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Die Schwestern von Krakau - Bettina Storks

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


  • Broschiert: 576 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag (15. Januar 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453361180
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453361188
    • Genre: Historischer Roman, zwei Zeitebenen, #gegendasvergessen


Heyne Kurzbeschreibung:
Als Édiths Vater Simon Mercier 2016 in Paris stirbt, erfährt die 53-Jährige völlig überraschend von ihren deutsch-polnischen Wurzeln. Anscheinend war Simon ein angenommenes Kind, dessen jüdischer Vater Opfer der großen Razzia im Juli 1942 wurde. Doch wie ist Simon in die Familie Mercier gekommen und was geschah mit Simons Mutter Helene? Als Édith ihre Cousine Tatjana in der Nähe von Stuttgart ausfindig macht, suchen die Frauen gemeinsam nach Antworten und beginnen, ein jahrzehntelanges Schweigen zu durchbrechen. Wie hat Helenes Schwester, Tatjanas Großmutter Lilo, damals im von Deutschen besetzten Polen gelebt? In Krakau stoßen sie auf eine Apotheke, die nicht nur für Lilo eine zentrale Rolle gespielt hat, sondern auch für den jüdischen Widerstand.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die 576 Seiten des neuen Romans von Bettina Storks habe ich in kurzer Zeit, gemeinsam mit der lieben Caroline vom YouTube Kanal "Maries Salon de Livre", verschlungen. Die Romane der Autorin lese ich immer wieder gerne, wobei ich ihren neuesten als den bisher besten empfinde.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Als Édiths Vater Simon im Jahre 2017 in Paris verstirbt, findet sie wenig später in seinem Zimmer alte Zeitungsausschnitte und Fotos. Darauf erkennt sie ihren Vater als Kind. Unter dem Foto sind die Namen Helene Wagner mit Sohn Simon und Samuel Altmann angegeben. Édiths Vater hieß jedoch Simon Mercier. Es scheint, als hätte er Nachforschungen betrieben und konnte die Suche nach seinen Wurzeln jedoch nicht mehr abschließen. Édith findet Hinweise auf die Apothekerfamilie Wagner im Raum Stuttgart. Sie kontaktiert die Wagners und erfährt, dass Helene Wagner und ihr kleiner Sohn Simon während des Krieges in Paris verstorben sind. Doch das kann nicht sein, denn aus Simon Wagner-Altmann wurde Simon Mercier. Wie ist das möglich? Und was passierte mit seiner Mutter?

Tatjana lässt der Anruf aus Paris keine Ruhe. Sie trifft sich mit Édith und beide erkennen, dass sie kaum etwas über ihre Wurzeln wissen. Zudem gibt es viel zu viele Ungereimtheiten. Helenes Schwester Lilo, Tatjanas Großmutter, ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus Krakau nach Stuttgart geflohen. Erzählt hat sie jedoch kaum etwas von ihrer Vergangenheit. Tatjana bricht nach Krakau auf, findet Spuren von Lilos Vergangenheit und steht vor einer Apotheke mitten im Krakauer Ghetto, wo ihre Großmutter als Volksdeutsche ihr Praktikum zur Apothekerin absolvierte. Mit Adam, einem Historiker, der den Nachlass des Apothekers Tadeusz Pankiewicz verwaltet, findet sie immer mehr über ihre Großmutter und ihre wahre Geschichte heraus.

