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In Bloom - Liz Allan

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Unionsverlag, 1. Auflage ( 9. Juli 2026)
    • Übersetzer: Lisa Kögeböhn
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3293006361
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3293006362
    • Originaltitel: ‎ In Bloom
    • Genre: Coming of Age Roman


Unionverlag Kurzbeschreibung: 
1994, eine abgehängte australische Kleinstadt: Vier Freundinnen wollen dem Mindestlohn-Schicksal ihrer Mütter entkommen und mit ihrer Musik beim Battle of the Bands durchstarten. Kurt Cobain ist ihr Kompass, Grunge ihr Rhythmus, und dieser Wettbewerb soll ihr Ticket in die Freiheit werden – auch wenn sie nur drei Akkorde können. Doch als die Leadsängerin Lily ihren verehrten Musiklehrer Mr P des Missbrauchs beschuldigt, droht alles zu zerbrechen. Wie weit sind die übrigen drei Mädchen bereit zu gehen, um ihren Traum zu retten – und was sind sie bereit zu opfern?
Eine kritische Hommage an die nicht so rosigen 90er und ihre zweifelhaften Helden, ein ungeschönter Blick auf Freundschaft und das Aufwachsen in prekären sozialen Verhältnissen – smells like disillusioned teen spirit.

Meine Bewertung: * * * 

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
Als ich in der Verlagsvorschau des Unionverlages diesen Roman sah, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein Coming-of-Age Roman aus den Neunziger Jahren rund um die Musik von Nirvana und vier Mädchen, die Kurt Cobain verehren. Das ist genau das Richtige für mich - dachte ich.

Liz Allan erzählt jedoch eine Geschichte von vier Freundinnen aus prekären Familienverhältnissen, denen jegliche Perspektive fehlt.
Lily, Amy, Violet und Jade sind vierzehn Jahre alt und alle vier wachsen bei ihren alleinerziehenden Müttern auf. Ihr Leben ist geprägt von Armut und Perspektivlosigkeit. Während der nächste arbeitslose Freund ihrer Mütter sich im Wohnzimmer mit einer Flasche Bier breit macht, wissen die Frauen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.  Sie kämpfen mit finanziellen Sorgen und der Herausforderung mehrere Kinder zu versorgen, die alle unterschiedliche Väter haben.
Nur der Musiklehrer, genannt Mr. P, gibt den Mädchen etwas Selbstvertrauen. Die Mädchen verehren Kurt Cobain und die Band Nirvana. Sie nennen sich "The Bastards", weil sie alle ohne Vater aufwachsen. Der "Battle of the Bands", ein Bandwettbewerb, soll ihre triste Lage ändern, damit sie die ungeliebte Küsten-Kleinstadt in Australien verlassen können. Die Mädchen möchten dem Schicksal ihrer Mütter entkommen, doch dann wird Mr. P. von Lily wegen Belästigung angezeigt. Es kommt zum Streit zwischen Lily und den drei Freundinnen, die daraufhin die Band verlässt. Ohne Leadsängerin und in Folge auch ohne Hilfe von Mr. P., der festgenommen wird, sehen die Freundinnen ihren Traum platzen und wollen die Unschuld des Musiklehrers beweisen....

Ihre Selbsttäuschung, der Band-Wettbewerb allein werde sie aus der Kleinstadt führen und schlechte schulische Leistungen hätten keine Konsequenzen, ließ mich immer wieder enttäuscht den Kopf schütteln. Gerade diese Illusion führt die Mädchen immer weiter weg von ihrem Traum und auf einen gefährlichen Irrweg.
 
Die Kapitel sind kurz und manche Seiten nur halb befüllt. Das verleitet immer weiterzulesen, aber es hat auch die Folge, dass ich mich nicht wirklich in die ganze Situation hineinfühlen konnte und mir die Freundinnen fremd blieben. 
Die Sprache ist rotzig und frech, wie die drei Mädchen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ihren Heimatort in Australien endlich zu verlassen. Liz Allan erzählt dabei aus der ungewöhnlichen "Wir-Perspekitve", wodurch die einzelnen Hauptfiguren kaum voneinander zu unterscheiden sind – und genau das ist beabsichtigt. Die Mädchen treten als Einheit auf: als Freundinnen, als Opfer und zugleich als Täterinnen. Die Sprache wirkt authentisch und zeigt auch auf, wie unsicher die jungen Mädchen sind. Sie haben nicht wirklich einen Plan, aber wissen, dass sie nicht so enden wollen, wie viele junge Frauen aus ihrem Stadtviertel.

