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Die Schattenpferde der Rocky Mountains - Natascha Birovljev



    • Taschenbuch: 314 Seiten
    • Verlag: Independently published (23. Juni 2017)
    • ISBN-10: 1521512078
    • ISBN-13: 978-1521512074
    • Genre: Roman, Gegenwartsliteratur


Amazon Kurzbeschreibung:
Nach einer unheilvollen Nachricht, kehren die Geschwister Lee und Lyla auf die väterliche Willow Ranch in Kanada zurück. Ihr Vater, schwer an Krebs erkrankt, scheint jedoch alles andere als erfreut, seine Kinder nach vierzehn Jahren wiederzusehen. Während die Magie der Rocky Mountains auf sie einströmt, und die Wildnis Kanadas ihre Kräfte auf die Probe stellt, erkennen beide, dass Heimat mehr als ein Ort ist und Träume ihre eigene Geschichte erzählen. Als die Ranch in Gefahr gerät und ein Geheimnis die neu geknüpften Familienbande zu zerreißen droht, sind die Geschwister bereit alles zu riskieren, um die Willow Ranch wieder zu ihrem Zuhause zu machen.

Meine Bewertung: * * * * * wunderschön!

Buch zur Weltenbumnmler Challenge

Buch zu Hufis große Stall Challenge

Meine Meinung:
Schon lange hat mich kein Buch mehr so gefangen genommen, wie "Schattenpferde der Rocky Mountains". Dass dies ein Debütroman ist, kann man kaum glauben, denn Natascha Birovljev besitzt die Gabe ihre Geschichte so bildgewaltig und ihre Figuren so lebendig darzustellen, dass bei mir über die gesamten 314 Seiten reines Kopfkino abgelaufen ist. Zusätzlich verzaubern konnte mich die Autorin noch mit den Bräuchen und Legenden der Cree Indianer, die immer wieder in die Handlung miteingebunden sind und die den roten Faden des Buches bilden.

Im Prolog erzählt ein Schamane die Geschichte des Reisenden, frei nach einer Legende der Yinnuwok Indianer, die bereits großartig auf den Plot des Romans einstimmt.
Man findet sehr schnell in die ersten Kapitel der Story hinein, bei der Lee und Lyla aus Deutschland anreisen, um ihren krebskranken Vater auf der Willow Ranch zu besuchen. Lee ist in Kanada aufgewachsen und hat seine komplette Kindheit auf der Ranch verbracht, bevor er mit der damals fünfjährigen Lyla und seiner Mutter Brigitte seinem Vater Darcy und das Land verließ. So fühlt er sich bald wieder heimisch und trifft auch seinen damals besten Freund Chuck wieder, mit dem er gemeinsam Rodeo reiten gelernt hat. Sein Vater Darcy hat ihn damals unterstützt, doch nun ist er nicht begeistert, dass Lee auf der Ranch aushelfen will. Er vertraut mehr auf seine beiden Ranchangestellten Nick und John und akzepiert Lees Bemühungen nicht. Als Lee feststellt, dass die Ranch schwer verschuldet und bereits ein korrupter Geschäftsmnn ein Auge auf die Willow Ranch geworfen hat, versucht Lee dies zu verhindern......
Auch Lyla fühlt sich anfangs fremd und ihre seltsamen Träume und Empfindungen, die sie schon früher begleitet haben, verstärken sich in Kanada noch weiter. Auch ihre Zeichnungen, die die künstlerisch begabte junge Frau malt, werden immer rätselhafter und zeigen Pferde und Indianer. Als Lyla Rob kennenlernt, der auf der benachbarten Ranch lebt, stellt sie fest, dass die Zeichnungen seiner verstorbenen Frau Donoma ihren Eigenen sehr ähneln. Völlig verwirrt erhofft sie sich Hilfe von der Indianerin Naira, die bemerkt dass Lyla ein erstaunliches Gespür für Wildtiere und eine geheimnisvolle Verbindung zu Pferden hat.....
Mehr will ich hier nicht mehr verraten.

Mir war sofort klar, dass die Autorin weiß wovon sie hier erzählt. Ihre Liebe zu den Pferden spürt man aus jeder einzelnen Zeile. Die Beschreibungen eines Viehtriebes oder der Ausflug zum Bergsee sind so bildhaft beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, hier hautnah dabei zu sein.

