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Adas Fest - Katrin Burseg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (26. April 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292235
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292239
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur




Diana Kurzbeschreibung:
Ein großer Roman über Festhalten und Loslassen von Familie Ein Strandhaus an der französischen Atlantikküste mitten im Sommer. Doch der schöne Schein trügt. Der ansteigende Meeresspiegel verschlingt die Küste, und auch ›Les Vagues‹, an das die 74-jährige Ada vor vielen Jahren ihr Herz verloren hat, droht bei einem der nächsten Herbststürme ins Meer zu kippen. Ein letztes Mal noch möchte Ada ein rauschendes Fest feiern: in Erinnerung an ihren Mann, den berühmten Maler Leo Kwant, zusammen mit ihren Kindern, Freunden von früher und Vincent, dem Restaurantbesitzer aus dem Ort. Als die erwachsenen Töchter mit eigenen Sorgen anreisen, entgeht ihnen zunächst, dass Ada und Vincent etwas verbindet, das mit der Vergangenheit zu tun hat. Doch was Ada all die Jahre vor ihnen verheimlicht hat, ist so aufwühlend und tiefgreifend zugleich – es wird ihrer aller Leben für immer verändern. 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die 74jährige Ada ist auf dem Weg zum Sommerhaus ihrer Familie an der französischen Atlantikküste. Es wird der letzte Sommer in "Les Vagues" sein, denn durch den Klimawandel ist das Wasser an der Küste gestiegen und die Gefahr, dass das Haus beim nächsten Unwetter ins Meer abrutscht, wird immer größer. Wehmütig denkt Ada an die fünfzig Jahre zurück, die sie hier verbracht hat und lädt zu einem letzten Fest in Erinnerung an ihren Mann, dem berühmten Maler Leo Kwant. Damals waren die Feste ihres Mannes legendär. Ada möchte noch einmal diese Zeit auferstehen lassen, nachdem Leo vor einigen Jahren verstorben ist. Gleichzeitig soll es auch ein Abschied für immer sein. Zusammen mit ihren Kindern, Freunden von früher und Vincent, dem Restaurantbesitzer aus dem Ort, beginnt sie die Vorbereitungen. Doch dann brechen nach und nach alte Geheimnisse auf und rütteln an den Grundfesten der gesamten Familie.

In diversen Rückblicken erfahren wir mehr über Ada und ihre Familie und blicken in die Vergangenheit. Man bekommt Einblicke in die schwierige Ehe mit Leo und über die Beziehung zu ihren langjährigen Freund Vincent und dessen Frau Mathilde. Die drei Töchter Imme, Esther und Kiki, spielen ebenfalls eine große Rolle. Sie sind charakterlich sehr unterschiedlich und ihre Beziehung untereinander gestaltet sich nicht immer reibungslos. Jede von ihnen bringt ihre Probleme mit. Der Rückblick in die Ehe von Ada mit dem Künstler Leo Kwant zeigt eine typische Künstlerbeziehung. Der egozentrische Mann wird von der Frau unterstützt, die sich zurücknimmt und ihre eigenen Träume und Ziele aufgibt, sowie über etwaige Affären hinwegsieht. Doch auch Ada hat ihre Geheimnisse....
Während Stück für Stück die Fassade bröckelt, erhält der Leser immer tiefere Einblicke in die Vergangenheit und erhält einen schonungslosen Blick auf die jahrelangen Geheimnisse, die nach und nach an die Öffentlichkeit kommen.
Besonders im letzten Drittel überschlagen sich dann die Geschehnisse und haben meine vorher bereits in Kopf gefertigte 5 Sterne Bewertung wieder revidieren lassen. Es waren mir zu viele Geheimnisse, die aufeinmal in sehr kurzer Zeit auf den Leser einprasseln und dadurch manches unglaubwürdig wirken lässt, auch wenn die Auflösung durchdacht und interessant verwebt wurde.

Die Geschichte ist leicht melancholisch erzählt und enthält viel Tiefe. Schon in ihrem Roman "Unter dem Schnee" hat mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Sie erzählt atmospärisch, feinfühlig und lebendig. Von Beginn an konnte ich die Atmosphäre im Sommerhaus spüren. Man riecht das Meer, spürt das Prickeln der Sonnenstrahlen auf der Haut und genießt die französischen Spezialitäten. Man lernt die Figuren näher kennen und findet manche sympathisch und manche weniger. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich gezeichnet und haben Ecken und Kanten. Ich konnte sie mir wunderbar vorstellen und hatte Bilder im Kopf. Die zwischenmenschlichen Gefühle werden sehr lebendig und bildhaft, sowie empfindsam erzählt.

Katrin Burseg hat auf jeden Fall einen neuen Fan gewonnen, denn auch mit ihren zweiten Roman, den ich gelesen habe, konnte sie mich überzeugen. Ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin!

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer und wunderbar erzählter Roman, der in die Tiefe geht und so einige Familiengeheimnisse an die Oberfläche bringt, aber auch aktuelle Themen, wie den Klimawandel anspricht. Ich kann "Adas Fest" sehr empfehlen und freue mich schon auf weitere Romane der Autorin.

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie für die Begleitung der Autorin bei der Leserunde

Agnes geht - Katja Keweritsch

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (15. März 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453361482
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453361485
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Diana Kurzbeschreibung:
Nach einem riesigen Streit mit ihrem Mann will Agnes nur noch weg. Ohne Plan geht sie los – zunächst ins Hotel, dann zu Fuß quer durch Hamburg, immer weiter, bis ins grüne Marschland der Elbe. Was, wenn sie einfach weiterliefe? Am Fluss entlang, bis nach Berlin. Ob das Gehen ihr Antworten schenkt? Vielleicht könnte sie herausfinden, wohin ihre beruflichen Träume verschwunden sind. Wo sie selbst eigentlich während all der Jahre des Kümmerns um Kinder, Haushalt und Familie geblieben ist. Und: ob ihre Ehe noch eine Chance verdient. Unter weitem Himmel wandert Agnes durch malerische Auen, begegnet Menschen und Möglichkeiten und geht Schritt für Schritt einer unerwarteten Zukunft entgegen.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit ihrem Roman "Die wundersame Reise der Bienen" hat mich Katja Keweritsch letztes Jahr begeistern können. Mit "Agnes geht" hat die Autorin nun eine völlig andere Geschichte geschrieben.

Ihr neuer Roman erzählt die Geschichte einer Ehekrise. Es geht um Wut, Selbstfindung, Rollenklischees und Mental Load.
Agnes hat nach ihrem Biologie-Studium geheiratet und ihre Kinder bekommen. Sie blieb zuhause, während sie ihrem Mann Tom den Rücken stärkte und seine Karriere unterstützte. Zusätzlich arbeitet sie gemeinsam mit ihrer Freundin an einem sozialen Projekt für Kinder und Jugendliche, welches ihre Freundin leitet. Während sich Tom als Arzt immer mehr profiliert und sogar eine Auszeichnung erhält, fühlt sich Agnes immer mehr als Anhängsel. Beim Event zu Toms Ehrung kommt es zwischen den Beiden zum Eklat. Agnes flüchtet in ein Hotel und beschließt zu streiken. Sie fühlt sich von ihrer Familie weder geschätzt, noch als ebenbürtig angenommen, nachdem sie wegen ihrer Familie zurückgesteckt und ihren Traum "ad acta" gelegt hat. Sie beschließt aus diesem Hamsterrad auszubrechen und über den ihr vorgeschlagen Job als Biologin in Berlin nachzudenken. Das gelingt ihr am besten, wenn sie geht. Und so macht sich Agnes auf und geht quer durch Hamburg und entlang der Elbe bis nach Berlin. Auf ihrem Weg begegnet sie verschiedenen Menschen, zu denen sie mehr oder weniger intensive Kontakte hat. Dabei wird ihr bewusst, wie unglücklich sie mit ihrem Leben, ihrem Körper und ihrem Dasein als unbezahlte Familienmanagerin ist. Sie sehnt sich nach Anerkennung, Glück und Zufriedenheit.

