Posts mit dem Label Britta Bolt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Britta Bolt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Der Tote im fremden Mantel -Britta Bolt




    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (17. Februar 2017)
    • ISBN-10: 3455406262
    • ISBN-13: 978-3455406269
    • Genre: Krimi
    • Originaltitel: Barmhartig
    • Reihe: ja - Fall 3 von Pieter Posthumus


Hoffmann & Kampe Kurzbeschreibung: 
Pieter Posthumus liebt Amsterdam und will an keinem anderen Ort der Welt leben – und das, obwohl die große Wirtschaftskonferenz mit ihren Horden von Delegierten und zahlreichen Gegendemonstrationen gerade nichts als Unruhe verbreitet. Immerhin geht im »Büro der einsamen Toten« alles seinen gewohnten Gang. Bis zu dem Tag, an dem Posthumus den Tod eines Junkies untersucht, der einen viel zu vornehmen Kamelhaarmantel trägt … Bald gibt es noch einen Toten: einen Teilnehmer der Konferenz – und anscheinend hängen die beiden Todesfälle miteinander zusammen. Haben die Taten einen ideologischen Hintergrund? Oder gibt es doch ein persönliches Motiv? Die Ermittlungen führen Posthumus zurück in seine eigene Vergangenheit als Student mit radikalen politischen Überzeugungen. Tiefer und tiefer gerät er hinein in ein Netz aus politischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

 ***** Man kann diesen dritten Band auch ohne Vorkenntnisse zu den Vorgängerbänden lesen - Mitleser bei der LR, die den ersten Band nicht kannten, bemängelten jedoch die vielen Rückblenden! *****

Meine Meinung:
In Britta Bolts dritten Krimi begleiten wir wieder Pieter Posthumus durch die Straßen und Grachten von Amsterdam. Dem Mitarbeiter des Amtes für Katastrophenschutz und Bestattungen der Stadt, kurz genannt "Das Büro der einsamen Toten",  mangelt es nie an neuen Fällen, für die er den Nachlass regeln und ein würdiges Begräbnis organisieren soll.

Dieses Mal findet in Amsterdam die Wirtschaftskonferenz "Earth 2050" statt und es wimmelt nur so von Delegierten und Demonstranten aus der ganzen Welt. Und bald hat auch Pieter wieder einen Fall zu bearbeiten. Frans Kamp, ein Junkie, für den er den Nachlass regeln soll, wurde in einem teuren Kamelhaarmantel mit einem Packen Geldscheinen gefunden. Das Geld hat ihm wohl zum "Goldenen Schuss" verholfen, der ihn schlussendlich zu Pieter brachte. Doch woher hatte der Junkie den teurenMantel  und die große Geldsumme? Pieter findet außerdem noch in einer kleinen Seitentasche die Vistenkarte des Konferenzteilnehmers Ben Ollsen, der schwer verletzt auf der Intensivstation im Krankenhaus liegt. Kommissar de Boer und PP versuchen den Tathergang und eine Verbindung zwischen den beiden Männern zu finden, doch das ist schwieriger, als sie denken....

Nachdem ich bereits Band 1 und 2 aus der Reihe rund um Pieter Posthumus gelesen habe, fühlt man sich nach den ersten Seiten sofort wieder wie zuhause. Ich traf alte Bekannte wie Anna, die Besitzerin des "Dolle Hond", dem Stammlokal von Posthumus, als auch Cornelius, PPs Freund, der die Grabreden für die unbekannten Toten spricht und auch Pieters Nichte Merel kam im dritten Band wieder öfters vor und bescherte den Lesern einen kleinen Cliffhanger auf den letzten Seiten.

Ich liebe das besondere Flair dieser Reihe, die sich von anderen Krimis abhebt. Auch wenn Britta Bolt eher den ruhigen Schreibstil bevorzugt und das Autorenpaar des öfteren durch kleine Nebensächlichkeiten vom eigenen Fall abschweift, punktet der Krimi gerade durch seine Eigenheiten.

Die verschiedenen Handlungsstränge, die diesmal nicht ganz so zahlreich sind, wie im zweiten Band, sind wieder äußerst komplex aufgebaut und verknüpfen sich am Ende hin zu einem Ganzen. Der Fall ist diesmal äußerst brisant und kaum durchschaubar. So beginnt Kommissar de Boer Pieters Denkweise und Recherchen immer mehr zu schätzen und bindet Posthumus viel mehr als bisher in den Fall ein. Tina, die nun bei Anna im Lokal aushilft, nimmt ebenfalls in "Der Tote im fremden Mantel" eine größere Rolle ein und wird wohl ab diesem Krimi zu den "Stammfiguren" gehören.
Das Privatleben, sowie Posthumus Kollegen aus dem Büro der einsamen Toten, spielen diesmal nur eine Nebenrolle. Der Fokus liegt hier eindeutig beim Fall.