Der Roman hatte für mich generell eine wahnsinnig tolle Leseathmosphäre. Ich bin in der Geschichte versunken und wollte teilweise gar nicht mehr auftauchen. Natascha Birovljev gelingt es mühelos den Zauber der Landschaft einzufangen und das geheimnisvolle Flair rund um die Indianerlegenden aufleben zu lassen. Auch die Geschichte der Willow Ranch und seiner Bewohner nahm mich gefangen. Obwohl die Handlung sich in verschiedene Handlungsstränge aufspaltet, verfolgt man jeden davon mit Spannung und erlebt so einige Überraschungen. Zum Ende hin ergeben diese einzelnen Erzählungen ein großes Ganzes, welche keine Fragen mehr offen lassen. Die Weisheiten der Indianer und einige mystische Legenden runden diese noch ab.

 "Das Leben ist eine Reise, die im Licht, aber manchmal auch im Schatten unternommen wird. Niemand sollte seine Lebenszeit darauf verschwenden, sich danach zu sehnen, dass es hätte anders sein können, als es war." - Seite 310

Die Protagonisten sind alle authentisch und größtenteils sympathisch. Man spürt ihre Sorgen und Ängste oder auch den Neid und die Eifersucht auf den Konkurrenten. Als Puffer zwischen Darcy und seinen Kindern fungiert Lee's und Lyla's Tante Jeanne, eine der herzlichsten und zuvorkommendensten Figuren des Buches.

Fazit:
Für mich seit langer Zeit wieder ein Roman, in dem ich volkommen eintauchen  und der mich von der ersten bis zur letzten Zeile begeistern konnte. Für dieses Debüt vergebe ich fantastische 5 Sterne und gebe eine Lesempfehlung aus!

Vielen Dank an die Autorin für diese wundervolle Lektüre und an Lovelybooks für die Leserunde

Celeste - Zwischen Himmel und Erde - Annabelle Tilly




    • Taschenbuch: 416 Seiten
    • Verlag: Amazon Publishing (13. Dezember 2016)
    • ISBN-10: 1503943054
    • ISBN-13: 978-1503943056
    • Genre: Historischer Roman


Amazon Kurzbeschreibung: 
Paris, 1804: In den Gassen feiern die Menschen die Krönung von Napoleon Bonaparte. Gaukler treten auf und die schöne Seiltänzerin Celeste begeistert mit einer atemberaubenden Darbietung! Vom Fleck weg engagiert sie der Ballettdirektor der Pariser Oper. Schon bald ist sie der Liebling der Stadt. Der deutsche Student Viktor von Löwenstein, der im Louvre arbeitet, will Celeste unbedingt für sich gewinnen. Romantisch umwirbt er sie, doch ihre beginnende Liebe erschüttern dramatische Ereignisse: Bei einem Einbruch im Louvre verschwinden Juwelen aus Napoleons Krone, es gibt einen Toten. Die Spur führt zu dem Mörder von Celestes Eltern …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Es ist die Zeit der französischen Revolution und der Niedergang des Adels. Die Guillotine ist im Dauereinsatz, das Bürgertum kämpft sich an die Macht. In dieser Zeit muss die kleine Celeste die Ermordung ihrer Eltern mitansehen. Das elterliche Gut wird in Brand gesteckt und alle Bewohner niedergemetzelt. Nur Celeste kann durch die Hilfe des alten Stallknechtes Pierre mit ihren Welpen Filou fliehen und überlebt das Massaker.
Paris 1804. Die ganze Stadt befindet sich in Aufruhr, denn die Krönung Napoleons zum Kaiser soll in wenigen Tagen stattfinden. Auch Celeste befindet sich mit der Gauklergruppe, die sie einst aufgenommen hat, im Zentrum der Stadt. Sie begeistert mit ihrem außergewöhnlichen Können auf dem Seil das Publikum und fällt nicht nur Viktor von Löwenstein, einem deutschen Adeligen, ins Auge, sondern auch dem Ballettdirektor der Pariser Oper. Celeste bekommt ihre große Chance und ist DIE Neuentdeckung im Opernhaus. Doch unter den Gästen und Bewunderern befindet sich auch der Mann, der damals ihre Eltern ermordet hat.....

Schon der Prolog zog mich völlig in den Bann. Das schreckliche Kindheitserlebnis von Celeste, das sie ihr ganzes Leben verfolgen soll, wird dermaßen dramatisch und bildhaft beschrieben, dass ich gar nicht anders konnte, als einfach weiterzulesen. Ich war derartig im Sog der Geschichte, die mit vielen interessanten historischen Hintergründen punkten kann. Der Leser lernt unter anderem auch den Erfinder des Fallbeils kennen, nachdem es benannt wurde: Joseph-Ignace Guillotin; ist Zeuge der Selbstkrönung von Napoleon Bonaparte oder erfährt Privates aus dem Leben von Marie Antoinette. 
Außerdem halten wir uns mit Viktor von Löwenstein, dem Neffen des Louvre-Direktors Vivant Denon, in den Gängen des weltberühmten Museums, auf. So hat das Autorenduo, das unter den Namen Annabelle Tilly ihre Romane veröffentlicht, ihre fiktive Geschichte ganz wunderbar mit den historischen Begebenheiten verknüpft. 

