Heyne Kurzbeschreibung:
Sussex, 1956. Als die junge Ivy Jenkins schwanger wird, muss sie ins St.
Margaret's Heim für ledige Mütter. Sie wird den düsteren Klosterbau nie
mehr verlassen ... Sechzig Jahre später findet die Journalistin Sam
einen flehentlichen Brief Ivys. Sie beginnt die schreckliche Geschichte
von St. Margaret's zu recherchieren. Dabei stößt sie auf finstere
Geheimnisse, die eine blutige Spur bis in die Gegenwart ziehen. Und die
tief verstrickt sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte.
Meine Bewertung: * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine
Meinung:
Mein erstes Buch von Emily Gunnis und ein Thema, das mich in letzter Zeit nun schon öfters begleitet hat: Heime und körperliche Züchtigung. Es ist unfassbar, was ledige Frauen oder Kinder oftmals bis in die späten 1960iger Jahren mitmachen mussten, oftmals unter dem Decknamen der Kirche. Menschenverachtender geht es oftmals nicht.....
Schon der Prolog, der im Jahre 1959 spielt, hat es in sich. Ivy verhilft einer jungen Frau zur Flucht aus dem St. Margret's und übergibt ihr einen Brief. Kurz darauf begeht sie Selbstmord...
Die junge Ivy kommt 1956 in eines der gefürchteten Magdalenenheime, als sie ungewollt schwanger wird. Der gestrenge Stiefvater lässt das junge Mädchen ins St. Margareth's Heim bringen, denn der Ruf der Familie ist ihm wichtiger, als seine Stieftochter. Bereits in Rebecca Michéles Buch "Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit" habe ich über diese Einrichtungen gelesen und war schockiert! Die Frauen werden misshandelt und kaum verköstigt. Die Kinder, die die gefallenen Mädchen zur Welt bringen, werden zur Adoption freigegeben und den Müttern erzählt, sie wären verstorben. Ivy schreibt verzweifelte Briefe an ihre große Liebe, den Vater des Kindes, doch der nimmt ihre Erzählungen nicht ernst. Zusätzlich war sie für ihn nur ein kleiner Flirt...
Rund sechzig Jahre später findet die Journalistin Sam die verzweifelten Briefe von Ivy in den Unterlagen ihres verstorbenen Großvaters. Sie wittert eine interessante Geschichte, die ihr Karriere pushen soll und beginnt zu recherchieren. Doch sie muss sich beeilen, denn das Gebäude soll bald abgerissen werden. Bald schon entdeckt sie grausame Wahrheiten und möchte nur mehr die damaligen Zustände aufdecken. Außerdem stolpert sie über das Verschwinden des ehemaligen Priesters des Heimes im Jahr 2000 und dem Fund seiner Leiche 2016 ...
Im selben Zeitstrang lernen wir Kitty, die berühmte Moderatorin einer Talkshow kennen, die sich nach zwanzig Jahren im Rampenlicht zurückzieht. Samantha entdeckt, dass sie irgendwie eine Verbindung zum St. Margret's haben muss...
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Abwechselnd erfahren wir wie Sam bei ihren Nachforschungen vorgeht und Geheimnisse aufdeckt und wie Ivy ins Heim kommt und was sie dort erlebt. Stück für Stück kommt Sam der Wahrheit näher und ist schockiert über die Vorkommnisse in St. Margarets. Die beiden weiblichen Protagonisten sind sehr lebendig gezeichnet, trotzdem fieberte ich im Vergangenheitstsrang mit Ivy mehr mit, als mit Sam. Ihre Geschichte machte mich fassunglos und den Grausamkeiten, denen die jungen Frauen in St. Margrets - nur eines der vielen Magdalenenheime in Irland und Großbritannien - ausgesetzt waren, sind oftmals unbegreiflich.
Samantha Geschichte in der Gegenwart war mir etwas zu konstruiert und manchmal auch unlogisch. Zusätzlich konnte ich ich einige ihrer Handlungen nicht nachvollziehen. Dazu kommen noch einige Mysteryelemente, die nicht vollständig erklärt werden.
Da ich bereits einiges über die katholischen Heime für ledige Mütter in "Auf den zerbrochenen Flügeln der Freigheit" gelesen habe, überraschte mich kaum, was die jungen Frauen damals erleiden mussten. Trotzdem war ich auch diesmal wieder nur schockiert und entsetzt.
Vorallem kann man kaum glauben, dass diese Methoden noch vor 60 Jahren angewendet wurden.
Schreibstil:
Emily Gunnis schreibt sehr lebendig, fesselnd und hat in ihrer fiktiven Geschichte um Ivy und Sam einige überraschende Wendungen eingebaut. Leider verlaufen aber auch einige Stränge im Sand.
Im Nachwort erklärt die Autorin ausführlich über ihre Recherchen zu den Magdalenenheimen.
Cover:
- Wer sich für das Thema der Magdalenenheime interessiert, dem empfehle ich mein Highlight aus 2019 von Rebecca Michèle "Auf den zerrbochenen Flügeln der Freiheit"
- Über Kinderheime, in denen es ähnlich zuging, schreibt Mechthild Borrman in "Grenzgänger" und Ellen Sandberg in ihrem neuen Roman "Die Schweigende". Hier folgt meine Rezension noch.....Das Buch ist aber ebenfalls sehr zu empfehlen!

















Hallo Martina,
AntwortenLöschendas Buch hat mich bei erscheinen auch gleich angesprochen und ich finde es immer noch interessant. Schön, dass du es ganz gut fandest und mal gucken, ob es bei mir mal einziehen darf :)
Und ja, ich finde es auch so krass, was da damals lief...
Liebe Grüße,
Steffi vom Lesezauber
Hallo Martina,
AntwortenLöschenvom Setting und Handlung erinnert es mich etwas an "Die dunklen Mauern von Willard State". Ingesamt klingt es recht interessant.
Liebe Grüße,
Nicole
Liebe Nicole,
Löschendaran habe ich auch gedacht, obwohl ich das Buch noch nicht gelesen habe ;) Und auch das Buch von Kathryn Hughes "Die Tocter des Arztes" hat auch ein paar ähnliche Komponenten...aber da ist es ein Irrenhaus.
LIebe Grüße
Martina
AntwortenLöschenGuten Morgen liebe Martina,
was hast du denn schon wieder alles gelesen? Wahnsinn! :-)))
Diesen Roman habe ich schon mehrfach gesehen und konnte mir irgendwie kein Bild davon machen. Deine Rezi erklärt nun einiges. Ich muss ganz ehrlich sagen, auch wenn die Schicksale mich rühren, es ist kein Buch für mich. Zur Zeit möchte ich eher positiv stimmende Romane lesen oder zumindest keine, die viele negative Seiten aufzeigen.
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und mach es dir schön!
Liebe Grüße
Barbara