Posts mit dem Label Biografie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Biografie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Solito - Javier Zamora

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (4. Juli 2024)
    • Übersetzer: ‎ Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462002929
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462002928
    • Originaltitel: Solito
    • Genre: Biografie, autobiografischer Roman

KiWi Kurzbeschreibung:
Javier Zamora wächst in einer kleinen Stadt in El Salvador bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind vor Jahren vor dem Bürgerkrieg geflohen und leben in den USA, er kann sich kaum an sie erinnern. Eines Tages beauftragen sie einen Schlepper damit, ihren Sohn zu ihnen zu bringen, quer durch Mittelamerika. Als Javier abgeholt wird, rechnet er damit, dass die Reise zwei Wochen dauert. Er freut sich darauf, seine Eltern wiederzusehen – und kann sich nicht vorstellen, was auf ihn zukommt. Er reist allein, inmitten einer kleinen Gruppe fremder Erwachsener, die für ihn auf dem monate-langen Trip zu einer Art Familie wird. Er erlebt lebensgefährliche Fahrten mit Booten, wandert in erbarmungsloser Hitze durch lebensfeindliche Wüsten, lernt, sich als ein anderer auszugeben, wird festgenommen und eingesperrt, steht vor schussbereiten Gewehren, erlebt Einsamkeit, Täuschungen, Gefahren – und, immer wieder, an unerwarteten Stellen auch Freundlichkeit, Hilfe, Liebe. Javier Zamora hat nach seiner Ankunft in den USA kaum je über seine Erlebnisse gesprochen. Bei der Veröffentlichung wurde das Buch von der Kritik gefeiert – und sofort zum Bestseller. 

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gleich vorab möchte ich sagen, dass Geschichten, wie diese von Javier Zamora sehr, sehr wichtig sind. Ich bin froh, dass ich seinen mühevollen Weg von El Salvador bis in die USA in Buchform miterleben durfte. Meine eher mittelmäßige Bewertung bezieht sich auf die leider etwas mühsam lesbare Umsetzung, den trockenen Schreibstil und die Übersetzung bzw. die nicht vorhandene Übersetzung vieler spanischer Sätze und Phrasen.

Bereits der Einstieg gestaltete sich schwierig. Der autobiografische Roman wird aus der Sicht des erst neunjährigen Javier in sehr einfacher Sprache erzählt. Behütet wächst er bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind bereits vor längerer Zeit aus El Salvador in die USA geflüchtet. An seinen Vater kann sich Javier nicht erinnern und doch fiebert er den Tag entgegen, an dem er sich selbst auf den Weg nach "la USA" machen darf. Bis Guatemala begleitet ihn sein Großvater, danach ist er auf sich alleine gestellt. Marcelo aus seinem Dorf soll sich dem Jungen annehmen, doch dieser hat keinerlei Interesse daran. So werden Cheno, Patricia und ihre Tochter Carla zur Javiers Ersatzfamilie, die ihn über Wochen begleiten, während seine eigene Familie nicht weiß, wo er sich gerade aufhält und ob er es schaffen wird.

Es gibt sehr viele Wiederholungen, die vorallem alltägliche Dinge bis ins kleinste Detail nacherzählen. Diese sind mit der Zeit ermüdend. Doch am meisten haben mich die vielen spanische Phrasen, Sätze und Wörter gestört. Sie werfen einem beim Lesen völlig aus dem Lesefluss. Es gibt kaum ein Kapitel ohne spanische Ausdrücke, die oftmals auch mit schulspanisch nicht ganz verständlich sind. Am Ende gibt es ein 17-seitiges Glossar, welches aber nicht alphabetisch geordnet ist, sondern nach Kapitel. Kommt ein Wort später erneut vor, findet es man deshalb kaum mehr. Sehr mühsam!
Diese unterschiedlichen spanischen Wörter (es werden landestypische Wörter, Redewendungen und Slang verwendet) werden auch in der Geschichte angesprochen, denn Javier und die anderen Menschen aus El Salvador sollen sich als Mexikaner ausgeben, haben falsche Pässe und müssen aufpassen mexikanisches Spanisch zu sprechen, wobei sie oftmals die Wörter gar nicht kennen.

Gerne hätte ich zu Beginn auch etwas über die politische Lage in El Salvador zu dieser Zeit erfahren und warum Javiers Eltern geflüchtet sind. Ein bisschen Vorahnung hatte ich durch den Roman von Isabel Allende "Der Wind kennt meinen Namen", die in ihrem letzten Roman in einem der drei Handlungsstränge ebenfalls eine Flucht aus El Salvador beschreibt.
Gefehlt hat mir auch eine Landkarte, die den langen Fluchtweg von El Salvador über Guatemala und Mexiko in die USA aufzeigt.

Der Roman lädt trotzallem sehr zum Nachdenken ein und erzählt ein Schicksal, welches viel zu viele Menschen am eigenen Leib erfahren müssen. Es ist schwierig dieses Buch zu rezensieren, denn es ist die wahre Fluchtgeschichte eines Kindes, welches von unzuverlässigen Schleppern illegal in die USA gebracht wird. Es zeigt die Strapazen und die Gerissenheit der Schlepper, die hier Kojoten genannt werden, sehr detailliert auf. Vorallem die Flucht durch die Sonora-Wüste, der ewige Durst und die wiederholten Versuche endlich über die mexikanische Grenze zu gelangen und auch im ersehnten "Gringoland" bleiben zu dürfen, bleiben haften und nehmen den Leser mit.

Für den Autor war "Solito" eine therapeutische Aufarbeitung.
Diesen Satz gebe ich euch noch mit: "Ich habe aufgehört ein Kind zu sein, als ich ging."

Cover:


von links nach rechts:
das englischsprachige, das italienische, das englische Paperback, das spanische und eine illustrierte Ausgabe
Das Buch wurde bereits in viele weitere Sprachen übersetzt

Fazit:
Ein sehr wichtiges Thema und umso aktueller, denn je. Trotzdem konnte mich das autobiografische Werk des mittlerweile 34jährigen Javier Zamora nicht so bewegen, wie erhofft. Durch die vielen Längen alltäglicher Dinge, aber vorallem die spanischen, oft landestypischen Sätze, die einem aus dem Lesefluss reißen, bleibt man schwer im Lesefluss.
Ein ganz wundervolles Buch zum Thema Flüchtlingsproblematik ist zum Beispiel "Vor uns das Meer" von Alan Gratz. Es ist zwar ein Jugendbuch und ebenfalls aus der Sicht von Kindern oder Jugendlichen geschrieben, aber diese Geschichten über Flucht zu unterschiedlichen Jahrzehnten berühren und bleiben in Erinnerung.


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

The Woman in Me - Britney Spears

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
    • Verlag: ‎ Penguin Verlag (24. Oktober 2023)
    • Übersetzer: Karsten Petersen, Karlhein Dürr, Astrid Gravert, Sylvia Bieker und Anke Wagner-Wolff
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328602976
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328602972
    • Genre: Biografie, Musikbiografie


Penguin Kurzbeschreibung:
Als Britney Spears im Juni 2021 vor Gericht aussagte, hielt die Welt den Atem an. Der Moment, in dem sie ihre Stimme erhob und die Wahrheit sprach, sollte ihr Leben verändern – und das unzähliger anderer. The Woman in Me enthüllt erstmals ihre ganze, unglaubliche Geschichte und offenbart die innere Kraft einer der größten Künstlerinnen der Popmusikgeschichte. Mit bemerkenswerter Offenheit und Humor beweisen Britney Spears‘ bewegende Memoiren, welche Macht der Musik und der Liebe innewohnt. Und sie zeigen, wie wichtig es ist, dass eine Frau endlich in ihren eigenen Worten und zu ihren eigenen Bedingungen ihre Geschichte erzählen kann.

