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Das Wolfsmädchen - Christian Hardinghaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     

    • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    • Verlag: ‎ Europa Verlag; 1. Edition (29. September 2022)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958904025
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958904026
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Europa VerlagKurzbeschreibung:
Im Februar 1946 trifft die elfjährige Ursula Dorn einen fatalen Entschluss. Sie lässt ihre Familie in den Ruinen Königsbergs zurück, um sich selbst vor dem Hungertod zu retten. Seit Kriegsende sind in der von den Sowjets besetzten Stadt über 70.000 Deutsche durch Hunger, Krankheiten und Gewalt verstorben, werden bis aufs Skelett abgemagerte Frauen vergewaltigt, erfrorene Säuglinge bleiben in ihren Kinderwagen zurück. Rund 20.000 verwaiste Kinder ziehen bettelnd durchs nördliche Ostpreußen. Ursula erträgt das Elend nicht mehr; sie schleicht sich in einen russischen Güterzug und fährt bis nach Kaunas, wo litauische Familien sich um deutsche Kinder kümmern. Ursula kommt zu Kräften, reist zurück und kann ihre Mutter befreien. Ihre Geschwister allerdings muss sie zurücklassen. Und auch das gelobte Land verändert sich, es tobt ein erbarmungsloser Partisanenkrieg. Fortan werden Familien, die „deutsche Faschistenkinder“ verstecken, in Gulags transportiert. Die Kinder sind gezwungen, sich in die Wälder zurückzuziehen und dort wie Wölfe zu hausen.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nachdem der Historiker Dr. Christian Hardinghaus bereits in seinen Büchern über die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges berichtet und jeweils Frauen, Männer und den Kindersoldaten eine Stimme gegeben hat, erzählt er in "Das Wolfsmädchen" über ein ganz besonderes Schicksal. Stellvertretend für die Gruppe von Kindern, die 1945/46 aus dem ehemaligen Ostpreußen vor den sowjetischen Truppen nach Litauen geflohen sind, spricht Ursula Dorn über ihre Erlebnisse, die teilweise sehr schwer zu verdauen sind. Christian Hardinghaus hat ihr Schicksal in diesem Roman dokumentiert und wieder einen sehr interessanten Zeitzeugenbericht, gemeinsam mit der heute über Achzigjährigen Ursula Dorn, verfasst.

Als elfjähriges Mädchen flüchtet sie aus Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, das bis fast zum Ende des zweiten Weltkrieges verschont blieb. Doch nach dem Kriegsende überrennen die sowjetischen Truppen Ostpreußen und lassen eine Spur der Verwüstung hinter sich. Königsberg wird von den Sowjets besetzt und die Einwohner systematisch ausgehungert. Das ehemalige Ostpreußen gibt es nicht mehr und trotzdem bleiben die meisten Königsberger in der Stadt, wo sie elendig verhungerten. Auch Ursulas Mutter Martha weigert sich mit ihren Kindern die zerbombte Stadt zu verlassen. Als Ursula keine Möglichkeiten mehr sieht irgendwo Nahrung aufzutreiben, springt sie auf den nächsten Güterzug ohne zu wissen, wohin der Zug fährt. Sie landet in Litauen, wo die Menschen noch genug zu Essen haben. Dort wird sie mit Nahrung versorgt, kann sich waschen und endlich wieder in einem Bett schlafen. Nachdem sie sich etwas erholt hat, geht sie zurück nach Königsberg und versorgt die nächste Zeit ihre lethargische Mutter und ihre Geschwister. Doch eines Tages kann Ursula nicht mehr zurück....

Im Großen und Ganzen war mir der Begriff "Wolfskinder" bekannt, jedoch habe ich noch keinerlei Literatur dazu gelesen. Nach dieser erschütternden Lektüre empfinde ich es als großes Versäumnis der Deutschen Republik, dass diese Schicksale totgeschwiegen wurden. Tausende von Kinder mussten täglich um ihr Leben kämpfen. Sie hungerten, frierten und waren völlig auf sich alleine gestellt. Die Schilderungen von Ursula Dorn sind teilweise kaum zu ertragen. Als es auch in Litauen nichts mehr zu holen gibt, weil es den Einheimischen verboten wurde den deutschen Kindern zu helfen, wird  die Lage unerträglich. Zwischen den litauischen Partisanen und den sowjetischen Truppen aufgerieben, müssen die Kinder täglich um ihr Leben fürchten. Sie hausen in den Wäldern und verrohen zunehmend. Erst durch die Gefangennahme und Deportierung in die DDR, wird versucht ein "normales" Leben für die ostpreußischen Flüchtlinge wiederherzustellen... Große Hilfe gibt es dabei kaum.

