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[MONTMARTRE] Licht und Schatten - Marie Lacrosse

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Broschiert: 624 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (23. April 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442206545
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206544
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Teil 1 der Montmartre Dilogie


Goldmann Kurzbeschreibung:
Paris im Sommer 1866: Elise Lambert und Valérie Dumas werden am selben Tag geboren. Sonst haben die beiden Mädchen nicht viel gemeinsam. Elise, Tochter einer einfachen Wäscherin, wächst in Armut auf dem Hügel von Montmartre auf. Valérie hingegen ist die Tochter eines wohlhabenden Kunsthändlers vom Boulevard de Clichy. In einer Zeit, in der Frauen kaum Möglichkeiten haben, hegen die beiden große Träume. Valérie ist eine begnadete Malerin, die es an die Kunstakademie schaffen möchte, wo auch Toulouse-Lautrec und van Gogh studieren. Elise dagegen möchte als Tänzerin in den schillernden Varietés von Montmartre berühmt werden. Schicksalsschläge und die Liebe stellen beide vor ungeahnte Herausforderungen, doch die jungen Frauen kämpfen für ihr Glück …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur "Music meets Book" Challenge

Meine Meinung:
Marie Lacrosse entführt uns in ihrem neuen Roman "Montmartre - Licht und Schatten" in das Paris von 1866 bis 1889.
Was heute ein äußerst charmanter Teil von Paris ist, den man bei jeder Parisreise unbedingt besuchen muss, steckte im 19. Jahrhundert noch in den Kinderschuhen. Die berühmte Basilika Sacre Coeur wurde erst erbaut und das Viertel hat noch den Charme eines Dorfes auf einem Hügel. Einzig Künstler, sowie Tänzerinnen und auch einschlägige Etablissements begannen sich im heutigen 18. Arrondissement anzusiedeln.

Am 20. Juni 1866 erblicken zwei Mädchen, Elise und Valérie, das Licht der Welt, deren sozialen Hintergründe nicht verschiedener sein könnten, aber von der gleichen Hebamme entbunden werden.

Elise Lambert wächst als Tochter einer Wäscherin auf, deren Vater die Familie verlassen hat. Schon früh muss sie  hart in derselben Wäscherei wie ihre Mutter arbeiten, um genug Geld zum täglichen Überleben für die Familie aufzubringen. Das Leben als Wäscherin oder Plätterin und vor allem als Frau war hart und entbehrungsreich.
Elise liebt den Tanz und lernt durch ihre Freundin Louise Weber diverse Varietés kennen, wo diese bereits erfolgreich auftritt. Gemeinsam feiern sie auf der Bühne Erfolge. wobei sich Louise eher freizügig gibt, während Elise durch ihre Grazie auffällt. 

Valérie Dumas ist die Tochter eines bekannten Kunsthändlers und selbst eine begabte Malerin. Als Frau hat sie jedoch keine Möglichkeiten ihre Bilder unter ihren Namen auszustellen oder als Künstlerin anerkannt zu werden. Ihr Vater verschafft ihr durch finanzielle Unterstützung trotz allem einen Platz in der Akademie. Valérie, darf jedoch an vielen Unterrichtsfächern nicht teilnehmen oder nur zusehen. Sie lernt Henri Toulouse-Lautrec und Vincent Van Gogh kennen, die beide durch ihre individuellen Stile auffallen. An der Kunstakademie herrscht jedoch die strenge Vorschrift nach alter Schule zu malen und auch Valeries Vater lehnt jedes moderne Bild für seine Galerie ab.
Während Valérie keine Geldsorgen, sondern kaum Freiheiten hat und von ihrer bigotten Mutter sehr gegängelt wird, hat Elise zwar Freiheiten, aber einige andere Probleme betreffend des Familieneinkommens, ihrer Arbeit und ihrer Schwester Simone.
Viele der jungen Mädchen stellen sich als Aktmodel für die angehenden Maler zur Verfügung. Auch Elise legt ihre anfängliche Scheu ab, als das Geld immer knapper wird. 

Marie Lacrosse bringt jede Menge Historie in die Geschichte. In dieser Zeit wurden Bauten errichtet, die heutige Wahrzeichen von Paris sind. Man erfährt mehr über den Bau des Eiffelturms zur Pariser Weltausstellung 1889, dem anfänglich nicht sehr erfolgreichen Bau des Panamakanals, bei dem Gustav Eiffel aushelfen sollte; der wunderschönen Kirche Sacre Coeur und auch über den Bau des Moulin Rouge....der roten Mühle.

Wir erfahren auch sehr viel über die Malerei und den Stilrichtungen zu dieser Zeit. Lernen Henri Toulouse-Lautrec, Paul Gauguin, Edgar Degas oder auch Vincent Van Gogh kennen, der zu Lebzeiten nicht erfolgreich war und über dessen Sonnenblumenbild gespottet wurde.
Auch über Louise Weber, genannt "La Goulue" und im Roman Elises fiktive Freundin, erfahren wir sehr viel. Von ihr hatte ich zuvor noch nie gehört, dabei war sie eine sehr berühmte Cancan Tänzerin und auch auf einigen Bildern von Toulouse-Lautrec zu sehen. 

Ich habe sehr oft beim Lesen gegoogelt und mich über Personen oder historische Begebenheiten näher erkundigt und ich war neugierig, wie die dargestellten Orte heute aussehen.
Diese wurden sehr bildhaft und detailgetreu dargestellt. Marie Lacrosse schildert das Leben im 19. Jahrhundert sehr facettenreich und lebendig - egal, ob aus der Schicht der Ärmsten oder der Reichen. 
Allerdings gibt es im Mittelteil auch einige Längen, die die Geschichte etwas dahinplätschern lässt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich schon eine Weile mit historischen Romanen abseits der beiden Weltkriege, etwas schwer tue, was sicher auch dazu beiträgt.
Der Roman ist in fünf Teile aufgeteilt und spielt von Juni 1866 bis Oktober 1889. Generell bilden die Malerei und der Tanz den roten Faden des Romans - verwebt mit den Schicksalen der beiden Frauen, die am selben Tag geboren wurden und die beide ihr Ziel nie aus den Augen verlieren. 

Am Beginn des Romanes befindet sich eine Karte von Montmartre und ein Personenregister historischer und fiktiven Figuren, die im Roman genannt werden.
Im Nachwort geht die Autorin näher auf Realität und Fiktion ein. Außerdem gibt es einen Eintrag über die verschiedenen Stilrichtungen der Malerei zu dieser Zeit, sowie eine Aufzählung der erwähnten Werke. 

Fazit:
Wer mehr über die Malerei und die Kunst des Cancan am Ende des 19. Jahrhunderts in Paris erfahren möchte, ist hier richtig. Ich habe hier sehr viel Neues erfahren und gelernt. Auch Liebhaber:innen von historischen Romanen lege ich diesen ersten Band der Dilogie ans Herz.


Vielen Dank an den Goldmann Verlag und an Marie Lacrosse für das Rezensionsexemplar! 

Wer mit den Wölfen heult - Tessa Duncan

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 512 Seiten
    • Verlag: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (12. September 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423220945
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423220941
    • Genre: Kriminalroman, Spannungsroman
    • Reihe: ja - Band 2 der Canterburry-Fälle 

     

dtv Kurzbeschreibung:
Bei einem Einsatz anlässlich eines Banküberfalls schießt Police Sergeant Martin Gordon seinen Kollegen Clark Jarrett an. War das nur ein Versehen? Nicht zum ersten Mal gab es Konflikte zwischen den beiden Polizisten. Deren Vorgesetzter beauftragt Lily Brown, ein psychologisches Gutachten über Gordon zu erstellen. Doch noch bevor sie zu dem verschlossenen Mann durchdringen kann, begeht er Selbstmord. Er hinterlässt einen Brief mit der Botschaft: »Lily Brown wird herausfinden, was wirklich geschehen ist.« Lily kann sich zwar keinen Reim darauf machen, wird aber zu den internen Ermittlungen der Umstände von Gordons Tod hinzugezogen Dabei stößt sie auf ein unglaubliches Komplott innerhalb der Polizei. 

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem das Krimidebüt von Marita Spang unter dem Pseudonym Tessa Duncan richtig eingeschlagen hat, gibt es nun einen weiteren Band der Canterburry Fälle, was mich sehr freut.

Zuerst jedoch eine kleine Warnung!
Im Krimi geht es um Mobbing, Gruppendruck und Misogynie, ebenso wie plötzlichen Kindstod. Wem diese Themen triggern, sollte vielleicht zu einem anderen Buch greifen.

In "Wer mit den Wölfen heult" bekommt es die ehemalige Polizeipsychologin, Lily Brown, die als Psychotherapeutin arbeitet, mit einem Fall zu tun, der ihr schwer zu schaffen macht.
Lily soll ein psychologisches Gutachten über Martin Gordon, einen Police Sergeant erstellen, der im Einsatz während eines Banküberfalles auf seinen Kollegen Clark Jarrett geschossen hat. War es Absicht oder ein Unfall? Lily soll mehr darüber herausfinden, denn es geht um Martins Diensttauglichkeit. Dabei erkennt sie, dass dieser etwas zu verschweigen scheint. Es gibt einige Ungereimtheiten, die auf den Kollegenkreis hinweisen. Außerdem scheint aus der ehemaligen Freundschaft zwischen Clark und Martin eine Feindschaft geworden zu sein. Was ist passiert und was steckt hier dahinter?

In einem Nebenstrang lernen wir eine weitere Patientin von Lily kennen. Sozialarbeiterin Mabel Ellis hat die schwangere Jerry Hoover zur Psychotherapie an Lily überwiesen. Nach dem plötzlichen Kindstod ihres ersten Babys ist Jerry wieder schwanger und hat große Ängste, dass wieder etwas passieren könnte. Doch auch Jerry scheint etwas zu verschweigen.... Ob dieser Handlungsstrang mit dem ersten zusammenhängt, verrate ich hier nicht.

Aber auch private Probleme lassen Lily kaum schlafen. Die Exfrau ihres Geliebten Dan Baker stellt weitere (unmögliche) Forderungen. Außerdem lassen diverse Frauenmorde, hinter die wohl ein Serienmörder steckt,  dem Polizeipsychologen ebenfalls keine Ruhe. Die Beziehung der beiden wird daher auch im zweiten Band nicht wirklich einfacher. Während Lily beruflich sehr konsequent ist, hat sie ihr Privatleben nicht wirklich im Griff.

Tessa Duncan hat ein sehr emotionales und schwieriges Thema für ihren zweiten Krimi/Spannungsroman aufgegriffen. Dazu möchte ich allerdings nicht wirklich mehr schreiben und auf meine obige Triggerwarnung hinweisen.
Obwohl es sich hier um einen zweiten Teil einer Reihe handelt, kann man diesen auch ohne Vorkenntnisse lesen. Nur Lilys Privatleben bleibt als roter Faden bestehen.

Die Handlung wird in der dritten Person erzählt. Martins Kapitel sind jedoch in der Ich-Perspektive aus seiner Sicht dargestellt. Dabei gibt es auch kleine Rückblenden in die Vergangenheit, die aufzeigen, wie der Police Sergeant in die Situation geschlittert ist, in der sich zu Beginn des Krimis befindet. Die Sprache ist in manchen Dialogen etwas derb, spiegelt aber die Charaktereigenschaften einzelner Personen wieder. Sonst ist der Schreibstil angenehm zu lesen und durch die vielen Dialoge sehr lebendig. Die Spannungskurve steigt langsam, bleibt später jedoch konsequent oben.

Über den Kapiteln finden wir Ort und Zeitpunkt und die Person über die wir lesen.
Als ausgebildete Psychotheraupeutin, kann die Autorin die Vorgehensweise ihrer Figuren absolut überzeugend vermitteln. Die Charaktere sind lebendig und haben Ecken und Kanten.
Ein ganz besonderes Mitglied aus Lilys Familie ist ihr Kater Mick, der mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist.

Tessa Duncan hat sich bei ihren zweiten Krimi wieder an reale Vorfälle orientiert, die tatsächlich passiert sind. Dies schockiert umso mehr, nachdem man in ihrem Nachwort mehr dazu gelesen hat. Es ist unfassbar, wozu Menschen fähig sind, denen man eigentlich vertrauen sollte.

Fazit:
Eine spannende Fortsetzung, die packend erzählt ist. Als Roman würde ich die Geschichte nicht einstufen (siehe Cover). Für mich war es mehr Spannunsgroman und Krimi mit einigen schweren Themen. Ich bin schon sehr auf die weiteren Canterburry Fälle gespannt, die hoffentlich noch kommen werden!


Vielen Dank an Marita Spang und an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Canterburry Falle:

  1. Wer das Vergessen stört  *Rezi*
  2. Wer mit den Wölfen heult


Wer das Vergessen stört - Tessa Duncan

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 432 Seiten
    • Verlag: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (14. September 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423218479
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423218474
    • Genre: Krimi, Spannungsroman
    • Reihe: ja - Band 1 der Canterbury Fälle



dtv Kurzbeschreibung:
Nach einer gescheiterten Beziehung lässt sich Lily Brown, zuvor Polizeipsychologin bei Scotland Yard, in Canterbury als Psychotherapeutin nieder. Zu ihren ersten Patientinnen gehören Samantha Harris, die in einer toxischen Beziehung mit ihrem gewalttätigen Ehemann gefangen ist. Und Vera Osmond, die aufgrund eines schlimmen Kindheitserlebnisses unter Panikattacken leidet. Lily hält Veras Behandlung schon für erfolgreich abgeschlossen, als diese sich wieder bei ihr meldet. Doch Lily ist abgelenkt durch die erneut misshandelte Samantha. Wenig später wird Vera tot aufgefunden – angeblich Selbstmord. Lily glaubt nicht daran und stellt Nachforschungen an. Dabei stößt sie auf ein furchtbares Geheimnis und gerät selbst in Lebensgefahr …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Ich war auf das Krimi-Debüt von Tessa Duncan sehr gespannt, denn ich kenne die Autorin bereits von ihren historischen Romanen, die sie unter ihrem Klarnamen Marita Spang und dem Pseudonym Marie Lacrosse geschrieben hat. Deshalb kam der Genre-Wechsel für mich auch etwas überraschend.

Marita ..äh..Tessa hat das typische britische Flair in "Wer das Vergessen stört" wirklich sehr gut eingefangen. Ihre Kenntnisse als klinische Psychologin setzt sie in ihrem erstem Spannungsroman/Krimi ebenfalls perfekt ein.
Ihre Protagoinistin Lily Brown ist ehemalige forensische Polizeipsychologin, die als Psychotherapeutin in Canterbury einen beruflichen Neuanfang wagt.
Eine ihrer Patienten ist Vera Osmond, die unter Panikattacken leidet und die Selbstmord begangen haben soll. Alles spricht dafür und die Polizei schließt den Fall als erledigt ab. Doch Lily ist sich sicher, dass Vera sich nicht das Leben genommen hat. Die letzten Telefongespräche, die sie mit ihr geführt hat, haben ihr bestätigt, dass sie ihre Panikattacken im Griff hatte und einem Geheimnis auf der Spur war. 

Der Krimi ist in zwei Teile aufgeteilt und es wird im Wechsel aus der Sicht von Lily, Vera und Samantha erzählt. Dabei gibt es auch Rückblicke in die Vergangenheit.
Im ersten Teil lernen wir sowohl Lily, als auch Vera besser kennen. Wir erleben, wie Lily arbeitet und erfahren mehr über Vera und den Grund ihrer Panikattacken, die sie seit einiger Zeit immer öfters "überfallen". Auslöser sind fast immer Kinder oder deren Geschrei. Da sie diese Panikattacken auch während Vorträgen in ihrem Job bekommt, sucht sie bei Lily Brown Hilfe.
Tessa Duncan lässt uns an der Traumabewältigung teilhaben und bietet Einblicke in die Arbeit, was spannend erzählt wurde. Man erkennt, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht, da sie selbst Psychologie studiert hat. Es dauert deswegen ein wenig, bis die Handlung an Fahrt aufnimmt.
Ein Thema behandelt auch häusliche Gewalt, mit der wir durch Samantha konfrontiert werden. Diese Szenen gingen mir sehr unter die Haut und als Außenstehender ist es oft unverständlich, wie sich vorallem Frauen von anderen Menschen derart behandlen lassen und immer wieder die Schuld bei sich selbst suchen.

