Posts mit dem Label Fischer Krüger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fischer Krüger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Als wir uns die Welt versprachen - Romina Casagrande

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; 1. Edition (10. März 2021)
    • Übersetzer: ‎ Katharina Schmidt, Barbara Neeb
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3810500097
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3810500090
    • Originaltitel: ‎ I bambini di Svevia
    • Genre: Roman


Fischer Kurzbeschreibung:
Als die Südtirolerin Edna in einer deutschen Zeitschrift ein Bild ihres Kinderfreundes Jacob sieht, macht sie sich auf den Weg über die Alpen, um eine alte Schuld zu begleichen. Vor einem ganzen Leben mussten Edna und Jacob unter härtesten Bedingungen bei schwäbischen Landbesitzern schuften, wie Tausende arme Bergbauernkinder vor ihnen. Der Zweite Weltkrieg riss sie auseinander. Zu Fuß, mit Bus und Zug und ihrem Papagei Emil im Gepäck, beginnt Edna unbeirrt eine Reise voller berührender und überraschender Begegnungen. Dieser Roman nimmt uns mit auf einen inspirierenden Weg zu Freundschaft und Freiheit – wenn wir uns gegenseitig helfen, können wir alles schaffen. 

Meine Bewertung: * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
"Als wir uns die Welt versprachen" hat mich, als ich es in den Vorschauen gesehen habe, sofort angesprochen. Das Thema der Schwabenkinder und Südtirol sind zwei Themen, die mich interessieren. Leider hat der Roman von Romina Casagrande meine Erwartungen so gar nicht erfüllt.

Die Geschichte basiert auf zwei Zeitebenen, wobei der Gegenwartsstrang dominiert. Genau mit diesem hatte ich aber arge Probleme. Die über neunzig jährige Edna lebt mit ihrem Papagei Emil in einem Dorf in Südtirol, dem heutigen Italien. Wie die meisten Menschen in ihrem Alter ist sie deutschstämmig und wurde in ihrer Kindheit als billige Arbeitskraft über die Berge nach Schwaben geschickt. Die Eltern der Bergbauernkinder konnten sich oftmals ein zusätzliches Kind gar nicht mehr leisten und haben ihre Kinder an reiche Bauern verkauft, in der Hoffnung, dass es ihnen dort besser geht. Auch Edna erlitt dieses Schicksal und erlebte eine schlimme Zeit, wo sie oftmals schlechter als die Hoftiere behandelt wurde. Ihr einziger Freund war damals Jacob mit dem sie die Flucht vom Hof vorbereitete. Doch dann kam der Krieg dazwischen....

Als Edna in einer deutschen Zeitschrift das Foto von Jacob sieht, beschließt sie ihn aufzusuchen. Vergessen hat sie den Jungen von damals nie und so sieht sie die Entdeckung als Zeichen des Schicksals an. Anhand einer alten Karte möchte sie dieselbe Strecke, die sie vor 75 Jahren schon einmal gegangen ist, nochmals gehen....quer über die Alpen bis nach Ravensburg, wo Jacob heute lebt. Denn Edna muss noch ein Versprechen einlösen...

Romina Casagrande erzählt abwechselnd in zwei Zeitsträngen. Die Erzählung über die Erlebnisse der Schwabenkinder war herzzerreißend, der Gegenwartsstrang hingegen völlig unglaubwürdig. Die Reise über die Alpen, die die über neunzig Jährige zu Fuß (!) unternimmt, hätte sie schon nach den ersten 50 Kilometern nicht mehr erlebt. Mit einem kleinen Rucksack und einer schweren Kiste, wo sie ihren Papagei untergebracht hat, wandert sie über die Berge und gerät nicht nur an lauter Gutmenschen, sondern verliert ihre Geldbörse, kämpft gegen die Naturgewalten und wehrt sich gegen Raubvögel, die ihren Emil schaden wollen. Völlig durchnässt läuft sie zwei Tage und Nächte in den Bergen herum....da wären wohl auch schon Jüngere an einer schweren Erkältung oder Lungenentzündung gestorben. Edna aber bleibt frisch und munter. Die bereits vorhandenen körperlichen Beschwerden in ihrem Alter werden ausgeblendet und lassen oftmals jeden fitten Alpinisten vor Neid erblassen. Ihre Naivität und Planlosigkeit passt außerdem so überhaupt nicht zu ihrem Alter. Als Figur blieb mir Edna völlig fremd.
Ihr merkt schon ich bin mit der Geschichte im Gegenwartsstrang überhaupt nicht klar gekommen und konnte nur immer wieder den Kopf schütteln. Schade um die eigentliche ernste Thematik, die die Autorin mit der Geschichte um die Schwabenkinder schreiben wollte. Sie verliert sich völlig in der klamaukhaft geschriebenen Gegenwart, statt die Vergangenheit in den Vordergrund zu stellen. Diese erzählt sie berührend und voller Emotionen. Zusätzlich verliert sich die Autorin in Details und unwichtigen Nebenhandlungen.

Als Deutschlehrer würde ich jetzt sagen: Thema verfehlt und nicht genügend. Als Leserin sage ich ...schade um den guten Plot und die Erzählung in der Vergangenheit, die mich überzeugen konnte. Leider muss ich aber das Gesamtwerk betrachten und gebe daher 2 Sterne (für die Geschichte in der Vergangenheit und den flüssigen Schreibstil)...das war's aber auch schon.

Cover:


Bisher scheint der Roman nur vom Italienischen ins Deutsche übersetzt worden zu sein. Andere Ausgaben habe ich nicht gefunden.

Fazit:
Das war leider gar nicht meins! Eine völlig an den Haaren herbei gezogene Geschichte in der Gegenwart, die den berührenden Vergangenheitsstrang über das Leiden der Schwabenkinder völlig ruiniert. Schade um die eigentliche ernste Thematik, die die Autorin schreiben wollte. Leider total am Thema vorbei! Ich gebe hier keine Leseempfehlung!


Die englische Fürstin - Sabine Weigand




    • Broschiert: 576 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 1. (28. August 2019)
    • ISBN-10: 381053059X
    • ISBN-13: 978-3810530592
    • Genre: Historischer Roman



Fischer Krüger Kurzbeschreibung:
Debütantin, Fürstin, Kämpferin – der dramatische Roman über den Weg einer starken Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts Sie ist die schönste Debütantin Londons, ihr Heirat führt sie 1891 ins deutsche Kaiserreich. Doch in der kalten Pracht von Schloss Fürstenstein fühlt sich Daisy einsam und unsicher. Ständig eckt sie an, das steife Zeremoniell nimmt ihr den Atem. Muss sie das alles hinnehmen? Daisy wagt es, Regeln über den Haufen zu werfen, bezaubert mit ihrem Charme den Hof und selbst den Kaiser. Gleichzeitig beginnt sie im Geheimen einen gefährlichen Kampf gegen das Elend der Armen, der Grubenarbeiter in Schlesien. Aber was ist mit ihrem eigenen Glück? Darf sie eine Liebe leben, die alles gefährdet, was sie erreicht hat?

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Im historischen Roman "Die englische Fürstin" - zwischen Glanz und Rebellion, begleiten wir Daisy von Pless durch ihr bewegtes Leben am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mary Theresa Olivia Cornwallis-West, genannt Daisy, stammt aus altem verarmten englischen Adel. Sie wächst eher ungezwungen und mit wenig Bildung auf, obwohl sie zum elitärsten Kreis der englischen Aristokratie gehört. Ihre Schönheit lässt sie zum strahlenden Mittelpunkt werden, als sie debütiert. Die Männer umschwärmen sie wie Motten das Licht und Daisy träumt von einer Liebesheirat, doch ihre Mutter hat eigene Pläne. Sie verheiratet ihre Tochter an den 12 Jahre älteren und schwerreichen Hans Heinrich von Pless. Der Deutsche bringt das gewünschte Geld ins Haus und die "von Pless" steigen in der Gunst des deutschen Kaisers auf. Daisy muss ihr Leben in England hinter sich lassen und kommt völlig unvorbereitet im pompösen Schloss Fürstenstein an. Sie hat weder Ahnung vom Eheleben, noch von der strengen Etikette des deutschen Adels. Das Personal wird ignoriert und nicht angesprochen, ganz anders als sie es von ihrem Zuhause gewohnt ist. Daisy fühlt sich einsam und unglücklich an der Seite des strengen und kühlen Hans. Bei Bällen und Pferderennen verzaubert sie die Aristokratie und selbst den Kaiser, einzig Hans bleibt steif und zurückhaltend. Als sie mitbekommt, wie die Arbeiter in den Kohlegruben ihres Mannes ausgebeutet werden, beginnt sie sich sozial zu engagieren. Ihr Mann versucht mit vielen Mitteln ihre Hilfsbereitschaft und ihre Anteilnahme zu unterbinden. Doch Daisy findet Mittel und Wege den Ärmsten der Armen zu helfen.Als der Erste Weltkrieg ausbricht ist sie trotz ihrer Stellung am Hofe plötzlich die Feindin im eigenen Land. Daisy, die sich immer für Frieden einsetzte, gerät zwischen die Fronten....

In einem zweiten Handelungsstrang lernen wir Joschi Siebenbürger kennen. Als sein Vater bei einem Grubenunglück in der Grube bleibt, ist es an ihm die Familie zu ernähren. Der erst 9jährige wird ebenfalls unter Tag geschickt, wird jedoch Pferdebursche. Die aufkeimende Liebe zu den Pferden ist für Joschi wie ein Lebensexelier. Er wird zum Pferdeflüsterer und landet schlussendlich in den Stallungen von Hans von Pless, wo auch Daisy auf ihn aufmerksam wird.
Sabine Weigand hat sich in ihrem neuem historischen Roman dem Leben dieser interessanten Frau angenommen, die Ende des 19. Jahrhunderts debütiert und nach Deutschland verheiratet wird. Sie hält sich dabei sehr nah an die historischen Fakten. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist unbeschreiblich. Während Hans und Daisy in Indien auf Tigerjagd gehen und der Schlossumbau Millionen verschlingt, leben achtköpfige Familien in zwei Räumen und nagen am Hungertuch. Krankheiten und harte Arbeit, Seuchen und Hungersnöte sind allgegenwärtig, während der Adel rauschende Feste feiert. Durch ihren Stallburschen Joschi kommt sie mit der ärmlichen Bevölkerung in Berührung und versucht den Armen zu helfen und unter die Arme zu greifen. 
Daisy von Pless entwickelt sich im Laufe der Jahre von einem naiven jungen Ding zu einer beeindruckenden jungen Frau, die die strengen Fesseln des Adels zu sprengen versucht. Ihre politische Weitsicht hat mich ebenfalls beeindruckt.

Sabine Weigand hat wieder einen beeindruckenden und informativen historischen Roman geliefert, der das Leben von Daisy von Pless schildert. Ihre Geschichte wird in verschiedenen Erzählformen vermittelt. Die Autorin lässt die Hauptprotagonistin aus ihrer Sicht, aber auch aus der von Joschi erzählen. Ebenso gibt es einen allwissenden Erzähler. Zeitungsausschnitte, Briefe von Daisy an ihre Familie in England und Auszüge aus ihrem Tagebuch runden die Geschichte ab und geben ihr noch mehr Authentizität. Durch einige Wiederholungen und etwas ausschweifende Erzählungen haben sich leider auch ein paar kleine Längen in den Roman geschlichen und eine kleine (fiktive) Episode fand ich unglaubwürdig.

Schreibstil:
Die Autorin schreibt lebendig und detailliert. Man merkt sofort, dass Sabine Weigand Historikerin ist. Die gekonnte Verknüpfung von Historie und Fiktion ist ihr absolut gelungen.
Auf dem Cover des Romans befindet sich ein Foto der Hauptprotagonistin, als auch vor jedem größeren Abschnitt des Buches, das in vier Teile gegliedert ist. Über den Kapitel befinden sich Zeit- und Ortsangaben.

Im Nachwort informiert Sabine Weigand den Leser darüber, welche Passagen historisch belegt sind und welche ihrer schriftstellerischen Freiheit entspringen. Ein Personenverzeichnis rundet dieses wunderbare Buch noch ab.

Fazit:
Ein gelungenes und informatives Portrait einer starken Frau, die sich gegen die Konventionen auflehnt und die Ärmsten unterstützt. Sabine Weigand hervorragend recherchierter Roman, der gekonnt Historie und schriftstellerische Freiheit verknüpft, lässt einem tief in die Zeit, wo Frauen keinerlei Rechte hatten, blicken. Für Freunde historischer Romane, die über das Schicksal einer starken Frau ihrer Zeit lesen möchten.

Vielen Dank an den Fischer Kürger Verlag für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks.

Wir gegen euch - Fredrik Backman



    • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 2. (28. August 2019)
    • Übersetzer: Antje Riek-Blankenburg
    • ISBN-10: 3810530441
    • ISBN-13: 978-3810530448
    • Originaltitel: Vi mot er
    • Genre: Gegenwartsliteratur
    • Reihe: ja - Band 2 um Björnstadt/Beartown 2



Fischer Krüger Kurzbeschschreibung:
Die Menschen von Björnstadt haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzer Ort auseinanderbricht. Und sie wollen nur eines: wieder zusammenfinden. Um eine Zukunft zu schaffen für alle. Dafür braucht es etwas, an das sie glauben können. Etwas, das sie zusammenbringt. Doch der Kampf darum wird einer auf Leben und Tod.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Ankündigung der Leserunde bei Lovelybooks zu Fredrik Backman's zweiten Band rund um Björnstadt hat mich total überrascht. Obwohl ich regelmäßig auf meinem Blog eine Monatsvorschau der Neuerscheinungen poste, ist mir "Wir gegen euch" tatsächlich durch die Lappen gegangen! Umso mehr habe ich mich über eine Fortsetzung von "Kleine Stadt der großen Träume" gefreut und noch mehr, als ich tatsächlich ein Exemplar gewonnen habe.

Fredrik Backman´s Bücher sind meiner Meinung sehr unterschiedlich ausgefallen. "Ein Mann namens Ove" und "Britt-Marie war hier" sind amüsante Romane mit schrulligen Protagonisten und haben mir gefallen. "Oma lässt grüßen und sagt es tut ihr leid" mochte ich hingegen gar nicht. "Kleine Stadt der großen Träume", Teil 1 der "Beartown-Reihe", war bereits anders und hat von mir die volle 5 Sterne-Anzahl bekommen. Die Geschichte war gesellschaftskritisch und bot vorallem eine unvergleichliche Atmosphäre. Zusätzlich hat mir Backman noch das Eishockey näher gebracht.
Kaum hatte ich die ersten Seiten gelesen, fühlte ich mich wieder in Björnstadt angekommen. Wer Teil Eins nicht kennt, sollte keinerlei Schwierigkeiten haben in den Roman zu finden, denn der Autor geht auf die wichtigsten Ereignisse nochmals ein. Und wer tatsächlich einiges vergessen hat, der wird sich sehr bald wieder an viele Begebenheiten zurückerinnern....

In der Fortsetzung wird es um einiges bedrückender. Nach den schrecklichen Zwischenfällen im ersten Band wollen die Menschen in Björnstadt wieder zusammenfinden, doch dann soll der Eishockey-Club geschlossen werden. Eine Katastrophe, wo doch der Eishockeysport für die Menschen in der kleinen Stadt das Lebensexelir ist. Obwohl ich noch immer kein Eishockeyfan bin, fand ich das Thema, welches sich wieder wie der rote Faden durch die Geschichte zieht, auch diesmal wieder spannend erzählt. Denn eigentlich bewirkt der Autor mit seinem Roman etwas ganz anderes: Es geht es um das Zwischenmenschliche. Obwohl Backman die Handlungen aus großer Distanz beleuchtet, sind es keine aufeinanderfolgenden Geschehnisse, sondern man lebt mit allen Figuren mit. Man verspürt genauso Wut, Trauer, Hass, Verzweiflung, Vergebung, Mut und Liebe. Und genau das kann Fredrik Backman so lebendig und gefühlvoll beschreiben, dass man sich nicht als Beobachter fühlt, sondern einfach mit den Figuren alles durchlebt, was in der Kleinstadt passiert. Da wird gemobbt, gekämpft, geschmiert und getrauert.

Die komplexe Handlung ist keine leichte Kost und die tragischen Augenblicke überlagern den Roman. Trotzdem konnte mich die Geschichte wieder emotional packen. Die schnellen Perspektivwechsel und einige Cliffhanger lassen einem das Buch kaum aus der Hand legen.
Trotz der vielen Charaktere hat man keine Probleme diese auseinander zu halten oder das Gefühl zu haben, man wäre auf zu vielen "Baustellen". Viele Figuren kennt man bereits aus dem ersten Band, wie Maya, Peter, Ana, Bobo, Amat oder Benji. Zwei sehr facettenreiche Neuzugänge sind Elisabeth Zackell, die neue Trainerin und der schmierige Politiker Richard Theo. Konfliktsituationen sind somit vorprogrammiert.

Hass und Gewalt dominieren in vielen Teilen und verbreiten manchmal auch eine Hoffnungslosigkeit, die die Stimmung öfters regelrecht drückt. Trotzdem gelingt es Backman immer wieder mit einer Prise Hoffnung oder witzigen Szenen, wie z. Bsp. in Ramonas Lokal "Bärenpelz", diese auszugleichen.
Regelrecht gefangen nahmen mich die tiefgründigen Zitate und Metaphern, die diesen Roman einfach unvergleichlich machen.
Mit einem hoffnungsvollen Ende versöhnt der Autor  sich mit dem Leser, den er auf diesen 544 Seiten durch eine Achterbahn der Gefühle geschickt hat. Grandios!

Cover:

von links nach rechts die Ausgaben aus Rumänien, Schweden, England, Burlgarien, Niederlande und Tschechien 
Fazit:
Fredrik Backmann erzählt nicht nur die Geschehnisse, er beleuchtet sie aus großer Distanz, philosophiert und schildert seine Gedanken und Eindrücke auf hohem Niveau. Der Schreibstil ist einzigartig und man würde am liebsten den Bleistift zücken und alle tiefsinnigen Zitate niederschreiben. Ich bin auch von Teil zwei von "Beartown" begeistert und gebe eine Leseempfehlung!
Vielen Dank an den Fischer Krüger Verlag und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar

Die Reihe rund um Björnstadt:
  1. Kleine Stadt der großen Träume  *Rezi*
  2. Wir gegen euch

Ein Cottage für deinen Sommer - Viola Shipman

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 448 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 3. (24. April 2019)
    • Übersetzer: Anita Nirschl
    • ISBN-13: 978-3810530646
    • Originaltitel: The Summer Cottage
    • Genre: Familienroman, Gegenwartsliteratur



Fischer Kurzbeschreibung:
Adie Lou verbrachte die Sommerferien als Kind im Cottage ihrer Eltern am Michigansee. Damals waren Schwimmreifen und Angeln genug für das Glück endlos scheinender Tage am Wasser. Auf der Suche nach diesem Gefühl gibt sie nach ihrer Scheidung ihre Stelle in Chicago auf und zieht an den See. Wird es ihr gelingen, das Ferienhaus ihrer Familie in ein stylisches und gemütliches Inn umzubauen? Und wer wird ihr helfen, ihren Traum zu verwirklichen?

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der amerikanische Autor Waden Rouse schreibt unter dem Pseudonym Viola Shipman, dem Namen seiner Großmutter, nette Wohlfühlromane. Das Cover seines neuersten Buches passt nicht wirklich zu den Vorgängerromanen, bei denen man durch die ähnliche Covergestaltung sofort die Assoziation mit dem Autorennamen Viola Shipmann verbindet. Das ist schade, obwohl ich dieses neue Cover eigentlich ansprechender finde und es auch perfekt zum Sommer und dem Inhalt passt.

In jedem Buch des Autors geht es um bestimmte Familienerbstücke. Diesmal haben wir es mit einer Blockhütte zu tun.
Die Idee zur Geschichte für "Ein Cottage für deinen Sommer" kam Shipman durch Erinnerungen an seine eigene Kindheit und der Blockhütte seiner Großeltern in Missouri. Seine Hauptprotagonistin Adie Lou erlebt ähnliches: unbeschwerte Sommer in ihrer Kindheit im Sommerhäuschen am Michigansee ihrer Eltern. Als sie mit Mitte Vierzig vor der Scheidung steht, soll das Creaky Cottage, wie es ihre Eltern nannten, verkauft werden. Adie Lou entscheidet sich dagegen und beschließt ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Ihren Plan, das heruntergekommene Cottage in ein Bed & Breakfast mit Wohlfühlambiente umzuwandeln, wird mit der Zeit immer schwieriger. Adie Lou stößt auf ein Hindernis nach dem anderen.

Ich liebe Geschichten, in den Frauen einen Neuanfang wagen und ihr altes Leben auf den Kopf stellen. Das gibt mir immer wieder etwas Zuversicht, dass ich es vielleicht auch schaffen könnte, wenn es sein muss. Allerdings sollte es nicht zu "märchenhaft" ausarten, sondern realistisch bleiben. Das ist leider bei "Ein Cottage für deinen Sommer" nicht ganz passiert. Zu zuckersüß und simpel gestaltet sich Adie Lous Plan ohne wirklich viel Geld das Cottage zu einer richtigen Wellness-Oase umzugestalten. Die rosarote Brille, die der Autor bei seinen Geschichten auf hat, ist mir einfach zu viel des Guten.

Das beginnt bei den Renovierungsarbeiten, die Adie Lou in das Cottage steckt. Sie hat kein Geld und woher sie es nimmt, wird eigentlich nie richtig erwähnt. Es wird zwar einmal angedeutet, dass ihre Anwältin den Exmann "so richtig bluten lassen will", aber ob sie Erfolg hatte und wirklich Geld geflossen ist, kommt nie zur Sprache. Thema ist jedoch immer wieder, dass die Kosten immer mehr ansteigen und Adie Lou trotzdem nur das Beste von Besten in ihrer neuem Bed & Breakfast verarbeitet haben möchte. Ich renoviere momentan selbst und konnte bei den Beschreibungen einfach nur den Kopf schütteln, so blauäugig wird alles beschrieben! Man erkennt ganz genau, dass der Autor wohl noch nie selbst Hand angelegt hat. Alle Probleme und Unanehmlichkeiten lösen sich in Luft auf. Zu guter Letzt wird auch noch Adie Lou's Erzfeindin ganz plötzlich zur begeisterten Unterstützerin....pfff.

Die Charaktere sind ebenfalls etwas eindimensional. Alle sind fröhlich und helfen einander und die Probleme werden mit ein paar netten Floskeln hinweg gewischt. Wenn es doch nur so einfach wäre!! Sicherlich möchte ich mich bei einem Wohlfühlroman auch entspannen und dem realen Leben ganz gern entkommen, aber bitte mit etwas weniger Kitsch und rosaroter Brille!

Auch die Liebesgeschichte fand ich nicht wirklich plausibel bzw. brachte in mir keinerlei Gefühlsregung zustande.
Einzig mit der wundervollen Beschreibung des Häuschens und der Landschaft hat Shipman die Szenerie großartig zum Leben erweckt. Das Setting des Romans ist wirklich gelungen und erweckt Sehnsüchte. Was mich überrascht hat war allerdings, dass der Großteil des Romans nicht im Sommer, sondern im Winter spielt und Adie Lou die meiste Zeit fror. Nicht sehr passend zu Titel und Cover....

Für mich war es das zweite Buch des Autors und mein letztes. Seine Romane sind mir zu klischeehaft, zu "amerikanisch" (es werden sehr viele Beispiele von Filmen, Sitcoms usw. eingestreut, die hier in Europa kein Mensch kennt und somit auch oft die Pointen nicht verständlich sind) und zu oberflächlich.

Es tut mir leid...ich lese gerne einen Wohlfühlroman zwischendurch, aber dann sollte er wenigstens teilweise realistisch bleiben! Zugute halten kann ich dem Autor jedoch, dass er mit seinen Romanen an Erinnerungen an die Familie festhält und dem Leser immer wieder zu erklären versucht, dass man sich an kleinen Momenten erfreuen soll.

Cover:
 
Zwei englischsprachige Cover habe ich gefunden, die ich euch zeigen kann 

Fazit:
Mir war dieser Roman einfach zu klischeehaft, oberflächlich und "amerikanisch"...sorry! Die Umsetzung der netten Idee gefiel mir leider nicht wirklich, aber bitte bildet euch selbst eine eigene Meinung, denn viele Leser fanden es sehr gut....Geschmäcker sind eben verschieden! (Gott sei Dank!)

Heute schon für morgen träumen - Lori Nelson Spielman

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 400 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 3 (26. September 2018)
    • Übersetzer: Andrea Fischer
    • ISBN-10: 9783810530622
    • ISBN-13: 978-3810530622
    • Originaltitel:  ???? 
    • Genre: Familienroman, Liebesroman



  Fischer Krüger Kurzbeschreibung:
Als Emilia auf dem New Yorker Flughafen ihre verrückte 79-jährige Großtante Poppy trifft, bekommt sie plötzlich Angst vor der eigenen Courage. Warum hat sie bloß deren Einladung zu dieser weiten Reise nach Italien angenommen? Poppy tut so, als wüsste sie allein, was im Leben wichtig ist: etwas riskieren, Erfahrungen sammeln und sich selbst dabei treu bleiben. Das Leben als bunten Strauß an Möglichkeiten genießen – lache laut, singe falsch, liebe innig! Ist vielleicht etwas dran an dem, was Poppy sagt? Emilia wagt es: Sie tanzt auf Brücken, umarmt die Sonne und genießt die Magie des Augenblickes. Dabei kann wohl kaum etwas schiefgehen, oder?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Emilia ist New Yorkerin mit italienischen Wurzeln und arbeitet in der familieneigenen Bäckerei. Die 29jährige macht die besten italienischen Leckereien, während ihr Vater im Laden verkauft und Nonna Rosa alles mit ihren Argusaugen überwacht. Die alte Dame bestimmt das Leben ihres Schwiegersohnes und ihrer Enkelin. Emilia lebt ein sehr zurückgezogenes Leben, das außer Arbeit und der Freundschaft zu ihrem platonischen Freund Matt keinerlei Höhepunkte oder Freude beinhaltet. Ihre ältere Schwester Daria nutzt Emilia aus und ihre Großmutter Rosa ist ein richtiger Drachen. Doch Emilia ist das normal, denn sie ist eine Zweitgeborene und diese sind laut einer Familiengeschichte verflucht. Alle Frauen aus der Familie Fontana, die als zweite Tochter geboren werden, bleiben unverheiratet und ohne Familie. Eigentlich glaubt Emilia ja nicht daran, aber steckt vielleicht nicht doch ein Körnchen Wahrheit dahinter?
Als Emilia eine Einladung von ihrer Tante Poppy erhält, die sie zu ihrem 80.Geburtstag nach Italien mitnehmen möchte, ist Emilia zuerst entzückt, doch Nonna Rosa verbietet ihr den Flug. Poppy ist das schwarze Schaf der Familie und wird von allen gemieden. Doch erstmals widersetzt sich Emilia und fliegt gemeinsam mit Poppy und ihrer Kusine Lucy, ebenfalls eine Zweitgeborene nach Italien. Poppy will den Mädchen beweisen, dass dieser Fluch nur dummer Aberglaube ist. Von Venedig bis Florenz und weiter an die wunderschöne Amalfiküste sind die drei Frauen unterwegs. Doch das Ziel ist die Kathedrale von Ravello, wo Poppy ihre große Liebe Erich wiedersehen möchte. Ein Versprechen, das sich die Beiden vor 60 Jahren gegeben haben, soll hier eingelöst werden.

Die Geschichte wird in der Gegenwart aus Emilias Sicht erzählt, während immer wieder Kapitel aus der Vergangenheit eingeblendet werden, die Poppy ihre Geschichte erzählen lassen. Diese beginnt in den späten 50iger und frühen 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts und erzählt vom Wunsch der Familie Fontana ín die USA auszuwandern und vorallem von der großen Liebe Poppys.

Emilia verhält sich absolut untypisch für eine 29jährige Frau. Ich hätte ich zu Beginn am liebsten geschüttelt und gefragt, was sie da tut bzw. nicht tut. Sie lässt sich von ihrer Großmutter behandeln wie ein unmündiges Kind. Diese bestimmt ihr Leben genauso, wie das ihres Vaters. Durch Poppys Einladung widersetzt sie sich erstmals einem Verbot ihrer herrschsüchtigen Nonna und lernt endlich das Leben kennen.
Auch die flippige Lucy, die Liebe mit Sex verwechselt und unbedingt den Fluch brechen möchte, indem sie jede Nacht einen anderen jungen Mann in ihr Bett lässt, verwandelt sich zu einer jungen Frau, die ihren Weg findet.
Poppy ist ein äußerst liebenswerter Charakter und versprüht die Energie, die eigentlich Emilia in sich tragen sollte. Sie ist voller Lebensfreude und glaubt immer an das Gute im Menschen,. Sie ist bunt, schrill, aber auch schwer krank. Ihr Ziel ist es ihre große Lebensliebe nocheinmal zu sehen und den beiden Enkelinnen zu zeigen, was das Leben alles für sie bereithalten kann, wenn sie es nur zulassen. Ihr Motto: "Deine Träume warten nicht auf morgen - dein Leben ist JETZT!"

Die Autorin wollte unbedingt diese Geschichte aus der Vergangenheit in ihrem Roman einbauen, nachdem sie einen Brief eines deutschen Renters erhalten hat, der 1965 aus der ehemaligen DDR geflüchtet ist. Sein Lebensweg ließ sie nicht los und so hat sie eine ähnliche Figur in ihrem neuen Roman erschaffen (Quelle: Amazon).
Was ich komisch finde ist, dass ich weder ein englisches Originalcover noch -titel gefunden habe. Auf der Homepage der Autorin scheinen generell nur zwei Bücher auf, wo doch im Deutschen schon vier Romane veröffentlicht wurden....hm.

Der Vergangenheitspart hat mir sehr gut gefallen und es war interessant, wie Poppy all den Hürden, die ihr in den Weg gestellt werden, den Kampf ansagt. Trotz vieler schweren Enttäuschungen und den großen Zwist mit ihrer Familie, verliert sie nie ihren Lebensmut.
Den Rest fand ich allerdings etwas kitschig, klischeehaft und vorhersehbar. Die Idee mit dem Fluch rund um alle Zweitgeborenen, fand ich etwas weit hergeholt. Auch wenn sich der Roman gut lesen lässt und die Autorin auch Spannung aufgebaut hat, so ist es im Großen und Ganzen ein Buch zum Abschalten und Zürücklehnen....eben leichte Unterhaltung.

Fazit:
Ein sehr leichter und etwas klischeehafter Roman, dessen Vergangenheitsstrang mir gut gefallen hat. Den Rest fand ich allerdings teilweise etwas unglaubwürdig und zu vorhersehbar. Trotzdem klebte ich an der Geschichte und hatte sie ziemlich schnell durch. Ein Buch zum Abschalten und Zürücklehnen mit italienischen Flair.


Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie - Rachel Joyce



    • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 2 (29. Dezember 2017)
    • Übersetzer: Maria Andreas
    • ISBN-10: 3810510823
    • ISBN-13: 978-3810510822
    • Originaltitel: The Music Shop
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Fischer Kurzbeschreibung:
Mister Frank hat eine besondere Gabe: Er spürt, welche Musik die Menschen brauchen, um glücklich zu werden. In Franks Plattenladen in einer vergessenen Ecke der Stadt treffen sich Nachbarn, Kunden und die anderen Ladenbesitzer der Straße und hören Klassik und Jazz, Pop und Punk. Keiner weiß, wie lange sie hier noch überleben können. Da taucht eines Tages die Frau in Grün vor Franks Schaufenster auf. Sosehr er sich auch bemüht, Frank kann einfach nicht hören, welche Musik in ihr klingt ...

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Hufis großen Stall Challenge

Meine Meinung:
Der neue Roman  von Rachel Joyce spielt Ende der Achziger Jahre als Vinylplatten noch das Um und Auf waren um Musik außerhalb des Radios hören zu können. Ich kann mich noch gut erinnern und habe mir damals mit meinem ersten selbst verdienten Geld einen großen Wunsch erfüllt: eine Stereoanlage. Diese besitze ich noch heute - selbstverständlich mit jeder Menge Schallplatten dazu. Außer dem Kassettendeck funktioniert noch alles 😊

Die Liebe zu den schwarzen Platten sind der rote Faden in diesem Roman und Franks große Leidenschaft. In seinem Schallplattenladen, in dem es keine CDs gibt, die gerade dabei sind den Markt zu erobern, findet er für jeden Kunden die richtige Schallplatte. Er entdeckt tief in den Menschen die Töne und Melodien, die dieser gerade braucht, um glücklich zu sein. Doch eines Tages steht eine junge Frau in einem grünen Mantel vor seiner Auslage und fällt in Ohnmacht. Als er einen Blick in ihr Gesicht wirft, hört er weder Töne noch Melodien, sondern nur Stille....

"Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance"🎵 🎵 - Yehudi Menuhin (Geiger, Bratschist und Dirigent)

Franks Plattenladen befindet sich in einer entlegenen Einbahnstraße. Durch den Bau von großen Einkaufszentren in der Umgebung und dem allmählichen Aufkommen der CD werden die Kunden immer weniger. Das spüren auch die anderen Geschäfte in der Unity Street. Außer Franks Plattenladen haben sich noch ein Tattoo Studio, ein Beerdigungsinstitu, eine Bäckerei und ein christlicher Ramschladen gehalten. Die Zeiten sind schlecht und fast jeder der Geschäftsinhaber hat bereits einen Brief von einer Wohnbaufirma erhalten, die ihnen im Gegenzug für ihre Geschäftsräume neue Wohnräume anbieten. Doch Frank ist ein Idealist und er denkt gar nicht daran sein Leben in der Unity Street zu verändern. Er weigert sich auch hartnäckig CDs in seinen Laden aufzunehmen, selbst als ihm seine Händler mit Konsequenzen drohen.

Frank ist nicht nur ein fabelhafter Musikkenner. Er hört seinen Mitmenschen zu und versucht mit seinem besonderen Talent anderen zu helfen. Hat jemand Probleme kommt er zu Frank in den Schallplattenladen und verlässt diesen mit frohem Herzen wieder. Nur wenn es um Frank selbst geht, dann ist er völlig unbeholfen. Als er sich in die Fremde mit dem grünen Mantel verliebt, ist er vollkommen hilflos. Hat ihn doch schon seine Mutter eingetrichtert, dass die Liebe nur Schmerz bringt. So schlittert er von einem Missverständnis zum nächsten. Als das Geheimnis der Frau im grünen Mantel enthüllt wird, es ist für Frank und sie fast zu spät....

In einem weiteren Erzählstrang wird in die Vergangenheit von Frank zurückgeblendet. Man erfährt, wie unkoventionell er erzogen wurde. Seine Mutter brachte ihm die Musik näher, wie es sonst kaum jemand vermag. Auch wenn sie in der weiteren Erziehung versagte, war dies für Frank der Grundstein für seine Leidenschaft zur Musik und zu seinem ganz speziellen Einfühlungsvermögen.

Die Figuren in diesem Roman sind alle skurril und Außenseiter. Doch die Gemeinschaft in ihrer Straße wird groß geschrieben und gemeinsam stellen sie sich gegen den Verkauf ihrer Lebensexistenzen. Auch wenn Maud, Kit, Pater Anthony oder die Williams Brüder auf wenige Charakterzüge reduziert sind, sind sie liebevoll gezeichnet und man schließt sie im Laufe der Geschichte immer mehr ins Herz.

Der letzte Erzählstrang ist im Jahre 2009 angesiedelt. 21 Jahre später treffen wir wieder auf unsere Charaktere und die Geschichte findet ein etwas zu schnelles Ende....als ob man auf eine Taste drückt, die die Handlung schneller laufen lässt...

Der Roman ist sehr ruhig und hat in der Mitte ein paar kleine Längen. Die Liebesgeschichte konnte mich nicht wirklich überzeugen. Trotzdem besitzt der Roman einen gewissen Charme und man beginnt beim Lesen selbst über einige Dinge nachzudenken und sein Leben zu reflektieren. Außerdem hat man immer wieder den einen oder anderen Song im Ohr.
Am Ende sind alle erwähnten Lieder in einer Playlist zusammengefasst.

Schreibstil:
Rachel Joyce schreibt sehr gefühlvoll, poetisch, aber auch mit Humor. Die Geschichte liest sich flüssig und die Autorin versteht es perfekt Franks Talent zu beschreiben und selbst die Musik darzustellen. Das ist alles andere als einfach und wurde von Rachel Joye wirklich gekonnt veranschaulicht.Viele der Kapitel sind mit Songtitel beschrieben.

Cover:

Die ersten drei Cover sind alle englischsprachig. Das auffällige rote Cover habe ich auch mit englischem Titel entdeckt. Hier ist es jedoch das niederländische, das sofort ins Auge sticht. Das deutsche Cover hat sich an die Vorgaben des zweiten Covers von links orientiert, was Farbe und Schattenfiguren betrifft.

Fazit :
Eine märchenhafte Geschichte mit skurillen Charakteren rund um den Zauber der Musik. In der Mitte tritt die Handlung leider in bisschen auf der Stelle. Wer ruhige Geschichten mit kauzigen Figuren rund um das Thema Musik mag, dem kann ich das Buch ans Herz legen. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt, ein Lächeln aufs Gesicht zaubert und mich wieder in alten Schallplatten kramen lässt.


Kleine Stadt der großen Träume - Fredrik Backman




    • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 2 (26. Oktober 2017)
    • Übersetzer: Antje Rieck-Blankenburg
    • ISBN-10: 3810530433
    • ISBN-13: 978-3810530431
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Drama



Fischer Kurzbeschreibung:
Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Eigentlich hatte ich nicht wirklich vor den neuen Roman von Fredrik Backman zu lesen. "Ein Mann namens Ove" hat mit gut gefallen und hatte einen bösen Humor und einen schrulligen Protagonisten. Ein Buch, das mich gut unterhalten hat. Bei der Verfilmung habe ich allerdings nach der Hälfte den TV abgedreht....
Dann las ich "Oma lässt grüßen und sagt es tut ihr leid", das ich fast abgebrochen habe. Der Roman hat mir überhaupt nicht gefallen. Da ich es normaler Weise dreimal mit einem Autor versuche und mich Ole ja großteils überzeugen konnte, habe ich dann auch noch "Britt-Marie war hier" gelesen, das gerade noch 3 Sterne absahnte. Da alle drei Romane einen satirischen Touch hatten, war ich überrascht diesen bei "Kleine Stadt der großen Träume" NICHT zu finden und das war für mich ein großes Plus.

Dieser wundervolle Roman enthält sehr viel Gesellschaftskritik und hat mich erst so wirklich nach den ersten 70 - 100 Seiten gepackt. Zuerst werden Personen und Charaktere vorgestellt und welche Bedeutung das Eishockey für die kleine Stadt hat. Dies zog sich etwas in die Länge, doch ist rückblickend notwendig. Doch das Durchhalten hat sich gelohnt, denn danach konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Das Hauptthema, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, ist der Eishockeysport...der mich noch nie wirklich interessiert hat. Warum es mir trotzdem super gefallen hat?
Das Drama, das sich rund um die Einwohner entwickelt, beginnt nämlich nach diesen ersten hundert Seiten. Denn danach steht Eishockey zwar immer noch im Mittelpunkt, doch die Story entwickelt sich zu einem Gesellschaftsdrama....und das so spannend, dass man mit den Einwohnern der Stadt richtig mitfiebert.

Björnstadt ist eine kleine schwedische Stadt, die man eher verlässt, als zuzieht. Die Infrastruktur ist schlecht, die meisten großen Firmen sind bereits umgesiedelt. Das Einzige, was die Björnstädter gut können, ist Eishockey spielen. Die Hoffnungen und Träume einer ganzen Gemeinschaft richten sich auf den Erfolg der Junior-Hockey-Mannschaft, die im Viertelfinale steht. Würden es die Jungs ins Halbfinale schaffen und danach sogar gewinnen, würde Björnstadt die Unterstützung von Sponsoren und Politikern erhalten, die sie sich jahrelang gewünscht haben....und jahrelang übergangen wurden. Doch dann passiert etwas Unvorhergesehenes in der kleinen Stadt und es beginnt eine Hexenjagd, die mich wahrlich schockiert hat. Wie hoch darf der Preis sein, um die gewünschte Unterstützung zu erhalten und den Sieg nach Björnstadt zu holen? Steht der Club über einem einzigen Menschenleben oder dem einer Familie?

Fredrik Backman hat hier ein hochbrisantes Thema aufgegriffen. Moral und Gerechtigkeit stehen in diesem Roman im Vordergrund. Es geht ihm dabei nicht nur um die Menschen in der Stadt, die Eishockey lieben, sondern auch um diejenigen, die damit wenig anfangen können, nicht gut genug sind oder aus der falschen Gesellschaftsschicht kommen. Diese Menschen haben oft gar keine Chance und sind sehr schnell ausgeschlosssen. Es geht um soziale Ausgrenzung und moralische Prinzipien. Dieses Buch war eine emotionale Achterbahnfahrt. Manchmal fühlte ich mich inspiriert, oftmals war ich absolut empört. Es machte mich froh und traurig zugleich.

Die Charaktere sind authentisch und vielschichtig gezeichnet. Es gibt kein schwarz und weiß. Alle entwickeln sich weiter und sind nicht stereotyp. Backman erzählt aus vielen Sichtweisen und lässt den Leser die Gedanken seiner Protaginisten mitteilen. Wir lernen Peter kennen, ein ehemaliger Profispieler, der nun der Sportdirekor des Clubs ist, seine Frau Mira, eine Juristin, die nur ihm zuliebe von Kanada in seine Heimatsatdt gezogen ist, ihre 16-jährige Tochter Maya und deren Freundin Ana, sowie einige Spieler der Juniorenmannschaft: Kevin, Benji, Bobo und Amat, wie auch deren Trainer David, um nur einige aufzuzählen Durch die eher düstere Stimmung des kalten schwedischen Winters, der dunklen Wälder und der oftmaligen Hoffnungslosigkeit der Björnstädter, hat die Geschichte auch etwas Dunkles. Sie zieht aber den Leser nicht hinab - im Gegenteil. Man bekommt hier eine geballte Dosis vieler Gefühlseben: Wut, Verzweiflung, Unglauben, Trauer, Überlegenheit, Freude und Tragik.

Fredrik Backman hat mir nicht nur die Faszination des Eishockey näher gebracht (auch wenn ich kein Fan geworden bin, aber dieser Enthusiasmus für eine Sportart lässt sich auf jede X-beliebige ummünzen!), sondern mich mit diesem Gesellschaftsdrama wirklich überzeugt. Facettenreiche Charaktere, unvorhersehbare Wendungen und ein Schreibstil der seinesgleichen sucht, haben mir hier wunderbare und aufwühlende Lesestunden bereitet.

Cover:
Ganz links die beiden englischsprachigen Cover, danach zwei schwedische, das ungarische, das tschechische und das Cover aus Island. Ich finde sie größtenteils wirklich alle toll! Auf den meisten erkennt man sofort den Bezug zum Eishockey. Das weiße englischsprachige Cover jedoch spielt eher auf den Inhalt an, den Skandal...so auch der Titel.

Fazit:
Fredrik Backman kann auch anders! Sein neuer Roman ist ein sozialkritisches Gesellschaftsdrama, das einer emotionalen Achterbahn gleichkommt. Es ist nicht unbedingt leichte Kost, aber spannend und mit viel Sensibilität erzählt. Ich bin absolut positiv überrascht und vergebe hier eine eindeutige Leseempfehlung!

So klingt dein Herz - Cecilia Ahern



    • Broschiert: 480 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 4 (24. August 2017)
    • Übersetzer: Christine Strüh
    • ISBN-10: 3810530271
    • ISBN-13: 978-3810530271
    • Originaltitel: Lyrebird


Fischer Kurzbeschreibung:
Die junge Laura lebt im Verborgenen im Westen Irlands. Niemand weiß, dass sie eine ganz besondere Fähigkeit besitzt: Sie kann jede menschliche Stimme, alle Tiere und jedes Geräusch der Welt nachahmen. Als der Toningenieur Solomon im Wald auf Laura trifft, fühlt er sich sofort magisch von ihr angezogen. Doch auch Solomons Lebensgefährtin, die Regisseurin Bo, ist fasziniert: Sie möchte einen Film über die geheimnisvolle Laura drehen. Über Nacht findet sich Laura in unserer lauten, modernen Welt wieder. Kann ihre Gabe ihr dabei helfen, das Glück zu finden – und die Liebe?

Meine Bewertung: * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Hufis große Stall Challenge

Meine Meinung:
Wie ich oft auf anderen Blogs lesen kann, ist es nicht immer so einfach mit den Büchern der Autorin. Man weiß nie so wirklich, was man bekommt. Manchmal ist Cecilia Aherns neuerstes Buch wirklich toll, eine großartige neue Idee nimmt Form an und dann wieder plätschert die Geschichte einfach nur vor sich hin. Auch mir geht es mit den Romanen der Autorin so, obwohl ich wirklich gerne jedes Mal so ein tolles Buch wie "P.S. - Ich liebe dich" vor mir hätte. Auch diese Geschichte ordne ich eher im Mittelfeld ein..

Die Idee zu "So klingt mein Herz" oder "Lyrebird", wie der viel bessere Originaltitel heißt, ist wirklich gelungen und originell. Laura, unsere Protagonistin, besitzt eine einzigartige Begabung: Sie kann Töne, Geräusche und Stimmen perfekt imitieren. Diese Fähigkeit ist ihr angeboren und wurde durch die Art, wie sie aufgewachsen ist, perfektioniert. Laura lebte einsam und von anderen Menschen und Umwelteinflüssen abgeschottet im Wald in einer Hütte. Sie liebt die Ruhe und die Einsamkeit und interagiert mit Tönen, die direkt aus ihrem Inneren herausströmen. Laura kann sprechen, doch wenn ihre Gefühle sie überfallen, zwitschert sie wie ein Vogel oder ahmt Stimmen oder Geräusche nach. Als der Toningenieur Solomon auf Laura trifft, ist er fasziniert von dieser einzigartigen jungen Frau - nicht nur aus beruflichen Gründen. Das Filmteam, das Solomon dabei hat, wittert eine große Chance und man überredet Laura filmisch zu begleiten. So erlebt Laura die Welt fernab ihres Waldes und wird in die Großstadt katapultiert. Dort erregt sie die Aufmerksamkeit der Medien....

Die anfängliche Stimmung im Roman ist verzaubert, die Protagonistin wirkt wie aus dem Märchenwald entsprungen. So erlebt auch der Leser die plötzliche Stimmungsänderung, als sich Simon, Bo und Laura auf in die Großstadt aufmachen. Der Lärm, die Hektik, die fehlende Dunkelheit und das Ausmaß der vielen Menschen und Geräusche erschrecken Laura zutiefst. Noch schlimmer wird es durch die Castingshow, in die sie durch ihre Naivität hineinkatapultiert wird. Was Laura hier erlebt, regt wirlich zum Nachdenken an.

Als Leser bringt man der unschuldigen Laura eine Menge Sympathie entgegen, während die anderen Charaktere hinter ihr nachstehen. Solomon soll zwar ebenfalls sympathisch rüberkommen, doch seine übersteigerte Obsession gegenüber Laura, fand ich eher beklemmend. Außerdem ist er zu feige seiner Lebensgefährten Bo zu gestehen, dass er sich in Laura verliebt hat. Bo war mir nicht wirklich sympathisch, vorallem zu Beginn, wo sie einfach null Empathie empfindet und sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhält. Sie ist rücksichtslos und ein Workaholic. Nur der Erfolg zählt. Bei Bo konnte ich allerdings bis zum Ende des Romans eine Charakterentwickling feststellen.

Schreibstil:
In allen Romanen von Cecilia Ahern findet man Lebensweisheiten, so auch in diesen. Der Schreibstil ist wie immer großartig und Lauras Wahrnehmungen wurden sehr einfühlsam beschrieben. Die Autorin versteht es sogar meisterhaft Klänge zu beschreiben.
Wie gewohnt erzählt sie eine Geschichte, die bewegt, obwohl sich die Handlung eher gemächtlich entwickelt. Am Besten haben mir diesmal die spürbaren Emotionen von Laura gefallen.
Die Kapitel sind eher lang gehalten. Die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Sichten von Bo, Laura und Solomon in der dritten Person.

Cover:

Links und in der Mitte die beiden englischsprachigen Cover, dazwischen das Titelbild aus den Niederlanden. Das Mädchengesicht mit den Federn stammt aus Polen, das letzte Cover aus der Ukraine. Mir gefällt das erste Cover ganz links, das englischsprachige, am besten. Und dir?

Fazit:
Ein eher gemächlicher, aber sehr einfühlsamer Roman, der von der einzigartigen und charismatischen Hauptfigur lebt. Die Idee des Themas ist originell, die Umsetzung gut, aber nicht ausgezeichnet. Cecilia Ahern hat hier die Gefühle und Emotionen der Hauptprotagionistin großartig dargestellt und trotzdem fehlt der Geschichte etwas. Ich vergebe gerne 3 1/2 Sterne für ein gutes Buch mit einem originellen Thema, aber auch einigen Schwächen.


Britt-Marie war hier - Fredrik Backman




    • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 1 (23. Juni 2016)
    • ISBN-10: 3810524115
    • ISBN-13: 978-3810524119
    • Originaltitel: Britt-Marie var här 
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Humor


Fischer Kurzbeschreibung: 
Britt-Marie hat ihr Leben lang gewartet, dass ihr Leben endlich anfängt. Andere sagen, sie sei pedantisch, aber sie will doch nur, dass alles schön und ordentlich ist. Nach vierzig Jahren hat sie ihren Mann verlassen und sucht einen Job.
Borg ist ein Ort, in den eine Straße hinein- und wieder hinausführt. Arbeit gibt es hier schon lange nicht mehr. Das Einzige, was den Kindern und Erwachsenen geblieben ist, ist die Begeisterung für Fußball. Wofür Britt-Marie nun wirklich kein Verständnis hat …

Meine Bewertung: schwache * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge 

Meine Meinung:
Wer von Fredrik Backman "Oma lässt grüßen und sagt es tut ihr leid" gelesen hat, kennt Britt-Marie, die Hauptprotagonistin aus diesem Roman, bereits als nörgelnde und pedante Frau. Sie ist nicht gerade ein Sympathiecharakter und das ändert sich auch nicht in ihrer eigenen Geschichte, die der Autor hier geschrieben hat. Denn Britt-Marie treibt ihre Mitmenschen an den Rand des Wahnsinns...

Britt-Marie ist anders. Neben ihrem zwanghaften Putzfimmel ist sie außerdem unhöflich und pingelig. Als ihr Ehemann sie betrügt, verlässt sie ihn und ist das erste Mal völlig auf sich alleine gestellt. Sie ist jedoch so weltfremd, dass es beim Lesen richtig weh tut ;) Mit ihrer Art nervt sie nicht nur den Leser, sondern auch die Dame am Arbeitsamt, die sie aufsucht, um einen Job zu finden. Keine leichte Angelegenheit für eine Frau jenseits der Sechzig und ohne jegliche Joberfahrung. Die einzige Chance ist der Job als Hausmeister im Jugendzentrum von Borg.

Natürlich ist die Handlung und auch die Erzählweise, wie vom Autor gewohnt, gewollt überzogen.Es kommt auch der Humor nicht zu kurz, doch die "Sonnenscheingeschichte" mit dem das Buch beworben wird, trifft hier nicht zu, denn die Grundidee ist bedrückend. Der Ort Borg in Schweden steht für viele kleine Orte in ganz Europa. Die Auslagerung der Geschäfte außerhalb des Ortszentrums und die fehlenden Perspektiven für die Menschen sind hier ein zentrales Thema. Fredrik Backman kann auch sozialkritisch! Auch Britt-Marie wird damit konfrontiert, denn eigentlich wird auch sie nicht mehr gebraucht. Und in Borg selbst ist das Einzige, das den Einwohnern geblieben ist, die Liebe zum Fußball. Nur leider ist die Mannschaft furchtbar schlecht und ihnen fehlt noch dazu ein Trainer. Da kommt Britt-Marie gerade richtig, die jedoch völlig ungeeignet für den Job ist. Sie hasst Fußball, die lauten und quengelnden Kinder und ihre unsaubere Umgebung. Doch mit der Zeit arrangieren sich die Einwohner von Borg und Britt-Marie....

Durch ihre agressive Art und ihrem Putzzwang fällt es einem schwer Sympathie für Britt-Marie aufzubringen. Doch dem Autor gelingt es im Laufe des Romans, dass der Leser diese spröde Frau doch noch irgendwie zu lieben beginnt. Man kann auch sehr viel zwischen den Zeilen lesen und die Geschichte hat sicherlich Potenzial, doch mich konnte sie nicht wirklich begeistern. Nur streckenweise fand ich in einem guten Lesefluss und in die Handlung hinein und lebte mit Britt-Marie mit. Doch der Rest ließ mich eher kalt und das Ende hat mich leider eher negativ überrascht.
Für mich konnte keines seiner Folgebücher mit "Ein Mann namens Ove" mithalten und ich fürchte, dass wird mein letzter Roman des Autors gewesen sein.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, die Sätze sind kurz und wirken eher schlicht. Es gibt viele Wiederholungen und unzähliche Nebencharaktere, denen es teilweise an Tiefe fehlt und man deswegen auch etwas den Überblick verliert. Der gewohnte Humor des Autors blitzt nur hin und wieder durch. Die Gesellschaftskritik und die Ernsthaftigkeit zwischen den Zeilen wurde jedoch von Fredrik Backman trefflich umgesetzt.

Cover:

Ich muss zugeben, dass mir hier alle Cover ganz gut gefallen, aber das Linke und das in der Mitte finde ich besser, als das Cover rechts.

Fazit :
Insgesamt bekommt der Roman von mir gerade noch 3 Sterne, denn die Geschichte konnte mich nicht durchgehend fesseln und auch das Ende war nicht ganz meins. Die Sozialkritik, die durchschimmert, fand ich allerdings gelungen.Trotzdem denke ich, dass es mein letztes Buch des Autoren gewesen ist....


Für immer in deinem Herzen - Viola Shipman




    • Broschiert: 384 Seiten
    • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 2 (25. Mai 2016)
    • ISBN-10: 3810524255
    • ISBN-13: 978-3810524256
    • Originaltitel: The Charm Bracelet
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Fischer Kurzbeschreibung: (gekürzt)
Alle Frauen der Familie Lindsey besitzen ein Armband mit Glücksbringern, Großmutter Lolly, Tochter Arden und Enkelin Lauren. Die Anhänger werden von Generation zu Generation weitergegeben und stehen für Geschichten voller Hoffnung, Sehnsucht und Lebenslust. Durch das Armband mit Charms entdecken die drei Frauen die Bedeutung von Familie, Liebe, Treue, Freundschaft, Spaß und der Lust zu leben, während der Zauber der Glücksbringer ihre Leben verändert.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Vom Literturtest erhielt ich diesen Wohlfühlroman, der den Leser ein bisschen über sein eigenes Leben nachdenken lässt.
Es geht um drei Frauen einer Familie: Lolly, die Großmutter, Arden, ihre Tochter und ihrer Enkelin Lauren. Lolly hat bereits früh ihre Mutter verloren. Von ihr hat sie schon als kleines Kind ein Bettelarmband erhalten. Jedes Jahr zum Geburtstag bekommt sie einen neuen Anhänger geschenkt. Diese sollen sie durch das Leben begleiten und Lolly später an ihre Mutter erinnern. Außerdem hat jeder Anhänger eine bestimmte Bedeutung. Lolly versucht die Tradition aufrecht zu erhalten, doch Arden und Lauren beachten diese viel zu wenig. Beide haben kaum Zeit für ihre Mutter und Großmutter, die in einem Süßwarenladen arbeitet und das Maskottchen und Aushängeschild des Geschäfts ist. Als sie jedoch an beginnender Demenz erkrankt, wünscht sich Lolly nichts sehnlicher, als ihre Tochter und Enkelin wiederzusehen....

Die drei Frauen sind sehr unterschiedliche Charaktere. Während Lolly, obwohl sie bereits sehr viel Leid erfahren hat, ein sehr positiver und auffallender Mensch ist, ist ihre Tochter Arden eher schüchtern und verschlossen und wirkt eher gefühlskalt. Sie lebt für ihren Beruf bei der Zeitschrift "Paparazzi" und führt kaum ein Privatleben. Ein Grund dafür ist ihre Scheidung und der Berg Schulden, der ihr blieb. Den Traum von einer Schriftsteller-Karriere hat sie begraben.
Lauren ist eher wie ihre Großmutter, jedoch nicht so "schillernd" und exzentrisch, sondern bodenständiger. Sie liebt die Kunst und ist zeichnerisch sehr begabt. Ein Kunststudium ist ihr Traum, aber sie wählt ihrer Mutter zuliebe das Betriebswirtschaftstudium, mit dem sie nicht wirklich glücklich ist.
Drei Frauen, die ihre Träume begraben haben und mit ihrer jeweiligen Situation nicht wirklich zufrieden sind und doch können sie sich gegenseitig helfen .....

Humorvolle, traurige und romantische Szenen wechseln sich ab, wobei Lolly, Arden und Lauren die alleinigen Hauptprotagonisten sind. Die Handlung spielt in der Gegenwart, blickt jedoch immer wieder durch Rückblenden in Lolly's Vergangenheit, zurück. So erfahren wir mehr aus Lollys früheren Leben und auch um die Tradition der Anhänger.
Die Geschichten, die Lolly den beiden Frauen zu jedem einzelnen Anhänger erzählt, sind voller Metapher und wunderschönen Lebensweisheiten. Jedoch sind manche Stellen zweitweise durch die ewigen Wiederholungen und den zu emotionalen und typisch amerikanischen schnellen "Krisenmanagement", sprich der zu schnellen Problemlösung, manchmal etwas unrealistisch.
Ich habe ähnliches schon in meinem letzten Roman einer amerikanischen Autorin (Lauren Nelson Spielman) kritisiert und ich kann nicht genau sagen, wie ich jetzt dieses "typisch amerikanische" Merkmal definieren soll, aber obwohl es in beiden Büchern um Probleme und Problembearbeitung ging, hatte ich oft das Gefühl, das viel zu schnell "Friede, Freude, Eierkuchen" herrscht, vieles etwas zu überdreht erzählt wird und alles zuletzt fast ins Kitschige abdriftet. Auf der anderen Seite ist man es ja fast schon gewöhnt, dass die Amis in jeder zweiten Zeile Sätze wie "Ich werde dich immer lieben" von sich geben und wenn es hier auch eine Mutter-Tochter oder Großmutter-Enkelin Beziehung bezeichnet, ist mir das zu unrealistisch und gefühlsduselig. 

Jedoch muss ich noch festhalten: Viola Shipman ist ein Pseudonym und dahinter verbirgt sich ein männlicher Autor, nämlich Wade Rouse. Er hat diesen Roman in Erinnerung an seine eigene Großmutter geschriebe. Nun musste ich sofort an Nicholas Sparks denken. Doch bei seinen Geschichten, die als kitschig verschrieen sind, finde ich diesen Kritikpunkt kaum! Ich liebe seine Bücher!


Schreibstil:
Viola Shipman alias Wade Rouse schreibt sehr flüssig und gefühlvoll. Man hat keinerlei Probleme in diese warmherzige Geschichte reinzufinden. Die Kapitel sind eher kurz gehalten, wobei der Roman in elf Teile aufgeteilt ist. Jeder Abschnitt widmet sich einen Anhänger von Lolly's Armband. Dieser ist zeichnerisch dargestellt und auch die Bedeutung des Charms wird wiedergegeben, wie z. Bsp. Kapitel 1 "Der Heißluftballon" - für ein Leben voller Abenteuer. Auch die bildhaften Beschreibungen der Gegend rund um den Lake Michigan fand ich wunderbar. 

Charaktere:
Die drei Hauptcharaktere sind bereits oben genauer beschrieben und wirklich sehr gelungen. Ich hatte von allen drei Frauen mehr oder weniger eine gute Vorstellung. Die Nebencharaktere bleiben allerdings sehr blass oder kommen nur am Rande vor. Man erfährt zum Beispiel von Lolly's großer Liebe Les, jedoch nur Geschichten, die an der Oberfläche kratzen.

Cover:

Das deutsche Cover hebt sich deutlich von den beiden englischen und der italienischen Ausgabe ab. Auf allen drei Covern sieht man hier einen See, der den Lake Michigan darstellen soll. Das Armband ist nur auf den beiden englischen Cover zu sehen. Auf dem deutschen Cover sind ja die Symbole/Charms rund um den grafischen Baum aufgeteilt..... Ich tu mir etwas schwer hier einen Favoriten zu küren. Welches gefällt euch am besten?

Fazit:
Die Geschichte dreier Frauen, Großmutter, Tochter und Enkelin, die wieder zusammen bzw. zu sich selbst finden müssen. Sehr gefühlvoll erzählt, aber doch sehr klischeehaft und patethisch. Schöne Lebensweisheiten und eine nette Geschichte, die zu Herzen geht, mich aber nicht ganz überzeugen konnte. 


Vielen Dank an Frau Grützner vom Literaturtest für das Rezensionsexemplar und an Fischer Krüger.

Morgen kommt ein neuer Himmel - Lori Nelson Spielman





    • Taschenbuch: 400 Seiten
    • Verlag: FISCHER Paperback; Auflage: 4 (29. Oktober 2015)
    • ISBN-10: 3596196353
    • ISBN-13: 978-3-8105-1330-4
    • Originaltitel: The Life List
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Fischer Klappentext:
Elizabeth weiß, dass sie sterben wird. Und sie weiß auch, dass ihre 34-jährige Tochter Brett in ihrem Leben nicht glücklich ist - trotz Freund, Wohnung und Job.
In ihrem Testament fordert Elizabeth ihre Tochter dazu auf, ihr Leben komplett zu ändern und hinterlässt ihr mehrere Briefe. Brett ist fassungslos: Wie kann ihre Mutter sich derart in ihr Leben einmischen? Wütend und verletzt liest Brett den ersten Brief - und ist überwältigt von der liebevollen nachricht ihrer Mutter. Sie ruft Brett dazu auf, ihr Träume nicht aufzugeben und ihr Leben in die Hand zu nehmen - denn nur sie selbst kann es ändern....

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
In einer gemeinsamem Blogger-Leserunde bei Janine - Meine Welt der Bücher - haben wir den Roman "Morgen kommt ein neuer Himmel" gelesen, der schon länger ungelesen in meinem Regal stand.
Ich hatte nach den eher guten Bewertungen ziemlich hohe Erwartungen an das Buch, die sich leider nicht ganz erfüllten.
Der Leser lernt zuerst Brett, unsere Hauptprotagonistin kennen, die eben erst mit dem Tod ihrer Mutter Elizabeth konfrontiert wurde. Diese war eine erfolgreiche Unternehmerin, die Kosmetik auf Naturbasis herstellte. Brett hat dort ihren Job als Leiterin der Marketingabteilung. Aber auch im privaten Bereich standen sich die beiden Frauen sehr nahe. Deshalb ist Brett umso entsetzter, als sie bei der Testamentseröffnung erfährt, dass nicht sie, sondern ihre Schwägerin Catherine, die neue Geschäftsführerin des Unternehmens sein wird. Brett bekommt nur einen Brief mit zehn Aufgaben, die sie innerhalb von 12 Monaten zu erfüllen hat und erst nach Einlösung dieser Forderungen erhält sie eine Abfindung in Millionenhöhe. Unterstützung erhält sie dabei von Brad Midar, den jungen Anwalt ihrer Mutter.

Brett ist außer sich, denn die Liste ist zwanzig Jahre alt und mit 14 Jahren hatte sie natürlich andereTräume, wie z. Bsp. "Einen Hund beschaffen", Ein Pferd kaufen", aber auch "Mich in den Richtigen verlieben".... Und außerdem hatte sie soeben noch einen Traumjob (der ihr gekündigt wurde), eine tolle Wohnung (die ihrem Freund gehört) und eine Beziehung.
Und nun frage ich mich: Welche Mutter würde ihrer Tochter absolut NICHTS hinterlassen, außer einen Brief mit Forderungen? Dinge, die sie besser zu wissen scheint, als ihre Tochter? Sicherlich hat sie in einigen Punkten recht, aber da im Roman die besonders innige Beziehung zwischen den beiden Frauen immer wieder angesprochen wird, ist dies für mich als Mutter total unrealistisch!
Noch dazu hat Elizabeth groß Karriere gemacht und ein riesiges Unternehmen gegründet. Brett und ihre zwei Brüder Jay und Joad gehören zur Upper Class und hier kommen auch wieder diese typischen amerikanischen Charaktere zur Geltung: reich, erfolgreich, wunderschön...... keine Durchschnittsmenschen, sondern absolute "Traumtypen", die es meiner Meinung nicht gibt.

Auch die Idee ist nicht wirklich neu. In Cecilias Ahern "P.S. - Ich liebe dich" wurde diese bereits - viel besser - umgesetzt. Natürlich werden erfolgreiche Geschichten gerne kopiert und wir erleben das immer wieder in Büchern...man kann ja auch nicht immer das Rad neu erfinden....trotzdem hatte ich mir hier einfach mehr erhofft, denn die Story wirkt leider ziemlich oberflächlich und konstruiert. In der Mitte des Buches konnte ich bereits zwei Ereignisse erahnen, die danach auch genauso eintrafen. Das zeigt nicht gerade von einem Roman, der mich überraschen konnte...

Charaktere:
Brett war mir zwar nicht unsympathisch, aber ob wir Freundinnen geworden wären? Ich weiß nicht (abgesehen davon, dass ich nicht zur Upper Class gehöre). In einigen Situationen tat sie mir wirklich leid. Im Laufe des Romanes hat Brett auch einiges gelernt und an sich gearbeitet, ihr Charakter hat sich weiterentwickelt. Auch ein wunder Punkt aus ihrer Vergangnenheit löste sich sehr positiv auf. Ihre Brüder hatten eine dermaßen oberflächliche Einstellung, die sie mir absolut unsympathisch machten. Einige sehr nette Charaktere wie Carrie, Johnny oder Shelley wuchsen mir allerdings ans Herz.
Die Autorin hat unsere Hauptprotagonisten, als auch viele Nebencharaktere sehr glaubhaft und bildhaft beschrieben, auch wenn es ihnen an Ecken und Kanten fehlte.

Schreibstil:
Hier gibt es nichts zu bemängeln. Die Geschichte lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Es gibt einige wunderschöne Zitate im Roman, die einem immer wieder innehalten lassen und über diese Worte nachdenken lässt.

Cover:

Ich habe mir diesmal auch ein Cover mit französischen und spanischen Titel herausgesucht. Das französische Cover gefällt mir nämlich so überhaupt nicht, aber die Frage im pinkfarbenen Teil ist sehr ausagekräftig. Übersetzt heißt es etwa "Was hast du aus deinen Träumen aus der Kindheit gemacht?" Ganz perfekt ist die Übersetzung jetzt nicht...würde wohl dann korrekt etwa "Was ist aus deinen Kindheitsträumen geworden?" heißen, aber es ist die konstante Frage, der rote Faden, des Buches. Deshalb wollte ich auch dieses Cover miteinbeziehen.

Fazit:
Für mich war dieser Bestseller leider eine Enttäuschung. Durch die guten Kritiken hatte ich wohl zuviel erwartet. Ich versprach mir eine tolle Geschichte, die letztendlich aber viel zu konstruiert und vorhersehbar war. Schade!
 

Martinas Buchwelten Copyright © 2012 Design by Antonia Sundrani Vinte e poucos