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Ja, nein, vielleicht - Doris Knecht

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: ‎Hanser Berlin, 4. Auflage ( 22. Juli 2025)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446282882
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446282889
    • Genre: Gegenwartsliteratur


Hanser Kurzbeschreibung:
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlt sie sich wieder frei: Die Kinder sind ausgezogen, in ihrem Dasein zwischen Großstadt und Landleben breitet sich Ruhe aus. Doch dann wird ihre Wohnung von ihrer Schwester besetzt, es droht ihr ein Zahn auszufallen und sie wird mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Während sich das eher marginale gesundheitliche Dilemma zu einer kleinen existenziellen Krise auswächst, trifft sie im Supermarkt einen Mann von früher wieder: Friedrich. Eine Begegnung, die sie vor eine Frage stellt, mit der sie sich eigentlich nicht mehr beschäftigen wollte: Ist sie bereit für eine weitere Liebesbeziehung? Oder besser gesagt: Ist sie bereit, ihr gutes Leben zu teilen, ihre innere Zufriedenheit zu riskieren, schon wieder?

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur ABC Challenge

Meine Meinung:
"Ja, nein, vielleicht" ist mein zweites Buch der Autorin, die mir von meiner Nichte empfohlen wurde, die jedes Buch von Doris Knecht verschlingt.
Nach "Die Nachricht" konnte mich aber auch ihr neuester Roman nicht komplett abholen, obwohl sich das Thema um das Älter werden und Vergänglichkeit dreht, welches (leider) in meinem Alter nun doch immer präsenter wird.
Auch die Hauptprotagonistin fühlt sich durch den baldigen Verlustes eines Zahnes plötzlich daran erinnert, dass sie in der zweiten Lebenshälfte angekommen ist. Die Kinder sind ausgezogen und leben ihr eigenes Leben, während sie zwischen der Wohnung in der Stadt und ihrem Häuschen im Waldviertel hin- und herpendelt. Der Vater der Kinder hat sich schon lange verabschiedet und nun ist endlich Ruhe in ihrem Leben eingekehrt. Mit ihrem Hund lebt sie zurückgezogen in ihrem Haus am Land und sinniert über die kommenden Jahre. Was kann sie sich noch von der Zukunft erwarten?
Als sie nach 25 Jahren ihre Jugendaffäre Friedrich in einem Supermarkt wieder trifft, fängt sie an darüber nachzudenken, ob sie nochmals eine Partnerschaft eingehen würde? Friedrich, der mit ihr gemeinsam die Milleniumsnacht in New York im Bett verbrachte, geht ihr nur mehr schwer aus dem Kopf. Doch möchte sie tatsächlich ihr geruhsames Leben am Land teilen und sich den Wünschen eines Mannes richten? Ja, nein oder doch vielleicht?
Die Gedanken sind da, doch als sich ihre Schwester Paula in der Stadtwohnung einnistet und auf ihre Anrufe nicht reagiert und die Zahnarztbesuche zunehmen, tritt Friedrich erstmal in den Hintergrund.

Im Großen und Ganzen begleiten wir die namenslose Ich-Erzählerin bei ihrer täglichen Routine, was einem das Gefühl gibt, aus einem Tagebuch zu lesen. Es passiert nicht wirklich viel. Weite Teile des Romans folgen wir einfach den Gedanken der Erzählerin. Es sind Reflexionen über die Mitte des Lebens und was wir noch erwarten können. Die Freundschaft zwischen Friedrich, die im Klappentext eine viel größerer Rolle einnimmt, spielt sich eher im Hintergrund ab. Auch die Zahnarztbesuche, die zu Beginn noch ein interessantes Metapher waren, nutzen sich durch viele Wiederholungen ab.
Das Männerbild ist durchgehend schlecht und eindimensional. Es wimmelt nur so von Narzissten, Depressiven oder Alkoholikern. Dass ihre beste Freundin Therese plötzlich wieder heiraten möchte, kann sie nicht verstehen und gibt ihr ebenfalls viel Stoff nachzudenken.

Im letzten Viertel wurde ich dann auch noch richtig getriggert, denn die Autorin nimmt das Hochwasser des letzten Jahres, welches genau meine Region betroffen hat, in ihrem Romans auf! Ihr Haus steht an einem Bach, der überflutet werden soll, wenn man den Wetterberichten Glauben schenkt. Ich war wieder im September 2024 angekommen und war beim Lesen alles andere als entspannt. Immer wieder hatte ich die Bilder vor Augen, wie vor meinem Haus die Straße zum Fluss wurde....

Am Ende erkennt die Ich-Erzählerin, was und wer wirklich wichtig ist und dass es davon in ihrem Leben doch so einiges gibt, was sich positiv anfühlt.

