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Schwalbenwinter - Klaus Jensen

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Taschenbuch: 508 Seiten
    • Verlag: ‎ tredition (16. Mai 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3347636686
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3347636682
    • Genre: Familienroman, Historischer Roman




tredition Kurzbeschreibung:

Die älteren Generationen der Familie Johannson ist tief in Nationalismus und Faschismus verstrickt. Die Vergangenheit wird nach dem 2. Weltkrieg tabuisiert. Auch über die Herkunft der Familie wird die jüngere Genaration im Unklaren gelassen. Stück für Stück lüften die Geschwister Hermann und Josi die Geheimnisse und finden ungeahnte Abgründe, die weit über ihre Vermutungen hinausgehen. Die Familie wird beinahe durch Schuld und Tod auseinandergerissen. Drei verschiedene Erzählebenen über mehr als hundert Jahre, verweben sich im Laufe der Story immer stärker miteinander. Es entsteht ein Sittengemälde Deutschlands und der Stadt Hamburg von 1900 bis 1960.


Meine Bewertung: * * * * undeinhalb


Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Jeder, der meinen Blog bereits kennt und regelmäßig liest weiß, dass ich gerne Bücher über die beiden Weltkriege lese. Auf "Schwalbenwinter" wurde ich durch Andrea vom Blog Leseblick aufmerksam, die dieses Genre ebenfalls liebt. Da ich zufälliger Weise auch eine Anfrage vom Literaturtest zum Buch hatte, sagte ich gerne zu.

In "Schwalbenwinter" blicken wir mit einer anderern Sichtweise auf diese Zeit zurück. In der Geschichte dreht sich alles um die Familie Johannson, die wir über vier Genererationen begleiten. Erzählt wird aber nicht chronologisch der Reihenfolge nach, sondern die Zeitebenen wechseln laufend. Begonnen wird mit der jüngsten Generation: Thor Hermann und Freya Viktoria, die sich Josi nennt. Sie sind die Kinder des strammen Nationalsozialisten Matthias Johannson, der zwar nach Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell "entnazifiziert" wurde, aber weiterhin an die Ideologie des Führers glaubt.
Hermann und Josi sind jedoch aus anderem Holz geschnitzt und begehren gegen die Ansichten der Familie und des nationalsozialistischen Gedankengutes auf. 
Vorallem das Stillschweigen über Urgroßvater Matthias I., der in Dänemark sesshaft wurde, veranlasst Hermann und Josi nachzuforschen. Sie wollen endlich wissen, wer dieser erste Matthias Johannson war. Warum darf er nicht erwähnt werden ? Und warum sollte sein gleichnamiger Enkel, ihrer beider Vater, den Namen "reinwaschen"?
Vater Matthias und Großmutter Anna verlangen von Hermann und Josi bedingungslose Einhaltung der arischen Gesetze. Als sich Josi jedoch in einen Besatzer der Alliierten verliebt, die noch in Hamburg eingesetzt sind, beginnt das Familiengefüge auseinanderzubrechen und die Lage zu eskalieren....

Die vielen Zeitebenen wechseln oftmals schnell und besonders zu Beginn muss man sich sehr auf die Geschichte konzentrieren. Sehr hilfreich ist der Familienstammbaum am Beginn des Buches, den ich immer wieder verwenden musste. Die parallel laufenden Handlungsstränge nähern sich im Laufe der Zeit aber immer mehr an und man bekommt ein Gespür dafür, bei wem wir uns gerade befinden.

Die Hintergrundgeschichte des "ersten Matthias" hat mich erschüttert. Vorallem aber auch das Verhalten der nachfolgenden Generationen und ganz besonders die kaltherzige Anna, Großmutter von Hermann und Josi, die über Leichen geht ohne mit der Wimper zu zucken. Sie lebt in der gemeinsamen Wohnung, sitzt nur in ihrem Sessel, aber hat alles in Blick. Über ihr hängt das Porträt ihres verstorbenen Mannes Volker. Ein Wort von ihr und alle spuren. Eine Frau zum Fürchten....

