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Die vergessene Heimat - Deana Zinßmeister

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch : 448 Seiten
    • Verlag: Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (21. September 2020)
    • ISBN-13 : 978-3442491001
    • Genre: Familienroman, DDR, biografischer Roman



Goldmann Kurzbeschreibung:
Die Geschichte von der Flucht ihrer Eltern aus der DDR kennt Britta Hofmeister seit Kindesbeinen. Sie selbst kam in der Bundesrepublik zur Welt, wuchs mit ihren Geschwistern behütet auf und hatte nie Grund, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Bis ihr Vater an Demenz erkrankt. Zunehmend verwirrt, beginnt er, von früher zu erzählen. Und bald wird klar: Was bei der Flucht 1961 wirklich geschah, hat er jahrzehntelang verschwiegen. Nun kommt die dramatische Wahrheit ans Licht und stellt die Familie vor eine Zerreißprobe …
 
Meine Bewertung: * * * * *
 
Buch zur Weltenbummler Challenge
 
Meine Meinung:
Deana Zinßmeister ist Leserinnen, die wie ich historische Romane lieben, wohl bekannt. Normaler Weise schreibt sie Bücher, die im 16. oder 17. Jahrhundert spielen. In ihrem neuen Buch ist sie allerdings neue Wege gegangen. In ihrem halbbiografischen Roman hat sie die Geschichte ihrer Eltern Ernst und Leni aufgeschrieben, die im damaligen Ostberlin gelebt haben und als eine der Letzten während des Mauerbaus flüchten konnten. 
Der Roman basiert auf zwei Zeitebenen: einmal der oben beschriebene Zeitpunkt im Jahr 1961 und in der Gegenwart in den Jahren 2013-2016. 
Die Kapitel wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Während wir im Jahr 1961 gebannt die Vorbereitungen zur Flucht von Leni und Ernst verfolgen, erlebt man in der Gegenwart die fortlaufende Demenz von Ernst mit. Selten fesseln mich beide Erzählstränge gleich stark, doch Deana Zinßmeister hat es mit "Die vergessene Heimat" problemlos geschafft.
Im Jahr 1961 leben Leni und Ernst im Grenzgebiet. Während Leni als Friseurin in der sowjetischen Zone arbeitet, pendelt Ernst jeden Tag nach Westberlin. Er ist ein Grenzgänger und sieht die Differenz zwischen Ost- und West sehr genau. Er überlegt relativ früh sich nach Westberlin abzusetzen, denn die vermehrte Überwachung setzt ihm zu. Als ein Freund verhaftet wird, weil er öffentlich Kritik am System äußerst, ist für ihn die Zeit gekommen. Nicht zu früh, denn es wird bereits mit dem Aufziehen des Stacheldrahtes begonnen. Der Leser erlebt die folgenden Wochen sehr intensiv mit. Die Planung, die ständige Angst und der Fluchtversuch selbst, sind wahnsinig spannend geschrieben. Gänsehaut garantiert!
 
Im Gegenwartsstrang ist Ernst fast achzig Jahre alt und leidet an beginnender Demenz. Die Autorin schlüpft in die Rolle als Britta Hofmeister, Kochbuchautorin, und schreibt in der Ich-Form über die Krankheit des Vaters. Bis seine Frau Leni, Britta und ihre Geschwister sich endlich eingestehen, dass dieser krank ist, ist die Demenz bereits fortgeschritten. In all den Jahren haben die Eltern nie über die dramatische Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik aus Furcht von der Stasi gesprochen. Britta erlebt nun diese Zeitspanne im Leben ihrer Eltern bei den Besuchen mit und erfährt dabei Unglaubliches.

Äußerst lebendig und gefühlvoll erzählt die Autorin von dieser furchtbaren Krankheit, die vorallem die Familie an ihre Grenzen bringt. Auch meine Mutter litt die letzten Jahre ihres Lebens daran und oftmals erkannte ich bei einigen Begebenheiten und Zwischenfällen einige typische Reaktionen wieder. Gott sei Dank kam es nicht mehr so weit, dass sie uns nicht mehr erkannte oder vergaß wie man isst und trinkt. Ich habe tiefstes Verständnis für alle Familienmitglieder, die einfach nicht mehr weiter wissen und Vater oder Mutter in eine Pflegeeinrichtung bringen. Die Spannungen und zusätzliche Belastung werden mit dem unaufhörlichen Fortschritt der Demenz immer mehr. Die Alten werden wieder zu Kinder und verlernen mit der Zeit alles. Manche werden agressiv und handgreiflich, was noch schwerer zu ertragen ist. Man reibt sich zwischen der eigenen Familie und den Eltern auf und erfährt keinerlei Dank. Diese Situation muss man mal jahrelang verkraften können! Genauso schlimm finde ich den Beginn der Krankheit beim Patienten, wenn er erkennt, dass er laufend Dinge vergisst und langsam sein Gedächnis verliert. Ein furchtbarer Gedanke!

Der Schreibstil der Autorin ist hier etwas einfacher gehalten, als bei ihren historischen Romanen. Die Kapitel sind eher kurz und wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Deana Zinßmeister schreibt fesselnd und gefühlvoll. Ich bin durch die Seiten geflogen und war tief in dieser spannenden Geschichte versunken, die wohl die persönlichste der Autorin ist.
Deana Zinßmeister weist im Nachwort die Leser darauf hin, dass Demenz nicht einfach nur "Honig im Kopf" ist. Sie zeigt völlig ungeschönt auf, wie diese Krankheit Familien zerstören kann.
Die Autorin hat mit dem persönlichen Einverständis ihrer Mutter und Geschwister die Geschichte aufgeschrieben und uns ein Stückchen Zeitgeschichte näher gebracht. Ich danke ihr herzlich dafür!