In Rückblenden erfahren wir, wie die polnische Bevölkerung und die jüdische Gemeinschaft während der Besetzung durch die Nationalsozialisten leben und was sie erleiden müssen. Lilo, die zur Volksdeutschen Minderheit gehört, kommt aus einer konservativen deutschen Familie. Sie sieht jedoch an ihrem Arbeitsplatz, wie die Menschen immer mehr unter der Besatzung leiden. Ihre rebellische Schwester Helene hat das streng katholische Elternhaus verlassen und ist nach Paris geflüchtet, wo sie ihr Glück sucht. Die pflichtbewusste Lilo ist hingegen geblieben, steht aber völlig im Schatten ihrer Schwester. Doch auch sie beginnt sich gegen ihre herrische Mutter und den an Demenz erkrankten Vater aufzulehnen. Die 27-jährige beschließt gegen den Willen ihrer Eltern ihre Ausbildung in der Adler Apotheke im Ghetto fortzusetzen. Sie liebt ihre Arbeit und auch ein bisschen ihren Chef, Tadeusz Pankiewicz. Dieser spielt in seiner Apotheke eine ganz besondere Rolle und Lilo muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen will....

Der Vergangenheitsstrang hat mich gefesselt und sehr berührt. Ich habe schon sehr viele Bücher und auch Biografien über diese Zeit gelesen, doch über den jüdischen Widerstand wurde bisher eher wenig geschrieben. Bettina Storks hat in ihrem Roman eine der wichtigsten Figuren dieses Widerstandes miteingebaut: Gusta Dawidson-Draenger. 
Wir erleben Aktionen gegen die Juden und polnische Intellektuelle hautnah mit, begeben uns in den jüdischen Untergrund und sind Zeugen ihrer Versuche zu überleben. Bewundert habe ich aber vor allem den stillen Apotheker Tadeusz Pankiewicz, der Anlaufstelle für den jüdischen Widerstand war.
Bettina Storks hat historische und fiktive Personen und Begebenheiten gekonnt zusammengeführt. Die historischen Rückblicke stützen sich dabei auf das Tagebuch von Gusta Dawidson-Draengler, welches sie in Gefangenschaft geschrieben und danach versteckt hat, sowie den Memoiren von Tadeusz Pankiewicz.

Der Schreibstil von Bettina Storks hat mich sofort wieder gefangen genommen. Schon ihr letzter Roman "Die Kinder von Beauvallon" war ein Highlight. Der Schauplatz Krakau war so bildhaft dargestellt, dass ich alles wie in einen Film vor Augen hatte. Auch die Charaktere sind alle sehr lebendig und sympathisch gezeichnet. Nur mit Adam wurde ich nicht richtig warm, den ich als ziemlich hochnäsig und egoistisch empfunden habe. Auch Édith kam mir im Vergleich zu Tatjana im Roman etwas zu kurz.
Obwohl mich der Gegenwartsstrang nicht ganz so fesseln konnte, wie die Rückblicke in die Vergangenheit, erkennt man, wie die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration die folgenden Generationen in ihren Handeln und den weiteren Lebensweg beeinflusst. Ein großartiger Roman #gegendasvergessen und in der heutigen Zeit umso wichtiger!

Fazit:
Ein bewegender Roman über den jüdischen Widerstand, die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration und eine Geschichte, die auch später noch nachwirkt. Eine Leseempfehlung!


Vielen Dank an Corinnna Schindler vom freelance team und dem Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar 

Die Kinder von Beauvallon - Bettina Storks

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Broschiert: 464 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (12. April 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453361172
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453361171
    • Genre: Historischer Roman, Zweiter Weltkrieg



Diana Kurzbeschreibung:
Akribisch recherchiert und packend erzählt: Ein historischer Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht. Über den Mut zum Widerstand und die Rettung vieler jüdischer Kinder, die in der Schule Beauvallon in den 1940er-Jahren überlebten. Dieulefit, 1965: Im Auftrag ihres Freiburger Radiosenders reist die Moderatorin Agnes in einen kleinen französischen Ort, wo im Zweiten Weltkrieg mehr als tausend Flüchtlinge Schutz fanden. Darunter viele jüdische Kinder, die in der Schule Beauvallon von den mutigen Dorfbewohnern versteckt wurden. Könnte auch Agnes’ Freundin Lily überlebt haben, von der seit zwanzig Jahren jede Spur fehlt? Welche Antworten hat ein damals ranghoher Résistance-Offizier? Agnes’ Recherche wird zu einer aufwühlenden Reise in die Vergangenheit, die sie mit der Macht des Schweigens und einem Versprechen von einst konfrontiert. 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bettina Storks hat mit ihrem neuen Roman "Das Wunder von Beauvallon" dem Ort Dieulefit und seinen Bewohnern ein weiteres Denkmal gesetzt. Die Einwohner des Ortes versteckten während des Zweiten Weltkrieges fast so viele Flüchtlinge, wie es in Dieulefit Bewohner gab. Bis heute ist nicht ganz klar, wie es funktionieren konnte, ohne dass nur einer davon etwas verraten hätte. Ein Ort voller Menschlichkeit und Zivilcourage...
Die Autorin hat ihre fiktive Geschichte rund um das jüdische Mädchen Lily Blum und ihrer arischen Freundin Agnes aus Sulzburg in Südbaden mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben und sie mit den historischen Gegebenheiten verbunden.