Das Desinteresse von Ursulas Mutter und ihr gefühlskaltes Benehmen hat mich durchgehend entsetzt. Sie hat sich weder um ihre Kinder gesorgt, noch hat sie Verantwortung übernommen. Ursula ist mit ihren zwölf Jahren in die Mutterrolle geschlüpft und hat versucht allen das Leben zu retten. Was für eine Bürde für ein zwölfjähriges Mädchen! Auch wenn man erkennt, dass die Mutter an einer schweren Depression litt, empfand ich ihr Benehmen bereits vor der Vertreibung kaum anders. Meistens hat sich nur der Vater oder die Tante um die Kinder gekümmert.

Positiv fand ich, dass Ursula Dorn ihre Geschichte im hohen Alter erzählte. Sie hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben und wollte diese den Menschen mitteilen. Das Schreiben war für sie eine Art Selbsttherapie. Umso unverständlicher war es für mich, dass kein Verlag Interesse an ihrer Geschichte hatte bzw. diese nicht verlegen wollte. Erst viel später wurde ihr Buch doch noch veröffentlicht.  2020 fuhr Ursula Dorn noch einmal nach Kaliningrad. Dieser Besuch war für sie alles andere als einfach und sehr schmerzhaft.  

Am Ende des Buches kommen noch zwei weitere ehemalige Wolfskinder zu Wort. Im Abschluss warnen alle drei von einer Eskalation durch den Ukraine Krieg, was mich mehr als beunruhigt zurückgelassen hat.

Fazit:
Wer wie ich bereits mehrere Bücher des Historikers und Autors gelesen hat, weiß wie einfühlsam und hervorragend recherchiert Christian Hardinghaus die Lebensgeschichten der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zu Papier bringt. Seine Bücher sind wertvolle Berichte für alle nachfolgenden Generationen und immer wieder eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Europa Verlag und vorallem an Christian Hardinghaus für die gewohnt tolle Leserunde

Versteckt vor aller Augen - Pieter van Os

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

     Gebundene Ausgabe: 440 Seiten
    Verlag: ‎
    Europa Verlag; 1. Edition (3. Februar 2022)

    Übersetzer: ‎ Abbette Wunschel

    ISBN-10 ‏ : ‎
    3958904289

    ISBN-13 ‏ : ‎
    978-3958904286

    Originaltietel: Liever

    Genre: Sachbuch, Biografie 

      


Europa Verlag Kurzbeschreibung:

Polnische Katholiken hielten sie für eine von ihnen. Eine ergebene Nazifamilie nahm sie auf, als wäre sie ihre eigene Tochter. Sie verliebte sich in einen deutschen Ingenieur, der Flugzeuge für die Luftwaffe baute. Was jedoch niemand wusste, war, dass Mala Rivka Kizel 1926 in Warschau in eine große polnisch-orthodoxe jüdische Familie hineingeboren worden war. Ihrem Wagemut, ihrem Charme, ihrer Intelligenz, ihrem blonden Haar und ihren blauen Augen verdankt sie, dass sie als einziges Mitglied ihrer Familie den Zweiten Weltkrieg überlebte. 

Meine Bewertung: * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Bei diesem Buch von Pieter van Os handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um ein Sachbuch bzw. eine Biografie, die der Autor mit vielen weiteren Informationen und Quellen verbunden hat. Der Einstieg fiel mir etwas schwer, da ich doch eher eine Romanbiografie erwartet hatte. Die Lektüre benötigt höchste Konzentration und Aufmerksamkeit.

Die im Klappentext beschriebene Lebensgeschichte von Mala Rivka Kizel, deren Erinnerungen Pieter van Os akribisch recherchiert hat, bildet die Kerngeschichte.
Mala wurde in einer streng jüdisch-orthodoxen Familie in Warschau geboren. Sie erinnert sich zurück an ihre Familie, das Warschauer Ghetto, ihre Flucht und weitere Lebenstationen. Diese versuchte der Autor aufzufinden, was nicht immer einfach war. Die Erinneurngen von Mala decken sich nicht immer mit den von ihr angegeben Orten und Beschreibungen. Einige schwer zu findende Dörfer befinden sich an der polnisch- ukrainischen Grenze, wie auch in der Ukraine. Ihr weiterer Lebensweg führte Mala nach Magdeburg und zur erwähnten Familie, die Hitler und seiner Ideologie nahe stand. Wie es Mala gelang dort zu landen, müsst ihr selbst lesen.
Was man aber auf jeden Fall sagen kann ist, dass Mala wirklich großes Glück hatte. Dabei half ihr sicher auch ihr äußeres Erscheinungsbild (blond und blauäugig), wie auch ihr Charme und ihre Sprachkenntnisse.

