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Wo die Moltebeeren leuchten - Ulrika Lagerlöf

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    Taschenbuch: 448 Seiten

    • Verlag: ‎ Gutkind Verlag, 1. Auflage, (31. Juli 2025)
    • Übersetzer: Maike Barth
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3989410644
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3989410640
    • Originaltitel: ‎ Hjortronmyren
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 der Norrland Saga



  Gutkind Kurzbeschreibung:

1938, Nordschweden: Die siebzehnjährige Siv wird in die tief verschneiten Wälder geschickt, um als Köchin eine Gruppe von zehn Waldarbeitern zu versorgen. Ein entbehrungsreiches Leben ohne Strom und Komfort erwartet sie – und doch ist es genau dort, mitten in der rauen Natur, wo Siv zum ersten Mal echte Freiheit spürt. Und Liebe. In der Abgeschiedenheit begegnet sie Nila, einem jungen Sámi – und erlebt eine zarte Liebe, die stärker ist als alle Konventionen. Doch als der Sommer endet, bleibt nur ein Geheimnis, das nie ans Licht kommen darf.
2022: Eva kehrt als PR-Beraterin für ein Forstunternehmen in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Sie soll den Widerstand gegen ein umstrittenes Abholzungsprojekt beruhigen. Doch die scheinbar klare Aufgabe wird schnell zur Reise in die eigene Vergangenheit. Stück für Stück entblättert sich eine Geschichte, die tief in den schwedischen Wäldern wurzelt. Und bald steht Eva vor der Frage: Welche Wahrheit liegt wirklich im Schatten der Moltebeeren verborgen?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Wir haben hier eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die uns in der Vergangenheit ins Jahr 1938 und in der Gegenwart ins Jahr 2022 nach Nordschweden führt. Sie erzählt eine Familiengeschichte aus dem Umfeld der schwedischen Sámi.

Die erst siebzehnjährige Siv muss, nach einem Unfall ihres Vaters bei Holzschlägerungen, ihren Traum Lehrerin zu werden aufgeben. Als älteste Tochter soll sie zum Einkommen der Familie beitragen. Ihr Vater schickt sie als Köchin ("Kocka") für eine zehnköpfige Gruppe von Holzarbeitern über die Wintermonate in den Norden Schwedens. Das schüchterne Mädchen fühlt sich anfangs unsicher, doch mit der Zeit genießt sie die neu empfundene Freiheit. Trotz der harten Lebensbedingungen und der Kälte fühlt sie sich unter den Männern wohl. Sie wird freundlich aufgenommen und akzeptiert. Dann begegnet sie den jungen Sámi und Rentierzüchter Nila und verliebt sich in ihn.

Sivs Enkelin Eva ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes und Forstwirtin. Sie arbeitet in Uppsala als PR-Beraterin in einem großen Forstunternehmen. Dieses ist für die Abholzung in genau dem Gebiet verantwortlich, wo Eva ihre Kindheit bei den Großeltern verbracht hat. Ein vererbtes Stück Wald ist ihr geblieben und die Erinnerung an eine Jugendliebe. Nun soll sie nach Jahrzehnten wieder nach Västerbotten in das Dorf reisen und mit den Aktivistengruppen und Umweltschützern verhandeln. Doch diese Aufgabe ist alles andere als einfach und Eva bekommt immer mehr Anfeindungen zu spüren. 

Der Autorin gelingt es perfekt historische und aktuelle schwedische Themen miteinander zu verknüpfen. Zentrale Bereiche des Romans sind die Rechte der Sámi, dem ursprünglichen Volk in Lappland, die mit ihren Rentieren durch die Wälder streifen, sowie das umstrittene Abholzungsprogramm. Darüber habe ich bereits einiges im Schweden Krimi von Sandra Åslund "Im Herzen so kalt" gelesen. Der Umgang mit den Wäldern in Schweden zu diesem Thema hat mich sehr nachdenklich gestimmt. 
Besonders gelungen ist Ulrika Lagerlöf aber die Beschreibung der Natur und der Widrigkeiten der Gegend. Dabei unterstreicht sie aber auch dessen Schönheit und wie wichtig das Zusammenspiel der einzelner Organismen für die Wälder ist. Wirtschaftliche und ökologische Interessenskonflikte prallen hier immer wieder aufeinander.

