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Die Zuverlässigkeit des Zufalls - Lilli Beck

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Broschiert: 384 Seiten
    • Verlag: ‎ Atlantik; 1. Edition (7. Januar 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3455018432
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3455018431
    • Genre: Roman



Atlantik Kurzbeschreibung:
Nina-Marie hat eine kleine, feine Buch- und Blumenhandlung am Stadtrand. Seit dem Verlust ihrer großen Liebe hat sie sich in die Arbeit gestürzt und findet Trost darin, wunderschöne Sträuße zu binden oder ihre Kundinnen und Kunden und mit einer Buchempfehlung glücklich zu machen. Dass sie selbst noch einmal glücklich sein kann, daran glaubt sie nicht mehr. Als sie eines Tages einen wohlriechenden Strauß an einen übellaunigen älteren Herren ausliefert, wendet sich das Schicksal. Der Herr ist ein Bestsellerautor, der aber seit langem nicht mehr schreibt. Und auch sein Sohn ist Nina-Marie nicht unbekannt... Der Zufall beginnt, eine zarte Liebesgeschichte zu schreiben, die Ninas Leben neu aufblühen lässt.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue Roman von Lilli Beck ist diesmal im Atlantik Verlag veröffentlich worden und liest sich auch deutlich "einfacher" als ihre Hardcover Einzelbände aus dem Blanvalet Verlag. 
Ich muss ehrlich sagen, dass mir ihre Romane, die rund um die beiden Weltkriege oder der Nachkriegszeit besser gefallen, als ihre Gegenwartsliteratur. Auch ihre letzte Trilogie fand ich etwas zu "leicht" und hatte nicht die Tiefe ihrer ersten Romane, obwohl Lilli Beck immer wieder ernste Themen aufgreift. In "Die Zuverlässigkeit des Zufalls" geht es zum Beispiel um Trauerbewältigung. 

Nina-Marie hat vor drei Jahren ihre große Liebe Eric verloren. Seitdem vergeht kein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt. Der Zufall hat Eric damals in den kleinen Blumenladen ihrer Mutter geführt und sie haben eine wunderschöne gemeinsame Zeit miteinander verlebt.  Als kurz nach Erics Tod die kleine Änderungsschneiderei neben dem Blumengeschäft ihrer Mutter zusperrt, erfüllt sich Nina-Marie den Traum einer eigenen Buchhandlung. Mit "Buch und Blume" - Buchladen und Blumengeschäft - ist sie in Berlin-Spandau ab sofort eine gefragte Geschäftsfrau.
Als sie statt einer Stammkundin, die jede Woche duftende Blumensträuße abholt, diese direkt an den Empfänger liefern soll, steht sie vor ihrem Lieblingsschriftsteller, der schon lange keinen neuen Krimi mehr veröffentlicht hat. Der mürrische Mann, der so gar nicht in das Bild von Nina-Maries Lieblingsautor passt, hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich. Dabei trifft sie auch auf dessen Sohn Jack, den sie aus derselben Selbsthilfegruppe kennt, die sie manchmal besucht. Nina-Marie möchte, dass der Schriftsteller wieder zurück zu sich selbst findet und seine Krimireihe weiterschreibt und macht sich ihre eigenen Gedanken..

Um ihre eigene Trauer aufzuarbeiten, beginnt sie ihre Zeit mit Eric aufzuschreiben. Dadurch erfahren die Leser in Rückblenden, wie sich die Beiden kennen- und lieben gelernt haben.

Neben der Trauerbewältigung geht es - wie das süße Cover bereits verrät - viel um Bücher, was mit ein Grund war, dass ich zu diesem Roman gegriffen habe. Ich mochte die Atmosphäre, die durch "Buch und Blume" entsteht und die Lilli Beck ganz wunderbar vermittelt hat. 
Obwohl Nina-Maries Geschichte sehr bewegend ist, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, dass sie auch nach drei Jahren noch immer laufend in Tränen ausbricht und komplett in ihrer Trauer gefangen ist. Jeden Tag denkt sie an Eric, sie träumt von ihm und sie vergleicht jeden und alles mit ihrer großen Liebe. Ihr Tag besteht aus ihrer Arbeit im Blumenlädchen und ihrem Buchladen. Sie hat sich total zurückgezogen und trifft nur manchmal ihrer Freundin, die auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet und deshalb auch selten für sie da ist.

