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Das Septemberhaus - Carissa Orlando

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Broschiert: 432 Seiten
    • Verlag: ‎ Festa Verlag, (20. März 2025)
    • Übersetzer: ‎Claudia Rapp
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986761950
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986761950
    • Genre: Geistergeschichte, Horror


Festa Kurzbeschreibung:
Als Margaret und ihr Mann Hal das große viktorianische Haus in der Hawthorn Street kaufen, können sie nicht glauben, dass sie endlich ein eigenes Heim besitzen. Doch dann offenbart sich der Spuk. Jedes Jahr im September tropft Blut von den Wänden und die Geister früherer Bewohner tauchen auf. Sie fürchten sich vor etwas, das im Keller lauert. Die meisten Menschen würden fliehen. Doch Margaret ist nicht wie die meisten Menschen. Sie bleibt. Es ist ihr Haus. Nach vier Jahren, als der September wieder bevorsteht, hält es Hal nicht länger aus und flüchtet … Oder verschwindet? Je länger Margaret versucht, Hal zu finden, desto schlimmer wird der Spuk, denn es gibt einige Geheimnisse, die das Haus bewahren will …

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Gemeinsam mit den lieben Blogger-Freundinnen Aleshanee, Nicole, Andrea und Hibi habe ich pünktlich im September "Das Septemberhaus" von Carissa Orlando gelesen. Wir wollten uns alle ein bisschen gruseln, bevor es dann im Oktober richtig spooky werden soll.

So richtig gruselig empfand ich "Das Septemberhaus" eigentlich nicht, auch wenn ich nicht zu den erfahrenen Horror-Leserinnen, wie Andrea oder Nicole gehöre. Erst zum Ende hin kam das Gruselfeeling auf. 

Margaret und Hal sind sich sicher ihr Traumhaus gefunden zu haben. Die viktorianische Villa, die zum Kauf angeboten wird, ist günstig. Einzig die Vormieter blieben alle nicht lange im Haus wohnen. Auch die Mieterin macht sie auf einige Todesfälle aufmerksam, was die Beiden jedoch nicht hindert einzuziehen. Margaret fühlt sich wohl und schließt Freundschaft mit Nachbarin Edie. Doch im September offenbart sich Schreckliches. Von den Wänden tropft Blut, furchtbare Schreie hallen während der Nacht durch das Haus, Geisterkinder spuken durch die Zimmer, Vögel fliegen in selbstmörderischer Absicht gegen die Fenster und im Keller scheint etwas Furchtbares zu wohnen. Mit jedem Tag im September wird es schlimmer und hört erst im Oktober wieder auf. 
Margaret beginnt sich damit zu arrangieren und stellt ihre eigenen Regeln auf, um den Monat zu überstehen. Es ist ihr Haus und sie möchte bleiben - komme, was wolle. Sie schließt sogar Freundschaft mit der Haushälterin, die vor Jahrhunderten in der Villa gearbeitet und anscheinend bestialisch ermordet wurde und seitdem durch das Haus spukt. Nur Hal hat nach drei Septembern genug und verschwindet von einem Tag auf den anderen, kurz bevor der nächste September bevorsteht....

Margret habe ich zuerst bewundert, wie sie sich stoisch dagegen wehrt, aus dem Haus vertrieben zu werden. In Rückblenden in ihre Vergangenheit wurde mir klar, wie sie ihr Leben durch Regeln, die sie sich aufstellt, in den Griff bekommen hat. Die Ehe mit Hal ist nicht das, was man nach außen hin sieht und Tochter Katherine hat sie seit Jahren nicht mehr besucht und lebt ihr eigenes Leben. Als sie sich genau im September ankündigt, weil sie ihren Vater nicht erreichen kann und ihn suchen will, wird Margaret nervös. Sie kann doch ihre Tochter nicht in einem Spukhaus wohnen lassen, wo die Wände anfangen zu bluten, die Geister durchs Haus spuken und Katherine der Gefahr im Keller aussetzen. Kurzerhand holt sie den Exorzisten-Pfarrer der Gemeinde zu sich ins Haus, der ihr schon einige Male geholfen und dem Spuk mit Weihrauch und Gebeten entgegenwirkt. Doch das Böse kehrt schneller zurück, als Margaret lieb ist....

Bevor es zum gruseligen Finale kommt, ist die Geschichte mehr Familiendrama. Man erfährt so einiges über Hal und Margaret, wie auch über Katherine. Die Vergangenheit wirft ein etwas anderes Licht auf die Familie. Mich verwirrte zu Beginn, wie Margaret so gleichgültig mit diesen fürchterlichen Umständen leben konnte und mit ziemlich emotionsloser Akzeptanz das Verschwinden von Hal hinnahm. Spätestens als Katherine auftaucht und man Margarets Beziehung zum Haus und ihre Eigenschaft, sich den Dingen zu stellen erkennt, fragt man sich, ob vielleicht doch nicht alles so ist, wie es uns Margaret erzählt.
Die Figuren sind sehr bildhaft und lebendig gezeichnet, auch wenn viele keine Sympathieträger sind. Über Hal erfahren wir einiges in Rückblenden, aber auch Katherine ist kein wirklich liebenswerter Charakter. Sie ist aufbrausend und übergriffig. 
Die Atmosphäre ist düster und trotzdem nicht so gruselig, dass man sich fürchten müsste.

Die Autorin hat uns einige Male gekonnt auf den falschen Weg gelotst. Vor allem im letzten Drittel war man total unsicher, was nun Sache ist. Bildet sich Margret alles nur ein oder geistert es im Spukhaus tatsächlich? 
Carissa Orlando verpackt die Gruselgeschichte mit schwarzem Humor, so dass man sich nicht wirklich gruselt - bis es zum Finale kommt. Trotzdem könnte das eine oder andere Thema jemand unvorhergesehen triggern, denn zuvor geht es vor allem um Opferverhalten: verheimlichen, anpassen, ertragen und die Schuld auf sich nehmen.
Das Ende kam fast etwas zu abrupt und ich hätte mir hier noch einen Epilog gewünscht.