Die Charaktere sind vielschichtig, größtenteils sympathisch, äußerst lebendig und tragen die Geschichte. Celeste, Gilles und Viktor, die Hauptcharaktere, entwickeln sich weiter und können absolut überzeugen. Auch die Welt der Gaukler und des Balletts wird sehr bildhaft beschrieben, genauso wie das Paris um die Jahrhundertwende. Man fühlt die Stimmung unter der Bevökerung, die bereits teilweise optimistisch ist. Jedoch spürt man auch die lauernde Gefahr durch die Polizei und die Willkür der Mächtigen, die sich an ihrer momentane Macht ausleben.

Schon lange war ich nicht mehr so in einer Geschichte gefangen und fieberte mit Celeste, den Gauklern, dem sympathischen Viktor, sowie dem kleinen Dieb und Wirbelwind Gilles, richtig mit. Nicht zu vergessen ist auch Filou, der die Menschen des öfteren aus einer heiklen Situation rettet.
Durch den Einbruch in den Louvre und dem Diebstahl der Edelsteine aus Napoleons Kaiserkrone, kommt viel Spannung auf. Ebenso spielen die Katakomben unter der Stadt eine große Rolle. Es gibt einige Erzählstränge, doch sind diese keinesfalls verwirrend, sondern machen die Geschichte erst komplett. Auch der Perspektivenwechsel trägt dazu bei, dass man an den Seiten kleben bleibt. Nur ganz zum Schluss kam bei mir das Gefühl auf, dass sich die Ereignisse zu sehr überschlagen und das Ende etwas überspitzt ist. Da ich jedoch von den restlichen 350 Seiten absolut begeistert war, gibt es dennoch 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

Schreibstil:
Der Schreibstil ist absolut fesselnd, bildgewaltig und lässt sich wunderbar lesen. Man erlebt die Gefühle der Charaktere und spürt die Atmosphäre im Paris zur Zeit des großen Wandels hautnah mit.
Die Kapitel haben eine angenehme Länge, der Perspektivenwechsel hebt die Spannung. Auch der Humor blitzt ab und an durch.

Fazit:
Ein atmosphärische, spannende Geschichte in Paris kurz nach der Französischen Revolution. Hier ist alles vereint, was man sich von einem tollen Buch erwartet: tolle historische Recherche, Spannung, gute Unterhaltung, eine kleine Liebesgeschichte und interessante Auszüge aus der Welt der Gaukler und der Kunst. Für mich ein richtiges Lese-Highlight und meine Empfehlung!



Vielen Dank an Annabelle Tilly für das Rezensionsexemplar und Lovelybooks für die Leserunde, die sehr interessant war.


Philipps letztes Geschenk - Christiane Lind




    • Taschenbuch: 186 Seiten
    • Verlag: Amazon Publishing (8. November 2016)
    • ISBN-10: 1503942503
    • ISBN-13: 978-1503942509
    • Genre: Roman; Kurzgeschichte

Amazon Kurzbeschreibung:
Seit ihr Mann gestorben ist, verkriecht sich Carolin in ihrer Trauer und meidet alle Menschen. Überraschend erhält sie eines Tages ein Geschenk, das Phillip noch vor seinem Tod für sie ausgesucht hatte: ein Katzenjunges. Auf Samtpfoten schleicht es sich in ihr Leben und in ihr Herz – obwohl sein Freiheitsdrang sie gehörig auf Trab hält. Beim Suchen lernt Carolin ihre Nachbarn besser kennen und gewinnt langsam neuen Lebensmut. Bis zu dem Tag, als ihr Kätzchen verschwindet, und das, wo der Winter vor der Tür steht!

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
In der Vorweihnachtszeit lese ich immer wieder gerne tierische Weihnachtsromane. Als fünffache Katzenmama liebe ich Katzengeschichten ganz besonders. Die Autorin Christiane Lind, selbst Katzenliebhaberin und Besitzer von vier Samtpfoten, schrieb auch dieses Jahr wieder eine ganz bezaubernde Geschichte über ein kleines Kätzchen.

