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Lindy Girls - Anne Stern

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 349 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (14. November 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746640008
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746640006
    • Genre: Historischer Roman



Aufbau Kurzbeschreibung:
Fasziniert vom neuen Swing aus Amerika gründet die Choreographin Wally eine Tanzgruppe. Ihre Tänzerinnen findet sie in den Straßen Berlins. Doch den »Lindy Girls« bleibt der Zugang zu den großen Tanzpalästen verwehrt, denn hier haben die Männer das Sagen. Dagegen begehrt auch Sekretärin Gila auf, die davon träumt, mehr zu schreiben als das, was ihr diktiert wird. Mit ihr stößt die Industriellentochter Thea zur Gruppe, und ihre Kontakte öffnen endlich Türen. Aber dann kommt den »Lindy Girls« die Liebe in die Quere ... 

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Auf den neuen Roman von Anne Stern, abseits der Hulda Gold Reihe, war ich schon sehr gespannt. Auch diese Geschichte spielt wieder in Berlin zu Zeiten der Weimarer Republik.
Wally Kaluza ist Tanzlehrerin in einer Tanzschule. Sie träumt schon seit einer Ewigkeit eine eigene Tanzgruppe auf die Beine zu stellen. Mit Charlston, Shimmy oder Lindy Hop möchte sie den Berlinern die neuen Tänze aus Amerika näher und etwas mehr Schwung auf die Tanzbühnen bringen. Doch als Frau wird ihr immer wieder eine Aufführung in Varietés oder Tanzpalästen verwehrt. Erst als ihr alter Freund Toni Lindberg aus den USA zurückkehrt, wird ihr Traum zur Realität. Toni übernimmt die Managerrolle, während sich Wally auf die Suche nach acht Tänzerinnen für ihre geplante Show macht und das Tanztraining überwacht. Sie sucht junge Frauen, die so manchen Kompromiss eingehen müssen, um die Verwirklichung ihrer Träume zu erreichen...

Durch die vielen Protagonisten ist der Beginn etwas anstrengend zu lesen. Kaum hat man eines der Mädchen etwas kennengelernt, sind wir schon bei der nächsten angelangt. Anne Stern rückt jedoch einige davon mehr in den Mittelpunkt und erleichtert damit ihren Leser:innen die "Zuordnung".
Zuerst lernen wir Thea kennen, die aus ihrem gutbürgerlichen Elternhaus vor ihrer  arrangierten Heirat geflohen ist. Sie landet etwas unsanft in den Straßen Berlins und erhält Hilfe von Gila. Diese ist Sekretärin in einer Zeitungsredaktion und träumt davon Schriftstellerin zu werden. Gila nimmt Thea mit zu sich nach Hause und zeigt ihr ihr "Swinging Berlin". Alice kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie arbeitet in einer Fabrik und muss sich noch um ihren jüngeren Bruder Benjamin kümmern, der immer wieder in Straßenkämpfe verwickelt ist.
Neben Wally und den Mädels der Tanztruppe spielt natürlich auch Toni eine große Rolle. Ein weiterer Freund von Wally ist Joe, der als einziger aus ihrer alten Heimat stammt und ihre Geheimnisse kennt.

Die Kapitel sind eher kurz gehalten und werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Abwechselnd begleiten wir Wally, Thea, Gisa, Alice, Toni und Joe. Alle haben neben der großen Liebe zum Tanz ihr Päckchen zu tragen. Wir erfahren einige Details aus dem Leben der Tänzerinnen, sowie von Toni, Joe und Wally. Trotzdem sind es eher Momentaufnahmen dieser wenigen Monate, die die Protagonisten zusammen verbringen. Dadurch fehlte es mir manchmal etwas an Tiefe und einges blieb mir zu sehr an der Oberfläche.

Der Schreibstil der Autorin liest sich wieder sehr gut, ist mitreißend und detailiert. Anne Stern hat den Zeitgeist der späten Zwanziger Jahre in Berlin wunderbar eingefangen. Obwohl die Frauen langsam versuchen aus dem engen Korsett zu schlüpfen, bleibt ihnen vieles noch immer verwehrt. Auch die Standesunterschiede sind noch lange nicht verschwunden und wir wissen leider, dass die kommenden Jahre nicht besser werden.
Die Stadt Berlin wird zur großen Bühne. Anne Stern beschreibt die Schauplätze und die Umgebung sehr detailreich und wir erleben die "goldenen Zwanziger", die in keiner Stadt so gelebt wurde, wie in Berlin. Dabei wird der Gegensatz zwischen Arm und Reich aufgezeigt. Auf der einen Seite die vielen Vergnügungen und Ausschweifungen und auf der anderen Hunger, Entbehrungen und die beginnende Gefahr der Braunhemden, die die Straßen unsicher machen. Es ist eine Zeit der Extreme.

