- Taschenbuch: 832 Seiten
- Verlag: Knaur TB (2. November 2015)
- ISBN-10: 3426517175
- ISBN-13: 978-3426517178
- Genre: historischer Roman
Droemer Kurzbeschreibung:
Die Kauzenburg bei Bad Kreuznach um 1260: Simon wächst als Ziehsohn des Grafen Johann von Sponheim auf, sehr zum Missfallen von dessen jüngerem Bruder Heinrich, der um Johanns Gunst und damit um sein Erbe fürchtet. Die Situation eskaliert, als Simon sich in Heinrichs Verlobte verliebt, die seine Gefühle erwidert. Diesmal kann ihm auch Johann nicht helfen, denn er hat die Verlobung seines Bruders selbst arrangiert. Erst viele Jahre später wird Simon die Chance erhalten, erneut um sein Glück zu kämpfen, als sich die Brüder Johann und Heinrich als Feinde auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen.
Meine Bewertung: * * * * * grandios!
Buch zur Weltenbummler Challenge
Darum gehts:
Der kleine Simon von Montfort überlebt als einziger einen grausamen Überfall auf den Tross seiner Eltern. Kurzerhand hat ihn seine Mutter in der hölzernen Sitzbank der Sänfte versteckt, wo ihn sein Oheim Johann von Sponheim findet, auf seine Burg bringt und aufzieht. Schon von klein auf ist er dort den Grausamkeiten und der Hinterlist des jüngeren Bruder von Johann ausgeliefert, der nur einige Jahre älter als Simon ist. Heinrich, der Liebling seiner Mutter, macht dem Waisen das Leben so schwer wie möglich und es kommt fast zur Katastrophe, als Christina, Simons große Liebe, zur Ehe mit Heinrich gezwungen wird.....
Meine Meinung:
Was für ein grandioser historischer Roman! Schon lange habe ich keinen richtig spannenden und toll recherchierten Mittelalteroman mehr gelesen. Manche sind zu vorhersehbar, manche können die Spannung nicht halten oder sie verzerren das Bild dieser Zeit...nicht jedoch bei Marita Spang. Ausgehend vom historischen Hintergrund dieser Zeit, als Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen um jedes Fleckchen Land kämpften, hat die Autorin eine teils fiktive Handlung mit der historisch belegten Geschichte verknüpft.
Gleich zu Beginn der mehr als 800 Seiten, die man relativ schnell wegliest, gibt es ein Personenverzeichnis der historisch belegten und der fiktiven Figuren des Romans, ebenso wie einen Plan der Pfalzgrafschaften, Herzogtümern und Königreichen. Ebenfalls auf den ersten Seiten sieht man ein Foto einer Löwenskulptur, die an Michel Mort, den Lebensretter von Johann von Sponheim erinnern soll und welche die Autorin zu Geschichte inspirierte und so spielt Michel in der Geschichte ebenfalls eine große Rolle.
Im Prolog, der im Jahr 1259 spielt, erleben wir die Rettung des kleinen Simon von Montfort. Er wird vom Grafen Johann von Sponheim, versteckt in einer Sitzbank, gefunden, nachdem der Tross seines besten Freundes Raimund von Montfort und dessen Frau Irmhild brutal überfallen wurde. Johann zieht den kleinen Simon auf, der von Johanns jüngeren Bruder Heinrich immer wieder grausam gequält wird (heute würde man es zu Beginn noch "Mobbing" nennen). Heinrich fürchtet um sein Erbe, denn Johann und Simon verstehen sich ausgezeichnet und er unterstützt sein Mündel, wo er nur kann, denn Heinrichs böse Charaktereigenschaften hat Johann bald durchschaut. Als es um die Ritterehre und um Macht und Geld geht, kämpft Heinrich mit unlauteren Mitteln und Brutalität, während für Simon die Treue zu seinem König und der Pfalzgrafschaft an erster Stelle steht. Als sich Simon dann auch noch in Christina von Katzenellenbogen verliebt, die schon als Kind Heinrich versprochen wurde, werden die beiden jungen Männer zu Blutsfeinden.
Nun vermutet man als Leser eine Liebesgeschichte und zwei sehr schwarz-weiß gemalte Charaktere, die um dieselbe Frau kämpfen, was teilweise sogar zutrifft. Doch die Autorin spart in ihrem Roman weder mit Toten, noch mit "weichgezeichneten" Szenen, sondern stellt das Mittelalter so brutal und düster dar, wie es zweifelos war...mit all den Ränkespielen und Intrigen, sowie der Macht der Kirche. Auch das Raubrittertum kommt nicht zu kurz und das Blut fließt hier teilweise in Strömen.
Auch die Rolle der Frau zu dieser Zeit, das oftmalige Unrecht und die brutale Behandlung durch die Männer kommt nicht zu kurz. Zuerst ist die Frau/Tochter ihrem Vater unterstellt und danach Eigentum des Ehemannes. Unter Eigentum verstanden viele Männer, dass sie mit ihren Ehefrauen machen konnten, was sie wollten, bis hin zur Tötung. Mit einem kleinen Bußgeld war derjenige dann schnell wieder "reingewaschen". Die Autorin hat in der Leserunde dazu Bezug genommen und beschrieben, dass sie bei ihren Recherchen oft an ihre Grenzen gehen musste und ihr Roman sehr wohl einen "sozialkritischem Unterton" hat, der das Unrecht an Frauen in vergangenen Zeiten beschreibt. So erleidet auch Christina alle möglichen Qualen, die Frauen zu dieser Zeit ausgesetzt waren.