1965. Agnes ist Moderatorin beim Freiburger Radiosender. Die Programmschwerpunkte, die sie moderieren darf, handeln von Vereinversammlungen, Kochsendungen und Haushatlstipps. Als ihr Chefredakteur sie mit einer neuen und anspruchsvollen Recherche über "stille Helfer" in den französischen Ort Dieulefit schickt, ist sie fasziniert. Sie sucht seit Jahren vergeblich nach ihrer jüdischen Kinderfreundin Lily Blum, die als neunjähriges Mädchen gemeinsam mit ihrer Familie und anderen Juden aus ihrer Heimatgemeinde Sulzburg deportiert wurde. Könnte Lily in Dieulefit, wo während des Zweiten Weltkrieges mehr als tausend Flüchtlinge Schutz gefunden haben - darunter viele jüdische Kinder - Hilfe gefunden haben? Agnes begibt sich auf eine aufwühlende Reise in die Vergangenheit …

Bettina Storks gelingt es hervorragend, die historische Ereignisse mit fiktiven Romanfiguren zu verbinden. Auf zwei Zeitebenen erzählt sie uns von Lily's Schicksal ab 1940 und der Suche von Agnes im Jahre 1965, die sie in die südostfranzösische Region Auvergne-Rhône-Alpes führt. Als dritte Perspektive lernen wir Jolie, eine Widerstandskämpferin der Résistance kennen. Sie bringt vorwiegend Kinder aus diversen Lagern nach Dieleufit, wo sie in der Schule Beauvallon untergebracht werden und neue französische Namen erhalten. Das Augenmerk liegt bei den Kindern und den Lehrern der Schule. Das Schicksal der Menschen geht zu Herzen und man fiebert und leidet beim Lesen mit. In Jean-Pierre findet Lily einen Freund fürs Leben. Trotz der schweren Thematik ist der Roman immer hoffungsvoll.

Die Charaktere sind mit viel Feingefühl gezeichnet und wunderbar authentisch dargestellt. Ganz besonders beeindruckt hat mich Jolie, die im Widerstand für "ihre" Kinder kämpft - sich immer bewusst, welche Gefahren sie eingeht. Es gab sehr viele berührende Momente, die mich erschüttert haben, aber auch sehr schöne und hoffnungsvolle Szenen. Bettina Storks hat hier hervorragend recherchiert und mit sehr viel Herzblut eine Geschichte geschrieben, die man nicht so schnell vergisst.

Marguerite Soubeyran, Catherine Krafft und Simone Monnier schufen mit der Schule namens Beauvallon die Grundlage für die Rettung der jüdischen Kinder. Marguerite und Catherine sind an einer Wand hinter der Schule verewigt worden. In der Klappe des
Einbandes ist dieses Bild abgebildet und noch weitere Originalaufnahmen der Schule. Am Ende gibt es noch ein Nachwort der Autorin und eine kleine Gegenüberstellung von Wahrheit und Fiktion.

Fazit:
Eine einmalige und berührende Geschichte über die stillen Helden des Zweiten Weltkrieges und einem Dorf, dass geschlossen Menschlichkeit zeigte. Berührend, fesselnd und eindringlich. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!