Die Geschichte lässt sich, wie schon "Die wundersame Reise der Bienen", wunderbar lesen. Die landschaftlichen Beschreibungen sind sehr bildhaft. Die Landschaft, die Katja Keweritsch beschreibt, war für mich als Österreicherin ungewohnt. Doch die lebendige Darstellung und die zusätzlich gezeigten Fotos bei der Leserunde konnten mir wahre Bilder im Kopf zaubern. Besonders gut beschreibt die Autorin jedoch die Gefühle und Emotionen der Figuren. Sie werden sehr authentisch dargestellt. Immer wieder konnte ich die verschiedenen Gefühlsregungen tatsächlich spüren und miterleben. 

Gut gefallen hat mir auch, dass Katja Keweritsch nicht nur aus der Sicht von Agnes erzählt, sondern auch aus der von Tom. Es dauert etwas, bis er bemerkt, was seine Frau eigentlich leistet und wie nebeneinander sie alle bereits gelebt haben. Jeder in der Familie nimmt ihre Arbeit als selbstverständlich hin. Ist ja im wirklichen Leben genauso und macht nachdenklich. Man fragt sich unwillkürlich, wie viel Mental Load man sich aufhalsen möchte...

Trotzdem war ich nicht mit allen Verhaltensweisen der beiden Protagonisten im Einklang. Es gab so einige Dinge, die ich weder bei Agnes, noch bei Tom gutheißen wollte. Auch empfand ich die Entwicklung bei Agnes nicht ganz so stark, wie erwartet. Das Ende ist jedoch stimmig und lässt genug Raum für eigene Gedanken.

Am Ende des Buches gibt es ein kleines Literaturverzeichnis zu den Themen Mental Load, Mutterschaft, Körperwahrnhmung und Gleichberechtigung.

Fazit:
Für mich konnte der zweite Roman der Autorin leider nicht an "Die wundersame Reise der Bienen" anschließen. Das Thema ist jedoch ein sehr wichtiges und zeigt auf, wie es größtenteils noch immer abläuft und man als Frau viel zu viel auferlegt bekommt. Man zerreibt sich oftmals zwischen Beruf, Haushalt, Garten und anderen Dingen, die alle als selbstverständlich angesehen werden.
Mit "Agnes geht" zeigt die Autorin auf, dass man seine Träume leben sollte.

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks, sowie der Autorin für die Begleitung bei der Leserunde

Der Tote von Wiltshire - Katherine Webb

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 480 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (28. Dezember 2022)
    • Übersetzer: ‎ Babette Schröder
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453361512
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453361515 
    • Originaltitel: ‎ Stay Buried



Diana Kurzbeschreibung:
Vierzehn Jahre ist es her, dass auf dem Anwesen von Professor Ferris ein Mann heimtückisch im Schlaf erstochen wurde – eine grauenvolle Bluttat, die in der pittoresken Grafschaft Wiltshire einiges Aufsehen erweckte. Zwar sorgte Inspector Matthew Lockyer damals für die Verurteilung der Haushälterin Hedy Lambert, doch diese beteuerte stets ihre Unschuld. Als Hedy nun eindringlich um seinen Besuch im Gefängnis bittet, wird Lockyer gemeinsam mit seiner Kollegin Constable Gemma Broad in den Fall zurückkatapultiert. Lockyer und Broad rollen das Verbrechen erneut auf. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens und Zeugen, die alles dafür tun, hinter einer vornehmen Fassade wohlgehütete Geheimnisse zu wahren. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Das ist mein erstes Buch von Katherine Webb und ihr erster Krimi. Natürlich kenne ich die Autorin den Namen nach und ich habe auch zwei ihrer historischen Romane noch auf meinem SuB. Umso neugieriger war ich auf ihren Genrewechsel, der mich sehr an Lucinda Riley erinnerte. Auch ihr Krimi, der erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurde, hat mir sehr gut gefallen und hat ebenfalls dieses britische Whodunit Flair.

Wie bereits angesprochen, haben wir es hier mit einem typischen britischen Ermittlerkrimi zu tun. Vor vierzehn Jahren wurde auf dem Anwesen von Professor Ferris ein Mann erstochen. Matthew Lockyer war damals frisch zum Ermittlerteam gestoßen. Er verhaftete die Haushälterin des Professors, Hedy Lambert, nachdem alle Indizien gegen sie sprachen. Hedy beteuerte jedoch immer ihre Unschuld.
In der Zwischenzeit wurde DI Lockyer nach seinem letzten Fall, der etwas missglückt ist, in die Cold Case Abteilung gesteckt. Als Hedy ihn aus dem Gefängnis anruft und um einen Besuch bittet, kommen die Zweifel von damals wieder hoch. Nach seinem Besuch bei der ehemaligen Hausangestellten möchte er den Mordfall nochmals aufrollen. Gemeinsam mit seiner jungen Kollegin Constable Gemma Broad graben die beiden viele verlorene und vergessene Hinweise zum Fall wieder aus und entdecken mehr, als ihnen lieb ist....

Es dauert etwas bis dieser Krimi an Fahrt aufnimmt. Die ersten 100 Seiten konnten mich noch nicht wirklich mitreißen. Danach fand ich allerdings immer besser in die komplexe Geschichte. Katherine Webb glänzt dabei auch mit überraschenden Wendungen, die ich als sehr gelungen empfand. Man möchte unbedingt wissen, ob Hedy nun wirklich die Tat begangen hat oder nicht. Es gibt jede Menge Verdächtige, obwohl der eigentliche Mord vor bereits vierzehn Jahren begangen wurde. Dunkle Geheimnissse kommen ans Licht und die Zahl der Verdächtigen steigt. Der Krimi nimmt immer mehr an Fahrt auf und hat mich schlussendlich richtig gepackt.

Die Charaktere sind lebendig gezeichnet. Matthew Lockyer trägt zwar, wie viele Ermittler in Krimis, einiges an Altlasten mit sich herum, doch diese sind nicht die typischen Eigenschaften, die wir aus anderen Büchern kennen. Gemma bleibt persönlich noch etwas blass, aber als Constable ist sie eine große Bereicherung für Lockyer. Sie sieht die Dinge aus einer anderen Perspektive und geht auch völlig unvoreingenommen an den Fall heran.
Alle Nebenfiguren sind ebenfalls wunderbar authentisch.

Die Auflösung ist gelungen und war für mich überraschend und doch reiht sich alles logisch aneinander. Mir gefällt Katherine Webbs Krimidebüt und werde diese Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen.

Am Ende gibt es noch einen kleinen Cliffhanger, der auf den wohl kommenden Fall blicken lässt. 