Meine Meinung:
Das Buch von Britney Spears hat schon bei Erscheinen meine Neugierde geweckt. Ich bin zwar kein Fan der Sängerin, mag aber ein paar ihrer Lieder und habe natürlich auch einiges über ihr Leben über die Medien mitbekommen.
Nachdem ich einige Rezensionen und Videos zu ihrer Lebensgeschichte gesehen habe, wollte ich ihre Biografie unbedingt lesen. 

Schon von klein auf ist Musik und Tanz wichtig für Britney. So ist auch nicht verwunderlich, dass sie eines Tages wirklich auf der Bühne landet. Als Kind und Teenager war sie, wie so viele andere bekannte Musiker:innen und Schauspieler:innen, beim sogenannten Mickey Mouse Club. Dort verliebte sie sich später auch in Justin Timberlake. Zwischen den Zeilen kann man immer noch herauslesen, dass er ihr das Herz brach. Ein Vorfall, auf den ich hier nicht näher eingehen möchte, hat mich entsetzt und lässt Justin nun für mich in einem ganz anderen Licht dastehen...

Wie man ohne Folgen einen Menschen für so lange Zeit der Freiheit berauben und einsperren kann, lässt mich noch immer entsetzt zurück. 13 Jahre war Britney ihrem alkoholkranken Vater und dem amerikanischen Staat ausgeliefert. Ihr Vater hat sie entmündigt und ihr jegliche Selbstbestimmung genommen. Einzig das Geld, der von ihm vorgeschriebenen Auftritte, hat er genommen und ein Leben in Saus und Braus geführt, während Britney von einem Auftritt zum nächsten hetzten musste. Statt seine Tochter nach einer gescheiterten Ehe und einer Wochenbettdepression zu unterstützen, hat er sie für verrückt erklärt und wurde von seiner Frau, die sich von ihm getrennt hatte, als Britney ein Kind war, noch unterstützt. Diese Frau und Mutter, die genau wusste, was er ihr und den Kindern damals angetan hat....es macht einfach nur sprachlos!

Wie die Musikindustrie und die Medien zu dieser Zeit mit Britney umgegangen ist, ist schändlich.
Als Frau war und ist man den männlichen Produzenten, Journalisten usw. wirklich ausgeliefert. Kein männlicher Sänger oder Schauspieler wird für seine Aktionen so vor den Pranger gestellt, denn für sie gelten andere Maßstäbe. Männer bekommen andere Interviewfragen, können unzählige Affären haben, Drogenexzesse abliefern oder Zimmer zertrümmern und werden nicht als verrückt hingestellt - wobei Britney diese Dinge gar nicht getan hat! Trotzdem wurde sie als verrückt abgestempelt und eingesperrt.

Dadurch, dass die Biografie mehrere Jahrzehnte abdeckt und nicht wirklich viele Seiten hat, leidet sie ein wenig unter Oberflächlichkeit. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und es gibt auch einige Fehler in der deutschen Ausgabe (trotz oder gerade deswegen?) der vielen Übersetzer und dem Zeitdruck. Die Biografie wurde weltweit am selben Tag veröffentlicht, was vielleicht als Erklärung herhalten kann, aber einen so großen Verlag nicht passieren dürfte!

Diese Biografie ist erschütternd und aufwühlend. Dass sich Britneys Söhne von ihr abgewandt haben, obwohl sie alles für die Beiden gab, ist traurig. Ich wünsche Britney alles Glück der Welt und dass sie Hilfe bekommt, nach allem was sie bisher durchmachen musste.

Eine Bewertung möchte ich hier nicht abgeben, denn wie soll man das Leben eines anderen Menschen wirklich bewerten?

Fazit:
Bewegend, aufwühlend und schockierend! Ein Leben, welches niemand haben möchte.


Der Buchladen am Ende der Welt - Ruth Shaw

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 300 Seiten
    • Verlag: ‎ DUMONT REISEVERLAG; 1. Auflage, Neuerscheinung (5. Oktober 2023)
    • Übersetzer: ‎ Anja Samstag
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3616032350
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3616032351
    • Originaltitel: ‎ The bookseller at the end of the world
    • Genre: Biografie, Reisebericht


Dumont Kurzbeschreibung:
Am Ende der Welt, ganz weit im Süden Neuseelands, steht ein winzig kleiner Buchladen. Er gehört einer Frau mit einer unfassbaren Lebensgeschichte: Ruth Shaw verlor ihr Kind und ihre große Liebe. Sie segelte jahrelang über den Pazifik, wurde von Piraten überfallen, wegen Glücksspiels verhaftet, war Streetworkerin und Köchin für einen Erzbischof. Heute verkauft sie Bücher im abgelegenen Fiordland. Oder verschenkt sie. In ihren Memoiren verwebt sie Anekdoten über die Menschen, die ihren Buchladen besuchen, mit den bittersüßen Geschichten aus ihrem abenteuerlichen Leben. Ein Buch über Trauer und Verlust, aber auch über die Liebe – zum Leben, zur Welt der Bücher und zur Weite des Ozeans.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbumnmler Challenge

Meine Meinung:
An diesem Buch hat mich nicht nur das Thema Buchhandlung und Bücher, sondern vorallem auch Neuseeland gereizt. Von einem Besuch in Neuseeland träume ich bereits Jahrzehnte. Mit Ruth Shaw bin ich nun literarisch in Te Aoroa, den Land der langen weißen Wolke, unterwegs gewesen. Trotzdem ist diese Geschichte ganz anders, als ich sie eigentlich erwartet hatte.

Ruth Shaw erzählt in "Der Buchladen am Ende der Welt" hauptsächlich aus ihrem sehr ereignisreichen Leben. Wir sind nur kurze Zeit im kleinsten Buchladen des Landes und zwar immer wieder zwischen den einzelnen Kapiteln ihrer Lebensreise. Diese kurzen Anekdoten, die die Autorin "Geschichten aus dem Buchladen" nennt, sind meisten nur drei Seiten lang und erzählen über Menschen, die bei Ruth vorbeikommen und eine bestimmte Geschichte suchen. 

Wir begleiten eine Frau, die bisher ein sehr ungewöhnliches Leben gelebt hat. Ruth war sehr lange Zeit eine Getriebene, die nach sich selbst und einem Platz im Leben gesucht hat. Dabei hat sie viele Höhen und Tiefen erlebt. Manche ihrer Erlebnisse haben mich erschüttert und schockiert zurückgelassen, wie der Verlust ihres Sohnes. Viele sind sehr traurig und doch spürt man den Lebenswillen und die Hoffnungt immer wieder durch die Zeilen.

Ruth Shaw hat unter anderem als Pfarrköchin, als Streetworkerin oder als Nachtschwester gearbeitet, sie war bei der Marine und züchtete Schweine. Ihre große Liebe aber war die See...und Lance.
Mit dem Segeln und dem Meer kenne ich mich als Einwohnerin eines Binnenlandes nicht wirklich aus. Trotzdem spürt man die Liebe zur See in jeder Zeile. Abenteuerliche Begebenheiten, wie ein Piratenüberfall oder ein lebensbedrohendes Sturmtief, haben mich immer wieder unglaublich den Kopf schütteln lassen.

