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Der eiserne Herzog - Ulf Schiewe

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 560 Seiten
    • Verlag: ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2022 Edition (28. Oktober 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3785728182
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3785728185
    • Genre: Historischer Roman

     

Lübbe Kurzbeschreibung:
Nur dank der Hilfe einiger weniger Getreuer konnte Guilhem als Kind die Verfolgung durch seine Widersacher überleben. Doch er hat sich durchgekämpft und als Herzog der Normandie behauptet. Als es ihm gelingt, den letzten Widerstand zu brechen, und sein Werben um die schöne Matilda erfolgreich ist, scheint er am Ziel all seiner Träume zu sein. Erst recht, als sein Onkel, König Eadweard von England, ihn überraschend zum Thronerben erklärt. Englands Krone - wer würde das ablehnen? Matilda aber hat größte Bedenken, denn Guilhem hat einen mächtigen Gegner: Harold Godwinson, dessen Familie ebenfalls Anspruch auf den Thron erhebt ... 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem ich am Anfang des Jahres "Die Mission des Kreuzritters" von Ulf Schiewe gelesen habe, sind wir diesmal noch früher unterwegs. Wir befinden uns am Anfang des 11. Jahrhunderts und lernen Guilhelm kennen, der später als Wilhelm, der Eroberer, in die Geschichte eingehen wird.

Guilhelm wächst in der Normandie auf und hat es als unehelicher Sohn von Herzog Robert I und einer Gerberstochter schwer. Er bekam zwar von seinem Vater eine gute Ausbildung zugesprochen, musste jedoch Zeit seines Lebens um Anerkennung kämpfen. Immer wieder gibt es Aufstände gegen seine Herrschaft, die er konsequent niederschlägt und Herzog der Normanie wird. Um seinen Einfluss auszuweiten, heiratet er Mathilda von Flandern. Mit ihr bekommt er eine kluge Frau an seiner Seite, die er trotz des Verbotes von Papst Leo IX. heiratet.

In England herrscht Eadweard. Er ist der Onkel Guilhems und immer wieder in Machtkämpfe mit dem Adelsgeschlecht der Godwins verstrickt. Seine Ehe mit Edythe, Tochter von Earl Godwin von Wessex, bleibt kinderlos. Den Godwins will er den Thron nicht vermachen und so benennt er seinen Neffen Guilhem zu seinem Nachfolger. Damit stößt er nicht nur die Familie seiner Frau, sondern auch seine Untertanen vor den Kopf, die einen Normannen als englischen König anerkennen sollen. Aber auch Guilhem ist überrascht. Doch trotz der Bedenken von Matilda, freundet er sich immer mehr mit dem Gedanken an, den Königsthron nach Eadwears Tod zu besteigen. Doch Harold Godwinson, der den Thron für sich beansprucht, ist mit Eadweards Entscheidung nicht zufrieden. Es kommt zu einem folgenschweren Treffen zwischen Harold und Guilheln, dass den späteren Verlauf der Geschichte maßgeblich beeinflusst.

Ulf Schiewe entführt uns wieder gekonnt in die damalige Zeit. Geschickt verwebt er Historie und Fiktion. Die Charaktere sind vom Autor sehr authentisch beschrieben. Weder Harold, noch Guilhelm sind unsympathisch. Beide sind intelligent, charismatisch und geborene Anführer. Würden sie nicht um denselben Thron kämpfen, hätten sie Freuden werden können.
Zuerst begleiten wir längere Zeit Guilhelm in der Normandie, der versucht sein Reich zu vereinen. Er möchte endlich Frieden in seiner Heimat. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Mit seinem Anspruch auf den Thron fordert er nicht nur Harold Godwinson heraus, sondern auch die Nordmänner. Die Dänen, die ebenfalls einen Anspruch auf den Thron haben, fallen vom Norden ein.
Der Autor versteht es perfekt, die Lebensweise der Menschen im Hochmittelalter darzustellen. Das Leben auf der Burg oder in der Dorfgemeinschaft als Fischer oder Bauer wird sehr bildhaft beschrieben.
Die Darstellung der Schlachten und Eroberungen bedeuten natürlich auch grausame Szenen. Die damalige Zeit war brutal - auf andere Art wie heute, jedoch nicht unähnlich. Kinder aus anderen Herrschaftshäusern werden als Geisel gehalten, Schwüre gebrochen und Freunde werden plötzlich zu Feinden. Erst in der brutalen Schlacht bei Hasting werden die Weichen für England gestellt.