Die einzelnen Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und ich konnte sie mir lebhaft vorstellen. Die verschiedenen Charaktere bereichern - bis hin zur kleinsten Nebenfigur - den Roman. Besonders den Zusammenhalt zwischen Mutter und Tochter mochte ich sehr.
Der Schreibstil von Lilli Beck ist gewohnt bildhaft und lebendig. 

Manche Themen rund um den Krimiautor und einem Vorfall im letzten Drittel des Buches fand ich hingegen etwas unausgegoren. Vor allem die Beschuldigung und die eher lasche und unaufgeregte Auflösung dieses Ereignisses kam mir zu kurz.

Fazit:
Eine nette Geschichte über Trauerbewältigung, aber auch Wohlfühlthemen, wie Bücher und Blumen und dem Zufall, der so einiges ins Rollen bringt. Dass die Geschichte lange in Erinnerung bleiben wird, bezweifle ich allerdings.



Mittwochs am Meer - Alexander Oetker

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     Gebundene Ausgabe: 176 Seiten

    • Verlag: ‎ Atlantik; 1. Edition (5. Mai 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3455010962
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3455010961
    • Genre: Liebesroman


Atlantik Kurzbeschreibung:
Jeden Mittwoch fährt Maurice aus Paris in ein verträumtes Hafenstädtchen in der Bretagne, weil er dort einen beruflichen Auftrag hat. Der stille Mann aus der Hauptstadt stößt auf Misstrauen und Ablehnung bei den rauen Einheimischen, den Fischern und Arbeitern. Doch dann lässt die schöne Rezeptionistin seines Hotels ihm eines Mittwochs einen Liebesbrief und einen Gedichtband zukommen. Maurice ist verzaubert von den Worten der Frau. Sie gehen aus, lernen sich kennen und lieben. Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Affäre, die jeden Mittwoch neu entflammt, den ganzen Sommer lang. Das Paar fühlt sich wie in einem Traum, der zur Reise wird und schließlich zu einer überraschenden Erkenntnis führt. 

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge 

Meine Meinung:
Diesen Sommerroman von Alexander Oetker habe ich vor einiger Zeit bei uns im Bücherschrank gefunden. Für den Sommer passte dieses Buch von Titel und Cover her perfekt. Der Inhalt ist jedoch etwas anders, als erwartet.

Maurice ist Insolvenzverwalter und fährt für seinen neuen Auftrag jeden Mittwoch von Paris in die Bretagne. Im kleinen Ort Cancale ist ein Unternehmen Pleite gegangen, welches für die Einwohner eine maßgebliche Einnahmensquelle bedeutet hat. Die Einheimischen sind gegenüber dem stillen Pariser misstrauisch. Kann er ihre Jobs noch retten oder ist unwiederbringlich alles verloren?

Maurice checkt jedes Mal im selben Hotel ein. Doch eines Tages ist statt der alten Dame, die gewöhnlich an der Rezeption steht, eine unbekannte Frau, die Maurice sofort fasziniert. Diesmal hat es einen Buchungsfehler gegeben und das Zimmer, welches Maurice immer gebucht hat, ist nicht frei. Daher verweist sie Maurice an ein anderes Hotel und erhält am nächsten Morgen von ihr einen Gedichtband und einen Liebesbrief. Die Anziehung scheint gegenseitig gewesen zu sein und Maurice und Dominque beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Dabei vergisst Maurice auf seine eigentliche Aufgabe und gerät bald in Schwierigkeiten...

In "Mittwochs am Meer" steht eindeutig die Liebesgeschichte im Vordergrund. Maurice hat in seiner Kindheit kaum Zuwendung und Liebe von einen Eltern erfahren. Sein Vater, ebenfalls Insolvenzverwalter, legte nur Wert auf seine Leistungen. Gefühle wurden nicht zugelassen. Durch die offenherzige Domique erfährt er plötzlich was Liebe und Leidenschaft ist und verliert sich in diesem neuen Gefühl.