In der Buchmitte findet man einige persönliche Fotos, die uns Ruth noch näher bringen. Es ist unglaublich, was sie in ihrem Leben alles erlebt hat.

Erst mit siebzig Jahren entschließt sie sich gemeinsam mit ihrem Mann in Manapōuri am südlichsten Zipfel Neuseelands einen kleinen Buchladen zu eröffnen. Der "Wee Bookshop" ist der kleinste Buchladen des Landes und besteht aus drei kleinen Häuschen.

Cover:

von links nach rechts:
die englischsprachige Ausgabe, das niederländische und das italienische Cover

Fazit:
Das Leben einer ungaublichen Frau, die erst spät ihren Platz im Leben gefunden hat. Eine faszinierende Lebensgeschichte, die ich gerne gelesen habe.

Vielen Dank an den Dumont Reiseverlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Leopldine von Habsburg - Ursula Prutsch

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG; 1. Edition (29. September 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3222150796
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3222150791
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Molden Kurzbeschreibung:
Tropische Pflanzen und selbst eine Sambaschule sind nach ihr benannt: Leopoldine von Habsburg, Aufklärerin in neoabsolutistischen Zeiten, gilt als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Frauen des Landes. Sie war leidenschaftliche Naturforscherin, setzte sich gegen Sklaverei und Armut ein und stellte das Hofzeremoniell ordentlich auf den Kopf. Leopoldine war ihrem Mann Dom Pedro intellektuell weit überlegen – trotzdem ist ihre Biografie auch eine Geschichte der Unterdrückung und Gewalt durch einen machistischen Monarchen, der mit ihren vielfältigen Fähigkeiten nicht zurechtkam. Letztendlich trieb er sie mit nur 29 Jahren in einen frühen Tod. 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Sachbücher lese ich ja eher selten, aber diese Biografie über Leopoldine von Habsburg ist mir aufgefallen und hat sofort mein Interesse geweckt.
Man kennt die in Brasilien sehr verehrte Monarchin in Europa kaum, was ich sehr schade finde. Leopoldine hatte in Wien eine behütete Kindheit und lernte bereits als Kind viel über die Habsburger Politik. Ihre Liebe galt den Naturwissenschaften. Sie interessierte sich für Mineralien und exotische Pflanzen, forschte und entdeckte diese mit Hingabe. Die Heiratspolitik der Habsburger war ihr wohlbekannt, deshalb stimmte sie auch in die von Fürst Metternich eingefädelte Hochzeit mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro. Mit ihrer älteren Schwester Marie Luise verband sie eine tiefe Freundschaft, die sie durch einen regen Briefwechsel aufrecht hielt. Die Briefe, die die beiden Schwestern tauschten, sind auch im Roman "Der grüne Palast" von Peggy Hohmann Thema, wie auch die Überfahrt von Leopoldine nach Rio de Janeiro.

Leopoldine war ihren angeheiraten Ehemann intellektuell weit voraus und hatte seit ihrer Kindheit auch Einblicke in die Politik der Habsburger, während Pedro völlig unbedarft war. Es war auch Leopoldine, die das Papier zur Souveränität Brasiliens unterschrieb und vieles für die Bevölkerung tat. Doch Pedro erkannte dies nicht und die Ehe der beiden wurde immer schwieriger...

Der Schreibstil ist gut lesbar und bringt uns Leopoldine mit der Zeit immer näher. Die politischen und historischen Hintergründe werden, obwohl sie oftmals komplex sind, leicht verständlich erzählt. Fasziniert hat mich wie viel Leopoldine für die Naturwissenschaft geforscht hat und alles Neue nach Europa hat verschiffen lassen. Manches ist dabei auch etwas fragwürdig, wie die Übersendung eines farbigen Sklavens nach Wien.

Die optische Gestaltung, vorallem das schreiende Grün, finde ich nicht so gelungen. Jedoch passt das Sachbuch in die Reihe über starke Frauen des Molden Verlages. Diese eigenwillige Gestaltung zieht sich durch das ganze Buch. Jedes
einzelne Kapitel wird mit einer Bilddoppelseite eingeleitet, was mir gut gefallen hat.

Eine Frau, die so vieles hätte bewirken können und doch in ihren wenigen Jahren als Kaiserin von Brasilien das Land verändert hat. Sie wird in ihrer damaligen neuen Heimat bis heute sehr verehrt. Es ist sehr schade, dass Leopoldine, die eine der klügsten und interessantesten Töchter des habsburgischen Kaiserhauses war, in Österreich kaum bekannt ist. 

Fazit:
Eine sehr interessante Biografie über eine außergewöhnliche Frau, die leider viel zu früh starb. Wer gerne mehr über Leopoldine wissen möchte, dem kann ich diese Biografie von Ursula Prutsch sehr empfehlen!

Vielen Dank an den Molden Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Das Wolfsmädchen - Christian Hardinghaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Europa Verlag; 1. Edition (29. September 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958904025
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958904026
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Europa VerlagKurzbeschreibung:
Im Februar 1946 trifft die elfjährige Ursula Dorn einen fatalen Entschluss. Sie lässt ihre Familie in den Ruinen Königsbergs zurück, um sich selbst vor dem Hungertod zu retten. Seit Kriegsende sind in der von den Sowjets besetzten Stadt über 70.000 Deutsche durch Hunger, Krankheiten und Gewalt verstorben, werden bis aufs Skelett abgemagerte Frauen vergewaltigt, erfrorene Säuglinge bleiben in ihren Kinderwagen zurück. Rund 20.000 verwaiste Kinder ziehen bettelnd durchs nördliche Ostpreußen. Ursula erträgt das Elend nicht mehr; sie schleicht sich in einen russischen Güterzug und fährt bis nach Kaunas, wo litauische Familien sich um deutsche Kinder kümmern. Ursula kommt zu Kräften, reist zurück und kann ihre Mutter befreien. Ihre Geschwister allerdings muss sie zurücklassen. Und auch das gelobte Land verändert sich, es tobt ein erbarmungsloser Partisanenkrieg. Fortan werden Familien, die „deutsche Faschistenkinder“ verstecken, in Gulags transportiert. Die Kinder sind gezwungen, sich in die Wälder zurückzuziehen und dort wie Wölfe zu hausen.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem der Historiker Dr. Christian Hardinghaus bereits in seinen Büchern über die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges berichtet und jeweils Frauen, Männer und den Kindersoldaten eine Stimme gegeben hat, erzählt er in "Das Wolfsmädchen" über ein ganz besonderes Schicksal. Stellvertretend für die Gruppe von Kindern, die 1945/46 aus dem ehemaligen Ostpreußen vor den sowjetischen Truppen nach Litauen geflohen sind, spricht Ursula Dorn über ihre Erlebnisse, die teilweise sehr schwer zu verdauen sind. Christian Hardinghaus hat ihr Schicksal in diesem Roman dokumentiert und wieder einen sehr interessanten Zeitzeugenbericht, gemeinsam mit der heute über Achzigjährigen Ursula Dorn, verfasst.