Philipp und Carolin sind ein glückliches Paar bis bei ihm Krebs diagnostiziert wird. Da sich seine Frau lieber einigelt und nicht viele Menschen zu ihrem Freundeskreis zählen, macht er sich Sorgen, dass sie nach seinem Tod einsam und verlassen in der Wohnung sitzt. Obwohl Carolin keine Tierliebhaberin ist, entscheidet er sich dafür, ihr ein Kätzchen als Abschiedsgeschenk zu schenken, welches sie nach seinem Tod erhalten soll. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Anka sucht er eine Katze aus, die Anka ihr zum ausgemachten Zeitpunkt überreichen soll. Doch wird das gutgehen? Wird sie ihr Herz für die Samtpfote öffnen? Carolin ist nämlich alles andere als erfreut, als sie plötzlich einen kleinen schwarzen Kater in ihre Wohnung geliefert bekommt.....

Carolin erschien mir anfangs sehr distanziert und als Tierliebhaber hat man immer einen skeptischen Blick auf Menschen, die zu Tieren keine Beziehung aufbauen können. Christiane Lind schafft es jedoch ihre Protagonistin im Laufe der Geschichte wachsen zu lassen. Durch den Verlust ihres Mannes und der Fürsorge gegenüber dem kleinen Kätzchen, das sie eigentlich nur in Obhut nehmen will, öffnet sie sich auch langsam ihren Mitmenschen. So wird Carolin aufgeschlossener und wirkt sympathischer. Auch die Nachbarn im Haus, in dem sie wohnt, werden sehr bildhaft und ausgesprochen lebendig beschrieben. Allen voran der schüchterne Nachbar Herr Rebbach oder die resolute Hausmeisterin Frau Bauernkamp, die plötzlich ganz gefühlvoll und rührselig wird, wenn sie von ihren verstorbenen Vierbeinern erzählt.

Kaum hat man den (Weihnachts-)roman begonnen, ist man auch schon durch....nicht nur wegen der 186 Seiten, sondern vorallem wegen der berührenden Geschichte, die man mit einem lachenden und einem weinenden Auge zufrieden zuklappt. Schade, dass sie so kurz ist!

Schreibstil:
Wer schon andere Bücher der Autorin, die auch unter den Namen Chris Lind (freche Frauenromane), Laura Antoni (Jugendbücher), Carolyn Luca (Fantasy) oder Clarissa Linden ("moderne" historische Romane) schreibt, gelesen hat, kennt ihren tollen Schreibstil bereits.
Auch hier überzeugt sie wieder mit viel Einfühlungsvermögen, bildhafter Sprache und einer Prise Humor, dass sie wirklich wunderbar schreiben kann. Christiane Lind erzählt uns eine zu Herzen gehende Geschichte, welche die Themen Trauerbewältigung, Freundschaft, Fürsorge und Hoffnung auf nur 186 Seiten gelungen wiedergeben. Mit einer Leichtigkeit, die wohl auch angelehnt an wahre Geschichten ihrer eigenen Fellnasen sind, erzählt sie von Missgeschicken wie angekotze Teppiche oder einer lebendigen Christbaumkugel, die zwischen den Ästen des Weihnachtsbaumes hervorlugt, während der Baum gefährlich schwankt. Ich kenne niemanden, der den Samtpfoten in seinen Geschichten so viel Leben einhaucht, wie Christiane Lind.

Fazit:
Eine wunderbare Geschichte, die Hoffnung gibt. Berührend, einfühlsam und trotzdem mit einer Prise Humor passt sie hervorragend in die Vorweihnachtszeit. Vorallem Katzenliebhaber werden ihre Freude daran haben.

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

Sturmwind über Auprèsmont - Nora Berger




    • Taschenbuch: 504 Seiten
    • Verlag: Amazon Publishing (13. September 2016)
    • ISBN-10: 1503940276
    • ISBN-13: 978-1503940277
    • Genre: Historischer Roman