Vielen Dank an Corinnna Schindler vom freelance team für das Rezensionsexemplar und für ihre Geduld und Hilfe, bis mein Buch hier endlich angekommen ist!


Klaras Schweigen - Bettina Storks

     

     

    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag; Originalausgabe Edition (8. März 2021)
    • ISBN-10 : 3453360478
    • ISBN-13 : 978-3453360471
    • Genre: Familienroman



Diana Kurzbeschreibung:
Freiburg im Breisgau, 2018: Nach einem Schlaganfall spricht Miriams hochbetagte Großmutter plötzlich französische Worte – eine Sprache, die sie angeblich nie gelernt hat. Miriam erkennt schnell, dass Klara weit mehr verbirgt, doch alle Nachfragen finden kein Gehör. Was genau passierte im Leben ihrer Großmutter? Warum verließ sie Freiburg und ging im Dezember 1949 überstürzt nach Konstanz? Miriams Suche nach Antworten führt sie bis in die Bretagne, immer auf der Spur eines jahrzehntelang gehüteten Familiengeheimnisses …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der neue Roman von Bettina Storks befasst sich mit Miriam und ihrer Großmutter Klara, die nach einem Schlaganfall zuerst gar nicht und dann plötzlich französisch spricht. Angeblich hat Klara aber nie diese Sprache gelernt. Miriam, die nach dem frühen Unfalltod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist, steht vor einem Rätsel. Nach Rücksprache mit Klaras Schwester Lotte ahnt sie jedoch, dass diese ihr absichtlich etwas verschweigt. Sie warnt Miriam zusätzlich in der Vergangenheit herumzuschnüffeln, was diese natürlich noch neugieriger macht. Außerdem spricht Klara von einem Pascal, zeigt ihr eine goldene Uhr mit französischer Gravur und die Zeichnung einer Fischerhütte am Meer: und sie bittet Miriam Pascal zu finden.....

Bettina Storks hat in ihrem neuen Roman die Beziehung zwischen französischen Soldaten und deutschen Frauen aufgegriffen. Auf zwei Zeitebenen erzählt sie die Geschichte von Klara, die sich unsterblich in einem französischen Soldaten verliebt. Doch diese Liebe ist nach dem Krieg verboten und der Hass zwischen Franzosen und Deutschen schwillt nicht zum ersten Mal im Laufe von Jahrhunderten immer mehr an. Bettina Storks bringt uns die Nachkriegszeit näher, sowie die damals geltenden gesellschaftlichen Gepflogenheiten

Die Charaktere sind wundervoll gezeichnet und sehr individuell. Klara ist eine sehr sympathische Figur, die es in ihrem Leben nicht leicht hat. Besondere Schuld daran trägt ihr tyrannischer Vater, der seit der Rückkehr aus dem Krieg dem Alkohol zuspricht und dessen Hass auf die Franzosen die Familienatmosphäre vergiftet. Aber auch die bigotte und erzkatholische Mutter und Klaras Schwester Lotte, die sich ihr gegenüber immer benachteiligt fühlt, tragen zu Klaras Leid bei. Ich war mit mit Klara in Freiburg und in Konstanz am Bodensee und habe mit ihr geweint und gelitten. Doch sie erstarkt an ihren Schicksalsschlägen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.

Auch Miriam ist eine fürsorgliche und warmherzige Frau, die jedoch immer wieder an sich selbst zweifelt. Sie hat Bindungs- und Verlustängste. Durch ihre Nachforschungen über Klaras Vergangenheit findet sie langsam zu sich selbst, bis sie ein Geheimnis aufdeckt, dass ihr altes Leben völlig aus der Bahn wirft. Ihre beste Freundin Pia ist dabei eine verlässliche Stütze, die ihr immer zur Seite steht.

