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Die Erbin - Claire Winter

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
    • Verlag: ‎ Heyne Verlag (16. April 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292588
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292581
    • Genre: historischer Roman, zwei Zeitebenem, Familiendrama



Heyne Kurzbeschreibung:
Köln, 50er Jahre: Cosima ist Erbin der einflussreichen Industriellenfamilie Liefenstein. Doch mit der Gründung einer Stiftung für bedürftige Frauen und Mütter geht sie ihren eigenen Weg. Da tritt der Journalist Leo Marktgraf in ihr Leben, der Nachforschungen über den Tod eines Freundes anstellt. Die Leiche des Anwalts wurde am Ufer des Rheins gefunden, nur kurz nachdem er öffentlich schwere Anschuldigungen gegen die Liefensteins erhoben hatte. Cosima will Licht in die dunkle Vergangenheit ihrer Familie bringen und muss schon bald erkennen, dass nichts so ist wie es scheint. Aber in der jungen Bundesrepublik, in der niemand mehr an die Zeit des Dritten Reiches erinnert werden will, gibt es ein Netzwerk von Menschen, die noch immer mächtig sind. Sie sind bereit, alles dafür zu tun, dass Cosima und Leo der Wahrheit nicht auf die Spur kommen …

Meine Bewertung: * * * * *

♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Claire Winter ist IMMER ein Garant für mich, denn sie schafft es jedes Mal mich mit ihren Romanen zu begeistern. So ist es auch mit ihrem neuesten Buch "Die Erbin", der morgen erscheint.

Berlin, 1957. Die einflussreiche Industriellenfamilie Liefenstein gehört zu den angesehensten Familien in Deutschland der fünfziger Jahre. Cosima, die zukünftige Erbin, setzt sich für bedürftige und alleinerziehende Frauen ein, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Kinder alleine großziehen müssen. Mit der Zustimmung ihres Großvaters Theodor gründet sie eine Stiftung für diese mittellosen Frauen. Ihrem Verlobten Alexander gefällt dies jedoch gar nicht und auch seine Eltern möchten sie nach der Hochzeit an der Seite ihres Sohnes wissen, um für ihn zu repräsentieren. Cosima hält nicht viel davon und beginnt ihre Verlobung zu überdenken. Als sie den Journalisten Leo Markgraf kennenlernt, der sie auf die Vergangenheit ihrer Familie anspricht, beginnt Cosima nachzuforschen. Sie hat keine Ahnung, was Leo andeuten will und versucht mehr über ihre Familie herauszufinden, was ihr Onkel Theodor zu verhindern versucht...

Der Roman erzählt die Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen. Neben dem Ende der Fünfziger Jahre erhalten wir Rückblicke in die Zwischenkriegszeit. Bereits damals gehörten die Liefensteins zu den Reichen und Mächtigen. Zusätzliche Gewinne und die Erweiterung des Familienbetriebes sind die Ziele des Oberhauptes Wilhelm Liefensteins und seiner Söhne Theodor und Albert. Einzig Edmund, der jüngste Sohn und Vater von Cosima, fällt aus dem Rahmen. Er möchte Künstler werden und nicht in den Familienbetrieb einsteigen. Edmund stellt sich gegen die Ausbeutung der Arbeiter und als der Nationalsozialismus immer mehr aufkommt, steht er zu seinem jüdischen Freund David. Das bringt seinem Vater Wilhelm in Bedrängnis, der mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitet. Als es in Berlin zu unruhig wird, zieht die Familie in die Nähe von Bonn, wo sie ein weiteres Herrenhaus besitzen. Die Seilschaften bleiben jedoch weiterhin aufrecht....bis es zu einer Tragödie kommt. 

Die Handlung ist äußerst fesselnd aufgebaut. Man erkennt schnell, dass die Familie einige dunkle Geheimnisse und Machenschaften verbergen möchte, aber was genau damals alles passiert ist, liest sich wie ein Krimi. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und bin durch die Seiten nur so geflogen. Die menschlichen Schicksale gehen einem sehr zu Herzen.
Claire Winter zeigt mit der fiktiven Familie Liefenstein auf, wie viele Firmen und Konzerne Vorteile aus dem Los der Juden gezogen haben und nach dem Krieg für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Trotz der Nürnberger Prozesse waren schon zuvor viele über die sogenannte Rattenlinie nach Südamerika geflüchtet.

Die Charaktere sind lebendig und wunderbar gezeichnet, haben Ecken und Kanten. Man fiebert mit ihnen mit und die damalige Stimmung wird wunderbar eingefangen. Es entsteht hervorragendes Kopfkino!
Am Anfang der Geschichte befindet sich ein Personenverzeichnis, welches hilft den Überblick zu behalten.

Die großartige Recherche und der wunderbare Schreibstil von Claire Winter macht auch "Die Erbin" zu einem Buch mit "Lieblingsbuch-Status"

Fazit:
Auch der neue Roman von Claire Winter ist wieder ein Highlight geworden und zieht neben ihren anderen großartigen Büchern in mein Highlight-Regal ein. Für jeden, der gut recherchierte zeithistorische Geschichte liebt, ist dieser Roman eine absolute Leseempfehlung!