Maurice plötzliche Veränderung, die neben seiner neu gefundene Liebe alles andere als unwichtig erscheinen lässt, konnte ich nicht nachvollziehen. Der kalkulierende Zahlenmensch, der für die Zukunft vieler Arbeiter der Rettungsanker sein soll, nimmt seinen Job nicht mehr wahr und verliert sich völlig in dieser Affäre. Dabei greift der Autor auch ziemlich in die Kitschkiste. Die Protagonisten blieben mir fremd. Ich konnte diese einmalige Liebe einfach nicht fühlen.
Dazu gibt es einige sehr stereotype Charaktereigenschaften und Klischees. Einzig die bildhaften Landschaftsbeschreibungen laden zum Träumen ein und man wünscht sich an die Küste der rauen Bretagne. Bei den gerade mal 176 Seiten gibt es leider auch kleine Längen. Diese Geschichte war so gar nicht meins und das Buch wandert zurück in den Bücherschrank.

Fazit:
Eine sehr klischeehafte und auch kitschige Liebesgeschichte mit Protagonisten, die mir fremd blieben. Trotz der nicht einmal 200 Seiten konnte mich "Mittwochs am Meer" nicht abholen. Sehr schade!


Der Meisterkoch - Saygin Ersin



    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: Atlantik (5. Oktober 2017)
    • Übersetzer: Johannes Neuner
    • ISBN-10: 3455001483
    • ISBN-13: 978-3455001488
    • Originaltitel: Pir-i Lezzet
    • Genre: Roman

Atlantik Kurzbeschreibung:
Istanbul um 1600, Blütezeit des Osmanischen Reichs. Im Topkapi-Palast kommt ein außergewöhnliches Kind zur Welt, der junge Pascha verfügt über einen absoluten Geschmackssinn. Als der Sultan all seine männlichen Verwandten ermorden lässt, überlebt der Junge das grausame Massaker mithilfe des Küchenchefs. Ihm gelingt die Flucht, und er beginnt seine Lehrjahre. In Bagdad studiert er Sternen- und Naturheilkunde, auf der Insel Hormus unterweist ihn die Herrin der Aromen in Gewürzkunde, und die symbolische Meisterschaft verleiht ihm ein Bibliothekar in Alexandria. Als Meisterkoch kehrt er zurück nach Istanbul, wo er seine große Liebe Kamer, die begnadete Tänzerin, wiederfinden will. Und er hat sich geschworen, Rache zu nehmen für die Ungerechtigkeiten, die ihm als Kind widerfahren sind. Schließlich wähnt er sich am Ziel seines Strebens: die legendäre Palastküche, Inbegriff aller kulinarischer Wonnen, raffiniertester Intrigen und gefährlicher Eifersucht …

Meine Bewertung: * * * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser Roman lässt sich etwas schwer in ein Genre einordenen. Er ist nicht wirklich ein historischer Roman, auch wenn er im Jahre 1600 spielt. Es ist mehr oder weniger eine (Märchen-)Erzählung mit einer kleinen Prise Magie und auch einer Spur Fantasy. Trotzallem spielt die Geschichte im Topkapi Palast Anfang des 17. Jahrhunderts.

Wie ein Märchen aus 1001 Nacht beschreibt der türkische Schriftsteller Saygin Esin die Geschichte des Küchenmeisters. Den Namen unseres Hauptprotagonisten erfahren wir erst ganz am Schluss, aber in Rückblenden erzählt uns der Autor vom Schicksal des Meisterkoches. Diesem gelang als kleiner Junge als Einziger die Flucht, als eines Tages der machthungrige Sultan anordnete, alle männlichen Verwandten zu ermorden. Der alte Küchenchef erkennt das große Talent des kleinen Jungen, der ein "Geschmacksbeherrscher" ist. Von nun an geht der angehende Küchenmeister in die Lehre angesehener Köche. Danach wird er zum Studium der Astrologie und der Heilkunst geschickt und erlernt das Geheimnis von Aromen und Gewürzen.
Mit seinem perfekten Geschmacksinn, dem exellenten Studium und ein bisschen Magie vermag er die Menschen zu verzaubern und mit seinem selbst zubereitetes Essen den Willen dieser zu lenken.
Das Ziel des Küchenmeisters ist es zurück ins Serail zu schaffen. Dabei hat er allerdings nicht die Macht außerhalb eines Kochtopfes im Auge, sondern er möchte seine große Liebe Kamer aus dem Tempel der Genüsse befreien. Wie er das schaffen will, bleibt bis zum Ende ein Geheimnis....