Cover:

Bisher scheint der Krimi nur ins Deutsche übersetzt worden zu sein, denn ich habe auf Goodreads keine weiteren Übersetzungen gefunden.

Das deutsche Cover zeigt ein typisches englisches Herrenhaus, während das englische Cover mich eher an Matthew Lockyers Elternhaus erinnert.

Fazit:
Geduld lohnt sich hier! Nach dem eher zähen Einstieg wird die Geschichte immer komplexer und spannender! Ich werde diese neue Krimireihe auf jeden Fall weiter verfolgen. Wer typische britische Whodunit-Krimis mag, kann hier zugreifen.

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Kinder des Aufbruchs - Claire Winter

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (2. November 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292669
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292666
    • Genre: Roman,
    • Reihe: ja - Band 2


Diana Kurzbeschreibung:
Sechs Jahre nach dem Mauerbau lernt die erfolgreiche Dolmetscherin Emma in West-Berlin die aus dem Ostteil der Stadt geflohene Sängerin Irma Assmann kennen. Als sie ihrer Zwillingsschwester Alice davon erzählt, reagiert diese beunruhigt. Alice schreibt als Journalistin über die Studentenbewegung und steht in Kontakt mit verschiedenen Fluchthilfe-Organisationen. Ist Irma mit ihren ehemaligen Beziehungen zum KGB als Informantin im Westen? Oder sind die Schwestern und deren Männer Julius und Max durch ihre Verbindungen zur DDR zu Zielscheiben geworden? Kurz darauf wird die Sängerin ermordet, und die vier geraten inmitten der Studentenunruhen zwischen die Fronten der Geheimdienste. 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Seit dem ersten Buch, welches ich von Claire Winter gelesene habe, bin ich ein Fan der Autorin. Jeder neue Roman kommt auf meine Wunschliste ohne den Klappentext zu lesen. Die Autorin ist einfach ein Garant für tolle Stories!

"Kinder des Aufbruchs" ist die Fortsetzung zu "Kinder ihrer Zeit", kann jedoch auch alleinstehend gelesen werden. Die Autorin hat immer wieder kleine Rückblicke eingebaut, damit auch Leser:innen, die das erste Buch nicht gelesen haben, keine Probleme mit der Story haben. Trotzdem würde ich empfehlen zuerst den ersten Band zu lesen, damit man das Verhältnis zwischen den Zwillingsschwestern Alice und Emma besser versteht. Außerdem war "Kinder ihrer Zeit" ein Buch, dass ich mit dem Lieblingsbuchstatus bewertet habe. Ihr würdet daher etwas verpassen ;)

In der Zwischenzeit sind sechs Jahre vergangen, seit die Zwillingsschwestern wieder vereint sind. Emma ist nach wie vor Dolmetscherin und Alice arbeitet als Journalistin bei einer Berliner Tageszeitung. Alice ist mit Max verheiratet und die beiden leben mit ihrer Tochter Lisa zusammen. Die Ehe ist jedoch ein "Arrangement", um für Lisa dazusein. Max ist Anwalt und hat sich auf Entschädigung von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus spezialisiert. Emma ist mit dem aus der DDR geflüchteten Julius verheiratet, der als Professor unterrichtet.
Wir landen mitten in den politischen Unruhen in Berlin des Jahres 1967. Demonstrierende Studenten sind an der Tagesordnung und der Besuch des Schahs von Persien lässt die Stimmung in der Stadt fast überkochen. Als der Student Benno Ohnesorg ums Leben kommt, der von einem Polizisten erschossen wird, gerät alles aus den Fugen. Alice ist hautnah dabei und trifft auf Fritz, einem ehemaligen Freund aus dem Osten. Er bittet sie um Hilfe für seine Schwester Lore, die ebefalls die DDR verlassen will. Alice steht durch einen Artikel, den sie geschrieben hat, mit einer Fluchthilfe-Organisation in Verbindung und bietet Fritz - nichtsahnend, was sie dabei lostritt -  Hilfe an. Als sie auch noch auf ihre frühere Freundin Irma trifft, die als Sängerin Karriere gemacht hat und in den Westen geflohen ist, wird Alice nervös. Irma hat sie damals ausspioniert und an die Stasi verraten. Und jetzt trifft sie kurze Zeit hintereinander auf Menschen aus ihre Vergangenheit? Hat die Stasi auch Alice wieder im Fokus?

Emma leidet in der Zwischenzeit an einer erlittenen Fehlgeburt und trifft bei einem Event in einem Kinderheim, bei dem sie dolmetscht, auf den 11jährigen Waisenjungen Luca. Sie besucht den störrischen Jungen immer wieder und baut langsam ein klein wenig Vertrauen zu ihm auf. Doch Luca hat unglaubliche Angst vor jemanden und flüchtet immer wieder aus dem Heim.
Erst nach und nach stellt sich heraus, dass beide Handlungsstränge miteinander verbunden sind. Beide Schwestern und ihre Ehemänner geraten ins Visier der Stasi und in grosse Gefahr.

Obwohl die Autorin viele politische Themen aufgreift, um diese Zeit auch sehr authentisch darstellen zu können, wird es nie langweilig. Die Demonstrationen der Studenten erinnern mich ein bisschen an die momentanen Klimaaktivisten, ebenso wie der Einfluss der Presse. Es geht aber auch um Fluchthilfe, Gefangenen-Austausch, Geheimdienste und ihre Rolle im Deutschland der 60er Jahre. Diese historischen Themen verwebt die Autorin geschickt mit ihrer fiktiven Geschichte rund um Emma, Alice, Julius, Max, Fritz Irma und dem kleinen Luca.
Claire Winter versteht es großartig alle Sichtweisen so darzustellen, dass man sich selbst beim Lesen wie in einem Strudel der Machenschaften fühlt. Die Figuren sind authentisch und sehr lebendig dargestellt. Die Spannung ist von Beginn an zu greifen und bleibt bis zum Ende erhalten.

Der Schreibstil ist wie immer mitreißend und bildgewaltig. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Die dazugehörigen Namen findet man am Kapitelanfang.
Auf der Innenseite des Buches finden wir eine Karte von Ost- und West Deutschland und den angrenzenden Ländern, sowie eine kleine Karte von Berlin mit der Trennungslinie. Am Ende des Buches erklärt die Autorin über Wahreit und Fiktion auf.

Claire Winter hat hervorragend recherchiert und die Stimmung der späten Sechziger Jahre perfekt eingefangen. Es ist die Zeit des Kalten Krieges und des Vietnamkrieges, des Prager Frühlings und ein Aufschrei der Jugend gegen das alte System. Ich habe wieder mit Emma und Alice gebangt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Eine absolute Lese-Empfehlung, wie schon der erste Band!

Fazit:
Ein weiteres Highlight der Autorin! Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Immer wieder überrascht mich Claire Winter mit einem weiteren grandiosen Roman. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung mit dem Hinweis, wenn möglich, zuerst den ersten Band zu lesen.