Die Charakterdarstellungen sind sehr gelungen. Die Wut und Ohnmacht der Kinder gegenüber ihrer Eltern und der Großmutter wird sehr authentisch dargestellt. Als Hermann hinter ein schreckliches Geheimnis kommt, bricht er mit seinem Vater. Doch so einfach funktioniert das nicht....

Mehr möchte ich über dieses Familiendrama nicht schreiben - man muss es einfach gelesen haben! Dabei erlebt man ungeahnte menschliche Abgründe, die sich hier auftun. Am Ende bleiben keine Fragen offen.

Fazit:
Eine  Geschichte über eine nationalsozialistische Familie, ihre Geheimnisse und das Fast-Auseinanderbrechen.  Ein Blick von der anderen Seite mit sehr authentischen Charakteren und einer jungen Generation, die sich gegen die Rassenideologie auflehnt. Empfehlenswert!

Vielen Dank an den Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Irmas Enkel - Leandra Moor




    • Taschenbuch: 488 Seiten
    • Verlag: tredition; Auflage: 1 (19. August 2019)
    • ISBN-10: 3749723540
    • ISBN-13: 978-3749723546
    • Genre: Biografischer Roman, Historischer Roman


tredition Kurzbeschreibung:
Als Anni 1946 zum zweiten Mal vor den Traualtar tritt, schließt sie mit ihrem Leben ab. Die vergangenen Jahre haben ihr die Familie geraubt, das Hoffen hat sie verlernt. Ihr einziger Anker ist das Versprechen einer Wahrsagerin, was sie zwingt, diesen Kerl aus dem Nachbardorf zu ertragen. Egal zu welchem Preis. Auf der Suche nach Lücken in ihrer Familienbiografie trug die Autorin berührende Lebensepisoden zusammen. Der Kern jeder Geschichte war das Dilemma des Schweigens und dessen Weitergabe an die nächste Generation. Die Geschichte von Irmas Enkeln versinnbildlicht das Empfinden jener Zeit. Hätten sie sich den Gegebenheiten der Jahrzehnte, in die sie hineingeboren wurden, entziehen können?


Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der biografische Roman von Leandra Moor erzählt die Familiengeschichte um Annie Bar, die im kleinen Ort Perlitz aufgewachsen ist und zwei Weltkriege miterlebt hat. Das Foto in Sepiatönen, welches das Buchcover ziert, zeigt drei Generationen einer Familie. Man sieht die kleine Annie, ihre beiden Brüder Willi und Alfred, ihre Mutter Helene und ihre Großmutter Irma.
Ich habe bereits viele biografische und historische Romane über die Zeit der beiden Weltkriege gelesen, aber die meisten erzählen über die Judenverfolgung oder das Soldatenleben an der Front. In "Irmas Enkel" geht es um das Leben der Frauen im Krieg und der Nachkriegszeit. Wir erleben hautnah mit, wie Mütter und Ehefrauen in ihrer Heimat die Männer ersetzen mussten und Hunger, Armut und Gräuel erlebten. Unsere Hauptprotagonistin Annie hat davon jede Menge erlebt! Selten habe ich eine so authentische Geschichte gelesen, die das tägliche Leben im Krieg abseits der Front aufzeigt und die Stärke dieser Frauen aufzeigt.