Fazit:
Es ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Vergänglichkeit, dem begraben von Jugendträumen und setzen neuer Ziele. Für mich war die Geschichte teilweise leider zu belanglos, denn es passiert recht wenig. Die Gedankengänge der Protagonistin konnte ich jedoch oftmals sehr gut nachvollziehen, da ich selbst in diese Altersgruppe falle. Eine Geschichte vor allem für Frauen in der Mitte des Lebens geeignet.


Altern - Elke Heidenreich

    Die Bildrechhte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
    • Verlag: ‎ Hanser Berlin; 2. Edition (13. Mai 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446279644
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446279643
    • Genre: Sachbuch 

     

Hanser Kurzbeschreibung:
Alle wollen alt werden, niemand will alt sein. Der Widerspruch ist absurd, das Leiden daran real. Wie lernen wir, so gut wie möglich damit zurechtzukommen? Geht das, alt werden und ein erfülltes Leben führen? Elke Heidenreich hat sich mit dem Altwerden beschäftigt. Herausgekommen ist dabei ein Buch, wie nur sie es schreiben kann. Persönlich, ehrlich, doch nie gnadenlos, mit einem Wort: lebensklug. Sie denkt über ihr eigenes Leben nach, und das heißt vor allem, über ihre Beziehungen zu anderen Menschen. Im Alter trägt man die Konsequenzen für alles, was man getan hat. Aber mit ihm kommt auch Gelassenheit, und man begreift: "Das meiste ist vollkommen unwichtig. Man sollte einfach atmen und dankbar sein."

Meine Bewertung: * * *

Meine Meinung:
Ich habe bisher noch kein Buch von Elke Heidenreich gelesen, aber schon sehr oft von ihr gehört. Ich kenne sie auch nicht vom Fernsehen, denn ich habe mittlerweile auch keinen TV mehr. Also bin ich ganz unvoreingenommen an den Inhalt dieses schmalen Büchleins herangetreten. Auf Instagram habe ich nämlich einen kurzen Einblick - von der Autorin selbst - in ihr Werk bekommen und so wurde ich neugierig auf ihre Gedanken zum Älter werden. Da ich selbst nicht mehr zu den Jüngsten gehöre, ist das Thema natürlich auch eines, mit dem ich mich seit einiger Zeit befasse, denn alt sein möchte niemand, aber alt werden doch.

Gefallen hat mir der Einstieg, in dem Elke Heidenreich einen Rückblick auf ihr Leben gibt. Einer davon ist negativ, einer positiv. Und genauso kann man auch das Älter werden sehen; es kommt nur auf die Perspektive an.

"Seit wann bist du alt? Seit morgen" ist ein Satz aus Elke Heidenreichs Buch, den ich mir notiert habe und vielleicht auch die Einstellung vieler widerspiegelt. Denn oftmals fühlt man sich selbst noch gar nicht so alt, vorallem, wenn man auch noch voll im Berufsleben steht und nur manchmal irgendwo etwas zwickt oder zwackt. Stören nur kleine Wehwechen, dann kann man positiv in seine letzten Jahrzehnte starten. Elke Heidenreich vermittelt mit Humor und vielen Zitaten eine sehr positive Lebenseinstellung zum Altern. Ihre Gedanken dazu sind eingängig geschrieben und trotzdem hat mir das Büchlein nicht das Gegeben, was ich erwartet habe.

Denn es gibt auch die andere Seite, nämlich diejenige, bei der man noch arbeiten muss, aber kaum mehr kann oder wenn man in die Armutsfalle tappt. Besonders Frauen sind dafür gefährdet, denn oftmals steckt man zurück und nimmt einen Halbtagsjob an, damit man auch Zeit für seine Kinder hat. Dass oftmals noch neben Beruf und Haushalt für Frauen noch die Care Arbeit für die alten Eltern dazukommt oder man in anderen Dingen einfach eingespannt wird, bleibt dabei oftmals vergessen, bis man in Rente geht und kaum genug zum Leben hat. Die Miete ist oft nicht viel weniger, als die monatliche Rente oder wenn man ein eigenes Häuschen sein eigen nennt, fallen immer wieder Reparaturen an, die man mit einem kleinen Einkommen nicht stemmen kann.

Elke Heidenreich braucht sich darüber keine Gedanken zu machen, denn sie gehört zu den wenigen Prozent weiblicher Rentnerinnen, die es sich leisten können. Und so lebt sie ihr Leben, wie schon als junger Mensch, nimmt kein Blatt vor den Mund, bleibt wach, pflegt Freundschaften und steht mitten im Leben und das auch über Achzig. Wunderbar, wenn man so altern kann! Aber der Großteil der Frauen sind nicht wohlhabend und gut situiert.

Auf den wenigen Seiten (und einen deutlich überhöhten Preis für diese Ausgabe), erhält man einige persönliche Einblicke der Autorin und positive Gedanken zum Altern mit einen kleinen Schuss Beweihräucherung. Was mich aber am meisten gestört hat, waren die vielen Zitate anderer Dichhter:innen oder Autor:innen, die sie massenweise einsetzt. Es gibt keine Seite ohne Zitate! Ich empfand diese eher als Lückenbüßer, um die mickrigen 112 Seiten voll zu bekommen. Sorry!