Vielen Dank an das freelance Team und Corinna Schindler für das Rezensionsexemplar und die Geduld

Die Insel der Herzen - Isabelle Broom

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 448 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag (9. Mai 2022)
    • Übersetzer: ‎ Ute Brammertz
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453361288
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453361287
    • Originaltitel: ‎ The Getaway
    • Genre: Liebesroman 

     

Diana Kurzbeschreibung:
Endloser Sonnenschein, weiße Strände und kristallklares Meer: Die meisten reisen nach das Hvar, um genau das zu finden. Nicht so Kate – sie fährt auf das kroatische Inselparadies um abzutauchen. Ihrem Leben dorthin zu entfliehen, wo niemand sie kennt, das ist ihr Plan nach dem Liebes-Aus mit ihrem Freund. Bis sie eine andere einsame Seele findet. Alex ist anders als die Männer, die Kate bisher kennt, und die Verbindung zwischen ihnen ist unmittelbar und tief. Kate öffnet sich Alex gegenüber wie nie zuvor. Doch nicht nur sie möchte unter der Sonne von Hvar ein Geheimnis verbergen. Und als sie beginnt, hinter die Fassade von Alex zu blicken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Wahrheit sie einholt ... 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Sommerromane über eines der Lieblings-Urlaubsziele der Österreicher sind eher selten. Der Kroatien Roman von Julie Caplin aus ihrer "Romantic Escape Reihe" wurde ja vom Rowohlt Verlag nicht ins Deutsche übersetzt, was ich bis heute nicht verstehen kann.
Mit "Die Insel der Herzen" von Isabella Broom durfte ich endlich auch buchtechnische nach Kroatien auf die Insel Hvar reisen.
Davor sind wir aber noch kurz in Großbritannien, wo Kate gerade ihren 30. Geburtstag feiert. Sie möchte ihrem Verlobten James bei ihrer Geburtstagfeier einen Heiratsantrag machen, der jedoch gewaltig schief geht. Es folgt die Trennung - doch es kommt noch schlimmer! Ein Gast hat das Spektakel mitgefilmt und kurze Zeit später wird der Film zum Quotenhit im Internet und Kate zum Gespött. Sie verlässt daraufhin tief gekränkt das Land und versteckt sich bei ihrem Bruder Toby, der auf der Insel Hvar mit seinem Partner Fillipo lebt und demnächst ein Gästehaus eröffnen möchte. Kate platzt mitten in die Renovierungsarbeiten und wird durch die handwerkliche Arbeit etwas abgelenkt. Außerdem findet sie Gefallen am Dekorieren. Eine große Hilfe ist auch Alex, Tischler und Freund von James, der auf einem Boot vor der Insel lebt. Der junge Mann mit Dreadlocks und Vollbart ist so gar nicht Kates Typ, aber ein sehr sympathischer Zeitgenosse. Er hört ihr zu und nimmt sie ernst. Kate vertraut ihm ihre wahren Sorgen und den Grund der Trennung von James an. Alex selbst ist ebenfalls sehr geheimnisvoll und zurückhaltend. Während sich die Beiden immer mehr anfreunden, hofft Kate indessen immer noch darauf, dass James sie vermisst....

Nach dem turbulenten Start beginnt die Handlung bald stark abzuflachen. Wir begleiten Kate nach Kroatien und lernen mit ihr die Gegend kennen. Wandern, Schwimmen und Bootsausflüge stehen auf dem Programm und die Handlung schreitet kaum voran. Dafür sind die bildhaften Beschreibungen der Landschaft wirklich atemberaubend. Da ich selbst schon in Kroatien Urlaub gemacht habe, konnte ich mir alles noch viel lebendiger vorstellen.

 Kate tat mir zu Beginn richtig leid, denn ihr wurde wirklich übel mitgespielt. Doch mit der Zeit begann sie mich wirklich zu nerven. Sie wollte nicht akzeptieren, dass James ihr den Laufpass gegeben hat und versinkt immer wieder in Selbstmitleid. Das Gejammere wurde mit der Zeit echt zu viel. Erst als Kate Fotos ihrer Deko-Ideen auf Instagram postet und sie unerwartet viele positive Rückmeldungen erhält, findet sie aus ihrem Selbstmitleid heraus. Sie erhält sogar weitere Angebote für Renovierungen und überlegt, ob dies ihr zukünftiger beruflicher Weg sein könnte.
Auch Alex hat allen Grund sich hinter seiner Haarpracht auf seinem Kopf zu verstecken. Er versucht seine wahre Identität zu verschleiern und scheint vor etwas oder jemand auf der Flucht zu sein.

Die meiste Zeit macht es Spaß mit Kate die Insel zu erkunden und ihre Verwandlung mitzuerleben. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, auch wenn die Hauptfigur zu Beginn ziemlich nervig ist. Doch es gibt auch einige Längen und die Handlungs plätschert einfach nur so vor sich hin.
Nicht gefallen hat mir, dass die Autorin das wichtigste Thema warum James Kate verlassen hat, nur streift. Es ist schwerwiegend und wird von Isabelle Broom viel zu oberflächlich behandelt.

Cover:

 Das englische Originalcover wurde sowohl ins Deutsche, als auch ins Niederländische übernommen. Weitere Überetzungen habe ich leider nicht gefunden.

Fazit:
Ein netter und unterhaltsamer Sommerroman, der einige Klischees bedient und Längen hat, jedoch sehr schöne Landschaftsbeschreibungen bietet. Perfekt zum Wegträumen, wenn man selbst nicht in den Urlaub fahren kann. Die ernsteren Themen wurden hingegen von der Autorin nur angeschnitten und für mich zu oberflächlich behandelt, auch wenn es ein sommerlicher Wohlfühlroman sein soll.

Die wundersame Reise der Bienen - Katja Keweritsch

    Die Bildrechte liegen beim Verlag
     

     

    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (8. März 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453360842
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453360846 
    • Genre: Roman




Diana Kurzbeschreibung:

Anna hat ihren Urlaub an der sonnigen Côte d’Azur gerade beendet und will zurück nach Hamburg reisen. Als sich die Türen des Flugzeugs schließen, hat sie eine Panikattacke und verlässt fluchtartig die Maschine. Wie soll sie jetzt nach Hause kommen? Bus und Bahn scheiden aus, denn auch dort wäre sie eingesperrt und könnte nicht jederzeit aussteigen. Schließlich registriert sie sich bei der Mitfahrzentrale - und lernt Harm kennen. Er ist auf dem Rückweg von Südfrankreich nach Kiel. In seinem Gepäck: Bienenköniginnen. Er nimmt Anna mit und gemeinsam machen sie sich auf zu einem emotionalen Roadtrip, der völlig anders endet als erwartet.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Was für ein wunderbarer Roadtrip! Es ist der letzte Abend ihres Nizza Urlaubs, als Christoph Anna nach sechs Jahren Beziehung einen eher unromantischen Heiratsantrag macht. Am nächsten Tag bekommt Anna kurz vor dem Start im Flugzeug plötzlich eine Panikattacke. Sie steigt aus und Christoph fliegt alleine zurück nach Hamburg, weil er einen sehr wichtigen beruflichen Termin hat. Anna soll mit dem nächsten Flieger nachkommen, doch sie kann weder in ein Flugzeug, noch in einen Bus oder Zug steigen ohne erneut in Panik auszubrechen. Selbst ein Auto zu mieten kann sie sich nicht vorstellen und so bleibt nur mehr die Mitfahrzentrale und die Hoffnung keine Panikattacke zu bekommen. Der Einzige, der Richtung Deutschland fährt ist Harm, der jedoch Bienenköniginnen ausliefert und somit nicht auf direktem Weg nach Hamburg fährt. Auf der gemeinsamen Fahrt durch die Provence lernen sie sich immer besser kennen und die Fassade der beiden ungleichen Charaktere beginnt zu bröckeln....