Die Handlung wird in drei grobe Abschnitte unterteilt: AD 1049-1053 Machtkämpfe, AD 1064-1065 Der Schwur und AD 1066 Die Entscheidung.
Ulf Schiewe hat die damaligen Namen und Ortsnamen verwendet, die die Geschichte authentischer machen. Er schreibt wieder in Präsens, wobei der historische Sprachschatz jedoch nicht verloren geht. Der Autor hat wieder penibel recherchiert.
Auf der Innenseite der Broschur gibt es eine Landkarte der Normadnie und vom Süden Englands. Am Beginn des Buches gibt es ein Personenregister mit Kennzeichnung aller historisch belegten Figuren und am Ende ein Nachwort des Autors. 

Fazit:
Ulf Schiewe schafft es wieder großartig ein spannendes Stück Zeitgeschichte zu vermitteln. Der Kampf um die Krone Englands im frühen 11. Jahrhundert wird lebendig und dramatisch erzählt. Das ist Geschichte vom Feinsten!

Vielen Dank an Bastei Lübbe und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Die Mission des Kreuzritters - Ulf Schiewe

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 528 Seiten
    • Verlag: ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2021 Edition (26. November 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3785727593
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3785727591
    • Genre: Historischer Roman




Lübbe Kurzbeschreibung:
Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite ... 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue historische Roman von Ulf Schiewe führt den Leser ins Heilige Land zur Zeit der Kreuzritter. In seinem neuen Roman ist einer der Hauptprotagonisten Raol de Montalban. Diese provenzialische Familie spielte bereits in "Der Bastard von Tolosa", "Die Comtessa" und "Die Hure Babylon" eine große Rolle. "Die Mission des Kreuzritters" ist jedoch ein eigenständiger Roman.

Wir befinden uns im Jahre 1129 in Jerusalem. Es ist die Zeit nach dem ersten Kreuzzug und Baudouin II. herrscht als König über die Stadt. Er ist der Vater von vier Töchtern und aus Mangel an männlichen Nachfolgern soll Melisende, seine älteste Tochter, einmal die Krone erben. Baudouin bereitet sie für die Aufgaben als zukünftige Königin vor, doch schon damals wird in Zukunft der Ehemann von Melisende regieren. Um den Schmelztigel Jerusalem zu stärken, entscheidet er sich seine Tochter mit dem älteren Grafen Foulques d’Anjou zu verheiraten. Melisende ist entsetzt, denn sie kann den Mann nicht ausstehen und erkennt  sehr schnell sein Ansinnen, die Macht an sich zu reißen. Melisende versucht den Vater umzustimmen, doch erfolglos. Die selbstbewusste junge Frau plant daraufhin die Flucht zu ihrer bereits verheirateten Schwester nach Antiochia. Mit einem kleinen Gefolge flüchtet sie aus der Stadt, wird aber unterwegs überfallen und nach Schaizar, einer muslimischen Stadt, die vom Sultan ibn Munquidh regiert wird, gebracht. Dort wird sie gut behandelt, als der Sultan entdeckt, dass er die Tochter des Königs von Jerusalem gefangen genommen hat. Für eine hohe Summe soll Melisende wieder freigelassen werden. Baudouin schickt dafür den Tempelritter Raol de Montalban mit einigen seiner Männer aus....

Ulf Schiewe gelingt es wieder großartig die fiktive Geschichte rund um die Entführung von Melisende in die historische Rahmenhandlung einzubetten. Dabei erfährt der Leser auf spannende Weise mehr über die verschiedenen Religionen, die zu dieser Zeit ihre Machtkämpfe austragen.
Die Entführungsgeschichte ist rein fiktiv, bildet aber den Grundstock zur Beschreibung des politischen Umfelds von Jerusalem. Jerusalem ist der Ort des Zusammentreffens verschiedener Religionen mit ihren jeweiligen Heiligen Stätten und natürlich auch ein Ort des Handels.

Auf dem Rückweg nach Jerusalem, der zu einer atemberaubenden Flucht wird, kommen sich Melisende und Raol näher. Etwas ungewöhnlich für den Autor steht ab diesem Abschnitt die Liebesgeschichte neben den Abenteuern im Vordergrund. Sie wird aber nie kitschig und nimmt nur einen kleineren Teil des Romans ein. Im Vordergrund bleiben immer die Schlacht- und Kampfhandlungen, sowie die abenteuerliche Flucht. Dabei ist die Gefahr, in der sich Melisende und Raol befinden, immer spürbar.

Charaktere:
Die beiden Hauptprotagonisten sind starke und nach außen hin unabhängige Charaktere. Melisende ist zu Beginn eine reiche und etwas verwöhnte Königstochter, die ziemlich unüberlegt die Flucht antritt. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich weiter undist eine sympathische junge Frau, die eigenständig und mutig ist.

