- Taschenbuch: 244 Seiten
- Verlag: Independently published (4. Mai 2018)
- ISBN-10: 1980919429
- ISBN-13: 978-1980919421
- Genre: Historischer Roman
- Reihe: Familie Pauly Saga, Band 1
Amazon Kurzbeschreibung:
Berlin, 1923. Margarethe Pauly, eine junge Pianistin aus jüdischem Hause, lebt ein privilegiertes Leben im krisengeschüttelten Berlin der Weimarer Republik. In den Salons ihrer Mutter in der Villa am Wannsee trifft sich die Berliner Bohème zwischen Tradition und Moderne. Doch Margarethe will mehr. Die Verlockungen der Zwanziger Jahre führen sie an unbekannte Orte in der nächtlichen Großstadt. Im glitzernden Scheunenviertel begegnet sie dem jungen Eli, der sie schnell in ihren Bann zieht. Aber ihre Welten sind Lichtjahre voneinander entfernt. Margarethe muss sich entscheiden, was sie für ihre Liebe aufs Spiel setzen will. Eine gefährliche Suche nach Abenteuer und Glück beginnt – und der Preis ist hoch.
Meine Bewertung: * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
In dieser Vorgeschichte zu Anne Sterns Roman "Die Asche des Flieders", die sich um die Familiengeschichte der Pauly's dreht, lernen wir die junge Margarethe Pauly kennen. Sie ist die wohlbehütete Tochter eines jüdischen Bankiers und eine erfolgreiche Pianistin. Ihre Familie findet es an der Zeit, dass die heiratet und hat auch schon einen geeigneten Kandidaten für Margarethe ausgewählt: Jakob, der ebenfalls aus einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie kommt. Doch Margarethe fühlt sich zum blassen und etwas steifen jungen Mann nicht wirklich hingezogen. Als sie eines Tages im Scheunenviertel den jungen Juden Eli kennenlernt, ist sie von ihm fasziniert. Eli steht aber weit unter ihrem Stand, lebt im berüchtigten Schanzenviertel und versucht mit seinem Lohn die Familie zu versorgen. Dass sie sich in Eli verliebt, hat sie nicht miteinberechnet...suchte sie doch Freiheit und Abenteuer, bevor sie Jakob heiraten soll.
Margarethe ist für ihren Stand und der Zeit ein ziemliches Früchtchen, dabei aber etwas naiv. Durch ihre Schönheit bezirzt sie die Männer, ist sich aber möglichen Folgen noch nicht wirklich bewusst. Sie ist ziemlich hochnäsig und verwöhnt. Ihre beste Freundin Esther kommt aus der selben Schicht, ist jedoch keine Schönheit und sich dessen auch bewusst. Sie hat ein großes Herz und steht Margarethe in schweren Zeiten bei. Diese kommen für Margatrethe schneller als sie denkt....
In einem weiteren Strang aus den Jahren 1938 und 1939 wird die Geschichte des Waisenmädchens Johanna erzählt, die sich durch die Kapitelüberschrift "Reinsberg" und in kursiver Schrift abheben. Diese Abschnitte sind mir sehr zu Herzen gegangen und konnten mich besonders mitnehmen. Die beiden Erzählstränge führen gekonnt am Ende zusammen. Irgendwie hätte ich aber gerne noch etwas mehr über Johannas Schicksal erfahren.
Mit Margarethes Charakter hatte ich anfangs kleine Probleme, doch mit der Zeit und einigen Rückschlägen wird auch die junge Frau ruhiger und erfahrener. Gerne habe ich sie auf diesen Weg begleitet. Standesunterschiede und der aufkommende Hass gegen die Juden sind bereits spürbar. Die Autorin versteht es den Unterschied zwischen den reichen Juden und den Flüchtlingen aus dem Osten, die im Schanzenviertel täglich ums Überleben kämpfen, sehr gut darzustellen. Die damalige Zeit hatte viele Facetten: der finanzielle Zusammenbruch mit dem Wertverfall des Geldes, die politischen Wirren und das Aufkommen der Nationalsozialisten, aber auch die "Wilden Zwanziger" mit den modischen Errungenschaften der Frauen, wie das Wegfallen des Korsetts, Kurzhaarschnitte und vorallem die Musik. Dieses Flair hat Anne Stern auf den wenigen Seiten sehr gut eingefangen.
Trotzdem sind die Frauen noch im gesellschaftlichen Korsett gefangen. Sie haben den Haushalt zu führen, den Mund zu halten und als Mädchen sich den Wünschen der Eltern zu fügen, die meist mit arrangierten Ehen endeten.
Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist detailliert und liest sich wunderbar: Die Charaktere sind alle sehr authentisch, haben Ecken und Kanten. Die musikalische Komponente mochte ich ebenfalls sehr. Vorallem aber hat mich die eindrucksvolle Atmosphäre der Stadt Berlin der Zwanziger Jahre beeindruckt, die von Anne Stern toll eingefangen wurde.
Fazit:
Der historische Roman, der uns vom Leben der jüdischen Familie Pauly in den Zwanziger Jahren in Berlin erzählt, ist ein wunderbarer Auftakt dieser Familiensaga. Vorallem die stimmungsvolle Atmosphäre der Stadt zu dieser Zeit mochte ich sehr. Ich hätte mir noch etwas mehr Seiten gewünscht und vorallem zum Schluss hin noch ein paar ausführlichere Details. Ich freue mich schon auf den zweiten Band der Familiensaga.
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar und die Lovelybooks Leserunde
















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