Sehr gefallen hat mir die musikalische Komponente, die natürlich eine große Rolle spielt. Die Beschreibung des Tanztrainings und der Auftritte nehmen viel Raum ein und wir erleben mit den Mädels der Tanzgruppe Triumph und Niederlage.

Anne Stern nimmt uns mit ins Berlin der "wilden" Zwanziger Jahre, wo die amerikanischen Melodien und Tänze die Stadt erobern und neue Lebensfreude bringen. Doch wir erleben hier auch auch die Schattenseiten der Zwischenkriegszeit.

Fazit:
Anne Sterns neuester Roman bringt uns die Musik und die Lebenslust der Zwanziger Jahre näher. Allerdings gibt es auch jede Menge Schattenseiten, die hier nicht verschwiegen werden. Mir hat die musikalische Komponente und das Setting Berlin gut gefallen; die Charaktere hätten allerdings noch gerne etwas mehr Tiefe haben können.

Vielen Dank an die Autorin und an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Drei Tage in August - Anne Stern

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (5. August 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746639980
    • ISBN-13 : ‎ 978-3746639987
    • Genre: Historischer Roman

       

Aufbau Kurzbeschreibung:
Berlin, 5. August 1936: Die Schwermut ist Elfies steter Begleiter, Zuversicht findet sie in ihrer Arbeit in der Chocolaterie Sawade, einem Hort zarter Zaubereien aus Nougat und Schokolade, feinstem Marzipan und edlen Aromen. Hier gelingt es Elfie und ihren Nachbarn, sich ihre Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten zu erhalten. Dann kommt Elfie dem Geheimnis einer besonderen Praline und der Geschichte einer verbotenen Liebe auf die Spur. Doch wird sie es wagen, auch ihrer eigenen Sehnsucht zu folgen? 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Berlin 1926. Die Hauptstadt fiebert den Olympischen Spielen entgegen und entlang des Prachtboulvards "Unter den Linden" wehen die Hackenkreuzfahnen um die Wette. Die ausländische Touristen versuchen sich ein Bild von Berlin unter Hitler zu machen, während sämliche judenfeindliche Aktionen fürkurze Zeit von der Bildfläche verschwunden sind. Die Stadt Berlin zeigt sich zur Olympiade weltoffen. Die internationalen Besucher schwadronieren entlang den Linden und der eine oder andere kehrt in die Chocolaterie Sawade ein.
Verkaufsleiterin und Prokuristin Elfie Wagner führt mit Hingabe das Geschäft und steht dabei auch selbst hinter dem Tresen. Sie lebt für ihre Arbeit und den Duft von Schokolade. Privatleben kennt sie keines, denn sie lebt zurückgezogen und ihr stetiger Begleiter ist die Schwermut. Die lieblose Erziehung ihrer Großmutter hat sie verinnerlicht, die ihr immer wieder vor Augen geführt hat, wie wertlos sie sei. Doch eines Tages bittet sie Madame Conte, die im obersten Stockwerk wohnt und sich regelmäßig mit den feinsten Trüffeln beliefern lässt, zu sich. Sie erzählt ihr ihre Lebensgeschichte, die das Geheimnis des Hauses Sawade enthält.

Wir befinden uns als Leser im Umkreis der Berliner Prachtstraße und verweilen dort ganze drei Tage. Dabei lernen wir einige Menschen kennen, die tagtäglich dort arbeiten oder wohnen. Darunter Madame Conte, die oberhalb der Chocolaterie wohnt und wegen ihres hohen Alters und körperlichen Gebrechen nicht mehr ihre Wohnung verlassen kann. Umsorgt wird die ehemals elegante französische Witwe von ihrer Haushälterin Marie. Ihre Geschichte fand ich sehr interessant und hat mir gut gefallen.
Neben der Chocolaterie befindet sich die Buchhandlung von Franz Marcus. Als Jude spürt er bereits die Repressalien und Übergriffe der Nazis gegen alles jüdische. Soll er Berlin und Deutschland verlassen? Er hat bereits ein Schreiben der Behören erhalten, dass sein Laden einem arischen Nachfolger übergeben werden soll. Auch dem Halbägypter Issa El Hamady, der in Berlin aufgewachsen ist, ergeht es ähnlich. Seine Bar läuft zur Zeit eher schlecht. Von den Menschen wird er bestenfalls geduldet und toleriert, obwohl die Nazis bei ihm als Stammkunden ein- und ausgehen.
Außerdem begleiten wir den jungen Pagen Heiner, der vom Land nach Berlin kommt um seine Ausbildung zu machen, sowie Museumwärter
Erwin, der sich wehmütig an die Kunst von Käthe Kollwitz und Max Liebermann erinnert, die als entarte Kunst im Keller verbannt wurde.
Aber auch Leierkastenmann Willi, Blumenmädchen Rosa und Verkäuferin Trude gehören zur kleinen Gemeinschaft mit ihren eigenen Geschichten.