Fazit:
Ich habe mit Miriam und Klara mitgefiebert, während ein siebzig Jahre altes Geheimnis gelüftet wird. Die Seiten sind nur so dahin geflogen. Vorallem hat mich auch der einfühlsame und flüssige Schreibstil der Autorin durch die Geschichte getragen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Diana Verlag und an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Das geheime Lächeln - Bettina Storks




    • Taschenbuch: 480 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag (12. März 2018)
    • ISBN-10: 3453359747
    • ISBN-13: 978-3453359741
    • Genre: Familiensaga



Diana Kurzbeschreibung:
Als die Journalistin Emilia Lukin bei einer Auktion das Gemälde einer jungen Frau entdeckt, meint sie in ihr eigenes Spiegelbild zu blicken. Kann es sich um ihre Großmutter Sophie handeln? Um deren extravagantes Künstlerleben im Paris der 1930er-Jahre ranken sich wilde Gerüchte, Emilias Mutter Pauline aber hüllt sich in Schweigen. Emilia lässt das traurige Lächeln auf dem Porträt nicht mehr los, und so folgt sie dessen Spuren in die Provence und nach Paris. Dabei gerät sie tief in die Geschichte einer leidenschaftlichen Frau, deren Leben auf geheimnisvolle Weise mit ihrem verknüpft ist.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im Zuge der Bloggeraktion #litlovehistory habe ich zu Bettina Storks Roman "Das geheime Lächeln" gegriffen, welcher sich schon viel zu lange auf meinem SuB Stapel befand.

Die Journalistin Emilia Lukin entdeckt in einem Auktionskatalog ein Gemälde mit einem Frauenportrait, welches ihr Interesse weckt. Das Anlitz der Unbekannten ähnelt ihrem eigenen auf unheimliche Weise. Bei der Frau kann es sich nur um ihre Großmutter Sophie Langenberg handeln, dem schwarzen Schaf der Familie, über die nicht gesprochen werden durfte. Emilia entschließt sich in den Elsass zu fahren und das Bild zu ersteigern, um es in Familienbesitz zu bringen.

In zwei Handlungssträngen, die in den 30igern des letzten Jahrhunderts und in der Gegenwart spielen, erzählt Bettina Storks die Geschichte rund um ein Familiengeheimnis. Emilia begibt sich auf Spurensuche und dabei auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit. Etwas Abwechslung tut ihr gut, nachdem ihre Ehe mit Vladi gerade einiges an Konfliktpotential birgt. Ihr Ehemann hat sie betrogen und Emilia ist sich noch nicht sicher, ob sie ihr Vertrauen in Vladi wiederfinden kann. Die beiden Söhne Leo und Mischa sind erwachsen und Mutter Pauline befindet sich in einer psychiatrischen Einrichtung.
Emilia ersteigert das Bild "Frau im Schatten" und begibt sich anschließend nach "La Lumière" im Luberon, einem kleinen Ort in der Provence, wo Sophie einst gewohnt hat. Das Haus wurde nach ihrem Tod an ihre Tochter Pauline, Emilias Mutter, vererbt. Deswegen verspricht sich Emilia vor Ort mehr Informationen über ihre Großmutter zu erhalten. Ihr journalistischer Spürsinn und ihre Hartnäckigkeit lassen sie nicht ruhen und so werden aus Tagen Wochen, in denen sich ihr eigenes Leben von Grund auf verändert....
Emilia erhofft sich vom geheimnisvollen Jean-Pierre Roche mehr Informationen über Sophie, der ihre Großmutter angeblich gekannt hat. Doch der alte Mann weist Emilia erstmals zurück. Ganz langsam wird das Geheimnis um Sophie aufgedeckt und die zwei Zeitebenen verbinden sich schlussendlich zu einem Ganzen. Dabei kommt Emilia einer Lebenslüge auf die Spur, welche noch Auswirkungen bis in die Gegenwart hat.