Amazon Kurzbeschreibung:
Sophie genießt ihr Studium in Paris. Das Leben ist leicht und der Zweite Weltkrieg weit weg. Noch. Doch plötzlich stirbt ihre Mutter und was vorher sicher schien, wird auf einmal ungewiss. Was hat ihre Mutter Sophie verschwiegen? Welches Geheimnis liegt über der Familie? Sophie macht sich auf nach München. Auf die Suche nach ihrem eigenen Leben und mitten in die Wirren des bevorstehenden Krieges. Es wird eine Reise, begleitet von Liebe, Tod und Freundschaft. Eine Reise, die Sophies Leben verändert, vor allem als sie den jüdischen Maler David trifft und eine atemberaubende Flucht beginnt.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dies ist das zweite Buch der Autorin, das ich im Rahmen einer Lovelybooks Leserunde lesen durfte. Und ich muss sagen, es hat mir noch besser gefallen als "Der Fluch der Zuckerinsel" (Rezi *hier*)
Eingestellt hatte ich mich auf einen Roman rund um ein Familiengeheimnis, doch bekommen habe ich sehr viel mehr!
Die 504 Seiten sind prall gefüllt mit unvorhersehbaren Ereignissen und überraschenden Wendungen.  Erst vor kurzem habe ich in den Roman "Die Nachtigall" von Kristin Hannah gelesen, in dem es auch um die Besetzung Frankreichs und die französische Resistance geht. Auch hier wird dieses Thema aufgegriffen, denn dieser Roman beginnt ebenfalls kurz vor dem Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges und erzählt von den drei Geschwistern Sophie, Philippe und Marguerite.
Diese sind in Auprèmont aufgewachsen, einen Landsitz unweit von Paris, und gehören der gehobenen Schicht an. Während Philippe mit einem Mode-Designer in Paris zusammenlebt, versucht sich Marge als Schauspielerin. Beide sind nur in einem erfolgreich: im Geld ausgeben. Nie mussten sie darüber nachdenken, woher es kommt. Doch als die Mutter stirbt und Sophie als Haupterbin eingesetzt wird, sehen die Beiden ihre Geldquelle versiegen und gehen juristische gegen Sophie, der Jüngsten der Geschwister, vor. Diese ist noch Studentin und hatte als Einzige eine sehr tiefe Beziehung zu ihrer Mutter. Neben den Kampf ums Erbe hat Sophie aber noch andere Sorgen. Sie findet eine alte Schachtel mit Liebesbriefen, die  an ihre Mutter gerichtet sind. Dessen Inhalt versetzt ihr Leben in Aufruhr und veranlasst sie nach München zu reisen. Dort erhält Sophie bereits einen ersten Eindruck der politischen Lage in Deutschland und der Hetze gegen die Juden. Sie ist entsetzt über die brutalen An- und Übergriffe auf hilflose Menschen. Als sie den jüdischen Maler David kennenlernt und sich in ihn verliebt, spitzt sich auch ihre Situation immer mehr zu. Sie versucht David zur Flucht zu verhelfen....

Kaum hatte ich angefangen zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Sophie, Philippe oder Marguerite erzählt, allerdings in der 3. Person. So erhält man Einblicke in die Gefühlswelt aller drei Hauptprotagonisten, die unterschiedlicher nicht hätte sein könnten. Man lebt in der Welt der Mode, der Kunst und Schauspielerei und als Gegensatz begleitet man Sophie in München. Und hier setzt der Blickwinkel von einer ganz anderen Seite an, denn Sophie kommt ohne Vorurteile nach Deutschland und erlebt hier in rascher Abfolge die Auswirkung des Nationalsozialismus. Es werden historische Vorkommnisse, wie die Reichspogromnacht im November 1938, miteingebunden und sehr real wiedergegeben. Die Autorin hat, wie schon in ihrem letzten Roman, hervorragend recherchiert. 
Der Roman ist atmosphärisch sehr dicht und verfügt über einen hohen Spannungsbogen. Die einzige Kritik, die ich hier anbringen kann, ist das etwas zu abrupte Ende, das einige Fragen offen lässt. Dafür lässt es mich auf eine Fortsetzung hoffen!

Charaktere:
Sowohl die Charaktere, als auch die Schauplätze sind einfach wunderbar beschrieben. Man geht durch die Straßen von Paris, betritt den Landsitz in Auprésmont mit den großartig beschriebenen Räumen, flieht durch die Straße von München oder versteckt sich voller Angst und Schrecken in einem Versteck am Dachboden. Ich war überall mittendrinnen und man fühlt sich "vor Ort"!
Auch die Charaktere sind so grandios beschrieben, dass man die so unterschiedlichen Personen alle vor Augen hat. Jeder hat seine Macken, wobei eigentlich die unsympathischen Charaktere die Mehrzahl bilden. Normaler Weise färbt dies auch auf mein Leseverhalten ab bzw. habe ich dann öfters Probleme mit dem ganzen Roman. Hier ist das absolut nicht der Fall!