Cover:
von links nach rechts:
das englischsprachige Originalcover, das ukrainische, das polnische und das persische Cover.
Ich finde das deutschsprachige Cover vom Festa Verlag wirklich gelungen.

Fazit:
"Das Septemberhaus" ist eine etwas andere Geschichte, als man erwarten würde. Der Grusel steht eher im Hintergrund, der Inhalt ist vielschichtig und hat emotionalen Tiefgang. Mit der Bewertung tat ich mir allerdings sehr schwer und schwankte zwischen 3 und 4 Sternen. Nach dem Schreiben der Rezension habe ich nun den Mittelweg  genommen und 3 1/2  Sterne vergeben.



The Deep - Alma Katsu

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Taschenbuch: 560 Seiten
    • Verlag: ‎ Festa Verlag (25. April 2024)
    • Übersetzer: ‎Heiner Eden
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986761144
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986761141
    • Originaltitel: The Deep
    • Genre: Horror, Geistergeschichte, historische Mysterynovelle


Festa Kurzbeschreibung:
 Etwas Übernatürliches sucht die Titanic heim. Das ist die einzige Erklärung für die unheimlichen Ereignisse auf der Jungfernfahrt des Ozeandampfers. Viele der Passagiere sind überzeugt: Es ist etwas Jenseitiges an Bord. Doch bevor man mehr herausfinden kann, geschieht, wie man weiß, die wahre Katastrophe. Vier Jahre später, der Erste Weltkrieg hat begonnen, versucht Annie Hebbley, die jene schicksalhafte Nacht überlebt hat, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Sie dient als Krankenpflegerin auf dem Schwesternschiff der Titanic, der Britannic, die gerade zum Lazarettschiff umgerüstet wurde. Verfolgt von den Albträumen der ersten Reise, stößt Annie unter den Patienten auf einen bewusstlosen Soldaten. Sie erkennt den jungen Mark Fletcher. Er war ebenfalls auf der Titanic. Aber sie ist sich sicher, dass er den Untergang nicht überlebt hat ...

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Diesen Gruselroman habe ich schon im Februar gemeinsam in einer Leserunde mit der lieben Nicole von Zeit für neue Genres und der lieben July von julybookish gelesen. Es wird Zeit für eine Rezension!

Der Klappentext war vielversprechend. Erwartet haben wir uns einen spannenden Schauerroman, der auf der Titanic spielt. Bekommen haben wir ein historisches Drama auf zwei Zeitebenen. Horror und Grusel hat fast komplett gefehlt, was sehr schade ist. Trotzdem hat Alma Katsu dieses Unheilvolle auf der Titanic sehr gut eingefangen.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und springt zwischen 1912 und 1916 hin und her.
Annie Hebbley, unsere Hauptprotagonistin, erlebt die Jungfernfahrt der Titanic mit. Sie soll sich als Stewardess um die Gäste aus der 1. Klasse kümmern. Ihr zugeteilt ist auch das junge Ehepaar Mark und Caroline Fletcher und ihr Baby Odine.
Die illustren Gäste der Oberschicht sind so bekannte Namen wie die Astors, Benjamin Guggenheim, die Modeschöpferin Lady Lucille Duff-Gordon und ihr Mann Cosmo, sowie der Journalist und Spiritist W.T. Stead.
Bereits in den ersten Tagen stirbt der Dienstjunge Teddy der Familie Astor, während einer Séance, die zu dieser Zeit in der Oberschicht sehr beliebt war. Die sonderbaren Ereignisse auf dem Schiff häufen sich und die Menschen an Bord glauben, dass sich etwas Übernatürliches an Bord befindet. Auch die abergläubische Annie sieht immer wieder den einen oder anderen Schatten und fühlt sich vom Meer angezogen.
Trotzdem geht es hier auf und unter dem Deck der Titanic größtenteils um die Beschreibung der verschiedenen Charaktere und dessen Tagesabläufe.

Aber wir sind nicht nur auf der Titanic, sondern auch auf dem Schwesternschiff, der Britannic und zwar vier Jahre später. Annie Hebbley, die den Untergang der Titanic überlebt hat und danach einige Zeit in einer Nervenheilanstalt in Liverpool verbracht hat, arbeitet als Krankenschwester auf dem Lazarettschiff. Der erste Weltkrieg fordert viele Verletzte, die auf der Britannic versorgt werden. Abbie erkennt unter den Verwundeten Mark Fletcher, den sie und seine Frau, sowie Baby Odine versorgt hat. Sie dachte der Mann sei beim Untergang der Titanic ertrunken. Die Verbindung zu diesem Soldaten ist etwas seltsam.

Natürlich weiß man, was mit der Titanic passiert und wartet auf den Untergang, der ziemlich spät bei den insgesamt 560 Seiten startet.
Leider fand ich auch zu Annie nicht wirklich Zugang. Sie bleibt blass, distanziert und wirkt unnahbar. Außerdem wird nicht wirklich aufgeklärt, ob Annies Wahnvorstellungen ernst zu nehmen sind oder nicht. Auch den Rest der Figuren fehlte es an Charaktertiefe. Der Schreibstil ist sehr detailverliebt und beschreibend.
Die Atmosphäre und die Darstellung der beiden Schiffe fand ich allerdings gelungen und sehr bildhaft. Die Längen - vor allem im Mittelteil - konnten diese Beschreibungen jedoch auch nicht richtig auffüllen. Das Übernatürlich und Gruselige vermisste ich gleichfalls.
Das Ende ließ mich eher etwas unzufrieden zurück und trotzdem war das Buch nicht so schlecht, wie es sich jetzt anhört. Es war ganz einfach anders, als ich es mir erwartet hatte.