Das Buch ist vollgepackt mit Fakten und politischen Zusammenhängen rund um die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Entsetzt hat mich die Haltung der Polen gegenüber den Juden. Diese spielt eine ganz besonders große Rolle. Gleich zu Beginn wird auch Mala vermittelt, dass es Polen und Juden gibt, aber keine polnische Juden. Der Hass und die Verleumdungen der polnischen Bevölkerung gegenüber den Juden hat mich entsetzt, vorallem weil normaler Weise nur Deutsche und Österreicher als Judenhasser bekannt sind und dies noch immer in der dritten und vierten Generation zu spüren bekommen. Die Polen werden dabei nicht erwähnt.
Diesen Hass findet man aber in Polen auch noch in der Nachkriegszeit. Überlebende aus den KZs wurden von der polnischen Bevölkerung wieder vertrieben.

Der Schreibstil ist sachlich und detailliert. Der Autor schweift immer wieder ab, um genannte Figuren oder Orte zu analysieren und näher zu beschreiben. Oftmals schließt sich wieder der Kreis zu Mala oder ihrer Familie. Der Autor vermittelt neben der Geschichte um Mala viel Fachwissen rund um den jüdischen Glauben, den Widerstandskämpfern oder verschiedene Lebensweisen, wie auch ein Blick auf Israel und die Entstehung des Staates. Dies fand ich besonders interessant, weil es mir, den bis heute andauernden Kampf zwischen Israel und Plästina, näher gebracht hat.
Am Anfang des Buches befindet sich eine Karte und ein Stammbaum

Erschreckend fand ich so einige Parallelen zum momentanen Ukraine-Krieg. Hitlers Strategien und seine  ungerechtfertigte Kriegserklärung an Polen ähnelt auf schrecklicher Weise der von Putin. Auch die Ziele und Aussagen haben ein vergleichbares Muster und bereiten mir Angst.

Cover:


links das niederländische Original und rechts die polnische Fassung. Das Cover wurde bei allen Übersetzungen übernommen, was positiv zu vermerken ist.
Es zeigt Mala nach dem Krieg beim Blick auf das vollkommen zerstörte Ghetto in Warschau, wo auch einst ihre Familie lebte. und unweit davon ihr Elternhaus stand.

Fazit:
Dieses biografische Sachbuch ist ein Stück Zeitgeschichte, das hervorragend recherchiert wurde und mir viele neue Einblicke geboten hat, obwohl ich schon sehr viel Lektüre zum Zweuien Weltkrieg und #gegendasvergessen gelesen habe. Ich hätte mir allerdings "etwas mehr Mala" gewünscht. Trotzdem empfehle ich dieses Buch auf jeden Fall an alle Interessierten zum Thema weiter.

Vielen Dank an den Europa Verlag für dieses ganz besondere Buch!

Die verlorenen Generation - Christian Hardinghaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     


    • Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
    • Verlag: ‎ Europa Verlag; 1. Edition (4. Oktober 2021)
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958903827
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958903821
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Europa Verlag Kurzbeschreibung:
Hitlers letztes Aufgebot war minderjährig. Aufgepeitscht durch Kriegspropaganda, glaubten viele Hitlerjungen, sie könnten den Endsieg noch herbeiführen und Deutschland vor dem Untergang bewahren. Etwa 200 000 Luftwaffenhelfer ab 15 Jahren verteidigten schon 1943 deutsche Städte fast im Alleingang; im Herbst 1944 wurde der Volkssturm für alle ab 16 Jahren zur Pflicht, und 1945 missbrauchte die NS-Führung selbst 14-jährige als Lückenfüller und Kanonenfutter in Panzervernichtungstrupps. Allein in den letzten Kriegswochen fielen über 60 000 Kindersoldaten. Die Überlebenden leiden bis heute an verdrängten Kriegstraumata, und die meisten von ihnen konnten oder wollten nie darüber sprechen. Am Ende ihres Lebens berichten 13 Zeitzeugen unbeschönigt von ihren Kindheitserlebnissen während erbarmungsloser Kämpfe oder zermürbender Gefangenschaft.