Schreibstil:
Der Schreibsstil des Autorenduos Britta Böhler und Rodney Bolt, die gemeinsam unter dem Pseudonym Britta Bolt schreiben, ist eher ruhig und detailliert. Wie schon in den Vorgängerbänden gibt es viele Charaktere und die Beschreibung der Figuren, und vorallem von Amsterdam, ist sehr bildgewaltig und lebendig. Der Plot ist dicht gewebt und erst am Ende führen alle Handlungsstränge zu einem Einzigen zusammen.

Cover:
Die niederländischen und englischen Cover passen ebenso, wie die deutschen Cover, perfekt in die Reihe, wobei mir die niederländischen viel besser gefallen, als die englischen.
Aber die deutschen Cover mit den Artifakten aus Delfter Porzelan gefallen mir ebenfalls gut. Sie sind etwas ganz anderes, als üblicher Weise für Krimis verwendet wird. Nur die rote Umrandung ist Geschmacksache, wobei die Bücher nebeneinander im Bücherregal wieder richtig toll aussehen.

Fazit:
Ein weiterer gelungener Krimi aus der Reihe, die alleine schon mit einem außergewöhnlichen "Ermittler" und einem interessanten Schauplatz punkten kann. Das aktuelle umweltpolitische Thema und der interessante Plot ließen mich ein Auge zudrücken und die kleine Hänger im ersten Drittel vergessen. Wie immer ist der Krimi eher ruhig und detailverliebt. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall und auf ein Wiedersehen in Amstersdam!

 
 
 Die Reihe rund um Pieter Posthumus:

  1. Das Büro der einsamen Toten *meine Rezi*
  2. Das Haus der verlorenen Seelen *meine Rezi*
  3. Der Tote im fremden Mantel

Das Haus der verlorenen Seelen - Britta Bolt



    • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    • Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (10. März 2016)
    • ISBN-10: 3455405630
    • ISBN-13: 978-3455405637
    • Originaltitel: Lives lost
    • Genre: Krimi
    • Reihe: ja - Band 2 (Pieter Posthumus)


Hoffmann & Campe Kurzbeschreibung: 
Pieter Posthumus vom "Büro der einsamen Toten" ermittelt wieder - diesmal im Rotlichtviertel von Amsterdam. Im Gästehaus neben seiner Stammkneipe dem Dolle Hond ist ein Mieter umgebracht worden. Die schräge Wirtin Marloes steht unter Verdacht. Posthumus zweifelt an ihrer Schuld und nimmt die Ermittlungen auf. Warum hat der Tote jedes Jahr nur ein Bild gemalt - und jedes Mal die Kopie eines klassischen holländische Gemäldes? Gibt es eine Verbindung zu dem anderen Mieter, der Jahre vorher ermordet wurde? Allmählich begreift Posthumus, dass eine Minute manchmal den Ausschlag gibt: zwischen Unschuld und Schuld, zwischen einem Leben, das geretten werden kann, und einem, das verloren ist. Und dass Fragen manchmal Wahrheiten ans Licht bringen, die nur schwer zu ertragen sind.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

***** Man kann diesen zweiten Band auch ohne Vorkenntnisse zu den Vorgängerbänden lesen - Mitleser bei der LR, die den ersten Band nicht kannten, bemängelten jedoch die vielen Rückblenden! *****

Meine Meinung:
Letztes Jahr habe ich den ersten Fall rund um Pieter Posthumus aus dem "Büro der einsamen Toten" gelesen und freute mich schon sehr  auf den nächsten Krimi dieses außergewöhnlichen "Ermittlers". Den Posthumus ist kein "gewöhnlicher" Ermittler, wie wir sie aus Kriminalromanen kennen, sondern Mitarbeiter des Amtes für Katastrophenschutz und Bestattungen der Stadt Amsterdam. Er beschäftigt sich mit unbekannten Toten und organisiert für diese, wenn keine Angehörigen mehr aufgespürt werden können, ein würdiges Begräbnis. Nur seine Schnüfflernase und sein sechtser Sinn, prädestinieren ihn immer wieder Ungereimtheiten aufzuspüren.