Als elfjähriges Mädchen flüchtet sie aus Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, das bis fast zum Ende des zweiten Weltkrieges verschont blieb. Doch nach dem Kriegsende überrennen die sowjetischen Truppen Ostpreußen und lassen eine Spur der Verwüstung hinter sich. Königsberg wird von den Sowjets besetzt und die Einwohner systematisch ausgehungert. Das ehemalige Ostpreußen gibt es nicht mehr und trotzdem bleiben die meisten Königsberger in der Stadt, wo sie elendig verhungerten. Auch Ursulas Mutter Martha weigert sich mit ihren Kindern die zerbombte Stadt zu verlassen. Als Ursula keine Möglichkeiten mehr sieht irgendwo Nahrung aufzutreiben, springt sie auf den nächsten Güterzug ohne zu wissen, wohin der Zug fährt. Sie landet in Litauen, wo die Menschen noch genug zu Essen haben. Dort wird sie mit Nahrung versorgt, kann sich waschen und endlich wieder in einem Bett schlafen. Nachdem sie sich etwas erholt hat, geht sie zurück nach Königsberg und versorgt die nächste Zeit ihre lethargische Mutter und ihre Geschwister. Doch eines Tages kann Ursula nicht mehr zurück....

Im Großen und Ganzen war mir der Begriff "Wolfskinder" bekannt, jedoch habe ich noch keinerlei Literatur dazu gelesen. Nach dieser erschütternden Lektüre empfinde ich es als großes Versäumnis der Deutschen Republik, dass diese Schicksale totgeschwiegen wurden. Tausende von Kinder mussten täglich um ihr Leben kämpfen. Sie hungerten, frierten und waren völlig auf sich alleine gestellt. Die Schilderungen von Ursula Dorn sind teilweise kaum zu ertragen. Als es auch in Litauen nichts mehr zu holen gibt, weil es den Einheimischen verboten wurde den deutschen Kindern zu helfen, wird  die Lage unerträglich. Zwischen den litauischen Partisanen und den sowjetischen Truppen aufgerieben, müssen die Kinder täglich um ihr Leben fürchten. Sie hausen in den Wäldern und verrohen zunehmend. Erst durch die Gefangennahme und Deportierung in die DDR, wird versucht ein "normales" Leben für die ostpreußischen Flüchtlinge wiederherzustellen... Große Hilfe gibt es dabei kaum.

Das Desinteresse von Ursulas Mutter und ihr gefühlskaltes Benehmen hat mich durchgehend entsetzt. Sie hat sich weder um ihre Kinder gesorgt, noch hat sie Verantwortung übernommen. Ursula ist mit ihren zwölf Jahren in die Mutterrolle geschlüpft und hat versucht allen das Leben zu retten. Was für eine Bürde für ein zwölfjähriges Mädchen! Auch wenn man erkennt, dass die Mutter an einer schweren Depression litt, empfand ich ihr Benehmen bereits vor der Vertreibung kaum anders. Meistens hat sich nur der Vater oder die Tante um die Kinder gekümmert.

Positiv fand ich, dass Ursula Dorn ihre Geschichte im hohen Alter erzählte. Sie hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben und wollte diese den Menschen mitteilen. Das Schreiben war für sie eine Art Selbsttherapie. Umso unverständlicher war es für mich, dass kein Verlag Interesse an ihrer Geschichte hatte bzw. diese nicht verlegen wollte. Erst viel später wurde ihr Buch doch noch veröffentlicht.  2020 fuhr Ursula Dorn noch einmal nach Kaliningrad. Dieser Besuch war für sie alles andere als einfach und sehr schmerzhaft.  

Am Ende des Buches kommen noch zwei weitere ehemalige Wolfskinder zu Wort. Im Abschluss warnen alle drei von einer Eskalation durch den Ukraine Krieg, was mich mehr als beunruhigt zurückgelassen hat.

Fazit:
Wer wie ich bereits mehrere Bücher des Historikers und Autors gelesen hat, weiß wie einfühlsam und hervorragend recherchiert Christian Hardinghaus die Lebensgeschichten der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zu Papier bringt. Seine Bücher sind wertvolle Berichte für alle nachfolgenden Generationen und immer wieder eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Europa Verlag und vorallem an Christian Hardinghaus für die gewohnt tolle Leserunde

It's my life: Jon Bon Jovi - Jürgen Seibold

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    •  
    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: ‎ Eulenspiegel VerlagsgmbH; 1. Edition (28. Februar 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3355019100
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3355019101
    • Genre: Biografie




Verlagskurzbechreibung:
Als Jon Bon Jovi 1984 seinen ersten Hit »Runaway« landete, waren Faxgeräte der neueste Schrei, statt auf Streaming setzten Popfans auf Musikkassetten, und der neueste Apple-Rechner kostete 10.000 Dollar und hatte eine 10-MB-Festplatte. Achtunddreißig Jahre später feiert Jon Bon Jovi seinen 60. Geburtstag, und aus dem verbissen arbeitenden Rockschönling, als den ihn einst manche Journalisten verspotteten, ist ein respektierter Weltstar geworden, der sich vielseitig engagiert, mit seiner »JBJ Soul Foundation« Familien hilft, denen Obdachlosigkeit droht – und der nach wie vor glücklich mit seiner High-School-Liebe Dorothea Rose verheiratet ist. Schriftsteller und Musikjournalist Jürgen Seibold, der 1991 seine erste Biografie über Jon Bon Jovi geschrieben hat, zeichnet den Weg des US-Musikers nach, der als Sohn eines sizilianischen Einwanderers in New Jersey aufwuchs und sich nach Verkaufsrekorden, Hits und Welttourneen in seinem Lokal »JBJ Soul Kitchen« – wo jeder für sein Essen so viel bezahlt, wie er eben kann – auch mal ans Spülbecken stellt, wenn Not am Mann ist. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bon Jovi sind seit meinen Zwanzigern aus meiner alten CD Sammlung und aus meiner Playlist nicht mehr wegzudenken. In ewiger Erinnerung wird mir der Morgen meines Hochzeitstages bleiben, an dem ich "Livin* on a Prayer" in Dauerschleife zur Beruhigung gespielt habe. Manche werden nun etwas irritiert schauen, aber für mich war es einfach genau das perfekte Lied. So richtig entdeckt habe ich die Gruppe nämlich nicht in den Achzigern, sondern 1993, als sie mit "Keep the Faith" auf Tour gingen und ich in Wien live dabei war. Zwei weitere Konzerte später und nun gemeinsam mit meiner Tochter, die ich mit der Musik angesteckt hatte, sind wir dann 2013 - zwanzig Jahre nach meinem ersten Livekonzert - zusammen als Fanclub Mitglieder in der Krieau in Wien dabei gewesen. Danach wurde der Sound ein etwas anderer und konnte mich nicht mehr so packen.... Fan bin ich trotzdem geblieben. Und genau deshalb habe ich mich wahnsinnig gefreut, dass ich diese Biografie lesen durfte.

Pünktlich zu Jon's 60. Geburtstag am 2. März bringt uns Musikjournalist und Autor Jürgen Seibold das Leben des US-Rockstars in dieser Biografie näher. Der Autor hat bereits 1991 die erste Biografie über Jon Bon Jovi geschrieben, was mich sehr überrascht hat.
"It's my life" beginnt mit den Kinder- und Teenagerjahren und Jon's erst langsam aufkeimender Liebe zur Musik. Sein Ehrgeiz und sein Wunsch ein Rockstar zu werden, hat der Autor sehr gut dargestellt und mit einigen lustigen Anekdoten versehen. Die Musikszene in New Jersey war äußerst lebendig. Bruce Springsteen  trat in der Nachbarschaft auf und war für Jon ein absolutes Vorbild.
Fasziniert habe ich über den Aufstieg der Band gelesen. Vorallem die erste Hälfte der Biografie hat mich sofort gepackt und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. In der Mitte findet man zusätzlich einige ausgewählte Farbfotos, die die Bandgeschichte, sowie Jon's Ausflüge zum Filmset dokumentieren.
Die zweite Hälte fand ich dann etwas schwächer. Vielleicht ist es aber auch der Tatache geschuldet, dass ich die meisten Fakten bereits kenne. Verglichen zur musikalischen Biografie "Mercury in München", die explizit über die Jahre von Freddie Mercury und Queen in der bayrischen Metropole erzählen, verliert Jon's Biografie etwas an Spirit. Nicola Bardola erzählt sehr viel genauer und gibt vorallem mehr Hintergrundwissen bekannt als Jürgen Seibold in dieser Biografie. Die Fakten über Jon in den 2000er Jahren finde ich auch größtenteils auf Wikipedia. Hier hätte ich mir mehr Einblicke hinter die Kulissen gewünscht. Trotzdem hat es der Autor geschafft, mir den Menschen Jon Bongiovi noch näher zu bringen. Sein Einsatz für Bedürftige, wie auch sein Ehrgeiz, seine Liebe zur Familie und die Musik als sein Lebensmittelpunkt machen den Rockstar zu einem außergewöhnlichen Menschen.