Vielen Dank an Corinna Schindler vom freelance-team für das Rezensionsexemplar!

Kinder des Aufbruchs - Claire Winter

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
    • Verlag: ‎ Diana Verlag; Originalausgabe Edition (2. November 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292669
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292666
    • Genre: Roman,
    • Reihe: ja - Band 2


Diana Kurzbeschreibung:
Sechs Jahre nach dem Mauerbau lernt die erfolgreiche Dolmetscherin Emma in West-Berlin die aus dem Ostteil der Stadt geflohene Sängerin Irma Assmann kennen. Als sie ihrer Zwillingsschwester Alice davon erzählt, reagiert diese beunruhigt. Alice schreibt als Journalistin über die Studentenbewegung und steht in Kontakt mit verschiedenen Fluchthilfe-Organisationen. Ist Irma mit ihren ehemaligen Beziehungen zum KGB als Informantin im Westen? Oder sind die Schwestern und deren Männer Julius und Max durch ihre Verbindungen zur DDR zu Zielscheiben geworden? Kurz darauf wird die Sängerin ermordet, und die vier geraten inmitten der Studentenunruhen zwischen die Fronten der Geheimdienste. 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Seit dem ersten Buch, welches ich von Claire Winter gelesene habe, bin ich ein Fan der Autorin. Jeder neue Roman kommt auf meine Wunschliste ohne den Klappentext zu lesen. Die Autorin ist einfach ein Garant für tolle Stories!

"Kinder des Aufbruchs" ist die Fortsetzung zu "Kinder ihrer Zeit", kann jedoch auch alleinstehend gelesen werden. Die Autorin hat immer wieder kleine Rückblicke eingebaut, damit auch Leser:innen, die das erste Buch nicht gelesen haben, keine Probleme mit der Story haben. Trotzdem würde ich empfehlen zuerst den ersten Band zu lesen, damit man das Verhältnis zwischen den Zwillingsschwestern Alice und Emma besser versteht. Außerdem war "Kinder ihrer Zeit" ein Buch, dass ich mit dem Lieblingsbuchstatus bewertet habe. Ihr würdet daher etwas verpassen ;)

In der Zwischenzeit sind sechs Jahre vergangen, seit die Zwillingsschwestern wieder vereint sind. Emma ist nach wie vor Dolmetscherin und Alice arbeitet als Journalistin bei einer Berliner Tageszeitung. Alice ist mit Max verheiratet und die beiden leben mit ihrer Tochter Lisa zusammen. Die Ehe ist jedoch ein "Arrangement", um für Lisa dazusein. Max ist Anwalt und hat sich auf Entschädigung von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus spezialisiert. Emma ist mit dem aus der DDR geflüchteten Julius verheiratet, der als Professor unterrichtet.
Wir landen mitten in den politischen Unruhen in Berlin des Jahres 1967. Demonstrierende Studenten sind an der Tagesordnung und der Besuch des Schahs von Persien lässt die Stimmung in der Stadt fast überkochen. Als der Student Benno Ohnesorg ums Leben kommt, der von einem Polizisten erschossen wird, gerät alles aus den Fugen. Alice ist hautnah dabei und trifft auf Fritz, einem ehemaligen Freund aus dem Osten. Er bittet sie um Hilfe für seine Schwester Lore, die ebefalls die DDR verlassen will. Alice steht durch einen Artikel, den sie geschrieben hat, mit einer Fluchthilfe-Organisation in Verbindung und bietet Fritz - nichtsahnend, was sie dabei lostritt -  Hilfe an. Als sie auch noch auf ihre frühere Freundin Irma trifft, die als Sängerin Karriere gemacht hat und in den Westen geflohen ist, wird Alice nervös. Irma hat sie damals ausspioniert und an die Stasi verraten. Und jetzt trifft sie kurze Zeit hintereinander auf Menschen aus ihre Vergangenheit? Hat die Stasi auch Alice wieder im Fokus?

Emma leidet in der Zwischenzeit an einer erlittenen Fehlgeburt und trifft bei einem Event in einem Kinderheim, bei dem sie dolmetscht, auf den 11jährigen Waisenjungen Luca. Sie besucht den störrischen Jungen immer wieder und baut langsam ein klein wenig Vertrauen zu ihm auf. Doch Luca hat unglaubliche Angst vor jemanden und flüchtet immer wieder aus dem Heim.
Erst nach und nach stellt sich heraus, dass beide Handlungsstränge miteinander verbunden sind. Beide Schwestern und ihre Ehemänner geraten ins Visier der Stasi und in grosse Gefahr.

Obwohl die Autorin viele politische Themen aufgreift, um diese Zeit auch sehr authentisch darstellen zu können, wird es nie langweilig. Die Demonstrationen der Studenten erinnern mich ein bisschen an die momentanen Klimaaktivisten, ebenso wie der Einfluss der Presse. Es geht aber auch um Fluchthilfe, Gefangenen-Austausch, Geheimdienste und ihre Rolle im Deutschland der 60er Jahre. Diese historischen Themen verwebt die Autorin geschickt mit ihrer fiktiven Geschichte rund um Emma, Alice, Julius, Max, Fritz Irma und dem kleinen Luca.
Claire Winter versteht es großartig alle Sichtweisen so darzustellen, dass man sich selbst beim Lesen wie in einem Strudel der Machenschaften fühlt. Die Figuren sind authentisch und sehr lebendig dargestellt. Die Spannung ist von Beginn an zu greifen und bleibt bis zum Ende erhalten.