Meine Bewertung: * * * * *

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Nach der "Verdammten Generation und der "Verratenen Generation" widmet sich Autor Christian Hardinghaus nun der verlorenen Generation - den Kindersoldaten. Der Historiker fesselt mit seinen Berichten und Analysen und bringt Geschichte wirklich jedem Leser näher. Chrisian Hardinghaus hat mit dieser Reihe die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zum Interview gebeten. Für ihn ist es wichtig, diese Zeitzeugnisse für die kommenden Generationen festzuhalten und #gegendasvergessen anzukämpfen.

1945 hat Hitler mit der Einberufung von noch minderjährigen Kindern und alten Männern bis 60 Jahre das letzte Aufgebot ausgefasst und noch mehr Leid über viele Familien gebracht. Auch mein Großvater wurde als 58jähriger noch in den Volkssturm geschickt und kam nie mehr wieder.

Bevor sich der Autor wieder jeden einzelnen Schicksal widmet, berichtet er von der HJ und dem Jungmädchenbund, die sehr prägsam für die Kinder waren. Mit sportlicher Veranstaltungen und Wettkämpfen werden sie körperlich bereits zu Soldaten getrimmt. Die Kriegspropaganda griff vorzüglich. Man erkennt sehr gut, wie wohl überlegt das NS Regime ihre Arbeit geleistet hat.

Wie auch schon im letzten Buch kommen die Zeitzeugen größtenteils aus dem Norden Deutschlands und aus verschiedenen Schichten. Zwei davon sind allerdings durch den Krieg auch für einige Zeit in Österreich gelandet.
Jeder der dreizehn Zeitzeugen hat eine erschütternde Geschichte zu erzählen. Manche Erzählungen machten mich sprachlos. Fotos aus Kriegstagen oder von der Familie runden diese erschreckenden Berichte ab und bringen dem Leser die ehemaligen Kindersoldaten näher. Das Elternhaus spielt in diesem Alter noch eine große Rolle.
Die furchtbaren Ereignisse haben die meisten von ihnen schweigen lassen. Erst viel später stellen sich einige ihrer verlorenen Kindheit. Die seelischen Wunden sind bis heute nicht verheilt. Alle von ihnen geben zu, mit Feuereifer in den Krieg gezogen zu sein. Meistens wurden sie zuerst Flakhelfer, wo sie anfangs noch von den Lehrern den versäumten Schulstoff unterrichtet bekamen, später waren sie nur mehr Kanonenfutter. Einige von ihnen haben sich auch freiwillig gemeldet, um das Vaterland oder die Familie zu schützen.

Am Ende des Interviews stellt der Autor jeden der dreizehn Überlebenden die Frage, ob sie von der Vernichtung der Juden gewusst haben. Übereinstimmend haben alle freimütig erzählt, dass sie mitbekommen haben, dass Juden unerwünscht waren und umgesiedelt wurden oder verreisten. Von den Vernichtungslagern und den schrecklcihen Morden haben sie allerdings erst nach dem Krieg erfahren.

Fazit:
Mit seinem dritten Buch, "Die verlorene Generation", das über die Kindersoldaten berichtet, vollendet Christian Hardinghaus seine Reihe um die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Erschütternd und authentisch sind die Berichte der noch wenigen Überlebenden aus dieser Zeit. Wir dürfen nicht vergessen, was damals passiert ist und müssen gegen jeglichen Rassismus vorgehen.
Auch diesmal kann ich wieder nur eine klare Leseempfehlung abgeben und rate wirklich jeden, sich diese Lektüre über die letzten Zeitzeugen zu Gemüte zu führen.

 

Vielen Dank an den Europa Verlag und vorallem an Christian Hardinghaus für die gewohnt souveräne Leserunde

Die verratene Generation - Christian Hardingaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag

     

    • Gebundene Ausgabe : 336 Seiten
    • Verlag: Europa Verlag (30. Oktober 2020)
    • ISBN-10 : 3958903320
    • ISBN-13 : 978-3958903326
    • Genre: Sachbuch, Biografie