Beginnend mit der Gegenwart und einem besonderen Festessen im Hause eines Kaufmannes, erleben wir die Fertigkeiten des Küchenmeisters. Er verzaubert mit seinen Gerichten wichtige Staatsmänner und überzeugt sogar den gefürchteten Waffenmeister mit seinen Kreationen. Als er in den Palast des Sultans, als einer von vielen Küchenmeistern gelangt, ist er seinem Ziel näher gekommen.
Die Schilderungen der vielen Küchen und Angestellten im Serail und für wie viele Menschen hier gekocht wird, hat mich nur Staunen lassen. Während die Töpfe klappern und man die verschiedenen Gewürze riechen kann, wird immer wieder in die Vergangenheit zurückgeblendet. Dem Leser wird die beschwerliche Kindheit und die Reise des Küchenmeisters, die ihm schlussendlich zum Palast zurückführen wird, märchenhaft erzählt. Ich wähnte mich in einer der vielen Geschichten von 1001 Nacht. Man sollte diesen Roman auch nicht hungrig lesen, denn obwohl die meisten Speisen fremdländisch und mir unbekannt waren, läuft einem sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen.

Schreibstil:
Der Schreibstil des Autors ist blumig und voller Poesie. Obwohl der Roman im 17. Jahrhundert spielt ist die Sprache nicht historisch, wie in vielen Romanen dieses Genres, sondern wirkt eher modern. Dies störte mich hier allerdings gar nicht, wobei ich dies normaler Weise bei historischen Romanen gerne beanstande.  Vermisst habe ich allerdings ein Glossar für die vielen Begriffe und fremdländischen Namen.

Cover:
Leider habe ich weder den Originaltitel des Romans, noch das Orginalcover im Internet gefunden. Auch im Buch selbst und beim Verlag ist nichts vermerkt, was ich sehr schade finde. Gerne hätte ich euch das Originalcover gezeigt!
So möchte ich einige Worte zum  Cover des Romans aus dem Atlantik Verlag sagen, das ich einfach traumhaft schön finde. Die Farben rot-gold und die schönen Ornamente samt Abbildungen von Obst, Gemüse, Löffel und einer Teekanne, sowie eine tanzende Frau im linken unteren Teil, stimmen auf den orientalischen Inhalt ein und vermitteln ein besonderes Flair. Ein wunderschönes Cover - außen ein Augenschmaus, innen ein Genuß!

Fazit:
Ein außergewöhnlicher Roman voller Magie, der uns ins Reich der Sinne führt. Ein philosphisches Märchen, bei dem wir den Küchenmeister auf seiner abenteuerlichen Reise zu sich selbst begleiten, während man den Geschmack der Speisen auf der Zunge spürt und die Gerüche der Aromen riecht. Wie ein Märchen aus 1001 Nacht.

Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks.

Die Melodie meines Lebens - Antoine Laurain


    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: Atlantik (12. September 2017)
    • Übersetzer: Sina de Malafosse
    • ISBN-10: 3455600522
    • ISBN-13: 978-3455600520
    • Originaltitel: Rhapsodie francaise
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Atlantik Kurzbeschreibung:
Ein Brief, der mit 33 Jahren Verspätung sein Ziel erreicht, stellt Alains ruhiges Leben auf den Kopf. Er ist Arzt und hat die fünfzig überschritten, seine Frau betrügt ihn, die Kinder sind längst aus dem Haus – trotzdem ist er eigentlich ganz zufrieden. Doch eines Morgens liegt in der Post ein Plattenvertrag für Alains Band The Hologrammes – von 1983. Alain wird zurückgeworfen in eine Zeit, als er und seine Band um ein Haar berühmt geworden wären, als noch alles möglich schien. Er macht sich auf die Suche nach den anderen Bandmitgliedern – und findet einen erfolgreichen, aber verbitterten Künstler, dessen Freundin Alain ein vieldeutiges Lächeln schenkt, einen Präsidentschaftskandidaten und einen populistischen Politiker. Nur die Sängerin, die schöne Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, scheint zunächst verschwunden …

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Laut Klappentext stellt sich Antoine Laurain in seinem neuen Roman die Frage, wie das Leben der ehemaligen Bandmitglieder der alternativen Achziger New Waveband "Les Hologrammes" gelaufen wäre, wenn die Post die Zusage der Plattenfirma rechtzeitig und nicht nach 33 Jahren zugestellt hätte. Diese kurze Zusammenfassung fand ich sehr interessant, vor allem weil ich selbst in den Achziger Jahren meine Jugend verbracht und die Musik dieser Epoche liebe. Der Roman entwickelt sich jedoch in eine gänzlich andere Richtung. Der Autor versucht mit seinen Protagonisten, die er nacheinander mehr oder weniger vorstellt, der Gesellschaft von heute einen Spiegel vorzuhalten....