Der Schreibstil ist wie immer mitreißend und bildgewaltig. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Die dazugehörigen Namen findet man am Kapitelanfang.
Auf der Innenseite des Buches finden wir eine Karte von Ost- und West Deutschland und den angrenzenden Ländern, sowie eine kleine Karte von Berlin mit der Trennungslinie. Am Ende des Buches erklärt die Autorin über Wahreit und Fiktion auf.

Claire Winter hat hervorragend recherchiert und die Stimmung der späten Sechziger Jahre perfekt eingefangen. Es ist die Zeit des Kalten Krieges und des Vietnamkrieges, des Prager Frühlings und ein Aufschrei der Jugend gegen das alte System. Ich habe wieder mit Emma und Alice gebangt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Eine absolute Lese-Empfehlung, wie schon der erste Band!

Fazit:
Ein weiteres Highlight der Autorin! Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Immer wieder überrascht mich Claire Winter mit einem weiteren grandiosen Roman. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung mit dem Hinweis, wenn möglich, zuerst den ersten Band zu lesen.

Vielen Dank an das freelance Team und Corinna Schindler für das Rezensionsexemplar und die Geduld

Kinder ihrer Zeit - Claire Winter

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe : 576 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag (27. Juli 2020) 
    • ISBN-10 : 3453291956
    • ISBN-13 : 978-3453291959
    • Genre: Historischer Roman, Familienroman



Diana Kurzbeschreibung:
Die Zwillinge Emma und Alice werden 1945 auf der Flucht aus Ostpreußen getrennt. Beide glauben, die andere hätte nicht überlebt. Emma wächst in Westberlin auf, Alice in einem Heim in der DDR. Erst zwölf Jahre später finden sie sich überraschend wieder. Durch Alice lernt Emma den Ost-Berliner Physiker Julius Laakmann kennen. Als Julius Zeuge einer Entführung wird, gerät er zwischen die Fronten der Geheimdienste. Dann verschwindet Alice spurlos. Zu spät erkennt Emma, welcher drohenden Gefahr sie und ihre Schwester gegenüberstehen. Währenddessen erreicht der Kalte Krieg einen neuen Höhepunkt – Berlin soll für immer geteilt werden ... 
 
Meine Bewertung: * * * * *
  ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Meine Meinung:
Seit dem Frühjahr freue ich mich auf den neuen Roman von Claire Winter. Der Veröffentlichungstermin wurde wegen dem Coronoa-Virus von Mai auf Ende Juli verschoben und meine Geduld strapaziert. Doch im Endeffekt dauerte es nun noch länger, denn ich erlebte in den letzten Monaten eine etwas schwierigere Zeit, die mir das Lesen manchmal nicht so einfach machte. 
Nun habe ich das Buch gelesen und war wieder absolut geflasht. Claire Winters Romane sind für mich immer Herzensbücher. Mit "Kinder ihrer Zeit" hat sie neuerlich ein Highlight geschrieben, welches von mir den ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ bekommt.

Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu. Die Russen überrennen Preußen. Rosa Lichtenberg ist mit ihren Zwillingstöchtern Emma und Alice auf der Flucht. Es ist Winter und
Rosa kommt mit ihrem Handwagen und den Kleinkindern nur sehr langsam voran. Dann erkrankt Alice. Eine alte Bäuerin gewährt ihnen Unterschlupf, doch die Russen überfallen das Dorf und brennen alles nieder. Alice und Emma werden getrennt und leben fortan im Glauben, dass die andere Schwester nicht überlebt hat....
 
Berlin war, wie auch unsere österreichische Hauptstadt Wien, in vier Sektoren aufgeteilt: Franzosen, Engländer, Russen und Amerikaner teilten sich diese auf. Ostberlin wurde von der Sowjetunion kontrolliert und während es anfangs noch möglich war zwischen Ost- und West-Berlin zu reisen, wurde die Grenze von der Ostseite her eines Tages geschlossen. Familien und Paare wurden auseinandergerissen - unglaubliches Leid und der Mauerbau im August 1961 waren die Folge. 
Claire Winter erzählt die Geschichte von Emma und Alice bis zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Mauerbau. Während Rosa und Emma in West-Berlin Zuflucht finden, wird Alice von einem russischen Soldaten gerettet und wächst im Waisenhaus auf. Sie lernen zwei völlig unterschiedliche Systemen kennen und sind in diesen stark verwurzelt. Als Alice zufällig herausfindet, dass ihre Mutter und Emma den Überfall der Russen damals überlebt haben und heute in Westberlin wohnen, versucht sie Kontakt aufzunehmen. Sie findet tatsächlich Emma, doch schon bald merken die Zwillinge, dass sie sehr unterschiedliche Lebensweisen haben. Jede lebt ihr eigene Ideologie und denkt sie wäre im besseren System aufgewachsen. So kommt es immer wieder zu Konflikten und Missverständnissen.
Alice schwankt zwischen der Liebe zu ihrer Schwester und der Pflicht gegenüber dem DDR-Regime, das sie immer mehr unter Druck setzt. Emma möchte vorallem, dass Alice nach West-Berlin kommt. Durch sie lernt sie den ostdeutschen Physiker Julius kennen und lieben. Bald geraten alle drei in den Fokus der Geheimdienste und finden sich den perfiden Machtspielen der Besatzungsmächte ausgesetzt. Verrat, Betrug und Misstrauen sind tägliche Begleiter. Als erste Gerüchte über einen Mauerbau auftauchen spitzt sich die Lage immer mehr zu...
 