Die ersten hundert Seiten überzeugten mich noch nicht wirklich, was sich im Laufe der Geschichte etwas änderte. Trotzdem konnte ich das Buch jederzeit aus der Hand legen und ich hatte kein drängendes Bedürfnis weiterzulesen. Mir fehlte weitgehend die Spannung. Der Großteil des Romans ist aus der Sicht von Emilia in der Gegenwart geschrieben, aber auch Jean-Pierre und Sophie kommen zu Wort. Der historische Anteil ist jedoch wesentlich kleiner.

Die Charaktere von Emilia, Sophie und Jean-Pierre wurden von der Autorin wunderbar gezeichnet und lebensecht dargestellt. Der unnahbare und gebildete Jean-Pierre wirkt einerseits geheimnisvoll und sympathisch, aber auch verschwiegen und distanziert. Er bleibt rätselhaft....das sollte er auch.
Emilia ist emotional und steht an einer Wende in ihrem Leben. Die plötzliche Suche nach ihren familiären Wurzeln kam mir jedoch etwas zu spontan und unglaubwürdig vor.
Viele ihre Emotionen konnte ich gut nachvollziehen, auch wenn sie mir mit der Zeit etwas zu fokusiert und theatralisch wirkten. Manche wiederum weniger. Besonders der Umgang mit ihrer Mutter erfüllte mich mit Unverständnis. Pauline leidet angeblich an Demenz und Emilia redet immer wieder auf sie ein und will ihr Dinge und Wahrheiten aufzwingen. Meine Mutter erkrankte ebenfalls an dieser Krankheit und reagierte auf diese Art "persönlichen Angriff" sehr ungehalten. Sie lebte in ihrer eigenen Blase und Wahrheit, welche man auch respektieren sollte. Emilias Verhalten empfand ich als Übergriff gegenüber ihrer Mutter. Das machte sie mir nicht immer sympathisch.
Von Sophie erfährt man meiner Meinung nach zu wenig. Ich konnte mich weder in sie hineinversetzen, noch kam bei mir Nähe zur Figur auf. Ihr Leben in den 30iger Jahren in Paris, die Liebe zum Künstler Paul-Raymond Fugin, die Künstlerkolonie und der Beginn des Zweiten Krieges wurden mit viel Empathie erzählt, doch danach war Sophie für mich nicht mehr wirklich greifbar. Die Zeit in der Provence fand ich noch lückenhafter. Sophies Leben wird größtenteils aus Briefe und Tagebucheinträge zusammengetragen bzw. aus Erzählungen von Jean-Pierre. Vielleicht war das auch mein Problem zu Sophie keine richtige Beziehung aufbauen zu können.

Sehr interessant fand ich die historische Erwähnung des Dorfes Dieulefit, dessen Bewohner sich während des Krieges geschlossen gegen die Nazis stellten und heimlich Flüchtlinge versteckten. Bettina Storks hat diese historischen Fakten wunderbar in ihren Roman verwoben.

Schreibstil:
Bettina Storks schreibt poetisch und mit viel Liebe zum Detail. Die dichte atmosphärische Erzählung und die bildgewaltige Beschreibung der Landschaften und Dörfer in Südfrankreich machten es mir leicht sich alles vorzustellen, obwohl ich noch nie dort war. Selbst der immer wieder erwähnte Mistral, der starke und kalte Fallwind der im Mittelmeerraum vorkommt, blies mir beim Lesen um die Ohren.
Die Charaktere sind lebendig, trotzdem kam nicht unbedingt Sympathie zu ihnen auf. Vorallem die eher distanzierte Beziehung der Söhne zu Emilia oder diese zu ihrer Mutter Pauline fand ich teilweise erschreckend kühl und emotionslos.

Fazit:
Der Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Die Idee und die bildhaften Beschreibungen, sowie den Schreibstil mochte ich sehr. Die Charaktere nur teilweise und die Spannung fehlte mir ebenfalls. Es ist ein Roman der leisen Töne, der aufzeigt, dass das Leben oft ungeahnte Wege geht und dessen Auswirkungen oft noch Generationen später betrifft.


 

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