Der eher phlegmatische Alain ist nicht wirklich der Hauptprotagonist der Erzählung, doch dieser Brief, der 33 Jahre zu spät kommt, lässt sein Leben etwas aus den Fugen geraten. Gelangweilt in seinem Arztberuf und in der Ehe mit seiner Frau Véronique, beginnt er zu träumen was gewesen wäre.... Wäre er berühmt geworden, wenn dieser Brief damals pünktlich zugestellt worden wäre? Wie hätte sein Leben ausgesehen? Angetrieben von diesen Fragen versucht der damalige E-Gitarrist seine ehemaligen Bandkollegen zu kontaktieren, zu denen er keinerlei Kontakt mehr hat. Jeder ist nach der Auflösung der Band seine eigenen Wege gegangen. Das Demo-Tape von damals hat Alain vor ein paar Jahren entsorgt. Um die Lieder nochmals hören zu können und den Freunden von damals die Neuigkeit zu erzählen, versucht Alain diese ausfindig zu machen...

Die einzelnen Charaktere werden nun nacheinander und teilweise etwas überspitzt vorgestellt. Keiner der ehemaligen Bandmitglieder ist der Musik treu geblieben. Jeder hat sich in eine andere Richtung entwickelt, wobei einige doch sehr erfolgreich geworden sind.
Da ist zum Beispiel der rechtsradikale Sébastian Vaugan - damals ein begnadeter Bassist und heute Kandidat zur Präsidentschaftswahl. Auch der ehemalige Schlagzeuger Stanislas Lepelle hat Karriere gemacht. Er ist Künstler, exzentrisch und verbittert und genauso unsympathisch, wie sein rechtsradikaler ehemaliger Bandkollege. Wo Bérangère, die damalige Sängerin, in die alle verliebt waren, abgeblieben ist, weiß niemand. Der ehemalige Pianist Frédéric Lejeune lebt in Thailand. Die Brüder Pierre und Jean-Bernard (kurz JBM genannt) Mazart, die für Text und Produktion zuständig waren, sind ein verschrobener Kunsthändler und ein Computergenie. Letzter ist ungewollt zum Präsidentschaftskandidat aufgestiegen und ist gemeinsam mit seiner intelligenten Assistentin das einzige sympathische Gespann.
Alle Charaktere sind nicht wirklich Sympathieträger mit Ausnahme von JBM. Der Autor hat die Bandmitglieder teilweise mit sehr exzentrischen Eigenschaften erschaffen. Während JBM sehr viele Seiten gewidmet sind, werden andere Bandmitglieder nur kurz erwähnt. Das fand ich schade! Leider geht es hier auch kaum um Musik, was ich vermisst habe.

Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme die Namen den richtigen Personen zuzuordnen. Wie schon bei "Der Hut des Präsidenten" wechseln die Charaktere und erst am Ende ergibt sich ein Ganzes, auch wenn es sich in Antoine Laurains neuem Roman nicht ganz so anfühlt. Mit jeder Figur, die er vorstellt, vermittelt er ein bestimmtes Thema und ist dabei ziemlich politisch unterwegs. Er wirft dabei immer wieder einen kritischen Blick auf die heutige Gesellschaft. Leider gibt es im Mittelteil einige Längen, auch wenn der Roman nur 256 Seiten.

Im letzten Viertel kommt der Roman ziemlich in Fahrt und das Ende konnte mich wirklich überraschen. Für mich leider zu spät! Zum Thema Brief hat der Autor noch eine sehr interessante Wendung eingebaut, die ich absolut gelungen fand.

Schreibstil:
Antoines Laurains Schreibstil ist charmant und manchmal etwas überspitzt. Französische Autoren schreiben meiner Meinung einfach anders und Laurain ist ein typischer Vertreter des Landes. Seine Figuren haben Ecken und Kanten und wirken trotz seiner Überzeichung lebendig und authentisch. Über jedes Kapitel hat der Autor einen passenden Satz zum nachfolgenden Inhalt gesetzt.