Schreibstil:
Nora Berger hat einen sehr bildhaften und lebendigen Schreibstil. Der Roman ist sehr flüssig geschrieben, lässt sich leicht lesen und wurde historisch sehr gut recherchiert. Auch wenn sich die Kapitel mit den drei Geschwistern abwechseln, kommt man ohne Probleme mit der Geschichte mit und hat immer wieder das Gefühl weiterlesen zu müssen, um mehr zu erfahren. Der Spannungsbogen bleibt hoch und die Autorin hat viele überraschende Wendungen eingebaut.

Fazit:
Ich hatte etwas ganz anderes erwartet und bin trotzdem begeistert! Ein toller Roman, geschichtlich  hervorragend recherchiert, mit sehr lebendigen Schauplätzen und Charakteren. Einzig das zu abrupte Ende schmälert ein bisschen meine Begeisterung. Leseempfehlung!

Vielen Dank an Lovelybooks und an die Autorin für das Rezensionsexemplar und die tolle Begleitung bei der Leserunde.

Am Ende dieses Jahres - Anja May


Amazon Kurzbeschreibung: 
Schlesien 1945: Uhrmacherlehrling Anton Köhler würde lieber eine Geige in der Hand halten statt eine Waffe. Doch als um Neujahr 1945 die Rote Armee seinem Heimatort immer näher rückt, wird er zusammen mit seinen Altersgenossen als Wehrmachtshelfer eingezogen und schließlich aus Breslau hinausgeführt. Für Anton und seinen besten Freund Gerhard beginnt ein langer und gefährlicher Weg, der sie mit feindlichen Luftangriffen und der Grausamkeit der eigenen Landsleute konfrontiert. Aber Anton ist entschlossen, seine Familie wiederzusehen. Als sie auch noch an die Front geschickt werden sollen, trifft er die Entscheidung, zu fliehen… Ein historischer Jugendroman über das Erwachsenwerden in einer der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte, über Verlust und Hoffnung, Freundschaft und Liebe.

Meine Bewertung: grandiose * * * * * 

 ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ 


Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung
Was bin ich froh, dass ich diese Buchperle bei der Lovelybooks-Leserunde gewonnen habe und mitlesen durfte!!!! Die Autorin hat in ihrem Debütroman (!) Erlebnisse ihres Großvaters niedergeschrieben und veranschaulicht, der während dieser Zeit aufgewachsen ist und ihr aus dem Krieg erzählte. Dadurch erscheint der Roman auch wirklich authentisch und berührt ungemein!
 
Warum der Roman "nur als Jugendbuch" angepriesen wird, verstehe ich nicht ganz, denn er ist für wirklich alle Altersstufen von 15-99 Jahren geeignet, die sich für Geschichten aus dem 2. Weltkrieg interessieren. Ich kann vorweg sagen, dass ich außer diesem Buch, bis jetzt nur "Das Lachen und der Tod" von Pieter Webeling gelesen habe, das die Tage im Krieg so detailliert und authentisch beschreibt. Die Sichtweise ist allerdings ein bisschen anders, da es sich im Roman von Webeling um einen Juden handelt, der ins Konzentrationslager kommt und hier lesen wir die Geschichte einen jungen Burschen, noch fast ein Kind, der als Soldat für Hitlerdeutschland rekrutiert wird.
In "Am Ende dieses Jahres" erleben wir das letzte Jahr des Krieges, 1945, als Hitler bereits ahnte, dass der Krieg verloren ist und seine letzte Reserve einzog: alte Männer und Kinder. Ja, Kinder, denn 14-16 jährige Jungen sind nun mal keine Soldaten und doch wurden sie zuerst als Wehrmachtshelfer eingezogen und danach als Soldaten an die Ostfront geschickt. Die Russen und die Amerikaner sind bereits in Deutschland einmarschiert, doch der Krieg ist noch nicht zu Ende und fordert in diesen wenigen Monaten sehr viele (unnötige) Tote.
So werden auch der 15-jährige Anton und sein Freund Gerhard im Winter 1944/45 als Wehrmachtshelfer rekrutiert. Anton, der erst seine Lehre als Uhrmacherlehrling begonnen hat und sein bester Freund Gerhard, ein Waisenjunge, der großteils in Antons Familie aufgezogen wurde und der beim benachbarten Bauern arbeitet, sind wie die anderen Jungen mit der Situation total überfordert. Schon bald stoßen sie an ihre Grenzen und befürchten bald an die Front geschickt zu werden. Als Breslau bombardiert wird, bangt Anton um seine Mutter und seine Geschwister. Bevor er als Wehrmachtshelfer eingezogen wurde, musste ihm diese versprechen mit der ganzen Familie nach Leipzig zu Onkel und Tante zu fliehen, falls die Stadt angegriffen wird. Anton hat Angst seine Mutter und Geschwister nicht mehr wiederzusehen und flieht mit Gerhard während eines Bombardements der Russen und macht sich auf nach Leipzig zu Onkel und Tante. Dort trifft er auch Luise wieder, seine heimliche Liebe. Doch auch in Leipzig hat der Krieg kein Erbarmen. Kaum haben sie sich beim Meldeamt registrieren lassen, erhalten die beiden noch vor ihrem 16. Geburtstag den endgültigen Befehl als Soldaten an die Ostfront einzurücken. Zuvor erhalten sie noch eine zweiwöchige "Einschulung in den Krieg". Anton und Gerhard geben sich das gegenseitige Versprechen den Krieg zu überleben und danach ihre Träume wahr werden zu lassen.....