Ich mochte den atmosphärischen und malerischen Schreibstil, der manchmal auch etwas melancholisch wird.
Es kommt selten vor, dass ich nicht der Handlung in der Vergangenheit den Vorzug gebe. Der Autorin ist es jedoch gelungen, dass ich beide Handlungsstränge gleich gerne gelesen habe. Man spürt die inneren Konflikte beider Frauen sehr stark durch die Zeilen. Während Sivs sich ihr Leben wahrlich anders vorgestellt hat und auch die Liebe zu Nila unter keinem guten Stern steht, erkennt Eva bald, dass sie die aktiven Umweltschützer, die gegen die Abholzung kämpfen, nicht ganz ignorieren kann und beginnt genauer hinzuschauen. 

Ulrika Lagerlöf arbeitet in der Unternehmenskommunikation für die Forstwirtschaft. Ihr Mann ist ein Nachfahre von Selma Lagerlöf, die unter anderem "Nils Holgerson" geschrieben hat. Durch ihre eigene Familiengeschichte wurde sie zur Geschichte inspiriert.
Erwähnen muss ich noch den tollen Farbschnitt mit den Moltebeeren, den man ja eher in anderen Genres findet.

Ich habe leider erst jetzt bemerkt, dass es noch einen weiteren Band (oder zwei?) der Norrland Saga geben wird. Dieser erste Band ist für mich eigentlich abgeschlossen, aber ich lasse mich gerne überraschen.

Cover:

von links nach rechts;
das schwedische Originalcover (darauf sieht man ein Foto von Siv und einigen der Männer im Holzfällerlager), das finnische, das niederländische und das norwegische Cover

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer und dichter Roman, der einen Einblick in die Welt der Sámi gibt, aber auch einen Blick auf das Ökosystem und den Umweltschutz wirft. Ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter! 


Vielen Dank an den Gutkind Verlag und an vorablesen für das Rezensionsexemplar

Vaterländer - Sabin Tambrea

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ Gutkind Verlag; 1. Edition (29. August 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3989410008
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3989410008
    • Genre: Familienbiografie, Generationenroman

     

Gutkind Kurzbeschreibung:
1985 trifft Béla Tambrea die schwere Entscheidung, sein Heimatland Rumänien nach einer Konzertreise zu verlassen, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Dieser mutige Schritt führt dazu, dass seine Familie zwei Jahre später ebenfalls nach Deutschland zieht, kurz bevor das Ceauceșcu-Regime blutig zusammenbricht. Doch der Neuanfang in einem fremden Land bringt nicht nur Freiheit, sondern auch große Entbehrungen und bodenlose Einsamkeit mit sich. Tambrea entfaltet vor unseren Augen die Auswirkungen eines gnadenlosen politischen Systems auf das Leben gewöhnlicher Menschen. Er beschreibt die Ohnmacht gegenüber Unrecht, die Tragweite von Entscheidungen und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Gleichzeitig erzählt er von einer Liebesgeschichte, die zeigt, wie stark eine Familie zusammenhalten kann, selbst in dunkelsten Zeiten.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ich war sehr gespannt auf Sabin Tambreas Buch "Vaterländer". Ich mag den Schauspieler sehr gerne und habe nicht nur die Ku'damm Reihe und Babylon Berlin, sondern auch seinen letzten Kinofilm "Die Herrichkeit des Lebens" gesehen, wo er Franz Kafka spielt. Interessant fand ich auch, dass "Vaterländer" bereits sein zweiter Roman ist. Den Vorgänger muss ich mir noch genauer ansehen..