Raol de Montalban ist einer der wenigen Überlebenden der Schlacht von Ager Sanguinis und ist danach den Tempelrittern beigetreten. Er ist jedoch desillusioniert und steht nicht wirklich hinter dem christlichen Glauben. Zusätzlich sieht er keinen Sinn in den Kreuzzügen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Religionen, für die alle Jerusalem ein heiliger Ort ist. Doch ein Zurück in seine Heimat Frankreich gibt es für ihn nicht.
Neben den beiden Hauptfiguren treffen wir auf weitere interessante Charaktere: der intelligente und gerissene König Baudouin II., Vater von Melisende; der diplomatisch geschickte Usama ibn Munqidh, Neffe des Emirs von Schaizar und dessen schlauer Verhandlungsführer; der verschlagen Verwandte des Emirs, Qilitsch ad-Din Mahmud, und natürlich der cholerische und berechnende Foulques d’Anjou, potentieller zukünftiger Ehemann von der Thronerbin Melisende. 

Der Templerorden war wohl einer der bekanntesten Ritterorden, die "arme Ritterschaft Christie". Sie lebten karg und "im Zölibat", waren jedoch gefürchtete Kämpfer, die aus ganz Europe kamen. Meistens waren es drittgeborene Söhne, die weder erbten, noch den Weg ins Kloster betsreiten durften. So wurde aus den Templern eine gefürchtete Truppe, die aber auch von den Feinden repektiert wurde. Die vorherrschende Aufgabe war vorerst Pilgerwege zu sichern und sich für die ärmere Bevölkerung einzusetzen.

Schreibstil:
Ulf Schiewe hat auch seinen neuen Roman wieder im Präsens verfasst, ohne dass dabei der historische Sprachschatz verloren geht. Die Erzählung ist spannend, atmosphärisch und sehr bildhaft. Ich bin Melisende durch die Berge und entlang der Mittelmeerküste gefolgt, habe jederzeit die Gefahr gespürt und das Leben der einfachen Leute kennen gelernt. Der Autor nimmt sich der politischen Lage und dem Thema der Kreuzzüge an. Er bleibt jedoch neutral und bewertet keine der Religionen.

Auf der Innenseite der Broschur gibt es eine Landkarte, die den Weg der Flucht aufzeigt. Im Nachwort geht der Autor auf die historisch belegten Figuren ein. Ein Glossar und ein Personenrgeister runden den Roman am Ende ab.

Fazit:
Ein weiterer fesselnder historischer Roman des Autors, dessen Bücher ich sehr gerne lese. Bildgewaltig und atmosphärisch reisen wir an der Seite von Melisende und Raol de Montalban durchs Heilige Land und erleben aufregende Abenteuer und blutige Schlachten.Für ganze 5 Sterne reicht es nicht, da es in der Mitte einige kleine Längen gibt, aber das ist bereits meckern auf hohen Niveau. Ich empfehle allen Lesern von historischen Romanen "Die Mission des Kreuzritters" gerne weiter,

Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar!

Die Kinder von Nebra - Ulf Schiewe

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
    • Verlag: Lübbe; Auflage: 1. Aufl. 2020 (27. März 2020)
    • ISBN-10: 3785726759
    • ISBN-13: 978-3785726754
    • Genre: Historischer Roman




Lübbe Kurzbeschreibung:
Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ulf Schiewe's historische Romane sind spannend und sehr abwechslungsreich. Jedes Buch spielt in einer anderen Epoche. Zuletzt hat mich der Autor ins Jahr 1918 nach Sarejevo geführt, wo ich die letzten Tage des Thronfolgers Franz Ferdinand verfolgen durfte. (Der Attentäter)

Diesmal ist er gleich 4000 Jahre zurückgegangen, nämlich in die Bronzezeit und ich war mir gar nicht sicher, ob diese Zeit etwas für mich ist. Außerdem stelle ich es mir unvorstellbar schwer vor über dieser Zeit zu recherchieren. Mit der Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 gefunden wurde und seit 2002 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu bestaunen ist, hat Schiewe seinen Plot für diesen Roman gefunden.

Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn ein bisschen schwer damit tat in die Geschichte zu finden. Die ungewohnten Namen und die sehr detaillierte Beschreibung ließen meine Gedanken oftmals abschweifen. Doch ich denke, dass lag an meiner eigenen Unkonzentriertheit, denn kaum las ich länger am Stück, war ich von der Geschichte gefesselt und danach wirklich schnell durch.
Mit der jungen Rana hat Ulf Schiewe eine selbstbewusste, aber auch eigensinnige Protagonistin erschaffen. Sie ist anders als die anderen Mädchen und denkt viel nach. Sie ist die Tochter von Herdis, einer Priesterin der Göttin Destarte, und soll ihre Nachfolgerin werden. Rana ist unsicher, ob sie in die großen Fußstapfen ihrer Mutter treten kann. Doch ein Überfall auf sie im Wald ändert ihre Meinung. Arrak, der Sohn des Fürsten Orkon, und zwei seiner Freunde überfallen Rana, die durch die Hilfe zweier Elben gerettet wird. Orkon und Arrak, die Hakon, den Gott der Unterwelt huldigen, verbreiten Angst und Schrecken beim Volk. Die Edlen des Landes trauen sich nicht sich gegen Orkon und seinen Clan aufzulehnen, um die Götter nicht zu erzürnen.