Fazit:
Ein Buch, von dem ich mir weit mehr erwartet habe. Kurzweilige Leküre einer priviligierten Autorin, die eine sehr positive Lebenseinstellung zum Altern hat (was mir gefallen hat), die sich jedoch nicht mit dem Großteil der Frauen ab Rentenalter wirklich identifizieren kann, welche oftmals versuchen müssen mit ihrer Mini-Rente zu überleben. Zusätzlich fand ich die Flut an Zitaten anderer Dichter und Denker in diesem dünnen und viel zu teuren Büchlein einfach zu viel des Guten!



Kleine Monster - Jessica Lind

    Die Bildrechte liegen beim Verlag
     

      


    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: ‎ Hanser Berlin; 1. Edition (22. Juli 2024)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446281444
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446281448
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Roman

       

Hanser Kurzbeschreibung:
Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der 2B, ihnen gegenüber die Lehrerin ihres Sohnes. Es habe einen Vorfall gegeben, mit einem Mädchen. Pia kann zunächst nicht glauben, was ihrem siebenjährigen Kind da vorgeworfen wird. Denn Luca ist ein guter Junge, klug und sensibel. Sein Vater hat daran keinen Zweifel. Aber Pia kennt die Abgründe, die auch in Kindern schlummern, das Misstrauen der anderen erinnert sie an ihre eigene Kindheit. Sie lässt ihren Sohn nicht mehr aus den Augen und sieht einen Menschen, der ihr von Tag zu Tag fremder wird. Bei dem Versuch, ihre Familie zu schützen, wird Pia schließlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Ein fesselndes psychologisches Drama über die Illusion einer heilen Kindheit.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bei vorablesen habe ich das Buch von Jessica Lind "Kleine Monster" entdeckt. Der Klappentext hat mich angesprochen und als ich las, dass die Autorin nur 30 km von meinem Heimatort entfernt geboren wurde und im Buch auch Sankt Pöltens als Setting gewählt wurde, wusste ich, dass ich meine Punkte einlösen und diesen Roman lesen muss.
Gestern, nach Beenden des Buches, habe ich auch noch Teile eines Interviews mit Mareike Fallwickl und Jessica Lind auf Instagram gesehen, welches sehr interessant war.

In "Kleine Monster" geht es um Pia und Jakob, die von der Lehrerin ihres Sohnes in die Schule beordert werden. Ihr siebenjähriger Sohn Luca soll mit einer Mitschülerin alleine im Klassenzimmer gewesen sein und es soll etwas passiert sein. Näheres erfahren wir als Leser:innen nicht. Pia und Jakob werden aus dem Elternchat der Klasse entfernt. Sie sind sprach- und hilflos, denn auch Luca schweigt zum Vorkommnis.
Durch diesen Vorfall, der vorallem Pia sehr beunruhigt, werden Erinnerungen aus ihrer Kindheit wieder lebendig. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass das Verhalten von Kindern widersprüchlich sein kann. Mit immer größer werdender Distanz beobachtet sie ihren Sohn und fühlt sich dabei immer schuldiger. Immer öfters erinnert sie sich an Szenen aus ihrer Kindheit. Gemeinsam mit ihrer Adoptivschwester Romi und ihrer kleinen Schwester Linda, die bei einem Unglück ums Leben gekommen ist, waren sie die "Wir drei sind eins" Mädchen. Durch das bis heute anhaltende Schweigen der Eltern über den Unfall von Linda, kommt in Pia wieder vieles hoch, was sie nicht los lässts. Doch wie zuverlässig sind Pias Erinnerungen?
Keiner der Familienmitglieder hat das
Unglück richtig verarbeitet. Was ist an diesem Tag genau passiert, als Linda verunglückt ist? Warum wollte ihre Mutter nie darüber sprechen? Und wieso hat ihre Schwester Romi das Elternhaus so bald wie möglich verlassen und den Kontakt zu allen abgebrochen?

Viele dieser Fragen werden beantwortet, aber nicht alle bzw. nicht vollständig. Wer hier öfters mitliest weiß, dass ich offene Enden hasse. Trotz mancher nicht auserzählten Handlung war für mich die Geschichte trotzdem rund und passend.

Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und der Kindheit Pias, die aus ihrer Sicht erzählt wird. In Rückblenden erleben wir Pias Gefühlswelt und die Sprachlosigkeit, die damals zwischen ihr und den Eltern herrschte. Die belastende Situation in der Gegenwart und Pias Misstrauen sind dadurch jederzeit greifbar.
Die Figuren sind lebendig und facettenreich gezeichnet. Mit Pias Handlungen war ich zum Ende hin immer weniger einverstanden, auch wenn ich ihre Unruhe verstand, ihre Handlungen aber nicht nur auf ihre traumatische Kindheit zurückführen konnte.