Die facettenreiche Geschichte hat mich bezaubert. Vorallem der erste Teil, der durch die Provence führt, ist absolut gelungen. Die Beschreibung der Landschaft während des Roadtrips ist so bildhaft, dass ich am liebsten sofort meinen Koffer gepackt und einen Urlaub in der Provence gebucht hätte. Ich roch den Lavendel, bestaunte die Landschaft und spürte den Geschmack des Weines auf meiner Zunge. Dabei begleiteten mich die Bienenköniginnen in Harms Kofferraum. Was es mit ihnen auf sich hat, muss man allerdings selbst lesen.

In der zweiten Hälfte sind wir zurück in Norddeutschland und erleben ein Wechselbad der Gefühle. Zuerst war ich etwas enttäuscht, dass die wunderbare Zeit in Frankreich vorüber war, doch Katja Keweritsch gelang es ohne Probleme mich weiter zu fesseln. Überraschende Wendungen und der eine oder andere unerwartete  Twist hatte es in sich.

Durch die wechselnde Perspektive fühlt man mit Anna, Harm und Christoph mit und lernt sie immer besser kennen. Zu Beginn fand ich Anna noch etwas zickig, aber im Laufe der Geschichte fand sie immer mehr zu sich selbst. Harm trägt ebenfalls ein schweres Päckchen mit sich herum. Beide Charaktere versuchen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Christoph ist ein Karrieremensch und kommt aus gutem Haus. Für ihn ist Erfolg und Geld das Wichtigtse. Doch auch er muss einige Dinge erkennen, die sein Leben auf den Kopf stellen. 

Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar lesen. Er ist poetisch und bildgewaltig. Nicht nur die landschaftlichen Beschreibungen, sondern auch die Gefühle und Emotionen der Figuren werden authentisch dargestellt.
Die Leichtigkeit, die die Autorin trotz der schweren Themen hier vermittelt, habe ich als sehr angenehm empfunden. Die Geschichte überzeugt durch viele Facetten und Tiefgründigkeit. Themen wie Liebe und Trauer, Verlust und die Suche nach dem Sinn im Leben sind maßgebend und werden von der Autorin perfekt bedient. 

Fazit:
Ein Wohlfühlroman, der viele ernste Themen anspricht und Tiefgang besitzt. Ein magischer und gefühlvoller Roadtrip, der mir sehr gut gefallen hat. Ich hatte wunderbare Lesestunden und empfehle diesen Roman sehr gerne weiter.

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Unter dem Schnee - Katrin Burseg

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (4. Oktober 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292227
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292222
    • Genre: Roman



Diana Kurzbeschreibung:
Schloss Schwanenholz, Ende Dezember 1978: Fünfzig Jahre führte Luise von Schwan die Baumschule auf dem Gut an der Ostsee mit strenger Hand. Nun wird die Gräfin beerdigt. Doch als die Trauerfeier beginnt, fegt ein heftiger Schneesturm über das Land. Bevor das Familienanwesen von der Außenwelt abgeschnitten wird, trifft ein ungebetener Gast aus Frankreich ein. Wer ist die geheimnisvolle Frau, die behauptet, Luises Tochter zu sein? Und hat Luise tatsächlich während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter auf dem Gut ausgebeutet? Fünf Tage, in denen die Familie mit verborgenen Wahrheiten konfrontiert wird. Fünf Tage, die das Schweigen beenden, das sich jahrzehntelang über alles senkte wie Schnee. 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Schneekatastrophe zum Jahresende 1978 in Norddeutschland nahm die Autorin für ihren Roman "Unter dem Schnee"zum Anlass und hat darin ein Familiengeheimnis verpackt.
Als Österreicherin ist Schnee ja etwas, das mich jeden Winter begleitet - mal mehr, mal weniger. Leider wohne ich nicht in den richtig schneereichen Gebieten im Westen, aber ich kann mich noch erinnern, dass wir als ich noch ein Kind war, sehr viel Schnee hatten und einmal sogar richtig eingeschneit waren. Lange ist es her....
Der Klimawandel hat leider schon sehr viel dazu getan, dass die Gletscher schmelzen und wir im Alpemvorland nur mehr wenig Schnee bekommen.

Von der Schneekatastrophe 1978/79 hatte ich zuvor noch nicht gehört. Für Norddeutschland war diese Masse an Schnee außergewöhnlich. Zusätzlich lagen die Temperaturen zwischen -10° und -20°C, die sich durch den starken Wind sicher noch kälter anfühlten.
Genau zu diesem Zeitpunkt soll die Trauerfeier von Luise von Schwan stattfinden. Sie führte die Baumschule und ist Besitzerin des Gutes, das seit vielen Jahren in der Hand der Familie von Schwan ist.
Während die Familienmitglieder und die Dorfbewohner Abschied nehmen, wird kurze Zeit später die Beerdigung abgebrochen. Der gewaltige Schneesturm treibt die Trauergäste zurück in ihre Häuser. Bevor das Familienanwesen von der Außenwelt abgeschnitten wird, bringt der Pfarrer eine junge Frau auf das Gut, die niemand zu kennen scheint. Die unbekannte Französin behauptet Luises Tochter zu sein. Carl und Johann, die Neffen der verstorbenen Luise von Schwan und Erben der Baumschule, sind selbstverständlich außer sich. Während der stille Johann eher neugierig ist und hören will, welche Erklärung die unbekannte Frau hat, rastet der cholerische Carl aus. Der schwelende Konflikt, die Kälte, die durch die Ritzen des Wintergartens kriecht, sowie der Schnee, der lautlos fällt und sich eine Stille über das Land legt, hat mich sehr schnell gefangen genommen.

Neben der Geschichte in den letzten Tages des Jahres 1978 gibt es Rückblicke in die Vergangenheit der verstorbenen Luise von Schwan, ihrer Schwester Klementine und deren Söhne Carl und Johann, die im Zweiten Weltkrieg aus Pommern geflüchtet sind. Dabei hat die Autorin die Themen Zwangsarbeit, Fluchttraumata und das lange Schweigen über die NS-Vergangenheit, die in den 1970igern noch immer nicht aufgearbeitet war (und teilweise auch heute noch nicht ist), behandelt. Einige Erzählungen davon sind mir sehr ans Herz gegangen, aber auch die Dramatik des Dauerschneefalls und die daraus resultierenden Konsequenzen sorgen für noch mehr Dramatik.

Noch ein Wort zum Cover....die Broschur glänzt wunderschön und bringt damit gleich einen Hauch Eis und Schnee mit. Ich finde es wunderschön!

Schreibstil:
Es ist mein erstes Buch der Autorin. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, denn er ist atmospärisch, feinfühlig und lebendig. Die Geschichte wird aus verschiedenen Sichtweisen der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Um am Anfang nicht den Überblick zu verlieren, befindet sich am Ende des Buches ein Stammbaum.
Während des Lesens hatte ich die Figuren vor Augen und konnte mir jeden von ihnen sehr gut vorstellen. Die Köchin des Gutes, Ida, ist mir dabei besonders ans Herz gewachsen. Auch die Atmosphäre im Gutshaus, abgeschnitten von der Außenwelt, war großartig aufgebaut. Ich mag diese "locked-in" Geschichten einfach, bei denen sich oftmals Tragödien abspielen. So auch hier, denn mit dem unbekannten Gast kommen Dinge ans Licht, die verschwiegen wurden und nun offenbart werden, die Folgen nach sich ziehen ....