Im zweiten Teil geht es großteils um die Aufklärung von Veras Tod und dessen Hintergründe. Für mich bot der zweite Teil eine Menge mehr an Spannung und ich habe ihn in einem Rutsch durchgesuchtet, während ich beim ersten Teil der Geschichte doch etwas länger brauchte.

Die Charaktere sind gut gezeichnet. Lily hat Ecken und Kanten. Sie ist stur, hinterfragt einiges und gibt nicht so schnell auf. Im privaten Bereich ist sie jedoch oftmals inkonsequent und macht dieselben Fehler, wie ihre Patient:innen. Auch zu ihrer Mutter hat sie kein sehr gutes Verhältnis.
Auch Vera und Samantha sind greifbare Figuren, mit denen ich mitgelitten habe. Sowohl ihre Stimmungen, als auch ihre Angst und Wut, waren für mich spürbar. Nicht zu vergessen Kater Mick, der Ähnlichkeiten mit dem  tierischen Mitbewohner der Autorin hat...;)

Der Schreibstil ist eher einfach (wie es bei einem Krimi zu 90% der Fall ist) und lässt sich sehr gut lesen. Die Kapitel sind kurz und verleiten dazu, noch schnell ein weiteres zu lesen.

Ich finde es immer wieder bewundernswert, wie unterschiedlich Autor:innen in verschiedenen Genres schreiben können. Ich freue mich schon auf einen weiteren Fall mit Lily Brown und gratuliere der Autorin zu ihrem Krimi-Debüt!

Fazit:
Ein gelungenes Krimi Debüt der Autorin, die mit der Figur der Psychotherapeutin Lily Brown einen interessanten Charakter entworfen hat. Ich freue mich schon auf weitere interessante Fälle.

Vielen Dank an Marita Spang und an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar!

KaDeWe: Haus der Wünsche - Marie Lacrosse

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 704 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (14. Juni 2023)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442206391
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206391
    • Genre: Familiensaga, histroischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Kaufhaus Saga


Goldmann Kurzbeschreibung:
Berlin Mitte der 20er Jahre: In der Stadt tobt das Leben, die Strenge des Kaiserreichs ist passé, und Frauen eröffnen sich nie dagewesene Chancen. Im KaDeWe hat sich die Verkäuferin Rieke Krause zur Abteilungsleiterin emporgearbeitet. Währenddessen macht Judith Bergmann Karriere an der Universität und ist mit einem der neuen Geschäftsführer liiert. Rieke und Judith haben noch viele Pläne. Doch dann ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Die neuen Machthaber versuchen, die jüdischen Eigentümer des KaDeWe aus dem Unternehmen zu drängen. Und auch auf Rieke und Judith kommen schwere Zeiten zu ...

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieser zweite Band rund um das KaDeWe und die Familien Bergmann, Tietz und Krause schließt nahtlos an den ersten Band an. Er beginnt 1927 und endet in einem Epilog im Jahre 1936.

Nachdem Adolf Jandorf seine Warenhäuser, zu denen auch das bekannte KaDeWe, das Kaufhaus des Westens, in Berlin gehört, an die jüdische Hermann Tietz OHG verkauft hat, übernimmt Martin Tietz gemeinsam mit seinem Bruder Georg und seinem Schwager Hugo Zwillenberg die Leitung des Hauses.
Rieke steigt zur Abteilungsleiterin und später zur Aufsichtsdame
für die Abteilungen Damenkonfektion und Damenwäsche auf. Doch Gunter Perl, der leitender Textileinkäufer wird, hat sie damit noch immer als Vorgesetzten vor ihrer Nase.  Und er lässt nichts unversucht ihr das Leben schwer zu machen.
Riekes Peter klettert ebenfalls als Dekorateur die Erfolgsleiter nach oben. Außerdem setzt er sich für die horrenden Zustände in den Berliner Hinterhäuser ein, wo die Menschen alles, nur keine lebenswerten Wohnbedingungen vorfinden.
Riekes beste Freundin Judith Bergmann ist als Dozentin an der Friedrich-Wilhelm Universität und der Sozialen Frauenschule sehr erfolgreich. Ihr großes Vorbild ist noch immer Alice Solomon, mit der sie eine tiefe Freundschaft verbindet. Sie ist mit Martin Tietz liiert, der das KaDeWe noch luxuriöser machen will. Doch die Weltwirtschaftskrise und der ansteigende Judenhass wirkt sich immer mehr auf die Menschen aus. Riekes Schwester Sanni schließt sich der NSDAP an und versucht weiterhin Rieke und dem KaDeWe zu schaden, wo sie nur kann.
Die Lebensumstände werden für (fast) alle Berliner immer schwieriger und der ansteigende Antisemitismus lässt auch die Verkaufszahlen im KaDeWe schrumpfen....

Durch kleine Rückblicke vereinfacht es Marie Lacrosse den Leserinnen sich an Geschehnisse des ersten Bandes zu erinnern und so ohne Schwierigkeiten schnell wieder in die Geschichte einzutauchen. Es dauert wirklich nicht lange und ich war wieder gemeinsam mit Rieke und Judith mitten im Geschehen. Der immer mehr ansteigende Judenhass und die politischen falschen Entscheidungen und deren Folgen haben mich wieder sehr mitgenommen, auch wenn ich bereits extrem viele Lektüre dazu gelesen habe. Uns allen sind die Vorgänge von damals bekannt und doch konnte die Autorin diese schrecklichen Tatsachen sehr eindrücklich und bildhaft in ihren Roman darstellen. Ganz besonders erdrückend finde ich einige Parallelen zur Gegenwart...und diese sind definitv da!

Die Autorin hat wie gewohnt hervorragend recherchiert und die politischen Umstände dieser Zeit, sowie die Auswirkungen auf das KaDeWe spannend erzählt. Ihr ist es ausgezeichnet gelungen, reale Begebenheiten mit fiktiven Ideen zu vereinen. Man bekommt in ihrem Nachwort "Wahrheit und Fiktion" einiges an Hintergrundwissen präsentiert, wie etwa Anekdoten, die sich in anderen Kaufhäusern abgespielt haben und die sie in ihrem Roman um das KaDeWe miteinbezogen hat. Als jemand, der selbst im Handel arbeitet, weiß ich, dass es dazu genügend "Material" gibt.

Marie Lacrosse verfügt über einem bildhaften und detaillierten Erzählstil. Die Sprache ist der Zeit angepasst und sehr dialoglastig. Die Figuren sind alle lebendig und authentisch dargestellt und entwickeln sich immer weiter. Ich habe mit ihnen mitgefühlt und mitgelitten.
Das Personenregister am Anfang des Buches ist hilfreich. Mit den 704 Seiten ist der historische Roman alles andere als dünn, lässt sich aber wieder vorzüglich lesen.

Fazit:
Ein großartiger Abschluss der Dilogie, der mich gefesselt und in die damalige Zeit zurückversetzt hat. Toll recherchiert und wunderbar erzählt! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an Marie Lacrosse und an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Kaufhaus Saga:

  1. Das Haus der Träume  *Rezi*
  2. Das Haus der Wünsche

KaDeWe: Haus der Träume - Marie Lacrosse

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Taschenbuch: 720 Seiten
    • Verlag: ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (13. Oktober 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442206383
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206384
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: Band 1 der Kaufhaus Saga



Goldmann Kurzbeschreibung:
Berlin, Anfang des 20 Jahrhunderts: Das Kaufhaus KaDeWe erstrahlt in Glanz und Luxus – eine Welt, die Judith Bergmann wohl vertraut ist. Denn die Tochter des KaDeWe-Justiziars soll Harry Jandorf heiraten, den einzigen Sohn des Kaufhausgründers. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Rieke Krause hingegen ist von der Pracht des Kaufhauses schier überwältigt, als sie dort eine Stelle als Verkäuferin antritt. Schon bald verliebt sie sich in ihren Kollegen Hermann. Doch in den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit werden die Lebenspläne von Judith und Rieke gewaltig durcheinandergewirbelt. Und auch das KaDeWe und sein Eigner Adolf Jandorf stehen vor großen Herausforderungen ….

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Marie Lacrosse lese ich schon lange und gerne. Zu Beginn schrieb sie noch unter Marita Spang ihre historischen Romane, die in den früheren Jahrhunderten spielten. Unter Marie Lacrosse schreibt sie vorwiegend im 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert.