Mein Senf dazu: Eigentlich wäre die Geschichte um Violet Jessop, der Freundin von Annie, viel interessanter gewesen. Während Annie eine fiktive Figur im Roman ist, hat Violet wirklich gelebt. Ihre Lebensgeschichte ist außerordentlich! Sie hat 1911 den Zusammenstoß der Olympic mit dem britischen Kreuzer Hawke miterlebt. Danach war sie 1912 auf der Titanic und 1916 ebenfalls auf der Britannic, dessen Untergang sie ebenfalls überlebte. Eine wahre Geschichte, die grandioser Stoff wäre. Violet Jessop starb 1971 als 83jährige an Herzinsuffizienz.  

Cover:
von links nach rechts:
das US amerikanische Cover, das bulgarische, das englische Paperback, das englische Hardcover und das russische Cover
Das bulgarische Cover finde ich großartig! Man muss es allerdings genau ansehen und passt perfekt zur Geschichte

Fazit:
Leider nicht die erwartete Schauergeschichte, sondern eher ein Drama mit vielen Längen und zum Ende hin einigen Ungereimtheiten. Der Grusel blieb ebenfalls aus. Hier wäre so viel rauszuholen gewesen, was die Autorin schlicht versäumt hat. Trotzdem ist es kein schlechtes Buch und ich gebe noch 3 Sterne.


 

Hundswut - Daniel Alvarenga

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ HarperCollins Taschenbuch; 3. Edition (20. Februar 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3365006729
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3365006726
    • Genre: historischer Roman, Horror 

     

HarperCollins Kurzbeschreibung:
In der bayerischen Provinz will man 1932 noch nichts von dem wissen, was in München vor sich geht. Hier nehmen die Bürger die Dinge noch selbst in die Hand. Als bestialische Morde das Dorf erschüttern, gilt es für den Bürgermeister und seinen Gemeinderat, die Gräueltaten schnellstmöglich aufzuklären. Während man zunächst vermutet, dass ein Wolf im nahen Wald sein Unwesen treibt, verdichten sich bald die Gerüchte, dass es sich um einen menschlichen Täter handeln muss. Dem Hauptverdächtigen, dem Einsiedler Joseph Köhler, soll kurzerhand der Prozess gemacht werden, doch dieser beteuert vehement seine Unschuld. Spätestens als Dorfpfarrer Hias den mittelalterlichen Hexenhammer zurate zieht, geraten die Ereignisse außer Kontrolle, und nur die Ehefrauen der Dorfoberhäupter können noch versuchen, dem grausigen Wahnsinn ein Ende zu bereiten.

Meine Bewertung: * * * * * brutal, aber großartig

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Puh, das war eine richtige emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle! Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, welches mich so "zerstört" hat.
Ich habe dieses Buch, welches ich selbst als eine Mischung aus historischen Roman mit Horroranteilen bezeichnen würde, schon vor zwei Wochen gelesen, doch die Geschichte hat mich wirklich noch tagelang beschäftigt.
Nach dem Zuklappen hatte ich immensen Redebedarf - leider hatte ich aber keinen Gesprächspartner. Beim recherchieren fand ich heraus, dass Daniel Alvarenga die Geschichte verfilmt hat und DANACH erst den Roman/Thriller/Krimi geschrieben hat. Sehr ungewöhnlich! Und man merkt in keinster Weise, dass hier das Drehbuch zuerst entstanden ist.

Was ich noch dazu sagen möchte ist, dass die Dialoge in bayrischer Mundart geschrieben und vielleicht für norddeutsche Leser:innen etwas schwer zu lesen sind.
Und zartbesaitete Leser:innen sollten vielleicht auch lieber zu einem anderen Buch greifen, denn hier lesen wir ungeschönt von den Abgründen des Menschen!

Worum geht es? Wir sind in einem kleinen abgeschiedenen Dorf in Bayern im Jahre 1932. Als vier Jugendliche aus dem Dorf im Wald tot aufgefunden werden, ist zuerst die Rede von einem Wolf, der nach Jahren wieder aufgetaucht zu sein scheint. Doch die grauenhaften Verletzungen und vorallem die nackte und schlimm zugerichtete Leiche des einzigen Mädchens, lassen bald andere Gerüchte aufkommen. Ist etwa ein Werwolf in den Wäldern zugange?
Das Misstrauen untereinander wächst. Um die Dorfbewohner zu beruhigen, muss ein Schuldiger her. Für Bürgermeister "Hartl" Aichinger und Großbauer Georg Steiner ist eine Meldung der Morde nach München ausgeschlossen. Die Dörfler bereinigen diese "Sache" unter sich. Der Gemeinderat, der neben Aichinger und Steiner, auch aus Dorfwirt "Lugg" Kramer und Dorfpfarrer Hias Lechner, sowie den zugezogenen Lehrer Konrad Zankl besteht, haben schnell eine Lösung gefunden. Einsiedler Joseph Köhler, der nach dem Tod seiner Frau und seines kleinen Sohnes, schwermütig geworden ist und mit seiner Tochter Mitzi alleine lebt, ist schnell als Sündenbock auserkoren. Er wird im Bierkeller des Wirtshauses eingesperrt, wo ihm "der Prozess" gemacht werden soll.
Die Dorfgemeinschaft wird immer mehr aufgehetzt und niemand zweifelt mehr an der Unschuld von Köhler, der nach Kirchenrecht als Werwolf angeklagt und verurteilt werden soll. Seine Tochter soll als Hexe verbrannt werden, nachdem der Dorfpfarrer den mittelalterlichen Hexenhammer zu Rate zieht. Wer sich den hohen Herren und dem Mob entgegen stellt, ist selbst bald a Leich....

Was soll ich sagen? Diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen! Daniel Alvarenga ist bei seinen Beschreibungen alles andere als zimperlich. Plastisch und sehr anschaulich beschreibt er die Morde und die Toten, die Folter und das Leid der misshandelten Menschen. Die drastischen und brutalen Schilderungen des Autors machen auch vor grausamsten Szenen nicht Halt. 