Jessica Lind erzählt in gefühlvoller und klarer Sprache, wie die eigene Kindheit in der neuen Familie, die man gründet, Raum einnehmen kann. Verhaltensweisen der Eltern werden übernommen oder ins Gegenteil umgekehrt. Es geht um Trauer, Schuld, fehlendes Vertrauen, Ausgrenzung, Mutter-Kind-Beziehung, zwischenmenschliche Beziehungen, Gerüchte und Verhaltensweisen. Manche Szenen sind düster und bereiten Gänsehaut.
Das Hauptaugenmerk liegt nicht, wie durch den Klappentext vermutet, in der Gegenwart, sondern eher im Vergangenheitsstrang. Dieser nimmt aber immer wieder Bezug zur aktuellen Handlung.

Das Setting war für mich spannend, weil ich selbst einige Jahre in Sankt Pölten gewohnt und auch gearbeitet habe. Viele Plätze waren für mich deshalb nicht fremd und ich hatte immer ein Bild vor Augen.

Erwähnenswert ist auch das interessante Cover mit dem Waldpanorama und dem See, der eine größere Rolle in der Geschichte spielt. Dazu ist das Bild wie ein Fenster geteilt, wo eine kleine Hand sich nach vorne schiebt. Man bekommt das Gefühl, dass dieses Kind das Fenster zu öffnen versucht.

Fazit:
Eine außergewöhnliche Geschichte auf nur 256 Seiten über Kindheitstraumata, Sprachlosigkeit und Selbstzweifel. Ich habe das Gefühl, dass dieser Roman noch lange nachhallen wird.
Die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten und hoffen, dass sie bald in ihrer Heimatstadt eine Lesung abhalten wird.
 

 Vielen Dank an vorablesen und HanserBerlin für das Rezensionsexemplar!


Die Nachricht - Doris Knecht

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
    • Verlag: ‎ Hanser Berlin; 4. Edition (26. Juli 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446271031
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446271036
    • Genre: Gegenwartsliteratur



Hanser Kurzbeschreibung:
Vier Jahre nach dem Tod ihres Mannes lebt Ruth allein in dem Haus auf dem Land, wo die Familie einst glücklich war. Die Kinder haben längst ihr eigenes Leben, während Ruth das Alleinsein zu schätzen lernt. Bis sie eines Tages eine anonyme Messenger-Nachricht bekommt, von einer Person, die mehr über ihre Vergangenheit zu wissen scheint als Ruth selbst. Doris Knecht schreibt über eine Frau, die plötzlich zur Verfolgten wird, und erweist sich einmal mehr als virtuose Skeptikerin zwischenmenschlicher Beziehungen.

Meine Bewertung: * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Dieses Jahr möchte ich mehr österreichische Autor:innen kennen lernen. Diesen Roman von Doris Knecht habe ich allerdings schon vor längerer Zeit gelesen, aber noch immer nicht rezensiert.

Ruth ist nach dem Tod ihres Mannes Ludwig endlich wieder in ihrem Leben angekommen. Die Kinder sind ausgezogen und sie liebt die Abgeschiedenheit in ihrem Häuschen auf dem Lande. Doch eines Tages erreichen sie anonyme Messanger-Nachrichten. Der Absender weiß mehr Dinge über Ruth, als sie selbst. In einer dieser Nachrichten wird ihr vor Augen gehalten, dass ihr Mann eine Affäre hatte. Sie wusste davon und auch, dass er kurz vor seinem Tod mit der Scheidung spekuliert hat. Als Familie und Freunde ebenfalls diese sehr persönlichen Botschaften über Ruth erhalten, versucht sie nachzuforschen. Sie verdächtigt die Affäre ihres Mannes, doch als die Botschaften nicht aufhören, werden diese bald zur psychischen Belastungsprobe. Ruth fühlt sich immer mehr bedroht und holt sich Hilfe bei einer Freundin, die Psychotherapeutin ist und auch bei ihrer Liebschaft Stefan, mit dem sie eine On-Off Beziehung hat. Er ist ebenfalls Therapeut und kann gut zuhören.

«Die erste Nachricht kam an einem Sonntag im September. Ich saß auf der Bank im Schatten hinter dem Haus und rauchte eine Zigarette, Laptop auf den Knien, und ich ahnte nicht, dass das der Moment war, in dem sich meine Verhältnisse verschoben, erneut, ganz leicht nur.»

Digitales Mobbing und Misogynie auf Social Media ist in Doris Knecht Roman der rote Faden, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Ruth ist eigentlich eine starke Frau, die als Drehbuchautorin und Journalistin erfolgreich ist. Durch ihren Job ist sie untergriffige Nachrichten gewöhnt, doch diese sehr persönlichen und widerwertigen Messages beginnen sie immer mehr zu beunruhigen. Vorallem, weil diese auch immer mehr eine Distanz zu ihren Freundinnen und Familienmitgliedern aufbaut.

