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Taschenbuch: 592 Seiten
- Verlag:
Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (8. Dezember 2020)
- ISBN-10 : 3746635446
- ISBN-13 : 978-3746635446
- Genre: Familiensaga. Familienroman
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| Die Bildrechte liegen beim Verlag |
Aufbau Kurzbeschreibung:
Schleswig-Holstein, 1977: Die Liebe zwischen Gesine und dem Pferdetrainer Grigori endet jäh, als er plötzlich spurlos verschwindet. Doch eines Tages stößt Gesine auf Hinweise über seinen Verbleib, die sie nicht nur tief in die Vergangenheit ihrer Familie, sondern auch in die Abgründe europäischer Geschichte führen.
Estland,1938: Charlotte verliebt sich Hals über Kopf in den jungen Esten Lennart. Doch ihre Eltern würden diese Verbindung niemals billigen, und so halten sie ihre Beziehung geheim. Als Charlotte ein Kind von Lennart erwartet, brechen die Wirren des Zweiten Weltkriegs über sie herein, und die Liebenden werden getrennt.
Meine Bewertung: * * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine
Meinung:
Christine Kabus kenne ich bereits durch ihre Norwegen-Romane, die ich gerne lese, weil sie mir dieses Land (das ich schon seit langer, langer Zeit besuchen möchte) in ihren Büchern etwas näher bringt.
Diesmal spielt ihr neuer Roman allerdings in Estland, was für mich noch mehr Anreiz war diese Geschichte zu lesen. Wann findet man schon ein Buch, das in Estland spielt?! 2016 habe ich selbst die baltischen Staaten besucht und war verzaubert von der mittelalterlichen Altstadt Tallinn. Zusätzlich habe ich noch eine supernette estnische Brieffreundin, die ich bereits einige Male getroffen habe - so auch bei dieser Urlaubsreise.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Im Vergangenheitsstrang lernen wir ein Estland in den Jahren 1938-1941 kennen, in dem die Deutschbalten zuerst die Herrschaftsschicht darstellen, aber während des Krieges vertrieben bzw. von Hitler zurück ins Deutsche Reich geholt wurden.
Charlotte von Lilienfeld ist ein junges Mädchen aus gutem Haus, das nach ihrem Abschluss an der wirtschaftlichen Frauenschule, mit ihrer besten Freundin nach Tallinn ziehen und dort arbeiten möchte. Als ihre Tante stirbt, schicken sie ihre Eltern kurzfristig auf die estnische Insel Hiiuma zu ihrem Onkel Julius. Dort soll sie ihm den Haushalt führen. Julius ist im Gegensatz zu Charlottes Eltern ein sehr aufgeschlossener und freundlicher Mann und Charlotte fühlt sich auf seinem Hof sehr wohl. Dazu trägt auch der Este Lennart Landa bei, den sie seit Kindertagen kennt und nun als Stallmeister am Birkenhof von Onkel Julius arbeitet. Bald entwickelt sich eine heimliche Liebesbeziehung zwischen Lennart und Charlotte, die sie vor ihren Eltern verheimlichen muss. Für die deutsche Herrschaftsschicht sind die einheimischen Esten nicht gut genug und eine Verbindung zwischen Charlotte und Lennart würde nie gebilligt werden. Doch dann kommt auch der Krieg nach Estland...
Im zweiten Strang befinden wir uns in Schleswig Holstein in den späten 1970iger Jahren bis hin zu den Anfängen der Neunziger Jahre. Die 17jährige Gesine von Pletten wächst auf dem Gut ihrer Eltern auf, die sich auf Pferdezucht spezialisiert haben. Gesine liebt die Pferde, hat aber mit den Wünschen ihrer Mutter nichts am Hut, die sie schon als gefeierte Springreiterin sieht. Außerdem soll sie einen vorzüglichen Schulabschluss hinlegen, wo Gesine doch viel lieber auf ihrem Pferd durch die Landschaft reitet. Als der estnische Bereiter Grigori auf den Hof kommt, verliebt sich Gesine in den jungen Mann. Doch der schüchterne "Pferdeflüsterer" ist aus seinem jetzigen Heimatland Russland geflohen. Als er plötzlich eines Tages verschwunden ist, ist Gesine verzweifelt. Erst viele Jahre später entdeckt sie Grigoris Geheimnis und das ihrer Familie...
Am Strang aus den Siebziger Jahren hat mir gut gefallen, dass ich einige der genannten Songs, TV Sendungen und Stilrichtungen wiedererkannte und mich an meine Kindheit erinnerte. Auch das politische Geschehen, besonders die Attentate der RAF und die Entführung von Werner Schleyer, nimmt Christine Kabus mit in die Geschichte auf. Jedoch ist vieles zu detailliert beschrieben, was zu kleinen Längen führt.