Cover:

Das französische und englische Cover haben beide eine Kassette auf dem Cover, die schon von außen darauf hinweisen, dass es sich hier um einen Inhalt aus den Siebziger oder Achtziger Jahren handeln muss. Der Retro-Schick gefällt mir gut.
Das italienische Cover gefällt mir hingegen überhaupt nicht! Autor und Titel sehr klein, das Gesicht des Mannes von unten fotografiert...NEIN...das ist alles andere als ästethisch! Ein furchtbares Cover!

Fazit:
Der Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Eigentlich hatte ich mir durch den Klappentext etwas anderes erwartet, aber die Geschichte hat auf ihre eigene Weise trotzdem Charme. Hauptsächlich legte der Autor sein Augenmerk auf die kritische Darstellung an der heutigen Gesellschaft, was mit dem Klappentext nicht wirklich viel zu tun hat. Das enttäuscht natürlich viele Leser und ist schade.....! Schlussendlich kan ich sagen, dass es vom Autor bessere Romane gibt.

Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks für die Leserunde

Ein geschenkter Anfang - Lorraine Fouchet




    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: Atlantik (17. März 2017)
    • ISBN-10: 3455600565
    • ISBN-13: 978-3455600568
    • Originaltitel: Entre ciel et Lou
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur



Atlantik Kurzbeschreibung:
»Wer auf meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr«, hat Lou oft gewitzelt. Lou, die auf der kleinen bretonischen Insel ein echter Paradiesvogel war und von allen geliebt wurde. Lou mit ihren Spleens – Champagner, bitte, aber nur von Mercier! – und Macken – sie kochte miserabel, aber mit Liebe –, einem Lachen, das lauter war als das Kreischen der Möwen, und einem Herzen so weit wie das Meer. Nun ist Lou tot – und die Familie droht auseinanderzubrechen. Im Testament bittet sie ihren Mann Jo, ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern Cyrian und Sarah wieder kitten und beide glücklich machen. Erst dann darf er Lous letzten Brief lesen – der versiegelt, natürlich in einer Champagnerflasche, auf ihn wartet. Eine Flaschenpost, die das Leben einer ganzen Familie verändert.


Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Diese Geschichte beginnt, wo manch andere enden: mit dem Tod.....dem Tod von Lou, der Frau unseres Protagonisten Jo. Das Paar war eine Einheit und die Liebe überstrahlte selbst die zu ihren beiden Kindern Cyrian und Sarah. Beide sind bereits erwachsen, aber nicht wirklich glücklich in ihrem Leben. Das hat auch Lou erkannt und stellt Jo in ihrem Testament die Aufgabe, ihre gemeinsamen Kinder wieder glücklich zu machen. Falls ihm dies gelingen sollte, erhält er eine weitere Botschaft, die sie in einer Champagnerflasche aufbewahrt und beim Notar hinterlegt hat. Diese Aufgabe stellt Jo vor ein schwieriges Problem, denn seit dem Tod von Lou scheint die Familie noch mehr auseinanderzubrechen.

Ein melancholischer und wehmütiger Anfang, der jedoch nicht anhält. Man spürt trotzdem den Verlust von Jo zwischen den Zeilen und obwohl Lou tot ist, steht sie im Mittelpunkt des Romans. Sie war das Herz der Familie, die alle zusammengehalten hat. Joe führt immer wieder Zwiegespräche mit ihr und hat selbst den Lebenswillen verloren. Nach und nach erfährt man woran Lou erkrankt ist und wie das Leben der Familie früher ausgesehen hat. Denn obwohl Joe ein liebevoller Ehemann war, war er kein guter Vater. Sein Beruf als Kardiologe stand stets an erster Stelle. Sein Sohn scheint nun einen ähnlichen Fehler zu begehen. Er hat zwei Töchter von zwei verschiedenen Frauen. Die eine, Maelle, liebt er noch immer und mit der anderen, Albane, ist er verheiratet. Doch das Ehepaar hat sich auseinander gelebt und denkt an Trennung. Die beiden Töchter, Pomme und Charlotte, könnten unterschiedlicher nicht sein. Pomme liebt die Insel und bewegt sich frei und unbeschwert auf Groix, vermisst jedoch die Liebe des Vaters, der sie gerade mal zu Weihnachten und zu Ostern besucht. Charlotte hingegen wird von ihrer Mutter überbehütet, darf weder Rad fahren, noch hat sie Freunde. Lou und Jo's Tochter Sarah hat ein anderes Handycap: sie ist wunderschön, aber leidet an einer seltenen Krankheit und benötigt Gehhilfen. Durch diese hat sie auch ihren Verlobten verloren und hat seitdem den Männern abgeschworen bzw. trifft keinen öfters als zweimal. Doch auch für sie hat das Schicksal etwas Besonderes vorgesehen.....