Als Krimi- und Thrillerleserin hatte ich sehr schnell einen Verdacht, wer hinter den manipulierenden Nachrichten steckt. Dieser hat sich am Ende auch bestätigt. Dies hat mir ein bisschen die Spannung genommen, auch wenn es sich hier um einen Roman und nicht um einen Krimi handelt.
Es lässt viel mehr ahnen, wie man in eine Situation kommt, die einem zu entgleiten droht....ein Leben, dass plötzlich nicht mehr so ist, wie es war und die Auswirkungen - nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf die Umgebung, Familie und Freunde. 

Doris Knecht schreibt aus der Sicht von Ruth. Der Schreibstil ist distanziert, klar und schnörkellos. Trotzdem sind die Gefühle und die Stimmungen ihrer Protagonistin greifbar. Ungeachtet dessen war mir Ruth aber nicht wirklich sympathisch und ich konnte nicht alle ihre Handlungen nachvollziehen.

Das Ende war mir dann etwas zu kurz abgehandelt und über das Motiv des anonymen Stalkers erfährt man leider nichts. Das ließ mich etwas unzufrieden zurück.

Fazit:
Wichtige Themen verpackt in einem Roman, von dem ich mir etwas mehr erwartet hätte. Kann man lesen, muss man aber nicht.


Vor uns das Meer - Alan Gratz

    Die Bildrechte liegen beim Verlag



    • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
    • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (17. Februar 2020)
    • Übersetzer: Meritxell Janina Piel
    • ISBN-10: 3446266135
    • ISBN-13: 978-3446266131
    • Originaltitel: Refugees 
    • Genre: Jugendbuch


Hanser Kurzbeschreibung:
Wenn das eigene Zuhause zu einem Ort der Angst und der Unmenschlichkeit wird, ist es kein Zuhause mehr. Josef ist 11, als er 1939 mit seiner Familie aus Deutschland vor den Nazis fliehen muss. Isabel lebt im Jahr 1994 in Kuba und leidet Hunger – auch sie begibt sich auf eine gefährliche Reise in das verheißungsvolle Amerika. Und der 12-jährige Mahmoud verlässt im Jahr 2015 seine zerstörte Heimatstadt Aleppo, um in Deutschland neu anzufangen. Alan Gratz verwebt geschickt und ungemein spannend die Geschichten und Schicksale dreier Kinder aus unterschiedlichen Zeiten. Er erzählt unsentimental und gerade dadurch ergreifend. Ein zeitloses Buch über Vertreibung und Hoffnung, über die Sehnsucht nach Heimat und Ankommen.

Meine Bewertung: * * * * *

Meine Meinung:
Dieser Jugendroman aus dem Hanser Verlag erzählt über drei unterschiedliche Schicksale, die jedoch das gleiche Thema haben: Flucht aus dem Heimatland - egal ob selbst gewählt, weil keine andere Option mehr möglich ist oder durch Vertreibung.
Obwohl die drei Geschichten der Kinder Josef, Isabel und Mahmoud 1939, 1994 und 2015 spielen, erleiden alle daselbe Schicksal. Sie landen auf der Suche nach Frieden und Freiheit auf dem Meer. Alle wünschen sich nur ein Leben in Sicherheit und Hoffnung auf eine normale Zukunft.

Josef und seine Familie ergattern noch als eine der Letzten ein Ticket für die Schiffspassage auf der St. Louis. Das Ziel, der von den Nazis vertriebenen Juden, ist die Karibikinsel Kuba, die die vertriebenen Menschen aufnehmen sollen.
Isabel flüchtet 1994 genau von dieser Insel und dem Regime. Unter der Diktatur von Fidel Castro leidet die gesamte Bevölkerung. Es gibt laufend Aufstände, die brutal zurückgeschlagen werden. Die Menschen leiden Hunger. Gemeinsam mit ihrer Familie und den Nachbarn wollen sie über das Meer nach Florida flüchten und endlich frei sein.
Mahmoud wohnt mit seinen Eltern und kleinen Bruder im syrischen Aleppo. Nachdem die ganze Stadt total zerbombt ist macht er sich, wie viele andere Syrer 2015 auf, um über das Meer nach Deutschland zu flüchten.

"Vor uns das Meer" ist eine bewegende Geschichte, die mitten aus dem Leben gegriffen ist. Überall auf der Welt sind Menschen auf der Flucht. Jeder von ihnen hat furchtbare Dinge erlebt, um überhaupt den Entschluss zu fassen seine Heimat zu verlassen. Mich haben viele der Erlebnisse, die die Kinder durchleben wirklich mitgenommen und berührt. Manche Ereignisse sind einfach unglaublich und zeigen wie oftmals Menschen die Notsituation anderer noch zu ihren Gunsten ausnutzen.

Alan Gratz berichtet realitätsnah, aber nicht belehrend. Das Schicksal dieser drei Kinder kann jederzeit und überall auf der Welt passieren. Als Leser fühlt man mit ihnen und hofft auf einen positiven Ausgang.
Der Autor zeigt mit diesen drei Schicksalen auf, wie unmenschlich wir oftmals handeln und ohne groß nachzudenken über Tod oder Leben entscheiden. Aber es gibt auch Geschichten von Menschen voller Herzensgüte, die den Flüchtlingen Hoffnung geben und durch die sie neuen Mut schöpfen.

Schreibstil:
Der Roman ist aus der Sicht der Kinder geschrieben, die nicht verstehen, warum sie flüchten müssen oder verfolgt werden. Die Kapitel wechseln zwischen den Erzählungen von Josef, Isabel und Mahmoud. Die Kapitel sind dabei kurz gehalten und man fiebert bereits beim beenden eines Kapitels dem nächsten entgegen. Der Autor erzählt unsentimental und gerade dadurch ergreifend.

Ein ganz besonderes Schmankerl sind die drei Landkarten, die die Wege von Josef, Isabel und Mahmoud aufzeigen. Am Ende gibt es noch ein Nachwort des Autors und ein kleines zeitliches update.

Cover:
von links nach rechts:
Das englische, das niederländische, das rumänische und das ungarische Cover

Fazit:
Ein Roman, der in den Schulen als Schullektüre Pflicht sein sollte. Drei packende und berührende Geschichten mit authentischen Erlebnissen und einer Botschaft, die nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt, aber sehr nachdenklich macht. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Hanser Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!

Die Lichtsammlerin - Beatrix Kramlovsky



    • Broschiert: 256 Seiten
    • Verlag: hanserblau (13. Mai 2019)
    • ISBN-10: 3446261923
    • ISBN-13: 978-3446261921
    • Genre: Roman, Familienroman


Hanser Kurzbeschreibung:
Großmutter, Mutter und Tochter. Dazwischen zwei Kontinente, ein Jahrhundert und ein Geheimnis, das die Familie zerreißt: Marys Großmutter Rosa wird wie eine Heilige verehrt. Wenn Mary nach dem Grund fragt, bleibt ihre strenge Mutter Erika stumm. Wollte sie doch mit der Flucht nach Australien in den 1940er Jahren alles hinter sich lassen. Als alte Frau kehrt Erika in ihre Heimat zurück, und die Erinnerung kommt mit aller Macht wieder. Sie erzählt, und ihre Tochter Mary begreift, warum für die Frauen ihrer Familie Liebe immer nur Verlust bedeutet hat.
Beatrix Kramlovsky erzählt mitreißend die Geschichte dreier starker Frauen, die sich in den Zerwürfnissen des 20. Jahrhunderts behaupten.

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Die österreichische Autorin Beatrix Kramlovsky erzählt in ihrem Roman "Die Lichtsammlerin" von drei Frauengenerationen innerhalb einer Familie. Die Besonderheit an der Geschichte, bei der sich manche Leser in der Leserunde  etwas schwer taten ist, dass die Autorin nicht chronologisch erzählt, sondern in der Zeit springt. Das erfordert ein genaues Lesen und Konzentration. Ich kam allerdings sehr schnell und ohne große Probleme in die Geschichte, die großteils in Österreich, aber auch in Australien, spielt.

Wir begleiten Rosa, ihre Tochter Erika und Enkelin Mary über zwei Jahrhunderte und zwei Kontinente.
Mary, die nie wirklich eine gute Beziehung zu ihrer Mutter hatte, erhält die Nachricht, dass diese an Alzheimer erkrankt ist und Hilfe benötigt. Doch Mary lebt in Australien, wo sie geboren wurde. Österreich ist ihr fremd. Ihre Mutter Erika hat sich in Australien nie wohl gefühlt und litt an Heimweh. Sie ist nach dem Tod ihres Mannes Albert in die alte Heimat nach Österreich zurückgekehrt. Widerwillig reist Mary zu ihr nach Linz. Obwohl die Alzheimerkrankheit fortschreitet, erfährt Mary doch so einiges aus der Vergangenheit ihrer Mutter und Großmutter und kommt endlich Erika etwas näher.
Rosa, die eigentlich Herma hieß, ist die titelgebende "Lichtsammlerin". Ihre Mutter Juliane war bereits zur Jahrhundertwende weitblickend und hat ihren Töchtern eine fundierte Ausbildung ermöglicht, um im späteren Leben auf eigenen Füßen stehen zu können. Eine Ansicht, die nur sehr wenige Eltern zu dieser Zeit hatten. So wird aus Rosa eine Frau, die ihren eigenen Weg geht und sich trotz des Krieges ihre Menschlichkeit bewahrt und Menschen in Not hilft. Obwohl sie selbst nach ihrer Heirat im Dorf ihres Mannes als Außenseiterin galt, wird sie doch heimlich bewundert. Die Ausgrenzung spürt auch Erika, die im kleinen Dorf bei Linz weder Tochter eines Bauern, noch eines Arbeiters ist, die die Mehrheit der Dorfbewohner ausmacht. Sie wird verspottet (heute würde man von Mobbing sprechen), findet keine Freunde und ist meist nur von Erwachsenen (später auch Zwangsarbeiter aus Ungarn) umgeben. Erst durch Hanni, die sie im Lyceum kennenlernt, findet sie eine Freundin. Es entsteht eine wunderbare lebenslange Freundschaft. Ihren Mann zuliebe verlässt sie nach dem krieg österreich und wandert mit ihm nach Australien aus. Doch fernab der alten Heimat wird sie nie glücklich. Dies erkennt auch ihr Mann Albert.....
"Es sind nicht ihre schwachen Augen. Sie sieht das Schöne hier nicht, weil die Erinnerung an das Verlorene alles verdeckt."