Daniel Alvarenga zeigt perfekt auf, was ein willkürliches Gerücht, blinde Agression und Hetze alles anrichten kann. Der gesunde Menschenverstand ist ausgeschaltet! Und nein, dass passierte nicht nur im Mittelalter, wo nicht nur die ungebildeten Leute sensationslüstern vor dem Scheiterhaufen oder dem Pranger stehen. Ähnliche Szenen können jederzeit passieren, wo mehrere Menschen zusammenkommen und zur Selbstjustiz aufgehetzt werden. Genau das macht dieses Buch so realistisch und grausam.

Die Dialoge sind in bayrischer Mundart verfasst und machen die Handlung noch um einiges lebendiger. Auch die Charaktere sind unbeschreiblich gut gelungen, facettenreich und voller Leben, egal ob Haupt- oder Nebencharakter. Ich hatte während des Lesens immer Bilder im Kopf und sah die Figuren vor mir, deren Gedanken und Gefühle wir abwechselnd aus ihrer Sicht erzählt bekommen.

Manche Leser finden einige Geschehnisse der Geschichte nicht auserzählt. Mittlerweile wisst ihr wahrscheinlich, dass ich offene Enden hasse - und ja, es wird nicht alles aufgeklärt, aber für mich ist und bleibt die Geschichte rund. Am Ende habe ich das Buch fassunglos zugeschlagen.
Für mich ein absolutes Meisterwerk, welches mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Den Film werde ich mir nicht anschauen, falls er jemals in unsere Kinos oder ins Fernsehen kommen sollte. Lesen kann ich solche brutaeln Szenen jederzeit, aber ansehen eher nicht. Da schließe ich lieber schnell die Augen....

"Hundswut" bedeutet übrigens tollwütig.

Fazit:
Eine Geschichte, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird: Brutal und schockierend zeigt sie uns die tiefsten Abgründe des Menschen auf. Wer nicht zu zartbeseitet ist und der bayrischen Mundart mächtig - dem empfehle ich diesen historischen Roman - hinter dem sich das Grauen versteckt - auf jeden Fall weiter.


Der Knochenwald - Christina Henry

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


     

    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: ‎ Penhaligon Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (20. September 2023)
    • Übersetzer: ‎ Sigrun Zühlke
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764532777
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764532772
    • Originaltitel: ‎ Near the Bone
    • Genre: Horror, Dark Fantasy 

     

Penhaligon Kurzbeschreibung:
Mattie lebt mit ihrem Ehemann William allein in einer entlegenen Berghütte. Er ist ein gewalttätiger Mensch, den die junge Frau niemals verärgern darf. Doch als Mattie im Wald die verstümmelte Leiche eines Fuchses entdeckt, weiß sie, dass die Eheleute nicht alleine in der Wildnis sind. Wer – oder was – stößt jene seltsamen Schreie in der Nacht aus? Wessen krallenbewehrte Fußabdrücke sind im Schnee um die Hütte zu sehen? Als drei Fremde auf dem Berggipfel auftauchen und im Wald nach einer geheimnisvollen Kreatur suchen, weiß Mattie, dass die Neuankömmlinge William verärgern werden. Und wenn William wütend ist, passieren wahrlich schreckliche Dinge … 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Schon länger habe ich immer wieder ein Auge auf die Geschichten von Christina Henry geworfen. Dabei sagten mir aber nicht alle davon zu. "Der Knochenwald" war aber sofort auf meiner Wunschliste und als ich das Buch tatsächlich in meiner Bücherei entdeckte, musste ich es mitnehmen.

Mattie lebt mit ihren um einiges älteren und gewalttätigen Ehemann William in einer abgelegenen Berghütte. Die Isolation ist von William gewollt, denn er verbirgt ein Geheimnis. Seine junge Ehefrau hält er wie eine Sklavin, die er züchtigt, wie es ihm gerade passt. Mattie kennt nichts anderes, obwohl sie hin und wieder Flash Backs hat, in denen sie sich an eine Schwester erinnern kann. Doch diese rinnerungen ergeben für sie keinen Sinn. Ihre Welt ist die abgelegene Hütte am Berg, Schnee, Kälte und ihr Ehemann, von dem die richtige Gefahr ausgeht. Unter keinen Umständen darf sie ihn verärgern.
Als Mattie einen grauenhaft zugerichteten Fuchs im Wald entdeckt, ist sie sicher, dass dieser von keinem menschlichen Wesen und auch von keinem Tier aus dem Wald getötet wurde. Die Spuren rund um den getöteten Fuchs sind riesig und können keiner normalen Kreatur gehören. Als sie William davon berichtet und sie immer wieder grauenhafte Schreie hören, macht er sich auf, nach dem furchteinflößenden Wesen zu suchen. Als auch noch drei Fremde am Berg auftauchen, die sich für die unheimliche Kreatur interessieren, weiß Mattie, dass ihr Mann dies nicht zulassen wird. Die Fremden und sie selbst sind in Gefahr, denn nicht nur das unsichtbare Monster im Wald, sondern auch das menschliche namens William, wollen ihren Tod. Denn William hat ein Geheimnis und dieses droht durch die Fremden ans Licht zu kommen, was um jeden Preis verhindert werden muss...

Der Schauplatz ist minimal und erinnerte mich irgendwie an "Die Wand".....eine einsam gelegene Hütte auf einem Berg und Wald drumherum. Mit nur wenigen Figuren, der rauen und eher ungemütlichen Winterlandschaft und einem angeblichen Monster, erschafft die Autorin einen spannenden Roman mit Thriller- und Horroranteilen. Zuerst aber lernen wir das menschliche Monster kennen: William, der seine Frau schlägt, hungern lässt und ihr befiehlt seine Söhne zu gebieren. Harter Tobak! Wer sich hier getriggert fühlt, sollte nicht zu diesem Buch greifen! Auf der anderen Seite erwartet man auch grausame Dinge, wenn man zu einer Geschichte dieses Genres greift.