Ranas Vater Utrik ist Schmied und arbeitet an einer ganz besonderen Bronzescheibe. Bei seinen Reisen in den Süden hörte er unglaubliche Geschichten über den Sternenhimmel und wie sich die Tage im Jahr genauer einteilen lassen. Dieses Geheimnis möchte er mithilfe seines Sohnen Arni auf dieser Scheibe festhalten. Eines Tages erscheint Rana die Göttin Destarte im Traum und ermutigt sie sich gegen die dunkle Herrschaft von Orkon zu stellen. Mithilfe der Himmelsscheibe und der Göttin des Lichts schwört Rana Orkon und Arrak zu Fall zu bringen...

Ulf Schiewe stützt sich bei seinem Roman auf die Erkenntnisse über die Himmelsscheibe von Nebra. Dabei verwebt er die wenigen Kenntnisse aus dieser Zeit mit einer fiktiven Geschichte und erzählt wie es damals hätte sein können. Dadurch entsteht ein vielfältiges Bild dieser Zeit, die der Autor sehr spannend darstellt. Die Sitten und Gebräuche, wie auch die damaligen Götter und Herrscher wurden lebendig dargestellt. 

Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und die Location sehr detailliert dargestellt. Obwohl der Roman vor 4000 Jahren spielt, hatte ich alles vor Augen - man hat richtige Bilder im Kopf - und ich war oftmals überrascht, wie weit entwickelt diese Menschen bereits waren. Die echte Himmelsscheibe, die in Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden wurde und heute im Museum zu bewundern ist, zeigt die Kunstfertigkeit der Menschen von damals auf.

Schreibstil:
Ulf Schiewe erzählt uns die Geschichte um die Himmelsscheibe in Präsens, die eine ganz besondere Nähe zu den handelnden Personen schafft. Die Sprache ist neutral, denn eine der Zeit angepasste Sprache wäre wohl nicht zu lesen gewesen ;)
Der Autor hat bei diesem Roman sehr viel Recherchearbeit geleistet. Er erzählt gewohnt detailliert, aber sehr lebendig und bildgewaltig.

Die Aufmachung des Buches ist sehr hochwertig und edel. Zu Beginn und am Ende gibt es eine Karte der Region aus der damaligen Zeit. Ein Lesebändchen vervollständigt das Erscheinungsbild.
Zusätzlich befindet sich ein Nachwort des Autors und ein Glossar.

Fazit:
Ein wunderbares und facettenreiches Werk über eine Zeit, die uns völlig unbekannt ist und die vom Autor bildgewaltig und spannend erzählt wird. Obwohl ich anfangs dachte, dass diese Zeit nicht wirklich etwas für mich ist, hat mich das Buch gefesselt und mir wunderbare Lesestunden beschert. Ulf Schiewe ist damit zu einem meiner Lieblingsautoren im historischen Genre aufgestiegen
Vielen Dank an den Autor und Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar!

Weitere Rezensionen zum Buch:

Der Attentäter - Ulf Schiewe

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 512 Seiten
    • Verlag: Lübbe; Auflage: 1. Aufl. 2019 (27. November 2019)
    • ISBN-10: 340417903X
    • ISBN-13: 978-3404179039
    • Genre: Historischer Krimi


Bastei Lübbe Kurzbeschreibung:
Juni 1914. Es ist die Woche, die alles entscheidet. Die Woche, in der sich drei junge Serben auf den Weg nach Sarajevo machen. Dort soll Franz Ferdinand, Thronfolger Österreich-Ungarns, einem Militärmanöver beiwohnen - und sterben. Gavrilo Princip und seine Gefährten haben sich seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet. Doch dem Geheimdienst sind Gerüchte zu Ohren gekommen, und Major Rudolf Markovic tut alles, um den Thronfolger zu retten und eine diplomatische Katastrophe zu vermeiden ...

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue historische Roman von Ulf Schiewe war für mich als Österreicherin natürlich ein MUST READ. Deswegen habe ich mich ganz besonders gefreut, als der Autor per Mail anfragte, ob ich sein neues Buch lesen möchte. Von Ulf Schiewe habe ich bereits sein fast 1000 Seiten langes Epos "Land im Sturm", über genauso so viele Jahre deutscher Zeitgeschichte gelesen, als auch seinen historischen Roman "Bucht der Schmuggler", der in der Karibik spielt. Beide Bücher fand ich richtig gut.