Der Roman, der ein Einzelschicksal aus dieser Zeit erzählt, steht stellvertretend für all die jungen Burschen, die kurz vor Kriegsende all das Furchtbare miterleben oder ihr Leben lassen mussten. Ich habe schon viele Romane um dieses dunkle Kapitel gelesen, aber dieser hier sticht aus der Masse heraus!  Die Geschichte hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht und zeigt ein galubwürdiges Bild dieser Zeit.

Charaktere:
Die Charaktere sind glaubhaft und sehr authentisch gezeichnet. Man spürt die Verwirrung und die Angst der Jugendlichen, die an der Schwelle vom Kindsein zum Erwachsen werden stehen und plötzlich aus dem gewohnten Leben gerissen wurden. Sie sind mit schrecklichen Erlebnissen und dem Tod konfrontiert und wollen doch ganz einfach ihr Leben und ihre Träume leben. Alle Personen, vom kleinen Nebencharakter bis zu unseren Hauptprotagonisten, sind äußerst lebendig und vielschichtig beschrieben.

Schreibstil:
Ich kann gar nicht glauben, dass es sich hier um einen Debütroman handelt! Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich wunderbar lesen. Die Autorin hat mit Hilfe der Geschichte ihres Großvaters und toller Recherche einen äußerst authentischen Roman geschrieben. Sie spart auch nicht mit grausamen Szenen, die natürlich bei einem Buch mit diesem Thema vorkommen (müssen). Trotzdem sind diese sehr einfühlsam erzählt.
Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht von Anton erzählt, so dass man einen sehr nahen Bezug zum Geschehen hat.

Fazit:
Ein Roman, den ich wirklich JEDEN empfehlen kann! Emotional und authentisch geschrieben von einer Autorin, von der ich gerne noch mehr lesen möchte. Eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und Leid. Ein Buch für Jung und Alt - ich würde am liebsten zehn Sterne vergeben! Absolute Leseempfehlung!

Mein Dank gilt der Autorin Anja May für das Rezensionsexemplar und Lovelybooks für die Leserunde, die ich nicht missen hätte wollen!

Bernsteintränen - Izabelle Jardin



    • Taschenbuch: 386 Seiten
    • Verlag: Amazon Publishing (17. November 2015)
    • ISBN-10: 1503953890
    • ISBN-13: 978-1503953895
    • Genre: Liebesroman, Gegenwartsliteratur



Amazon Kurzbeschreibung:
 »Halt dich nicht mit Gefühlsduseleien auf. Geh deinen Weg, schau weder rechts noch links, nutz deine Bildung zum Erfolg!«
 Mit diesem Leitspruch ist Nicola bisher ausgezeichnet durchs Leben gekommen. Als Justitiarin eines international agierenden Unternehmens steht ihr eine glänzende Karriere bevor. Eine große Liebe, die sie von ihrem Weg abbringen konnte, hat sie noch nie erlebt. Bis ausgerechnet eine Geschäftsreise in das Land des Bernsteins alles auf den Kopf stellt. Unversehens gerät sie in einen Strudel aus Vergangenheit und Gegenwart, der sie dazu bringt, ihr Lebensmotto infrage zu stellen und mehr als nur das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Darum geht's:
Nicola hat gerade das Ende einer Beziehung hinter sich. So macht es ihr auch nichts aus, als sie zwischen Weihnachten und Neujahr für ihren Chef einspringen soll, um nach Polen zu reisen. Die Firma, in der sie als Justitiarin (= Mitarbeiterin in einem Unternehmen, einer Behörde, einem Verein oder Ähnlichem, der für rechtliche Angelegenheiten zuständig ist) arbeitet, möchte in Polen einen neuen Firmenstandort errichten und Nicola soll das Grundstück inspizieren. Sie ahnt nicht, dass diese Reise ihr Leben verändern wird....