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer Roman, der während der Schneekatastrophe in Norddeutschland 1978 spielt. Dazu gibt es Familiengeheimnisse und Rückblenden in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Eine Verbindung, die mir sehr gut gefallen hat und mir eiskalte, aber schöne Lesestunden beschert hat. Ich empfehle den Roman gerne weiter.

 Vielen Dank an den Diana Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie der Autorin für die interessante Begleitung bei der Leserunde.

[Die Hafenschwester] Als wir an die Zukunft glaubten - Melanie Metzenthin

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 704 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (30. August 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292464
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292468
    • Genre: Familiensaga 
    • Reihe: ja - Band 3 der Hafenschwester



Diana Kurzbeschreibung:
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Infl ation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

 Die Bände sollte man der Reihe nach lesen!

Meine Meinung:
In einer kleinen, aber feinen Leserunde mit der lieben Sabine von Buchmomente und mit der Autorin Melanie Metzenthin, die uns netter Weise wieder begleitet hat, haben wir diesen dritten und leider letzten Teil der Reihe gelesen. Vielen lieben Dank Melanie für die wiederholte tolle und sehr informative Begleitung!

Im letzten Band der Reihe begleiten wir die ehemalige Hafenschwester Martha ab dem Jahr 1923 während der Weimarer Republik bis hin zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit der Zeit verlagert sich der Fokus auf die Kinder von Paul und Martha, die sehr unterschiedlich sind. Damit wird die Handlung noch runder und interessanter.
Ich war wieder sofort mitten im Geschehen, obwohl ich den zweiten Band vor einiger Zeit gelesen habe. 1923 ist das Jahr der Weltwirtschaftskrise und der Hyperinflation. Die Menschen schleppen die Geldscheine in Koffern zum Einkaufen. Das Geld, das Martha und Paul für ihren ältesten Sohn Rudi gespart haben, ist genauso verloren, wie weitere Ersparnisse. Das macht ihnen gewaltiges Kopfzerbrechen, obwohl es ihnen im Vergleich zu anderen Menschen noch ganz gut geht, denn Marthas Arbeit ist nach wie vor gefragt. Paul hingegen muss um seinen Job bangen, da die Werft immer weniger abwirft.
Rudi gibt seinen Eltern ebenfalls so einige Sorgen auf. Das Jus-Studium, das er nach dem Abitur beginnt, ist nicht so wirklich seines, obwohl er unbedingt Anwalt werden wollte. Zusätzlich fühlt er sich ungeliebt und sucht Zuflucht in Frauengeschichten. Davon wird ihm eine zum Verhängnis...
Ein ganz besonderer Charakter ist Alfred. Ihm ist schon früh klar, dass er zur Polizei gehen will und er findet in Henny schon bald die Frau fürs Leben.
Ella, die Jüngste der Studt-Kinder, möchte in die Fußstapfen der Mutter treten und Medizin studieren.
Doch alle drei Kinder müssen sich mit der Erfüllung ihrer Träume gedulden, als die NSDAP immer mehr an Macht gewinnt. ...

Die Spannung beginnt sich langsam aufzubauen und schraubt sich immer mehr in die Höhe. Vorallem zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, der Bombardierung Hamburgs und Fredi's gefährliche Mission halten den Leser in Atem. Melanie Metzenthin schafft es wieder großartig uns Martha und ihre Familie näher zu bringen und mit diesem letzten Band den Abschied noch schwerer zu machen. Ich war zu jedem Zeitpunkt mitten drinnen und  habe mit Martha gebangt, mit Ella mitgefühlt und geweint, Fredi bewundert und über Rudi immer wieder den Kopf geschüttelt. Vorallem Ella habe ich bedauert, die immer wieder zurückstecken muss. 

Heinrich und Li Meng spielen ebenfalls wieder eine große Rolle, ebenso wie ihre Kinder Arthur und Lilli. Dabei wird vorallem Lilli im Laufe der Zeit eine sehr wichtige Figur.

Henny, Fredi's Frau, macht meiner Meinung nach den größten Wandel durch. Von der naiven 16jährigen, die perfekt in das zukünftige Frauenbild der Nazis passt, wandelt sie sich zu einer richtig toughen Frau, die Stärke zeigt und ihre Familie beschützt - komme, was wolle.

Fredi ist eindeutig der Charakter, der das Herz des Lesers erobert. Ihm gilt meine volle Bewunderung! In der Mordkommission gewinnt die SA immer mehr an Macht. Fredi muss der Partei beitreten, bleibt sich aber selbst treu und versucht sich nicht verdächtig zu machen. Als Leser erhält man einen sehr detaillierten Einblick, wie der Polizeiapparat von der SA und der SS durchsetzt wird und die unliebsamen Gegner erntfernt werden. Ein sehr gefährliches Spiel!

Die Charaktere entwickeln sich alle im Laufe der Geschichte weiter und bleiben facettenreich und authentisch. Sie sind liebevoll gestaltet und man hat das Gefühl alle persönlich zu kennen. Die Entwicklung von Rudi, Fredi und Ella, aber auch von Martha und Paul, wird durch die gesellschaftlichen Umstände und politischen Zwänge beeinflusst. Als Leser erlebt man diese hautnah mit.

Es ist schade, dass die doch etwas lange Zeitspanne von mehr als zwanzig Jahren in einem Band komprimiert werden musste. Einige Hintergründe sind dadurch nur kurz angeschnitten oder erwähnt. 

Fazit:
Ein wunderbarer Abschluss dieser Trilogie, bei dem diesmal die Kinder der Hafenschwester Martha im Mittelpunkt stehen. Melanie Metzenthin überzeugt wieder mit einem exzellent recherchiertem historischen Hintergrund und verwebt ihre Familiengeschichte zu einem spannenden Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Von mir gibt es für die gesamte Reihe eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Corinna Schindler vom freelance Team, die mir das Buch zukommen ließ, wie auch an Melanie Metzenthin, die uns bei allen drei Teilen auf meinem Blog begleitet hat

Der Morgen davor und das Leben danach - Ann Napolitano

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 416 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (10. Mai 2021)
    • Übersetzer: Carola Fischer
    • ISBN-10 : 3453360486
    • ISBN-13 : 978-3453360488
    • Originaltitel : Dear Edward
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Diana Kurzbeschreibung:
An einem Sommermorgen besteigen der zwölfjährige Edward und seine Familie ein Flugzeug, das sie von New York nach Los Angeles bringen soll. Auf halbem Weg über das Land, stürzt das Flugzeug ab. Edward ist von einhundertsiebenundachtzig Passagieren der einzige Überlebende. Was geschah in den Stunden davor? Wie geht sein Leben nach dem schmerzvollen Verlust weiter? Die atemberaubende Odyssee eines Jungen, dessen einsames Herz wieder lernen muss zu lieben. 

