen, wie Großmutter Emilia nach Australien gekommen ist....

Charaktere:
Die unterschiedlichen Charaktere und Lebenswege von Mina, Carola und Elsa sind sehr authentisch und vielschichtig beschrieben. Man fühlt ihre Ängste und Sorgen, die Trauer um einen geliebten Menschen oder den Zorn gegen politische Machenchaften.

Schreibstil:
Ulrike Renk hat wahre und fiktive Begebenheiten gekonnt verknüpft. Die Geschichte ist atmosphärisch und sehr dicht und trotzdem fliegt man nur so durch die 600 Seiten und fiebert mit den einzelnen Familienmitgliedern mit. Durch die vielen, aber keineswegs langweiligen, Alltagszenen wirkt die Familie authentisch.
Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sind mit Ort und Datum gekenntzeichnet. So weiß man sofort, ob man sich in Deutschland oder Australien befindet und wie viel Zeit vergangen ist.
Auch die sehr bildhaften Beschreibungen des australischen Hinterlandes, der Kultur der einheimischen Aboriginies und deren Bräuche, sind gelungen.

Fazit:
Der Abschlussband der Familiensaga hat mich absolut überzeugt und die Familie Lessing - te Kloot hat nun einen fixen Platz in meinem Herzen. Eine wunderbare Geschichte, trotz vieler verwirrender Namen, wobei der vorangestellte Stammbaum eine große Hilfe bedeutet. Ich kann diese Trilogie wirklich empfehlen!

 
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Die Reihe rund um die Familie Lessing:
  1. Die Australierin
  2. Die australischen Schwestern *Rezi hier*
  3. Das Versprechen der australischen Schwestern

Die australischen Schwestern - Ulrike Renk



    • Taschenbuch: 509 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (21. August 2015)
    • ISBN-10: 3746631203
    • ISBN-13: 978-3746631202
    • Genre: historischer Roman 
    • Reihe: ja - Band 2



Aufbau Kurzbeschreibung: 
Australien, 1891. Das Leben von Carola, Mina und Elsa verändert sich schlagartig, als ihre Mutter kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes stirbt. Während Carola, die Älteste, ins ferne Deutschland geschickt wird, bleiben Mina und Elsa in Australien. So unterschiedlich sich die Lebenswege der drei jungen Frauen auch entwickeln, eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie geben nicht auf, wenn es darum geht, für ihre Träume zu kämpfen.

Eine hochemotionale Saga um das Leben dreier außergewöhnlicher Schwestern – nach einer wahren Geschichte. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Darum geht's:
Der Folgeband zu "Die Australierin" von Ulrike Renk hat mich ins ferne Australien geführt. Wer den ersten Band der Reihe - so wie - ich noch nicht gelesen hat, lernt die Familie Lessinng kennen, die aus Deutschland nach Australien ausgewandert sind. In "Die australischen Schwestern" geht es vorwiegend um die Kinder und Enkelkinder von Emilia und Carl Gotthold Lessing die Hauptprotagonisten aus Band Eins.
Nach dem Tod von Minnie (Wilhelmine) Lessing, verheiratete de Kloot, wird die älteste Tochter Carola zur Schwester ihres Vaters nach Deutschland geschickt, während ihre vier Geschwister in Australien bei den Großeltern in Sydney bleiben. Carola ist verzweifelt und fühlt sich anfangs im fernen Deutschland sehr einsam. Ihre kinderlose Tante Mathilde ist ihr fremd und obwohl sie alle Annehmlichkeiten erfährt, bleibt ihr Herz im Australien. Auch Mina und Elsa vermissen ihre Schwester, die viel Zeit bei ihren Tanten verbringen. Doch alle drei Mädchen vernindet ein ganz besonderes Band...

Meine Meinung:
Obwohl ich "Die Australierin" nicht gelesen habe, hatte ich sehr schnell Zugang zur Familie Lessing. Nur die oft sehr ähnlichen Namen haben mich ziemlich lange irritiert und ohne den Stammbaum am Anfang des Buches, wäre ich wohl aufgeschmissen gewesen. Das hat leider auch den Lesefluss ziemlich gebremst. Wer den ersten Teil bereits gelesen hat, hat bestimmt weniger Probleme die Figurenkonstellationen zu durchblicken. Da es sich aber teilweise um eine wahre Geschichte handelt, konnte die Autorin die Namen nicht ändern, was uns Leserinnen der Leserunde sicher sehr geholfen hätte.

Band 2 "Die australischen Schwestern" kann ohne Vorkenntnisse des ersten Teils gelesen werden.