Europa Verlag Kurzbeschreibung:
Der Großteil der zivilen Opfer war weiblich. Vergleichsweise wenig ist in der Wissenschaft über die Rolle der Frau im Nationalsozialismus geschrieben worden, so gut wie gar nichts über ihren Einsatz im Krieg. Dabei zwangen die Nazis, obwohl dies im Widerspruch zu ihrer eigenen Ideologie stand, beinahe jede deutsche Frau in den Kriegsdienst. Viele Millionen etwa schufteten als Rüstungsarbeiterinnen, 1,5 Millionen standen als Wehrmachtshelferin, Kriegshilfsdienstmaid oder Lazarettschwester mitten im Kriegsgeschehen. Frauen zitterten Nacht für Nacht in Luftschutzkellern um ihr Leben, wurden ausgebombt und verletzt, trauerten um ihre gefallenen Ehemänner. Sie waren auch die ersten Opfer der einrückenden Sowjetarmee, die keine Gnade mit ihnen kannte. Wenn sie das alles überlebt hatten, krochen sie am Ende auf Trümmern und räumten auf. Bis heute leiden diese Frauen an unverarbeiteten Kriegstraumata, für die sich zu wenige ihrer Nachkommen interessierten.

Meine Bewertung: * * * * *

Meine Meinung:
Die Bücher von Christian Hardinghaus begleiten mich nun schon eine Weile und immer wieder bin ich begeistert von seiner sachlichen und sehr interessanten Darstellung der Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg. Der Historiker fesselt mit seinen Berichten und Analysen und bringt die Geschichte jedem Leser näher. Was hätte ich mir gewünscht, damals in der Schule, nur einen Bruchteil dessen so interessant erzählt zu bekommen.

Nachdem der Autor in "Die verdammte Generation" den männlichen Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges ein Buch gewidmet hat, sind es nun in "Die verratene Generation" die Frauen. Es bleibt nicht mehr viel Zeit diese immens wichtigen Zeitzeugen anzuhören, denn seit 75 Jahren ist der letzte Weltkrieg beendet. Doch noch heute leben wir mir den Nachwirkungen und zwar mehr, als wir oftmals denken.

Bevor sich Hardinghaus wieder den Einzelschicksalen seiner Zeitzeuginnen widmet und ihnen eine Stimme gibt, geht der Autor auf die Rolle der Frau während des Zweites Weltkrieges ein. Diese steht im Vergleich zu den männlichen Soldaten sehr im Hintergrund und wird oftmals fälschlich dargestellt und dies von vorwiegend weiblichen Historikerinnen. Es geht um die Frage der Schuld und wie die Gesellschaft von heute diese Zeit sieht. Danach widmet er sich Frauen auf der Flucht. Dabei kam es massenhaft zu Gewalt, Ausgrenzungen und Vergewaltigungen. Die Flucht geschah meistens in Etappen, denn der Russe kam immer schneller näher und war gefürchtet. Die Flüchtlinge waren jedoch innerhalb ihres eigenen Landes nicht willkommen.

Im letzten Teil wird näher auf die Bombardierungen eingegangen. Besonders der Feuersturm in Hamburg und die Zerstörung Dresdens am Ende des Krieges nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Wie die Menschen diese furchtbaren Flächenbombardments, die nach heutigen Maßstäben völkerrechtlich als Kriegsverbrechen gewertet werden erlebt haben, lässt Hardinghaus seine Zeitzeuginnen berichten. Für uns Leser ist es unvorstellbar, wenn man die Zahlen der verschiedenen Bomben liest, die auf die Städte abgeworfen wurden, wie dabei überhaupt jemand überleben konnte.
Gelernt habe ich auch wieder einiges, wie z.Bsp., dass es Hoch- und Tiefbunker gibt. Lores Vater war Architekt und half mit beim Bau vieler Bunker in Hamburg.
..."musste ich meinem Vater versprechen, dass ich immer nur in Hochbunkern Schutz suche. Die hielt mein Vater für sicher."
Außerdem erfahren wir, dass es sogar eigene Bunker für schwangere Frauen gab.

Die Zeitzeuginnen sind aus unterschiedlichen Schichten und Regionen, diesmal aber großteils (Dank Corona) im Norden Deutschlands angesiedelt. Trotzdem sind die Erzählungen sehr individuell. Hardinghaus hat besonders darauf geachtet unterschiedliche Lebensberichte in seinem Buch zu veröffentlichen. Dabei werden die Bombardierungen in Dresden, der Feuersturm in Hamburg, die Vertreibung der Sudetendeutschen oder die Flucht über die Haff theamtisiert. Auch den Trümmerfrauen gibt er ein Sprachrohr.
Die Frauen haben während des Krieges ihre Familie zusammengehalten und oftmals unaussprechliches Leid erfahren. Doch sie gaben nicht auf und wurden zeitlebens nie gehört. Helden waren nur die Männer, die Frauen nicht.
Die ereignisreichen und doch so unterschiedlichen Lebensgeschichten verschmelzen mit dem historischen Kontext zu spannenden und berührenden Erzählungen, die einem viele verschiedene und oftmals neue Einblicke gibt. Manchmal entscheiden nur Sekunden oder wenige Meter über Leben und Tod.
Zahlreiche private Fotos bringen dem Leser, die vom Autor ausgewählten dreizehn Zeitzeuginnen, noch näher. Auch Bilder von den zerstörten Städten lassen einem nur sprachlos zurück. Was bin ich froh, dass ich diese Zeit nicht miterleben musste.

Fazit:
Nach der Sicht männlicher Zeitzeugen in seinem Werk "Die verdammte Generation" hat der Autor nun den Frauen, die diese Zeit miterlebt haben, eine Stimme gegeben. Gewohnt lebendig hat der Historiker die Erzählungen der Zeitzeuginnen festgehalten, um #gegendasvergessen anzukämpfen. Falls eure Großmütter geschwiegen haben, so wie die meisten Männer und Frauen, die die Weltkriege miterlebt haben, dann liest dieses Buch! Auch diesmal kann ich wieder nur eine klare Leseempfehlung abgeben und rate wirklich jeden sich diese beiden Bücher über die letzten Zeitzeugen zu kaufen oder zu wünschen (Weihnachten naht!)

Vielen Dank an den Europa Verlag für das Rezensionsexemplar und an den Autor für seine unglaublich interessanten Leserunden, die mich jedes Mal wieder unglaublich berühren und bei denen man immer wieder etwas Neues lernt.

 

Die Spionin der Charité - Christian Hardinghaus

    Die Bildrechte liegen beim Verlag


    • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    • Verlag: Europa Verlag; Auflage: 1 (8. Februar 2019)
    • ISBN-10: 3958902375
    • ISBN-13: 978-3958902374
    • Genre: Historischer Roman


Europa Verlag Kurzbeschreibung:
Bern, 20. Juli 1974: Die 56-jährige Lily Kolbe zerreißt wütend die Zeitung, die über die heute stattfindenden Gedenkfeiern zum gescheiterten Attentat auf Hitler vor 30 Jahren berichtet. Sie kann es kaum ertragen, dass an ihren Mann Fritz Kolbe und ihren ehemaligen Chef Ferdinand Sauerbruch nie erinnert worden ist. Die acht Mitglieder der bis heute unbekannten Widerstandsgruppe »Donnerstagsclub« hatten sich nach dem Krieg geschworen, alles geheim zu halten. Lily will das Schweigen jetzt brechen. Sie greift zum Telefon und ruft Eddie Bauer, einen Journalisten der "New York Times", an: »Ich bin bereit zu reden. Kommen Sie in die Schweiz! Sofort!«

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Passend zur momentanen laufenden 2. Staffel der Charité im TV hat Autor und Historiker Christian Hardinghaus seinen Roman geschrieben, der jedoch nicht ident mit der Serie ist.
Es ist mein zweites Buch des Schriftstellers. Mit "Die Spionin der Charité" hat er einen spannenden Roman erschaffen, der eine Mischung aus Wahrheit und Fiktion ist. Einige Figuren in Hardinghaus Buch erhalten vom Autor einen erfundenen Namen, während andere - wie Sauerbruch, de Crinis oder Kolbe mit ihren Klarnamen genannt werden. Am Ende des Buches werden die Pseudonyme aufgedeckt. Für mich wäre diese Änderung nicht wirklich notwendig gewesen...

1974. Zu Beginn lernen wir die ältere Lily Kolbe kennen, einstmals Professor Sauerbruchs Chefsekretärin. Sie entschließt sich ein Interview zu geben und endlich das Geheimnis des Donnerstagsclubs, eine Widerstandsgruppe während des Zweiten Weltkrieges, zu lüften. Lily möchte die Geschichte ihres Mannes, Fritz Kolbe, einem amerikanischen Journalisten erzählen. Er gehört zu denjenigen, die immer wieder ihr Leben riskiert haben und trotzdem eher unbekannt blieben oder totgeschwiegen wurden. Fritz Kolbe war Diplomat beim Auswärtigen Amt und hat für die USA spioniert. Immer wieder hat er seinen Leben aufs Spiel gesetzt und hat in der Schweiz den Amerikanern geheime Papiere übergeben....Papiere, die auch über Konzentrationslager berichteten, die jedoch sowohl von den Amerikanern, als auch den Briten ignoriert wurden. Es macht einen dabei fassungslos, dass die Allierten schon viel früher eingreifen und somit hunderttausende Menschenleben hätten retten können. Auch Fritz Kolbe wurde nie die Beachtung für seine Einsätze zuteil - im Gegenteil! Dies möchte Lily nun ändern....