Im zweiten Fall des Autorenpaares, Britta Böhler und Rodney Bolt, die unter dem Pseudonym Britta Bolt schreiben, wird Pieter allerdings direkt auf einen Todesfall gestoßen. Im Nachbarhaus des "Dolle Hond", seinem Stammlokal, wird ein junger Mann tot aufgefunden. Es gehört Marloes Vermolen, Anna's Freundin aus Kindertagen. Diese hat aus dem ehemaligen Gasthaus ihrer Eltern ein "Haus für verlorene Seelen" gegründet. Hier versucht sie verwahrlosten Jugendlichen, die in die Drogenszene oder ins Rotlichtmilieu geschlittert sind, eine Unterkunft zu bieten und ihnen zu helfen. Als sie Zig, einen ihrer Lieblinge, in einer riesigen Blutlache findet, und kurz darauf über und über mit seinem Blut bedeckt in den "Dolle Hond" kommt, ist sie bald die Hauptverdächtige. Marloes ist eine sehr exentrische Frau, die nicht nur durch ihren bunten und außergewöhnlichen Kleidungsstil auffällt, sondern auch durch ihr unkonventionelles Wesen. Als die Besucher des "Dolle Hond", unter ihnen auch Pieter Posthumus, ihr zu Hilfe eilen, fallen ihm sofort einige Ungereimtheiten auf. Und ein Bild des Toten, an dem er gerade gemalt hatte, lässt ihn an einen alten Todesfall erinnern, der im Büro der einsamen Toten, behandelt wurde. Als er seine Eindrücke der Polizei mitteilt, ahnt er nicht, dass er Marloes damit belastet und sie kurz daruf verhaftet wird......

Ich war sofort wieder mitten in Amsterdam und es kam mir vor, als würde ich alte Bekannte wiedertreffen. Hier war Anna, Besitzerin des "Dolle Hond" und Pieters ehemalige Freundin, die er jedoch noch immer zu lieben scheint und die eine besondere Freundschaft verbindet; Cornelius, der Künstler, der die wunderbaren Gedichte und Grabreden für die unbekannten Toten spricht und mittlerweile ein guter Freund von Pieter geworden ist, sowie Merle, die Nichte von Pieter, die er im ersten Band "wiedergefunden" hat und seitdem wieder mit ihr in Kontakt ist. Vermisst habe ich allerdings etwas den Bezug zu seinem Arbeitsplatz und seinen Kollegen. Diese hatten im ersten Band doch einige wichtige Funktionen, wobei hier wenigstens, wenn auch nur kurz, Pieters Lieblingskollegin Alex ins Spiel kam.

Es gibt wieder einige Handlungsstränge, die sich mehr oder weniger miteinander verknüpfen. Da ist vorallem die Verbindung der Gemälde, die immer wieder auftauchen. Der tote Zig war ein begnadeter Maler, der Bilder großer Meister nachmalte. Doch Pieter irritiert etwas an den Gemälden, das er nicht benennen kann. Cornelius, der sich in diesem Metier auskennt, hat schon bald eine Ahnung, aber welcher Zusammenhang besteht zum ehemaligen Fall aus dem Büro der einsamen Toten?
Der zweite Handlungsstrang betrifft dubiose Immobiliengeschäfte rund um die Gegend von Marloes Haus und Annas Pub. Hier sollen die alten bestehenden Häuser, die ans Rotlichtviertel angrenzen, in schicke neue Wohnungen umgebaut werden.

Bis zur Hälfte des Buches gefiel mir dieser zweite Band sogar noch um einiges besser als Band 1. Die Geschichte ist absolut unvorhersehbar und das Autorenpaar spart nicht mit einigen Überraschungen. Die Polizeiarbeit nimmt nur einen sehr kleinen Spielraum ein.
Absolut gelungen ist wieder die wunderbare und sehr bildhafte Beschreibung von Amsterdam. Man flaniert mit Pieter im Zentrum der Stadt durch viele verwinkelte Gässchen und bekommt einen tollen Einblick in das Amsterdamer Stadtbild und Milieu. Im Buchinnenteil befindet sich vorne als auch hinten ein Stadtplan von Amsterdam.

Obwohl es viele Nebencharaktere gibt, kennt man die meisten bereits aus dem ersten Band. Nichtkenner dieses Krimis werden aber sicherlich diese sehr schnell in ihr Herz schließen, denn es handelt sich großteils um Menschen aus Pieters Bekanntenkreis.
Für mich ließ leider in der Mitte die Spannung etwas nach und am Ende angelangt, fragte ich mich, was eigentlich mit einen der Handlungsstränge passiert ist, der anfangs noch ziemlich im Vordergrund stand. Deshalb sind es auch diesmal keine fünf Sterne mehr geworden, sondern ein halber Stern weniger.