Im Anhang befindet sich eine Diskografie der Band, sowie der Solokarriere von Jon und der Filmografie mit allen Auftritten in Film und Fernsehen von Jon Bon Jovi.
Und nun werde ich mir mal meine CD holen und Musik von Bon Jovi aufdrehen

Fazit:
Für jeden Bon Jovi Fan ist diese Biografie ein MUSS, auch wenn ich keine 5 Sterne dafür vergeben kann. Vorallem die erste Hälfte fand ich großartig, danach sackte die Biografie (für mich) etwas ab. Trotzdem gehört dieses Buch in jedes Bücherregal eines Bon Jovi Fans.

Vielen Dank an Lovelybooks und den Eulenspiegel Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die verlorenen Generation - Christian Hardinghaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
    • Verlag: ‎ Europa Verlag; 1. Edition (4. Oktober 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958903827
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958903821
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Europa Verlag Kurzbeschreibung:
Hitlers letztes Aufgebot war minderjährig. Aufgepeitscht durch Kriegspropaganda, glaubten viele Hitlerjungen, sie könnten den Endsieg noch herbeiführen und Deutschland vor dem Untergang bewahren. Etwa 200 000 Luftwaffenhelfer ab 15 Jahren verteidigten schon 1943 deutsche Städte fast im Alleingang; im Herbst 1944 wurde der Volkssturm für alle ab 16 Jahren zur Pflicht, und 1945 missbrauchte die NS-Führung selbst 14-jährige als Lückenfüller und Kanonenfutter in Panzervernichtungstrupps. Allein in den letzten Kriegswochen fielen über 60 000 Kindersoldaten. Die Überlebenden leiden bis heute an verdrängten Kriegstraumata, und die meisten von ihnen konnten oder wollten nie darüber sprechen. Am Ende ihres Lebens berichten 13 Zeitzeugen unbeschönigt von ihren Kindheitserlebnissen während erbarmungsloser Kämpfe oder zermürbender Gefangenschaft.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nach der "Verdammten Generation und der "Verratenen Generation" widmet sich Autor Christian Hardinghaus nun der verlorenen Generation - den Kindersoldaten. Der Historiker fesselt mit seinen Berichten und Analysen und bringt Geschichte wirklich jedem Leser näher. Chrisian Hardinghaus hat mit dieser Reihe die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zum Interview gebeten. Für ihn ist es wichtig, diese Zeitzeugnisse für die kommenden Generationen festzuhalten und #gegendasvergessen anzukämpfen.

1945 hat Hitler mit der Einberufung von noch minderjährigen Kindern und alten Männern bis 60 Jahre das letzte Aufgebot ausgefasst und noch mehr Leid über viele Familien gebracht. Auch mein Großvater wurde als 58jähriger noch in den Volkssturm geschickt und kam nie mehr wieder.

Bevor sich der Autor wieder jeden einzelnen Schicksal widmet, berichtet er von der HJ und dem Jungmädchenbund, die sehr prägsam für die Kinder waren. Mit sportlicher Veranstaltungen und Wettkämpfen werden sie körperlich bereits zu Soldaten getrimmt. Die Kriegspropaganda griff vorzüglich. Man erkennt sehr gut, wie wohl überlegt das NS Regime ihre Arbeit geleistet hat.

Wie auch schon im letzten Buch kommen die Zeitzeugen größtenteils aus dem Norden Deutschlands und aus verschiedenen Schichten. Zwei davon sind allerdings durch den Krieg auch für einige Zeit in Österreich gelandet.
Jeder der dreizehn Zeitzeugen hat eine erschütternde Geschichte zu erzählen. Manche Erzählungen machten mich sprachlos. Fotos aus Kriegstagen oder von der Familie runden diese erschreckenden Berichte ab und bringen dem Leser die ehemaligen Kindersoldaten näher. Das Elternhaus spielt in diesem Alter noch eine große Rolle.
Die furchtbaren Ereignisse haben die meisten von ihnen schweigen lassen. Erst viel später stellen sich einige ihrer verlorenen Kindheit. Die seelischen Wunden sind bis heute nicht verheilt. Alle von ihnen geben zu, mit Feuereifer in den Krieg gezogen zu sein. Meistens wurden sie zuerst Flakhelfer, wo sie anfangs noch von den Lehrern den versäumten Schulstoff unterrichtet bekamen, später waren sie nur mehr Kanonenfutter. Einige von ihnen haben sich auch freiwillig gemeldet, um das Vaterland oder die Familie zu schützen.

Am Ende des Interviews stellt der Autor jeden der dreizehn Überlebenden die Frage, ob sie von der Vernichtung der Juden gewusst haben. Übereinstimmend haben alle freimütig erzählt, dass sie mitbekommen haben, dass Juden unerwünscht waren und umgesiedelt wurden oder verreisten. Von den Vernichtungslagern und den schrecklcihen Morden haben sie allerdings erst nach dem Krieg erfahren.

Fazit:
Mit seinem dritten Buch, "Die verlorene Generation", das über die Kindersoldaten berichtet, vollendet Christian Hardinghaus seine Reihe um die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Erschütternd und authentisch sind die Berichte der noch wenigen Überlebenden aus dieser Zeit. Wir dürfen nicht vergessen, was damals passiert ist und müssen gegen jeglichen Rassismus vorgehen.
Auch diesmal kann ich wieder nur eine klare Leseempfehlung abgeben und rate wirklich jeden, sich diese Lektüre über die letzten Zeitzeugen zu Gemüte zu führen.

 

Vielen Dank an den Europa Verlag und vorallem an Christian Hardinghaus für die gewohnt souveräne Leserunde

Mercury in München - Nicola Bardola

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     



    • Gebundene Ausgabe
      : 432 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag (20. September 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453273524
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453273528
    • Genre: Biografie



Heyne Kurzbeschreibung:
Freddie Mercury war eine der schillerndsten Figuren der Rockgeschichte. Exzentrisch und schüchtern, ausschweifend und bescheiden. Über kaum einen Rockstar wurde so viel berichtet wie über den Frontmann von Queen, doch über seine Jahre in München von 1979 bis 1985 ist wenig bekannt. Dieses Buch soll das ändern. Es schildert Monat für Monat, manchmal Tag für Tag Freddies genussvollen Lebensstil in der Isarmetropole. Die Münchner Freund*innen und Liebhaber*innen und die damals international bekannte Clubszene sowie Drogenpartys stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie seine musikalischen Ambitionen.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon seit Jahrzehnten bin ich ein großer Fan von QUEEN und ihrem charismatischen Sänger Freddie Mercury. Deshalb ist mir diese Biografie rund um Freddie's Münchner Jahre sofort ins Auge gesprungen. Dass mehr als 400 Seiten starke Buch zum 75. Geburtstag von Freddie ist eine Hommage an den außergewöhnlichen Sänger und seinem Wirken. Er ist und war das Aushängeschild von Queen. Geboren als Farrokh Bulsara in Sansibar, kam er 1964 früh mit seinen Eltern und seiner Schwester nach London.