Zu Wort kommen auch die Linden, die über die Veränderungen der letzten Jahre nachdenken. Ihre Erinnerungen werden als kurze Einschübe zwischen den einzelnen Episoden dargestellt. Diese etwas unkonventionelle Sicht hat mir einerseits gefallen, andererseits unterbricht sie immer wieder den Lesefluss.


Als Leser begleitet man die Protagonisten über drei Tage im August. Dabei erhält man einen kleinen Einblick in das Leben von diesen Menschen, sowie deren Sorgen, Ängste, Träume und Hoffnungen. 

Der Roman ist sehr ruhig und man muss sich etwas in Geduld üben, bis der Funke überspringt - mir erging es jedenfalls so. Doch danach taucht man in eine Geschichte voller Poesie ein, die atmosphärisch diese Zeit wunderbar einfängt.
Dabei kommt es zu keinen großartigem Spannungsbogen und manche Handlungsstränge verlaufen im Sand und werden nicht auserzählt.
Alleine durch die raschen Perspektivwechsel wird man als Leser neugierig, was weiterhin passieren wird. Doch das im Klappentext angekündigte Geheimnis ist nicht wirklich dramtisch. Der Roman lebt hauptsächlich durch die Sprache, die die Ereignisse untermalt.

Die einzelnen Kapitel sind jeweils aus der Sicht einer Person geschrieben und mit Datum und Tageszeit gekenntzeichnet. Der wunderschöne farbige Buchschnitt ist neben dem Cover ein besonderer Hingucker.

Fazit:
 Ein sehr leiser Roman, der die besondere Stimmung zur Zeit der Olympiade in Berlin einfängt und mit einer wunderbaren Atmosphäre punktet. Neben dem allgegenwärtigen Geruch von Schokolade, spürt man auch die Ängste und Zweifel der Bewohner der Hauptstadt. Für diesen Roman sollte man den richtigen Zeitpunkt finden, um ihn genießen zu können.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag, der mir das Rezensionsexemplar unangefragt zugeschickt hat.

[Fräulein Gold] Der Himmel über der Stadt - Anne Stern

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 480 Seiten
    • Verlag: ‎ Rowohlt Taschenbuch; 2. Edition (21. April 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3499004313
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499004315
    • Genre: historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 3 um die Hebamme von Berlin



Rowohlt Kurzbeschreibung:
Berlin, 1924. Hulda Gold arbeitet in der neuen Frauenklinik in Berlin-Mitte und versorgt dort die Frauen und ihre Neugeborenen. Die Geburtshilfe ist modern, Berlin am medizinischen Puls der Zeit. Doch es kommt zu einem tragischen Todesfall: Eine junge Schwangere stirbt bei einer Operation, die ausgerechnet der ehrgeizige Chef-Gynäkologe Egon Breitenstein durchführt. Zufällig stößt Hulda auf Ungereimtheiten, die einen üblen Verdacht keimen lassen. Die Mauer des Schweigens, die sich in der Klinik aufbaut, ist für die Hebamme aber kaum zu durchdringen. Ein Dickicht aus Ehrgeiz und falschen Ambitionen umgibt die Ärzte, die bereit sind, ihr männliches Imperium zu verteidigen – wenn nötig, bis zum Äußersten.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im dritten Band um Hulda Gold, der Hebamme aus Berlin, begleiten wir sie zu ihrer neuen Arbeitsstätte, der Frauenklinik Berlin-Mitte. Ihr neuer Job bedeutet für sie eine große Umstellung, denn in der Artilleriestraße gehen die Uhren anders. Die Hebammen sind nicht direkt bei der Geburt dabei, wie es Hulda gewohnt ist, sondern sie müssen die Gebärende kurz vor der Niederkunft verlassen und die Ärzte, samt ihren Schülern,  übernehmen. Hulda gefällt das gar nicht, denn sie fühlt sich vorallem dem schönsten Augenblick beraubt: der Geburt.
Als es immer wieder zu tragischen Todesfällen nach Geburten kommt, bei denen die Frauen verbluten, regt sich ein schlimmer Verdacht bei Hulda.
Zusätzlich belastet sie die Beziehung zu Karl. Der Kommissar greift immer öfter zur Flasche und hat Angst sich endlich der Vergangenheit zu stellen. Die Beziehung steht daraufhin auf der Kippe...