Fazit:
Ein spannendes Stück Zeitgeschichte aus ganz persönlicher Sicht der Autorin. Der halbbiografische Roman konnte mich fesseln und hat mich sehr bewegt. Die Geschichte wird sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Vielen Dank, dass du uns an deiner Geschichte hast teilhaben lassen!
Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar, sowie die tolle Begleitung der Autorin bei der Leserunde

Der Turm der Ketzerin - Deana Zinßmeister




    • Taschenbuch: 464 Seiten
    • Verlag: Goldmann Verlag (15. Januar 2018)
    • ISBN-10: 3442484103
    • ISBN-13: 978-3442484102
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Hugenotten Reihe

       

Goldmann Kurzbeschreibung:
Frankreich 1588. Der junge Pierre wuchs im katholischen Glauben auf, bis er erfahren musste, dass er als Hugenotte geboren wurde. Aufgrund der verheerenden Glaubenskriege im Land war sein Vater jahrelang gezwungen, ihre Religion zu verheimlichen. Während seine Schwester Magali dem Katholizismus treu bleibt, möchte Pierre nun zu seiner ursprünglichen Konfession zurückkehren. In La Rochelle verliebt er sich in die Hugenottin Florence. Doch die strengen Sitten- und Lebensvorstellungen ihrer Familie stehen ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg. Und dann wird der neue Glaube auch noch zur Gefahr für die beiden Liebenden ...

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Der Turm der Ketzerin" ist der Nachfolgeband zu "Das Lied der Hugenotten" von Deana Zinßmeister. Ich habe den ersten Band nicht gelesen, konnte der Handlung aber mühelos folgen.
In zwei Handlungssträngen wird die Familiengeschichte des Glasbläsers Jacon Desgranges erzählt. Der Hugenotte musste während der Bartholomäusnacht 1572 mit seinen Kindern Pierre und Magali aus Paris fliehen. Im kleinen Dorf Vernou-sur-Brenne findet er Zuflucht - gibt sich allerdings als Katholik aus und bleibt im Untergrund seinem Glauben treu. Die Kinder werden katholisch erzogen. Magali ist überzeugte Katholikin, doch Pierre denkt daran zu seiner ursprünglichen Konfession zurückzukehren. Während Magali und ihr Ehemann Olivier die florierende Glasbläserei übernommen haben, reist Pierre nach La Rochelle, wo er sich in die Hugenottin Florence verliebt hat. Er möchte aus Liebe zu ihr den Glauben seines Vaters annehmen. In La Rochelle beginnt er die Schriften der Calvinisten zu studieren und setzt alles daran in die Gemeinschaf der Hugenotten aufgenommen zu werden.
Währendessen haben Magali und Olivier Probleme mit der Produktion, derer sie kaum nachkommen. Magali liebt die Glasbläserei, als Frau ist es ihr allerdings verboten den Beruf auszuüben. Doch auch ein Widersacher im Ort bereitet der Familie Probleme...
Sowohl Pierre, als auch Magali und ihr Mann, werden hineingezogen in den Glaubenskampf der Katholiken gegen die Hugenotten...

In einem weiteren Handlungsstrang erfährt der Leser mehr über den titelgebenden Turm der Ketzerin, in dem die Katholiken willkürlich hugenottische Frauen gefangen gehalten haben, um Lösegeld zu erpressen. Die Aussicht frei zu kommen war gering, da die Summen immer wieder erhöht wurden. Hier hat sich die Autorin von der wahren Geschichte der Marie Durand inspirieren lassen, die 38 Jahre (!) wegen ihres Glaubens im Turm "Tour de Constance" gefangen gehalten  wurde. Unbeschreiblich, wie die Inhaftierten leiden mussten....

Deana Zinßmeister legte in ihrem zweiten Buch über die Verfolgung der Hugenotten das Hauptaugenmerk auf das alltägliche und sehr einfache Leben der Menschen. Man begleitet die Protagonisten bei ihrer Arbeit und beim beten, beim studieren und man erfährt auch mehr über die Glasbläserei.
Die Verfolgung der Hugenotten wird sehr anschaulich erzählt. Hintergrundinformationen gibt es allerdings nicht wirklich. Hier hätte ich mir mehr Erklärungen zu den Ursachen ders Glaubenskrieges gewünscht. Ich kann allerdings nicht sagen, ob die Autorin hierzu bereits im 1. Band mehr Infos gegeben hat. Die Schauplätze, wie La Rochelle an der Atlantikküste und lange Zufluchtsort der Hugenotten, sowie Aigues-Mortes am Mittelmeer gelegen, sind sehr bildhaft beschrieben.
Bei den Charakteren empfand ich nicht ganz so. Hier fühlte ich etwas Distanz, die mir manche Personen nicht so nahe brachten wie andere.

Am Buchanfang befindet sich eine Karte von Frankreich, sowie ein Personenregister.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft und lebendig. Abwechselnd wird aus der Sicht von Pierre oder der von Jacon, Magali und Olivier erzählt. Deana Zinßmeister hat hervorragend recherchiert und historisch belegte Ereignisse mit einer fiktiven Geschichte wunderbar vereint.

Fazit:
Ein interessanter und gut recherchierter historischer Roman, der sich auch alleinstehend gut lesen lässt. Ich fühlte mich gut unterhalten, hätte mir aber gerne noch ein paar mehr Informationen zu den Glaubenskriegen gewünscht. Vielleicht wäre die vorherige Lektüre des ersten Bandes doch zu empfehlen....
 
Vielen Dank an den Goldmann Verlag und an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


 

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