Cover:
Die Bücher schreiben die Beiden auf englisch, da Englisch Rodney Bolts Muttersprache ist. Erst danach werden sie ins Niederländische und Deutsche übersetzt.

Die deutschen Cover gefallen mir um einiges besser, wobei aber das englische Titelbild des ersten Pieter Posthumus Krimi, auch sehr stimmig zu Amsterdam war. Diese hier gefallen mir leider weniger.


Fazit:
Ein rundum gelungener zweiter Teil der Reihe, der mir bis zur Hälfte sogar noch besser gefallen hat als Band 1, dann jedoch ein bisschen an Spannung verloren hat und für mich ein Erzählstrang zu offen blieb. Das besondere Flair von Amsterdam haben die beiden Autoren wieder grandios eingefangen! Ein etwas anderer und ruhiger Krimi, wobei man meiner Meinung nach mit Band 1 "Das Büro der einsamen Toten" beginnen sollte!

Vielen Dank an den Hoffmann & Campe Verlag, an Lovelybooks und Britta Böhler für die Leserundenbegleitung!

Die Reihe rund um Pieter Posthumus:
  1.  Das Büro der einsamen Toten *meine Rezi*
  2. Das Haus der verlorenen Seelen

Das Büro der einsamen Toten - Britta Bolt


    • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag GmbH (11. März 2015)
    • ISBN-10: 3455405282
    • ISBN-13: 978-3455405286
    • Originaltitel: Lonely Graves
    • Genre: Krimi




Verlags Kurzbeschreibung: 
Er ist kein Polizist, kein Privatdetektiv - und trotzdem dreht sich in seinem Leben alles um den Tod. Im "Büro der einsamen Toten" bei der Stadt Amsterdam kümmert sich Pieter Posthumus um die einsamen Toten - Menschen ohne Angehörige, Menschen, die keiner vermisst - und richtet ihnen ein würdiges Begräbnis aus, mit Musik und Gedichten. Bei seinen Recherchen stößt er auf so manche Ungereimtheit. In der Prinsengracht ist die Leiche eines jungen Mannes gefunden worden. Die Umstände seines Todes sind mysteriös. Posthumus nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf und gerät in ein Netz von Intrigen ...

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Diesen niederländischen Krimi durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks lesen. Nicht nur die Location, sondern auch die Art des Ermittlers waren mir als Krimi- und Thrillerfan komplett neu. Das war für mich schon ein dicker Pluspunkt, den viele Bücher in diesem Genre haben oft gewisse Ähnlichkeiten und so sticht dieses Buch aus all den Einheitsbrei heraus.

Britta Bolt ist das Pseudonym des Autorenduos Britta Böhler und Rodney Bolt. Britta Böhler ist Anwältin und wurde durch ihre Haltung zur Anti-Terror-Gesetzgebung in den Niederlanden bekannt. Seit 2012 ist sie Professorin an der Uni in Amsterdam. In diesem Krimi bringen die beiden Autoren den Lesern die Migrationsprobleme aus verschiedenen Blickpunkten näher.

Der Prolog beginnt mit einer überaus detaillierten Beschreibung eines Mannes in  der traditionellen marokkanischen Djellaba, der bewusstlos in eine Gracht stürzt und den darauffolgenden Weg durch die Kanäle von Amsterdam bis zur Auffindung der Leiche in der Prinsengracht.

Danach blendet das Autorenduo zwei Wochen zurück und wir lernen unseren Hauptprotagionisten Pieter Posthumus kennen. Er arbeitet im Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen der Stadt Amsterdam. Hier wird unbekannten Toten durch die Stadt Amsterdam ein würdiges Begräbnis vermittelt.
Mit Pieter Posthumus , genannt PP, ist dem Autorenduo ein toller und sehr sympathischer Charakter gelungen. Der ehemalige Hausbesetzer, der der Polizei noch heute lieber aus dem Weg geht, liebt mittlerweile Secondhand Markenkleidung, gutes Essen und erlesenen Wein. Er ist ein Beamter, der seine Arbeit nicht nach Schema F verrichtet, sondern der gerne mehr über das meistens einsame Leben "seiner" Toten wissen möchte. Und so stochert er gerne à la Hercule Poiret in Dingen herum, die ihm keine Ruhe lassen. So auch der Selbstmord eines jungen Mannes, der wunderschöne, aber düstere Gedichte mit einem edlen alten Füller geschrieben hat und eine Tätowierung aufweist, die PP irgendwie bekannt vorkommt. Dieser Tote lässt ihn nicht los und so beginnt er zu recherchieren......
Zwei Wochen später hat er auch die Leiche des jungen Marokkaners aus der Prinsengracht aus dem Prolog am Tisch. Erst nach und nach entdeckt er, dass die beiden Leichen irgendwie zusammenhängen.....