Sein neuer Roman ist in drei Handlungsstränge aufgeteilt und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.
Im ersten Teil begleiten wir den erst dreijährigen Sabin, wie er gemeinsam mit seiner Schwester Alina, genannt Ai und seiner Mutter Rodica im Zug von Rumänien nach Deutschland sitzt. Alle sind nervös, denn auf sie wartet ein neues Leben in Marl, wohin Sabins Vater Béla 1985 nach einer Konzertreise in Frankreich vor der Regierung Ceaușescus geflohen ist. Zwei lange Jahre musste der Rest der Familie warten, um zu ihm nach Deutschland ausreisen zu können. Es ist nicht einfach für die Familie im fremden Land Fuß zu fassen. Schließlich finden die Orchestermusiker in der Philharmonia Hungarica eine Stelle. Klein-Sabin bekommt neben seiner talentierten älteren Schwester ebenfalls Geigenunterricht. Mutter Rodica leidet trotzdem sehr an Heimweh. Trotz der Schwierigkeiten gelingt es den Tambreas mit den Großeltern in Verbindung zu bleiben. Nach dem Zerfall der Sowjetunionen und des Eisernen Vorhangs können sie die restliche Familie in den Sommerferien in der alten Heimat wieder besuchen.
Dieser Teil wird aus der Sicht des kleinen Sabin erzählt und hat mich sehr beeindruckt. Hineingeboren in eine Musikerfamilie fand er zur Violine keine wirkliche Liebe, sondern landete schließlich beim Theater.

Im zweiten Teil wird aus dem Tagebuch von Horea Sava, dem Großvater mütterlicherseits erzählt. Hier tauchen wir ein in die dunkle Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Gegend wurde umkämpft und nachdem sich die Rumänen der Sowjetunuion zuwandten, versuchte das kommunistische Regime ihre Gegener mundtot zu machen. Vorallem Künstler und Gelehrte wurden festgenommen und in Gefängnisse gesteckt. Dieses Schicksal teilte auch Großvater Horea. In seinen Memoiren erfahren wir mehr über die Zeit seiner Inhaftierung durch die Securitate, der rumänischen Geheimspolizei, von 1949 bis 1951. Sie erzählt von Leid und Entbehrungen und liest sich nicht einfach.

Im dritten Teil erfahren wir mehr über Béla, dem Vater von Sabin und erleben auch die Liebesgeschichte zwischen den Eltern, aber auch die Zeit der Ängste und Sorgen, sowie ihren Erwartungen, die durch das Regime immer wieder zerstört werden. Hier schließt sich der Kreis zum ersten Teil.

Sabin Tambrea erzählt in seinem Roman die Geschichte von drei Generationen aus seiner Familie, aber auch viel über seine Heimat Rumänien und dem politischen Wandel. Vorallem über Ceaușescu, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, keinen Schulabschluss hatte und zum Diktator aufstieg und sein Volk hungern ließ, nimmt eine große Rolle ein. Hier lässt uns der Autor hinter die Kulissen des Aufstieges Ceaușescus blicken.

Sprachlich ist "Vaterländer" trotz kleiner Längen ein Genuss. Die Erzählweise der drei Teile sind unterschiedlich und geben jedem Erzähler eine eigene Stimme, was ich wirklich erstaunlich fand. Allen drei Generationen wird dadurch mehr Raum gegeben.
Am Ende gibt es noch eine Namensliste der zahlreichen Personen.

Gerne hätte ich noch etwas mehr über Sabin Tambreas Erwachsen werden und mehr Einblicke betreffend seines künstlerischen Weges erfahren. Trotzdem ist dieser Roman ein bewegender Generationenroman, der mich zum Nachdenken gebracht hat und den ich gerne gelesen habe.

Fazit:
Ein bewegender Generationenroman über Flucht, Denunziation und einen Neuanfang. Man erfährt jede Menge über die Geschichte Rumäniens und übder die Familie Tambrea.


Vielen Dank an vorablesen und an den Gutkind Verlag für das Rezensionsexemplar!


 

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