Der Roman ist in zwei Teile unterteilt und beginnt im Jahr 1918 und dauert bis 1946 an. Annie wächst in einer ärmlichen Kate im kleinen Ort Perlitz auf. Neben ihren Brüdern Willi und Alfred wird sie von ihrer Mutter Helene und der Großmutter Irma aufgezogen. Vater und Großvater kehrten nach Ende des Ersten Weltkrieges nicht mehr zurück. Das Verhältnis zu ihren Brüdern ist herzlich, das Alltagsleben schwer und mühselig. Annie findet in Bruno einen liebenwerten jungen Mann, in den sie sich verliebt und den sie auch heiratet. Sie beginnen sich ein Eigenheim aufzubauen, doch wir schreiben das Jahr 1939 und Annies Ehemann und ihre beiden Brüder werden zu Beginn des Zweiten Weltrkieges eingezogen. Zurück bleiben die Ehefrauen und Mütter: Helene, die sich vollkommen in sich zurückzieht, verstummt und sich schwört erst wieder zu sprechen, wenn ihre Söhne heil aus dem Krieg zurückkehren, Annie, die plötzlich alleine auf sich gestellt ist, ihre Schwägerinnen Trude und Lotte mit den Kleinkindern Horst und Peter. Der Leser erlebt mit Annie die Kriegsjahre und wie sich die Frauen an die Gegebenheiten anpassen müssen. Dabei spürt man immer wieder die Hoffnung, dass einer der Männer auf Heimaturlaub zurückkehrt oder die Angst einen der Briefe zu erhalten, in den von Ehre und Heldenmut im Kampf gesprochen wird. Mit dem Fortschreiten des Krieges kommt es auch zu Flucht und Vertreibung. In dieser Zeit kommt Edith mit ihrem Sohn Hugo nach Perlitz, die ebenfalls auf die Rückkehr ihres Mannes wartet. Getrennt von ihrer Schwester, die sich nach Bayern flüchtet, findet sie in Annie und Lotte Freundinnen.

Der zweite Teil beginnt Weihnachten 1946 und endet in den frühen 80iger Jahren. Zu Beginn steht Annie vor einer schwierigen Entscheidung, die ihr weiteres persönliches Leben massiv beeinflussen wird. In dieser Zeit landet auch Perlitz in der Sowjetzone und gehört später zur Deutschen Demokratischen Republik. Aus Nationalsozialismus wird Sozialismis und schließlich Faschismus. Es ändert sich nicht viel. Die Grenzen werden geschlossen und die Genossenschaften werden fester Bestandteil der Landwirtschaft. Die Bespitzelungen gehen weiter. Es sind wiederum Zeiten, in denen man den Mund hält und sich fügt. Zeiten, in denen machthungrige Männer die Menschen unterdrücken und Männer und Frauen schweigen.
Der Roman ist authentisch und beschönigt nichts. Ich habe mit Annie mitgefühlt und bin ihr wie einer Freundin gefolgt. Sie hatte alles andere, als ein leichtes Leben und nach dem Zuklappen des Buches war ich traurig, dass sie kein schöneres Leben hatte.

Leandra Moor wurde durch Lücken in ihrer eigenen Familienbiografie zu Irmas Enkel inspiriert. Der Roman spiegelt mit seinen biografischen Lebensgeschichten verschiedene Abschnitte der deutschen Geschichte wider und offenbart, warum es zwischen den Generationen einen derartigen Konflikt gab. Doch die Sprachlosigkeit herrscht auch noch bis heute und wird erst langsam, durch Lektüre wie diese, etwas besser. Auch meine Eltern haben den Zweiten Weltkrieg miterlebt - erfahren habe ich davon kaum etwas. Auch Emotionen oder Gefühle waren bei ihnen nur schwer zu finden. Deswegen trifft diese Sprachlosigkeit auch Kriegskinder und -enkel und wirkt bis heute nach.

Leider gibt es in der Fassung des Romans, die ich als Leseexemplar bekommen habe, noch sehr viele Fehler. Die Autorin hat mir aber mitgeteilt, dass in der neuen Auflage diese bereits ausgemerzt sind.

Fazit:
Eine Lebensgeschichte, die tief berührt und gleichzeitig ein Bild der deutschen Geschichte des letzten Jahrhunderts bietet. Ebenso zeigt es auf, wie die Kriegsgeneration mit ihrem Schweigen ihre Nachfahren beeinflussten und wir deswegen heute noch daran zu "knabbern" haben. Ein Buch zum Nachdenken und #gegendasvergessen
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

 

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