Die Geschichte ist wahnsinnig spannend und spiegelt das Schicksal vieler Menschen, die zu dieser Zeit in Berlin und Ostdeutschland gelebt haben, wieder. Claire Winter versteht es großartig alle Sichtweisen so darzustellen, dass man sich selbst beim Lesen wie in einem Strudel der Machenschaften fühlt. Die Figuren sind authentisch und sehr lebendig dargestellt. Man erkennt, wie blind die jungen Frauen in die Falle tappen und man bangt die ganzen 576 Seiten um ihr Leben. Der Beginn des Kalten Krieges und der Spionage aller vier Besatzungsmächte ausgesetzt, erleben die Menschen schicksalshafte Zeiten in Berlin. Inmitten dieses Chaoses versuchen Emma und Alice an ihre frühere Verbundenheit anzuknüpfen. Doch das gelingt nur schwer...
 
Claire Winter hat hervorragend recherchiert und die Stimmung der Nachkriegszeit sehr gut eingefangen. Ich habe mit Emma und Alice gebangt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Wieder eine absolute Lese-Empfehlung!

Schreibstil:
Ich liebe den Schreibstil der Autorin. Immer wieder bin ich gefangen in ihren Romanen. Sie schreibt bildgewaltig und fesselnd. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Die dazugehörigen Namen findet man am Kapitelanfang. Man spürt die Zerissenheit der Figuren und die oftmals auswegslose Situation.

Am Ende des Buches erklärt die Autorin über Wahreit und Fiktion auf. Auf der Klappe des Covers beantwortet Claire Winter noch drei Fragen zu ihrem Roman. 
Auf der Innenseite des Hardcovers findet man eine Karte von Europa nach der Teilung Deutschlands....eine Karte, die auch ich im Schulunterricht vor mir hatte.
 
Fazit:
Wieder ein absolutes Highlight und ein Buch, das von mir den "Lieblingsbuch-Status" erhält. Es hat mich von der ersten bis zu letzten Seite begeistert. Ein spannendes Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte, grandios und fesselnd erzählt. Ich bin einfach nur begeistert von den Büchern der Autorin. Auch hier gibt es wieder eine große Lese-Empfehlung!
Vielen Dank an das freelance Team und Corinna Schindler für das Rezensionsexemplar und die Geduld
 

Die geliehene Schuld - Claire Winter




    • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag (5. März 2018)
    • ISBN-10: 3453291948
    • ISBN-13: 978-3453291942
    • Genre: Historischer Roman



Diana Kurzbeschreibung:
Berlin, Sommer 1949: Die Redakteurin Vera Lessing hat während des Zweiten Weltkrieges ihre Eltern und ihren Mann verloren. Sie will vor allem eines – die traumatischen Erlebnisse für immer hinter sich lassen. Doch als ihr Jugendfreund und Kollege Jonathan auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird sie unweigerlich in seine Arbeit hineingezogen. Jonathan hat Recherchen über ehemalige Kriegsverbrecher betrieben. Gleichzeitig stand er im persönlichen Kontakt mit einer jungen Frau namens Marie Weißenburg, eine Sekretärin im Stab Konrad Adenauers. Vera geht den Spuren nach, die sie bis in die mächtigen Kreise der Geheimdienste führen.

Meine Bewertung: * * * * *

 ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥

 Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Mit den neuen Roman von Claire Winter kann man einfach nichts falsch machen! Dies ist mein drittes Buch der Autorin und alle drei habe ich mit 5 Sterne bewertet. "Die geliehene Schuld" wird aber diesmal auch das Prädikat "Lieblingsbuch-Status" erhalten.

Wir sind in Berlin im Jahr 1949. Deutschland ist im Umsturz. Die zukünftige Bundesrepublik hat noch keine Verfassung und die Menschen sind verunsichert. Viele Teile des Landes sind noch von den Aliierten besetzt, die Nürnberger Prozesse laufen, doch viele Nazisverbrecher sind noch auf freiem Fuß oder untergetaucht. Schon nach den ersten Seiten taucht man völlig in die Handlung ein.

Mit Vera, einer jungen Journalistin, lernen wir eine toughe Frau kennen, die im Krieg ihre Eltern und ihren Mann verloren hat. Einzig ihr Job beim Echo, als auch ihr Jugendfreund und Kollege Jonathan, geben ihr in dieser schweren Zeit Halt. Doch dann kommt Jonathan bei einem Unfall ums Leben. Als sie mysteriöse Unterlagen erhält, die er ihr kurz vor seinem Tod geschickt hat, beginnt Vera nachzuforschen. Schon bald weiß sie, dass er an einer Recherche über Kriegsverbrecher gearbeitet hat. Es scheint als hätte Jonathan etwas herausgefunden, was ihm letztendlich das Leben gekostet hat. In einem Brief bittet er Vera niemanden zu trauen und weiterzuforschen. Ihre Wege führen sie daraufhin nach München und Südtirol und wieder zurück nach Berlin. Lange ahnt sie nicht, wonach sie suchen soll, doch ihre Feinde sind ihr schon auf den Versen...

Die Geschichte wird aus der Sicht von Vera, Jonathan, Lina und Marie erzählt. Man erhält aber auch einen kleinen Einblick in die Gedanken anderer Figuren wie Karl, Margot oder Helmut. Die Handlung wechselt zwischen August 1948 und Mai 1949 und schließt mit einem Epilog sieben Jahre später.
Während Vera auf den Spuren von Jonathan nach Hinweisen sucht, die zu seinem Tod geführt haben, begegnen wir Marie. Sie ist Sekretärin im Stab Adenauers und lernt bei den Nürnberger Prozessen die Jüdin Lina, als auch Jonathan kennen, der für den Echo berichten soll. Durch Lina erfährt die eher wohlbehütete Marie mehr über den Schrecken des Krieges und hinterfragt nach und nach die Situation in ihrem eigenen Elternhaus. Ihr Vater Hermann Weißenburg arbeitete für das Reichssicherheitsamt. Doch ihre Mutter schweigt und ihre beiden Brüder Fritz und Helmut ermahnen sie nicht wegen dem Vater nachzufragen, der in Russland gefallen ist. Daraufhin bittet Marie Jonathan nachzuforschen.  

Im Wechsel zwischen Gegenwart und der Vergangenheit erzählt die Autorin immer ein kleines Stück mehr der kompakten Handlung. So erschließt sich erst nach und nach das ganze Ausmaß der Geschichte. Die Autorin hat hier eine wahre Freundschaft zwischen einer Jüdin und einer jungen Frau aus nationalsozialistischem Elternhaus als Vorlage für Marie und Lina genommen.

Der Roman verliert zu keiner Zeit an Tempo - im Gegenteil. Es bildet sich ein Sog, der einem in die Geschichte hineinzieht und aus der man sich kaum mehr befreien kann. Ich wollte nicht aufhören zu lesen.
Die Charaktere sind sehr lebendig gezeichnet. Obwohl Vera Angst bei ihren Nachforschungen hat, gibt sie ihr Ziel nie auf. Sie möchte Jonathans Bitte unbedingt erfüllen. Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven erhält man einen guten Einblick in die Gefühle und Gedanken der einzelnen Figuren.
Zu Beginn des Buches findet man eine Karte von Deutschland mit den Zonen der Aliierten, die noch immer Besatzungsmacht waren. Außerdem gibt es ein Interview der Autorin und Fotos aus dieser Zeit, die historischen Bezug nehmen. Am Ende des Buches gibt es noch ein Personenverzeichnis und einen Epilog mit der Überschrift "Wahrheit und Fiktion", in dem die Autorin noch Erklärungen zum Buch gibt.

"Die geliehene Schuld" hat mich tagelang beschäftigt. Die fiktive Geschichte, die Claire Winter mit historischen Fakten und Personen zu einem Ganzen geformt hat, ist ergreifend. Gleichzeitig macht sie aber auch wütend, wenn man Fakten über die katholische Kirche und die Aliierten erfährt, die Nazis auf den Flüchtlingsrouten zur Flucht verhalfen oder Männer der SS, wie Gehlen, der in den Sechziger Jahren sogar Präsident des Bundesnachrichtendienstes wurde. All dies hinterlässt mehr als nur einen bitteren Nachgeschmack!

Schreibstil:
Ich liebe den Schreibstil der Autorin, der bildgewaltig und mitreißend ist. Es entsteht ein hervorragendes Kopfkino. Die Autorin ließ mich bangen und hoffen und ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen. Die menschlichen Schicksale gehen sehr zu Herzen und man fiebert mit den Protagnisten mit. Man hat das Gefühl direkt in die Seele der einzelnen Figuren zu blicken. Claire Winter versteht es großartig die Situation dieser Zeit einzufangen.

Fazit:
Ein Roman mit Suchtpotential! Wahnsinnig authentisch, hervorragend recherchiert und erschütternd. Schon länger hat mich kein Roman so gefesselt, schockiert und ernüchtert wie "Die geliehene Schuld". Bis jetzt das beste Buch der Autorin. Meine absolute Leseempfehlung!


Ich danke den Diana Verlag und Lovelybooks recht herzlich für dieses tolle Buch/Rezensionsexemplar!

Die verbotene Zeit - Claire Winter



    • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag (14. April 2015)
    • ISBN-10: 3453291689
    • ISBN-13: 978-3453291683
    • Genre: Roman




Diana Kurzbeschreibung (gekürzt):
1975: Nach einem schweren Autounfall sind Carlas Erinnerungen wie ausgelöscht, und sie setzt alles daran, die verlorene Zeit zu rekonstruieren. Der Journalist David Grant behauptet, sie sei auf der Suche nach ihrer Schwester gewesen, die vor sechzehn Jahren spurlos an der Küste von Cornwall verschwand. Doch kann sie ihm vertrauen? Lügen ihre Eltern sie an? Die Wahrheit führt Carla weit zurück in die Vergangenheit, in das Berlin der Dreißigerjahre, zu einer ungewöhnlichen Freundschaft und einer verbotenen Liebe, aber auch einer schrecklichen Schuld ...

Meine Bewertung: fantastische * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bereits "Die Schwestern von Sherwood" haben mich vor fast 2 Jahren, als ich den Roman von Claire Winter gelesen habe, begeistert. Es wurde mein Monats-Highlight und auch mein Jahres-Highlight im Genre "Historische Romane". Deshalb fieberte ich dem Erscheinen des neuen Romanes der Autorin entgegen und "Die verbotene Zeit" war schon monatelang vor dem Erscheinungstermin auf meiner Wunschliste. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich es vom Diana Verlag durch das Bloggerportal erhalten habe und als es bei Lovelybooks auch eine Leserunde mit der Autorin dazu gab, habe ich mich eingeklinkt. Das war eine richtig gute Idee!

Und nun habe ich diesen großartigen Roman beendet und bin richtig traurig darüber, dass ich das Buch nun schon ausgelesen habe und nicht mehr in die Geschichte von Edith, Dora, Paul, Jules, Carla und David eintauchen kann. Schon lange hat mich kein Buch mehr so überwältigt und mich auf eine ereignisreiche Zeitreise in die 70-iger und in die 30-iger Jahre mitgenommen. Ihr merkt schon, ich bin richtig begeistert von diesem Buch. Worum geht es?

Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen aufgeteilt, die perfekt miteinander verbunden sind. Die Geschehnisse gehen vorbildlich ineinander über. Jedes Kapitel trägt den Namen der Person, aus deren Sicht die Vorkommnisse geschildert werden, sowie die zeitlichen Angaben.
Oft bevorzuge ich bei Romanen mit zwei Erzählsträngen die Geschichte aus der Vergangenheit, doch in diesem Roman hatte ich keine bevorzugte Zeit und auch nicht das Gefühl immer wieder aus den Zeitepochen herausgerissen zu werden.
Cornwall 1975:
Die Gefühlswelt der englischen Journalistin Carla Whiteman ist seit einem Autounfall vor einigen Monaten  ziemlich durcheinander geraten, denn seitdem kämpft sie gegen ihren Gedächtnisverlust an. Die Ereignisse des letzten halben Jahres sind wie ausradiert und das eigenartige Verhalten ihres Ehemannes und ihres Vaters machen die Sache nicht gerade bessser. Carla hat das Gefühl, dass beide Männer versuchen ihr etwas zu verheimlichen. Auch ihre plötzliche innere Distanz zu ihrem Ehemann Tom scheint dies zu bestätigen. Als Carla in ihrem Adressbüchlein eine ihr unbekannte Nummer findet, hat sie den Journalisten David Gray an der Strippe. Er erzählt ihr, dass er sie vor einem halben Jahr kontaktiert hat, weil er für seinen alten jüdischen Freund und Violinisten Jules Cohn nach Edith von Stettenheim sucht, die eine sehr enge Freundin von Carlas Mutter Dora war. Doch Carla kann sich weder an eine Frau mit diesem Namen erinnern, noch ist der Name Edith jemals im Elternhaus gefallen. Carla versucht durch Fragen an ihre Mutter diese Frau ausfindig zu machen, doch sie kann nicht mit der Hilfe von Dora Behringer zählen. Diese lebt seit dem Verschwinden von Carlas Schwester Anastasia völlig zurückgezogen in einem Sanatorium und hat nur zweitweise lichte Momente. Doch Carla gibt nicht so schnell auf und findet Puzzlestein um Puzzlestein. Schließlich verlässt sie England um in Berlin, der ehemaligen Heimat ihrer Eltern, nach der Vergangenheit zu suchen.

Im ersten Erzählstrang begleiten wir Carla in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei der Suche nach ihren verlorenen Erinnerungen und daraus resultierend bei ihren Nachforschungen in der Vergangenheit. Und so beginnt für den Leser eine kleine Zeitreise in das Berlin um 1922.
Es ist Nach- bzw. Vorkriegszeit und der Leser erfährt die Geschichte von Dora, Carlas Mutter, Edith, Paul und Jules.
Dora und Edith kommen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Doras Mutter arbeitet als Hausangestellte bei den Eltern von Edith, einer Fabrikantenfamilie, die in einer stilvollen Villa leben und die Kunst lieben. Nach einem Vorfall, bei dem Dora Edith das Leben rettet, werden die beiden Mädchen die besten Freundinnen. Diese innige Freundschaft überdauert auch die schweren Kriegsjahre und die Verfolgung der Juden durch die Nazis. Beide Mädchen haben Freunde aus verschiedenen Schichten und Religionen und versuchen sich so gut es geht aus der Politik herauszuhalten. Doch dies ist in der Zeit um Hitlers Machtergreifung schwer durchführbar und so gerät auch das Leben der beiden Freundinnen aus den Fugen.....

Die Charaktere sind detailliert beschrieben und wirken sehr lebendig. Nach und nach wachsen sie einem mehr oder weniger ans Herz. Es gibt keine nur Guten oder Bösen, sondern jeder von Ihnen hat seine dunklen Geheimnisse.
Der Spannungsbogen baut sich von der ersten Seite mit dem rätselhaften Prolog bereits auf und steigt stetig an. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Die Story hat mich unheimlich gefesselt und die sehr emotionale Erzählweise und die wunderbare bildhafte Beschreibung hatten eine richtige Sogwirkung auf mich, genauso wie die Berichte aus der Vorkriegszeit, der Judenverfolgung und das Ende des Krieges. Sehr bewegend und authentisch durchlebt der Leser die brutalen Übergriffe, die Enteigungen und Verhaftungen der jüdischen Bevölkerung in der Hauptstadt. Man spürt richtig die Verzweiflung und die Angst in den Straßen Berlins. Der geschichtliche Hintergrund wurde von der Autorin sorgfältig und sehr genau rechercheirt und so großartig mit der Handlung verbunden, dass man sehr lebendigen Geschichtsunterricht hat.

Schreibstil:
Schon bei "Die Schwestern von Sherwood" hat mich der wunderbare und bildhafte Schreibstil der Autorin gefesselt und beeindruckt. Die menschlichen Schicksale während der Kriegs- und Nachkriegszeit gehen sehr zu Herzen. Sie haben mich innerlich sehr aufgewühlt und noch nach Tagen meine Gedanken beherrscht.

Fazit:
Am liebsten würde ich sechs von fünf Sternchen geben! =) Dieser wunderbare und sehr berührende Roman hat mich gefesselt, mich mitleiden und mitfiebern lassen. Der großartige Schreibstil tat sein übriges und ich bin restlos begeistert! Ein absolutes Lese-Highlight! Meine Leseempfehlung für diesen fantastischen Roman!



Vielen Dank ans Bloggerportal, den Diana Verlag und auch an die Autorin Claire Winter, die mich mit meinem Exemplar bei der Lovelybooks Leserunde mitlesen ließ und meine Fragen beantwortete.

Die Schwestern von Sherwood - Claire Winter


    • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
    • Verlag: Diana Verlag (22. April 2013)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3453291409
    • ISBN-13: 978-3453291409
    • Genre: Roman, historischer Roman, Familiensaga

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Amazon (Kurz?)beschreibung:
1948: Die angehende Journalistin Melinda kämpft im Nachkriegsberlin ums tägliche Überleben, als sie von einem anonymen Absender ein rätselhaftes Paket erhält. Die Bilder einer mystischen Moorlandschaft und eine ungewöhnliche Schachfigur führen die junge Frau nach England, zu einem geheimnisvollen alten Herrenhaus. Dort stößt Melinda auf die dramatische Liebesgeschichte zweier Schwestern im letzten Jahrhundert, die sehr viel mehr mit ihrem eigenen Leben zu tun hat, als sie zunächst ahnt …

England 1881: Nach vielen entbehrungsreichen Jahren hat es Elisabeth Sherwood zusammen mit ihrem Mann John zu Geld und einem wunderbaren Anwesen in Devon gebracht. Nun sollen ihre Töchter Cathleen und Amalia ihr die Türen zur besseren englischen Gesellschaft öffnen. Als Amalia nach einer schweren Scharlacherkrankung taub wird, richtet die Mutter all ihren Ehrgeiz auf Cathleen und arrangiert eine Heirat mit Lord Edward Hampton, Sohn einer verarmten Aristokratenfamilie. Auch Amalia kennt den jungen Lord. Sie begegnet ihm häufig im einsamen Dartmoor, wo sie ausgedehnte Spaziergänge unternimmt und stundenlang malt. Zwischen den beiden entspinnt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Dann verschwindet Amalia plötzlich. Sie sei im Moor tödlich verunglückt, heißt es. Edward und Cathleen heiraten, doch ihre Familien sind gezeichnet von dem Unglück, das mit dem Verlust Amalias über sie hereingebrochen ist, und von der Schuld, die ein jeder von ihnen auf sich geladen hat …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Deutschsprachigen Autoren Challenge 2013

Meine Meinung:
Von Blogg dein Buch und dem Diana Verlag erhielt ich diesen Roman, bei dem ich zuerst nicht sicher war, ob ich mich dafür bewerben soll oder nicht. Hatte ich doch in letzter Zeit einige Familensagen oder Bücher um diverse Familiengeheimnisse gelesen, die mich alle nicht wirklich begeistern konnten. Sie waren zwar alle ganz nett - einige mehr, andere weniger -  aber eben nur Durschschnitt. So war ich etwas unsicher bei meiner Bewerbung. Doch kaum hatte ich angefangen zu lesen, wusste ich, hier habe ich endlich wieder eine Geschichte in meinen Händen, die mich bezaubern kann und die mich (hoffentlich) bis zum Ende faszinieren wird. Und genauso war es...

Der Roman ist in zwei Zeitebenen geschrieben und wird im Wechsel von Melinda im Jahr 1948 und von Amalia, großteils ab 1895, erzählt. Zu Beginn des Buches werden auch einige Kapitel von Elisabeth oder Edward geschildert.
Beiden Frauen gibt die Autorin gleich viel Raum in ihrem Buch und versteht es gekonnt, beide Geschichten ineinander fließen zu lassen. Oft bevorzuge ich in Romanen, die auf zwei Zeitebenen geschrieben sind, eine der beiden Handlungsstränge. Doch Claire Winter ist es wirklich wunderbar gelungen, beide Erzählungen gleich rätselhaft und spannend zu schildern.

Die 27-jährige Melinda ist nach dem Krieg Vollwaise und ihr sehnlichster Wunsch ist es Journalistin zu werden. Das Geld ist knapp und so bewirbt sie sich beim Berliner Telegraf, um neben ihren Übersetzerjob bei der britischen Besatzungskommandantur, endlich ihren Traumberuf näher zu kommen. Als Tochter einer Engländerin und eines Deutschen, steht sie zwischen den ehemaligen Fronten.
Eines Tages erhält sie ein geheimnisvolles Paket ohne Absender. Es kommt aus England und enthält Liebesbriefe, Zeichnungen von mystischen Moorlandschaften und eine antike Schachfigur - eine roten Dame aus Marmor. Ihre Neugier ist geweckt und nachdem sie herausgefunden hat, wo diese Gegend in England liegt, meldet sie sich freiwillig beim Telegraf für eine Fortbildung in London. Sie möchte endlich mehr über ihre englische Vergangenheit wissen und sich gleichzeitig in ihrem Beruf verbessern. Doch ihre Nachforschungen und die Tatsache, dass sie  Deutsche ist, gefällt einigen Menschen im Dartmoor nicht....

Die Geschichte von Amalia beginnt zuerst im Prolog im Jahre 1881, als sie an Scharlach erkrankt und in Folge des schweren Krankheitsverlaufes taub wird. Nur ihre ältere Schwester Cathleen ist weiterhin ihre große Stütze und wichtigste Bezugsperson. Ihre Eltern, Elisabeth und John Sherwood, kommen aus der untersten Schicht und haben sich hochgearbeitet. Trotzdem werden sie von der adligen Oberschicht nur als reiche Emporkömmlinge angesehen und verachtet. Durch die Krankheit von Amalia, die viele mit fehlender Intelligenz gleichsetzen, versucht Elisabeth zuerst alles, um Amalia helfen zu können. Sie wird von einem Hauslehrer unterrichtet, soll richtig sprechen lernen und von den Lippen lesen. Doch als sie erkennen muss, dass es ausichtslos ist, wird die Tochter einfach ignoriert und wie Luft behandelt. Ihr ganzer Ehrgeiz wendet sich Cathleen zu, die einmal in den höchsten Kreisen einheiraten soll.

Die deutsche Autorin Claudia Ziegler, die unter dem Pseudonym Claire Winter, diesen wunderbaren Roman geschrieben hat, gelingt es von Anfang an, den Leser zu fesseln. Die Geschichte ist zu keiner Zeit langatmig oder verliert an Tempo. Immer wieder kommt es zu neuen Wendungen, Überraschungen und Begebenheiten. Auch wenn ich nach 200 Seiten schon einiges erahnen konnte, wurde ich im weiteren Verlauf des Romans des öfteren in Erstaunen versetzt oder mit neuen Ereignissen konfrontiert, die mich nur so an den Seiten kleben ließen. Die Geschichte ist wunderbar erzählt und bringt den Leser auch die medizinische Unwissenheit des 19. Jahrhunderts näher. Die Gebärdensprache wird nicht anerkannt und taub sein  wird gleichgesetzt mit dumm sein. Man fühlt sich beim Lesen genauso hilflos wie Amalia, die plötzlich in einer Welt voller Stille lebt.

Cover:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Es ist farblich schon ein Hingucker und das alte englische Schloss und die Briefe passen hervorragend zur Geschichte. Es lässt auch einen historischen Roman vermuten.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr bildhaft und liest sich hervorragend. Die Charaktere sind alle sehr vielseitig und interessant dargestellt. Als Leser hat man das Gefühl, direkt in die Seele der einzelnen Protagonisten blicken zu können und all die Gefühle zu verstehen bzw. nachvollziehen zu können. 

Fazit:
Ein wunderbares Buch, das endlich wieder meine Erwartungen hinsichtlich Familiensaga und alten Geheimnissen erfüllen konnte. Ich hoffe in Zukunft noch mehr von der Autorin zu hören und bin gespannt auf ihren nächsten Roman.


Für die Bereitstellung des Rezensionsexamplares möchte ich mich ganz herzlich bedanken bei:

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