Das Autorenduo hat hier sehr viele Nebencharaktere und drei Handlungsstränge erschaffen, die anfangs überhaupt keine Verbindung darstellen.
In einem davon lernt man die Kollegen und Freunde Pieters kennen, allen voran Anna, seine Exfreundin, mit der ihm eine tiefe Freundschaft verbindet. Alex, seine symathische Kollegin, Merle, seine Nichte, Maya, der Bürodrachen und Sulung, sein im Moment mehr abwesender, als anwesender Kollege.
Im zweiten Handlungsstrang lernen wir Mohammed kennen, einen Einwanderer erster Generation, der sich mit seinem Sofageschäft selbstständig gemacht hat und sich als Niederländer fühlt. Er und seine Frau Karim sind offen und lieben ihre jetztige Heimat und leben trotzdem den Großteil ihrer moslimischen Traditionen. Ihr Sohn Najib und ihre Tochter Aissa fühlen sich jedoch weder als Marokkaner, noch als Niederländer. Während Aissa eine starke junge Frau ist und ihren Weg zu finden scheint, kapselt sich Najib immer mehr ab, rebelliert und findet Freunde in der radikalen Szene. Er wird immer verbohrter und beginnt sich gegen seine Familie zu wenden.
Im dritten Erzählstrang kommt der NAS, der niederländische Geheimdienst zum Zug. Veldhuizen, Chef aus der Abteilung Staatsschutz, will die unbedingte Zerstörung der sogenannten "Amsterdamer Zelle", eine Clique junger radikaler Muslime. Das Ermittlerteam untersucht den Mord am jungen Moslem, der aus der Gracht gefischt wurde. Dabei geht Veldhuizen nicht immer legale Wege...
Diese drei Handlungsstränge und deren Personen werden nach und nach zusammengeführt und ergeben ein tolles Gesamtpaket. Die Autoren versuchen den Leser die Migrationsprobleme und die Ziellosigkeit der zweiten Generation der Einwanderer zu vermitteln. Aber auch über Korruption einzelner Menschen, die falsche Reaktionen auslösen können und alles nur noch verschlimmern. Man erkennt, dass sich Britta Böhler viel mit der Frage von Radikalismus auseinander gesetzt hat. Mich haben einige Aussagen sehr nachdenklich gemacht und trotz der manchmal fehlenden Spannung fand ich diesen Debütkrimi äußert gelungen.

Die Beschreibung der niederländischen Hauptstadt ist sehr bildhaft, atmosphärisch und detailliert. Im Buchinnenteil befindet sich sowohl vorne als auch hinten ein Stadtplan. Man hat immer das Gefühl sich mitten in dieser faszinierenden Stadt zu bewegen und lernt auch Teile von Amsterdam kennen, die kein Tourist je besucht hat.

Schreibstil:
Sehr detailliert, viele Personen und Handlungsstränge, trotzdem flüssig, informationsreich und wunderbar zu lesen. Man merkt, dass das Autorenduo weiß, wovon es schreibt. Mit den charismatischen Hauptprotagonisten haben sie einen Charakter geschaffen, über den man auf jeden Fall mehr lesen will. Laut den Autoren wird es auch noch zwei weitere Krimis mit Pieter Posthumus geben.

Cover:
 

Ich denke, die meisten werden mir zustimmen, dass das deutsche Cover äußerst gelungen ist!
Britta Bolt hat uns noch erzählt, dass die Originalausgabe nicht auf niederländisch, sondern auf englisch  geschrieben wurde, da Englisch Rodney Bolts Muttersprache ist.

Fazit:
Ein sehr komplexer Krimi mit einem äußerst sympathischen Hauptprotagonisten, einem tollen Schauplatz und einem sehr aktuellen Thema. Ein gelungenes Debüt mit Potential!


Vielen Dank an den Hoffmann & Campe Verlag, an Lovelybooks und Britta Böhler für die Leserundenbegleitung!
 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos