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Mirabellentage - Martina Bogdahn

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch, 2. Auflage (16. April 2026)
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462013548
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462013542
    • Genre: Roman



KiWi Kurzbeschreibung:
Als der Ortspfarrer Josef überraschend stirbt, gerät die geordnete Welt seiner Haushälterin Anna ins Wanken. Was soll nun werden? Erst mal muss sie die Beerdigung organisieren, den jungen Ersatzpriester Fridtjof in Empfang nehmen – und dann soll auch noch Josefs Asche ans Meer. Dafür nimmt Anna, Anfang fünfzig, Fahrstunden bei ihrem ehemaligen Fahrlehrer und heimlichen Schwarm Herrn Tanner. Gemeinsam erkunden sie die fränkische Gegend um Blumfeld und erinnern sich an ein fast vergessenes Leben. An den Geruch des Sommers, die Farbe reifer Mirabellen, an harte Arbeit und kleine Alltagsfluchten. Je näher der Aufbruch rückt, desto drängender werden Annas Fragen, denn die Fahrt bedeutet eine Reise ins Ungewisse. Es braucht eine Entscheidung. Wie gut, dass sie die nicht alleine treffen muss.

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur ABC Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur Reiselust Challenge

Buch zur Book Special ABC Challenge

Meine Meinung:
Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut, nachdem mir "Mühlensommer" der Autorin sehr gut gefallen hat. Das war eine schöne Erzählung, nostalgisch und liebevoll erzählt.
Leider erfüllt "Mirabellentage" keines dieser Punkte. 

Anna ist knapp über 50 und mit Leib und Seele Pfarrersköchin. Als Josef, der hiesige Pfarrer überraschend stirbt, ist sie um ihre Zukunft besorgt. Wird sie auch der neue Pfarrer als seine Haushälterin einstellen? Dieser kommt hoch aus dem Norden, heißt Fridtjof und spricht plattdeutsch. Für die Dorfbewohner in Bayern hört sich das wie eine Fremdsprache an. Und so kommt auch gleich das Gerücht auf, dass der neue Pfarrer italienisch spricht und direkt aus Rom kommt. Letzteres stimmt auch, denn er kommt frisch vom Studium. Doch Anna hat noch eine Aufgabe - egal, ob sie weiterhin im Pfarrhaus bleiben darf oder nicht: Sie muss die Asche von Josef ans Meer bringen. Das war sein letzter Wunsch und niemand aus dem Dorf (außer dem Bestatter) darf dies erfahren, denn eine Feuerbestattung ist einem katholischen Pfarrer unwürdig.

Martina Bogdahn erzählt in ihrem neuen Roman über ein Dorf in Bayern und ihren Einwohnern. Im Mittelpunkt steht Anna. Sie ist das Herz der Gemeinde. Sie organisiert nicht nur das Begräbnis von Josef, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt, sondern auch sämtliche Zusammenkünfte und die Mriabellenernte.

Der Schreibstil ist bildhaft und liest sich leicht. Zu Beginn habe ich noch ganz gut in die Geschichte gefunden, aber irgendwann legte ich das Buch lieber zur Seite, als weiterzulesen. Martina Bogdahn lässt Anna in Anekdoten über die Vergangenheit erzählen. Dabei erfahren wir auch, wie Anna und Josef zu den Menschen wurden, die sie sind.
Doch mit der Zeit überwogen die Rückblicke und verschiedenen Anekdoten über einzelne Dorfbewohner. Man bekommt das Gefühl, dass vieles total überzogen ist und die Autorin humorvolle Anekdoten einstreuen möchte - was ihr nur teilweise gelingt. Diese Rückblenden reihen sich oftmals nur aneinander und die Gegenwart tritt dabei in den Hintergrund. Durch die ständigen Unterbrechungen entstand kein wirklicher Lesefluss.
Zusätzlich hatte ich permanent das Gefühl nicht im Jahre 2010, sondern eine Geschichte aus den 50igern oder 60igern zu lesen. Ich lebe selbst am Land und bin älter als Anna, trotzdem konnte ich mich so überhaupt nicht in sie hineinfühlen. Alles wirkte furchtbar altbacken und manche Ereignisse rund um die Dorfbewohner auch sehr unglaubwürdig. Vieles blieb sehr an der Oberfläche und auch die kleine eingestreute "Liebesgeschichte" hatte keinen wirklichen Tiefgang. Die Handlung zog eher gemächlich dahin, und gerade als es spannend zu werden scheint, endet das Buch ziemlich abrupt.

Der Klappentext suggerierte mir außerdem eine andere Erwartung. Die Asche des Pfarrers ist auch fünfzig Seiten vor Schluss noch nicht auf der im Klappentext groß angekündigten letzten Reise. 
Man könnte denken, dass ältere Leserinnen sich eher in dieser Geschichte wiederfinden - dem muss ich allerdings widersprechen. 

Fazit:
Das war leider so gar nicht mein Buch, was ich wirklich sehr schade finde. Nach "Mühlensommer" hatte ich mir wieder eine interessante Geschichte erwartet, die mich unterhält. Hier habe ich immer nur zögerlich zum Buch gegriffen und habe außerdem ziemlich lange dafür gebraucht. Leider keine Leseempfehlung!


Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!
 

Mühlensommer - Martina Bogdahn

    Die Bildrechthe liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
    • Verlag: ‎ Kiepenheuer&Witsch; 4. Edition (11. April 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462004786
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462004786
    • Genre: Roman

     

KiWi Kurzbeschreibung:
Ein drückend heißer Sommertag. Mit ihren beiden Töchtern macht sich Maria auf den Weg in ein langes Wochenende fern von Stadt, Stress und Schule. Doch dann ruft Marias Mutter an: Der Vater hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Die Mutter ist bei ihm, und auf dem Bauernhof der Familie müssen Schweine, Kühe und Hühner versorgt werden – aber auch die demente Großmutter. Maria fährt sofort zum Hof. Doch dort, vor der alten Mühle, erwartet sie neben der unermüdlich Äpfel schälenden Oma auch die Erinnerung an ihre Jugend zwischen Schulbus und Schweinestall, Dreimeterbrett und Kirchenbank, an starre Traditionen und lauter kleine Freiheiten. Als am Tag darauf die Mutter aus dem Krankenhaus heimkehrt und plötzlich auch Marias Bruder Thomas auf dem Hof steht, ist die Familie versammelt. Sie eint die stille Sorge um den Vater. Bis Thomas das Schweigen bricht und endlich zur Sprache kommt, was sie alle lang verdrängt haben …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser Roman, der eine ganze Weile auf Instagram ganz schön gehypt wurde, war auch auf meinem Wunschzettel. Martina Bogdhans Debüt hörte sich interessant und sehr "bekannt" an, denn auch ich wuchs auf dem Land auf und lebe noch immer dort, auch wenn ich auf keinen Bauernhof aufgewachsen bin. Meine Großmutter hatte immer eine Ziege und zwei Schweine zur Selbstversorgung, was ihr besonders nach dem Krieg sehr geholfen hat.

Alleinerzieherin Maria möchte mit einer befreundeten Familie und ihren beiden Teenagertöchtern das Wochenende in den Bergen verbringen. Sie möchte endlich wieder raus aus der Stadt und ihrem anstrengenden Job. Kaum sind sie jedoch angekommen, erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall auf der Intensivsation liegt. Geschockt macht sich Maria auf den Weg, um ihrer Mutter beizustehen. Es müssen die Tiere auf dem elterlichen Bauernhof weiter versorgt und auf die demente Großmutter ein Auge geworfen werden. Marias Bruder Thomas und seine Frau Christiane, die gemeinsam mit den Eltern den Bauernhof bewirtschaften, sind zur Zeit auf Urlaub und sind telefonisch nicht erreichbar. Geht es zunächst nur darum, der Mutter zu helfen, wird die Rückkehr zur Birkenmühle für Maria schnell zu einer Reise in die Vergangenheit. Damals konnte sie nicht früh genug das Elternhaus und das Dorfleben verlassen....

Als Maria in ihrem Elternhaus ankommt, ereilen sie immer wieder Erinnerungen aus ihrer Kindheit, als sie und ihr Bruder noch ein Herz und eine Seele waren und die Arbeit am Bauernhof und der Mühle ihr tägliches Leben neben der Schule war. Während der Sommerferien musste das Heu eingefahren werden und der Hopfen geerntet - Urlaub gab es für die Familie keinen. Maria und Thomas fürchteten jedes Jahr nach den Sommerferien die Frage der Lehrerin, wo sie denn ihren Urlaub verbracht haben.
Sie erinnert sich an das weihnachtliche Krippenspiel, bei dem immer die Tochter des Gemeindearztes die Hauptrolle als Maria bekommen hat oder den Kommunionsausflug mit Frau Nuss, der Haushälterin des Pfarrers, die egal zu welcher Jahreszeit, immer ein knielanges, hellblaues Kostüm aus Wollstoff trug.

Martina Bogdahn lässt ihre Protagonistin Maria aus ihrer Sicht erzählen und wechselt dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Die Kindheitserinnerungen nehmen jedoch den Großteil der Geschichte ein, während die Erzählung in der Gegenwart in kurzen Sequenzen dazwischen erzählt wird. Als Marias Bruder mit seiner Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, müssen sie sich endlich über die Zukunft klar werden und alte Differenzen beseitigen.

Die Erzählweise in der Vergangenheit ist kindlich und der zehnjährigen Maria angepasst. Gerne erinnert sie sich ans Angeln mit Onkel Herbert oder seinem Motorrad, welches er ganz besonders pflegte. Ihrer Großmutter, die hart arbeitete, aber auch zu einem Likörchen mit ihren Schwestern nie "Nein" sagte.
Die weiblichen Figuren im Roman sind starke und facettenreiche Charaktere, die ihr Leben der harten Arbeit am Bauernhof gewidmet haben. Maria ist intelligent und darf aufs Gymansium gehen.

"Man weiß nie, wo es hingeht im Leben, aber man weiß immer, wo man herkommt."

Der Autorin scheint es wichtig gewesen zu sein, dass sie hier keine verklärte Bauernromatik erzählt, sondern die harte Realität. Dazu gehören aber auch Szenen, die ich nicht gebraucht hätte, wie zum Beispiel genaue Beschreibungen von Tierleid. Normaler Weise breche ich Bücher rigoros ab, wenn ein Tier zu Schaden kommt!
Leider kenne ich diese Tötungen aus meiner Kindheit, die mir schon damals Grauen eingeflößt haben und mir im Kopf geblieben sind, die jedoch zum Leben auf einem Bauernhof dazugehören. Auf den letzten Seiten kommt es jedoch zu einer wirklich unnützen Beschreibung einer Tötung, die absolut nichts mit der Handlung zu tun hat.  Wäre es früher passiert, hätte ich das Buch tatsächlich abgebrochen! Da es erst ganz zum Schluss in die Handlung miteinbezogen wurde, war es einfach nur unnötig und grausam. Dadurch bekommt das Buch einen Stern Abzug.
Vieles im Roman hat mich aber auch angesprochen und auch einige meiner Kindheitserinnerungen hervorgeholt. Der Duft von Heu, die langen Sommerabende, spielen mit den Nachbarskindern und den kleinen Kätzchen oder die Fahrt in die nächste Stadt, um Kleidung einzukaufen, die man im Dorf nicht bekommen hat.

Fazit:
Ein Rückblick in eine schöne, aber auch arbeitsreiche Kindheit auf dem Bauernhof in den Achziger Jahren. Ich denke die Autorin hat in ihrem Roman auch einige oder ähnliche Ereignisse aus ihrer Kindheit miteinfließen lassen. Der Roman wirkt authentisch und hat mich - mit Ausnahme der erwähnten Szenen - gut unterhalten.


 

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