Diesmal hat sich die Autorin dem Kaufhaus des Westens gewidmet und erzählt die Geschichte dreier Familien, die mit dem Kadewe verbunden sind.
Der Gründer dieses Warenhauses, Adolf Jandorf, hat sich von ganz unten hochgearbeitet. Mit seinen Brüdern hat er einige kleinere Kaufhäuser aufgebaut, bis er sich seinen Wunsch eines großen Luxuskaufhauses erfüllte. Sein Sohn Harry scheint jedoch kein Interesse zu haben, das Imperium später zu übernehmen.

Jandorfs bester Freund ist der Firmenjustiziar Paul Bergmann. Dessen Sohn Johannes arbeitet als Einkäufer im KaDeWe. Er ist ein sehr offener und warmherziger Mensch, hütet jedoch ein dunkles Geheimnis.
Seine Tochter Judith besucht die von Alice Salomon gegründete Soziale Frauenschule und hofft durch diese Ausbildung die Qualifikation für ein Hochschulstudium zu erhalten. Judith setzt sich vorallem für Kinder aus der Unterschicht im jüdischen Teil des Scheunenviertels ein. Sie kämpft verzweifelt gegen die dort herrschenden sozialen Bedingungen.

Neben den Jandorfs und Bergmanns aus der gehobenen Schicht, begleiten wir noch die Arbeiterfamilie Krause. Mutter Käthe leitet die Putztruppe im KaDeWe und bringt ihre Kinder Rieke und Robert als Lehrlinge im KaDeWe unter. Ihr Mann tyrannisiert die Familie und schlägt sich zu Beginn mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis er immer mehr dem Alkohol verfällt.
Rieke steigt beruflich immer weiter auf, muss jedoch gleichzeitig die ganze Familie versorgen. Hunger und Armut sind das tägliche Brot der Krauses. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, verändert sich das Leben aller drei Familien schlagartig....

Die Handlung des ersten Teiles startet im Jahr 1907 und endet 1926, wobei der Fokus auf den 1910er- und 1920er-Jahren liegt. Das Kaufhaus ist dabei der Dreh- und Angelpunkt des Buches.
Gespannt habe ich den Werdegang von Rieke und Judith verfolgt, die alleine schon durch ihre Lebensumstände in völlig unterschiedlichen Bereichen für ihr Glück kämpfen und im Laufe der Geschichte Freundinnen werden. Der Einblick ins Kaufhausgeschehen, wie auch die privaten Schicksalsschläge haben die manchmal etwas ausufernden politischen Darstellungen aufgelockert. Das historische Hintergrundwissen der Autorin fließt wieder wunderbar in die fiktive Geschichte ein und gibt ein sehr detailliertes Bild der damaligen Zeit. Besonders die Superinflation nach dem verlorenen Krieg und die daraus resultierenden Folgen sind spannend erzählt und hinterließen ein etwas banges Gefühl in meiner Magengegend.

Marie Lacrosse verfügt über einem bildhaften und detaillierten Erzählstil. Die Sprache ist der Zeit angepasst und sehr dialoglastig. Die Figuren sind alle bildhaft und authentisch dargestellt. Ich konnte sie mir wunderbar vorstellen und habe oftmals um einige von Ihnen gebangt und gehofft.

Zu Beginn gibt es eine Personenübersicht der handelnden Figuren mit Vermerk zu den historischen Persönlichkeiten. Im Nachwort erzählt die Autorin über ihre Recherchen und der Arbeit am Roman....sehr interessant! Die letzten Kapitel geben bereits Hinweise, wie es im zweiten Teil, der am 14. Juni 2023 erscheinen wird, weitergehen könnte.

Fazit:
Ein sehr interessanter erster Teil über die Entstehung des Kaufhaus des Westens und einer bildhaften Darstellung der Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin. Gelungen!

 Vielen Dank an den Goldmann Verlag und ganz besonders an Marie Lacrosse für das Rezensionsexemplar!

[Das Kaffeehaus] Bewegte Jahre - Marie Lacrosse

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Broschiert: 736 Seiten
    • Verlag: Goldmann Verlag; Originalausgabe Auflage (28. September 2020) 
    • ISBN-10 : 3442205972
    • ISBN-13 : 978-3442205974
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1der Kaffehaus Saga



Goldmann Kurzbeschreibung:
Wien in den 1880er-Jahren: Die junge Sophie von Werdenfels flüchtet aus der tristen Atmosphäre ihres Elternhauses so oft wie möglich in die Pracht des Kaffeehauses ihres bürgerlichen Onkels. Dort lernt sie Richard von Löwenstein kennen, einen persönlichen Freund des Kronprinzen Rudolf. Während sich die beiden verlieben, schwärmt Sophies beste Freundin Mary für den verheirateten Kronprinzen. Ungeachtet aller Warnungen Sophies, lässt sich Mary sogar auf eine Affäre mit Rudolf ein. Und niemand ahnt, dass dadurch das Kaiserreich in seinen Grundfesten erschüttert wird …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Marie Lacrosse alias Marita Spang hat mich mit ihren historischen Romanen bisher immer begeistern können. Ihre fundierte historische Recherche lässt die alte Zeit äußerst lebendig auferstehen, wie auch in ihrem neuesten Roman "Das Kaffeehaus: Bewegte Jahre". Der Übertitel der Reihe verspricht viel Wiener Kaffeehauskultur. Im ersten Band konzentriert sich die Autorin vorallem aber auf die tragische Lebensgeschichte von Kronprinz Rudolf und seiner Affäre mit Mary Vetsera.
Jedem Österreicher und jeder Österreicherin ist der Name der jungen Dame wohl bekannt, die mit dem Kronprinzen in den Tod ging. Die Affäre Mayerling erschütterte damals das Kaiserreich in seinen Grundfesten. Erst 2015 wurden die original Abschiedsbriefe von Mary Vetsera in einem Bankschließfach gefunden und bestätigten den freiwilligen Tod der jungen Frau, der damals völlig unter dem Teppich gekehrt wurde. 
 
Neben der Geschichte um Mary Vetsera erleben wir mit der jungen (fiktiven) Komtess Sophie von Werdenfels den Alltag in der gehobenen Schicht der k.u.k. Monarchie in Österreich-Ungarn. Seit dem Tod ihres Vaters und der Wiederverheiratung ihrer Mutter verbringt Sophie ihre Zeit lieber im Café Prinzess bei ihrem Onkel Stefan Danzer und umgeben von Kuchendüften. Nur dort fühlt sie sich wohl und hilft sogar aus - natürlich ohne dem Wissen ihres Stiefvaters, für den Ansehen und Geld alles ist. Durch die Heirat mit Sophies Mutter hat er sich beides verschafft, doch für ihn ist es noch lange nicht genug. Deshalb hält er seine Frau und die Stiefkinder sehr kurz. Sophie flüchtet so oft wie möglich ins Café ihres Onkels, der neben dem Kaffeehaus Demel als Nummer zwei in Wien rangiert. Dort treffen sich bei Kaffee und Kuchen die adeligen Damen und Herren um zu tratschen und um gesehen zu werden. Durch die Heirat mit Arthur von Freiberg sind die von Werdenfels im Rang gesunken und müssen nun um die gesellschaftliche Anerkennug kämpfen. Dabei hilft ihnen Baronin Helene von Vetsera, die mit Sophies Mutter befreundet ist, und auch Maria Alexandrine von Vetsera, genannt Mary, die rebellische Freundin von Sophie. Durch sie lernt die junge Frau den smarten Lebemann Richard von Löwenfels kennen, der mit Kronprinz Rudolf befreundet ist. Richard verliebt sich in Sophie, doch zur Tilgung seiner Schulden, hat er bereits in die arrangierte Ehe mit Komtess Amalie von Thurnau eingewilligt.
Sophie schwärmt für Richard von Löwenstein; Mary, wie viele andere junge Frauen, vom verheirateten Kronprinzen Rudolf. Doch ihre Schwärmerei wird zur Besessenheit. Sie unternimmt alles, um Rudolf aufzufallen. Sophie und Richard versuchen Mary und Rudolf von einer Affäre abzubringen und geraten selbst in große Schwierigkeiten....