Wir lesen aus der Sicht von Mattie und bekommen viele Einblicke in ihre Gefühlswelt und ihre Empfindungen. Sie lebt in ständiger Angst vor ihrem Ehemann. Nach und nach deckt Christina Henry Matties Vergangenheit auf. Ihre Figur und die von William sind großartig gezeichnet. Die drei Fremden haben mich hingegen nicht alle überzeugen können. Vorallem einer der drei Figuren ist kein empathischer Mensch und bringt Mattie manchmal in noch größerer Schwierigkeiten....

Die Atmosphäre ist düster und beklemmend. Der Schreibstil temporeich. Die Situation spitzt sich von Seite zu Seite immer mehr zu. Die Autorin spielt mit der Angst vor dem Unbekannten, dabei wird aber das Monster eher nebulös und mystisch dargestellt und nicht genau beschrieben. Der Spannungsbogen und das Grauen steigert sich von Seite zu Seite. Für reine Horrorleser wird sich der Grusel wahrscheinlich in Grenzen halten.
Zum Ende hin flachte die Geschichte dann etwas ab und das etwas offene Ende hat mir weniger gefallen. Man hat das Gefühl, dass man zum Schluss hin irgendwie alleine gelassen wird. Ein Epilog hätte die Handlung passend abgerundet.

Cover:

gefunden habe ich nur zwei englischsprachige Cover, wobei ich das rechte gruselig finde


Fazit:
Ein spannender Horrorthriller mit Gruselfaktor, dem am Ende ein bisschen die Luft ausgeht. Bis dahin allerdings ein gruseliges Erlebnis, wobei die größerer Gefahr vom menschlichen Monster ausgeht. 


Das Eulentor - Andreas Gruber

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Broschiert: 370 Seiten
    • Verlag: ‎ Luzifer Verlag; 1. Edition (30. November 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958356214
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958356214
    • Genre: Horrorthriller



Luzifer Kurzbeschreibung:
Im August 1911 segeln Alexander Berger, der Kartograph Hansen und eine Handvoll Norweger ans Ende der Welt. Inmitten zerklüfteter Gletscher und arktischer Temperaturen sterben die Teilnehmer an Erfrierungen, stürzen in Gletscherspalten oder verschwinden unter mysteriösen Umständen im Blizzard. Kurz vor Abbruch der Expedition entdecken die Überlebenden einen mysteriösen Schacht, der senkrecht und scheinbar endlos tief in die Erde führt. Sie wollen dieses Rätsel, das jedem physikalischen Gesetz widerspricht, lösen. Der gefährliche Abstieg in die Dunkelheit beginnt, wo Tod und Wahnsinn lauern … 

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Das ist mein zweites Buch aus dem Horror-Genre von Andreas Gruber. "Der Judasschrein" war ein Highlight für mich und auch "Das Eulentor" ist eine tolle spannende Geschichte, die mich fasziniert hat. Andreas Gruber ist ja mein Lieblings-Thriller-Autor, aber er kann vorallem auch Horror sehr gut.

Wir befinden uns in Spitzbergen im Jahre 1911 und in der Gegenwart im Jahre 2021. Andreas Gruber hat "Das Eulentor" bereits vor Jahren geschrieben und die Geschichte vor kurzem überarbeitet und den Gegenwartsstrang um Neele hinzugefügt, der sich perfekt ergänzt.

Der Wiener Arzt Alexander Berger reist 1911 mit einer kleinen internationalen Expeditionsgruppe nach Norwegen, Richtung Nordpol. Ihr Ziel ist die Erkundung von Spitzbergen und die Erstellung einer Karte des bisher unerforschten Gebietes. Die Gruppe merkt jedoch sehr schnell, dass die Expedition unter keinem guten Stern steht. Als sie kurz davor sind diese abzubrechen, entdecken sie einen mysteriösen Schacht. Dieser führt senkrecht und immer mit gleichbleibendem Durchmesser in die Tiefe. Er widerspricht allen physikalischen Gesetzen und erweckt ihre Neugier. Die Gruppe wagt den Abstieg in den Schacht, wo Tod und Wahnsinn lauern....

Der Gegenwartsstrang ist die Rahmenhandlung und beginnt temporeich. Neele Tujunen reist undercover nach Spitzbergen zur Ice-Station "Sibirion", wo es zu unerklärlichen Todesfällen gekommen ist. Auch Neele verspürt sehr schnell die Gefahr, die von diesem Flecken Erde ausgeht. Sie verschanzt sich in einem der Gebäude, wo sie die Tagebücher von Alexander Berger findet und liest. Nach und nach erfährt sie, was sich von Beginn der Expedition 1911 bis zum Jahre 1914 ereignet hat und übersieht dabei fast das Grauen vor der eigenen Tür...

Der Hauptfokus liegt auf den Vergangenheitsstrang, der eher gemächlich beginnt und wir der Expedition folgen. Mit der Zeit lassen einem die unterschwelligen Horrormomente, die Gruber perfekt insziniert, das Blut in den Adern gefrieren. Der Schacht, der eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Gruppe ausübt, sowie die mysteriöse Atmosphäre, halten die Spannung aufrecht. Mit eisiger Kälte, Stürmen und aufbrechenden Gletscherspalten entsteht beim Lesen noch dazu ein eisiger Schauer, der einem den Rücken runterläuft....

Man fühlt sich beim Lesen selbst als Teilnehmer der Gruppe und wird trotzdem immer wieder von Wendungen überrascht, die man nicht vorausgeahnt hat. Der Schreibstil ist, wie von Andreas Gruber gewohnt, temporeich. Die Charaktere sind sehr detaiiliert beschrieben und facettenreich. Man fiebert mit den Figuren auf den gesamten 370 Seiten mit.
Obwohl ich sonst eigentlich kaum Horror lese, ist auch dieses Werk von Andreas Gruber wieder ein Spitzentitel.