Die Autorin erzählt bildhaft und zeigt auf, wie das Drama seinen Lauf nimmt. Die durchgehend düstere Atmosphäre drückt auf die Stimmung und zieht einen beim Lesen etwas runter.
Liz Allan erzählt davon, wie Armut, Perspektivlosigkeit und fehlende Chancen Jugendliche formen und wie Freundschaft und Musik Hoffnung schenken kann, wenn das Zuhause keinen Halt bietet. Der Zusammenhalt der drei Freundinnen hat mich berührt.

Lisa Kögeböhn hat bei der Übersetzung die bedrückende Atmosphäre perfekt transportiert. 
Ein Pluspunkt an den Verlag, der die Übersetzerin am Cover namentlich genannt hat. Das würde ich gerne auch bei anderen sehen! 

Leider hat der Coming-of-Age Roman nicht ganz meinen Nerv getroffen, obwohl mir die Geschichte eigentlich gefallen hat. Die Handlung konnte mich jedoch nicht vollständig überzeugen und manchmal war mir auch die Sprache zu jugendlich. Das passt natürlich perfekt zur Geschichte - ich bin wohl schon zu alt dafür.

Cover:
von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Cover aus Großbritannien und den USA

Fazit:
"Smells like Teen Spirit" passt perfekt zu diesem Coming-of-Age Roman, der mich jedoch nicht gänzlich überzeugen konnte. Im bin beim Lesen oft abgeschweift und konnte mich nicht wirklich hineinfühlen. Das kann nicht nur an meinem Alter liegen, denn mein letzter gelesener Roman - ebenfalls aus den Neunziger Jahren und aus diesem Genre - war für mich ein Highlight.


Vielen Dank an den Unionsverlag für das Rezensionsexemplar!

Ein wenig Glück - Claudia Piñeiro



    • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
    • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1 (18. Juli 2016)
    • Übersetzer: Stefanie Gerhold
    • ISBN-10: 3293005063
    • ISBN-13: 978-3293005068
    • Originaltitel: Una suerte pequeña 
    • Genre: Drama, Gegenwartsliteratur


Unions Verlag Kurzbeschreibung:
Ein Bahnübergang, eine heruntergelassene Schranke, ein blinkendes rotes Licht und kein Zug. Drei, fünf, acht Minuten … und kein Zug. Mary Lohan hat ihren sechsjährigen Sohn, Federico, und Juan, seinen Schulfreund, im Auto. Sie wollen ins Kino. Ihr Auto ist das dritte in der Warteschlange. Der erste Wagen umfährt die Schranke und überquert die Gleise, der zweite ebenso. Die Kinder singen vergnügt, der Filmbeginn rückt näher und kein Zug ist in Sicht. Also los, auch sie wird es wagen. Die Schranke ist schon lange ein Ärgernis. Ob ein Zug überhaupt kommt, ist ungewiss.
Zwanzig Jahre nach der Katastrophe kehrt Mary zurück in die Vergangenheit, aus der sie geflohen ist. Zwischen herbeigesehnten Begegnungen und erschütternden Enthüllungen begreift sie endlich, dass ihre Rückkehr vielleicht so etwas wie ein wenig Glück bedeutet.


Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon aus dem Klappentext wird ersichtlich, dass diese Geschichte nicht unbedingt leichte Kost ist. Die Handlung rief bei mir viele Empfindungen hervor: Entsetzen, Schmerz, Trauer, Wut, Mitgefühl und Verständnis.
Und dies alles auf nur 224 Seiten, für die man sich allerdings Zeit nehmen sollte. Der Leser spürt die Intensivität der Geschichte, die die Autorin in einfachen und klaren Sätzen erzählt. Weit ab von Kitsch und Gefühlshudelei, denn es geht um Schuld und Vergebung.