Anne Stern bringt uns die Zeit rund um die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wieder sehr nahe. Der Charme von Berlin und der bereits spürbare politische Umschwung wird sehr atmosphärisch dargestellt. Lokalkolorit ist immer vorhanden und Berlin als Stadt wird zur zweiten Hauptprotagonistin.
Leider fehlte mir diesmal aber die Spannung. Vorallem in der Mitte bilden sich doch einige Längen. Huldas Arbeitsalltag wird sehr detailliert beschrieben und wiederholt sich des öfteren. Die Ungereimtheiten in der Klinik kommen erst richtig im letzten Drittel zu tragen. Auch Karls neuerster Fall wird nur angerissen und verläuft später im Sand. Zeitungsverkäufer Bert, mit seinem Kiosk am Winterfeldplatz, der immer ein offenes Ohr für Hulda hat, bekommt hingegen etwas mehr Platz in der Geschichte, ebenso wie Huldas Vermieterin Margaret Wunderlich. Hulda finde ich wieder genauso reizend, wie schon in den Vorgängerbänden. Sie liebt ihre Eigenständigkeit und lebt ihre Neugierde aus, die sie wieder in Schwierigkeiten bringt. Gleichzeitig ist sie immer für ihre Freunde da und hat in ihrem Beruf ihre Erfüllung gefunden....nur in der Liebe, da klappt es nicht wirklich.
Die einzelnen Figuren sind wieder bis hin zum kleinsten Nebencharakter sehr lebendig und liebevoll ausgearbeitet. Ich hatte alle sehr bildhaft vor Augen und schloss diejenigen, denen ich nun schon zum dritten Mal begegnete mehr oder weniger ins Herz..
Auch wenn Geschehnisse aus den Vorgängerbänden erwähnt werden, empfehle ich doch immer wieder die Bücher der Reihe nach zu lesen.

Auf der Innenklappe der Broschur befindet sich wieder ein Plan von Berlin aus dem Jahr 1924. Die Aufmachung des Buches finde ich wieder absolut gelungen.

Fehlte mir schon in den Vorgängerbänden die Krimihandlung, die immer angekündigt wurde, spielt sie in diesem dritten Band fast überhaupt keine Rolle mehr. Ich hätte damit kein Problem, wenn die Reihe nicht als historische Krimireihe angekündigt wird. In diesem Band fehlte mir jedoch auch als Roman die Spannung. Das finde ich sehr schade! Deshalb gibt es diesmal "nur" 3 Sterne von mir.

Fazit:
Für mich der bisher schwächste Band der Reihe, der einige Längen aufweist und meine Erwartungen nur teilweise erfüllt hat. Für Leser, die bereits die ersten beiden Teile gelesen haben, natürlich trotzdem ein Must Read. Ich hoffe nun auf einen fesselnden vierten Band der im November erscheinen wird.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Reihe um die Berliner Hebamme Hulda:

  1. Schatten und Licht  *Rezi*
  2. Scheunenkinder  *Rezi*
  3. Der Himmel über der Stadt  
  4. Die Stunde der Frauen erscheint am 16. November 2021

[Fräulein Gold] Scheunenkinder - Anne Stern

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert : 448 Seiten
    • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; 1. Edition (13. Oktober 2020)
    • ISBN-13 : 978-3499004292
    • Genre: historischer Krimi
    • Reihe: ja - Band 2 um die Hebamme von Berlin



Rowohlt Kurzbeschreibung:
1923: Die Berliner Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel nach Mitte gerufen. Obwohl die jüdische Familie dort nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln lebt, gewinnt Hulda das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche nach ihm verstrickt. Wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verlorengehen? Je hartnäckiger Hulda den Spuren folgt, desto stärker stößt sie auf Widerstand, denn die Bewohner des Viertels haben ihre gut gehüteten Geheimnisse. Bald zeigt sich, dass die Berliner Polizei zur gleichen Zeit nach Kinderhändlern fahndet, und Hulda ahnt einen Zusammenhang. Kann Kommissar Karl North ihr helfen, das Neugeborene zu finden? Doch dann entlädt sich im Scheunenviertel der Judenhass in einem Pogrom, und Hulda selbst gerät in höchste Gefahr.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Meine Meinung:
Im zweiten Band rund um die Hebamme Hulda Gold von Anne Stern geht die Autorin etwas mehr auf die historischen Hintergründe ein und etwas weg vom Krimigenre. Wir schreiben das Jahr 1923, das geprägt ist von der Hyperinflation. Hunger und Not sind an der Tagesordnung, denn niemand weiß wie viel am nächsten Tag ein Stück Brot kosten wird. Auch in diesen schweren Zeiten ist Hulda täglich unterwegs um sich um schwangere Frauen und um Neugeborene zu kümmern. Als sie durch eine Vermittlung ihres Vaters außerhalb ihres Gebietes zu einer Geburt ins berüchtigte Scheunenviertel gerufen wird, spürt sie sofort die sehr angespannte Stimmung zwischen den Familienmitgliedern. Die strenggläubige Familie Rothmann, die erst seit kurzem im ärmsten Viertel von Berlin wohnt, scheint die Schwiegertochter nicht zu akzeptieren, die nicht jüdischen Glaubens ist. Als Hulda zwei Tage später zum Routinebesuch bei der Familie ankommt, ist das Neugeborene verschwunden und die Mutter völlig verzweifelt und ängstlich. Hulda kann nicht glauben, dass ein Neugeborenes so einfach verschwindet und nimmt sich als Aufgabe den kleinen Sohn der Rothmanns zu finden. Doch sie stößt auf eine Mauer des Schweigens...

Hulda muss sich diesmal selbst ihrer jüdischen Herkunft stellen, die für sie bisher nicht wirklich wichtig war. Mit dem Besuch im Scheunenviertel, wo sie zu einer Geburt gerufen wird, wird ihr erstmals klar, dass sie ihre Herkunft nicht verleugnen kann. Obwohl sie selbst die Religion nicht praktiziert, genügt der jüdische Nachname um denunziert zu werden. Als die Repressalien gegen die orthodoxen Juden zunehmen und sie plötzlich mittendrin ist, realisisert sie erstmals den beginnenden Hass auf die jüdische Bevölkerung.
Zusätzlich versucht sie sich über die Beziehung zu Hauptkommissar Karl North klar zu werden, die nicht sehr einfach ist. Er befasst sich im Moment mit besonders grausamen Morden an Kindern, die ihn sehr mitnehmen. Dementsprechend sind auch die Treffen der Beiden sehr von ihren eigenen Gedankengängen getrübt.
Hulda, die sehr eigenständig ist und nicht vom Wohlwollen eines Ehemannes abhängig sein möchte, fragt sich, ob ihre Beziehung überhaupt eine Chance hat. In der Apothekerwitwe Jette findet sie endlich eine Freundin, die ihr in der Not zur Seite steht.
 
Die Handlung kommt diesmal extrem langsam in Fahrt und hatte für mich einige Längen. Obwohl der politische Hintergrund und die Charaktere sehr fein und detailliert gezeichnet sind, war für mich der Krimianteil viel zu klein. Eigentlich hatte ich schon im ersten Band keinen Kriminalroman erwartet und war erstaunt, dass "Fräulein Gold" damit bezeichnet wurde. Im ersten Teil findet man auch noch mehr kriminalistische Anteile, im zweiten Band erst ganz gegen Ende. Das ist allerdings kein Kriterium die Geschichte "abzuwerten". Wie oft habe ich mich schon an den Bezeichnungen "Thriller" oder "Roman" gestört, nachdem ich eine ganz andere Geschichte hinter den Buchdeckeln fand. Aber es suggeriert den Leser im Vorhinein oftmals eine falsche Richtung...das ist schade!
Die Geschichte lebt vorallem von der Atmosphäre und dem Lokalkolorit Berlins. Die Schauplätze sind lebendig und bildhaft. Die einzelnenen Charaktere sind bis hin zu den kleinsten Nebenfiguren sehr liebevoll ausgearbeitet, vielschichtig und authentisch. Das macht vorallem die Geschichte aus, die davon lebt. Der Schreibstil ist flüssig, detailliert und fesselnd.
Trotzdem war ich ein bisschen enttäuscht, denn alleine die lieb gewonnenen Figuren und der atmosphärische Schreibstil haben mir diesmal nicht ganz gereicht. Mich muss auch die Geschichte fesseln und das tat sie leider nur teilweise. An Band 1 kommt "Scheunenkinder" nicht ganz heran, deswegen vergebe ich gute 3 1/2 Sterne und freue mich schon auf Band 3.

Fazit:
Trotz der tollen Atmosphäre, dem Lokalkolorit von Berlin in den 1920igern und dem Zeitgeist kommt meiner Meinung Band 2 nicht ganz an den ersten Band heran. Mir fehlte es ein bisschen an Spannung. Macht euch aber bitte selbst ein Bild, denn die Bewertungen der anderen Leser sind sehr gut.

Die Reihe um die Berliner Hebamme Hulda:

  1. Schatten und Licht  *Rezi*
  2. Scheunenkinder
  3. Der Himmel über der Stadt  *erscheint im April 2021*

[Fräulein Gold] Schatten und Licht - Anne Sterne

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


      • Broschiert: 400 Seiten
      • ISBN-13: 978-3499004278
      • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (16. Juni 2020)
      • ISBN-10: 3499004275
      • Genre: Historischer Roman, historischer Krimi
      • Reihe: ja - Band 1 der Fräulein Gold Reihe



Rowohlt Kurzbeschreibung: 
1922: Hulda Gold ist gewitzt und unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Durch ihre Hausbesuche begegnet die Hebamme den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen besonders am Herzen liegt. Der Große Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen, und die junge Republik ist zwar von Aufbruchsstimmung, aber auch von bitterer Armut geprägt. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Hulda stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Anne Stern ist für mich keine unbekannte Autorin, denn ich kenne sie bereits durch ihre Bücher, die sie als Selfpublisher veröffentlicht hat. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass der Rowohlt Verlag ihre Fräulein Gold Reihe ins Verlagsprogrgamm genommen hat. Die Geschichte ist eine Mischung aus historischem Roman und historischem Krimi mit einem kleinen Schuss Liebe.

Im Auftakt dieser Reihe begeben wir uns nach Berlin ins Jahr 1922, wo Hulda Gold im Elendsviertel Bülowbogen im Stadtteil Schönberg als Hebamme tätig ist. Es ist eine politisch sehr unruhige Zeit und die Inflation hat die Menschen im Griff. Die Zeit ist schnelllebig und die Kluft zwischen Arm und Reich groß.
Hulda ist nicht nur bei Geburten anwesend, sondern versucht bereits zuvor eine Bindung zu den schwangeren Frauen aufzubauen. Als sich eine ihrer Patientinnen um ihre verschwundene Nachbarin Rita sorgt, bittet sie die Hebamme nachzuforschen. Hulda findet heraus, dass Rita aus dem Landwehrkanal gefischt wurde und der Fall bereits als Selbstmord abgestempelt wird. Daraufhin versucht sie auf eigene Faust zu recherchieren.
Dabei kommt sie Hauptkommissar Karl North in die Quere, den sie für unfähig hält. Dieser ist zusehens genervt von Huldas Einmischerei, die sie immer wieder in große Gefahr bringt.
Generell ist das Duo Hebamme und Kriminalkommissar als Ermittler mal etwas Neues. Es ist eine Mischung aus der Hebammensaga von Linda Winterberg und den Krimis von Volker Kutscher um Gideon Rath. Aber eigentlich sollte man keine Vergleiche anstellen, denn Anne Stern hat mit Hulda Gold etwas Neuartiges kreiiert.

Kommissar Karl North fand ich ebenfalls sehr interessant. Aufgewachsen als Waisenkind in einem Heim hat er seinen Weg gemacht. Doch die Vergangenheit hat er noch nicht richtig abgeschüttelt. Der Mordfall um die Prostituierte Rita bringt ihn deshalb an seine Grenzen. Gleichzeitig wirkt er aber unnahbar und nicht unbedingt vertrauenswürdig.

Hulda ist eine sehr eigensinnige und unerschrockene junge Frau, die mit 26 Jahren bereits als alte Jungfer gilt. Sie hat eine Beziehung hinter sich, mit der sie noch nicht wirklich abgeschlossen hat. Zusätzlich steckt sie gerne ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen und sie immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Sie hat ein Herz für die Armen und unterstützt die Frauen in den heruntergekommen Mietskasernen, wo sie nur kann. Zusätzlich bekommt man als Leser einen guten Eindruck von Huldas Arbeit als Hebamme.
Beide Charaktere sind sehr gut eingefangen und haben Ecken und Kanten.

Anne Stern schreibt sehr mitreißend und detailiert. Die Schauplätze sind sehr bildhaft und lebendig beschrieben. Obwohl ich noch nie in Berlin war hatte ich immer ein Bild vor Augen und begleitete Hulda auf ihren Wegen.
Das Aufkommen der Nationalsozialisten wird ebenso erwähnt, wie die Kluft zwischen den Hebammen und den Gynäkologen in den Krankenhäusern.
Das informative Nachwort am Ende des Romans rundet die Geschichte perfekt ab.

Fazit:
Ein gelungener Auftakt mit einem ungewöhnlichen Ermittlerpärchen, das in Berlin der 1920iger Jahre den Tod einer Prostituierten aufzuklären versucht. Ich bin schon sehr auf die Nachfolgebände gespannt, die im Oktober dieses Jahres und im April 2021 erscheinen werden.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Rabenjahre - Anne Stern



    • Taschenbuch: 233 Seiten
    • Verlag: Independently published (17. August 2018)
    • ISBN-10: 1983296791
    • ISBN-13: 978-1983296796
    • Genre: historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Familie Pauly Saga

Amazon Kurzbeschreibung:
Norddeutschland, 1939. Die junge Waise Johanna geht auf einem Bauernhof bei Hamburg in Stellung. Niemand ahnt etwas von ihrer jüdischen Herkunft. Doch bald gerät Johanna in Gefahr und muss Hals über Kopf fliehen. Ihre Flucht führt sie mitten im Krieg durch Deutschland. Als Kindermädchen auf Gut Delow in Vorpommern scheint sie endlich einen Platz im Leben gefunden zu haben. Doch dann kommt Johanna die Liebe dazwischen. Als sie ein Kind erwartet, überschlagen sich die Ereignisse. Die russische Armee steht vor dem Gutshof und mit ihr das Kriegsende 1945. Doch Johanna kämpft für ihre Freiheit und für die Liebe zu ihrer Tochter. Und sie fasst einen mutigen Entschluss, um für Brigitta und sich endlich ein Zuhause zu finden.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im zweiten Band der Familie Pauly Saga, den man auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, ist Johanna unsere Hauptprotagonistin.
Als 16jährige verlässt sie endlich das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen ist. Nur mit ihren Kleidern am Leib und einem Notenblatt, das einst ihrer jüdischen Mutter gehörte, tritt sie eine Stellung als Magd auf einem Bauernhof im Umland von Hamburg an. Dort erwartet sie schwere harte Arbeit, aber endlich genug zu essen. Doch die eifersüchtige Magd Freya und der anfangs sympathische Knecht Tobias lassen Johanna bald erkennen, dass sie nicht erwünscht ist. Tobias unsittliche Anmache und ihr jüdiches Aussehen bringt sie in Gefahr und nach einem Zwischenfall muss Johanna flüchten. Nach Wochen auf der Flucht findet sie bei Familie Westphal auf Gut Delow in Vorpommern eine neue Anstellung als Kindermädchen. Doch auch der Gutsherr hat ein Auge auf die schöne junge Frau geworfen. Johanna erwidert seine Gefühle, die sie bald in Schwierigkeiten bringen.
Als 1945 die Russen im Gebiet einfallen, Flüchtlingsströme das Gut erreichen und sich Soldaten im Herrenhaus einquartieren, wird die Not und die Gefahr für Johanna noch größer. Doch sie kämpft weiter...wie sie es seit ihrer Geburt kennt...

Die Entbehrungen der Kriegsjahre sind sehr eindrucksvoll und lebendig beschrieben. Auch die immer schwelende Gefahr in der sich Johanna befindet, obwohl sie als Deutsche im Kinderheim aufgezogen wurde, ist immer greifbar. Als der Krieg verloren und die Russen an Territorium gewinnen, wird auch die Not der Bevölkerung sehr plastisch dargestellt. Übergriffe, Plünderungen und Angst sind an der Tagesordnung und die Menschen müssen sich so gut es geht mit der Situation arrangieren.

Die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt und sind mitten aus dem Leben gegriffen. Ich konnte mir jeden Einzelnen davon bildhaft vorstellen.
Johanna ist eine starke junge Frau, die von klein auf kämpfen muss. Sie ist sich ihrer Schönheit nicht bewusst, sondern hat eher wenig Selbstbewusstsein und möchte vorallem nicht auffallen. Sie ist durch die harten Jahre im Waisenhaus harte Arbeit gewöhnt, mutig und gibt nicht schnell auf. Ihr Wunsch herauszufinden, warum ihre Mutter sie weggeben hat und wer diese Frau war, geben ihr ein Ziel vor Augen.
Carl von Westphal ist ein schwacher Mann und steht unter dem Pantoffeln seiner Frau Gudrun, welche eine glühende Anhängerin Hitlers ist. Seit der Geburt ihrer Töchter leidet sie unter Depressionen und ist eine sehr kühle und arrogante Person. Ihr jüngster Sohn Friedrich leidet besonders unter der Nichtbeachtung seiner Eltern und findet in Johanna eine gute Freundin. Friedrich ist mir sehr ans Herz gewachsen und ein sehr warmherziger und neugieriger Junge, der sich um alles Mögliche Gedanken macht.
Hans, ein Junge, den Johanna auf ihrer Flucht kennenlernt, ist mir ebenfalls ans Herz gewachsen. Der jüdische Junge musste mitansehen, wie seine Mutter ermordet wurde und ist seitdem auf der Flucht. Einzig seinen Namen hat er von David auf Hans geändert. Er vertraut niemanden und schlägt sich alleine durch.

Einen kleinen Blick in die Vergangenheit werfen wir mit kurzen berührenden Briefen von Johannas Mutter an ihre Tochter, die in kursiver Schrift eingefügt sind.

Das Ende war mir dann leider etwas zu schnell und viel dem Zufall gewidmet. Es überschlugen sich die Ereignisse und mir waren auf den noch verbleibenden Seiten zu viel an Information verpackt.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr bildhaft, detailiert und ausgeschmückt. Gefühlvoll beschreibt die Autorin die Gedanken und die Ängste von Johanna. Die Figuren sind lebendig und haben Ecken und Kanten. Auch die Gegend rund um Hamburg konnte ich mir bildlich sehr gut vorstellen.
Der Titel ist gut gewählt, denn Raben kommen in verschiedenen Variationen immer wieder im Roman vor.

Fazit:
Eine bewegende Fortsetzung der Familie Pauly Saga, die auch alleinstehend gut zu lesen ist. Ein Stück Zeitgeschichte, das bewegt und mit dem Schicksal der Waise Johanna dem Leser diese Zeit nahe bringt. Ich freue mich schon auf den dritten Teil der Reihe.

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

Die Familie Pauly Reihe:
  1. Das Glück ist ein flüchtiger Vogel *Rezi*
  2. Rabenjahre
  3. Die Asche des Flieders

Das Glück ist ein flüchtiger Vogel - Anne Stern



    • Taschenbuch: 244 Seiten
    • Verlag: Independently published (4. Mai 2018)
    • ISBN-10: 1980919429
    • ISBN-13: 978-1980919421
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: Familie Pauly Saga, Band 1