Fazit:
Ein düsterer und spannender Aufenthalt im ewigen Eis. Nicht umsonst ist Andreas Gruber mein Lieblingsautor, der mich immer wieder aufs Neue begeistert. Horror und Mystic kann er hervorragend und überzeugt sogar mich damit, obwohl ich nur sehr wenig in diesem Genre lese. Leseempfehlung!

Das Jahr der Hexen - Alexis Henderson

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    • Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
    • Verlag : ‎ Festa Verlag (28. Mai 2021)
    • Übersetzer : Susanne Picard
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865529119
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865529114
    • Originaltitel: The Year of the Witching
    • Genre: Horror, Thriller, Mystic, Fantasy



Festa Kurzbeschreibung:
In Bethel ist das Wort des Propheten Gesetz. Allein Immanuelles bloße Existenz durch die Liebe ihrer Mutter zu einem Fremden ist Gotteslästerung. So wie alle anderen Frauen in der Siedlung führt Immanuelle ein Leben der Unterwerfung und absoluten Hingabe. Doch dann betritt sie die verbotenen Dunklen Wälder, die Bethel umgeben. Sie werden von den Geistern von vier Hexen heimgesucht. Diese machen Immanuelle ein außergewöhnliches Geschenk: Das Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter ... Fasziniert von den geheimnisvollen Aufzeichnungen, fällt es Immanuelle schwer zu verstehen, weshalb sich ihre Mutter mit den mächtigen Hexen verbündete. Bis sie die grausame Wahrheit über den Heiligen Krieg des ersten Propheten erfährt, bei dem unzählige Frauen und Mädchen missbraucht, gefoltert und verbrannt wurden. 

Meine Bewertung: * * *

Meine Meinung:
In einer gemeinsamen Leserunde mit Nicole von "Zeit für neue Genres", Hibi von "In the Prime Time of Life", Andrea vom "Leseblick" und Sven via Facebook haben wir "Das Jahr der Hexen" gelesen. Ich liebe Hexenromane - egal ob historisch, mystisch oder Fantasy. Deshalb habe ich mich gefreut nach längerer Zeit wieder ein Buch über das Thema Hexen zu lesen.
Der Festa Verlag ist ja auch für seine Bücher bekannt, die eher in die Horror Richtung gehen. "Das Jahr der Hexen" ist als Thriller betitelt - das ist er aber auf keinen Fall! Wo würde ich die Geschichte einordnen? Schwierig würde ich sagen, aber eher zwischen Mystik, leichten Horror und Fantasy mit einem dystopischen Hauch.

Leider hat die Geschichte meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt. Wir alle hatten große Probleme uns die Welt, in der die Story spielt, vorzustellen. Imanuelle lebt in Bethel, einem von der Außenwelt abgeschnittenen Ort. Dort herrscht der allmächtige oberste Prophet, der polygam lebt, und seine Apostel. Die Religion und die gemeinsamen Rituale spielen eine große Rolle, vorallem aber die Gebote, die besonders für die weiblichen Einwohner von Bethel gelten. Die Bewohner dürfen die Gemeinde nicht verlassen. In Sichtweite sind die dunklen Wälder, in denen die bösen Hexen lauern. Von Beginn an hatte ich das Gefühl hier eine Sektengemeinschaft vor mir zu haben.
Die 17jährige Immanuelle Moore fühlt sich von den dunklen Wäldern magisch angezogen. Schon seit ihrer Geburt ist sie anders, als die jungen Mädchen im Dorf. Ihre Mutter hat sich mit einem Hexer eingelassen. Immanuelle wächst als Waise bei ihrer Großmutter Martha auf und ist Schäferin. Ihr Vater starb am Scheiterhaufen, ihre Mutter bei ihrer Geburt.
Eines Tages entwischt ihr ihr Widder Judas in den Wald und Immanuelle folgt ihm, um ihn wieder einzufangen. Sie trifft tatsächlich auf zwei der vier Hexen, Jael und Mercy. Von ihnen erhält die junge Frau das Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter Miriam. Daraufhin brechen diverse Plagen über Bethel herein und Immanuelle wird beschuldigt, diese herbei geführt zu haben....

Die Handlung wird aus der Sicht von Immanuelle geschildert. Sie lebt gottesfürchtig und dennoch fühlt sie sich nicht richtig wohl. Die Grundstimmung ist düster. Besonders erschreckend ist die sehr frauenverachtende und puritanische Gesellschaft. Missbrauch, Unterdrückung und Folter sind an der Tagesordnung. Die Unterwerfung der Frauen ist allgegenwärtig und hat mich oftmals sehr zornig gemacht. Immanuelle wird zusätzlich durch ihre dunklere Hautfarbe und ihre Abstammung geächtet. Einzig Ezra, der Sohn des Propheten, freundet sich mit ihr an und unterstützt sie in vielen Bereichen.

Der Schreibstil war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch fand ich danach schnell in die Geschichte, die sich gut lesen ließ. Man muss der jungen amerkanischen Autorin auch zugute halte, dass es ihr Debütroman ist. Dafür hat sie einen großartigen Aufbau um die Handlung geschaffen und sich scheinbar viele Gedanken zum Plot gemacht. Trotzdem konnte ich nicht mit Immanuelle mitfühlen. Ich war kein Teil der Story, sondern fühlte mich außen vor. Kaum begann ein Strang spannend zu werden, war er auch schon wieder abgehandelt. Obwohl die Geschichte teilweise interessant war und mir auch Neues brachte, blickte ich eher von außen auf die Handlung. Mir hat nicht nur der räumliche Aspekt gefehlt, sondern vorallem die Zeit. Es gibt sowohl dystopische Züge, als auch fast mittelalterliche. Es gibt keinen Strom, aber Gewehre. Die Gemeinschaft ist sektenähnlich, die Familien leben teilweise ärmlich. Es lässt sich somit keine Zeitspanne festlegen und auch die Hexen kamen mir zu kurz. 