Ihre Tochter Mary ist hingegen eine richtige Australierin und kann sich kein anderes Heimatland vorstellen. Nach der Trennung von ihrem griechischstämmigen Mann widmet sie sich liebevoll ihren beiden Söhnen. Als berufstätige Alleinerzieherin hat sie es nicht einfach. Sie gehört jedoch bereits einer anderen Generation Frauen an, denn Mary stellt ihre Selbstständigkeit und das Wohl ihrer Söhne über die Pläne ihres neuen Lebensgefährten Jerry.

Ab den zweiten Abschnitt ist man in der Geschichte gefangen. Versucht man zu Beginn noch alle Informationen den jeweilligen Frauen zuzuordnen, hat man ab diesem Zeitpunkt das Gefühl diese wenigstens teilweise zu kennen, denn Beatrix Kramlovsky deckt immer nur Bruchstücke aus der Vergangenheit der Protagonisten auf. Die Aufarbeitung der Familiengeschichte und die Auswirkungen auf die nachfolgende Generation ist der rote Faden durch diesen Mehrgenerationenroman. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ein etwas pessimistischer Grundton über der Geschichte liegt.

Rosa und ihre Familie fand ich sympathisch und bereits sehr aufgeklärt. Erika wirkt als Erwachsene für mich eher kalt und voreingenommen. Für sie ist ihre Mutter keine "Lichtgestalt", sondern sie fühlte sich von ihr verlassen, während fremde Menschen ihre Unterstützung erhielten. In ihrer Tochter Mary erkennt Erika einen Wesenszug ihrer Mutter wieder und baut im Hinterkopf eine emotionale Sperre zu ihr auf. Erst durch die Reise nach Österreich erhält Mary einige Antworten auf ihre Fragen. Dadurch versucht die Emotionslosigkeit ihrer Mutter besser zu verstehen. Mary ist eine Frau der Gegenwart, die für mich in der Geschichte allerdings am blassesten blieb. Zu ihr und zur erwachsenen Erika konnte ich leider keine richtige Beziehung aufbauen.

Der Inhalt und die Gedanken rund um diesen Mehrgenerationenroman regt zum Nachdenken an. Was ist für uns Heimat? Wie viel bedeutet unsere Herkunft? Auch die Themen Familie und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter sind konstant vorhanden.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist anspruchsvoll, oftmals poetisch und der Plot dicht. Man sollte diesen Roman nicht parallel mit einem anderen Buch und eher zügig lesen, dann ist man völlig in der Geschichte drinnen. Zeitsprünge und einige Figuren erfordern anfangs die ganze Konzentration. Trotzdem fand ich die Erzählung sehr intensiv.

Fazit:
Kein einfacher Roman, aber eine bewegende Geschichte über die oftmalige Sprachlosigkeit der im Krieg geborenen Frauen und Männer ihren Kindern gegenüber. Ein intensives Leseerlebnis, das man am Besten in einem Zug durchliest und dabei kein anderes Buch parallel liest. Für mich eine neuentdeckte österreichische Autorin, von der ich noch mehr lesen möchte.

Vielen Dank an den Verlag hanserblau für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für die sehr intensive Lesebegleitung.

IDAHO - Emily Ruskovich



    • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    • Verlag: Hanser Berlin (19. Februar 2018)
    • Übersetzer: Stefanie Jacobs
    • ISBN-10: 3446258531
    • ISBN-13: 978-3446258532
    • Originaltitel: Idaho
    • Genre:  Gegenwartsliteratur


Hanser Kurzbeschreibung:
Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf.

Meine Bewertung: * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Buch zur "Ich war noch niemals in New York" Challenge

Meine Meinung:
Der Debütroman von Emily Ruskovich ist mir bereits in der Verlagsvorschau aufgefallen. Auch die Leseprobe, in die ich hineinlesen durfte, überzeugte mich "Idaho" auf meine Wunschliste zu setzen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich im Rahmen des Literatursalons bei Lovelybooks in der Leserunde mitlesen durfte.