Amazon Kurzbeschreibung:
Berlin, 1923. Margarethe Pauly, eine junge Pianistin aus jüdischem Hause, lebt ein privilegiertes Leben im krisengeschüttelten Berlin der Weimarer Republik. In den Salons ihrer Mutter in der Villa am Wannsee trifft sich die Berliner Bohème zwischen Tradition und Moderne. Doch Margarethe will mehr. Die Verlockungen der Zwanziger Jahre führen sie an unbekannte Orte in der nächtlichen Großstadt. Im glitzernden Scheunenviertel begegnet sie dem jungen Eli, der sie schnell in ihren Bann zieht. Aber ihre Welten sind Lichtjahre voneinander entfernt. Margarethe muss sich entscheiden, was sie für ihre Liebe aufs Spiel setzen will. Eine gefährliche Suche nach Abenteuer und Glück beginnt – und der Preis ist hoch.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
In dieser Vorgeschichte zu Anne Sterns Roman "Die Asche des Flieders", die sich um die Familiengeschichte der Pauly's dreht, lernen wir die junge Margarethe Pauly kennen. Sie ist die wohlbehütete Tochter eines jüdischen Bankiers und eine erfolgreiche Pianistin. Ihre Familie findet es an der Zeit, dass die heiratet und hat auch schon einen geeigneten Kandidaten für Margarethe ausgewählt: Jakob, der ebenfalls aus einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie kommt. Doch Margarethe fühlt sich zum blassen und etwas steifen jungen Mann nicht wirklich hingezogen. Als sie eines Tages im Scheunenviertel den jungen Juden Eli kennenlernt, ist sie von ihm fasziniert. Eli steht aber weit unter ihrem Stand, lebt im berüchtigten Schanzenviertel und versucht mit seinem Lohn die Familie zu versorgen. Dass sie sich in Eli verliebt, hat sie nicht miteinberechnet...suchte sie doch Freiheit und Abenteuer, bevor sie Jakob heiraten soll.
Margarethe ist für ihren Stand und der Zeit ein ziemliches Früchtchen, dabei aber etwas naiv. Durch ihre Schönheit bezirzt sie die Männer, ist sich aber möglichen Folgen noch nicht wirklich bewusst. Sie ist ziemlich hochnäsig und verwöhnt. Ihre beste Freundin Esther kommt aus der selben Schicht, ist jedoch keine Schönheit und sich dessen auch bewusst. Sie hat ein großes Herz und steht Margarethe in schweren Zeiten bei. Diese kommen für Margatrethe schneller als sie denkt....

In einem weiteren Strang aus den Jahren 1938 und 1939 wird die Geschichte des Waisenmädchens Johanna erzählt, die sich durch die Kapitelüberschrift "Reinsberg" und in kursiver Schrift abheben. Diese Abschnitte sind mir sehr zu Herzen gegangen und konnten mich besonders mitnehmen. Die beiden Erzählstränge führen gekonnt am Ende zusammen. Irgendwie hätte ich aber gerne noch etwas mehr über Johannas Schicksal erfahren.

Mit Margarethes Charakter hatte ich anfangs kleine Probleme, doch mit der Zeit und einigen Rückschlägen wird auch die junge Frau ruhiger und erfahrener. Gerne habe ich sie auf diesen Weg begleitet. Standesunterschiede und der aufkommende Hass gegen die Juden sind bereits spürbar. Die Autorin versteht es den Unterschied zwischen den reichen Juden und den Flüchtlingen aus dem Osten, die im Schanzenviertel täglich ums Überleben kämpfen, sehr gut darzustellen. Die damalige Zeit hatte viele Facetten: der finanzielle Zusammenbruch mit dem Wertverfall des Geldes, die politischen Wirren und das Aufkommen der Nationalsozialisten, aber auch die "Wilden Zwanziger" mit den modischen Errungenschaften der Frauen, wie das Wegfallen des Korsetts, Kurzhaarschnitte und vorallem die Musik. Dieses Flair hat Anne Stern auf den wenigen Seiten sehr gut eingefangen.
Trotzdem sind die Frauen noch im gesellschaftlichen Korsett gefangen. Sie haben den Haushalt zu führen, den Mund zu halten und als Mädchen sich den Wünschen der Eltern zu fügen, die meist mit arrangierten Ehen endeten.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist detailliert und liest sich wunderbar: Die Charaktere sind alle sehr authentisch, haben Ecken und Kanten. Die musikalische Komponente mochte ich ebenfalls sehr. Vorallem aber hat mich die eindrucksvolle Atmosphäre der Stadt Berlin der Zwanziger Jahre beeindruckt, die von Anne Stern toll eingefangen wurde.

Fazit:
Der historische Roman, der uns vom Leben der jüdischen Familie Pauly in den Zwanziger Jahren in Berlin erzählt, ist ein wunderbarer Auftakt dieser Familiensaga. Vorallem die stimmungsvolle Atmosphäre der Stadt zu dieser Zeit mochte ich sehr. Ich hätte mir noch etwas mehr Seiten gewünscht und vorallem zum Schluss hin noch ein paar ausführlichere Details. Ich freue mich schon auf den zweiten Band der Familiensaga.
 

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar und die Lovelybooks Leserunde

 

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