Leider fand ich zu Beginn etwas schwer in die Geschichte, was mir bei der Autorin völlig unverständlich ist. Trotzdem hatte ich Anfangsschwierigkeiten, die aber nach einiger Zeit verflogen. Im zweiten Teil beginnt der Spannungsbogen stark anzusteigen und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Obwohl man natürlich weiß, wie die Geschichte rund um Mary und Rudolf ausgeht, fiebert man mit Sophie mit und hofft das Unglück noch abwenden zu können.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das bringt einem die Charaktere näher. Diese sind sehr lebendig dargestellt und wirken einfach großartig authentisch. Rudolfs Probleme mit seinem erzkonservativen Vater, Kaiser Franz Joseph, sind auch heute noch bekannt. Die politischen Standpunkte von Vater und Sohn könnten nicht unterschiedlicher sein. Der sensible Rudolf litt von Kindheit an unter der Lieblosigkeit des Elternhauses.
Die intregante Marie Luise von Jarisch scheint einiges an Marys Unglück beigetragen zu haben.
Mary liebt es im Mittelpunkt zu stehen und denkt nur an sich. Sophie ist hingegen eine sympathische junge Frau, die anzupacken versteht und dem das Café ihres Onkels am Herzen liegt.
 
Die Autorin lässt die alte k.u.k. Zeit wieder auferstehen. Sie hat perfekt und mit viel Aufwand recherchiert. Etikette, Contenance und der äußere Schein sind damals einfach alles. Durch Sophies Familie lernt man wie schnell man von der Bildfläche verschwinden kann, wenn man plötzlich nicht mehr ins Gesamtbild passt. Historische Begebenheiten sind in die fiktive Geschichte rund um Sophie perfekt eingewoben worden. Man erlebt diese Zeit am Ende des Neunzehnten Jahrhunderts mit sehr viel Authentizität.

Schreibstil:
Der bildhafte und detaillierte Erzählstil ist wieder äußerst gelungen. Die Sprache ist der Zeit angepasst und enthält einige typische Worte im Wiener Dialekt.

Auf der Innenseite der Klappbroschur findet man das Rezept zur Mokka Prinzentorte, die extra für den Roman kreiert wurde. Danach findet man eine Wien Karte des 1. Bezirkes, eine Karte von Wien und Umgebung und eine der Österreichischen-Ungarische Monarchie.
Das nachfolgende Personenregister ist lang und in fiktive und historische Figuren eingeteilt. Keine Angst - obwohl es über einige Seiten geht, lernt man schnell die wichtigsten Charaktere kennen. Am Ende findet man ein ausführliches Nachwort (unbedingt lesen!), ein Glossar mit Wiener Begriffen und ein Verzeichnis der wichtigsten Quellen.
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Noch eine persönliche Anmerkung: Im Nachwort auf Seite 704 hat mich die Autorin namentlich angeführt! Als sie es mir erzählte, bevor ich das Buch in den Händen hielt, war ich völlig aus dem Häuschen. Was für eine Ehre!

Fazit:
Ein historisch großartig recherchierter Roman, der sich im ersten Band dieser Trilogie mehr mit Kronprinz Rudolf, als dem titelgebenden Kaffeehaus, auseinandersetzt. Nach anfänglich kleinen Startschwierigkeiten war ich mitten in der k.u. k. Zeit des 19. Jahrhunderts in Wien und erlebte mit Sophie den Glanz, aber auch die Schattenseiten dieser Epoche. Ich freue mich schon auf die weiteren beiden Teile der Reihe!

Vielen Dank an den Goldmann Verlag und ganz besonders an Marie Lacrosse für das Rezensionsexemplar!

Das Weingut: Aufbruch in ein neues Leben - Marie Lacrosse




    • Broschiert: 704 Seiten
    • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Originalausgabe (15. April 2019)
    • ISBN-10: 3442205557
    • ISBN-13: 978-3442205554
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 2 der Weingut Saga


Goldmann Kurzbeschreibung:
Die Ehe zwischen dem Dienstmädchen Irene und dem reichen Erben Franz sollte eine Liebesheirat sein. Doch nach einer ungeheuerlichen Enthüllung von Franz' Vater verlässt die schwangere Irene ihren geliebten Bräutigam ohne ein Wort. Einsam bringt sie ihren kleinen Sohn zur Welt und tritt eine Stelle als Textilarbeiterin in einer Fabrik an. Die Bedingungen dort sind grausam, und Irene muss bis zur Erschöpfung arbeiten. Aber dann lernt sie den charismatischen Arbeiterführer Josef kennen, der ihr Kraft und Geborgenheit gibt. Obwohl sie Franz noch immer liebt, beginnt sie eine Beziehung mit ihm. Aber kann Irene den Verlust von Franz wirklich überwinden?

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Man sollte hier unbedingt Band 1 zuerst lesen, weil die Handlung von Band 2 auf diesen aufbaut

Meine Meinung:
In meiner Rezension des ersten Teils habe ich eben entdeckt, dass ich dachte hier handelt es sich um eine Dilogie...nein, es wird eine Trilogie und Band 3 wird im September dieses Jahres erscheinen. Und wer diese Trilogie beginnt, dem kann ich versprechen, dass er sicherlich genauso den letzten Band entgegenfiebern wird, wie ich.

Band 2 schließt dort an, wo Band 1 aufgehört hat. Die Autorin stellt die Charaktere zwar anfangs nochmals vor und geht auf einige Details aus dem ersten Teil ein, jedoch ist es sinnvoll mit dem ersten Teil anzufangen und danach "Aufbrauch in ein neues Leben" zu lesen. Und für Irene, als auch für Franz, ist es genau das, denn ihre Wege trennen sich.
In jeweils einem eigenen Handlungsstrang begleiten wir die beiden liebgewonnen Charaktere weiter. Im dritten Erzählstrang leiden wir mit Franz Mutter Pauline, die von ihrem Ehemann in die Irrenanstalt eingewiesen wurde. So kann er seine Frau kontrollieren und er hat eine bessere Möglichkeit ans Erbe zu kommen, das eigentlich Franz zusteht.
Irene versucht sich indessen mit Fränzel durchzuschlagen, sowie eine neue Bleibe und Arbeit zu finden. Dies erweist sich anfangs alles andere als einfach, bis sie eine Stelle als Nopperin in einer Tuchfabrik findet. Doch die Arbeitsbedingungen sind schlecht und der Lohn reicht kaum zum Überleben.

Die eingeflochteten historischen Fakten ziehen sich wie schon im ersten Band durch die Geschichte. Marie Lacrosse hat sich im zweiten Teil vorallem der Ausbeutung der Arbeiter und der Industralisierung gewidmet. Als Leser erhält man Einblick in die Arbeitswelt der Textilherstellung und kann sich kaum vorstellen unter welchen Bedingungen Frauen und Männer, als auch Kinder, damals arbeiten mussten. Besonders Kinder wurden bei den gefährlichen Maschinen eingesetzt, denn der Lohn für die Erwachsenen reicht kaum um über die Runden zu kommen. Obwohl Kinderabeit bis zu einem gewissen Alter verboten ist, kümmert sich kaum jemand darum, denn jede Münze mehr im Geldbeutel bedeutet Essen.
Diese Zeit war auch der Beginn der Gewerkschaften, die sich gegen die unmenschlichen Methoden und Grausamkeiten der Arbeitgeber zu wehren begannen. Mit Josef Hartmann lernt Irene einen dieser Männer kennen, die sich für die Rechte der Arbeiter einzusetzen versuchen.

Aber auch bei Franz auf dem Weingut ist nicht alles eitel Sonnenschein. Immer wieder gibt es Streitereien, bis Franz sich vom Vater und der Heimat abwendet. Als Sohn einer Französin fühlte er sich schon immer mehr als Franzose, anstatt als Deutscher. Durch die Besetzung des Elsasses durch die Preußen gerät er jedoch wieder in einem Konflikt, der ihn in große Gefahr bringen kann.
Obwohl sich Franz anfangs vom Weingut abwendet, erfährt der Leser in diesem zweiten Teil mehr über den Weinanbau und auch den Versuch Eiswein herzustellen. Da ich selbst in der Nähe eines Weinbauangebietes wohne, war mir Eiswein bekannt, denn auch dieser wird bei uns in der Wachau erzeugt.
Die Abläufe auf dem Weingut werden ebenso interessant dargestellt, wie die Versuche menschliche Bedingungen in den Textilfabriken zu erlangen. Die Autorin hat wie üblich eine akribische Recherche betrieben, die diese Zeit des Umbruchs wunderbar lebendig werden lässt.