Der Klappentext erzählt bereits den Teil, den ich in der Leseprobe gelesen habe. Vater, Mutter und zwei Töchter sind im Wald und sammeln Brennholz für den Winter. Die beiden Mädchen spielen und die Atmosphäre ist ruhig und gelassen. Doch dann ist die kleine May tot - mit dem Beil erschlagen. Die Mutter wird angeklagt und lebenslang eingesperrt. Der Vater, Wade, leidet an Demenz. Das ist kein Spoiler, denn diese Fakten werden bereits auf den ersten Seiten erzählt. Nur wie es eigentlich dazu gekommen ist, bleibt offen...

Ich bin sehr gut in die Geschichte gestartet, allerdings begannen ungefähr ab der Mitte die Schwierigkeiten. Die Autorin benutzte sehr viele Zeitsprünge. Normaler Weise habe ich damit keine Probleme, da ich sehr oft Romane auf zwei oder mehreren Zeitebenen lese. Ebenso blieb die Handlung übere weitere Abschnitte ohne Höhen und Tiefen.Außerdem hatte ich immer mehr das Gefühl, dass Geschichten und Personen eingeflochten wurden, die überhaupt nichts mit dem weiteren Verlauf der Handlung zu tun haben. Einige Handlungsstränge verliefen komplett ins Leere. Dies erleichtere das Lesen nicht unbedingt. Dabei begann der Roman wirklich sehr spannend und voller Emotionen.

Die Tragödie rund um den Tod der kleinen May war mysteriös und man rätselte bis zum Ende, ob Jenny wirklich ihre kleine Tochter getötet hat. Doch mit dem Voranschreiten des Romans wurde die Handlung immer diffuser. Die Figuren waren großteils unsymapthisch und ich empfand keinerlei Empathie für sie. Einzig Jenny, die sich für schuldig bekannt hatte, empfand ich als gefühlvoll. Ich traute ihr diese schlimme Tat eigentlich nicht zu. Vorallem Ann, Wades zweite Ehefrau und eigentlich Hauptprotaginistin des Romans, blieb mir bis zum Ende einfach nur fremd und rätselhaft. Sie ist Musiklehrerin und heiratet Wade nach nur neun Monaten nach der Tragödie. Ihre Ambitionen für diese Heirat erschlossen sich mir nicht, denn es war weder von einer großen Liebe die Rede, noch lief Ann unwissend "ins Unglück", denn sie wusste von Wades Demenz. Ann begibt sich auf die Spurensuche in die Vergangenheit. Sie versucht sich statt Wade an die Zeit damals zu erinnern. Ihre wirren Gedanken, an denen uns die Autorin teilhaben lässt, sind eine Mischung aus Wahrheit und Fantastereien, die sich Ann selbst zusammenspinnt. Als Leser weiß man bis zum Ende nicht, was Wahrheit ist und welche Rückschlüsse ihrer Fantasie entspringen.
Die planlosen Zeitsprünge zwischen 1970 und 2025  verunsicherten mich sehr und erschienen nicht wirklich logisch.

Im Rahmen der Leserunde haben wir viel diskutiert und die Meinungen waren sehr gespalten. Die zentrale Frage, die die Autorin mit diesem Roman stellen wollte scheint folgende zu sein: "Können wir unserem Gedächtnis jederzeit vertrauen? Sind unsere Erinnerungen Wahrheit oder nur Täuschung?"
Dies versucht sie dem Leser in diesem Roman zu vermitteln. Das ist ihr nur teilweise gelungen, denn sie lässt mich nach dem Beenden des Romans wirklich ratlos zurück. Meine Fragen wurden nicht beantwortet, das Ende bleibt offen. Die Geschichte dreht sich im Kreis und ich blieb ziemlich gefrustet zurück. Ich kann diesen Roman leider nicht wirklich weiterempfehlen.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr detailreich und ausschweifend. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven.  Die Sprache ist poetisch und die Stimmung wird sehr authentisch eingefangen. Die flirrende Hitze im Sommer, sowie das Haus auf dem Berg, das im Winter durch den vielen Schnee unpassierbar wird, wird von der Autorin sehr lebendig beschrieben. Ich hatte diese Situationen direkt vor meinen Augen. Die Atmosphäre ist teilweise beklemmend und intensiv. Jedoch hatte ich das Gefühl, als hätte die Autorin ab der Mitte den Faden verloren.

Cover:

Zum Buch habe ich diesmal wieder nur zwei englischsprachige Cover gefunden. Das Linke zeigt einen Wald. Das rechte Cover ist fast ident mit dem deutschen Titelbild.

Fazit :
Ein interessanter Start, doch im Laufe der Geschichte wird dieser Roman immer verwirrender. Man fühlt sich, als ob man am Ende des Buches wieder am Anfang angelangt wäre und eigentlich keine der Fragen beantwortet wurde, die man sich beim Lesen gestellt hat. Wer gerne über die Aussage der Autorin rätseln möchte, ist hier richtig. Wer offene Ende genauso wenig mag wie ich, sollte die Finger von IDAHO lassen.

Vielen Dank an den Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar und an Lovelybooks für die Leserunde und den Gewinn.
 

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