Dazu reisen wir zurück ins Jahr 1943. Lily, die Kolbes Frau Maria nachempfunden wurde, erhält den Auftrag Fritz Kolbe zu bespitzeln und herauszufinden, ob er als Mitglied für den geheimen Donnerstagclub angeworben werden kann. Dieser Widerstandsgruppe, die sich in der Charité unter Professor Ferdinand Sauerbruch formiert hat, gehört auch Lily an. Die Beiden verlieben sich und arbeiten fortan gemeinsam in der Widerstandsgruppe unter Professor Sauerbruch in der Charité.

Der Leser erhält einen realistischen Einblick in den Krankenhausalltag der Charité in den letzten beiden Kriegsjahren. Die Bombenangriffe, die die Ärzte dazu zwingt im Bunker zu operieren oder die laufende Bedrohung durch Bespitzelung und diverse Besuche hochrangiger SS-Männer. Je mehr sich der Krieg dem Ende naht, umso gefährlicher wird es für die Widerstandskämpfer und auch für die Ärzte in der Klinik. Sauerbruch wird immer wieder unter Druck gesetzt, vorallem nach dem missglückten Attentat an Hitler am 20. Juli 1944. Graf Stauffenberg, ein Freund von Sauerbruchs Sohn, ging schließlich beim Professor und seiner Frau im Haus ein und aus...Inwiefern Sauerbruch in die Pläne des Attentats eingeweiht war, lässt der Autor offen und der Fantasie des Lesers...
Das Ende des Romans hält noch eine Überraschung bereit!

Schreibstil:
Der Schreibstil des Autors ist eher nüchtern, aber fesselnd -  kommt er doch eher aus dem Sachbuchbereich. Trotzdem sind seine Charaktere sehr lebendig und bilhaft gezeichnet. Die persönlichen Schicksale der historischen Figuren berühren und vorallem die beklemmende Atmosphäre und die allgegenwärtige Gefahr während des Krieges wird wunderbar eingefangen. Man bangt mit den Charakteren und hofft, dass die Gestapo nicht hinter ihre Pläne und Verschwörungen kommt.

Fazit:
Eine bewegende Geschichte, die uns einen weiterer Blick in diese dunkle Zeit während des Zweiten Weltkrieges werfen lässt. Besonders für diejenigen, die auch "Die Charité" im TV verfolgen eine große Empfehlung! Spannend, informativ und eindrucksvoll.

Vielen Dank an den Europa Verlag und Lovelyboks für das Rezensionsexemplar, sowie Christian Hardinghaus für die sehr interessante Begleitung der Leserunde


Ein Held dunkler Zeit - Christian Hardinghaus



    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: Europa Verlag; Auflage: 1 (2. März 2018)
    • ISBN-10: 3958901190
    • ISBN-13: 978-3958901193
    • Genre: Historischer Roman, Biografischer Roman


Europa Verlag Kurzbeschreibung:
Winter 1941/42, deutsche Stellungen in der Südukraine. Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, kämpft einen verzweifelten Kampf – er benötigt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Es ist die einzige Chance, in den Offiziersrang aufzusteigen und beim Führer ein Gnadengesuch einzureichen, um seine halbjüdische Frau »arisieren« zu lassen. Eine Ausnahmeregelung der Nazis verspricht ihr »deutsches Blut«, wenn er zum Helden wird …

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Weltenbummler Challenge

Meine Meinung:
Der Roman von Christian Hardinghaus basiert auf der wahren Geschichte des Arztes Helmut Machemer. In seinen Briefen von der Front hat er seine Eindrücke seiner Familie hinterlassen. Gemeinsam mit Christian Hardinghaus hat sein Sohn Hans Machemer diese Dokumente ausgewertet und in einem Bildband/Sachbuch niedergeschrieben. Die Geschichte hat den Autor so nachhaltig beeindruckt, dass er einen Roman geschrieben hat, der auf Macheners Lebensgeschichte basiert.