Im dritten Erzählstrang, der sich um Pauline dreht, erlebt man als Leser Methoden, die in der Psychatrie eingesetzt werden, die einem sprachlos zurücklassen. Ob es Pauline schafft zu überleben und die Anstalt wieder verlassen kann, müsst ihr selbst lesen.

Das Ende ist diesmal nicht offen, was ich als angenehm empfunden habe. Trotzdem kann ich es kaum erwarten Band 3 in den Händen zu halten, der im September erscheinen wird.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Marie Lacrosse/Marita Sprang ist wie immer einfach grandios. Sie schreibt fesselnd und man hat das Gefühl nur durch die Seiten zu fliegen...trotz der hohen Seitenanzahl. Die vielschichtige Handlung bietet Spannung und Dramatik.
Jeder Charakter entwickelt sich in der Geschichte weiter und bei einem oder zwei erlebt man sogar noch eine große Überraschung.
In der Klappbroschur findet ihr außerdem ein ausführliches Personenverzeichnis, ein Glossar, ein Nachwort der Autorin und eine kleine Leseprobe des dritten Teiles.

Fazit:
"Das Weingut: Aufbruch in ein neues Leben" hat mir noch besser gefallen als der erste Band der Reihe. Die Autorin hat diese Zeit des Umbruchs wunderbar lebendig werden lassen und wie immer fabelhaft recherchiert. Marie Lacrosse aka Marita Spang bringt wie kaum eine andere Autorin dem Leser Geschichte so wunderbar lebendig nahe, dass es eine Freude ist ihre Bücher zu lesen und mit ihren Figuren mitzufiebern.

 Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für die interessanten Hintergründe zum Buch via der Lovelybooks Leserunde

Das Weingut:
  1. Das Weingut: In stürmischen Zeiten  *Rezi
  2. Das Weingut: Aufbruch in ein neues Leben
  3. Das Weingut: Tage des Schicksals  *erscheint am 30. September*
 

Die Rose des Herzogs - Marita Spang




    • Taschenbuch: 672 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (2. November 2018)
    • ISBN-10: 3426520222
    • ISBN-13: 978-3426520222
    • Genre: Historischer Roman


Knaur Kurzbeschreibung:
Charlotte de Rohan-Rochefort ist wenig begeistert, als der vier Jahre jüngere Louis Antoine, Herzog von Enghien, 1792 um sie zu werben beginnt. Zu frisch ist Charlottes Trauer um ihren Verlobten, der den September-Massakern in Paris zum Opfer gefallen ist. Doch Louis bleibt hartnäckig, und was als platonische Freundschaft beginnt, entwickelt sich schließlich zu einer tiefen gegenseitigen Liebe – die politischem Kalkül ebenso trotzt wie den häufigen kriegsbedingten Trennungen. Bis die Royalisten Louis zum Thronprätendenten ernennen wollen und er damit zur Bedrohung für Napoleon Bonaparte wird …

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Knaur Challenge

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die historischen Romane von Marita Spang gehören immer wieder zu meinen absoluten Highlights in diesem Genre. Die starken Frauenfiguren, die die Autorin in ihren Romanen vorstellt und die ausgezeichnete Recherche, bereichern alle ihre Histo-Romane.
"Die Rose des Herzogs" hat bei mir diesmal allerdings keine 5 Sterne geschafft, ist aber trotzdem ein wunderbares Buch, welches ich allen Liebhabern von anspruchsvollen historischen Romanen ans Herz lege. Grund für meine Bewertung ist sicherlich auch, dass die Erzählung etwas Zeit benötigt, bevor sie richtig in Schwung kommt.

In ihrem neuen Roman widmet sie sich dem Schicksal von Charlotte de Rohan-Rochefort. Ausgehend vom historischen Hintergrund dieser Zeit, der Französischen Revolution, erzählt sie die Lebensgeschichte dieser starken, aber leider fast unbekannten Frau. Historische  Figuren und Begebenheiten werden dabei gekonnt mit fiktiven Geschichten verbunden. Die Umbrüche und Wirren dieser Zeit werden sehr bildhaft und authentisch erzählt.
Charlotte de Rohan-Rochefort ereilt das Schicksal vieler Adeligen beim Ausbruch der Revolution. Gemeinsam mit ihrem Vater, Bruder und Großonkel, Kardinal Louis René Eduard von Rohan-Guéméne, flieht sie ins Exil nach Ettenheim am Rhein, welches zu seiner Diözese gehört. Dort finden sich viele Emigranten, die ebenso vorerst Zuflucht finden.
Zuvor erleben wir die Aufstände in Paris, den Sturm auf die Bastille und den Tod von Charlottes Verlobten, der bei den September Massakern ums Leben kommt. Daraufhin schließt sie einen Pakt: Charlotte will sich nie wieder verlieben. Doch sie hat nicht mit der Hartnäckigkeit des jungen Louis Antoine, Herzog von Enghien, gerechnet. Erst Jahre später erlaubt sich Charlotte eine neue Liebe, doch Louis Antoines Onkel setzt alles daran diese zu verhindern....

Charlottes Geschichte wird im Rückblick erzählt. Im Prolog finden wir sie auf ihrem Sterbebett vor, wo Charlotte an ihre große Liebe und an ihr tragisches, aber ereignisreiches Leben, denkt. Danach wird der Roman in fünf Abschnitte mit den Überschriften Vincent, Ettenheim, Louis-Antoine, falcher Verdacht und Niedertracht geteilt. Nach jedem dieser Abschnitte kehrt der Leser in die Gegenwart an Charlottes Sterbelager zurück.

Marita Spang erzählt Geschichte spannend und lebendig. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz. Man begibt sich mit Louis Antoine aufs Schlachtfeld und erkennt wie sinnlos dieses Morden unter den eigenen Landsmännern eigentlich ist. Interessiert verfolgt man den Aufstieg Napoleons, wobei die Autorin hier mehr Gewicht auf die Gegner des Korsen, den Royalisten, legt. Denn Louis Antoine ist in erster Linie Soldat und für ihn gelten die Ideale der Royalisten in der Armee Condé. Seine inneren Kämpfe, die er gegen sich selbst führt, werden sehr deutlich. Aber auch seine Sturheit und die Vehemenz seiner idealistischen Einstellung tritt deutlich hervor.
Charlotte ist eine sympathische Frau, die keinerlei Standesdünkel hat und auch zupacken kann, wenn es sein muss. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und kämpft um ihre Liebe. Sie ist klug, mutig und versucht das Beste aus ihrem Leben im Exil zu machen. Erwähnenswert ist auch noch die Dogge Mohiloff, die mir sehr ans Herz gewachsen ist und eine besondere Rolle im Roman spielt.

Trotz der Liebesgeschichte zwischen Charlotte und Louis Antoine ist dieser Roman weit entfertn von einem kitschigen Histoschinken, sondern vermittelt vorallem spannende Zeitgeschichte und erzählt über tragische Leben einer starken Frau.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin besticht durch Authentizität und Atmosphäre. Die hervoragenden Recherche ist auf jeder Seite zu erkennen. Ihr Schreibstil ist der Zeit angemessen, lässt sich aber wie immer flüssig lesen. Zu Beginn benötigte ich trotzdem eine Weile, um mich zurechtzufinden. Hier fehlte es noch etwas an Spannung bzw. fragte ich mich noch wohin die Geschichte eigentlich will. Das änderte sich allerdings rasch und die fast 700 Seiten waren wieder sehr schnell inhaliert.

Am Beginn des Buches befindet sich ein Personenregister und zwei Landkarten. Am Ende gibt es eine Zeittafel und einige Worte der Autorin betreffend Wahrheit und Fiktion zu ihrer Geschichte über Charlotte  de Rohan-Rochefort.

Fazit:
Wieder ein hervorragender historischer Roman der Autorin, der über das Schicksal der Emigranten nach dem Ausbruch der Französischen Revolution und ganz besonders über Charlotte de Rohan-Rochefort erzählt. Hier wird Geschichte lebendig und spannend erzählt. Für mich kam der Roman allerdings nicht ganz an "Blut und Seide" heran.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar, sowie der Autorin, die die Loveybooks Leserunde bgeleitete und uns Rede und Antwort stand.

Das Weingut: In stürmischen Zeiten - Marie Lacrosse

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Broschiert: 672 Seiten
    • Verlag: Goldmann Verlag (23. Juli 2018)
    • ISBN-10: 3442205549
    • ISBN-13: 978-3442205547
    • Genre: Historischer Roman
    • Reihe: ja - Band 1 der Dilogie 



Goldmann Kurzbeschreibung:
Weißenburg im Elsass im Jahr 1870: Die junge Waise Irene kommt als Dienstmädchen in das Herrenhaus des reichen Weinhändlers Wilhelm Gerban. Dessen Sohn Franz glaubt an die Ideale der französischen Revolution, wofür sein Vater wenig Verständnis hat. Als Irene auf Franz trifft, verlieben die beiden sich leidenschaftlich ineinander. Doch nicht nur Standesschranken und familiäre Intrigen stehen ihrer Beziehung im Wege. Auch am europäischen Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Ein furchtbarer Krieg bricht aus. Gegen alle Widerstände kämpfen die beiden jungen Leute um ihr Glück. Bis das Schicksal unbarmherzig zuschlägt ...

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die Dilogie "Das Weingut" von Marie Lacrosse hatte ich zwar schon ins Auge gefasst, wollte aber zuerst einige Rezensionen abwarten. Als ich aber herausfand, dass hinter Marie Lacrosse Marita Spang steckt, war mir klar, dass ich Band 1 gleich lesen muss. Marita Spang hat mich mit ihren historischen Romanen bis jetzt immer zu 100% überzeugt und so freute ich mich wahnsinnig, dass ich bei der Lovelybooks Leserunde dabei sein durfte.

Schon der Prolog zof mich sofort in den Bann. Eine junge Frau bringt in einer Gebäranstalt für ledige Mütter ein kleines Mädchen zur Welt. Sie darf weder das Kind sehen, noch wird ihr, trotz ihrer Schmerzen nach der Geburt, geholfen. Einzig der Wunsch das Mädchen Irene zu taufen, bevor es ins Waisenhaus kommt, erfüllt ihr eine der Schwestern.
15 Jahre später wird Irene aus dem Waisenhaus in Speyer als Dienstmädchen zum reichen Weinhändler Wilhelm Gerban gebracht. Die Umstände, warum er gerade Irene ausgewählt hat, sind etwas mysteriös und werden erst am Ende des Buches aufgeklärt.
Irene erwartet im Herrenhaus der Gerbans neben dem Hausherren Wilhelm, auch dessen französische Frau Pauline, sowie der ältere Sohn Franz und seine jüngere Schwester Mathilde. Franz hat nach dem Wünschen seiner Mutter die französische Staatsbürgerschaft, während Mathilde, wie Wilhelm Gerban Deutsche ist. Während Franz sich als Franzose fühlt und auf dem Internat in Bayern seine Ideen der Französischen Revolution zur Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ausposaunt und ihm den Internatsplatz kostet, ist Mathilde eine intregante und hinterhältige junge Frau, die das Personal schikaniert und sich Irene als Lieblingsziel auserwählt hat. Irene ist eine sehr sympathische junge Frau, erfrischend und neugierig. Sie hat sich sehr schnell in den Haushalt eingefügt und ist bei fast allen Dienstboten sehr beliebt. Als Franz vom Internat kommt und seine Studien in Paris fortsetzen möchte, soll er zuerst eine Zeit im Weingut seines Onkels Gregor Gerban mithelfen. Er interessiert dich für die einfachen Leute und ihre Arbeitsbedingungen und greift Missstände auf. Damit setzt er seinen Onkel unter Druck. Zuhause freundet er sich mit Irene an. Daraus wird bald Liebe, die jedoch unter keinem guten Stern steht. Nicht nur der Standesunterschied, sondern auch die Intrigen von Mathilde und ihrem Vater, bringt den beiden Liebenden sehr viel Leid. Als der deutsch-französische Krieg ausbricht, ist besonders das Elsass, das von beiden Ländern heiß umkämpft wird, Kriegsschauplatz. Franz fühlt sich als Franzose und steht bald seinem deutschen Kusin Fritz am Schlachtfeld gegenüber.....

Marie Lacrosse hat ihre Familiengeschichte vor dem Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 angesiedelt. Die historischen Fakten hat sie wie immer exzellent recherchiert. Die Verzweiflung der Menschen, der Hunger und die sinnlose Tötung werden sehr detailiert beschrieben - egal ob auf dem Schlachtfeld oder im Lazarett. Man begleitet Franz beim Einsammeln der Leichen oder beim Beschuss durch eigene Leute, die selbst vor dem Roten Kreuz nicht Halt machen. Man hört die Schreie, riecht den Tod...wirklich sehr, sehr lebendig geschrieben. Während Franz im Krieg ums Überleben kämpft, intregieren Mathilde und Wilhelm fleißig. Nicht nur Irene wird zu ihrem Opfer...

Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Vorallem Mathilde würde man am liebsten packen und sie einfach nur schütteln. Wenn es der Autorin gelingt so starke Emotionen beim Lesen hervorzurufen, kann  sie einfach wirklich gut schreiben, auch wenn einige Charaktere doch sehr stereotyp sind. Einzig Wilhelm Garban konnte ich anfangs nicht einordnen. Einige seiner Handlungen fand ich gut, einige suspekt; aber im Laufe der Geschichte erkennt man immer mehr, dass er der Vater von Mathilde ist und woher sie ihren Charakter hat.

Man fliegt nur so durch die Seiten und möchte das Buch kaum aus der Hand legen. Es gibt nur ganz wenige Kritikpunkte, die jedoch durch die durchgehende Spannung und dem wunderbaren Schreibstil kaum erwähnenswert sind. Dazu gehört, dass manche Handlungen etwas zu überzogen und ein bisschen vorhersehbar wirken, was jedoch der Spannung keinen Abbruch tut. Gerne hätte ich auch etwas mehr über den Weinbau gelesen. 

Einzig, dass am Ende noch vieles offen bleibt und erst im zweiten Teil aufgelöst wird, hat mich etwas enttäuscht zurückgelassen...steigert aber gleichzeitig die Freude auf den zweiten Teil "Das Weingut: Aufbruch in ein neues Leben", welcher im April 2019 erscheinen wird. ich freue mich schon darauf und möchte unbedingt wissen, ob und wie es mit Irene und Franz weitergeht.

Schreibstil:
Marie Lacrosse alias Marita Spang schreibt unheimlich fesselnd und lebendig. Die Seiten fliegen nur so dahin. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven aus der Sicht von Irene oder Franz erzählt, sowie der Prolog von einer unbekannten Frau, die den Decknamen Klara bekommt. Die Kriegsszenen sind sehr detailliert beschrieben und die Autorin hat hier hervorragend recherchiert.
Der Roman ist außer dem Prolog in sechs Teile aufgeteilt: Scheinfrieden, Ruhe vor dem Sturm, Krieg, Apokalypse, Nachbeben und Abgesang. Zu Beginn des Buches gibt es zwei Landkarten und ein Personenverzeichnis.

Fazit:
Die Geschichte rund um Irene und Franz und den deutsch-französischen Krieg ist von Anfang an fesselnd und spannend. Die Autorin hat hervorragend recherchiert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, auch wenn ich einige kleine Kritikpunkte habe. Ein tolles Leseerlebnis! Ich kann es kaum erwarten den zweiten Band zu lesen, der leider erst im April erscheinend wird.

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar, an Lovelybooks und an die Autorin für die tollen historischen Erklärungen im Zuge der Leserunde.

Blut und Seide - Marita Spang



    • Taschenbuch: 832 Seiten
    • Verlag: Knaur TB (2. November 2015)
    • ISBN-10: 3426517175
    • ISBN-13: 978-3426517178
    • Genre: historischer Roman



Droemer Kurzbeschreibung: 
Die Kauzenburg bei Bad Kreuznach um 1260: Simon wächst als Ziehsohn des Grafen Johann von Sponheim auf, sehr zum Missfallen von dessen jüngerem Bruder Heinrich, der um Johanns Gunst und damit um sein Erbe fürchtet. Die Situation eskaliert, als Simon sich in Heinrichs Verlobte verliebt, die seine Gefühle erwidert. Diesmal kann ihm auch Johann nicht helfen, denn er hat die Verlobung seines Bruders selbst arrangiert. Erst viele Jahre später wird Simon die Chance erhalten, erneut um sein Glück zu kämpfen, als sich die Brüder Johann und Heinrich als Feinde auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen.

Meine Bewertung: * * * * * grandios!

Buch zur Weltenbummler Challenge

Darum gehts:
Der kleine Simon von Montfort überlebt als einziger einen grausamen Überfall auf den Tross seiner Eltern. Kurzerhand hat ihn seine Mutter in der hölzernen Sitzbank der Sänfte versteckt, wo ihn sein Oheim Johann von Sponheim findet, auf seine Burg bringt und aufzieht. Schon von klein auf ist er dort den Grausamkeiten und der Hinterlist des jüngeren Bruder von Johann ausgeliefert, der nur einige Jahre älter als Simon ist. Heinrich, der Liebling seiner Mutter, macht dem Waisen das Leben so schwer wie möglich und es kommt fast zur Katastrophe, als Christina, Simons große Liebe, zur Ehe mit Heinrich gezwungen wird.....


Meine Meinung:
Was für ein grandioser historischer Roman! Schon lange habe ich keinen richtig spannenden und toll recherchierten Mittelalteroman mehr gelesen. Manche sind zu vorhersehbar, manche können die Spannung nicht halten oder sie verzerren das Bild dieser Zeit...nicht jedoch bei Marita Spang. Ausgehend vom historischen Hintergrund dieser Zeit, als Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen um jedes Fleckchen Land kämpften, hat die Autorin eine teils fiktive Handlung mit der historisch belegten Geschichte verknüpft.

Gleich zu Beginn der mehr als 800 Seiten, die man relativ schnell wegliest, gibt es ein Personenverzeichnis der historisch belegten und der fiktiven Figuren des Romans, ebenso wie einen Plan der Pfalzgrafschaften, Herzogtümern und Königreichen. Ebenfalls auf den ersten Seiten sieht man ein Foto einer Löwenskulptur, die an Michel Mort, den Lebensretter von Johann von Sponheim erinnern soll und welche die Autorin zu Geschichte inspirierte und so spielt Michel in der Geschichte ebenfalls eine große Rolle.

Im Prolog, der im Jahr 1259 spielt, erleben wir die Rettung des kleinen Simon von Montfort. Er wird vom Grafen Johann von Sponheim, versteckt in einer Sitzbank, gefunden, nachdem der Tross seines besten Freundes Raimund von Montfort und dessen Frau Irmhild brutal überfallen wurde. Johann zieht den kleinen Simon auf, der von Johanns jüngeren Bruder Heinrich immer wieder grausam gequält wird (heute würde man es zu Beginn noch "Mobbing" nennen). Heinrich fürchtet um sein Erbe, denn Johann und Simon verstehen sich ausgezeichnet und er unterstützt sein Mündel, wo er nur kann, denn Heinrichs böse Charaktereigenschaften hat Johann bald durchschaut. Als es um die Ritterehre und um Macht und Geld geht, kämpft Heinrich mit unlauteren Mitteln und Brutalität, während für Simon die Treue zu seinem König und der Pfalzgrafschaft an erster Stelle steht. Als sich Simon dann auch noch in Christina von Katzenellenbogen verliebt, die schon als Kind Heinrich versprochen wurde, werden die beiden jungen Männer zu Blutsfeinden.

Nun vermutet man als Leser eine Liebesgeschichte und zwei sehr schwarz-weiß gemalte Charaktere, die um dieselbe Frau kämpfen, was teilweise sogar zutrifft. Doch die Autorin spart in ihrem Roman weder mit Toten, noch mit "weichgezeichneten" Szenen, sondern stellt das Mittelalter so brutal und düster dar, wie es zweifelos war...mit all den Ränkespielen und Intrigen, sowie der Macht der Kirche. Auch das Raubrittertum kommt nicht zu kurz und das Blut fließt hier teilweise in Strömen.

Auch die Rolle der Frau zu dieser Zeit, das oftmalige Unrecht und die brutale Behandlung durch die Männer kommt nicht zu kurz. Zuerst ist die Frau/Tochter ihrem Vater unterstellt und danach Eigentum des Ehemannes. Unter Eigentum verstanden viele Männer, dass sie mit ihren Ehefrauen machen konnten, was sie wollten, bis hin zur Tötung. Mit einem kleinen Bußgeld war derjenige dann schnell wieder "reingewaschen". Die Autorin hat in der Leserunde dazu Bezug genommen und beschrieben, dass sie bei ihren Recherchen oft an ihre Grenzen gehen musste und ihr Roman sehr wohl einen "sozialkritischem Unterton" hat, der das Unrecht an Frauen in vergangenen Zeiten beschreibt. So erleidet auch Christina alle möglichen Qualen, die Frauen zu dieser Zeit ausgesetzt waren.

Mehr will ich hier gar nicht über die Geschichte verraten, obwohl auf diesen mehr als 800 Seiten wirklich sehr viel passiert! Ich konnte nach ca. 300 gelesenen Seiten kaum glauben, dass in diesem Roman schon so viel geschehen ist..... Manche Autoren verpacken auf 500 Seiten nicht so viel Inhalt und Thematiken, wie hier Marita Spang - was ihr auch wahrlich gelungen ist. Denn der Leser ist keinesweg überfordert, sondern man kommt einfach gar nicht mehr aus dem Sog der Geschichte heraus. Dabei bleibt auch der Spannungsbogen sehr hoch, wie ich es eigentlich nur von Thrillern kenne. Die Handlung ist in keiner Weise vorhersehbar, auch wenn man manchmal glaubt den weiteren Verlauf zu erahnen....man wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Überraschende Wendungen und unerwartete Situationen bilden hier einen "lebensechten" und keinen romantischen Mitterlalterroman, der diese Zeit so zeigt, wie sie vermutlich auch war. Dazu kommen die Ränkespiele der machthungrigen Fürsten und Könige, die Burgen und Ländereien aufteilen und vergeben, wie es ihnen gerade passt oder Meuchelmorde an Bürgern und Edelleuten, durch die sie sich Vorteile zu verschaffen hoffen.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig, aber der damaligen Zeit angepasst. Zu Beginn benötigte ich ein paar Seiten um wieder in diese Form der Sprache zu finden, doch sehr schnell war ich wieder mittendrin. Es ist somit ein Buch für richtige Liebhaber des historischen Romans und die Autorin braucht sich auch keineswege vor den Großen in diesem Genre, wie Ken Follett oder Rebecca Gablé, zu verstecken! Man taucht tief in die Geschichte ein und trotz der vielen Seiten hätte ich gerne noch immer weitergelesen....das zeigt von Können!

Charaktere:
Die Charaktere sind sehr lebensnah und echt beschrieben. Sie haben Tiefgang und auch wenn man ahnt, wer hier der Gute oder der Böse ist, erlebt man doch noch die eine oder andere Überraschung. Die Eigenschaften der handelnden Personen wird so authentisch beschrieben, dass ich richtiges Kopfkino hatte und jeden Einzelnen vor mir sah - egal ob Hauptprotagonnist oder kleine "Nebenrolle".

Cover:
Auch das Cover finde ich gelungen!  Die goldene Schrift des Titels ist hervorgehoben und wenn man mit den Fingern drüberstreicht, fühlt man den "3-D Effekt". Die Stadt und die Burg im Hintergrund und die sehr harmonische Farbgebung runden das wunderschöne und typisch historische Cover für mich ab.

Fazit:
Dieser historische Roman, der für mich noch unbekannten Autorin Marita Spang, war eine sehr positive Überraschung und definitiv ein Highlight für mich - wenn nicht sogar mein Jahres-Highlight! Grandioses Buch, welches mich von Anfang bis zum Ende gefesselt hat, das einen sehr hohen Spannungsbogen aufweist und das Mittelalter authentisch darstellt. Meine absolute Leseempfehlung für Fans von Ken Follet und Rebecca Fablé und alle, die gerne "wirkliche" historische Romane lesen! Und ich werde mir gleich den Debütroman der Autorin "Hexenliebe" kaufen!


Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar, Lovelybooks und Marita Spang für die liebe und aufschlussreiche Begleitung durch die Leserunde!
 

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