Die Geschichte ist in vier Teile aufgeteilt: Blut, Pestilenz, Finsternis und Gemetzel. Über den Kapitel stehen verschiedene Zitate. Die Aufmachung des Buches ist sehr hochwertig und wirkt edel. Es hat ein glänzendes Hardcover in Lederoptik inklusive Lesebändchen.

Cover:

zwei englischsprachige und eine spanische Ausgabe, wobei das erste Cover vom Festa Verlag übernommen wurde und mir auch sehr gut gefällt

Fazit:
Ein düsterer Roman, der jedoch nicht ganz das erfüllt, was ich mir erwartet hatte. Obwohl ich fantasievoll bin, konnte ich mir weder die Umgebung, noch die Zeit in der die Geschichte spielt, vorstellen. Ich befand mich immer außerhalb der Handlung und nahm nicht wirklich am Geschehen teil. Für einen Debütroman finde ich den Roman aber nicht schlecht und finde besonders den aufwendigen Aufbau des Plots wirklich gelungen. Man wird von Alexis Henderson sicherlich noch hören...äh..lesen.

weitere Rezensionen der Leserundengruppe:
folgen


Der Judasschrein - Andreas Gruber

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 534 Seiten
    • Verlag: Luzifer-Verlag; Auflage: 1 (31. März 2020)
    • ISBN-10: 3958354807
    • ISBN-13: 978-3958354807
    • Genre: Horror, Thriller



Luzifer Kkurzbeschreibung:
In dem abgeschiedenen Dorf Grein am Gebirge, eingeschlossen zwischen den Bergen und einem Fluss, wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt, der mehrere Rückenwirbel fehlen. Als Kommissar Alex Körner und sein Team mehrere Exhumierungen anordnen, nehmen die Ermittlungen eine ungeahnte Wendung. Zudem spitzt sich die Lage zu, als der vom Dauerregen stark angeschwollene Fluss über die Ufer tritt. Vom Hochwasser eingeschlossen und von der Außenwelt abgeschnitten, kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht und die grausamen Morde gehen weiter …

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Wie die meisten von euch wissen, bin ich absoluter Andreas Gruber Fan. Nun habe ich mich erstmals an seinen aus dem Jahr 2005 neu aufgelegten Horrorroman "Der Judasschrein" gewagt und bin genauso begeistert.
In die Stimmung, die in Grein am Gebirge herrscht, brauchte ich mich nicht wirklich einzustimmen, denn kurz bevor ich das Buch zu lesen begann, wurden auch unser Ort überflutet. Und wenn ich aus dem Fenster blickte, sah ich genau dasselbe regnerische und düstere Wetter, wie im Buch beschrieben. Die Stimmung war also schon mal gegeben!

Gemeinsam mit dem Wiener Kommissar Alex Körner, der mit knapp 14 Jahren seinen Geburtsort Grein am Gebirge verlassen hat, kehre ich das niederösterreichische Dorf zurück. Ein spektakulärer Mordfall an einem jungen Mädchen führt ihn und sein Team zurück an dem Ort, den er nie mehr betreten wollte. Vor 27 Jahren hat er ihn nach einem furchtbaren Vorfall verlassen. Zur selben Zeit tritt der Fluss über die Ufer und die Brücke, die aus Grein hinausführt, ist nicht mehr passierbar. Die Lage beginnt sich immer mehr zuzuspitzen....

Es beginnt als typischer Krimi mit Ermtittlungsarbeiten, während die düsteren und rätselhaften Anteile immer mehr zunehmen. Spannung und Mystik gehen Hand in Hand. Körner und seine Kollegen stoßen bei den Dorfbewohnern auf eine Mauer des Schweigens. Diese scheinen ein Geheimnis zu haben, denn sie stellen sich gegen die ermittelnden Polizisten. Zusätzlich fallen Körner und seinem Team einige verstörende Merkmale bei einigenBewohnern auf.

Die außergewöhnliche Verstümmelung weiterer Todesopfer hinterlassen bei Körner und seinem Team immer mehr Rätsel, aber auch ein sehr unheimliches Gefühl. Als Leser rätselt man mit den Ermittlern mit. Seltsame Tagebucheinträge eines Messdieners aus dem Jahre 1864 und weitere Rückblenden ins Jahr 1937 über ein großes Grubenunglück verdichten die gruselige Atmosphäre. Der Spannungsbogen steigt kontinuerlich an. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Diese Stimmung im Dorf und unter den Einheimischen ist die ganze Zeit über greifbar und vom Autor perfekt insziniert. Viele Eigenheiten zeigen aber auch ganz normale Züge. Jeder, der je in ein kleines Dorf zugezogen ist, weiß wie schwierig es ist, dort angenommen zu werden.

Zum Ende legt Gruber noch ein Schäufelchen nach und zieht den Leser in einen Sog des Grauens. 

In Anlehnung an H.P. Lovecraft und seinen Cthulhu-Mythos hat Andreas Gruber eine grandiose Geschichte geschrieben, die mich, die eigentlich keinen Horror liest, vollkommen überzeugen konnte.

Fazit:
Mein Ausflug ins Horror-Genre, allerdings mit einem wohlbekannten Autor, hat mir spannende Stunden bereitet. "Der Judasschrein" konnte mich mit düsterer Stimmung, seltsamen Dorfbewohnern, die vor nichts zurückschrecken und einem Vorfall in der Vergangenheit, der das Böse erweckt, überzeugen...einfach grandios!