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der Roman von Ann Napolitano erzählt das Schicksal des erst 12jährigen Edward, der bei einem Flugzeugabsturz von 187 Passagieren als Einziger überlebt hat. Ein Thema, bei dem einem die Gänsehaut über den Rücken läuft und über das ich gerne lesen wollte. Auch die Leseprobe hat mir sehr gut gefallen und deshalb habe ich mich gefreut, dass ich für die Vorab-Leserunde bei Lovelybooks ausgewählt wurde.

Ich fange diesmal nicht von vorne, sondern mit dem Nachwort der Autorin an, das mich fasziniert hat. Sie hat acht Jahre an diesem Buch gearbeitet und hat die beiden Flugzeugkatastrophen des Fluges 771 der Afriqiyah Airways von Südafrika nach Libyien, bei dem ein 9jähriger niederländische Junge der einzige Überlebende war und den Absturz der Air France Maschine Flug Nr. 447 von Buenos Aires nach Paris zur Inspiration für ihre Geschichte genommen.
Nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, musste ich googeln und war entsetzt über die Vorkommnisse, die zum Absturz der Air France führten. Das Gespräch des Piloten und des Co-Piloten wird im Roman wiedergegeben und man kann es auch auf Wikipädia nachlesen. Ich muss zugeben, dass ich mir nun noch mehr Gedanken mache, wenn ich mich in die nächste Maschine setzen werde - wann immer das auch sein wird.

Die Autorin erzählt im Wechsel beginnend vom Morgen des Abfluges und dem Leben von Edward nach dem Absturz. Den deutschen Titel finde ich daher sehr gut gewählt.
In der Gegenwart begleiten wir Edward auf seinem Weg zurück ins Leben. Seine Tante und sein Onkel geben ihm ein neues Zuhause, aber haben selbst Probleme mit dem Tod ihrer Angehörigen umzugehen. Einen besonderen Platz nimmt Shay ein. Sie ist gleichaltrig und das Nachbarmädchen. Ihr Umgang mit Edward war genau richtig und hat ihm in dieser schweren Zeit sehr viel geholfen.
Zu Beginn war ich etwas irritiert, dass einige Passagiere des Fluges sehr genau beschrieben wurden und mir eigentlich Edward und seine Familie (Vater, Mutter und Bruder Jordan) viel zu kurz kam. Erst im weiteren Verlauf der Geschichte wird klar, warum die Autorin diese Art der Erzählung gewählt hat. Trotzdem gefiel mir genau deswegen die zweite Hälfte etwas besser, als sich der Fokus mehr auf Edward richtete und auch sein Umgang mit der Trauer etwas mehr Raum erhielt. Für mich hätte dies schon früher sein sollen und die Mitreisenden, denen viel Platz eingeräumt wird, hätten mehr im Hintergrund bleiben sollen. Zusätzlich fand ich die Beschreibung dieser ausgewählten Passagiere oftmals als sehr exaltiert...typisch amerikanisch, finde ich. Edward war zwar die zentrale Figur, kommt meiner Meinung aber als Person zu kurz. Man erfährt zu wenig über seine Gefühle und Gedanken auf seinen langen Weg zurück ins normale Leben.

Sehr gut gefallen und sehr genau recherchiert hat Ann Napolitano die letzten Begebenheiten kurz vor dem Absturz. Durch das bereits bekannte Ende wächst das Unbehagen beim Lesen potentiell an und ließ mich an meinen Fingernägeln knabbern.

Die Übersetzung war leider nicht immer glücklich. Es gab so einige Fehler und auch komisch klingende Sätze, die dem Lektorrat auffallen hätten müssen. Richtig gestört habe ich mich aber nicht daran...da habe ich schon andere Fehler in Büchern erlebt, die ich weniger akzeptieren konnte. Trotzdem haben diese Grammtik- und Rechtschreibfehler ab und zu den Lesefluss unterbrochen.

Cover:

von links nach rechts: drei englischsprachige Ausgaben, danach das portugiesische, das litauische, das dänische und das französische Cover

Fazit:
Ein sehr interessantes Thema, das die Autorin nur teilweise so vermitteln konnte, wie es ich es mir gewünscht hätte. Etwas mehr tiefgründiger Inhalt und den Fokus auf Edward und seine Gefühle hätten mir besser gefallen. Obwohl ich Mitleid mit Edward empfand, kam er mir nicht richtig nahe. Trotzdem eine interessante Lektüre zu einem nicht alltäglichen Thema.

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Klaras Schweigen - Bettina Storks

     

     

    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag; Originalausgabe Edition (8. März 2021)
    • ISBN-10 : 3453360478
    • ISBN-13 : 978-3453360471
    • Genre: Familienroman



Diana Kurzbeschreibung:
Freiburg im Breisgau, 2018: Nach einem Schlaganfall spricht Miriams hochbetagte Großmutter plötzlich französische Worte – eine Sprache, die sie angeblich nie gelernt hat. Miriam erkennt schnell, dass Klara weit mehr verbirgt, doch alle Nachfragen finden kein Gehör. Was genau passierte im Leben ihrer Großmutter? Warum verließ sie Freiburg und ging im Dezember 1949 überstürzt nach Konstanz? Miriams Suche nach Antworten führt sie bis in die Bretagne, immer auf der Spur eines jahrzehntelang gehüteten Familiengeheimnisses …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue Roman von Bettina Storks befasst sich mit Miriam und ihrer Großmutter Klara, die nach einem Schlaganfall zuerst gar nicht und dann plötzlich französisch spricht. Angeblich hat Klara aber nie diese Sprache gelernt. Miriam, die nach dem frühen Unfalltod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist, steht vor einem Rätsel. Nach Rücksprache mit Klaras Schwester Lotte ahnt sie jedoch, dass diese ihr absichtlich etwas verschweigt. Sie warnt Miriam zusätzlich in der Vergangenheit herumzuschnüffeln, was diese natürlich noch neugieriger macht. Außerdem spricht Klara von einem Pascal, zeigt ihr eine goldene Uhr mit französischer Gravur und die Zeichnung einer Fischerhütte am Meer: und sie bittet Miriam Pascal zu finden.....

Bettina Storks hat in ihrem neuen Roman die Beziehung zwischen französischen Soldaten und deutschen Frauen aufgegriffen. Auf zwei Zeitebenen erzählt sie die Geschichte von Klara, die sich unsterblich in einem französischen Soldaten verliebt. Doch diese Liebe ist nach dem Krieg verboten und der Hass zwischen Franzosen und Deutschen schwillt nicht zum ersten Mal im Laufe von Jahrhunderten immer mehr an. Bettina Storks bringt uns die Nachkriegszeit näher, sowie die damals geltenden gesellschaftlichen Gepflogenheiten

Die Charaktere sind wundervoll gezeichnet und sehr individuell. Klara ist eine sehr sympathische Figur, die es in ihrem Leben nicht leicht hat. Besondere Schuld daran trägt ihr tyrannischer Vater, der seit der Rückkehr aus dem Krieg dem Alkohol zuspricht und dessen Hass auf die Franzosen die Familienatmosphäre vergiftet. Aber auch die bigotte und erzkatholische Mutter und Klaras Schwester Lotte, die sich ihr gegenüber immer benachteiligt fühlt, tragen zu Klaras Leid bei. Ich war mit mit Klara in Freiburg und in Konstanz am Bodensee und habe mit ihr geweint und gelitten. Doch sie erstarkt an ihren Schicksalsschlägen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.

Auch Miriam ist eine fürsorgliche und warmherzige Frau, die jedoch immer wieder an sich selbst zweifelt. Sie hat Bindungs- und Verlustängste. Durch ihre Nachforschungen über Klaras Vergangenheit findet sie langsam zu sich selbst, bis sie ein Geheimnis aufdeckt, dass ihr altes Leben völlig aus der Bahn wirft. Ihre beste Freundin Pia ist dabei eine verlässliche Stütze, die ihr immer zur Seite steht.

Fazit:
Ich habe mit Miriam und Klara mitgefiebert, während ein siebzig Jahre altes Geheimnis gelüftet wird. Die Seiten sind nur so dahin geflogen. Vorallem hat mich auch der einfühlsame und flüssige Schreibstil der Autorin durch die Geschichte getragen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Kinder ihrer Zeit - Claire Winter

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe : 576 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag (27. Juli 2020) 
    • ISBN-10 : 3453291956
    • ISBN-13 : 978-3453291959
    • Genre: Historischer Roman, Familienroman



Diana Kurzbeschreibung:
Die Zwillinge Emma und Alice werden 1945 auf der Flucht aus Ostpreußen getrennt. Beide glauben, die andere hätte nicht überlebt. Emma wächst in Westberlin auf, Alice in einem Heim in der DDR. Erst zwölf Jahre später finden sie sich überraschend wieder. Durch Alice lernt Emma den Ost-Berliner Physiker Julius Laakmann kennen. Als Julius Zeuge einer Entführung wird, gerät er zwischen die Fronten der Geheimdienste. Dann verschwindet Alice spurlos. Zu spät erkennt Emma, welcher drohenden Gefahr sie und ihre Schwester gegenüberstehen. Währenddessen erreicht der Kalte Krieg einen neuen Höhepunkt – Berlin soll für immer geteilt werden ... 
 
Meine Bewertung: * * * * *
  ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Meine Meinung:
Seit dem Frühjahr freue ich mich auf den neuen Roman von Claire Winter. Der Veröffentlichungstermin wurde wegen dem Coronoa-Virus von Mai auf Ende Juli verschoben und meine Geduld strapaziert. Doch im Endeffekt dauerte es nun noch länger, denn ich erlebte in den letzten Monaten eine etwas schwierigere Zeit, die mir das Lesen manchmal nicht so einfach machte. 
Nun habe ich das Buch gelesen und war wieder absolut geflasht. Claire Winters Romane sind für mich immer Herzensbücher. Mit "Kinder ihrer Zeit" hat sie neuerlich ein Highlight geschrieben, welches von mir den ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ bekommt.

Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu. Die Russen überrennen Preußen. Rosa Lichtenberg ist mit ihren Zwillingstöchtern Emma und Alice auf der Flucht. Es ist Winter und
Rosa kommt mit ihrem Handwagen und den Kleinkindern nur sehr langsam voran. Dann erkrankt Alice. Eine alte Bäuerin gewährt ihnen Unterschlupf, doch die Russen überfallen das Dorf und brennen alles nieder. Alice und Emma werden getrennt und leben fortan im Glauben, dass die andere Schwester nicht überlebt hat....
 
Berlin war, wie auch unsere österreichische Hauptstadt Wien, in vier Sektoren aufgeteilt: Franzosen, Engländer, Russen und Amerikaner teilten sich diese auf. Ostberlin wurde von der Sowjetunion kontrolliert und während es anfangs noch möglich war zwischen Ost- und West-Berlin zu reisen, wurde die Grenze von der Ostseite her eines Tages geschlossen. Familien und Paare wurden auseinandergerissen - unglaubliches Leid und der Mauerbau im August 1961 waren die Folge. 
Claire Winter erzählt die Geschichte von Emma und Alice bis zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Mauerbau. Während Rosa und Emma in West-Berlin Zuflucht finden, wird Alice von einem russischen Soldaten gerettet und wächst im Waisenhaus auf. Sie lernen zwei völlig unterschiedliche Systemen kennen und sind in diesen stark verwurzelt. Als Alice zufällig herausfindet, dass ihre Mutter und Emma den Überfall der Russen damals überlebt haben und heute in Westberlin wohnen, versucht sie Kontakt aufzunehmen. Sie findet tatsächlich Emma, doch schon bald merken die Zwillinge, dass sie sehr unterschiedliche Lebensweisen haben. Jede lebt ihr eigene Ideologie und denkt sie wäre im besseren System aufgewachsen. So kommt es immer wieder zu Konflikten und Missverständnissen.
Alice schwankt zwischen der Liebe zu ihrer Schwester und der Pflicht gegenüber dem DDR-Regime, das sie immer mehr unter Druck setzt. Emma möchte vorallem, dass Alice nach West-Berlin kommt. Durch sie lernt sie den ostdeutschen Physiker Julius kennen und lieben. Bald geraten alle drei in den Fokus der Geheimdienste und finden sich den perfiden Machtspielen der Besatzungsmächte ausgesetzt. Verrat, Betrug und Misstrauen sind tägliche Begleiter. Als erste Gerüchte über einen Mauerbau auftauchen spitzt sich die Lage immer mehr zu...
 
Die Geschichte ist wahnsinnig spannend und spiegelt das Schicksal vieler Menschen, die zu dieser Zeit in Berlin und Ostdeutschland gelebt haben, wieder. Claire Winter versteht es großartig alle Sichtweisen so darzustellen, dass man sich selbst beim Lesen wie in einem Strudel der Machenschaften fühlt. Die Figuren sind authentisch und sehr lebendig dargestellt. Man erkennt, wie blind die jungen Frauen in die Falle tappen und man bangt die ganzen 576 Seiten um ihr Leben. Der Beginn des Kalten Krieges und der Spionage aller vier Besatzungsmächte ausgesetzt, erleben die Menschen schicksalshafte Zeiten in Berlin. Inmitten dieses Chaoses versuchen Emma und Alice an ihre frühere Verbundenheit anzuknüpfen. Doch das gelingt nur schwer...
 
Claire Winter hat hervorragend recherchiert und die Stimmung der Nachkriegszeit sehr gut eingefangen. Ich habe mit Emma und Alice gebangt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Wieder eine absolute Lese-Empfehlung!

Schreibstil:
Ich liebe den Schreibstil der Autorin. Immer wieder bin ich gefangen in ihren Romanen. Sie schreibt bildgewaltig und fesselnd. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Die dazugehörigen Namen findet man am Kapitelanfang. Man spürt die Zerissenheit der Figuren und die oftmals auswegslose Situation.

Am Ende des Buches erklärt die Autorin über Wahreit und Fiktion auf. Auf der Klappe des Covers beantwortet Claire Winter noch drei Fragen zu ihrem Roman. 
Auf der Innenseite des Hardcovers findet man eine Karte von Europa nach der Teilung Deutschlands....eine Karte, die auch ich im Schulunterricht vor mir hatte.
 
Fazit:
Wieder ein absolutes Highlight und ein Buch, das von mir den "Lieblingsbuch-Status" erhält. Es hat mich von der ersten bis zu letzten Seite begeistert. Ein spannendes Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte, grandios und fesselnd erzählt. Ich bin einfach nur begeistert von den Büchern der Autorin. Auch hier gibt es wieder eine große Lese-Empfehlung!
Vielen Dank an das freelance Team und Corinna Schindler für das Rezensionsexemplar und die Geduld
 
 

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