Aus der Erzählperspektive des 95-jährigen ehemaligen Sanitätsgehilfen Friedrich Tönnies erfährt der Leser die Lebensgeschichte von Doktor Wilhelm Möckel. Dieser war sein Freund und Wegbegleiter in den ersten Kriegsjahren. Ein kleiner Vorfall ist der Auslöser, dass Friedrich den Entschluss fasst, die Geschichte von Wilhelm zu Papier zu bringen. Als der junge Augenarzt die kesse Medizinstudentin Annemarie im Sommer 1932 kennenlernt, ahnen sie nicht, welches Schicksal sie erwarten wird. Als Annemarie und Wilhelm heiraten wollen, erfährt die junge Frau, dass ihre Mutter Jüdin ist. Diese hat zwar nie den jüdischen Glauben praktiziert, doch nach dem Inkrafttreten des Nürnberger Rassegesetzes 1933 ist Annemarie ein "Mischling erstes Grades". Sie darf ihr Medizinstudium nicht mehr weiterführen und Wilhelm wird nach der Heirat die Kassenzulassung entzogen. Freunde wenden sich ab. Als Wilhelm hört, dass er die Möglichkeit hat durch eine besondere Tapferkeitsauzeichnung, das Eiserne Kreuz I. Klasse,  ein Gnadengesuch beim Führer einzureichen, meldet er sich freiwillig zum Kriegseinsatz. Dies ist die einzige Chance einer "Arisierung" für seine Frau und die Zwillingssöhne Max und Martin zu bekommen...

Zu Beginn erfahren wir mehr über Wilhelm und Annemarie, ihre beginnende Liebe und die anfänglichen Schwierigkeiten durch das Nürnberger Rassegesetz. Man erlebt hautnah mit, wie die beiden ausgegrenzt werden und wie radikal selbst ehemalige Freunde sich verhalten.
Doch den Großteil begleiten wir Friedrich und Wilhelm an die Ostfront, liegen mit ihnen in den Schützengräben, laufen unter Kugelhagel zu den Verwundeten und verbinden sogar den Feind. Äußerst authentisch und wahnsinnig gut recherchiert hat Christian Hardinghaus für seinen Roman und legt einen ungeschönten Bericht vor. Der entscheidende Hungerwinter steht der 16. Panzerdivision bevor, doch zuvor geht es noch in die Südukraine, deren Bewohner der Besatzungsmacht gar nicht so feindlich gegenübersteht, weil viele von ihnen deutsche Wurzeln haben. Kriegstechnische Details langweilen hier nicht, sondern lenken ab und zu vom Kampfgeschehen, Amputationen und schweren Verlusten ab, die Wilhelm und Friedrich miterleben müssen. Dabei bleibt Wilhelm immer menschlich und seinem Hypokrates-Eid treu.

In einem zweiten Strang bleiben wir bei Annemarie und ihrer Familie, die mehr und mehr unter Druck geraten und den Schikanen der NS ausgeliefert sind. So erfährt der Leser wie es den Daheimgebliebenen ergeht, während Wilhelm und sein treuer Sanitätsgehilfe Friedrich an der Ostfront kämpfen.

Zum Roman gibt es auch das Sachbuch "Wofür es lohnte, das Leben zu wagen: Briefe, Fotos und Dokumente eines Truppenarztes von der Ostfront 1941/42" mit über 160 Briefen, über 2000 Fotos und mehreren Stunden Filmmaterial.

Schreibstil:
Christain Hardinghaus hat einen eher nüchternen, aber sehr flüssigen Schreibstil, der bei diesem Roman, der den Schrecken des Krieges sehr detailliert wiedergibt, perfekt passt. Trotzdem kommt das Emotionale genaus durch und berührt sehr. Als Historiker und mit den persönlichen Unterlagen des Vorbildes für seinen Roman, entführt er den Leser zurück in die Zeit des zweiten Weltkrieges. Die Stimmung ist dem Thema entsprechend eher düster gehalten.
Die Charaktere sind sehr lebendig und gut gezeichnet. Ich fühlte ihre Emotionen, sei es Angst, Unglauben, Freude oder Verlust durch jede Zeile.

Fazit:
Ein bewegender Roman mit biografischen Zügen, der ein weiterer großartiger Beitrag gegen das Vergessen ist. Ein wichtiges Zeitdokument, das ich gerne weiterempfehle! Literatur zu diesem Thema kann es nie genug geben!

Vielen Dank an den Europa Verlag für das Rezensionsexamplar und an Christian Hardinghaus für die tolle Begleitung bei der Lovelybooks Leserunde!
 

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