Was im Film "Bohemian Rhapsody" leider viel zu wenig beachtet wurde, waren die Jahre der Band, die sie in München verbracht haben. Insgesamt waren es sieben Jahre und viele, viele Aufnahmen in ihrem Lieblingsstudio, dem Münchner Musicland Studios im Arabella-Haus. Als fünftes Queen Mitglied wird oftmals auch Reinhold Mack genannt, der für die Studioaufnahmen zuständig war und ein weiteres Musikgenie ist. Freddie wurde nicht nur ein guter Freund von Mack, sondern auch der Patenonkel seines Sohnes.

München war für Freddie der Ort, an dem er Mensch sein konnte. Hier wurde er behandelt wie jeder andere. Zusätzlich war in den späten Siebzigern und Anfang der Achziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Schwulen- und Lesbenszene in München sehr präsent. Das Glockenbachviertel, in dem heute eher hippe Familien wohnen, war damals DAS Szeneviertel Münchens. Eine Bar nach der anderen reiht sich damals an die Straßen und bald ist Freddie gern gesehener Gast. Er fühlt sich in der Stadt an der Isar heimelig und hatte viele Freunde. Freddie war ihnen gegenüber aber auch sehr großzügig. Winnie Kirchberger und Barbara Valentin, beide gebürtige Österreicher, wurden seine besten Freunde. Winnie führte das Sebastianeck am Sebastianplatz und wurde Freddies Lebenspartner. Doch Freddie nahm es selbst mit der Treue nicht so genau, während er von seinen Partnern absolute Treue verlangte.
Sein Perfektionismus betreffend der Musik brachte seine Kumpels bei Queen oftmals zur Verzweiflung. Während Freddie und John meistens einer Meinung waren, waren Roger und Brian oftmals anderer Ansicht. In der Zeit in München erschienen nicht nur einige der besten Songs der Band, sondern alle Mitglieder versuchten sich auch solo zu verwirklichen. Dank Freddies Bühnenpräsenz gehört Queen zu den erfolgreichtsen Live Bands aller Zeiten.

Es kommen viele Zeitzeugen zu Wort, die Anekdoten über ihr Zusammentreffen oder ihre gemeinsamen Jahre mit Freddie plaudern. Dadurch springt die Biografie in der Zeit manchmal ein bisschen hin und her. Neben den vielen persönlichen Freunden kommen auch einige Menschen zu Wort, die mit Freddie zusammen arbeiteten,  wie der Kameramann und Filmproduzent Wolfgang Simon oder der Fotograf Richard Young.
Nicola Bardola hat ein sehr persönliches und intensives Werk geschaffen, das auch auf die letzten Jahre von Freddie und seine Krankheit eingeht.

Das Buch ist in vier Teile aufgeteilt: Prüfung bestanden, Made in Munich, Jeden Tag ist Fasching und It's all Scheiße. Zwei Stadtkarten, auf denen Mercurys Stationen in München eingezeichnet sind, befinden sich am Anfang und am Ende des hochwertigen Hardcovers. Während die Erzählungen von schwarz-weiß Fotos abgerundet werden, befinden sich in der Mitte viele Farbfotos.

Fazit:
Ein Einblick in die Münchner Jahre der Band, die zu den ereignisreichsten von Queen gehören. Hier konnte sich Freddie nicht nur ausleben, sondern fand auch viele Freunde. Für Queen Fans ein MUSS, für alle anderen eine sehr interessante Epoche einer genialen Band, die sich zu lesen lohnt.

Vielen Dank an Heyne Hardcore für das Rezensionsexemplar!

Mein Fall - Josef Haslinger

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


     

    • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
    • Verlag: S. FISCHER; 3. Edition (29. Januar 2020)
    • ISBN-10 : 3100300580
    • ISBN-13 : 978-3100300584
    • Genre: Biografischer Roman



S.Fischer Kurzbeschreibung:
Als Zehnjähriger wurde Josef Haslinger Schüler des Sängerknabenkonvikts Stift Zwettl. Er war religiös, sogar davon überzeugt, Priester werden zu wollen, er liebte die Kirche. Seine Liebe wurde von den Patres erwidert. Erst von einem, dann von anderen. Ende Februar 2019 tritt Haslinger vor die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Dreimal muss er seine Geschichte vor unterschiedlich besetzten Gremien erzählen. Bis der Protokollant ihn schließlich auffordert, die Geschichte doch bitte selbst aufzuschreiben.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Eine weitere Biografie, die ich schon vor Monaten gelesen habe und die sich ebenfalls mit dem Thema Kindesmissbrauch beschäftigt. Diesmal sind wir wieder bei der katholischen Kirche gelandet, die für viele Fälle dieser Art bekannt geworden ist.

Josef Haslinger ist im niederösterreichischen Waldviertel aufgewachsen. Der Bauernsohn kommt aus einem christlichen Haushalt und war als Junge Minstrant, wie viele Kinder bei uns am Land. Zu dieser Zeit war es nur Jungen erlaubt zu minstrieren. Erst in den 2000 Jahren durften auch (in den Kirchengemeinden, die keinen erzkonservativen Prietser hatten) Mädchen als Minstranten aushelfen. Josef war sehr gläubig und sein Berufswunsch war demnach der eines Priesters. Mit seiner glockenhellen Stimme und seiner musikalischen Begabung fiel er jedoch auf und wurde Mitglied bei den berühmten Wiener Sängerknaben. Sein Glaube war  ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, der jedoch durch genau die Menschen, zu denen er aufgeblickt hatte, zerstört wurde. Erst sehr spät - und zwar nachdem seine Peiniger gestorben sind - legt er Zeugnis ab, was ihm damals im Konvikt des Stiftes Zwettl passiert ist. Haslinger wollte niemanden, der noch lebt, an den Pranger stellen.

»Meine Eltern hatten mich der Gemeinschaft der Patres anvertraut, weil mich dort das Beste, das selbst sie mir nicht geben konnten, erwarten würde. Ich habe sie heimlich oft verflucht, weil sie mich nicht darauf vorbereitet hatten, was dieses Beste sei …«

Manche Leser werden sich denken, dass der Autor viel zu spät mit seinen Bericht an die Öffentlichkeit ging und wie er sich nach so langer Zeit noch detailliert an einige Handlungen erinnern kann. Er hat sie jedoch bereits früher aufgeschrieben und solche einschneidenen Erlebnisse vergisst man sein Leben lang nicht. Ich möchte auf keinen Fall urteilen und ziehe den Hut, dass er sich dazu geäußert hat, was ihm damals widerfahren ist. Dabei wurden ihm auch genug Steine in den Weg gelegt, denn Haslinger versuchte schon früher auf die Missstände in der Kirche hinzuweisen. Er musste jedoch bald feststellen, dass sich das Interesse an Aufklärung und Entschädigung in überschaubaren Grenzen hielt.