Der Autor schreibt seinen neuen Roman im Präsens. So erlebt man das Geschehen direkt und hautnah mit. "Der Attentäter" ist weder Sachbuch, noch ein biografischer Roman, sondern Ulf Schiewe mischt reale Historie und Fiktion.
In drei verschiedenen Handlungssträngen begleiten wir eine Woche lang den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Familie, wie auch die jungen Attentäter Gravrilo Princip, Nedeljko Čabrinović und Trifun „Trifko“ Grabež, sowie den vom Autor fiktiven Major Rudolf Marković, der beim k. und k. Geheimdienst arbeitet. Obwohl man natürlich weiß, wie der Anschlag auf den Thronfolger und seiner Frau in Sarejevo ausgehen wird, verfolgt man voller Spannung die letzten sieben Tage im Leben von Franz Ferdinand und seiner Sophie. Trotzallem hat man die Hoffnung, dass hier die Geschichte neu geschrieben wird, was natürlich nicht der Fall ist. Man bangt mit den Opfern und hat auch teilweise Mitgefühl mit den Tätern. Diese haben sich seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet und trotzdem waren sie mehr oder weniger eher Werkzeuge der "Schwarzen Hand" (nationalistisch-irredentistischer serbischer Geheimbund des frühen 20. Jahrhunderts, der auch mit terroristischen Mitteln für ein Großserbien kämpfte). Dazu kamen noch weitere Umstände, die dem Leser die Charaktere und die Beweggründe etwas näher bringen. Trotzdem darf man dabei nicht vergessen, dass alle Attentäter sich gegen die Habsburger auflehnten und für ein vereintes Großserbien kämpften. Mit dem darauffolgenden Ersten Weltkrieg haben sie sicher nicht gerechnet. Ulf Schiewe bewertet nicht oder zeigt mit den Fingern auf die Attentäter, sondern zeigt auch ihre menschliche Seite, die jugendliche Verblendung und die Hoffnung als Helden in die Geschichte einzugehen.

Krasses Unvermögen war hingegen jede Handlung des Feldzeugmeisters Oskar Potiorek, dem Militär- und Landeschef von Bosnien-Herzegowina. Wie einfach hätte man das Attentat verhindern können! Doch dieser arrogante und inkompetente Mann lernte nicht einmal aus dem Tod des Thronfolgers etwas, sondern gab die Schuld anderen und verursachte in seinem weiteren Leben noch mehr Fehlentscheidungen. Manche historischen Fakten machten mich sprachlos, vorallem weil es in der heutigen Zeit einfach undenkbar wäre so ungeschützt durch die Straßen zu fahren.

Der fiktive Major Rudolf Marković bringt in die Geschichte noch zusätzlich Spannung, da er - leider weitab von der Realität - eine Spur zu den Attentätern aufnimmt und diesen auf den Fersen ist. Mit aller Kraft versucht er die Katastrophe zu verhindern, scheitert jedoch kläglich.

Franz Ferdinand erscheint als Thronfolger kühl und oftmals cholerisch. Das macht ihn bei den Menschen nicht gerade beliebt. Er hat jedoch politisches Gespür und ahnt bereits einen Krieg gegen Serbien. Zu seiner Frau Sophie von Hohenberg und den Kindern ist er jedoch liebevoll und aufgeschlossen. Es war eine Liebesheirat, die Kaiser Franz Joseph nicht wirklich akzeptieren wollte und Sophie als "nicht standesgemäß" abstempelte, obwol sie aus böhmischen Adel stammte. Sophie durfte am Wiener Hof keinerlei repräsentative Auftritte absolvieren und wurde gemieden. In der heutigen Zeit ebenso unverständlich, wo Könige und Prinzen bereits Bürgerliche heiraten dürfen. Doch der alte Kaiser war konservativ und bemerkte auch den aufkommenden Hass zwischen den Menschen im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn nicht....ein wahres Pulverfass.
Im Schloss Artstetten, unweit meiner Heimat, haben Franz Ferdinand und Sophie ihre letzte Ruhestätte in der Familiengruft gefunden.

Schreibstil:
Ulf Schiewe hat hier akribisch recherchiert und sich mit seinen Figuren auseinandergesetzt. Er gibt ihnen ein Gesicht und verleiht ihnen Leben. Er schreibt sehr detailliert und bildhaft.
Das Buch wird als historischer Thriller angepriesen, was ich als Thrillerleser nicht so empfinde. Trotzdem erhöhen rasante Szenenwechsel die Spannung.
Über jeden Kapitel stehen Datum, Zeit und Ort. Im Nachwort erklärt der Autor wie es zum Attentat kommen konnte und was danach passierte. Besonders das Schicksal der Kinder von Franz Ferdinand und Sophie fand ich einfach nur traurig und für Österreich beschämend.
Am Beginn des Romans findet man eine Karte von Sarejevo, am Ende gibt es ein Glossar und ein Personenverzeichnis der historisch belegten und der fiktiven Personen der Geschichte.