Das Hauptaugenmerk des Romanes liegt bei den drei Schwestern Carola, Mina und Elsa, wie uns der Titel bereits suggeriert. Während Carola bereits als Achtjährige die weite Reise nach Deutschland antreten muss, weil ihr Vater bankrott ist und seine Kinder verkaufen will, bleiben ihre Geschwister vorerst bei den Großeltern, die sich liebevoll um ihre Enkel kümmern. Die kleine Elsa ist bei der Abreise von Carola erst 2 Jahre alt und hat nur wenige bis gar keine Erinnerungen an Carola. Mina, die zweitälteste Schwester, verbringt viel Zeit bei ihrer Tante Till, die mit dem kaltherzigen Joseph verheiratet ist. Und Elsa hält sich während der Schulferien auf der Schafstation ihrer Tante Lily und ihrem Cousin Otto auf, in den sie schon lange heimlich verliebt ist.

Natürlich sind in einem Australienroman auch die Aboriginies ein großes Thema. Bei der Familie Lessing finden sie immer Aufnahme und werden nicht, wie von vielen anderen Einwanderern, verachtet. Man erfährt viel über die Kultur der Eingeborenen Australiens, wobei nur einige Erzählungen für mich neu waren, da ich  bereits einige Australienromane gelesen habe. Doch manche Geschichten über ihre Lebensweise waren auch für mich neu und sehr interessant. 

In den Kapiteln des Romanes erzählen abwechselnd Carola, Mina und Elsa aus ihrem Leben. Dabei hatte ich allerdings mehr den Eindruck einzelne Schicksale erzählt zu bekommen, als diese besondere Verbundenheit der Schwestern, die immer wieder hervorgehoben wurde, zu spüren. Ich konnte außer dem geschwisterlichen Zusammenhang keine so besondere Verbindung fühlen und bemerken.
Mit dem zu schnellen und abrupten Ende und einigen offenen Fragen kam ich leider auch nicht so zurecht. Die Autorin verwies in der Leserunde darauf, dass sie eine angegebene Seitenzahl nicht überschreiten darf, doch ich denke, dass man mit einer ordentlichen Aufteilung und einem besseren Konzept dies verhindern hätte können. Während manchmal für mich nicht so wichtige Passagen ausführlich erzählt wurden, hätte man hier einsparen und das Ende ausbauen können. Aber das ist jetzt "meckern auf hohem Niveau" und als Nicht-Autor kann man viel schneller kritisieren....
Im persönlichen Nachwort hat die Autorin noch einige offene Fragen beantwortet und erklärt, welche Begebenheiten historisch belegt sind und welche der Fantasie der Schriftstellerin enstspringen. Zu Erwähnen ist noch, dass die ganze Familie mit dem berühmten Dichter Gotthold Ephraim Lessing ("Emilia Galotti", "Nathan der Weise", "Minna von Barnhelm") verwandt ist. Außerdem erscheint 2016 noch ein 3. Band über die Familie Lessing.

Schreibstil und Charaktere:
Ulrike Renk hat wahre und fiktive Begebenheiten gekonnt verknüpft. Der Schreibstil ist klar und flüssig, er lässt sich gut lesen. Die bildhafte Beschreibung von Australien ist äußerst gelungen. Allerdings verwirren die vielen Personen mit oft ähnlichem (Kose-)namen erheblich.

Die unterschiedlichen Lebenswege und Entwicklungen der Schwestern sind authentisch und anschaulich beschrieben. Die Charaktere sind liebevoll skizziert, wirken lebensecht und natürlich...Menschen mit Ecken und Kanten. Besonders gut hat mir Großmutter Emilia gefallen, die die geborene Mutter/Großmutter zu sein scheint. Ohne einen Haufen Kinder um sie herum, scheint sie sich verloren zu fühlen. Die Familie geht bei ihr über alles. Auch Tante Molly, die sich über sämtliche Konventionen und Regeln hinwegsetzt, bringt frischen Wind in die Geschichte.

Fazit:
Eine interessante Fortsetzung des Romans "Die Australierin" mit einem zu schnellen Ende und einigen offenen Fragen. Trotz meiner Kritik liest sich die Geschichte um die drei unterschiedlichen Schwestern sehr gut und hat mich gut unterhalten.



Vielen Dank an den Aufbau Verlag, Lovelybooks und vorallem der Autorin Ulrike Renk für die vielen Erklärungen und die interessanten Diskussionen.


Die Reihe von Ulrike Renk.

  1. Die Australierin
  2. Die australischen Schwestern
  3.   ?    erscheint 2016
 

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