Die Charaktere sind alle sehr liebevoll gestaltet und haben ihre Ecken und Kanten. Der Autorin gelingt es den Leser zu überraschen und auch Schwächen oder Stärken bestimmter Figuren aufzuzeigen, die man zuerst ganz anders eingeschätzt hat.
Besonders die zehnjährige Pomme ist mir ans Herz gewachsen. Mit dem Versuch die Liebe ihres Vaters zu gewinnen, hat sie mich sehr berührt. Sehr gefallen hat mir auch ihre Idee Saxophon spielen zu lernen - wie der Papa. Und hier habe ich mit Freude entdeckt, dass ich endlich einen Roman vor mir habe, wo der Autor wirklich etwas von Musik versteht bzw. selbst Saxophon spielen muss. Wie oft habe ich schon Geschichten gelesen, wo mir bereits auf den ersten Seiten klar war, dass der/die Autor/in entweder selbst nichts von Musik versteht oder schlecht recherchiert hat. Hier erklärt Lorraine Fouchet nicht nur wie ein Saxophon aufgebaut ist, was man alles dazu benötigt, sondern auch wie man darauf spielt. Da ich aus der Musikbranche komme, war ich begeistert!

Schreibstil:
Der Schreibstil von Lorraine Fouchet ist poetisch und gefühlvoll, aber auch der Humor kommt zwischendurch nicht zu kurz. Die Kapitel sind eher kurz gehalten. Durch den Perspektivenwechsel der erzählenden Personen hat der Leser Einblick in die Gedanken aller Protagonisten und erhält einen perfekten Überblick in das Leben der Familie. Dabei hat die Autorin auch ein paar Überraschungen parat.

Die Landschaftsbeschreibungen der bretonischen Insel Groix und die Eigenheiten der Inselbevölkerung sind sehr lebendig und bildhaft beschrieben. Man spürt auch Jo's Liebe zu diesem Eiland im Atlantik, die sein Sohn nicht mit ihm teilt. Dieser lebt in Paris und genießt die Vorzüge der Stadt. Aber vorallem seine Frau Albane ist eine Stadtfrau durch und durch. Sarah lebt ebenfalls in der Stadt, an die sie vorallem beruflich gebunden ist. Sie besucht aber Groix immer wieder gerne.

Cover:

Das deutsche Cover vom Atlantik Verlag ist richtig schön und ansprechend. Das Originalcover ist nicht schlecht, aber wirkt im Vergleich etwas blass. Das "Inselfeeling" bzw. die Affinität zum Meer ist beiden Covern gemein.


Fazit:

Ein sehr gefühlvoller Roman, der mich erst ein paar Tage nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, mehr und mehr zu faszinieren begann. Die berührende Familiengeschichte mit dem französischen Flair schwirrte noch tagelang in meinem Kopf herum und hat mir so einige Gedanken über das Leben beschert.

 
Vielen Dank an den Atlantik Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Der Hut des Präsidenten - Antoine Laurain




    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: Atlantik (18. Januar 2016)
    • ISBN-10: 3455650228
    • ISBN-13: 978-3455650228
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Atlantik Kurzbeschreibung:
Die große Liebe finden, ein meisterhaftes Parfüm kreieren, der Chef des eigenen Chefs werden: Wer träumt nicht davon, seinem Leben eine neue Richtung zu geben? Und sind Träume nicht reine Kopfsache?
Als der Präsident seinen Hut in einer Brasserie vergisst, setzt sein Tischnachbar ihn auf - und schlagartig ändert sich dessen Leben. Doch der Hut wandert weiter von Kopf zu Kopf, um seine ganz besondere Wirkung zu entfalten. Ein Roman voller Charme und Überraschungen, über große Ziele und glückliche Wendungen - und was man dafür drauf haben muss.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Paris, Mitte der Achzigerjahre. Während Daniel Mercier allein im Restaurant speist, nehmen am Nebentisch vier Herren Platz, unter ihnen der französische Präsident Mitterand. Als nach dem Verlassen des Restaurants der Hut des Präsidenten liegen bleibt, nimmt ihn Daniel an sich. Voller Stolz und mit einer neuen Portion Noblesse führt er seine neue Kopfbedeckung aus und fühlt sich auf einmal selbtbewusster. Sein Leben nimmt eine postive Wendung - bis er eines Tages den Hut im Zugabteil vergisst. So wandert die berühmte Kopfbedeckung von Träger zu Träger und verändert diese Menschen wie durch Zauberhand.