Haslinger hat sich mit seiner Biografie endlich seiner Vergangenheit gestellt. Erschütternd liest man, wie der junge Sängerknabe vom zuerst väterlichen Freund und Priester manipuliert und später missbraucht wurde. Für Außenstehende sind die Beschreibungen manchmal vielleicht etwas nüchtern und sachlich, doch ich denke anders hätte der Autor nicht über seine Vergangenheit und die Seelenqualen, die er erleiden musste, schreiben können.
Man schließt das dünne Büchlein mit einem Gefühl von Wut im Bauch und kann verstehen, dass der Autor noch jahrzehntelang unter diesen Vorgängen zu leiden hatte.

Fazit:
Ein bewegender Rückblick in die Kindheit des  Autors Josef Haslinger, der noch jahrezehntelang unter den psychischen und physischen Missbrauch zu leiden hatten. Leider nur ein Fall von zu vielen....


Die verratene Generation - Christian Hardingaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe : 336 Seiten
    • Verlag: Europa Verlag (30. Oktober 2020)
    • ISBN-10 : 3958903320
    • ISBN-13 : 978-3958903326
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Europa Verlag Kurzbeschreibung:
Der Großteil der zivilen Opfer war weiblich. Vergleichsweise wenig ist in der Wissenschaft über die Rolle der Frau im Nationalsozialismus geschrieben worden, so gut wie gar nichts über ihren Einsatz im Krieg. Dabei zwangen die Nazis, obwohl dies im Widerspruch zu ihrer eigenen Ideologie stand, beinahe jede deutsche Frau in den Kriegsdienst. Viele Millionen etwa schufteten als Rüstungsarbeiterinnen, 1,5 Millionen standen als Wehrmachtshelferin, Kriegshilfsdienstmaid oder Lazarettschwester mitten im Kriegsgeschehen. Frauen zitterten Nacht für Nacht in Luftschutzkellern um ihr Leben, wurden ausgebombt und verletzt, trauerten um ihre gefallenen Ehemänner. Sie waren auch die ersten Opfer der einrückenden Sowjetarmee, die keine Gnade mit ihnen kannte. Wenn sie das alles überlebt hatten, krochen sie am Ende auf Trümmern und räumten auf. Bis heute leiden diese Frauen an unverarbeiteten Kriegstraumata, für die sich zu wenige ihrer Nachkommen interessierten.

Meine Bewertung: * * * * *

Meine Meinung:
Die Bücher von Christian Hardinghaus begleiten mich nun schon eine Weile und immer wieder bin ich begeistert von seiner sachlichen und sehr interessanten Darstellung der Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg. Der Historiker fesselt mit seinen Berichten und Analysen und bringt die Geschichte jedem Leser näher. Was hätte ich mir gewünscht, damals in der Schule, nur einen Bruchteil dessen so interessant erzählt zu bekommen.

Nachdem der Autor in "Die verdammte Generation" den männlichen Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges ein Buch gewidmet hat, sind es nun in "Die verratene Generation" die Frauen. Es bleibt nicht mehr viel Zeit diese immens wichtigen Zeitzeugen anzuhören, denn seit 75 Jahren ist der letzte Weltkrieg beendet. Doch noch heute leben wir mir den Nachwirkungen und zwar mehr, als wir oftmals denken.

Bevor sich Hardinghaus wieder den Einzelschicksalen seiner Zeitzeuginnen widmet und ihnen eine Stimme gibt, geht der Autor auf die Rolle der Frau während des Zweites Weltkrieges ein. Diese steht im Vergleich zu den männlichen Soldaten sehr im Hintergrund und wird oftmals fälschlich dargestellt und dies von vorwiegend weiblichen Historikerinnen. Es geht um die Frage der Schuld und wie die Gesellschaft von heute diese Zeit sieht. Danach widmet er sich Frauen auf der Flucht. Dabei kam es massenhaft zu Gewalt, Ausgrenzungen und Vergewaltigungen. Die Flucht geschah meistens in Etappen, denn der Russe kam immer schneller näher und war gefürchtet. Die Flüchtlinge waren jedoch innerhalb ihres eigenen Landes nicht willkommen.

Im letzten Teil wird näher auf die Bombardierungen eingegangen. Besonders der Feuersturm in Hamburg und die Zerstörung Dresdens am Ende des Krieges nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Wie die Menschen diese furchtbaren Flächenbombardments, die nach heutigen Maßstäben völkerrechtlich als Kriegsverbrechen gewertet werden erlebt haben, lässt Hardinghaus seine Zeitzeuginnen berichten. Für uns Leser ist es unvorstellbar, wenn man die Zahlen der verschiedenen Bomben liest, die auf die Städte abgeworfen wurden, wie dabei überhaupt jemand überleben konnte.
Gelernt habe ich auch wieder einiges, wie z.Bsp., dass es Hoch- und Tiefbunker gibt. Lores Vater war Architekt und half mit beim Bau vieler Bunker in Hamburg.
..."musste ich meinem Vater versprechen, dass ich immer nur in Hochbunkern Schutz suche. Die hielt mein Vater für sicher."
Außerdem erfahren wir, dass es sogar eigene Bunker für schwangere Frauen gab.

Die Zeitzeuginnen sind aus unterschiedlichen Schichten und Regionen, diesmal aber großteils (Dank Corona) im Norden Deutschlands angesiedelt. Trotzdem sind die Erzählungen sehr individuell. Hardinghaus hat besonders darauf geachtet unterschiedliche Lebensberichte in seinem Buch zu veröffentlichen. Dabei werden die Bombardierungen in Dresden, der Feuersturm in Hamburg, die Vertreibung der Sudetendeutschen oder die Flucht über die Haff theamtisiert. Auch den Trümmerfrauen gibt er ein Sprachrohr.
Die Frauen haben während des Krieges ihre Familie zusammengehalten und oftmals unaussprechliches Leid erfahren. Doch sie gaben nicht auf und wurden zeitlebens nie gehört. Helden waren nur die Männer, die Frauen nicht.
Die ereignisreichen und doch so unterschiedlichen Lebensgeschichten verschmelzen mit dem historischen Kontext zu spannenden und berührenden Erzählungen, die einem viele verschiedene und oftmals neue Einblicke gibt. Manchmal entscheiden nur Sekunden oder wenige Meter über Leben und Tod.
Zahlreiche private Fotos bringen dem Leser, die vom Autor ausgewählten dreizehn Zeitzeuginnen, noch näher. Auch Bilder von den zerstörten Städten lassen einem nur sprachlos zurück. Was bin ich froh, dass ich diese Zeit nicht miterleben musste.

Fazit:
Nach der Sicht männlicher Zeitzeugen in seinem Werk "Die verdammte Generation" hat der Autor nun den Frauen, die diese Zeit miterlebt haben, eine Stimme gegeben. Gewohnt lebendig hat der Historiker die Erzählungen der Zeitzeuginnen festgehalten, um #gegendasvergessen anzukämpfen. Falls eure Großmütter geschwiegen haben, so wie die meisten Männer und Frauen, die die Weltkriege miterlebt haben, dann liest dieses Buch! Auch diesmal kann ich wieder nur eine klare Leseempfehlung abgeben und rate wirklich jeden sich diese beiden Bücher über die letzten Zeitzeugen zu kaufen oder zu wünschen (Weihnachten naht!)

Vielen Dank an den Europa Verlag für das Rezensionsexemplar und an den Autor für seine unglaublich interessanten Leserunden, die mich jedes Mal wieder unglaublich berühren und bei denen man immer wieder etwas Neues lernt.