Fazit:
Ein packender historischer Roman, der obwohl man den Ausgang kennt, zu fesseln weiß. Die letzten sieben Tage bis zum Attentat am österreichischen Thronfolgerpaar werden aus einer Mischung realer Begebenheiten und einem fiktiven Anteil erzählt und sind eine Geschichtsstunde vom Feinsten.

Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar!

Land im Sturm - Ulf Schiewe

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 928 Seiten
    • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover); Auflage: 1. Aufl. 2018 (31. August 2018)
    • ISBN-10: 3785726244
    • ISBN-13: 978-3785726242
    • Genre: Historischer Roman



Lübbe Kurzbeschreibung:
Bayern, AD 995: Weil er zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, flieht der junge Schmied Arnulf vor seinen Verfolgern über die Berge. Mitten im Wald trifft er auf Hedwig, die von feindlichen Ungarn verschleppt wurde, aber entkommen konnte. Gemeinsam wandern sie nach Augsburg, wo sie in die Ereignisse um die große Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. Dabei verlieben sie sich - und legen den Grundstein einer Familie, deren Nachkommen durch manchen Sturm gehen müssen, bevor sie fast tausend Jahre später die Deutsche Revolution miterleben ...


Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Bastei Lübbe Challenge

Meine Meinung:
Ulf Schiewe hat mit seinem fast 1000 Seiten langen Epos über genauso so viele Jahre deutscher Zeitgeschichte einen Roman vorgelegt, der bis jetzt einzigartig ist.
In fünf Abschnitten (Die Ungarn, Die Wenden, Der große Krieg, Napoleon und Preußen, Revolution) hat der Autor versucht die wichtigsten Epochen Deutschlands, verbunden mit einer Familiengeschichte, darzustellen. Der zeitliche Bogen spannt sich von 995 n. Chr. mit dem Beginn der Ungarnraubzüge bis zur Revolution in Berlin 1848.
Natürlich lebt kein Protagonist 1000 Jahre (außer in Vampirromanen), darum handelt es sich hier um Nachfahren einzelner Familien, die immer wieder vorkommen und so den roten Faden bilden. Die Namen Schmitt, Fischer und von Billung, sowie die immer wiederkehrenden Vornamen Arnulf, Ewalt, Gisela, Gero und Hedwig vereinfachen somit das Lesen und es ist kein Personenregister notwenig.

Die Basis für die Geschichte legt Arnulf, ein junger Schmied, der in einem kleinen Dorf in Tirol lebt. Die räuberischen Ungarn fallen zu dieser Zeit über das Land her und die Menschen versuchen sich so gut es geht darauf vorzubereiten und zu verteidigen. Doch nicht die Ungarn sind Arnulfs Schicksal, sondern ein verhängnisvoller Nachmittag im Wald, der mit einem Toten endet. Der junge Schmied muss alles hinter sich lassen und flieht in Richtung Augsburg. Auf den Weg dorthin begegnet er Hedwig, die vor den Ungarn flüchtet und die bereits über sie und ihr Dorf hergefallen sind. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg Richtung Augsburg. Doch die Stadt ist das Ziel der mordenden Krieger aus dem Osten. Nach der Belagerung der Stadt kommt es zur großen Schlacht am Lechfeld...und Arnulf ist mitten drin! Bald bemerkt der junge Mann, dass er kein Krieger ist. Trotzdem schlägt er sich tapfer und rettet sogar Ritter Ewalt von Billung das Leben. Außerdem erbeutet er einen außergewöhnlichen Säbel, der Arnulfs Nachfahren bis in 19. Jahrhundert begleiten wird.

Über Generationen hinweg erleben wir in diesem Schmöker die Entstehung Deutschlands. Ulf Schiewe hat sich bewusst jenen fünf Epochen gewidmet. Er fand diese Kriege und Umbrüche besonders wichtig oder merkte an, dass diese Epoche in historischen Romanen kaum Erwähnung finden. So war für mich zum Beispiel das Kapitel um die Wenden komplettes Neuland. (Als Österreicherin haben wir uns in der Schule auch hauptsächlich den Habsburgern gewidmet) Hingegen habe ich bereits mehrere Bücher über Napoleon und seine Kriege gelesen. Auch die Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts und die Revolution sind mir nicht unbekannt.

Durch die Zeitsprünge muss man sich daran gewöhnen, dass man seine liebgewonnen Charktere nach einiger Zeit wieder loslassen muss. Das fand ich ganz besonders nach dem ersten Abschnitt schade. Doch man begegnet in weiterer Folge den Nachfahren Arnulfs. Dabei lernen wir nicht in jeder Generation Helden oder Sympathieträger kennen. Außerdem hat jede der drei Familien im Laufe der fast tausend Jahre einmal Reichtum mit nicht rechten Mitteln angehäuft. Einzig der Abschnitt rund um den 30jährigen Krieg war mir zu kriegslastig, bietet aber auch kaum die Möglichkeit für andere Themen.

