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[Das Juliusspital] Ärztin in stürmischen Zeiten - Claudia & Nadja Beinert

     

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch : 512 Seiten
    • Verlag:  Knaur TB; 1. Edition (3. August 2020)
    • ISBN-10 : 3426523779
    • ISBN-13 : 978-3426523773
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 um das Juliusspital




Knaur Kurzbeschreibung:
Würzburg Ende des 19. Jahrhunderts Ebenso wie ihre Großmutter Viviana Winkelmann kämpft Henrike für das Recht der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben – und die Zulassung zum Medizinstudium: Ihr Wunsch zu heilen ist so stark, dass sie heimlich als Reserve-Wärterin in der Irrenanstalt des Juliusspitals arbeitet, das dieser Tage wegen der Entdeckung der „Zauberstrahlen“ von Professor Röntgen kopfsteht. Ihr Traum ist es, als Irrenärztin das Leid der Geisteskranken zu lindern und bei dem vielgerühmten Professor Rieger im Spital zu studieren. Als Henrike sich jedoch in einen französischen Medizinstudenten verliebt, kommen ihre Geheimnisse ans Licht. Kurz darauf wird Würzburg von der Tuberkulose heimgesucht, und plötzlich geht es für Henrike um Leben und Tod. Ihr Traum von der Medizin und die Abschaffung des Immatrikulationsverbotes für Frauen rücken in weite Ferne.
 
Meine Bewertung: * * * undeinhalb
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Buch zur Knaur Challenge
 
Meine Meinung:
Im zweiten Teil der Reihe rund um das Juliusspital in Würzburg begleiten wir als Leser die Enkeltochter von Viviana Winkelmann-Staupitz, die bereits im ersten Band darum kämpfte als Frau Medizin studieren zu dürfen. Fünfzig Jahre später hat sich kaum etwas geändert und noch immer ist es für Frauen in Bayern unmöglich Ärztin zu werden.

Henrike Hertz, die Enkelin von Viviana, hat auch vorerst gar nicht vor in die Fußstapfen der Großmutter zu treten. Doch als ihre Mutter mit Magenproblemen ins Juliusspital eingeliefert wird, lernt sie die Wärterin Anna Gärtlein kennen. Diese führt sie in die Welt der "menschlicheren Menschen" ein - zu den Patienten in die Irrenanstalt. Henrike ist fasziniert von den seelenkranken Menschen und möchte ihnen helfen. Sie beginnt heimlich als Reserve-Wärterin zu arbeiten und träumt davon beim vielgerühmten Professor Rieger studieren zu dürfen und zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Doch in Bayern besteht noch immer das Immatrikulationsverbot für Frauen - wie schon damals bei ihrer Großmutter. Zusätzlich ist da noch der französiche Medizinstudent Jean-Pierre, der Henrikes Herz erobert....

Zu Beginn tat ich mich etwas schwer und konnte nicht richtig in die Geschichte finden. Zu viele Wiederholungen aus Band Eins, die aufgegriffen wurden und zu detaillierte Ausführungen über das Leben bei Henrike zu Hause, haben mich schnell ermüdet. Erst nach dem ersten Drittel fand ich richtig in den Roman und konnte mich die Handlung gefangen nehmen. Henrike ist genauso mutig wie ihre Großmutter und kämpft in der männerdominierenden Welt um einen Platz in den Hörsälen. Während Viviane Henrike unterstützt, ist ihr Vater Anton-Oskar ein Mann der alten Schule. Er sucht indessen fleißig einen geeigneten Heiratskandidaten und kann selbstständige Frauen nicht ausstehen.

Berlin hat zu dieser Zeit  Würzburg den Rang als Medizinhochburg abgelaufen. Durch die Erfindung der X-Strahlen durch Professor Wilhelm Conrad Röntgen erlebt das Juliusspital wieder einen Aufschwung. Doch dann behauptet Philipp Lenard, er sei eigentlich der Erfinder der "Zauberstrahlen".
Neben Conrad Röntgen sind weitere historische Persönlichkeiten in den Roman miteingeflossen. Die fiktive Handlung wird mit den historischen Begebenheiten geschickt verwoben. 
Die beiden Autorinnen haben sich in diesem Roman aber nicht nur mit der "Affäre Röntgen" genauestens beschäftigt, sondern auch die Frauenrechte stehen wiederum im Mittelpunkt.
 
Es gibt einen Einblick in die Irrenanstalten von damals, wobei wir im Juliusspital in der Abteilung, die Henrike betreut, die leichteren Fälle vorgesetzt bekommen. Die medizinischen Ansätze wurden wieder sehr detailliert und genau beschrieben. Durch Wärterin Anna Gärtlein lernen wir auch das Würzburger Arbeiterviertel Grombühl kennen. Die gesellschaftlichen Strukturen der damaligen Zeit sind sehr anschaulich dargestellt. Der Kampf um die Rechte der Frauen führt auch Henrike weiter, bis die Tuberkulose über Würzburg hereinbricht....
So richtig anders ist Teil zwei nicht, denn vieles wiederholt sich von Großmutter auf Enkelin. Deswegen fehlte es mir manchmal an Spannung und den Charme des ersten Bandes. Einzig das Ende ist abweichend.

Schreibstil:
Claudia und Nadja Beinert schreiben sehr detailverliebt und haben in ihre Dilogie viele medizinische Begriffe genauestens erklärt. Das ist einerseits spannend (wie der Kampf um die Erfindung der Röntgenstrahlen), führt aber bisweilen zu Längen.
Die Geschichte wird wieder aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Die Emotionen der einzelnen Figuren werden sehr lebendig wiedergegeben.
Zu Beginn gibt es ein Personenverzeichnis und am Ende ein informatives Nachwort der beiden Autorinnen. Der Roman ist in drei Teile: Mit Angst, mit Hoffnung und mit Mut, aufgeteilt.
 
Fazit:
Ähnlich gestrickt wie Teil Eins konnte mich "Arztin in stürmischen Zeiten" nicht ganz so abholen, wie der Vorgängerband. Es dauert etwas bis die Handlung in Fahrt kommt...einige Seiten weniger hätte ich gut gefunden. Danach wird es aber wieder interessant und spannend. Für medizinhistorische Leser empfehle ich die Dilogie gerne weiter!

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das
Rezensionsexemplar!

[Das Juliusspital] Ärztin aus Leidenschaft - Claudia & Nadja Beinert

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 576 Seiten
    • Verlag: Knaur TB; Auflage: 2. (4. Mai 2020)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3426523760
    • ISBN-13: 978-3426523766
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 der Juliusspital-Reihe


Knaur Kurzbeschreibung:
Würzburg im 19. Jahrhundert: Bankierstochter Viviana Winkelmann träumt davon, Ärztin zu werden – obwohl Frauen seit 1800 nicht mehr studieren dürfen. Als die junge Frau sich unstandesgemäß verliebt und schwanger wird, wirft ihre Familie sie aus dem Stadtpalais. Um sich und ihre kleine Tochter Ella über Wasser zu halten, verdingt sich die einst vornehme Viviana als Gehilfin in der Apotheke des renommierten Würzburger Juliusspitals. Doch soll das wirklich alles sein, was sie als Frau im Leben erreichen kann? Sie belauscht Vorlesungen berühmter Ärzte am Spital und lernt Professor Virchow kennen, der einer Weltsensation auf der Spur ist. Ihre Zukunft, das spürt sie, liegt als Ärztin im Spital – auch wenn ihr dadurch nicht nur der eigene Bruder zum erbitterten Feind wird.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Knaur Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Würzburg 1850. Viviane Winkelmann ist die Tochter eines angesehenen Bankiers. Die aufgeweckte junge Frau soll mit einem Sohn aus gutem Hause verheiratet werden, doch ihr Herz gehört Steinmetz Paul. Als sie von ihm ein Kind erwartet, schicken sie ihre Eltern ins Kloster. Dort soll der Säugling nach der Geburt zur Adoption freigegeben werden. Doch Viviana träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Paul und ihrer kleinen Tochter Ella und flieht. Daraufhin verstoßen sie ihre Eltern. Fortan lebt sie in der Pleich, dem Armenviertel der Stadt. In der Apotheke neben dem Juliusspital erhält sie die Chance als "Helfnerin" zu arbeiten. Dort entdeckt sie ihr Interesse für die Heilkunde und Medizin....

Romane über Medizin und Frauen, die in früherer Zeit gerne Ärztin geworden wären oder eine der ersten praktizierenden Ärztinnen waren, gibt es momentan sehr viele. Hebammen und Krankenschwestern tummeln sich in den Bücherregalen....auch in meinen. Dabei habe ich schon einge sehr spannende Geschichten gefunden, die mir gut gefallen haben. Natürlich gibt es auch durchschnittliche Romane zum Thema, doch der erste Band der Schwestern Claudia und Nadja Beinert über das Juliusspitals gehört nicht dazu.
Wir begleiten unsere anfangs naive Hauptprotagonistin, die sich von der verwöhnten Bankierstochter zur alleinstehenden Mutter eines unehelichen Kindes wandelt, plötzlich Verantwortung übernimmt und schlussendlich zu einer mutigen jungen Frau wird, die für mehr Frauenrechte kämpft. Dieser Wandel wird von den beiden Autorinnen sehr spannend und deatilliert beschrieben. Ihre Liebe zur Medizin und der Kampf für Frauen ein Studium zu ermöglichen wird fesselnd erzählt. Das große Vorbild von Viviana ist Dorothea Erxleben, die erste Ärztin, die bereits im 18. Jahrhundert promovierte. Doch 1850 sieht die Welt wieder anders aus und Frauen sind nichths anderes als Anhängsel der Männer, die sich vorwiegend um den Ehemann und den gesellschaftlichen Status widmen sollen. Die meisten Männer wollen keine Frauen in ihren Reihen, denn ihrer Meinung nach sind sie weder geistig in der Verfassung sich zu bilden (!), noch körperlich dem Mann ebenbürtig. Um ein Studium als Frau zu erhalten, muss sie ein Abitur haben, doch diese Möglichkeit gabe es für Mädchen im Königlichen Bayern zu dieser Zeit nicht.

Die medizinischen Ansätze haben Claudia & Nadja Beinert sehr anschaulich und detailliert ausgearbeitet. Der damalige Klinikalltag und der Stand der Forschung, aber auch der Unterschied zwischen Arm und Reich sind hervorragend beschrieben. Zu dieser Zeit war das Juliusspital in Würzburg, der heute weitaus bekannteren Berliner Charité, überlegen. In allen universitären Fachbereichen wurden bahnbrechende Entdeckungen gemacht. Rudolf Virchov forschte damals ebenfalls noch in Würzburg, wo er die Cellular-Pathologie entdeckte, die den Glauben an die Vier-Säfte-Lehre ablöste. Auch vor detaillierte Leichensezierungen nehmen die beiden Autorinnen nicht Abstand. Gut, dass ich so viele Thriller gelesen habe, wo ich bereits öfters mit ähnlichen Passagen konfontriert wurde.

Charaktere und Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr detailliert und teilweise auch mit medizinischen Fachausdrücken gefüllt. Deswegen kommen ab und zu einige kleine Längen auf. Doch er ist auch sehr bildhaft und fesselnd.
Die Figuren sind bis in die Nebencharakter lebendig und authentisch gezeichnet. Viviana entwickelt sich zu einer selbstbewussten Frau, die nicht so schnell aufgibt und für ihre Träume lebt. Sie besitzt Mut und Stärke.
Neben Rudolf Virchov sind weitere historische Persönlichkeiten in den Roman eingeflossen. Zu Beginn gibt es ein Personenverzeichnis und am Ende ein Nachwort der beiden Autorinnen. Der Roman ist in drei Teile: Mit Herz, mit Verstand und mit Gefühl, aufgeteilt.

Fazit:
Ein interessanter Start in diese Reihe rund um das Juliusspital, der mit Vivianas Enkelin Henrike und der Erfindung der Röntgenstrahlen im August fortgesetzt wird. Für Leserinnen, die auch die Charité von Ulrike Schweikert oder Helene Sommerfelds Trilogie "Die Ärztin" mochten. Ich empfehle den Roman gerne weiter.

Vielen Dank an den Knaur Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie die Begleitung der Leserunde durch Claudia Beinert.


 

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