 

Der Junge, der seinen Vater nach Ausschwitz folgte - Jeremy Dronfield



    • Broschiert: 464 Seiten
    • Verlag: Droemer HC; Auflage: 5. (30. Dezember 2019)
    • ISBN-10: 3426278049
    • ISBN-13: 978-3426278048
    • Originaltitel: The Boy Who Followd His Father into Ausschwitz 
    • Genre: Biografie, biografischer Roman



Droemer Kurzbeschreibung:
1939 werden Gustav Kleinmann, ein jüdischer Polsterer aus Wien, und sein sechzehnjähriger Sohn Fritz mit hunderten anderen jüdischen Männern von der SS festgenommen. Aus dem Kreis ihrer Familie gerissen, werden die beiden zunächst nach Deutschland deportiert. Im KZ Buchenwald zur Zwangsarbeit im Steinbruch eingeteilt, gehören sie zu den Häftlingen, die das Lager überhaupt erst mitaufbauen. Nach einiger Zeit wird Gustav – schwer gezeichnet von den unmenschlichen Zuständen – für die Deportation nach Auschwitz selektiert. Doch für Sohn Fritz ist der Gedanke von seinem Vater getrennt zu werden unerträglich. Trotz seines Wissens darum, dass niemand aus Auschwitz zurückkehrt, erklärt sich Fritz freiwillig bereit, seinen Vater zu begleiten. So beginnt für die beiden ein Leidensweg, der noch brutaler, noch hoffnungsloser ist, als alles, was sie bis dahin erlebt haben – und den Vater und Sohn doch gemeinsam überstehen.

Meine Bewertung: * * * * * Empfehlung!

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Knaur Challenge

Meine Meinung:
Erst vor kurzem habe ich zum Thema #gegendasvergessen eine Biografie einer französichen Jüdin gelesen, die mich - sehr zu meinen Bedauern - überhaupt nicht erreichen konnte. Bei dem oben genannten Titel war ich sehr skeptisch, denn für mich hörte er sich reißerische und unglaubwürdige an. So richtig sprach er mich nicht an. Trotzdem war ich neugierig und nahm mir die biografische Erzählung aus der Bücherei mit. Und was soll ich sagen? Dieser biografische Roman sollte wirklich von so vielen Menschen, wie möglich gelesen werden! Es ist ein unheimlich ergreifendes Buch, das ich nur weiterempfehlen kann!

Jeremy Dronfield hat diese Geschichte basierend auf den geheimen Tagebüchern des jüdischen KFZ Häftlings Gustav Kleinmann und seinem Sohn aufgeschrieben. Zusätzlich führte er Gespräche mit Fritz und Kurt, die die Aufzeichnungen des Vaters vervollständigten.
Bisher haben mich zu diesem Thema vorallem "Das Lachen und der Tod" von Pieter Webeling und "Überleben - Der Gürtel des Walter Fantl" von Gerhard Zeilinger am meisten beeindruckt. Nun reiht sich "Der Junge, der seinen Vater nach Ausschwitz folgte" zu meinen Favoriten ein.

Bevor allerdings Vater und Sohn ins titelgebende Ausschwitz kommen, begleiten wir die beiden noch einige Zeit zuvor. Gustav Kleinmann gehört nicht zu den vermögenden Juden, sondern besitzt eine Polstererwerkstatt in Wien. Er lebt mit seiner Frau Tini, sowie den Töchtern Edith und Herta und den beiden Söhnen Fritz und Kurt, in der Leopoldstadt, dem 2. Bezirk der Bundeshauptstadt, unweit des Praters. Es ist 1938 und für die Kleinmanns und alle anderen Juden in Wien ändert sich alles, als Hitler in Österreich einmarschiert. Es dauert nicht lange bis Gustav und Fritz von der Gestapo abgeholt werden. Sie sind eine der Ersten, die nach Buchenwald kommen, wo sie mithelfen müssen das KZ aufzubauen. Dort sind sie nicht nur von anderen Juden umgeben, sondern auch von Roma, Sinti und anderen Menschen, die für den "deutschen Volkskörper" entbehrlich sind, darunter auch viele politisch anders Gesinnte, Homosexuelle, Priester, Polen oder Vorbestrafte.

Tini versucht unterdessen in Wien alles, um ihre ihre Familie vor einer Deportation zu bewahren. Sie hofft auch noch für Gustav und Fritz, denn noch hieß es zu dieser Zeit, dass auch bereits Juden, die im Arbeitslager sind, mit einer Ausreisegenehmigung das Land verlassen dürfen. Doch wie so viele haben die Kleinmanns vorerst kein Glück. Doch dann erhält Edith für Großbritannien und anschließénd der kleine Kurt eine Ausreisgenehmigung für die USA. Tini und Herta werden hingegen von der Gestapo abgeholt. Für Gustav und Fritz ist Buchenwald noch lange nicht Endstation. Bei einer der Selektierungen soll Gustav nach Ausschwitz kommen. Fritz meldet sich daraufhin freiwillig, damit sie zusammen bleiben und sich gegenseitig unterstützen können. Aber auch Ausschwitz ist nicht die Endstation und schlussendlich werden die Beiden doch noch unfreiwillig getrennt. Ich habe mit Gustav und Fritz mitgelitten und Todesängste ausgestanden. Obwohl ich bereits sehr viele Romane und Biografien zum Thema gelesen, habe ich auch diesmal wieder etwas Neues erfahren.

Jeremy Dronfield hat seinen biografischen Roman nicht wie viele Autoren bei der Deportierung begonnen, sondern er lässt uns anfangs mit den Kleinmanns in Wien den Alltag miterleben und langsam den Umschwung erkennen. Durch den Einmarsch in Österreich passiert die systematische Ausrottung der Juden zwar schneller, als zuvor in Deutschland, wo sich die NSDAP nach und nach etablierte und langsam ihre Grausamkeiten gegen die Juden begannen. Trotzdem spürt man auch immer wieder die Hoffnung der Menschen, dass es nicht so schlimm werden kann, durch die Zeilen. Nach der Deportation verbringen Gustav und Fritz lange Zeit in Buchenwald. Sie erleben ein Martyrium sondergleichen, aber lernen auch, wie man im Lager am Besten überleben kann. Gustav beginnt sein kleines Tagebuch, in das er manchmal schnell ein paar Zeilen notieren kann, die nun die Grundlage für dieses Buch sind. Und Buchenwald ist erst der Anfang ihrer leidensgeschichte.
Trotz der vielen furchtbaren Dinge, die Menschen Menschen immer wieder antun, all den Schrecken und Grausamkeiten spürt man den Zusammenhalt und die Unterstützung zwischen Vater und Sohn, sowie zu einzelnen Lagerinsassen. Das Beide all diese Greueltaten überlebt haben, grenzt an ein Wunder.

Das enthaltene Bildmaterial lässt den Leser noch mehr Anteil nehmen am Schicksal der Familie Kleinmnann. Sie geben den Menschen ein Gesicht.
Für mich gehört "Der Junge, der seinen Vater nach Ausschwitz folgte" zu den besten Büchern, die #gegendasvergessen geschrieben wurden.

Cover:

von links nach rechts:
ein englischsprachiges Cover, das niederländische, polnische, tschechische und portugiesische Cover und am Ende nochmals ein englischsprachiges

Fazit:
Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Eine Geschichte, die sich nie wieder wiederholen darf. Ein Zeitzeugnis. welches von Jeremy Dronfield grandios und einfühlsam umgesetzt wurde und in meinen Gedächtnis haften bleiben wird. Leseempfehlung!



 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos