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Die Magdalenenschwestern - Tereza Vanek

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 456 Seiten
    • Verlag: ‎ Piper Schicksalsvoll; 1. Edition (26. Januar 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492505155
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492505154
    • Genre: Roman, zwei Zeitebenen



Piper Kurzbeschreibung:
Irland 1960: Rose und Cathy sind seit ihren Kindertagen unzertrennliche Freundinnen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Rose ist ein ungestümer Wildfang, Cathy ein introvertierter Bücherwurm. Als Cathy ungewollt schwanger wird, steht die verheiratete Rose ihr bei und gibt den Jungen als ihr Kind aus. Erst nach Jahren erfährt sie, was Cathy danach für ein Schicksal ereilte.
Die junge Leah Hermann, die als Au-Pair nach Dublin kommt, stößt sechzig Jahre später auf ein Netz aus Lügen und Schweigen. Aus Liebe zu dem eigenwilligen Shaun, der sich mit Hingabe um seine Großmutter kümmert, macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Und enthüllt die dramatische Geschichte zweier Frauen, die sich ein Leben nach eigenen Vorstellungen erkämpfen wollten und dafür einen hohen Preis zahlen mussten.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem ich bereits zwei Bücher über die Magdalenenheime in Irland gelesen habe, war ich sofort interessiert, als ich den neuen Roman von Tereza Vanek auf ihrer Facebookseite entdeckt hatte. Ganz besonders freue ich mich, dass ich das Buch für eine Leserunde bei Lovelybooks gewonnen habe, denn das Taschenbuch ist wirklich sehr teuer. Warum der Verlag das Print so teuer und das eBook sehr billig verkauft, ist mir ein Rätsel...aber okay.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Die Kapitel wechseln zwischen der Geschichte um Rose und Cathy in den 60er und 70er Jahren und der von Leah und Shaun in der heutigen Zeit.
In der Gegenwart lernen wir Leah kennen, die nach dem Abitur ein Medizinstudium begonnen hat. Ihre Eltern wünschen sich, dass sie in ihre Fußstapfen tritt, doch Leah ist unsicher und bricht das Studium ab. Als sie von einer Freundin erfährt, dass deren Bekannte kurzfristig eine Stelle als Au Pair nicht antreten kann, ergreift sie die Initiative und fliegt nach Dublin. Leah erhofft sich endlich klar darüber zu werden, wie ihr zukünftiges Leben und ihre Berufswahl aussehen soll.
In der Dubliner Familie fühlt sie sich von Beginn an wohl und gut aufgenommen. Sie lernt Shaun kennen, den Bruder von Marian, der Mutter der Kinder, die sie betreut. Shaun ist Künstler, sehr zurückhaltend und lebt bei seiner Großmutter Rosie, um die er sich kümmert. Diese trinkt allzu gern und leidet an Demenz. Als Leah Rosie kennenlernt, erwecken einige Aussagen der alten Dame ihre Neugier. Sie beginnt nachzuforschen und entdeckt ein Familiengeheimnis....

In der Vergangenheit befinden wir uns in den Sechziger Jahren in Irland. Wo andernorts die jungen Menschen beginnen, sich aus den konservativen Familienverhältnissen herauszulösen, ist in Irland die katholische Kirche noch immer die wichtigste Institution. Die Menschen sind verbohrt und vertreten rigide Moralvorstellungen. Das bekommt auch Rose zu spüren, die aus ärmlichen Verhätnissen stammt. Sie ist mit der aus vermögenden Elternhaus kommenden Cathy befreundet. Obwohl die Mädchen sehr unterschiedlich sind, verbindet die beiden eine innige Freundschaft. Als die Mutter von Rose stirbt, schiebt sie der alkoholkranke Vater ins Heim ab. Dort wird sie weiter zu den Nonnen ins Magdalenenheim gesteckt und muss unter unmenschlichen Bedingungen in der Wäscherei arbeiten. Sie wird von den Nonnen wie eine Verbrecherin behandelt, weil sie als zu hübsch und auffällig gilt und deshalb sündhafte Gedanken erregen könnte. Cathy gelingt es Rose aus dem Heim zu holen und ihren Vater zu überreden, sie als Hausangestellte bei sich zuhause aufzunehmen. Während Rose zu vergessen versucht und sich nichts sehnlicher wünscht als einen Mann und Kinder, liebt Cathy ihre Unabhängigkeit und ihre Bücher. Sie möchte studieren und setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Doch das sehen manche Menschen nicht so gerne und eines Tages ist Cathy plötzlich verschwunden....

Leah aus dem Gegenwartsstrang blieb mir etwas zu blass und ich muss sagen, dass mir der Roman wahrscheinlich ohne diesen Teil (noch) besser gefallen hätte. Die Geschichte um Rose und Cathy und die Magdalenenheime, die anfangs als Hilfe für gefallene Mädchen gedacht waren und zu Gefängnissen für diese wurden, sind erschütternd - obwohl ich bereits darüber gelesen habe. Die Erniedrigungen und die schwere körperliche Arbeit, vorallem in der Wäscherei, sind sogar beim Lesen nur schwer auszuhalten. Vorallem brachte mich der bigotte Priester, der alles ins Rollen bringt, richtig auf die Palme. Oftmals musste ich mir ins Gedächtnis rufen, dass der Roman nicht Anfang des 21. Jahrhunderts spielte, sondern vor nur etwa fünfzig Jahren!

Magdalenenheime...ein dunkles Stück Zeitgeschichte. Tereza Vanek hat sich diesem Thema angenommen. Auf sehr authentische und erschütternde Weise bringt sie dem Leser die Schicksale vieler Frauen in Form von Rose und Cathy näher. In diese Heime wurden Frauen geschickt, die nicht verheiratet und schwanger waren - oft auch durch Vergewaltigung. Doch auch Familien, die ihre Töchter einfach loswerden wollten, schoben diese in Magdalenenheime ab. Dort wurden die Mädchen und jungen Frauen gequält und unter schlimmen Bedingungen wie Sklavinnen leben.

Zum Ende möchte ich auch hier nochmals erwähnen, dass das letzte Magdalenenheim in Irland im September 1996 (!)  - vor 27 Jahren!!! geschlossen wurde. Damals wurden unzählige namenlose Gräber gefunden...

Fazit:
Ein Thema, dass noch viel öfters Erwähnung finden sollte. Tereza Vanek erzählt die berührende Geschichte von Rose und Cathy sehr bildhaft und authentisch. Ein Stück Zeitgeschichte Irlands, das schockiert. Ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter!

Vielen Dank an den Piper Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar, sowie der Autorin für die tolle Begleitung bei der Leserunde

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Wer noch mehr über dieses Thema lesen möchte, der sollte sich Rebecca Micheèles Roman "Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit" lesen. Ein Buch, welches mir auch nach Jahren noch immer im Gedächntis geblieben ist. Auch Emiliy Gunnis hat sich diesem Thema in "Das Haus der Verlassenen" angenommen.

Flucht aus Formosa - Tereza Vanek

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: ‎ Bookspot Verlag; 1. Edition (20. Juni 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3956691741
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3956691744
    • Genre: Historischer Roman:
    • Reihe: Band 2 



Bookspot Kurzbeschreibung:

Formosa, 1663: Während die Holländerin Emma im Dorf der Ureinwohner versucht, mit der gewaltsamen Landenteignung durch die chinesischen Machthaber zurechtzukommen, wird ihre Schwester Sophie zu einer Heirat mit dem Feind gezwungen. Doch beide wollen nur eines: nach Europa zurückkehren. Wider Erwarten entwickelt Sophie starke Gefühle für ihren Ehemann Bai Jun. Nun muss sie sich zwischen einem gemeinsamen Leben mit Emma in ihrer alten Heimat und ihrem Herzen entscheiden. Unterdessen verliebt sich der Gelehrte Pieter auf dem Festland entgegen aller Regeln in das wissensdurstige Dienstmädchen Lanfang. Als Lanfang zum Tode verurteilt wird, scheint eine gefährliche Flucht der einzige Ausweg für die beiden zu sein...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bei „Flucht aus Formosa“ handelt es sich um Band 2 einer Trilogie über die Zeit, als Formosa noch unter der Herrschaft der Niederländer und der Chinesen war. Letztere sind ja im Moment ebenfalls wieder sehr aktiv, dass Taiwan nicht zu sehr vom "Kurs abkommt".
Dieser Teil schließt nahtlos an, wo „Sturm über Formosa“ endete. Man kann diesen zweiten Band auch alleinstehend lesen, auch wenn einige wichtige Informationen aus dem ersten Teil Voraussetzung sind.

Nachdem die Holländer geschlagen wurden, scheint für die Töchter des holländischen Missionars Antonius Hombroek keine Möglichkeit mehr zu geben, um nach Europa zurückzukehren. Während Emma gemeinsam mit ihrem Mann Frans, dem Sohn des Häuptlings aus dem Dorf Davilo lebt, wird ihre Schwester Sophie am Hof des Herrschers Zheng Jing gefangen gehalten. Die junge Frau ist dort unglücklich und wird außerdem oft wegen ihrer großen Füße verspottet. Erst als Fenzhi, die Schwester des Herrschers, sich mit ihr anfreundet, verbessert sich ihre Stellung. Fenzhi ist offen und modern und hat einen scharfen Verstand. Trotzdem hat Sophie nichts anderes im Kopf als ihre Flucht...

Flüchten muss auch Emma, als das Dorf von den Chinesen überfallen wird und kaum jemand das Gemetzel überlebt. Es gelingt ihr jedoch, sich mit einigen anderen Ureinwohnern in den Bergen zu verstecken. Eine endgültige Lösung für ihr Problem ist ihr Versteck jedoch nicht...

Lanfang ist Dienerin am Hof der Familie Qi, wo auch Griets Stiefsohn Pieter, genannt "Bi De" lebt. Er hat sich freiwillig entschieden, den Chinesen zu dienen und fungiert als Dolmetscher und Vermittler zwischen den beiden Ländern. Lanfang wird Bi De als persönliche Dienerin zugeteilt. Die junge Frau ist verzaubert von den vielen Büchern und sehr wissbegierig, denn ihr Vater war ein Gelehrter und hat ihr viel beigebracht. Bi De erkennt ihren Wissensdurst. Beide versuchen die Kultur und die Sprache des Anderen zu lernen und zu verstehen. Sie verbringen viel Zeit miteinander und fühlen sich auch zueinander hingezogen. Bald wird Lanfang als Bi Des Konkubine angesehen. Ein Vorfall bringt Lanfang jedoch in Lebensgefahr, woraufhin sie flüchten muss...

Tereza Vanek erzählt ihren Roman abwechelnd aus der Sicht von Emma, Sophie oder Lanfang. Die verschiedenen Charaktere sind sehr lebendig gezeichnet. Sophie und Emma kämpfen mit der chinesischen Denkweise, und nur langsam lernen sie sich in der exotischen Welt zurechtzufinden und sie zu verstehen. Lanfang hat bald mein Herz erobert. Sie ist wissbegierig, hat ein gutes Herz und ist pragmatisch. Sie kämpft um ihre Liebe zu Bi De und überstrahlt in meinen Augen die beiden Holländerinnen. Emma muss sich hingegen eingestehen, dass ihr Traum, die Ureinwohner Formosas zum christlichen Glauben zu bekehren, sich nicht verwirklichen lässt. Und Sophie rebelliert auch nach einer Zwangsheirat weiter gegen ihre Gefangenschaft.

Wie schon im ersten Teil erhält man auch diesmal wieder einen guten Einblick in die unterschiedliche Welt der Niederländer, Chinesen und den indigen Stämmen auf Formosa. Der großartig recherchierte historische Hintergrund hat mich wieder gefesselt. Am Beginn gibt es eine Karte der Insel aus dem Jahre 1640. Tereza Vanek erzählt detailliert und mit viel Liebe und bringt uns Lesern die chineische Kultur näher. Mich hat auch dieser zweite Band gut unterhalten.

Fazit:
Ein exotischer und historisch großartig recherchierter zweiter Teil dieser Reihe, der Vorfreude auf den kommenden letzten Teil der Trilogie macht. Auch dieser Band hat mich gut unterhalten und mir wieder viel Neues über die gegensätzlichen Kulturen beigebracht.

Vielen Dank an Lovelybooks, den Bookspot Verlag und der Autorin für das Rezensionsexemplar!

Sturm über Formosa - Tereza Vanek

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 528 Seiten
    • Verlag: Bookspot Verlag; 1. Auflage (24. August 2020)
    • ISBN-10 : 3956691415
    • ISBN-13 : 978-3956691416
    • Genre: Historischer Roman 



Bookspot Kurzbeschreibung:
Griet Verhoeven, eine so leidenschaftliche wie willensstarke Händlerstochter, kann sich den Traum einer Liebesheirat erfüllen. Doch diese erweist sich schon bald als große Enttäuschung. Schließlich verschlägt es das Ehepaar auf die im fernen Pazifik gelegene Insel Formosa und Griet taucht in eine fremde Welt voller Exotik und Abenteuer ein.
Zur gleichen Zeit sieht Yu Qianquian keinen anderen Ausweg, als aus ihrer chinesischen Heimat zu fliehen: Die gebildete junge Frau hat ihre ganze Familie im Bürgerkrieg verloren. Im nahe gelegenen Taiwan findet sie Zuflucht – und einen holländischen Soldaten, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen möchte. Doch dann taucht die Flotte des chinesischen Feldherrn Koxinga am Horizont auf. Und es entbrennt nicht nur ein Krieg um die Insel, sondern auch ein Kampf um Leben und Tod.
 
Meine Bewertung: * * * *
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Meine Meinung:
Autorin Tereza Vanek entführte mich diesmal mit ihrem neuen Roman auf die Insel Formosa, dem heutigen Taiwan.
Dort lernen wir zwei sehr unterschiedliche Frauen kennen, die es nach einer langen Reise auf die Insel verschlägt. Griet, die 18jährige Kaufmannstochter aus Rotterdam in den Niederlanden, und Qianqian Yu aus China. Beide erhoffen sich ein neues und vorallem freies Leben auf Formosa.

Griet Verhoeven ist eine quirlige und abenteuerlustige junge Frau, die unbedacht in eine brenzlige Situation gerät. Gerettet wird sie vom Kaufmann Aert Maas, den sich die junge Dame als ihren Ehemann in den Kopf setzt. Als die Eltern der Heirat zustimmen, bemerkt Griet bald, dass ihr Traummann kaum etwas für sie übrig hat. Der ältere Witwer trauert noch immer seiner verstorben Frau nach und seine drei Kinder sind nicht wirklich von der Stiefmutter angetan. Besonders Mia, die ältere Tochter, stellt sich gegen Griet. Als Aert Maas auch noch den Großteil seines Vermögen verspekuliert, müssen sie vor Ort auf die Insel Formosa reisen, wo Aert seine Geschäfte tätigt. Während der Rest der Familie sich auf der fernen Insel unwohl fühlt, taucht die abenteuerlustige Griet in die exotische Weltein. Sie lernt die Sprache und interessiert sich für die von indigen Stämmen stammenden Einwohner, wie auch für die chinischen Einwanderer. Diese werden den Inselbewohnern, wie auch den Niederländern, allerdings bald gefährlich. Chinesische Rebellen wollen Formosa einnehmen.
Auch Qianqiang flieht vor den Rebellen aus ihrem Heimatland China. Die junge Frau aus einer mingtreuen Adelsfamilie wuchs im goldenen Käfig auf und verliert durch den Bürgerkrieg ihre gesamte Familie. Mithilfe der Konkubine ihres Vaters gelingt ihr die Flucht, nachdem ihre ganze Familie ausgelöscht wurde. Mit ihren gebunden (verstümmelten) Lotusfüßen, an denen man Frauen aus der Oberschicht erkennt, ist sie allerdings sehr eingeschränkt. 
 
Die Charaktere sind lebendig und ich konnte sie mir bildhaft vorstellen. Jede Figur hat hat Ecken und Kanten und wirkt authentisch. 
 
Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. So erhält man auch einen guten Einblick in die unterschiedliche Welt der Niederländer, Chinesen und den indigen Stämmen auf Formosa.
Die Geschichte rund um die Missionstätigkeiten der Niederländer, der Kampf der Anhänger der Qing und Ming-Dynastie und viele weitere historisch belegete Begebenheitenen werden spannend erzählt. Besonders gut hat mir der Strang um Qianqiang gefallen, bevor sich die beiden Frauen begegnen.
Ich habe viel gegoogelt, weil ich kaum etwas über diese Zeit wusste. Formosa, das heutige Taiwan, war von 1624-1662 unter der Herrschaft der Niederlande. Die damaligen Ureinwaohner haben mit der heutigen Bevölkerung kaum mehr etwas gemein. Mit den Holländern kamen auch die Chinesen auf die Insel und haben diese mehr oder weniger eingenommen. Vanek erzählt wie arrogant und selbstgefällig die niederländischen Kolonialverwalter und die eingesetzten Missionare sich auf der Insel verhielten. Oftmals muss man den Kopf schütteln, manchmal verzweifelt die Hände zusammenschlagen. Es ist kein Wunder, dass die Niederländer die Insel nach nur 38 Jahren wieder aufgeben mussten.

Etwas weniger haben mir die beiden Liebesgeschichten gefallen, die dem Roman die Ernsthaftigkeit nehmen. Der großartig recherchierte historische Hintergrund hat mich gefesselt. Mit den spannenden Abenteuern und den gesellschaftlichen Einblicken konnte mich die Autorin gewinnen, mit dem Herz-Schmerz weniger. Trotzdem ist dieser Roman, der Beginn einer Trilogie, eine fesselnde und spannende Geschichte, bei der ich jede Menge lernen konnte und wieder etwas Neues erfahren durfte.
 
Wer mehr über die traditonellen gebundenen Füße wissen möchte, dem kann ich den Roman "Der Seidenfächer" von Lisa See empfehlen!!!

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar flüssig lesen. Sie schreibt sehr detailliert und fesselnd. Auch in diesem Roman erzählt sie wieder über ein Thema und eine exotische Welt, die man selten in anderen Büchern findet. Die historischen Fakten wurden gut recherchiert und mit der fiktiven Geschichte hervorragend verknüpft. Am Beginn gibt es eine Karte der Insel aus dem Jahre 1640.
 
Fazit:
Ein exotischer und gut recherchierter Roman, der mich sehr gut unterhalten hat. Der Trilogie-Auftakt entführt den Leser in exotische Welten, in die ich gerne wieder eintauchen möchte, wenn der Folgeband erscheint.
 
Vielen Dank an Lovelybooks, den Bookspot Verlag und der Autorin für das Rezensionsexemplar!
 

Die Heidentochter - Tereza Vanek




    • Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
    • Verlag: Weltbild 7. Dezember 2015
    • ISBN-10: 3959730020
    • ISBN-13: 978-3959730020
    • Genre: Historischer Roman




Weltbild Kurzbeschreibung: (gekürzt)
Braunschweig im 12. Jahrhundert. Die schöne, bitterarme Neslin bereitet sich auf ihre Hochzeit mit dem angesehenen Goldschmied Oswald vor. Sie hat ihrem Vater auf dem Totenbett versprochen, Oswald zu heiraten, doch glücklich ist sie darüber nicht. Tatsächlich muss sie bald feststellen, dass Oswald ein Geheimnis mit sich trägt, das ihr Leben für immer prägen wird. Währenddessen wächst in Neslins Schwester Appolonia immer mehr der Wunsch, ins Kloster zu gehen. Nachdem sich ihre Sehnsucht erfüllt hat, muss sie feststellen, dass sie ein hartes, entbehrungsreiches Leben gewählt hat.
In dieser Zeit ruft der Sachsenherzog zum Kreuzzug gegen die Wenden auf. Ein grausamer Krieg beginnt. Im Haus von Neslin und Oswald wachsen in diesen stürmischen Zeiten zwei Kinder auf: der Erstgeborene Wilhelm, der seinem Vater so ähnlich sieht, und die kleine, wilde Brida, die sich immer fremd in der Familie fühlt, je mehr sie zur Frau heranwächst. Eines Tages beschließt Brida, dem Geheimnis ihrer Herkunft auf den Grund zu gehen und ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im Mai dieses Jahres habe ich Tereza Vaneks Roman "Das sprechende Kreuz" *meine Rezi* gelesen. Ihren Schreibstil und die tolle Recherchearbeit über Themen, über die ich zuvor noch nie gelesen habe, ließen mich auch "Die Heidetochter", das bis jetzt nur bei Weltbild erschienen ist, auf meine Wunschliste setzen.
Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich bei einer Leserunde bei Lovelybooks wieder mitlesen durfte.

Leider fand ich "Die Heidetochter" nicht ganz so spannend, wie mein erstes Buch der Autorin. Die Geschichte hat einige Längen und ich konnte den Roman mühelos zur Seite lesen. Doch schnell ist man wieder mitten im Geschehen. Völlig neu war mir der geschichtliche Hintergrund um die heidnischen Wenden, gegen die die deutschen Herzöge Krieg führten. Während die Kreuzzüge ins Heilige Land jedem historischen Interessierten ein Begriff sind, weiß kaum ein Mensch etwas über diese Kreuzzüge gegen die "Ungläubigen" im jetzigen Deutschland.

In dieser Zeit wachsen die beiden Schwestern Neslin und Appolonia in Braunschweig auf. Ihr Vater, ein angesehener, aber verschuldeter Kaufmann, hat noch auf seinem Totenbett seine ältere Tochter Neslin dem Goldschmied Oswald versprochen. Anfangs ist Neslin alles andere als glücklich, dass sie diese Ehe eingehen muss, doch mit dem herzensguten Oswald hat ihr Vater einen guten Griff gemacht. Nur verbirgt er vor Neslin ein Geheimnis, das ihr Leben später noch auf den Kopf stellen soll.
Appolonia hegt den Wunsch ins Kloster zu gehen und bekommt von Oswald und der Herzogin Unterstützung. Doch ganz so einfach ist es im Kloster nicht wie sich Appolonia dies vorgestellt hat und so steht auch die jüngere Schwester vor einigen harten Prüfungen.
Für die beiden Frauen beginnt beginnt eine dunkle und düstere Zeit. Die Kämpfe zwischen Christen und Heiden wurden damals wie heute im Namen des Glaubens geführt. Dabei geht es in Wirklichkeit doch immer nur um Macht und Geld, sowie die Unterdrückung von Andersdenkenden.
Während Appolonia im Kloster ihr Leben führt, Neslin sich nach und nach einrichtet und durch den Status ihres Mannes zu Besuch bei Hof und dem Herzog sein kann, macht sich viele Jahre später die junge Brida zu den Wenden auf, um ihren Vater zu finden. Die Hintergründe dazu muss man lesen, denn mehr will ich hier nicht verraten (der Klappentext verrät sowieso schon zu viel, deshalb habe ich auch ein bisschen daraus gekürzt).

Mit Neslin wurde ich im Laufe des Romans nicht wirklich warm. Sie steht durch ihre strahlende Schönheit immer im Mittelpunkt und erkennt nicht das Glück, welches sie durch die Ehe mit Oswald eigentlich hat. Appolonia sieht ihr Heil im Kloster und auch sie muss erkennen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Bei den männlichen Charakteren ist mir eindeutig Oswald ans Herz gewachsen, der für einen Mann der damaligen Zeit sehr viel Verständnis für seine Frau aufbringt.
Den Frauen kommt in diesem Roman eindeutig die Hauptrolle zu. Sie sind sehr starke Charaktere und müssen sich in dieser schweren Zeit behaupten. Auch Sylva, die eine Seherin der Wenden ist, ist eine überaus starke Persönlichkeit. Alle drei kämpfen um ihre Überzeugung und um die Liebe eines Mannes. Die männlichen Protagonisten sind im Roman allerdings mehr oder weniger Nebencharaktere. Sie spielen aber im Leben der Frauen große Rollen, auch bedingt durch den Krieg zwischen Christen und Wenden.

Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. So erhält man auch einen guten Einblick in die Welt der Wenden und deren Bräuche und Riten. Gut gefallen hat mir, dass  die Autorin wieder ein Setting gewählt hat, das für mich neu war und historische Fakten mit einer fiktiven Geschichte verknüpft hat.

Schreibstil:
Schon das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe, hat mich wirklich gefesselt. Hier fand ich den Spannungsbogen allerdings nicht so hoch. Jedoch erzählt Tereza Vanek wunderbar facettenreich und schreibt über Themen, die ich noch in keinem anderen historischen Roman gelesen habe. Mit ihrer bildreichen Sprache erzählt sie so interessant über fremde Riten und Bräuche, dass man keinerlei Probleme hat, diese zu verstehen.
Leider gibt es auch in diesem Buch wieder einige Rechtschreib- und Grammatikfehler. Allerdings ist es nicht so schlimm, wie bei "Das schwarze Kreuz". Warum hier das Lektorat schon wieder schlampt, obwohl der Roman diesmal in einem anderen Verlag verlegt wurde, kann ich echt nicht verstehen!

Fazit:
Wieder ein wunderbarer historischer Roman aus der Feder von Tereza Vanek, auch wenn mir "Das schwarze Kreuz" doch um einiges besser gefallen hat. Die geschichtlichen Hintergründe sind großartig recherchiert und mit einer interessanten fiktiven Geschichte verknüpft. Wer gerne über einem etwas anderen Kreuzzug lesen möchte, sollte hier zugreifen!

Vielen Dank an den Weltbild Verlag und vorallem Tereza Vanek für die nette Begleitung bei der Lovelybooks Leserunde


Das sprechende Kreuz - Tereza Vanek




    • Broschiert: 464 Seiten
    • Verlag: Bookspot Verlag (12. November 2015)
    • ISBN-10: 3956690400
    • ISBN-13: 978-3956690402
    • Genre: Historischer Roman




Amazon Kurzbeschreibung: 
Johanna Schneiders Familie kam mit dem Kaiser Maximilian nach Mexiko und hat sich 1865 in Valladolid in Yucatan niedergelassen, wo sie einen Eisenwarenladen betreiben. Dort trifft Johanna Carlos Mendez, den Sohn eines wohlhabenden Plantagenbesitzers, der sich in sie verliebt und sich heimlich mit ihr verlobt. Doch sein Vater offenbart ihm ein lang gehütetes Geheimnis, das Carlos veranlasst, die Stadt fluchartig zu verlassen und zu den aufständischen Indios nach Yucatan zu fliehen. Johanna folgt ihm verzweifelt mit ihrer indianischen Dienerin Maruch und findet ihn krank in der Stadt Tulum, die von einer gefährlichen Frau beherrscht wird, María Uicab, die sowohl hohe Priesterin als auch ungekrönte Königin der Mayas ist. Sie zelebriert das Ritual des sprechenden Kreuzes, wodurch sie Weisungen von den Göttern empfängt. Da die Mayas jedoch einen Aufstand planen, weil das göttliche Orakel durch das sprechende Kreuz einen Angriff auf die weißen Eroberer befiehlt, geraten Johanna und Carlos in Lebensgefahr …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon länger steht dieser historische Roman, der in Mexiko spielt, auf meiner Wunschliste. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als es dazu eine Leserunde bei Lovelybooks gab und ich diesmal Glück hatte.

Im Mittelpunkt steht die österreichische Auswandererfamilie Schneider, die sich im 19. Jahrhundert in Valladolid eine neue Existenz aufbauen will. Der Vater der beiden Töchter, Johanna und Kornelia, hat nach dem Tod seiner Frau eine Mexikanerin geheiratetet, die ein kleines Feinkostgeschäft mit in die Ehe bringt. Während der Vater seine Töchter damit versorgt glaubt, widmet er sich der Malerei und seine Frau dem Müßiggang. So führen die beiden Töchter das Geschäft, das sich auf europäische Erzeugnisse spezialisiert hat. Vorallem Johanna ist eine sehr tüchtige Geschäftsfrau, während Kornelia mehr durch ihre blonden Locken und ihre Schönheit auffällt und sich nach ihrer alten Heimat Österreich und den Bergen sehnt. Doch Johanna ist es, die Aufregung in die Familie bringt, als sie sich in Carlos Mendez verliebt, Sohn einer der reichsten Plantagenbesitzer der Stadt. Gegend den Widerstand des Vaters von Carlos wollen die beiden Verliebten heiraten. Doch dann offenbart ihm sein Vater ein furchtbares Geheimnis, das Carlos fassungslos zurücklässt und woraufhin er seine Familie und Johanna verlässt. Er flüchtet Hals über Kopf in den Dschungel. Er rechnet jedoch nicht mit seiner sturen Verlobten, die ihm mit Hilfe von Maruch, dem Indio-Dienstmädchen des Hauses, folgt. Doch bald darauf werden sie von aufständischen Indios, den Cruzobs, gefangen genommen und geraten zwischen die Fronten der beiden Parteien...

Tereza Vanek hat sich in diesem Roman mit dem  Unabhängigkeitskrieg der Maya's im 19. Jahrhundert befasst. Grundthema neben den Kämpfen ist vorallem das damalige Kastendenken der mexikanischen Bevölkerung. Wie in den USA die Indianer nach und nach von den europäischen Siedlern vertrieben wurden, so wird auch der Lebensraum der Mayas immer weniger. Doch statt sich einheitlich gegen die weißen Einwanderer zu stellen, bekämpfen sie sich auch noch gegenseitig und so ist es nicht verwunderlich, dass sie ein ähnliches Schicksal wie die Indianer ereilt.
Die Verhältnisse zwischen den neu zugewanderten Europäern, der kreolischen Oberschicht und den rechtlosen Indios wird ebenfalls sehr deutlich dargestellt. Hervorgehoben wird auch das Machtverhältnis der reichen Plantagenbesitzer, die sich mit Bestechung auch gegen das Gesetz stellen können, ohne verurteilt zu werden. Besonders die jungen Söhne, wie Miguel Almaviva, glauben sich alles erlauben zu können und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Das hat sich ja bis heute leider nicht wirklich geändert....

Die Geschichte führte mich in eine fremde Welt voller Exotik und Aberglauben. Der Großteil des Buches spielt im Dschungel, liest sich wie ein Abenteuerroman und bringt dem Leser die Mayakultur näher. Der Titel bezieht sich auf den Kult des sprechenden Kreuzes, der von den Cruzob praktiziert wurde. Man lernt hier spielerisch mehr über die Geschichte der Indios, die uns Europäern eher unbekannt ist, kennen. Ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und konnte kaum aufhören zu lesen. Einzige Mankos waren für mich die vielen Fehler - ein neues Lektorrat würde ich empfehlen! - und den für eine europäische Frau eher leichtsinnigen Ausflug in den Dschungel, der ein kleinen hauch von Unglaubwürdigkeit hat. Trotzdem ist die Geschichte äußerst fesselnd und NICHT vorhersehbar, denn die Autorin hat geschickt einige überrachende Wendungen eingebaut, die die Spannung erhöhen.

Charaktere:
Die verschiedenen Charaktere sind sehr lebendig dargestellt. Besonders gefallen hat mir, dass es sowohl gute als auch böse Indios und Kreolen gibt und nicht eine Seite als Bösewicht und die andere als Gutmensch dargestellt wird. 
Unsere Hauptprotagonistin Johanna ist eine sehr toughe junge Frau, die sich nicht scheut, auszusprechen, was sie denkt. Damit stößt sie besonders in der damaligen Zeit viele Menschen vor dem Kopf. Trotzdem ist sie aufgeschlossen, interessiert sich für die Menschen in ihrer neuen Heimt und kann kräftig zupacken. Sie gibt nicht so schnell auf und setzt ihren Kopf durch. Kornelia hingegen hat Heimweh nach Österreich, interessiert sich nicht für die neue Heimat und hat eher nur ihr Aussehen im Kopf. Doch sie wandelt sich im Laufe der Geschichte zu einer selbstständigen und verantwortungsbewussten Frau.
Papa Schneider konnte ich überhaupt nicht verstehen. Er widmete sich rein dem Müßiggang und griff weder bei einem Überfall auf seine Töchter, noch als der Laden kurz vor dem Ruin steht, ein. Für mich als Elternteil absolut unvorstellbar! So einen egoistischen und unsympathischen Menschen, der nicht zu den Bösewichten zählt, habe ich noch in keinem Buch kennengelernt.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist packend und lässt sich unheimlich gut lesen. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, war fasziniert von der fremden Welt und konnte darin versinken. Die historischen Fakten wurden gut recherchiert und mit der fiktiven Geschichte hervorragend verknüpft. Es ist wirklich schade,  dass der Lesefluss durch das schlechte Lektorrat geschmälert wurde.

Fazit:
Eine tolle und spannende Geschichte, gleich einem Abenteuerroman mit geschichtlichem Hintergrund, der vom Unabhängigkeitskampf der Indios erzählt. Exotische Plätze, Aberglauben und keine kitschige Liebesgeschichte runden dieses Lesevergnügen ab. Nur die vielen Fehler, die das Lektorrat übersehen hat, haben dieses geschmälert... Wer sich nicht, so wie ich, an den Fehlern stört, erhält eine wunderbare Geschichte voller Spannung und Exotik. Meine Leseempfehlung!

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar, die tolle Begleitung bei der Leserunde und bei Lovelybooks!

 

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