Mehr will ich hier gar nicht über die Geschichte verraten, obwohl auf diesen mehr als 800 Seiten wirklich sehr viel passiert! Ich konnte nach ca. 300 gelesenen Seiten kaum glauben, dass in diesem Roman schon so viel geschehen ist..... Manche Autoren verpacken auf 500 Seiten nicht so viel Inhalt und Thematiken, wie hier Marita Spang - was ihr auch wahrlich gelungen ist. Denn der Leser ist keinesweg überfordert, sondern man kommt einfach gar nicht mehr aus dem Sog der Geschichte heraus. Dabei bleibt auch der Spannungsbogen sehr hoch, wie ich es eigentlich nur von Thrillern kenne. Die Handlung ist in keiner Weise vorhersehbar, auch wenn man manchmal glaubt den weiteren Verlauf zu erahnen....man wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Überraschende Wendungen und unerwartete Situationen bilden hier einen "lebensechten" und keinen romantischen Mitterlalterroman, der diese Zeit so zeigt, wie sie vermutlich auch war. Dazu kommen die Ränkespiele der machthungrigen Fürsten und Könige, die Burgen und Ländereien aufteilen und vergeben, wie es ihnen gerade passt oder Meuchelmorde an Bürgern und Edelleuten, durch die sie sich Vorteile zu verschaffen hoffen.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig, aber der damaligen Zeit angepasst. Zu Beginn benötigte ich ein paar Seiten um wieder in diese Form der Sprache zu finden, doch sehr schnell war ich wieder mittendrin. Es ist somit ein Buch für richtige Liebhaber des historischen Romans und die Autorin braucht sich auch keineswege vor den Großen in diesem Genre, wie Ken Follett oder Rebecca Gablé, zu verstecken! Man taucht tief in die Geschichte ein und trotz der vielen Seiten hätte ich gerne noch immer weitergelesen....das zeigt von Können!
Charaktere:
Die Charaktere sind sehr lebensnah und echt beschrieben. Sie haben Tiefgang und auch wenn man ahnt, wer hier der Gute oder der Böse ist, erlebt man doch noch die eine oder andere Überraschung. Die Eigenschaften der handelnden Personen wird so authentisch beschrieben, dass ich richtiges Kopfkino hatte und jeden Einzelnen vor mir sah - egal ob Hauptprotagonnist oder kleine "Nebenrolle".
Cover:
Auch das Cover finde ich gelungen! Die goldene Schrift des Titels ist hervorgehoben und wenn man mit den Fingern drüberstreicht, fühlt man den "3-D Effekt". Die Stadt und die Burg im Hintergrund und die sehr harmonische Farbgebung runden das wunderschöne und typisch historische Cover für mich ab.
Fazit:
Dieser historische Roman, der für mich noch unbekannten Autorin Marita Spang, war eine sehr positive Überraschung und definitiv ein Highlight für mich - wenn nicht sogar mein Jahres-Highlight! Grandioses Buch, welches mich von Anfang bis zum Ende gefesselt hat, das einen sehr hohen Spannungsbogen aufweist und das Mittelalter authentisch darstellt. Meine absolute Leseempfehlung für Fans von Ken Follet und Rebecca Fablé und alle, die gerne "wirkliche" historische Romane lesen! Und ich werde mir gleich den Debütroman der Autorin "Hexenliebe" kaufen!
Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar, Lovelybooks und Marita Spang für die liebe und aufschlussreiche Begleitung durch die Leserunde!
















Hallo,
AntwortenLöschenTolle, sehr ausführliche Rezi!
Ich liebe ja historische Romane von ganzem Herzen ♥ allerdings sind Bücher wie Blut und Seide so gar nicht mein Fall.
Wenn ich Sätze höre wie: " So erleidet auch Christina alle möglichen Qualen, die Frauen zu dieser Zeit ausgesetzt waren." gehe ich gleich auf Abwehrhaltung. Ich mag historische Romane mit Frauen in den Hauptrollen nur bedingt und in homöophatischen Dosen. Weil ich eben dieses "Gewalt gegen Frauen" Thema nicht ausstehen kann.
Ich sage nicht, dass die Zeiten damals nicht finster waren, für uns Ladys, ich mag es nur nicht, weil die Autoren die Sache immer so geschickt verpacken. z.B. Vater/Verlobter/Ehemann verprügelt Prota ==> Loveinterest würde das nie machen.
:)
Aber es freut mich natürlich, dass dir das Buch so gut gefallen hat
lg
Nadine
Naja, ganz "so einfach" ist es nicht. Es geht hier nicht nur im Misshandlung in der Ehe, sondern generell um das Unrecht gegenüber den Frauen...egal welche Schicht und ob verheiratet oder unverheiratet.
LöschenLG Martina
Äh hallo...wieso gibt es hier so ein tolles Buch und ich hab noch nie was davon gehört? ??....kommt direkt auf meine Wunschliste! ... bin ich doch in Bad kreuznach geboren ....wenn auch ein paar jahre später 😀
AntwortenLöschenOh wie toll...du bist in bad Kreuznach geboren? Na, da ist es aber wirklich Pflichtlektüre!!!
LöschenLiebe Grüße und ein schönes 3. Adventwochenende!
Martina
Na das klingt aber absolut nach meinem Beuteschema! Dass du den Roman mit 5 Sternen bewertest, macht mich nochmal mehr neugierig darauf. Danke für deine schöne, ausführliche Rezension, Buch ist schon ganz dick auf meiner Wunschliste!
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Susanne