Vielen Dank an den Luzifer-Verlag für das Rezensionsexemplar, sowie an Lovelybooks für die tolle Leserunde mit Andreas Gruber


EVIL - Jack Ketchum




    • Taschenbuch: 336 Seiten
    • Verlag: Heyne Hardcore; Auflage: 4. Auflage (1. Januar 2006)
    • ISBN-10: 3453675029
    • ISBN-13: 978-3453675025
    • Originaltitel: The Girl next Door
    • Gerne: Thriller, Horror


Heyne Hardcore Kurzbeschreibung:
Jack Ketchums beunruhigender, grenzüberschreitender Horrorthriller gilt unter Experten als eines der großen Meisterwerke des Genres. Die Geschichte eines Jungen, der inmitten einer amerikanischen Vorstadtidylle mit unvorstellbaren Grausamkeiten konfrontiert wird, steigt tief hinab in die Abgründe der menschlichen Psyche. Nachdem der brillant geschriebene Roman viele Jahre unter der Hand als geheimer Klassiker die Runde gemacht hatte, erhält er jetzt nicht zuletzt dank Stephen King, der zu diesem Werk auch eine ausführliche Einleitung verfasst hat, die verdiente Aufmerksamkeit und erscheint nun endlich auch als deutsche Erstausgabe.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur "Ich war noch niemals in New York Challenge"

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Hufies großer Stall Challenge 

Meine Meinung:
Über "Evil" hört man ja schon seit der Erstveröffentlichung viele Meinungen. Das Buch erschien bereits 2006 in der 4. Auflage im Heyne Hardcore Verlag (da gehört es auch hin) und es stand schon eine ganze Weile in meinem SuB-Regal. Da kam mir die Leserunde mit meinen lieben Bloggerfreunden gerade recht, denn das Buch soll ja harter Tobak sein...und ist es auch! Da liest es sich doch gemeinsam gleich viel "angstfreier".
Das Vorwort von Stephen King verrät leider einiges und ich würde es auf jeden Fall erst danach lesen!

Das Erschreckendste an Jack Ketchums Roman ist, dass er auf den wahren Fall von Sylvia Likens basiert.
Es ist ein Sommer in New Jersey in den 1960iger Jahren. Als erwachsener Mann blickt David auf seine Kindheit zurück und auf die Schuld, die er damals auf sich geladen hat. Eine, die er seitdem mit sich herumträgt und ihn nicht vergessen lässt.
David hatte bis zu diesem Sommer eine normale Kindheit. Meistens spielte er mit den Chandler Jungen aus dem Nachbarhaus. Ihre Mutter Ruth ist alleinerziehend und viele Kinder gehen bei ihr ein und aus. Eines Tages ziehen bei Ruth ihre zwei Nichten ein: Megan und Susan, die ihre Eltern bei einem Autounfall verloren haben. Susan ist noch immer auf ihre Krücken angewiesen, während Meg eine lange Narbe an ihrem Arm hat. David freundet sich mit Meg an, als die beiden Kinder am Bach Krebse fangen. Er verguckt sich in das etwas ältere Mädchen. Ruth ist nicht glücklich über den Neuzwachs und beginnt die beiden Mädchen zu schikanieren. Vorallem auf Meg hat sie es abgesehen. Zu Beginn noch eher harmlos, steigert sich ihr Hass auf das Mädchen rasant und wird in der zweiten Buchhälfte zur grauenhafter Folter im Bunkerkeller des Hauses. Das Schlimme daran ist, dass die alkoholkranke Ruth "nur" die Auftraggebende ist....Ausführer sind ihre Söhne und einige Nachbarkinder. David ist dabei Zuschauer, greift jedoch nicht ein.

Ich wusste bereits, dass ich hier eine sehr grausame Geschichte vor mir habe, die noch dazu auf einer wahren Begebenheit beruht. Deswegen war ich anfangs sehr überrascht, dass der Roman über lange Zeit eher ruhig war und eher an einen Coming-of-Age Roman erinnert. Als Leser stand ich ziemlich unter Spannung, weil man automatisch darauf wartet, dass das Grauen zuschlägt. Doch es schleicht sich erst langsam heran... Was als Spiel beginnt, wird zu einem Vorgang, der komplett aus dem Ruder läuft. Es wird verstörend, grausam und brutal...

Ketchum erzählt zu Beginn aus der Sicht des erwachsenen David in einer Art Rückblick, der Großteil jedoch ist aus der kindlichen Sicht des Jungen geschrieben. Man erlebt dabei Davids Gedanken und seine Gewissensbisse. Er weiß ganz genau, dass hier Unrecht geschieht, greift aber nicht ein. Hier kommen einige Aspekte zum Tragen: Manipulation, Angst, Gier, Voyeurismus und Gruppenzwang. Man kann diese Schlagworte heute genauso in anderen Situationen anwenden und wird immer wieder auf ähnliche Grausamkeiten stoßen, die in der Gemeinschaft viel schneller ausgeübt werden, als alleine.

Ketchum zeigt sehr deutlich wozu wir Menschen fähig sind. Auch beim Lesen verfällt man in eine Art Schockstarre und will doch wissen, wie es weitergeht...

Dem Autor ist hier ein Werk gelungen, das seinesgleichen sucht. Das Grauen beginnt in der Kleinstadtidylle erst unsichtbar um sich zu greifen, bis es dann ausbricht. Man kann sich in David gut hineinversetzen und Ketchum lässt einem die Frage stellen, wie man wohl selbst als 12jähriger gehandelt hätte...

In all den Jahren wurde das Buch zweimal verfilmt. Einmal mit dem gleichnamigen Titel wie die deutsche Ausgabe und einmal unter "The Girl next door". Zusätzlich gibt es noch die Verfilmung der realen Geschichte: "An American Crime". Ich weiß, dass ich mir keinen der Film ansehen werde! Ich kann in Büchern wirklich viele blutige und grauenhafte Szenen lesen, aber im Film ansehen? NEIN!


Cover:

Die ersten beiden Cover sind aus dem englischen Original, danach folgt das französische, das polnische, das spanische und das italienische Cover.

Fazit:
Ein Buch, das verdeutlicht zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind und welches zum Nachdenken anregt. "Evil" hinterlässt auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck, egal was man davon hält. Man sollte sich aber immer vor Augen führen, dass Jack Ketchum einen wahren Fall als Vorlage hatte! Nichts für Zartbeseitete!


 

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