Meine Meinung:
"Bernsteintränen" fällt alleine schon durch das wunderschöne Cover ins Auge. Als ich die Leseprobe zum Roman gelesen habe, wusste ich, dass ich mich für die Leserunde bei Lovelybooks unbedingt bewerben muss, denn diese nahm mich von Anfang an sofort gefangen. Ich hatte Glück und durfte zusammen mit Nicola in das Land des Bernsteins reisen.
Bei der Vorstellung des Romanes und auch bei der Leseprobe gab es Passagen aus dem 2. Weltkrieg und einige von uns dachten, es handle sich hier um einen historischen Roman. Dem war definitiv nicht so, auch wenn man uns ein Brief und einige weitere Rückblenden in die Vergangenheit führen, nämlich ins Jahr 1945.
Nicola, die in ihrem bisherigen Leben kaum Liebe von ihren Eltern erfahren hat, weil bei ihnen nur der Erfolg zählte, durchlebt im ehemaligen Ostpreußen eine völlige Wandlung. Die selbstbewusste und toughe Geschäftsfrau verliebt sich in das wenig besiedelte Land im Norden Polens und in den dort ansässigen Arzt Marcin. Durch Zufall entdeckt sie den Brief einer jungen Frau, die kurz vor der Flucht vor den Russen, nur wenige Monate vor Kriegsende, an ihre Mutter schreibt. Das Schicksal des geheimnisvollen Mädchens lässt Nicola nicht zur Ruhe kommen und beschäftigt sie auch nach ihrer Geschäftsreise. Aber auch Marcin geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. So beschließt sie die Schreiberin der Briefe zu finden und auch Marcin zu erobern..... Nach und nach fließen die Geschichten aus der Vergangenheit und die aus der Gegenwart ineinander und ließen mich richtig an den Seiten kleben.

Die Charaktere des Romans sind lebendig und wundervoll beschrieben. Die Schicksale einiger Personen berührten mich sehr. Gerne hätte ich noch etwas mehr aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gelesen. Diese Abschnitte fand ich besonders spannend und interessant, auch wenn ich die Liebesgeschichte rund um Nicola und Mracin ebenfalls sehr mochte. Die Szenen kurz vor Kriegsende, als die Menschen auf der Flucht vor den Russen und den Deutschen waren, wurden sehr realistisch geschildert und erinnern an Bilder aus den Nachrichten von heute.
 

Was dem Buch letztlich meiner Meinung nach die 5 Sterne kostete, die ich bis fast zum Schluss schon im Hinterkopf hatte, waren die für mich zu vielen Zufälle. Den ersten konnte ich noch nachvollziehen und mir glaubhaft machen, denn Izabelle Jardins hat für ihren Roman als roten Faden die Bestimmung oder das Schicksal gewählt. Doch es folgte später ein weiterer Zufall, den ich leider nicht mehr als diesen
annehmen konnte. Das waren mir eindeutig zu viele Vorsehungen und Bestimmungen und das Ende war mir danach auch zu klischeehaft.

Schreibstil:
Dies ist mein erstes Buch der Autorin, aber sicher nicht mein Letztes! Der Schreibstil von Izabelle Jardin ist sehr bildhaft, fesselnd und emotional. Dabei geht sie auch sehr detailliert vor und schafft es Atmosphäre in die Erzählung zu bringen. Die Geschichte nahm mich gefangen und führte mich durch ein Land, das hier so ausdrucksvoll und lebendig beschrieben wird, dass ich selbst am liebsten die Koffer packen und nach Polen reisen würde. Die miteingewobene polnische Sprache machte die Geschichte noch authentischer. Die Autorin verwendete aber auch einige Fremdwörter; Begriffe, die mir komplett neu waren und die ich nachschlagen musste.

Fazit:
Ein sehr berührender Roman, der lebhafte Bilder im Kopf entstehen lässt und dessen Autorin einen ausdrucksvollen Schreibstil besitzt. Ich konnte mich kaum losreißen, doch leider kostete das etwas klischeehafte Ende und die Menge an Zufällen diesem sonst tollen Buch die fünf Sterne.


Vielen Dank an die Autorin für das (wunderschöne) Rezensionsexemplar und die interessante Leserunde bei Lovelybooks, die ein für mich eher uninteressantes Land plötzlich attraktiv germacht hat!
 

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