Mary, die eigentlich Marilé heißt, kehrt nach zwanzig Jahren in ihre alte Heimat Argentinien zurück. Ihre Aufgabe ist es für das Garlic Institut in Boston, wo sie und ihr kürzlich verstorbener Mann Robert tätig waren, die Anträge anderer Schulen zu sichten und diese vor Ort zu evaluieren. Ihr Auftrag führt sie just an ihr ehemaliges College, das St. Peters. Vor Ort soll sie herauszufinden, ob es alle Aufgaben einer Eliteschule gerecht wird. Dabei kehrt sie an den Ort zurück, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat und nie mehr aufsuchen wollte.

In immer wiederkehrenden Rückblenden erzählt uns Marilé nach und nach ihre Lebensgeschichte. Diese beginnt mit ihrem Job als Lehrerin, ihrer Heirat mit Mariano, einen Arzt. Dieser kommt aus einer reichen und angesehenen Familie. Seine Vater besitzt eine eigene Klinik. Ein wunderschönes Eigenheim und ein Sohn vervollkommen das Glück, wie es scheint. Doch ein unbedachter Augenblick verändert Marilés Leben für immer...
Die Menschen um sie herum verurteilen die junge Mutter. Aus der plötzlich angesehenen Arztfrau wird eine unerwünschte Ehefrau, eine Geächtete, eine Mörderin. Die Vorurteile und die verbalen Übergriffe nehmen zu und erinnern immer mehr an eine Hexenjagd im Mittelalter. Die Schuldgefühle werden immer stärker, als sich auch die eigene Familie von ihr abwendet, um den guten Ruf zu wahren. Daraufhin entschließt sich Marilé zu gehen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen, bevor sie endgültig zerbricht. Sie steigt in das nächste Flugzeug und landet schlussendlich in den Staaten. Noch am Flughafen hilft ihr ein Mann, der ihr fortan ihre Stütze wird und ihr dabei hilft zu überleben. Sie schneidet sich die Haare ab, färbt sie rot und trägt färbige Kontaktlinsen. Aus Marilé wird Mary...

"Das alles hat nicht einmal eine Minute gedauert. Und trotzdem braucht man viele Wörter, um solch eine Minute zu erzählen, oder auch nur eine Sekunde, einen Moment, einen winzigen, kaum messbaren Bruchteil der Zeit."

Der Leser erlebt die wenigen Minuten, die Marilés Leben von einem Augenblick auf den anderen für immer verändern, in wiederkehrenden Abständen, in einer Art Endlosschleife. Dabei wird der Text immer länger und offenbart Stück für Stück, wie es zum Unglück kam und wie Maria diese endlosen Minuten empfand. Dieses außergwöhnliche Stilmittel wird als eine Art "Einschub" zwischen den Rückblenden und der gegenwärtigen Geschichte eingebunden. Dies wirkt sehr eindringlich und geht langsam, aber zielsicher mitten ins Herz.

Schreibstil:
Die Autorin hat einen klaren und präzisen Schreibstil. Mit wenigen Worten vermag sie die Gefühle und Gedanken der Protagonistin wiederzugeben.
Der Roman ist in der Ich-Form verfasst und in drei Teile gegliedert. Der erste Teil heißt "Logbuch mit Unterbrechungen: Zurückkommen" und erzählt aus der Gegenwart, Teil zwei nennt sich "Die Freundlichkeit von Fremden" und hier erzählt Piñeiro größtenteils aus der Vergangenheit. Dieser Abschnitt ist sehr emotional und der Beste des Buches. Das letzte Drittel "Boston" erzählt von der Rückkehr in die Staaten, der als eine Art Abschluss gedacht ist.
Claudia Piñeiro wechselt dabei regelmäßig zwischen den Zeiten und verschiedenen Schreibstilen hin und her.

Cover:

von links nach rechts habe ich euch das polnische, das hebräische, das niederländische, das französisch, das italienische und das spanische Cover aufgelistet. Auffällig ist für mich, dass sie generell sehr verschieden sind. Am Besten gefällt mir vielleicht das spanische Originalcover, das ganz am Ende abgebildet ist. 

Fazit:
Ein ergreifender Roman über Schuld und Vergebung und wie ein einziger Augenblick ein Leben zerstören kann. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und definitiv im Gedächtnis bleibt!

 

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