Die charmante und typisch französische Geschichte verändert auch den Leser, der mit einem Schmunzeln im Gesicht das Leben der diversen Huttträger begleitet. Des öfteren wünscht man sich selbst diesen Hut zu finden und aufzusetzen, um seinem Leben eine positive Wendung zu geben. Während die eher männliche Kopfbedeckung der rote Faden im Buch und der eigentliche "Hauptprotagonist" ist, lernen wir auch einige Menschen kennen. Alle davon tragen eine bestimmte Sehnsucht oder einen Wunsch in sich, egal ob es sich dabei um die Arbeit, die Familie, Gesundheit oder die Liebe handelt. Und jeder von ihnen fühlt sich mit dem Hut des Präsidenten plötzlich stärker, beschwingter und mutiger. Dabei stecken diese Fähigkeiten eigentlich alle in ihnen....nur der letzte "Kick" fehlt - der Mut sich seiner Entscheidung zu stellen.

"Die wichtigesten Ereignisse unseres Lebens sind immer die Folge einer Verkettung winziger Details"   -- Seite 28 --

So lernen wir nach Daniel Mercier die junge Fanny Marquant kennen, die den Hut im Zugabteil findet. Auch ihr Leben nimmt ab diesem Zeitpunkt eine Wendung, bis sie den Hut mit Absicht auf einer Parkbank liegen lässt. Dort nimmt ihn nach einigen Zögern der Parfümeur Pierre Aslan mit. Dieser hat schon seit Ewigkeiten kein neues Parfüm mehr kreiert, denn er steckt in einer Schaffenskrise. Auch ihm ist das Glück hold und er erfindet eine neue Duftkreation.  Und so wandert der Filzhut mit den Initialen "FM" von einem zum anderen, bis sich zum Ende hin der Kreis mit einer kleinen Überraschung wieder schließt. 

Man begibt sich auf den 240 Seiten auf eine Rundreise durch Paris und eine Zeitreise in die Mitte der Achzigerjahre. Die Aussage, die der Autor hier treffen möchte, hat jedoch nichts mit der Zeit zu tun, denn diese gilt genauso heute wie damals: Hab Mut für neue Entscheidungen! Mit einer kleinen Portion Glück, kleinen Zufällen und mehr Selbstbewusstsein kann man alles schaffen, was man sich wünscht! Und so versprüht der Roman, von der ersten bis zur letzten Seite, jede Menge positive Energie und sehr viel Fröhlichkeit.Nur mit dem letzten Viertel hatte ich ein bisschen Probleme, da sich dieses größtenteils mit der französischen Politik der Achzigerjahre beschäftigt. So fand ich diesen Abschnitt ein bisschen langatmig.

Charaktere: 
Obwohl die Charaktere schnell wechseln und man zuerst denken könnte, man hätte hier ein Buch mit einzelnen Kurzgeschichten vor sich, ergibt die Geschichte ein Ganzes. Alle Protagonisten sind sympathisch, lebendig und glaubwürdig. Der Autor versteht es seine Charaktere gut zu zeichnen und ihnen Tiefe zu verleihen. Man identifiziert sich leicht mit ihnen und doch sind sie alle grundverschieden - und trotzdem haben alle das gleiche Ziel: Jede(r) von ihnen sucht nach dem Glück und hat es doch selbst in der Hand sein Leben zu verändern und sein Glück zu finden.

Cover:


Der Hut ist natürlich auf jeden Cover zu finden, denn er ist eigentlich der Hauptprotagonist in diesem Buch.

Schreibstil:
Antoine Laurain's Schreibstil ist charmant, humorvoll, leicht und locker und lässt sich sehr gut lesen. Man merkt, dass man ein Buch eines französischen Autors in der Hand hat, denn es besitzt diesen typischen Charme, den - meiner Meinung nach - einfach nur die Franzosen besitzen.

Fazit :
Eine humorvolle, originelle Geschichte mit viel französischem Flair, die auf 240 Seiten sehr viel zu sagen hat - besonders zwischen den Zeilen! Eine Hommage an das Leben!



 

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