Die Figuren im Roman kommen aus allen erdenklichen Schichten, wobei Ulf Schiewe die Unterschiede in ihrer Lebensart sehr gut beschrieben hat. Und auch innerhalb einer Familie reicht die Spannweite vom einfachen Bauern oder Schmied bis hin zum Fabrikanten und Unternehmer. Auch die Frauenfiguren sind oft ihrer Zeit voraus und sind starke Persönlichkeiten, wobei sie natürlich der Zeit angepasst sind.
Trotz der Dicke wird der Roman nie langatmig und hat mich die mehr als 900 Seiten schneller verschlingen lassen, als ich dachte.

Schreibstil:
Ulf Schiewe schreibt sehr bildgewaltig. Die Sprache war zu Beginn nicht ganz der Zeit angepasst, aber das wäre wohl auch eher für uns Leser unleserlich gewesen ;) Und mit dem Fortschreiten der Zeit passt sich die Sprache auch immer mehr an. Trotzdem weiß man von der ersten Seite an, dass man es hier mit einem historischen Roman zu tun hat.
Trotz der immer wieder neuen Geschichten fand ich die Charaktere alle sehr lebendig und liebevoll gezeichnet. Alle haben Ecken und Kanten und sind nicht nur gut oder böse.

Fazit:
Dieser historische Roman von Ulf Schiewe über die fast tausendjährige Geschichte Deutschlands konnte mich überzeugen. Die atmosphärische Erzählung anhand des Schicksals einer Familie über Jahrhunderte hinweg ist eine Geschichtsstunde par excellence! Für wahre Historenfans ein Muss!

Ich bedanke mich beim Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar und beim Autor für die tolle Begleitung in der Leserunde

Bucht der Schmuggler - Ulf Schiewe




    • Taschenbuch: 448 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2016)
    • ISBN-10: 3426516934
    • ISBN-13: 978-3426516935
    • Genre: Historischer Roman



Knaur Kurzbeschreibung:
Karibik 1635: In den spanischen Kolonien hat der Schwarzhandel überhand genommen. Der neue Gouverneur von Hispaniola schwört, jeden Schmuggler, den er erwischt, eigenhändig aufzuhängen. Die schöne Doña Maria zittert um ihren Gemahl, einem reichen Pflanzer, der heimlicher Drahtzieher des verbotenen Handels ist. Und im fernen Bremen hat der junge Handelsherr Jan van Hagen nur die Wahl zwischen Schuldturm und Flucht in die Neue Welt, um als Schmuggler das verlorene Familienvermögen wieder herzustellen. Noch in der Nacht entkommt er den Schergen und nimmt Kurs auf Westindien. Seine Suche nach dem Gold des Südens hat begonnen.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Knaur Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Die Bucht der Schmuggler" ist mir bereits letztes Jahr als eBook aufgefallen. Da ich keinen eReader besitze, war es leider keine Option für mich. Umso erfreuter war ich, als ich das Taschenbuch nun bei Lovelybooks  erspähte und auch auch noch Glück bei der Leserunde hatte und mitlesen durfte. Was für eine tolle Mischung aus Abenteuer- und historischen Roman!

Der Roman wird abwechselnd in zwei Erzählsträngen erzählt. Im Ersten lernen wir Jan van Hagen kennen, welcher eben erst von einer erfolgreichen Fahrt mit seinem Handelsschiff, der "Sophie", zurück in seine Heimatstadt Bremen kommt. Doch das Glück ist ihm nicht hold, denn sein Vater liegt im Sterben und die Schulden sind so hoch, dass er nun die Wahl zwischen dem Schuldturm und der Flucht hat. In Europa herrscht Krieg und der Seehandel floriert, besonders durch den Schmuggel zwischen der alten und der neuen Welt. So fällt die Entscheidung nicht wirklich schwer..... Jan sucht zuerst einen alten Freund und Handespartner seines Vaters in Amsterdam auf, den er um Hilfe bittet. Von diesem erhält er den Auftrag nicht nur mit den Westindischen Inseln Handel zu treiben, sondern auch seinen Sohn zu finden, der mit der "Albatros" irgendwo in der Karibik verschollen ist. Die Spanier haben jedoch ein Handelsembargo für alle nicht spanischen Schiffe erlassen, was den Handel für alle Anderen mit Schmuggel gleichsetzt. Außerdem soll Jan Sklaven an Board nehmen, was ihm äußerst widerstrebt.....

Der zweite Erzählstrang entführt uns nach Hispaniola, der heute zweigeteilten Insel mit den Ländern Haiti und der Dominikanischen Republik. Dort lebt Doña Maria mit ihrem Mann Don Miguel. Sie züchten Rinder und bauen Zuckerrohr an, das sie an die Spanier verkaufen. Einen Teil davon halten sie allerdings, wie alle Plantagenbesitzer auf Hispaniola, als Schmuggelware zurück. Der neue vorübergende Gouverneur Don Alonso möchte diesen allerdings unterbinden und bestraft jeden, den er mit vermeintlicher Schmugglerware antrifft....sogar mit dem Tod. Dabei hat er aber seine eigene Ziele im Auge..... Im Gegensatz zu den meisten anderen Plantagenbesitzern gehen Doña Maria und Don Miguel freundlich mit ihren Sklaven um. Als sich ein flüchtender Leibeigener auf ihre Plantage rettet, hilft ihm Doña Maria. Mit dieser Aktion macht sie sich einige Feinde und bringt sich und ihren Mann in Gefahr....

Auch als Binnenländerin erlebte ich hautnah die Schifffahrt über den Atlantik mit. Der lebendige  Schreibstil und die Bilder, die in meinem Kopf entstanden, entführten mich auf eine abenteuerliche Fahrt auf der "Sophie", gemeinsam mit Jan und seiner Crew. Die Abenteuer am Schiff und anschließend beim Einlaufen in Santa Domingo ließen mich an den Seiten kleben. Obwohl manche Ereignisse ein klein wenig vorhersehbar waren, konnte mich der Autor trotzdem mit einigen unerwarteten Wendungen überraschen. Das Thema Sklaven, die höfische Etikette, die auch in den Kolonien streng beachtet wird, der Schmuggel und der Aberglaube, sind nur einige Themen, die der Autor in seiner Geschichte vermittelt.
Nach der ereignisreichen Ankunft in der Hauptstadt von Hispaniola fügen sich die beiden Erzählstränge langsam zu einem Einzigen zusammen. Die Ereignisse überschlagen sich und schreien, nachdem man die letzte Seite zugeschlagen hat, nach einer Fortsetzung...besonders auch, weil einige wenige Fragen offen bleiben....

Schreibstil:
Der Autor hat einen wundervollen lebendigen Schreibstil, der Bilder im Kopf entstehen lässt. Das Leben der Sklaven auf den Inseln, der Handel und die Willkür einzelner Personen wird anschaulich beschrieben. Man riecht die exotischen Blumen, das Meer und den Schweiß der Leibeigenen. Der Roman wird abwechselnd aus Jans und Doña Marias Sicht erzählt und unterteilt sich in fünf Abschnitte. Das Personenverzeichnis zu Beginn des Romanes hilft anfangs etwas über die Vielzahl der Nebencharaktere hinweg.

Charaktere:
Jan, unser Hauptprotagonist, ist anfangs noch etwas "grün" hinter den Ohren. Er versteht zwar etwas von Schiffen, aber nicht sehr viel vom Handel. Außerdem hat er Europa mit seiner "Sophie" noch nie vorher verlassen. Doch ihm bleibt keine Wahl und schon auf der Überfahrt zeigt sich sein aufrechter Charakter, der einem Kapitän gebührt.
Mit dem Doktor an seiner Seite, der eigentlich gar keiner ist, und der ebenfalls seine eigenen Ziele verfolgt, hat er einen guten Freund gefunden. Eljse, die sich an Board schmuggelt, ist ein herzerfrischender Charakter, den man einfach mögen muss, genauso wie Fiete, der Schiffsjunge.
Auf der Insel ist die Hauptprotagonistin Doña Maria, eine spanische Adelige, die zuerst wie das schöne Anhängsel ihres Mannes wirkt, sich jedoch gegen die Etikette stellt und die Sklaven menschlich behandelt. Den Gutmenschen gegenüber steht an erster Stelle der "Bösewicht" Don Alonso, der von Macht und seiner alleinigen Herrschaft über die Stadt und der Insel träumt. Mit Don Diego hat er einen Gleichgesinnten gefunden. Aber auch einige Sklaven, wie Babatunde und Maria Begnina bleiben im Gedächtnis. 
Obwohl es doch einige Tendenzen zur Unterteilung in nur Gute oder nur Böse gibt, sind die Charaktere alle wunderbar gezeichnet und ich konnte mir jeden von ihnen bildlich sehr gut vorstellen. 

Cover:
Ein paar Worte zum Cover muss ich auch noch verlieren, denn ich finde es wirklich großartig! Hier hat der Grafiker des Verlages einen richtigen Eyecatcher geschaffen.

Fazit:
Ein historischer Abenteuerroman mit einem Schuss Romantik, der uns in die Karibik des 17. Jahrhunderts führt und der nach einer Fortsetzung schreit. Großartiger Schreibstil, tolle Spannung und nur ein bisschen vorhersehbar, erinnert der Roman an eine Mischung aus "Fluch der Karibik", einem Südstaatenroman und "Roots". 


Vielen Dank an den Droemer Kanur Verlag für das Rezensionsexemplar, Lovelybooks für die Leserunde und an den sympathischen Autor, der auch seine Segelkenntnisse mit uns teilte.

 

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