Im Vergangenheitsstrang erfahren wir mehr über den politischen Hintergrund der Baltischen Staaten, die erst 1918 selbstständig wurden. Danach kam Estland durch die Einverleibung des Deutschen Reiches und Russlands wieder in fremden Besitz und erst nach dem Fall der Mauer 1989 wieder selbstständig. Bei meinem Besuch 2016 durch die drei Baltischen Staaten erkannte ich auf den ersten Blick, wie unterschiedlich sich Litauen, Lettland und Estland seitdem entwickelt haben. Die Autorin hat über die Geschichte des landes hervorragend recherchiert.
Die Parallelen zwischen
Charlottes und Gesines Schicksal sind sehr schnell erkennbar. Beide
entstammen wohlhabenden Familien, erfahren eine sehr strenge
Erziehung und sehen sich dem Druck der Familie ausgesetzt, eine
standesgemäße Partie zu machen. Beide haben jedoch ganz andere Wünsche und Träume, die sich nicht mit denen der Eltern vereinen lässt. Vorallem Charlottes erlebt, bedingt durch andere Menschen, eine sehr schlimme Zeit. Lange habe ich spekuliert, wie die beiden Zeitstränge zusammenhängen und ich hatte auch einige richtige Ansätze. Doch Christine Kabus hat gekonnt falsche Fährten gelegt und so konnte sie mich am Ende doch sehr überraschen.
Schreibstil:
Christine Kabus schreibt teilweise sehr detailreich, aber auch wunderbar
flüssig. Ganz besonders liebe ich aber ihre bildhaften Beschreibungen
der Landschaft, wie auch die Einbettung politischer und historischer
Begebenheiten zu dieser Zeit.
Die handelnden Figuren sind sehr gut gezeichnet und als Leser lebt man mit ihnen mit.
Am Anfang des Buches gibt es eine Karte von der Insel Hiiumaa und von Estland.
Fazit:
Eine gelungene Familiensaga mit einem ganz besonderen Setting. Die Geschichte des kleinesn baltischen Staates war sehr wechselhaft und Christine Kabus hat die historischen Fakten sehr interessant mit der fiktiven Handlung verknüpft. Eine sehr informative Lektüre, die aber auch schöne Unterhaltung bietet.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für die nette Begleitung und den Erklärungen bei der Leserunde















Hallo liebe Marina,
AntwortenLöschendieser Roman hat mich wegen der Hintergründe zu Estland auch interessiert, meine Reziexemplare waren aber zu zahlreich, da hätte ich dieses Buch mit fast 600 Seiten nicht mal eben einschieben können. Und ich möchte mich auch nicht mehr so zeitlich unter Druck setzen.
Aus deiner Rezi entnehme ich, dass die Siebziger Jahre schön zur Geltung kommen. Das wäre sicherlich auch für mich eine schöne Erinnerung gewesen.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Barbara
Liebe Barbara,
Löschenals Rückblick in die Jugedn schon...sonst habe ich wie immer den Vergangenheitsstrang bevorzugt. Kommt vielleicht nicht so gut rüber in der Rezi...hm. Die kleinen Längen sind nämlich im Strang der 1970iger Jahre.
Alles Liebe
Martina
Liebe Martina,
AntwortenLöschenmir ging es wie dir, ich war auch ganz verzaubert von Tallinn, und als ich oben "Estland" las, war ich dem entsprechend auch gleich sehr interssiert. Was du über das Buch erzählt, klingt wirklich gut, denn hier geht es nicht ur um Liebe, sondern auch um jede Menge Geschichte, das heißt, man wird unterhalten und lernt dabei noch somanches - das gefällt mir!
Alles Gute im Neuen Jahr 🍀 und dank dir sehr für deine lieben und persönlichen Zeilen Zeilen bei mir!
Herzlichst, Traude
https://rostrose.blogspot.com/2021/01/weihnachtszeit-2020-und-neues-jahr-2021.html
Liebe Martina
AntwortenLöschenDas klingt ja wieder einmal toll. "Detailreich" und "flüssig" und dann spielt das noch auf zwei Zeitebenen? Du hast mich, super :-)
Alles Liebe
Livia
Liebe Livia,
Löschenetwas klischeehaft ist die Geschichte schon...aber ich freue mich, wenn ich dir wieder etwas schmackhaft machen konnte. Und die politischen und historischen Hintergründe sind sehr interessant.
Liebe Grüße
Martina